Freitag, 3. Oktober 2025

Lektürentagebuch 3.10.25

Lektürentagebuch 3.10.25

Im 20. Kapitel vom Roman Lázár des 
Nelio Biedermann geht Lajos zu einem
Psychologen um mit diesem über seine
Probleme zu sprechen die ihm erdrückten

Der Psychologe hatte natürlich in Wien
Bei Professor Freud studiert aber war
Zu jung einen weißen Bart zu tragen
Zunächst misstraute Lajos Herrn Király

Doch sein Bedürfnis mit jemandem zu
Reden war größer als sein Misstrauen
Wie seine Lust mit Berta dem deutschen
Hausmädchen zu schlafen stärker war

Király fragt was ihn zu ihm führte den
Sonst noch mehr betrogene Ehefrauen
Besuchten um von ihnen Problemen beim
Sex und ihren Depressionen zu erzählen

Hier wird erstmal die ganz große Kiste
Der Vorurteile gegenüber Psychologen
Aufgemacht und mit den entsprechenden
Erwartungen auch wieder gefüllt

Der sexuell frustrierte Mann der erst
Schüchtern auf seinen Siegelring starrt
Nichts zu sagen sich vornimmt um dann
Doch alles was ihn bedrückt auszuplaudern

Auch die Affäre mit Berta mit peinlichen
Details wird zum Thema und Lajos meint
Der Sex bestätige seine Männlichkeit 
Worauf Király fragt woher das Bedürfnis

Nach solcher Bestätigung käme dann
Erzählt er alles was er bisher für sich
Immer behalten hatte und der Autor
Orakelt um weiße Kerzen im Garten

Mehr erfährt der längst einiges von
Der kirchlichen Organisation für 
Missbrauch an Kindern gewöhnte 
Leser an dieser Stelle noch nicht 

Anschließend sagt der Psychologe es
Sei kein Teil vom ihm sondern was ihm
Durch andere widerfahren sei all das
Sei nicht seine Schuld endet es flach

Somit endet die Therapie Sitzung mit
Einer ressourcenorientierten Intervention
Was zwar positiv konstruktiv ist aber nie
Zu einem Freud Schüler der 20er passt 

Ist eine nette Idee die Eheprobleme wie
Bei Woody Allen vor dem Psychiater
Mit konstruktivem Zuspruch zu klären
Aber zu schlicht simpel konstruiert

Bin gespannt ob sich das Niveau noch
Wieder etwas hebt was mich anfänglich
So begeisterte das ist Groschenroman
Ohne so komisch wie Allen zu sein


Nach dem revolutionären Schritt des
Ehemann Lajos mit schlechtem Gewissen
Ging es zum Frühling der Revolution von
Christopher Clark und dort zur sozialen

Frage um den Bauernaufstand der in
Galizien polnische Nationalisten wohl
Aufhielt welche die Bauern ungefragt
Noch schnell befreien wollten was 

Wie Schwarzenberg durch Anekdoten
Andeutet nicht in deren Sinne war
Die lieber kaisertreu bleiben wollten
Was zumindest Stabilität dort hieß 

Lieber unfreier kaiserlicher Bauer
Als Pole werden zu wollen erzählt
Eine lange Geschichte traditioneller
Unfreiheit die es bleiben möchte

Spannend auch literarisch wird es als
Dann Leopold von Sacher-Masoch in
Der Geschichte auftaucht und dabei
Aus dem Bericht seines Vaters zitiert

Dieser ebenfalls Leopold war 1846
Als der blutige galizische Aufstand war
Leitender Kommissar der kaiserlichen
Polizei vor Ort und also involviert

Die Bahnen welche die Revolution von
1848 so schon im Vorfeld auch kulturell
Bis in unsere Zeiten zieht sind erstaunlich
So erfuhr ich auch dass der Psychologe

Welcher den Ausdruck Masochismus 
Prägte dies ohne Wissen oder Willen 
Des Autors der Venus im Pelz tat die
Aber dafür hier indirekt Pate stand

Welch Freude ist es wenn sich die
Kulturellen Zusammenhänge einer
Epoche zeigen und der Autor hier mit
Weitem Horizont Verbindungen schafft

So ist Christopher Clark lesen auch wenn
Manche Bände lange warten bis ich sie
Weiterlese immer eine Intellektuelle Freude 
Der ich zu gerne auch wieder nachgehe

jens tuengerthal 3.10.25

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