Buchflaneur
Die Flanerie in Büchern habe ich
Nicht etwa bei Franz Hessen oder
Walter Benjamin auch nicht bei
Baudelaire zu lieben gelernt
Vielmehr war es Montaigne der
Als Bibliotheksbewohner diese Art
Unsteter Lektüre nach Laune wie
Entsprechend dem Kontext betrieb
Aufgewachsen und erzogen es sei
Unsere Aufgabe im Leben etwas zu
Erledigen las ich lange auch so wollte
Bestimmte Bände erledigt dafür haben
Was für ein Unsinn denke ich heute
Wo ich mit Büchern nach Laune lebe
Lese was mir gerade einfällt oder das
Denken nach Laune dabei anregt
Muss keinen Band zurückgegeben
Oder fristgemäß erledigt mehr haben
Die Schule liegt seit 27 Jahren hinter mir
Lese nur nach Lust und Laune täglich
Oder auch mal tagelang gar nicht
Falls es gerade so passender ist
Doch mehr als zwei Tage ohne Lektüre
Würden mich schon nervös machen
So ziehe ich auch aus den über 200
Bänden der Anderen Bibliothek einen
Nach Laune und lese dann so lange
Wie der Text mich noch fesseln kann
Damit flaniere ich zugleich durch die
Welt wie die Kulturgeschichte in der ich
Spannende Entdeckungen dabei mache
Auch wie unterschiedlich Texte wirken
Es ist dies auch die dem Buchflaneur
Am ehesten entsprechende Form des
Reisens die ich allein schätze weil nur
Irgendwo hinfahren zu gewöhnlich ist
Der Buchflaneur lebt meist sofern die
Möglichkeiten dazu gegeben sind in
Einer eigenen Bibliothek und genießt
Wie Montaigne Freiheit und Rückzug
Dieses Glück im Leben zu haben
Ist der größte Reichtum für mich
Nichts käme dem je gleich allein schon
Unendlicher Lesestoff macht zufrieden
Auf dem Diwan liegend oder im Sessel
Genieße ich die Lektüre gerne bei Tee
Mit angenehmer Trinktemperatur dabei
Muss sich daran nie etwas ändern
So reist der Flaneur in der Horizontalen
Der einzig aufrechten Lebenslage wie
Schon Hans Castorp im Zauberberg ist
Ein literarischer Weltreisender für sich
jens tuengerthal 15.10.25
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