Lektürentagebuch 15.10.25
Unter der Überschrift Die Geschwister
Beginnt das 42. Kapitel in Lázár von
Nelio Biedermann in dem sie zuerst
Vom Waldschloss vertrieben werden
An einem schwülen Spätsommertag
Kamen die Kommunisten die ihnen
Mitteilten sie seien nun enteignet und
Müssten das Schloss jetzt verlassen
Zwei Stunden hatten sie ihre Sachen
Zu packen alle Wertgegenstände wurden
Beschlagnahmt und von den Beamten
Eingesteckt die ihre Koffer durchsuchten
Sie fuhren mit wenig Gepäck mit dem
Zug nach Budapest wo sich Lajos und
Pista Arbeit suchen mussten was alles
Durch Lajos Beziehungen gut gelang
Pista wird schwermütig dort weil ihn alles
An die verlorene Liebe erinnert aber er
Mag Gefühl und genießt die Stadt darum
Bald kommt die politische Polizei wieder
Sie werden zur Feldarbeit gezwungen
Leben zu viert in einem Zimmer mit nur
Einem Bett und einer Matratze dort
Im Bett die Eltern unten die Kinder
Wenn Eva im Winter fror hatte sie
Die Wahl weiter zu frieren oder sich
An ihren Bruder mit seinem steifen
Glied zu kuscheln das sie spürte
Als einzige der Familie mochte Eva
Das Landleben was auch an Milan lag
Dem schönen jungen Bauern der so
Alt wie ihr Bruder war mit dem sie
Das erste mal Sex hinter der Scheune
Hatte was ihr gefiel sie fühlte sich
Dadurch gut und begehrt ohne von
Liebe dabei gleich reden zu wollen
Zuvor hatte sie ihren Eltern schon
Beim nächtlichen Sex gelauscht
Der schöne Milan hatte sie gefragt
Und sie wollte es erleben es war gut
Viele Jahre davor war nach dem sie
Die Vergewaltigung des Dienstmädchen
Miterleben musste Sex für sie nur mit
Gewalt und Schmerz verbunden
Nun war es anders für sie und sie
Mochte die Unmittelbarkeit ihres
Ländlichen Lebens ohne Bücher
Die Arbeit auf dem Feld und Milan
Im 47. Kapitel taucht dann ein alter Mann
Auf der in seiner riesigen Bibliothek nach
Den toten Seelen von Gogol sucht fast
Dabei verzweifelt um schließlich doch
Ins Bett zu gehen wo der misstrauische
Alte Mann das Buch auf dem Nachttisch
Liegen sieht dieser paranoide Alte ist der
Diktator und Massenmörder Josef Stalin
Das erfahren wir Leser aber erst zwei
Kapitel später warum ich hier die Lektüre
In Lázár leicht verwirrt unterbrach wie der
Alte der das Buch doch noch gefunden hat
Diese überraschend eingeführte Figur
Deren Gewaltherrschaft die Sowjetunion
Zum Preis von Millionen Opfern schuf
Schafft einen historisch neuen Kontext
Passend zu den Enteignungen in Ungarn
Wie der bäuerlichen Zwangsarbeit wird
Der Kopf hinter diesen Maßnahmen als
Alter schon verwirrter Mann vorgestellt
Macht und Ohnmacht nebeneinander
Der größte Massenmörder der Geschichte
Russlands der nach seinem Tod neben
Lenin einbalsamiert wurde als alter Mann
Diese Einführung des 1953 an einem
Schlaganfall verstorbenen paranoiden
Diktators ist gelungen die löste eine
Politische Entspannung im Ostblock aus
Jener ursprünglich Georgier der nur seinen
Kampfnamen aus dem bolschewistischen
Untergrund als Namen wählte war der wohl
Größte Verbrecher des 20. Jahrhunderts
Überragt Hitler und Mao noch gemessen
An der Zahl seiner Opfer ist für die lange
Spaltung Europas zentral verantwortlich
Taucht hier als verwirrter Aller erstmals auf
Das ist ein sehr gelungener Einfall auch
Wenn der noch unbenannte Alte hier
Zunächst nur in feinen Details an den
Realen Diktator und seinen Tod erinnert
Spannend ist daran zu sehen wie der
Große Verehrer Stalins und Zögling des
Sowjetischen KGB Putin von derselben
Angst besessen scheint ähnlich brutal ist
Als wiederhole sich russische Geschichte
In gleicher Art mit wechselnden Gesichtern
Vermutlich kann sich erst Demokratie in
Russland entwickeln wenn dies alles
Historisch kritisch aufgearbeitet wurde
Damit nicht länger über ein Drittel die
Sowjetunion noch positiv bewertet
Sondern als ein Verbrecherregime
Eine der wichtigsten Fragen auch der
Zukunft der Demokratie in Europa wird
Die Frage sein wie Europa die Feinde
Seiner Freiheit intern bekämpft
Diese sind als von Moskau lange noch
Finanzierte Störenfriede genau wie der
Diktator im Kreml unser größter Feind
Der nun bekämpft werden muss
Fein zeigt der Roman die brutale
Unmenschlichkeit östlicher Regime
Die Menschen massenhaft deportierten
Was dort kaum kritisch aufgearbeitet
Sich dessen bewusst zu bleiben um
Nicht die Erben dieser Diktaturen zu
Verharmlosen als Salon Kommunisten
Wird wichtig für unsere Freiheit
Über die Unordnung auf dem Schreibtisch
Schreibt Wolf von Niebelschütz und meint
Das Thema sei so alt wie der Schreibtisch
Dabei nimmt sich der Autor selbst nicht aus
Fragt ob die Unordnung ein Zeichen von
Liederlichkeit wäre die sich gehen lässt
Oder Ordnung eine Frage der Zeit ist die
Neben vielem anderen uns noch bleibt
Früher hatten nur diejenigen Schreibtische
Die diese auch brauchten heute hätte jeder
Einen solchen und besonders diejenigen
Die ihm nicht brauchen predigten Ordnung
Dies nennt Niebelschütz philisterhaft wie
Ahnungslos lästig zumal sich gerade die
Unordentlichen mit der Sicherheit eines
Nachtwandlers bei sich zurechtfinden
Der größte Albtraum aller Unordentlichen
Die an ihren Schreibtischen arbeiten ist es
Dass ein Ordentlicher sie über Nacht nach
Seiner Ordnung einfach aufräumt
Nichts fände er dann wieder zwar sähe
Alles akkurat geschichtet aus aber die
Ihm eigene natürliche Ordnung aus dem
Chaos wäre damit auch verschwunden
Wo alles sorgsam eingeordnet wäre
Verlöre sich auch alles wieder damit
Wäre abgelegt und so vergessen da
Lobt sich der Autor ehrliche Unordnung
Das Mappensystem etwa treibe die Kunst
Der Scheinheiligkeit bis zur Perfektion
Alles scheint als wäre es in bester Ordnung
Und schläft dort selig bis zum Erbfall
Dann müssen sich diese armen Nachfolger
Was Erben rechtlich nunmal sind damit
Bloß nichts einfach enden könnte um alles
Kümmern was nur ordentlich sortiert schien
Für keinen will der Autor Partei ergreifen
Doch käme Mal ein Fürst des Geistes der
Seinen Schreibtisch arbeitend nutzt und
Dennoch Ordnung hielt möge er ihn lehren
Mit feiner etwas alltväterlicher Ironie
Erzählt Niebelschütz hier vom eigenen
Chaos was der Zeit geschuldet wäre
Aber seinen guten Zweck auch hätte
Das ist nach den Dramen um die Lázárs
Eine schöne literarische Erholung die
Auch an meinen Vater denken lässt
Der ein echtes Genie im Chaos war
Als sein Erbe hoffentlich nicht nur darin
Pflege ich mein Chaos sorgsam es so
Wenig wie möglich zu verändern damit
Alles sich irgendwo wiederfindet
Ob dies nun am familiär verbreiteten
ADHS Syndrom liegt oder jenseits aller
Psychologischen Schubladen einfach
Teil mancher Naturen ist dahingestellt
Möchte nie behaupten dass ganz
Ordentliche Menschen nie kreativ
Gar genial sein könnten es ist wohl
Eine Frage der Prioritäten immer
Manche räumen regelmäßig auf
Putzen die Wohnung zu ganz festen
Terminen regelmäßig andere tun nur
Das nötigste weil anderes wichtiger ist
Wie schön wenn beide Welten sich
Quasi kongenial ergänzen können
Alle das tun was ihnen besonders liegt
Sich dabei miteinander zurecht finden
jens tuengerthal 15.10.25
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