Montag, 6. Oktober 2025

Lektürentagebuch 5.10.25

Lektürentagebuch 5.10.25

Lajos und Lilly die eine gute Zeit haben
Seit die Affäre aufgeflogen war fahren mit
Ihrem neuen Cabrio einem Adler Diplomat
Gen Berlin um dort Freunde zu besuchen

Während Lilly bei geschlossenem Verdeck
Ein wenig an der Fensterscheibe lehnend
Schläft fährt Lajos stolz seinen vom 60
Pferdestärken getriebenen Wagen

Es geht über die neue Reichsautobahn
Die Lajos wie so manches gut gefiel auch
Wenn der Typ mit dem Bürstenbart eher 
Lächerlich war als primitiver Antisemit

Natürlich war er auch solidarisch mit
Seiner Schwester die den Bleichröder
Aus dem Bankhaus heiratete die nun
Nach Wien längst gezogen war

Doch ihre Warnungen vor Deutschland
Bei ihrem gerade Besuch in Wien die
Waren ihm übertrieben erschienen es
Ging doch aufwärts und gut vielen dort

Die Wirtschaftskrise hatten sie mit der
Landwirtschaft und den Gütern besser
Als viele andere überstanden nun warfen
Auch die Motorenwerke Gewinne ab 

Sie hatten sich ohne große Sorgen ein 
Vierstöckiges Haus an der Donau gekauft
Weil in der Hauptstadt mehr Leben war
Sie gingen ins Theater und gaben Bälle

Alles schien soweit zum besten bestellt
Was er von Hitler wirklich halten soll
Weiß er noch nicht die Nachbarin der
Villa ihrer Freunde war Leni Riefenstahl 

Gerade war die Zeit der Olympiade die
Eindrucksvoll gut inszeniert war warum
Die Freunde wohl Leni nicht persönlich
Vorstellen könnten die ja involviert war

Beim Ankommen am Grunewald sieht
Er einen Rehbock am Waldrand stehen
Denkt an die Jagdsaison wie den damit
Verbundenen Kult und die Sitten

Es ist also das Jahr 1936 mit dem dort
Beginnenden Hitler Regime das noch
Vorsichtig aus dem Ausland beobachtet 
Noch nicht ganz kritisch gesehen wird

Im nächsten 25. Kapitel muss Ilona sich
Völlig nackt ausgezogen vor der Frau
Eines SS Mannes bücken die alle ihre
Körperöffnungen nach Devisen absuchte

Familie Bleichröder ist mit ihren Kindern
Auf der Flucht in die Schweiz und Ilona
Dachte in dieser Situation an die Worte 
Von Zuckmayer den sie auf der Fahrt traf 

Er saß in ihrem Abteil und sie hatten den
Bekannten Autor erst nicht erkannt der
Meinte wir dürfen uns unserer Würde nicht
Nehmen lassen was das wichtigste wäre

Sie hatte auf dessen Rat hin noch alle
Scheine entsorgt die sie in ihrem BH
Den Strümpfen und der Unterhose
Versteckt hatte weil sonst KZ drohte

Hier lässt Nelio Biedermann Zuckmayer
Sagen wenn sie etwas finden geht es
Gleich nach Dachau was als KZ schon
Seit 1933 bestand aber dennoch

Als Aussage schon erstaunlich war
Wer wusste wirklich was sich im NS
Deutschland damals abspielte schon
Auch ein 1933 geflohener Jude hier

So fingen sie eben bescheidener an
In der Schweiz aber noch war genug
Da sich keine Sorgen zu machen
Wenn sie Tausende nun wegwarf

Die Erniedrigung der Untersuchung
Auch für die Kinder die separat von
Den Eltern nackt durchsucht wurden 
Zeigt die Unmenschlichkeit des Regime

Zuckmayer war dann von Beamten an
Der Grenze aus dem Zug gebeten worden
Dieser fuhr ohne ihn weiter so schnell
Kann es nun also gehen dachte sie

Der Autor floh tatsächlich wie die
Familie Bleichröder in die Schweiz
Was mit der Verzögerung war die
Angedeutet wurde bleibt unklar

Die Untersuchung und Durchsuchung
Der ganzen Familie an der Grenze
Nahm die ganze Nacht in Anspruch
Am morgen fuhren sie in die Schweiz

Insofern sie aus Wien fliehen mussten
In Innsbruck SS Männer in den Zug kamen
Wird deutlich dass all diese nach dem
Anschluss Österreichs 1938 spielt

Das ist gut und korrekt kolportierte
Geschichte die einen weiten Blick
Auf die NS Zeit zu finden versucht
Zwischen Betroffenheit und Verständnis

Kein Verständnis für den Terror wie die
Antisemitische Herrschaft aber für die
Mitläufer und anfängliche Begeisterung
Von der die Großeltern auch erzählten 

Vielen ging es nach chaotischen Jahren
Infolge verschiedener Krisen besser die
Sicherheit auf der Straße schätzten sie
Da wurde der Preis gerne übersehen

Die noch jungen Republiken sahen den
Verlust der Freiheit nicht als Gefahr an
Es fehlte die Sensibilität für die Gefahren 
Des Faschismus der mit Risiko spielte 

Diese historische Epoche wird vom
Autor als Schweizer aber auch familiär
Betroffener sensibel geschildert in
Schon eindrucksvollen Short-Cuts

Das sind kleine Streiflichter die dazu
Historischen Kontext persönlich färben 
Was Lesern die Teilnahme erleichtert
Kein Robert Musil aber gut gemacht 


Klug schreibt Wolf von Niebelschütz
Über die Hintergründe des Genies
In ein Geisterfrühstück am Beispiel
Von Goethe Beethoven und anderen

Erwähnt deren wenig beglückende
Begegnung in Karlsbad ohne dies
Beim Namen zu nennen dabei was
Eine der Unschärfen dieses Textes ist

Freue mich wie er Lessing zu den
Großen Genies zählt neben Mozart
Auch immer das Leid derer sieht 
Wie die harte Arbeit die es war

Niebelschütz empfiehlt darum zum
Verständnis auch der dunklen Seiten
Des Genies die Lektüre der Briefe
Wie der Tagebücher zu verstehen

Dies sind alles gute Tipps um die
Persönlichkeit eines Autors zu erfassen 
Bringt aber den Begriff Genie nicht näher
Der ein Kind der Romantik ganz klar ist

Weder Goethe noch Lessing noch Mozart
Viel weniger noch Beethoven waren 
Kinder der Romantik im Denken sie
Entstammen der Aufklärung vorher

Zwar machte sich die Romantik gern
Goethe zu eigen der sich auch von
Bettina von Arnim anschwärmen ließ 
Doch war und bleibt er ein Aufklärer

Auf die Autoren und ihre Korrespondenz
Zu schauen um das Leiden am Werk
Zu verstehen scheint auch mir weise 
Doch braucht es das Genie dazu nicht

Dessen göttlicher Bezug mit der schon 
Halbreligiösen Anbetung des Genie ist
Ohnehin mir eher fragwürdig da es ein
Unmenschlicher Kult doch immer bleibt

Wenn es diesen zu überwinden hilft die
Menschlichen Einträge im Tagebuch oder
Die Korrespondenz zu lesen wunderbar
Doch scheint es mir oft eher umgekehrt

Wer diese unwesentlichen Dinge im
Kult verfolgt betreibt eher romantischen
Geniekult statt das Werk nur zu sehen
Worüber noch zu streiten sein wird

Finde die Korrespondenz wie auch die
Tagebücher von Thomas Mann eher völlig
Literarisch belanglos außer vielleicht noch
Seltsam genug die mit Hermann Hesse

Hier zeigen sich beide als ganz große
Literaten was bei Hesses meist eher
Peinlichen Reimen doch überrascht
Aber die beiden waren sehr eng

Romantiker lieben romantische Geschichte
Die über den Hintergrund aufklärt in einer
Form die ich eher peinlich finde der lieber 
Auf das pure Werk in Klarheit schaut

So fand ich auch die Genie Geschichte nett
Aber sachlich falsch da nicht über die 
Wurzeln des Begriffs aufklärend und
Dann doch etwas betulich nur anstatt

Brauche kein Genie anbeten um das
Literarische oder lyrische Handwerk
Wirklich zu schätzen schaue darum
Lieber auf dieses als in anderes

Wer im Dreck wühlt wird am Ende
Immer schmutzige Finger haben
Was nicht zum Durchblick hilft
Aber manche eben gerne tun

jens tuengerthal 5.10.25

Ein Adler Diplomat der Wagen von Lajos v. Lázár

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