Samstag, 4. Oktober 2025

Lektürentagebuch 4.10.25

Lektürentagebuch 4.10.25

Noch in der Nacht ein seltsames Kapitel
In Lázár gelesen es war das 21. und stand
Unter der großen Überschrift Schatten von
Denen Nelio Biedermann auch erzählt

Das Kind das seit acht Monaten schon als
Ausrede diente hieß István wurde aber
Meist Pista gerufen und zeigte schon von
Beginn an ein seltsames Verhalten

Bekam er ein Spielzeug zu fassen hielt er
Es mit aller Kraft fest ohne je damit auch
Nur für einen Moment zu spielen wollte
Es nur krampfhaft dann festhalten 

Schon das Kindermädchen findet dieses
Kind seltsam das ständig durch das ganze
Schloss robbt sobald es dies kann und
Darum auch von der verzweifelten Mutter

Wie dem Kindermädchen gesucht wird
Schwarz im Kamin gefunden wird ohne
Zu wissen ob sich auch für Babys nun
Das Blackfacing verbietet was da in den

Frühen Zwanzigern kein Thema war aber
Unsere thematische Sensibilität beweist 
Wann auch immer Hypersensibilitat dann
Zu Allergien gegen alles noch führten

Nach einem Jahr lernt Pista laufen wie
Nach einem weiteren auch zu sprechen
Wenig später zeigte sich eine neue
Seltsame unerwartete Angewohnheit 

Er spricht mit den Schatten und liebte
Das Dunkle auch in seiner Kleidung
War ein Nachtmensch liebte ein Bild
Von einem Atelier mit unsichtbarer

Leiche eines Malers die nur Pista sah
Der tiefer blickte als die meisten sehen
Im Sternenhimmel der Nacht erkannte er
Weiße Blüten vor dunklen Blättern klar 

Ein besonderes Kind war dieser Junge 
Vor dem sich auch die eigene Mutter
Gruselte deren Leben mit Einladungen
Wie Empfängen daneben stattfindet

Im nächsten Kapitel erfahren wir was
Das Lieblingssprichwort von Lajos wurde
Warum es Reden ist Silber Schweigen
Aber gold ist was alles verschwiegen wird

Den Kindern wird bloß erzählt ihre
Großmutter sei leider ertrunken der
Großvater tragisch die Treppe herab 
Gefallen was ein Unglücksfall war

In der Familienchronik aber steht mit
Wenigen Worten die Wahrheit bei Mária 
Selbstmord durch Ertrinken für Sàndor
Schädelbruch nach trunkenem Sturz

Das bis ins 18. Jahrhundert reichende
Register las sich wie ein Gedicht von
Benn als Spiegel der Pathologie ein
Notfall jedoch wurde dort verschwiegen

Wie Pista nachts erwachte in sein
Spielzimmer nebenan geht um dort
In Blicken im Teppich zu versinken 
Sich dort schon fast verliert um dann

Mit seiner Bastelschere bewaffnet
Weiter zum Schlafzimmer der Eltern
Zu ziehen die nicht hören wie er die
Tür öffnet den Jungen nicht bemerken

Dieser betrachtet das seltsames Knäuel 
Dort auf dem elterlichen Bett das sich 
Eng verschlungen stößt wie dabei stöhnt
Scheinen die beiden im wilden Kampf

Als der Kampf nach einem letzten Schrei
Wie Stöhnen sein Ende findet sich das
Knäuel wieder in Vater und Mutter
Verwandelt hatte erkannten diese ihn

Schnell verschwanden beide unter der
Bettdecke und schwiegen über das
Was Pista gerade beobachtet hatte es
Gehörte zu dem worüber keiner sprach

Nachdem Lilly ihr Nachthemd überzog 
Brachte sie den Jungen zu Bett und Lajos
Staunte wie schnell sie ihre Rolle dabei
Wechseln konnte Geliebte und Mutter 

Kapitel 23 beginnt im Jahre 1931 also
Ein Jahr vor Evas Geburt als Lajos spät
Mit dem Wagen aus Wien kommt diesem
Knirschend auf dem Kies im Hof parkt

Er beobachtet wie Lilly das Licht in ihrem
Schlafzimmer löscht ist frustriert will sich
Eine Zigarre und einen Whisky gönnen
Weiß schon er wird zu Berta gehen

Der Baron betrat das Zimmer nun ohne
Anzuklopfen und die erschrockene Berta
Kniet sich nachdem sie sich erholte vor ihn 
Dem Dienstherren einen zu blasen 

Lajos legt dabei eine Hand auf ihren
Hinterkopf und fühlt sich wieder wie
Ein Mann indem er sie hält als plötzlich
Seine Frau in der Tür steht und zusieht

Sie sah im Nachthemd aus wie ein
Hellblondes Gespenst beide tun nichts
Er überlegt wie er aus dieser Falle kommt
Aber tut nichts und wartet bis sie geht

Eine entsetzlich peinliche Szene über
Die Lajos beim Psychologen reden kann 
Sie ging aufrecht mit Blick in den Spiegel
Was ihr zumindest mehr Würde hier gab 

Diese eher schamvollen Sexszenen aus
Verschiedenen Perspektiven mit Blick
Auf die große Familiengeschichte sind
Wirklich gelungen und feinfühlig dabei

Du leidest lesend mit den Protagonisten
Erinnerst dich an peinliche Erfahrungen
Aus der eigenen Kindheit wie auch als
Eltern in ähnlicher Rolle dabei selbst

Überlege ob diese natürliche Erfahrung
Die Kinder schon traumatisiert durch
Mehr Offenheit entspannt werden kann
Wollen wir vom Sex der Eltern wissen

Natürlich sind Kinder meist das Produkt
Des elterlichen Sex dennoch ist dieses
Thema immer ein Tabu und es fragt sich
Wie entspannt damit umzugehen wäre

Was kommt aus unserer Natur dabei
Wozu erzieht uns eine Moral die alle
Inzucht sexuell tabuisiert was wäre
Sonst natürlicher Umgang damit 

Wie auch immer das alle für sich als
Passend beurteilen ist es zumindest
Literarisch gut beschrieben wie auch 
Im Kontext des Romans gut verortet 

Nach dem kleinen gestrigen Verriss
Sind die drei heutigen Kapitel echt
Gelungen trotz der Peinlichkeit obwohl
Manche Bilder schlicht verhallen dabei

Die thrillerartige Beschreibung sowohl
Vom Teppich wie der Mitnahme der
Schere und die damit Spannung ganz 
Echolos verhallen zu lassen ist schade


Das Schreiben eines Fürsten an seine
Bücher von Wolf von Niebelschütz ist
Aus dem Jahre 1941 und wohl von der
Französischen Front nach Hause geschickt

So steht schon im Untertitel dieses Briefes
Eines Fürsten an seine Bücher dass er sie
Zurücklassen musste um zur Armee zu
Gehen und beginnt mit Geliebte Bücher

Schon die Begründung dieses Schreibens
Ist von feiner Ironie wie Doppelbödigkeit
Getragen die Leser gerne lächeln lässt
Was sich im weiteren noch so fortsetzt 

Der Autor der am Ende den 1941 aus dem
Felde gesandten Brief auch namentlich
Unterschreibt ist jener Fürst der mit dem
Reich der heimatlichen Bibliothek spricht

Mit viel Vorsicht und Höflichkeit fordert er
Seine Bibliothek auf neue französische
Kameraden im Geiste Goethes auch ein
Gebührendes willkommen zu geben

Er plaudert freundlich mit den Büchern
Die er als seine Lehrmeister bezeichnet
Denen er sein geistiges Universum erst
Verdankt was er zu schätzen weiß

So verspricht der Autor hier als Fürst
In seiner Bibliothek dieser besondere
Ehren nach seiner Rückkehr einige
Sollten wie Goethe Geheimräte werden

Anderen verspricht er zumindest einen
Neuen Mantel und feine Bindung dazu 
Er werde ihnen alle Ehre erweisen was
Eine fürstliche Gesinnung auch zeigt

Er zählt die großen Namen auf die nun
In ihre Reihen treten werden worunter 
Der Abbé Galiani der auch hier schon
Im Umkreis Diderots steht herausragt

Wunderbar und mit viel Liebe ist diese
Post aus dem Feld an die eigenen Bücher
Als Liebeserklärung an die Bibliothek zu
Lesen die auch dezent politisch wird

Zwar könnte der Text auch als Legitimation
Der verbrecherischen deutschen Kriege 
Anklagend gelesen werden doch sieht wer 
Tiefer blickt die dezente Kritik dabei

Mehr war in Zeiten der Zensur 1941 kaum
Möglich aber dafür ist es mutig und kann
Als vorsichtiger Blick in die Zeit danach
Gelesen und verstanden werden

Hier zeigt Niebelschütz seine große 
Liebe für Bücher und sein Verständnis
Als Bewohner der eigenen Bibliothek
Noch bevor er dann die des Vaters erbt

Das ist für alle Bücherliebhaber mit großer
Freude zu lesen und ein Genuss weil hier
Ein Kenner mit seinen Geliebten spricht
Der eine magische Verbindung zeigt

Dies tut v. Niebelschütz ohne allen meist
Lächerlichen Hokuspokus und verlässt
Sich ganz auf sein besonderes Verhältnis
Zu den geliebten Bändern der Bibliothek

Eine der sehr lesenswerten Geschichten
Aus dem Geisterfrühstück das gerade in
Der Anderen Bibliothek noch erschien Ist
Auf den Fortbestand diese hoffen lässt 

jens tuengerthal 4.10.25

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