Lektürentagebuch 26.12.25
Bei Buddenbrooks kehrt der Konsul
Nach seinem Erfolg beim Volk zurück
In den Sitzungssaal wo die Wirtin den
Herren bereits Bier brachte wie die
Lampen am Tisch entzünden ließ
Die Stimmung ist locker entspannt
Dem Konsul wird gratuliert warum
Es dauert bis er wieder zu seinem
Schwiegervater kommt der hier als
Einziger unverändert schlechter
Stimmung ist und den angebotenen
Arm des Konsuls auf dem Weg
Zum Wagen gerne nimmt dabei
Sich weiter über die Unverschämtheit
Des Volkes noch empörend ringt er
In der Kutsche schon nach Luft
Bittet den Konsul das Fenster der
Krögerschen Kalesche zu öffnen
Durch das ausgerechnet dann ein
Nur eigroßer Stein hinein fliegt
Dieser trifft Lebrecht Kröger der
Nichts außer Kanalie zischt kein
Wort mehr spricht bis zur Ankunft
Den Konsul um Hilfe dann bittet
Schwer an seinem Arm mit schon
Ganz gelbem Gesicht laufen sie
Über den Kies der Auffahrt und
Auf der großen weißen Freitreppe
Die zum Speisezimmer hinauf führt
Knickten ihm die Beine ein sein Kopf
Fiel auf die Brust und die Kiefer
Schlugen knackend zusammen
Seine Augen verdrehten sich dabei
Lebrecht Kröger war wie es hier
Treffend elegant Thomas Mann
Schreibt bei seinen Vätern
Der Tod des Greisen der früher
Ein â la mode-Kavalier noch war
Wurde vermutlich nicht durch den
Stein den irgendwer warf verursacht
Vermutlich flog er im gut gelaunten
Volk einfach launisch durch die Luft
Wie Thomas Mann schon vorher
Das Geschehen abschwächt
Oder war der Schwiegervater des
Konsuls der sich so über den Pöbel
Erregte das einzige kleine Opfer
Der Revolution von 1848 in Lübeck
Eine auch historisch wohl völlig
Harmlos verlaufende Unruhe
Bekommt so ein überraschend
Tragisches Ende was aber der
Typisch mannsche Humor ist
Er versucht den Kontext dabei
Schon vorab abzuschwächen
Damit keiner ein Attentat vermutet
Dennoch wird die Geschichte nicht
Ohne jede Dramatik eingeflochten
Die den später Tod auch irgendwie
Komisch schon wieder machte
Es war einfach eine Koinzidenz
Von Ereignissen mit tödlicher Folge
Die zufällig war und vermutlich war
Keinerlei Absicht dahinter gewesen
Starb der alte Kröger an seiner
Aufregung über die Ereignisse
Oder regte er sich nur so auf
Weil er den Tod nah fühlte
Thomas Mann lässt all dies offen
Am Ende ist es auch völlig egal
Ein Greis starb auf der Treppe
Seines Hauses als es Zeit war
Nicht jeder Tod wird aufgeklärt
Wer nicht mehr ist hat alles damit
Hinter sich was manchmal genügt
Die Sache in Ruhe zu lassen
Denke an den Feuertod meiner
Stiefurgroßmutter der noch viel
Seltsamer eigentlich war der
Dennoch dahinstehen konnte
Ihr Lieblingsenkel mein Vater
Äußerte zwar den Verdacht
Aber ließ es auch dahinstehen
Forschte nicht weiter nach
Wie sein Tod einfach eintrat
Infolge des bereits schwachen
Herzens womit zu rechnen war
Der Tod kommt natürlich vor
Wo wir schon beim Thema Tod
Waren sei nun dem Sterben wie
Dem endlich Tod von Joachim
Mit gebotener Ehre beigewohnt
Es ging dann tatsächlich schnell
Wie vom Hofrat angekündigt hatte
Joachim die letzten Tage viel nur
Geschlafen und geträumt
So ganz friedlich entschlief der
Gute Joachim im Dämmerzustand
Dann doch nicht sondern regte sich
Noch über sein angeschwollenes
Gesicht auf in kurzen Momenten
Des Bewusstseins meinte er dann
Wenn das weg wäre würde alles
Wieder gut werden als zählte das
Die Schwellung hinderte ihn am
Sprechen flüsterte er darum noch
Seiner Mutter zu und bat sie ihn
Aufzurichten um einen Brief
Zur Verlängerung seiner Beurlaubung
Aufzusetzen was bei einem gerade
Sterbenden nicht ohne Ironie ist
Während seine Mutter sich also
Über ihn beugte seinem Wunsch
Aufgerichtet zu werden gemäß
Für ein Schreiben dessen es nie
Mehr bedurfte starb er einfach
Seine Mutter wandte sich unter
Tränen ab so schaute Joachim
Alleine auf dem Verstorbenen
Edel und älter sah er mit Bart aus
Die letzten Wochen war ihm auch
Die Rasur zuviel geworden und
Er hatte sich den Kriegerbart wie
Im Felde einfach stehen lassen
Hans übernahm es darum auch
Die Augen des Verstorbenen zu
Schließen bis Hofrat Behrens kam
Der den Tod offiziell bestätigte
Lobend spricht er über Joachim
Erwähnt natürlich dass er besser
Nicht ins Feld gezogen wäre aber
Würdigt ihn ganz ausdrücklich
Die folgenden Tage kommen dann
Freunde und Tischgenossen von
Joachim vorbei und erweisen ihm
Im Bett mit Bart aufgebahrt noch
Die letzte Ehre darunter Frau Stöhr
Die ganz gerührt meint am Grab
Dieses Helden müsse nun die
Erotika gespielt werden
Auch Settembrini und Naphta
Erscheinen zusammen und der
Italiener ist sichtbar gerührt was
Naphta nutzt gegen ihn zu Giften
Sei es aus Erschütterung über den
Tod oder aus Höflichkeit geht aber
Niemand auf dessen kleine Spitzen
Ein auch wenn Hans sie bemerkt
Den Transport Joachims in die Heimat
Nach Hamburg und alles übrige was
Tod und Sarg betrifft organisiert das
Sanatorium Berghof ganz dezent
Hans war noch lange häufiger bei
Joachim ihm die Ehre zu erweisen
Doch als sich dessen Gesicht zu
Einem Lächeln verzog reichte es
Nun sollte der Vetter ruhig in dem
Sarg verschwinden und im Flachland
Ein Salut mit Degen und Kanone
Für ihn in Ehren geschossen werden
Thomas Mann schafft es so auch über
Den Tod noch mit der vornehmen
Wie auch liebevollen mannschen
Ironie humorvoll zu schreiben
Humorvoll französisch aber mit viel
Gefühl zugleich schreibt dagegen
Stéphane Hessel über die ersten
Fünf Jahre am Hudson River
Sein Tanz mit dem Jahrhundert
Gibt überraschend persönliche
Wie dann wieder weltpolitisch
Spannende Einblicke in die Zeit
Erzählt von ihrer Wohnung direkt
Am Central Park in New York wie
Dem ersten Lächeln seiner Tochter
Die auf der Überfahrt entstand
So noch öffentlich auch über die
Zeugung zu plaudern ist typisch
Französisch und passt auch zu
Seiner Mutter Helen Hessel
In den USA in New York geboren
Wurde und von den vielen Besuchen
Der Freunde im damaligen Zentrum
Einen neuen Welt nach dem Krieg
Um dann zum Thema UNO zu
Wechseln wie seiner wichtigen
Aufgabe bei der Ausarbeitung
Der Erklärung der Menschenrechte
Wie sie sich mit den Ländern
Absprachen was noch einer
Zustimmung fähig war etwa
Für die UdSSR unter Stalin
Sie ahnten zwar schon dass
Es mit der Demokratie dort
Nicht weit her war aber vom
Gulag ahnten sie noch nichts
Auch die sonst eher totalitären
Zustände in den Volksdemokratien
Des Ostens waren ihnen noch nicht
Bewusst was er als Schuld sieht
Stéphane Hessel beschreibt
Diese Arbeit für die UNO als
Wichtigste Aufgabe seines
Lebens die ihn bis heute mit
Großem Stolz erfüllte wie er
Voller Begeisterung schreibt
Was für mich als Leser seiner
Erinnerungen auch spürbar wird
Den Sohn des von mir als Autor
So verehrten Franz Hessel so
Persönlich durch sein Leben zu
Begleiten ist eine doppelte Freude
jens tuengerthal 26.12.25
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