Sonntag, 12. Oktober 2025

Lektürentagebuch 12.10.25

Lektürentagebuch 12.10.25

Bei Joseph und seine Brüder noch am
Morgen des aufgrund des Ausfluges in 
Die Mark lektürefreien Tages gelesen wie
Sich Mut immer mehr in Joseph verliebt

Der Nachteil an großen Unternehmungen
Ist ja immer wieviel Lesezeit sie stehlen
Mit bloß anderweitiger Beschäftigung wie 
Dinge anschauen was überschätzt wird 

Doch immerhin brachte dieser Ausflug
Vor Ort in Museum und Kirche wie der
Vorbereitung auf die Siegessäule noch
Einiges historisches zu lesen das lohnte 

Warum manche Menschen meinen es
Würde bilden irgendwohin zu fahren
Oder etwas zu erleben bleibt für mich
Als Leser wohl ein ewiges Rätsel

Doch brachte diese historische
Landpartie durch genug Lektüre dort
Auch einen geistigen Gewinn auf den es
Eigentlich allein mir noch ankommt

Sehr fein beschreibt Thomas Mann wie
Sich Mut noch anfänglich selbst belügt 
Bis sie sich das Glück gesteht den jeder 
Nur Gedanke an Joseph ihr bringt 

Die tiefe und innige Zuneigung wird
Mit dem Glücksgefühl gemischt mit
Dem sie eigentlich quälende Träume
Ihm zugunsten weiterhin auslegt

Tief fühlt sich der Autor in die Gattin 
Des Potiphar ein und zeigt uns eine
Im Grunde gute Frau voller Liebe die
Zum leider Opfer der Umstände wird

Nicht wie der nur dünne Text der Bibel
Nach dem sie niederträchtig bösartig
Gar weiblich rachsüchtig scheint sondern
Gefühlvoll dem Liebsten innig zugewandt

Mit viel Sinn für Humor und spürbarer
Kenntnis tiefer menschlicher Gefühle
Baut Mann so die Josephsgeschichte
Zu einem grandiosen Roman aus

Es treten sehr menschliche Charaktere
In ihren formalen Zwängen aus einer
Lange vergangenen Zeit auf die doch
Durch ihre Gefühle aktuell werden

Die Tiefe der Personen wie ihr Erleben
Machen den biblischen Gott schon fast
Überflüssig hier wird eine menschliche
Geschichte mit tiefem Gefühl erzählt

In Kenntnis der biblischen Geschichte
Ist bekannt was Joseph nun droht und
Was aus der Liebe von Mut wird doch 
Erscheint hier eine Frau die echt liebt

Sehe Thomas Mann dabei fast vor mir
Wie er mit der Freude des Erzählers
Die Dramatik durch Verzögerung fein
Lächelnd steigert Verständnis zu wecken

Das ist viel mehr als die schlichte Story
Welche im angeblichen Buch der Bücher
Geschrieben steht es wird menschliches
Drama voll tiefer und großer Gefühle


Erschütternd beschreibt Nelio Biedermann 
Den Marsch der 3500 Juden aus dem
Ghetto von Pécs deren Umsiedlung Lajos
Noch organisiert hatte der nun zusah 

Wie seltsam dieser Trauerzug aussah im
Heißen Juni trugen sie alle noch Pelze
Wie dicke dunkle Wollmäntel während die
Zuschauer sommerlich gekleidet waren

Lajos hatte sich noch eingeredet dass sie
Im Ghetto unter sich waren und sah die
Gesichter der Menschen die an ihren 
Warmen Mänteln den gelben Stern trugen 

Als Leser erfahre ich Lajos Gedanken der
Eichmann und Hitler hasste und den Krieg
Wusste dass die Juden in Auschwitz nur 
Der Tod noch erwarten würde

Wie bekannt damals bereits war was heute
In aller schrecklichen Deutlichkeit bewiesen
Ist weniger wichtig als der Kampf den Lajos
Angesichts des Zuges innerlich führt

Wie er einen gut gekleideten Mann mit
Koffer am Anfang des Zuges ansieht der
Seinen Mantel über dem Arm trägt dieser
Aber wie alle dort den Blick nicht erwidert

Er hatte sich eingeredet mitzumachen
Nur um nicht aufzufallen und so weiter
Pontiller im Waldschloss zu schützen
Der ein entschiedener Gegner war

Diese Lügen vor seiner eigenen Feigheit 
Mit der er schon in der Schule vor jedem
Konflikt floh sind Lajos bewusst der sich
Entsprechend um so schlechter fühlt

Denkt an seine Schwester die inzwischen
Mit ihrem Mann aus der Schweiz nach
Amerika zum Glück geflüchtet ist ob er
Sie auch ins Ghetto organisiert hätte 

Eine der Frauen am Ende des Trauerzuges
Hatte ihr erschreckend ähnlich gesehen
Sofort hatte er den Blick abgewandt nun 
Sah er Ilona vor den Toren von Auschwitz

So schafft es Biedermann dem Grauen
Der Schoa ein Gesicht zu geben wie die
Verantwortung der vielen Mittäter dabei
In Lajos Gewissen noch zu spiegeln 

Wer war alles beteiligt am Holocaust
Nur die Täter in den Lagern oder auch
Beamte die irgendwo am Rand halfen 
Hilft ihr Hass auf Hitler irgendwem

Wie war die Beteiligung dabei in der
Eigenen Familie sind wir dem je
Kritisch und tief nachgegangen
Genügt ein schlechtes Gewissen

Im folgenden 35. Kapitel sitzt der Baron 
Der seit der deutschen Besatzung zum
Kettenraucher wurde am Schreibtisch
Es ist zwei Wochen nach der Deportation 

Seine Gedanken wollte er aufschreiben 
Die Schuldgefühle die ihn plagten als er
Einen Wagen mit knirschenden Reifen
In der Kiesauffahrt vorfahren hört

Er brauchte nicht zu schauen wer es war
Strich sein Haar glatt und auf der Treppe
Kam ihm der junge Diener aufgeregt
Entgegen und meldete die Gestapo 

Fragt ob er ihn verleugnen sollte oder
Den Kaplan warnen was Lajos verneint
Jeder Fluchtversuch wäre sinnlos er
Solle lieber selbst herunterkommen

Die beiden Gestapo Polizisten tragen 
Brillen was Lajos erst irritiert als würde 
Eine Brille Brutalität und Sadismus je
Ausschließen sahen sehr deutsch aus

Wie sie sicher wissen liegt ein dringender
Haftbefehle gegen Herrn Pontiller vor und
Es würde Unannehmlichkeiten ersparen
Sofern er sie gleich zu ihm führte stellt

Der hagere blonde Gestapo Mann gleich
Die Situation ohne Umschweife klar
Die beiden möchten in das Zimmer vom
Kaplan geführt werden der sie erwartet

Der Baron überlegt ob der Kaplan nun
Aus dem Fenster springen könnte wie
Egon Friedell es tat als die SA in Wien
Bei ihm klingelte die nichts wollten 

Mit einem gepackten Koffer neben sich
Sitzt er auf dem Bett und während einer
Sich in die Tür stellt durchsucht der andere
Noch einige Schubladen einer Kommode

Pontiller entschied sich für das Leben
Erklärte dem Gestapo Mann der sein 
Radio einschaltete und eine Stimme
Hörte dies sei ein Schweizer Sender

Wenn er weiterdrehe käme ein englischer
Nun reichte es dem Dicken in der Tür
Pontiller erhebt sich und will seinen Koffer
Mitnehmen der aber da bleiben muss

Als er den Kaplan zwischen den beiden
Polizisten sah dachte er an die Bälle
Mit Kostümen die Lilly so gerne gab 
Ein Mönch und zwei Polizisten

Pontiller lässt noch Lilly grüßen
Wird dann die Treppe hinab geführt
Verschwindet im schwarzen Auto der
Totalitäre Terror des Faschismus war da

Gut beschreibt der Autor hier das Gefühl
Völliger Machtlosigkeit gegenüber dem
Regime des Nationalsozialismus der mit
Angst vor seinen Schergen herrschte

Kein Kampf kein Schuss kein Versuch
Dem Unrecht noch zu entfliehen nur
Höflicher Gehorsam gegenüber der
Willkür staatlicher Allmacht bleibt übrig 

Das ist sehr fein beschrieben und lässt
Lesend ein Gefühl der Ohnmacht wie
Wut wach werden nun zumindest ist klar
Welche Stimmen Pista dort hörte

jens tuengerthal 12.10.25

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