Lektürentagebuch 22.12.25
Begonnen mit Stéphane Hessel im
Tanz mit dem Jahrhundert Kapitel 10
Das von der Laufbahn als Diplomat
Dem Titel nach schon viel erzählt
Es fängt für ihn damit an dass ein
Ehemaliger Deportierter sich den
Fragen etwa der Schüler nicht
Einfach entziehen könnte
Im Gegenteil fordere das Ministerium
Sie zur Teilnahme auf solange es sie
Als Augenzeugen noch gibt und er
Sei eben solch ein Augenzeuge
Er warnt vor der Ohnmacht die dem
Absoluten der Leichenberge sich
Völlig hilflos gegenüber sieht warum
Er an die Erniedrigung gern erinnert
Diese sei heimtückisch wie nahezu
Unumkehrbar in ihrer Wirkung wenn
Der KZ Häftling zugleich Wolf wird
Um im Kampf zu überleben
Ihm hätte Jorge Semprun geholfen
Schwierigkeiten zu erkennen wie
Zu beschreiben ohne zu entstellen
Erläutern ohne sich zu verzetteln
Sein erstes Buch Die große Reise
Habe ihn sehr aufgewühlt dann in
Was für ein schöner Sonntag taucht
Sogar sein eigener Name wieder auf
Das versetzte ihm einen leisen
Schock und nun mit dem Band
Schreiben oder Leben schließe
Sich der Zyklus dem er folgte
Dies fesselte ihn auch deshalb
So sehr weil es um seine Lager
Dabei ging die er zu gut kannte
Was die Identifikation erhöhte
Der in seinen Augen aber aller
Bewegendste war Primo Levi
Der eine zerstörerische Realität
Beschreibt die ihre Vernichtung
Schon als Keim in sich trägt der
Literarisch perfekt gefasst wurde
Am schwersten fiel ihm als Opfer
Wenn sie sich ihre Peiniger mit
Ihrer präzisen Logik genau ansahen
Dies noch zu verarbeiten dabei hat
Das Buch von Eugen Kogon der
SS-Staat ihm Zugang verschafft
Da er ihm sein Leben verdankt
Musste er es lesen wie seine
Abneigung gegen wiederkehrendes
Aufwärmen alter Geschichten
Für dieses mal überwinden um zu
Erkennen wie er minutiös wie ein
Gelehrter die Maschinerie des KZ
Demontierte dazu liefert er noch
Einen der zutreffendsten Schlüssel
Zum Aufkommen der Nazi-Ideologie
In der Weimarer Republik wie er auch
Die Ideale der SS präzise analysiert
Hessel beschreibt warum seine
Deportation eher völlig atypisch war
Er kam nicht im Viehwaggon und
Erlebte nie das kleine Lager
Mit all seinem Schrecken auch die
Machtübernahme der Häftlinge wie
Die Todesmärsche erlebte er nicht
Selbst mit war nicht mehr dort da
Er schreibt als er Nacht und Nebel
Von Alain Resnais ansah hätten ihn
Die Leichenberge mit den noch weit
Aufgerissenen Augen wie jeden
Sonst Zuschauer der nicht selbst
Im KZ war schockiert was angesichts
Der Schilderung wie er für zwei
Scheiben Wurst Leichen auszog
Zumindest etwas erstaunlich klingt
Entweder schlecht lektoriert oder
Ein seltsam unbedachter Fehler
Den ich aber nicht korrigieren muss
Was die Opfer der Deportation dabei
Verbindet fragt er sich zunächst
Würden sie einfach immer weniger
Doch bei Begegnungen leuchtete
Ein Signal auf gespeist durch die
Scham die Wiederholung dieses
Grauens nicht verhindert zu haben
So spürt er daraus Verantwortung
Egal was die Opfer trennt oder auch
Verbindet hätten sie wohl alle einen
Auch zwiespältigen Blick auf sich
Er ist nicht sicher ob er sich versteht
Egoistisch nennt er sich sodann
Weil er Vitia keinerlei Nachricht
Auch nach Kontaktaufnahme mit
Der US Army zukommen ließ
Sie wusste immer noch nichts
Von ihm und ob er noch lebte
Nach dem Archiv von Buchenwald
War er am 20.10.1944 verstorben
Das neu gewonnene Leben galt es
Sinnvoll zu nutzen ihn reizte darum
Die Philosophie doch er fragt sich
Ob er noch besteht ohne Übung
Seit seiner letzten ernsthaften Lektüre
Waren 5 Jahre vergangen sowohl das
Phänomenologische Denken wie der
Existentialismus wären nun weiter
Würde der den Stoff aufholen können
Sollte er sich nicht anderen Fragen
Lieber widmen wie nötigen Taten so
Brachte ihn das KZ zur Diplomatie
Davon hatte er bereits in London
Geträumt aber würde er Zugang
Zu ihr bekommen ohne juristische
Ausbildung er hatte nur für École
Fragen über Fragen trieben ihn in
Der neuen Freiheit dann hatte er
Einige Tage nach seiner Ankunft
In Paris eine glückliche Begegnung
Er traf Jean Sauvagnargues einen
Kameraden der im Kabinett von
General de Gaulle arbeitet der die
Große Aufnahmeprüfung am
Quai d’Orsay bestand und hatte
Zum Widerstand gehört der ihm Mut
Machte dass junge Leute gebraucht
Würden die nicht mit Vichy paktierten
Er meldet sich zur Sonderprüfung für
Kriegsteilnehmer Widerstandskämpfer
Kriegsgefangene oder Deportierte um
Zutritt zum Quai d’Orsay zu finden
Dies war bevor die ENA gegründet
Aus der sich heute die meisten der
Diplomaten rekrutieren er hatte noch
Fünf Monate bis zur Prüfung Zeit
Nebenbei bemühte er sich noch um
Die Einbürgerung von Helen und Uli
Welche sie 2 Jahre später bekamen
Damit war die Familie französisch
Vitia die kurz nach der Befreiung
Nach Paris kam hat den Rausch
Wie die Trostlosigkeit in dieser
Phase der Geschichte miterlebt
Die Säuberungen und die Konflikte
Zwischen Franzosen aus London
Und denen aus der Résistance auch
Bei der Jagd nach Wohnungen
Damit auch die Zeit der Freundschaft
Mit Jean-Paul Satre Juliette Gréco Sidney Becher Boris Vian zu denen
Er voller Euphorie dazustößt
Nachdem die Arbeit an einem
Weißbuch über den Geheimdienst
Während des Krieges scheitert zu der
Vitia vom Dienst beauftragt war
Fahren sie einen Monat in die Berge
Des Haute-Savoie in ein Hotel das zur
Erholung für Deportierte reserviert war
Lernen dort André Boulloche kennen
Der spätere Minister für Bildung und
Jugend war mit seinen Schwestern
Dort die wiederum Vitia noch aus dem
Lycée Molière kannte und genossen
Stéphane blieben noch 5 Monate um
Für das Philosophie Examen wie die
Prüfung am Quai d'Orsay zu lernen
Was er nun parallel auch angeht
Er schrieb seine Arbeit über das
Allein ertragene wie das geteilte Leid
Welche das Werk Kierkegaards mit
Seinen KZ Erfahrungen vergleicht
Er nennt seine Arbeit oberflächlich
Wie schnell hingeworfen bewiese
Diese seine eher oberflächliche
Kenntnis des dänischen Philosophen
Professor Le Senne hätte sie jedoch
Freundlicherweise dennoch akzeptiert
So konnte er die Erinnerung an Dora
Und Buchenwald distanziert nutzen
Zur Vorbereitung auf den wichtigen
Concours des Affaires étrangères
Gehörte Internationales Recht bei
Dem sein Schwiegervater ihm half
Dazu musste er möglichst viel über
Die Geschichte der Diplomatie noch
Lesen was er in London dazu lernte
War in Paris wiederum völlig unnütz
Er erinnert sich nur sehr schwach an
Die schriftliche Prüfung dafür aber die
Mündliche mit äußerst nachsichtigen
Prüfern die es nicht wagten ihn als
Krieger welcher die Ehre des Landes
Rettete in Verlegenheit zu bringen
So hätte er mit Leichtigkeit bestanden
Bekommt nun auch Posten angeboten
Er wählt Tschungking wo damals die
Regierung von Tschiang Kai-schek
Ihren Sitz hatte das aber dann schon
1949 von den Kommunisten erobert
Dies bedeutete das baldige Ende der
Nationalchinesischen Republiken im
Gebiet des früheren Kaiserreichs
Wovon Stéphane noch nichts wusste
Der französische Botschafter in China
Empfängt ihn mit großer Höflichkeit
Macht ihn auf Bücher aufmerksam
Wie die chinesische Kultur dazu
Vitia war über die Wahl dieser als
Schwierig geltenden Hauptstadt
Mitten im Reisbecken Chinas dann
Auch alles andere als erfreut
Jedoch hatte sie beschlossen sich
Völlig aus seinen Entscheidungen
Im Beruf herauszuhalten und so
Vertieften sich beide in Werke
Zur Sprache und Kultur Chinas sie
Hatte nur die Bedingung gestellt
Über die USA zu reisen um vorher
Ihre Eltern dort zu besuchen
Sie gingen am 2.2.1946 an Bord
Eines liberty ship das den Krieg
Wohlbehalten überstanden hatte
Die Überfahrt in 21 Tagen machte
Sie haben eine wilde Überfahrt bei
Rauher See die sie sehr genießen
Lernen dort zwei Ehepaare kennen
Bei denen er nur die Männer nennt
Es ist der ehemalige Offizier des
Freien Frankreich Jean-Mathieu Boris
Wie Jaques Kosciusko-Morizet der
Vertreter Frankreichs bei der UNO
Sie landen nördlich von New York
In Portland Maine von wo aus der
Zug zehn Stunden bis Manhattan
Brauchte was heute so ähnlich ist
Von Hessel mit einem großen Sprung
Durch die Jahrhunderte nach Neapel
Zu Giovanni Boccaccios Filocolo oder
Die verschlungenen Wege der Liebe
Sein umfangreichstes Werk schrieb
Boccaccio wohl zwischen 1336 und
1338 als Student was sowohl für sein
Genie wie für die Liebe auch spricht
Es war eine vielfältige Neuheit dabei
Auch ernsthafter königlicher Roman
In der Volkssprache italienisch noch
Dazu nicht in Versen sondern Prosa
Die schöne Ausgabe der geliebten
Anderen Bibliothek ist also eine
Besondere editorische wie auch
Literarische Glanztat zur Liebe
Hier zu Anfang des Romans der wohl
Boccaccios geheimer Geliebter wie
Dem König von Neapel gewidmet ist
Gibt es ein Feuerwerk an Fußnoten
Dies in Anmerkungen am Ende des
Kapitels oder des Bandes mit dann
Zweitem Lesezeichen wäre besser
Für Lesbarkeit und Konzentration
Doch die bis zu zehn Fußnoten
Mit spannenden auch wichtigen
Erläuterungen ziehen sich durch
Den ganzen Band als Fleißarbeit
Was der Autor hier an Wissen über
Römische und griechische Mythologie
Erwartet ist heute kein Standard mehr
Bedarf schon noch der Erläuterung
Dies ist spannend aber unterbricht
Auch die Lektüre um wieder die
Eigenen Mängel an Bildung in den
Gehäuften Fußnoten zu erspüren
Beides schmälert die Leselust an
Einer sehr schönen Ausgabe die
Nicht gerade preiswert war leider
Lenkt vom Inhalt etwas doch ab
Ein Roman sollte ohne alle Zusätze
Gut lesbar sein und wer gerade etwas
Nicht versteht fragt im Netz nach die
Sehr gute präzise Arbeit nervt etwas
Das ist schade weil solche wichtigen
Erläuterungen gut tun wäre hier ein
Essay mit Anmerkungen zu jedem
Kapitel vorab lesbarer und schöner
Insofern diese Einführung Boccaccios
In seinen Roman der Erläuterung
Dringend bedarf die auch zur noch
Weiteren Lektüre geistig einlädt
Ist der inhaltliche Fortschritt eher
Bescheiden in der Lektüre die sich
In italienisch bombastischen doch
Unbedeutenden Andeutungen ergeht
Dennoch ist dieses bildungsreiche
Buch eine große Freude auch wenn
Der eigentliche Roman noch weit
Hinter der Kulturgeschichte bleibt
Auf den ausschweifend unter dem
Götterhimmel alter Mythen hier seine
Bildung zeigenden Boccaccio folgt
Ironisch nüchtern Friedrich Luft
Der Band über die Berliner Luft
Ist Nummer 405 der geliebten
Anderen Bibliothek wo nun zur
Diskussion geschritten wird
Der herrlich ironische Spott den
Luft über öffentliche Diskussionen
Die Teil der Demokratie halt wären
Ausgießt ist selbstironisch schön
Aber nun wollen wir zur Diskussion
Schreiten ist der vielversprechende
Titel unter dem als Untertitel noch
Anmerkungen zur Demokratie folgen
Dies insbesondere für den Fall wenn
Zu viele reden und zu wenige reden
Können wie es alle Medien täglich
Uns zu gerne vorführen bis heute
Am Ende kommt Luft zu dem Schluss
Demokratie sei der Zustand eines
Gemeinwesens in dem jeder spricht
Der es will besser nur würde diese
Sprächen nur jene die wirklich etwas
Zu sagen haben wovon wir noch fern
Sind dem kann ich hier leider nicht
Widersprechen ganz im Gegenteil
Trump und die AfD zeigen uns ja
Das auch dummes Gerede ohne
Sachliches Fundament heute viele
Anhänger schon längst hat
Ob das an den hier fein ironisch
Angegriffenen öffentlichen Diskursen
Wirklich liegt oder eher doch an der
Pausenlosen medialen Berieselung
Wäre der Diskussion wert weil es
Dabei um den Kern der Freiheit
In einer Demokratie auch geht die
Von Putin und Musk angegriffen
So regt der gute Friedrich Luft
Zu etwas mehr Geist im Diskurs an
Rät dazu den Kopf vor dem reden
Einzuschalten was vielfach gut wäre
Eine gewisse Selbstironie steckt
Natürlich darin wenn die berühmte
Stimme der Kritik des RIAS die
Bürger zum Denken auffordert
jens tuengerthal 23.12.25
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