Dienstag, 23. Dezember 2025

Lektürentagebuch 22.12.25

Lektürentagebuch 22.12.25

Begonnen mit Stéphane Hessel im
Tanz mit dem Jahrhundert Kapitel 10
Das von der Laufbahn als Diplomat
Dem Titel nach schon viel erzählt

Es fängt für ihn damit an dass ein
Ehemaliger Deportierter sich den
Fragen etwa der Schüler nicht
Einfach entziehen könnte

Im Gegenteil fordere das Ministerium
Sie zur Teilnahme auf solange es sie 
Als Augenzeugen noch gibt und er
Sei eben solch ein Augenzeuge

Er warnt vor der Ohnmacht die dem
Absoluten der Leichenberge sich
Völlig hilflos gegenüber sieht warum
Er an die Erniedrigung gern erinnert 

Diese sei heimtückisch wie nahezu
Unumkehrbar in ihrer Wirkung wenn
Der KZ Häftling zugleich Wolf wird
Um im Kampf zu überleben

Ihm hätte Jorge Semprun geholfen
Schwierigkeiten zu erkennen wie
Zu beschreiben ohne zu entstellen 
Erläutern ohne sich zu verzetteln

Sein erstes Buch Die große Reise
Habe ihn sehr aufgewühlt dann in
Was für ein schöner Sonntag taucht
Sogar sein eigener Name wieder auf 

Das versetzte ihm einen leisen
Schock und nun mit dem Band
Schreiben oder Leben schließe
Sich der Zyklus dem er folgte

Dies fesselte ihn auch deshalb 
So sehr weil es um seine Lager
Dabei ging die er zu gut kannte 
Was die Identifikation erhöhte

Der in seinen Augen aber aller
Bewegendste war Primo Levi
Der eine zerstörerische Realität
Beschreibt die ihre Vernichtung

Schon als Keim in sich trägt der
Literarisch perfekt gefasst wurde 
Am schwersten fiel ihm als Opfer
Wenn sie sich ihre Peiniger mit

Ihrer präzisen Logik genau ansahen
Dies noch zu verarbeiten dabei hat
Das Buch von Eugen Kogon der
SS-Staat ihm Zugang verschafft

Da er ihm sein Leben verdankt
Musste er es lesen wie seine
Abneigung gegen wiederkehrendes
Aufwärmen alter Geschichten 

Für dieses mal überwinden um zu
Erkennen wie er minutiös wie ein
Gelehrter die Maschinerie des KZ 
Demontierte dazu liefert er noch

Einen der zutreffendsten Schlüssel
Zum Aufkommen der Nazi-Ideologie
In der Weimarer Republik wie er auch
Die Ideale der SS präzise analysiert

Hessel beschreibt warum seine
Deportation eher völlig atypisch war
Er kam nicht im Viehwaggon und
Erlebte nie das kleine Lager

Mit all seinem Schrecken auch die
Machtübernahme der Häftlinge wie
Die Todesmärsche erlebte er nicht
Selbst mit war nicht mehr dort da

Er schreibt als er Nacht und Nebel
Von Alain Resnais ansah hätten ihn
Die Leichenberge mit den noch weit
Aufgerissenen Augen wie jeden

Sonst Zuschauer der nicht selbst
Im KZ war schockiert was angesichts
Der Schilderung wie er für zwei
Scheiben Wurst Leichen auszog

Zumindest etwas erstaunlich klingt
Entweder schlecht lektoriert oder 
Ein seltsam unbedachter Fehler
Den ich aber nicht korrigieren muss

Was die Opfer der Deportation dabei
Verbindet fragt er sich zunächst
Würden sie einfach immer weniger
Doch bei Begegnungen leuchtete

Ein Signal auf gespeist durch die
Scham die Wiederholung dieses 
Grauens nicht verhindert zu haben
So spürt er daraus Verantwortung

Egal was die Opfer trennt oder auch
Verbindet hätten sie wohl alle einen 
Auch zwiespältigen Blick auf sich 
Er ist nicht sicher ob er sich versteht 

Egoistisch nennt er sich sodann
Weil er Vitia keinerlei Nachricht
Auch nach Kontaktaufnahme mit
Der US Army zukommen ließ

Sie wusste immer noch nichts
Von ihm und ob er noch lebte
Nach dem Archiv von Buchenwald
War er am 20.10.1944 verstorben

Das neu gewonnene Leben galt es
Sinnvoll zu nutzen ihn reizte darum
Die Philosophie doch er fragt sich
Ob er noch besteht ohne Übung

Seit seiner letzten ernsthaften Lektüre
Waren 5 Jahre vergangen sowohl das
Phänomenologische Denken wie der
Existentialismus wären nun weiter

Würde der den Stoff aufholen können
Sollte er sich nicht anderen Fragen
Lieber widmen wie nötigen Taten so
Brachte ihn das KZ zur Diplomatie

Davon hatte er bereits in London
Geträumt aber würde er Zugang
Zu ihr bekommen ohne juristische
Ausbildung er hatte nur für École

Fragen über Fragen trieben ihn in 
Der neuen Freiheit dann hatte er
Einige Tage nach seiner Ankunft
In Paris eine glückliche Begegnung

Er traf Jean Sauvagnargues einen
Kameraden der im Kabinett von
General de Gaulle arbeitet der die
Große Aufnahmeprüfung am

Quai d’Orsay bestand und hatte
Zum Widerstand gehört der ihm Mut
Machte dass junge Leute gebraucht
Würden die nicht mit Vichy paktierten

Er meldet sich zur Sonderprüfung für
Kriegsteilnehmer Widerstandskämpfer
Kriegsgefangene oder Deportierte um
Zutritt zum Quai d’Orsay zu finden

Dies war bevor die ENA gegründet
Aus der sich heute die meisten der
Diplomaten rekrutieren er hatte noch
Fünf Monate bis zur Prüfung Zeit

Nebenbei bemühte er sich noch um
Die Einbürgerung von Helen und Uli
Welche sie 2 Jahre später bekamen
Damit war die Familie französisch

Vitia die kurz nach der Befreiung 
Nach Paris kam hat den Rausch
Wie die Trostlosigkeit in dieser
Phase der Geschichte miterlebt

Die Säuberungen und die Konflikte
Zwischen Franzosen aus London
Und denen aus der Résistance auch
Bei der Jagd nach Wohnungen

Damit auch die Zeit der Freundschaft 
Mit Jean-Paul Satre Juliette Gréco Sidney Becher Boris Vian zu denen
Er voller Euphorie dazustößt

Nachdem die Arbeit an einem
Weißbuch über den Geheimdienst
Während des Krieges scheitert zu der
Vitia vom Dienst beauftragt war

Fahren sie einen Monat in die Berge
Des Haute-Savoie in ein Hotel das zur 
Erholung für Deportierte reserviert war
Lernen dort André Boulloche kennen

Der spätere Minister für Bildung und
Jugend war mit seinen Schwestern 
Dort die wiederum Vitia noch aus dem
Lycée Molière kannte und genossen

Stéphane blieben noch 5 Monate um
Für das Philosophie Examen wie die
Prüfung am Quai d'Orsay zu lernen
Was er nun parallel auch angeht

Er schrieb seine Arbeit über das
Allein ertragene wie das geteilte Leid
Welche das Werk Kierkegaards mit
Seinen KZ Erfahrungen vergleicht

Er nennt seine Arbeit oberflächlich
Wie schnell hingeworfen bewiese
Diese seine eher oberflächliche 
Kenntnis des dänischen Philosophen

Professor Le Senne hätte sie jedoch
Freundlicherweise dennoch akzeptiert 
So konnte er die Erinnerung an Dora 
Und Buchenwald distanziert nutzen

Zur Vorbereitung auf den wichtigen
Concours des Affaires étrangères
Gehörte Internationales Recht bei
Dem sein Schwiegervater ihm half

Dazu musste er möglichst viel über
Die Geschichte der Diplomatie noch
Lesen was er in London dazu lernte 
War in Paris wiederum völlig unnütz

Er erinnert sich nur sehr schwach an
Die schriftliche Prüfung dafür aber die
Mündliche mit äußerst nachsichtigen
Prüfern die es nicht wagten ihn als

Krieger welcher die Ehre des Landes
Rettete in Verlegenheit zu bringen 
So hätte er mit Leichtigkeit bestanden
Bekommt nun auch Posten angeboten

Er wählt Tschungking wo damals die 
Regierung von Tschiang Kai-schek
Ihren Sitz hatte das aber dann schon
1949 von den Kommunisten erobert

Dies bedeutete das baldige Ende der
Nationalchinesischen Republiken im
Gebiet des früheren Kaiserreichs
Wovon Stéphane noch nichts wusste

Der französische Botschafter in China
Empfängt ihn mit großer Höflichkeit
Macht ihn auf Bücher aufmerksam
Wie die chinesische Kultur dazu

Vitia war über die Wahl dieser als
Schwierig geltenden Hauptstadt
Mitten im Reisbecken Chinas dann
Auch alles andere als erfreut

Jedoch hatte sie beschlossen sich
Völlig aus seinen Entscheidungen
Im Beruf herauszuhalten und so
Vertieften sich beide in Werke

Zur Sprache und Kultur Chinas sie
Hatte nur die Bedingung gestellt
Über die USA zu reisen um vorher
Ihre Eltern dort zu besuchen

Sie gingen am 2.2.1946 an Bord
Eines liberty ship das den Krieg
Wohlbehalten überstanden hatte
Die Überfahrt in 21 Tagen machte

Sie haben eine wilde Überfahrt bei
Rauher See die sie sehr genießen
Lernen dort zwei Ehepaare kennen
Bei denen er nur die Männer nennt

Es ist der ehemalige Offizier des
Freien Frankreich Jean-Mathieu Boris
Wie Jaques Kosciusko-Morizet der
Vertreter Frankreichs bei der UNO

Sie landen nördlich von New York
In Portland Maine von wo aus der
Zug zehn Stunden bis Manhattan 
Brauchte was heute so ähnlich ist


Von Hessel mit einem großen Sprung
Durch die Jahrhunderte nach Neapel
Zu Giovanni Boccaccios Filocolo oder
Die verschlungenen Wege der Liebe

Sein umfangreichstes Werk schrieb
Boccaccio wohl zwischen 1336 und
1338 als Student was sowohl für sein 
Genie wie für die Liebe auch spricht

Es war eine vielfältige Neuheit dabei
Auch ernsthafter königlicher Roman
In der Volkssprache italienisch noch
Dazu nicht in Versen sondern Prosa 

Die schöne Ausgabe der geliebten
Anderen Bibliothek ist also eine
Besondere editorische wie auch
Literarische Glanztat zur Liebe

Hier zu Anfang des Romans der wohl
Boccaccios geheimer Geliebter wie
Dem König von Neapel gewidmet ist
Gibt es ein Feuerwerk an Fußnoten

Dies in Anmerkungen am Ende des
Kapitels oder des Bandes mit dann
Zweitem Lesezeichen wäre besser
Für Lesbarkeit und Konzentration

Doch die bis zu zehn Fußnoten
Mit spannenden auch wichtigen 
Erläuterungen ziehen sich durch
Den ganzen Band als Fleißarbeit

Was der Autor hier an Wissen über
Römische und griechische Mythologie
Erwartet ist heute kein Standard mehr
Bedarf schon noch der Erläuterung

Dies ist spannend aber unterbricht
Auch die Lektüre um wieder die
Eigenen Mängel an Bildung in den
Gehäuften Fußnoten zu erspüren 

Beides schmälert die Leselust an
Einer sehr schönen Ausgabe die
Nicht gerade preiswert war leider
Lenkt vom Inhalt etwas doch ab

Ein Roman sollte ohne alle Zusätze 
Gut lesbar sein und wer gerade etwas
Nicht versteht fragt im Netz nach die
Sehr gute präzise Arbeit nervt etwas

Das ist schade weil solche wichtigen
Erläuterungen gut tun wäre hier ein
Essay mit Anmerkungen zu jedem
Kapitel vorab lesbarer und schöner

Insofern diese Einführung Boccaccios
In seinen Roman der Erläuterung 
Dringend bedarf die auch zur noch
Weiteren Lektüre geistig einlädt

Ist der inhaltliche Fortschritt eher
Bescheiden in der Lektüre die sich
In italienisch bombastischen doch 
Unbedeutenden Andeutungen ergeht 

Dennoch ist dieses bildungsreiche 
Buch eine große Freude auch wenn
Der eigentliche Roman noch weit
Hinter der Kulturgeschichte bleibt


Auf den ausschweifend unter dem
Götterhimmel alter Mythen hier seine 
Bildung zeigenden Boccaccio folgt
Ironisch nüchtern Friedrich Luft

Der Band über die Berliner Luft
Ist Nummer 405 der geliebten
Anderen Bibliothek wo nun zur
Diskussion geschritten wird

Der herrlich ironische Spott den
Luft über öffentliche Diskussionen
Die Teil der Demokratie halt wären 
Ausgießt ist selbstironisch schön 

Aber nun wollen wir zur Diskussion
Schreiten ist der vielversprechende
Titel unter dem als Untertitel noch
Anmerkungen zur Demokratie folgen

Dies insbesondere für den Fall wenn
Zu viele reden und zu wenige reden
Können wie es alle Medien täglich
Uns zu gerne vorführen bis heute

Am Ende kommt Luft zu dem Schluss
Demokratie sei der Zustand eines
Gemeinwesens in dem jeder spricht
Der es will besser nur würde diese

Sprächen nur jene die wirklich etwas
Zu sagen haben wovon wir noch fern
Sind dem kann ich hier leider nicht
Widersprechen ganz im Gegenteil

Trump und die AfD zeigen uns ja
Das auch dummes Gerede ohne
Sachliches Fundament heute viele
Anhänger schon längst hat

Ob das an den hier fein ironisch
Angegriffenen öffentlichen Diskursen
Wirklich liegt oder eher doch an der
Pausenlosen medialen Berieselung

Wäre der Diskussion wert weil es 
Dabei um den Kern der Freiheit
In einer Demokratie auch geht die
Von Putin und Musk angegriffen 

So regt der gute Friedrich Luft
Zu etwas mehr Geist im Diskurs an
Rät dazu den Kopf vor dem reden
Einzuschalten was vielfach gut wäre

Eine gewisse Selbstironie steckt
Natürlich darin wenn die berühmte
Stimme der Kritik des RIAS die
Bürger zum Denken auffordert

jens tuengerthal 23.12.25


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