Donnerstag, 25. Dezember 2025

Lektürentagebuch 25.12.25

Lektürentagebuch 25.12.25

Mit Kapitel 3 im IV. Teil der großen 
Buddenbrooks begonnen wo es erst
Revolutionär und dann Platt wird im
Wilden Oktober 1848 in Lübeck

Es beginnt mit dem Gang des Herrn
Konsul Buddenbrook zur Sitzung
Der Bürgerschaft der Hansestadt
Auf dem er den Makler Gösch trifft

Hier entfaltet Thomas Mann wieder 
Sein großes Figurentheater auf der
Überschaubaren Bühne des Ratssaal
Werden Charaktere deutlich gezeigt

Auch dieses Kapitel über den leider
Vergeblichen Versuch Deutschland
Demokratischer zu machen ist eine
Schaubühne Mannscher Erzählkunst

Es beginnt schon mit der humorvollen
Beschreibung des Maklers Sigismund 
Gosch des Junggesellen von vierzig
Jahren mit grauen Haaren schon

Als ich die Buddenbrooks mit 17 noch
Das erste mal las uns so vieles aus
Der Familie wiedererkannt schien 40
Ein mir noch ganz fernes Alter

Graue Haare mit vierzig wunderten 
Den nicht mal zwanzigjährigen nicht
Während es mir heute mit Mitte 50
Eher etwas übertrieben schon scheint

So ist die wiederholte Lektüre eines
Großen Roman sehr lohnend dies 
Insbesondere auch beim Blick auf
Einen sich wandelnden Autor 

Thomas Mann war Mitte zwanzig 
Als er die Buddenbrooks schrieb 
Da scheint vierzig noch alt was 
Heute mit 55 eher jung scheint 

In den Sitzungssaal der sonst 
Zu einer Tanzwirtschaft gehört
Gelangen sie durch eine enge
Kleine Tür die Flucht erschwert

Dort werden bekannte Figuren
Wie sein Schwiegervater der
Vornehme Lebrecht Kröger aber
Auch neue Figuren mit sich 

Wiederholenden Wendungen
Vorgestellt die Teil ihres Charakters
Werden den Mann mit viel Humor
So karikiert dass es eine Freude ist

Die mögliche Flucht durch die Luke
Im Dach in der aber korpulentere
Senatoren fürchten stecken zu 
Bleiben ist so ein Ereignis

Einige Mitglieder der Bürgerschaft
Schnacken schon Plattdeutsch was
Mann schon wundervoll spielerisch
Aufnimmt in dieser Szene

Draußen skandiert die Menge hier
Sprüche der Revolution während
Drinnen Sorge und Aufregung über
Die problematische Situation wachsen

Senator Buddenbrook setzt sich
Nachdem er Bekannte begrüßte
Zu seinem Schwiegervater den 
Das Geschehen merkbar aufregt

Als dieser nach Hause will und
Fragt wo sein Wagen bleibt die
Vierspännige Kalesche mit der
Tony gen Travemünde führt

Entschließt sich der Konsul
Dem Theater ein Ende zu machen
Mit den Leuten vor der Tür zu reden
Dabei begleitet ihn der Makler Gosch

Während letzterer auf ein Drama hofft
Schnackt der Konsul mit seinen dort
Arbeitern auf Platt über ihre ihm
Albern erscheinenden Forderungen

Dies zumal Lübeck auch ohne eine 
Revolution die neue Verfassung mit
Dem allgemeinen Wahlrecht hatte
Damit also eine Demokratie war

Es wird damit einerseits noch die
Revolution aus bürgerlicher Sicht 
Verspottet und lächerlich gemacht
Wie auch das Parlament in der

Paulskirche als bloße Versammlung
Von Professoren verspottet wurde
Mit denen Großbürger wie es die
Buddenbrooks und Manns waren

Lieber nichts zu tun hatten und
Der herablassende Ton gegenüber
Allen Revolutionären ist mir auch
Aus meiner Familie nicht unbekannt

Stolz war meine Großmutter noch
Dass Hindenburg ihr Nachbar war
Irgendwo in Hannover nahe der
Eilenriede die heute inmitten liegt

Sie waren Deutschnational noch
Aber keinesfalls Nazis und später
In Bremen zog die Großmutter die
Jahrgang 1911 noch war einmal

Die deutsche Fahne schwarzrotgold
Am Bremer Kippenberg am 1. Mal ein
Um schwarz weiß rot aufzuhängen
Der Urgroßvater regelte dann alles

Der Schuldirektor war Clubkamerad
Der Urgroßvater verdienter Offizier
So etwas regelte die Klasse unter
Ihresgleichen ohne große Skandale

Daran denke ich wenn ich den
Konsul Buddenbrook mit seinen
Arbeitern reden hören dabei im
Platt quasi auf einer Ebene

Tatsächlich gab es in Lübeck
Am 9. Oktober 1848 wohl eine
Protestversammlung vor der hier
Bürgerschaft die reaktionär war

Dort wurde sich für die Beibehaltung
Des Ständewahlrechts stark gemacht
Aber sie war so erfolglos wie alle die
Sonst Versuche der Revolution dort 

Thomas Mann drehte also den realen
Historischen Kontext um macht aber
Die Revolutionäre zu ungebildeten
Arbeitern die das Bürgertum besiegt

Spannend ist auch weiter des Konsuls
Schwiegervater sich noch im damals 
Vornehmen französisch über die
Canalie draußen aufregt voller

Herablassung des Großbürgers der
Gerne vierspännig vorfährt und nun
Nervös mit den Edelsteinen auf seiner
Weste spielte als a la Mode Cavalier

Die Revolutionäre werden von ihrem
Chef im Alltag beruhigt und auch
Ein wenig bloßgestellt um sie dann
Gelassen nach Hause zu schicken 

Großes bürgerliches Theater was
In vielem dem entsprach was ich
Von meinen Großeltern noch über
Die Revolution in Deutschland erfuhr

Das wurde nicht ernst genommen
Großbürger waren kaisertreu noch 
Sozialdemokraten waren Gegner
Galten als Proleten wie im Untertan

Dieser etwas schlicht plakative
Roman von Bruder Heinrich ist
Zwar eher einer Karikatur des
Bürgertums aber teils treffend

Spannend ist beide schrieben
Ihre Werke parallel in Rom und
Werden sicher beim Vino oder
Cappuccino geplaudert haben

Dies in der eigenen Familie auch
Erkennen zu können die selbst
Tief im Standesdenken verfangen
Schafft eine spannende Position

Es hält die Buddenbrooks aktuell
Die zwar über hundert Jahre alt
Doch zu aktuellen Konflikten bis
Heute lehrreich komischer sind


Weiter mit Thomas Mann aber
Nun in Davos im Zauberberg
Der in den Zwanzigern vollendet 
Noch vor dem Weltkrieg spielt 

Hier tauche ich wieder in das
Sterben des Leutnant Joachim
Hans Castorps Vetter mit ein
Das unaufhaltsam nun kam

Lese wie Luise Ziemßen die
Pflege ihre Sohnes übernahm
Mit eifersüchtiger Energie wachte
Schwester Berta die eigentlich

Alfreda Schildknecht hieß hatte 
So eine Menge Zeit noch auf dem
Korridor zu stehen war mehr der
Stattlichkeit wegen bestellt worden

Auch das können wir uns am leisten
Für unseren Sohn ist uns nichts 
Zu teuer was noch retten kann dabei
Ging es nur um Zerfallsverwaltung

Die protestantische Diakonissin war
Eher nüchtern und war imstande 
Mit Joachim oder Hans allein im
Zimmer echte Knaller loszulassen

So etwas dass sie sich nicht träumte
Einen der Herren noch einmal zu
Tode zu pflegen was war wie es war
Auch wenn Hans ihr danach drohte

Sogar Hofrat Behrens machte den
Angehörigen keine Hoffnung auf
Heilung mehr meinte es könnte
Sich nur noch um Stunden handeln 

Hans Castorp fasste das Phänomen
Sachlich ins Auge trotz Trauer und
Brachte Betrachtungen dazu in die
Gespräche mit seinen Lehrern

Während er Naphta und Settembrini 
Über Joachims Zustand berichtete
Bekommt dabei einen Verweis für
Seine Sicht auf das Gute als gesund

Von einer idyllischen Herzaffäre
Spricht dagegen Hofrat Behrens
Während er die Hand der Mutter
Luise Ziemßen dabei in seinen hält 

Ungeheuer lieb sei ihm der kardiale
Verlauf den das ganze nimmt denn
So blieben Joachim viele Schikanen
Erspart das Herz ließe rapide nach

Er bekäme noch Kampferspritzen
Das wäre alles was sie tun könnten 
Ohne noch viel Aussicht dabei ihm
Noch Weitläufigkeit zu geben 

Er würde viel schlafen und zuletzt
Freundlich träumen glaubt er schon
Versprechen zu können wird einen 
Unmerklichen Übertritt dann haben

Ziemlich egal wird der Tod ihm sein 
Darauf könnte sie sich verlassen
Er kenne den Tod und sei quasi ein
Alter Angestellter von ihm

Dieser würde meist überschätzt
Es sei fast gar nichts damit los
Was schmerzt und litt lebe noch
Vom Tode käme keiner wieder

Es wüsste keiner was uns davon
Zu erzählen weil du ihn nicht erlebst
Wir kämen aus dem Dunkel und
Gingen in das Dunkel mehr nicht

Dazwischen liegen die Erlebnisse
Aber Anfang und Ende also auch
Geburt und Tod würden nicht erlebt 
Hätten keinen subjektiven Charakter 

Als Vorgänge fielen sie in das Gebiet 
Des Objektiven und so meinte der
Hofrat Trost zu spenden darauf kann 
Hier nur mit Vernunft gehofft werden

So neige ich mit eigener
Todeserfahrung bei einem
Herzstillstand nach Unfall dazu
Dem Hofrat Recht zu gehen

Von Nichts kommt nichts mehr
Entsprechend gibt es auch keine
Erinnerung an den Tod oder die
Momente ohne Herz und alle

Die anderes erzählen haben die
Träume von Geistersehern oder
Sonst einen Wahn auch wenn
Dieser sich Religion nennt

Vor Nichts aber müssen wir uns
Nie fürchten wie Epikur schon so
Richtig wie nüchtern feststellte 
Der Tod geht uns nichts an 


Vom Durst auf das Leben der
Nach der Zeit im KZ bei ihm nie
Gestillt wurde erzählt dagegen 
Stéphane Hessel in seinen so

So spannenden Erinnerungen dem
Tanz mit dem Jahrhundert der nun
In Kapitel 11 über seine Zeit bei
Den Vereinten Nationen erzählt

Er hätte die 50 Jahre nach seinem
Überleben intensiv von Tag zu Tag
Gelebt als würde sich die Zeit über
Ihn dabei einfach neu ergießen

Das seiner Mutter Helen gegebene
Versprechen glücklich zu sein
Sah er als wichtigen Beitrag
Eines jeden zum Glück aller

Er hatte die Offenheit für 3 Sprachen
Also 3 Poesien wie 3 Kulturen deren
Zusammenwirken ihn nie völlig
Mittellos oder einsam sein ließ 

Dies Gepäck und dieses Bedürfnis
Hätte ihm durch sein langes Leben
Geholfen sagt er heute mit achtzig
Darüber möchte er uns erzählen

Dann ein rasanter Sprung in das
Jahr 1995 zum 50. Geburtstag
Der Vereinten Nationen die er 
Von Anfang an mit begleitet hätte 

Staunte erst etwas war doch
Gerade noch die Reise nach
China als Diplomat geplant wie
Nur ein Zwischenstopp in New York 

Diesen hatte sich seine Frau auf
Dem Hinweg als Bedingung noch
Erbeten und er hatte zugestimmt
Erstaunt wie wenig sie widersprach

In New York aber stellte sein
Schwiegervater ihn Henry Laugier vor
Dem Stellvertreter des norwegischen
Generalsekretärs der neuen UN

Diese 1945 gegründete Organisation
Arbeitete zu dieser Zeit noch im 
Keller erinnert leeren Fabrikhalle 
Auf Long Island mit 50 Nationen 

Es war der Anfang und der Aufbruch
Dieser Organisation die so viele
Leben weltweit schon rettete die
Opfer trumpscher Missachtung ist

Er schildert wie Laugier ihn für die
Idee gewinnt die genau dem auch
Entsprach wovon er träumte als er
1945 aus dem KZ nach Paris kam

Diesen Traum hat er sich erfüllt
In verschiedenen Rollen wie
Aufgaben auch wenn auf Kosten
Der Karriere am Quai d'Orsay 

Stéphane Hessel plaudert so 
Ganz nebenbei wie ihn sein
Schwiegervater zur UNO so
Brachte der es lehrte was

Zu seiner bescheidenen
Dabei ganz natürlichen Art 
Passt die wirklich großes
Nonchalant eben macht

jens tuengerthal 25.12.25

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