Heimatfrage
Wo eigentlich meine Heimat ist
Werde ich manchmal gefragt
Von denen die hören wo ich
In Deutschland geboren bin
Wo danach überall gelebt habe
Bis ich 2000 in Berlin ankam
Da bin ich bis jetzt geblieben
Ohne es je Heimat zu nennen
Lebe halt hier weil es keine
Wirkliche Alternative je gab
Provinz und Kleinstadt hatte ich
Schon fast zwanzig Jahre
Geboren in Bremen was auch
Echte Stadtkultur hat die ich
Erst viele Jahre später sah
Als ich schon lange nicht mehr
Dort lebte sondern in Frankfurt
Oder den Dörfern seiner Umgebung
Doch lernte ich es erst schätzen
Als ich schon nicht mehr da war
Den Schaumainkai oder das Städel
Mit sechzehn in die Kurzpfalz deren
Mundart noch immer bei mir eher
Übelkeit innerlich auslöst auch
Wenn ich ganz zauberhafte Damen
Mit dieser auch lieben durfte hab ich
Bis es 2000 nach Berlin ging immer
Mit dieser reichen Gegend gefremdelt
Trotz des guten Weines und der Kultur
Berlin hat irgendwie alles und dort
Wohne ich zufällig in Prenzlauer Berg
Dem armen alten Osten der heute
Irgendwie schick linksgrün versifft ist
Mit einigen wenigen fremdelnden Ossis
Die gerne genau darüber nörgeln wie
Überhaupt was ihre Identität halt ist
Wie Fontane die Märker schon im
19. Jahrhundert auch beschrieb
Aber sobald ich Hessel lese der mir
Den Westen literarisch nahe brachte
Fühl ich mich irgendwie falsch hier
Wilmersdorf Schöneberg Charlottenburg
Haben einen ganz anderen Charme
Hier am Berg ist vieles nur Fassade
Zuhause und Heimat fühle ich nur
In meiner Bibliothek dann egal wo
Nun steht sie eben am Helmholtzplatz
Geht es nach mir ändert sich nichts
Weil Veränderung immer lästig ist
Aber wer weiß was am Ende wird
Berlin bleibt hässlich dreckig und grau
Nur besser als jede Alternative sonst
Also bleibt einfach alles wie es ist
Und ich heimatloser Heimatdichter
Flaniere durch Berlins Dörfer
Mehr muss nicht mehr
jens tuengerthal 8.10.25
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