Mittwoch, 11. März 2026

Versgedanken VI

Versgedanken VI

Montaigne denkt an die Frauen des
Königreichs Pegu in dem diese sich 
Mit nichts als einem vorne noch weit
Geschlitzten Tuch bedecken so dass

Bei ihnen mit jedem Schritt den sie
Tun alles ganz zu sehen ist was nur
Der Form halber noch Schicklichkeit
Wahrt sich aber real immer offen zeigt 

Diese behaupten zwar sie seien auf
Diesem glücklichen Einfall gekommen
Die Männer von ihrer Vorliebe für sich 
Wie sie dort üblich sei abzuhalten 

Montaigne meint dass sie damit mehr
Verlieren als gewinnen da der volle
Hunger heftiger wirke als jener der
Durch die Augen vorgesättigt wurde

Wie obigen Indianerinnen erging es
Auch Livia die meinte für eine ganz
Tugendhaften Frau sei ein nackter
Mann nicht heißer als kalter Marmor

Die Spartanerinnen dagegen meint 
Montaigne die noch jungfrâulicher
Als ihre Jungfrauen waren sahen 
Die jungen Männer noch täglich

Nackt ihre Leibesübungen verrichten
Bedeckten ihre Oberschenkel auch
Nicht weiter weil sie sich ihrer Tugend
Auch so sicher genug noch waren

Während bei ihnen heute die
Reifröcke das Tugendwächteramt
Erfüllen sollten das jede körperliche
Annäherung damit ausschlösse

Welch Illusion und welch naives
Vertrauen in bloße Förmlichkeiten
Einen weibliche Formen betonenden
Reifrock als Tugendwächter zu sehen

Dagegen glaubten jene besonders
An die Verführungskraft der Nacktheit
Die es wie der heilige Augustinus für 
Möglich hielten dass am Tage des 

Jüngsten Gerichts die Frauen als
Männer auferstehen um uns auch so
Entrückt noch zu verführen ob darum
Frauen falls sie einmal beginnen zu

Theoretisieren in diesen Dingen dann
Meinen dass Männer sich genauso in
Frauen verwandeln können ist noch
Offen zu Montaignes Zeiten während

Unsere darüber nur lachen können
Wie die Schriften des Augustinus
Ernsthaften Menschen nur als ein
Witz eines Mystikers vorkommen

So versuchten wir mit allen Mitteln
Sie zu ködern und scharf zu machen
Reizen ihre Phantasie ohne Ende und
Schreien dann Zeter und Mordio

Besser meint Montaigne gestehen wir
Die Wahrheit dass kaum wer unter 
Uns der die Schande die ihm durch
Fehltritte seiner Frau droht nicht 

Stärker fürchtet als die durch sein
Eigenes Verhalten verursachte dem
Es dabei weitaus mehr um die 
Reinheit des Gewissens seiner Gattin

Geht als das eigene je zu bedenken
Lieber Dieb und Mörder wäre oder der
Gatte einer solchen gar als dass sie
Nur irgend weniger keusch wäre

Während die Frauen lieber noch ihr
Geld verdienten oder auf dem Feld
Ruhm ernteten in der Schlacht statt 
Ständig auf der Hut sein zu müssen

Glaubt ihr sie sähen nicht wie sich 
Jeder zu gerne in dieses Vergnügen
Noch stürzte alles dafür riskierte
Fragt Montaigne die Männer nun

Die Zuordnung der Laster sei einfach
Ungerecht so gäbe es tausende viel
Schändlichere Verfehlungen noch als
Die Sinneslust natürlich auszuleben

Doch bewerteten wir die Laster nicht
Nach ihrer Natur sondern allein nach
Eigennutz daher bekommen sie die
Vielen ungleichen Ausprägungen

Unsere Moral mache die Hingabe
Der Frauen zu einem schwereren
Laster als es nach der Natur ist
Beschwört darum Folgen herauf 

Die schlimmer sind als ihre Ursache
So fragt er sich ob die Taten von 
Caesar und Alexander an Härte je
Der Standhaftigkeit einer jungen Frau

Gleichkommen die auf diese Art
Erzogen wurde im reizvollen Treiben 
Der Gesellschaft sich ungerührt zeigt
Um ihre Reinheit zu bewahren

Es gäbe kein dornenreicheres Tun
Als dies keusche Nichtstun er fände 
Ein Leben lang eine Ritterrüstung 
Tragen leichter als Jungfernschaft 

Das Gelübde der Keuschheit sei
Von allen das härteste da am
Schwersten einzuhalten so sagte 
Hieronymus der Teufel liege in 

Den Lenden wo er sich teuflisch
Wohl zu allen Zeiten fühlte was 
Beim Ausblick dort verständlich
Aber stets ein weites Feld ist

So hätten wir zweifellos noch die
Mühsamste und am meisten Kraft 
Erfordernde aller menschlichen 
Pflichten den Damen aufgebürdet 

Doch sollten sie daran festhalten
Weil es doppelten Nutzen böte
Sie könnten uns widerstehen und
Moralischen Vorrang beanspruchen

Was ihnen meint Montaigne nicht nur
Höchste Achtung einbringen würde 
Sondern auch mehr Liebe am Ende
Was taktisch sehr klug klingt

Doch fragt sich der heutige Leser
Und wieviel mehr vermutlich noch
Die heutige Leserin wie sind solche
Ratschläge moralisch zu bewerten

Wird ein ritterlicher Mann abgewiesen
Gibt er darum keineswegs auf falls es
Um Sittsamkeit und nicht um Rivalen
Willen geschieht denn wir mögen 

Noch so sehr drohen fluchen jammern
Alles Lüge denn wenn wir lieben dann 
Lieben wir Frauen darum um so mehr
Wie sie uns ein wenig widerstehen

Was in heutigen Zeiten doch eher
Fraglich erscheint in denen nur ja
Ja heißen soll und alles andere als
Belästigung ausgelegt werden kann

Nichts wirkt verlockender noch als
Gelassene Selbstsicherheit die sich
Hinter keiner kalt abweisenden Miene
Noch verschanzen muss so sei es

Würdelos und dumm weiter gegen
Verachtung und Hass anzudringen
Doch eine tugendhafte Haltung lädt 
Mit Wohlwollen zum Wettstreit ein

Frauen dürften ohne ihrer Ehre damit
Abbruch zu tun unserem Werben bis
Zu einem gewissen Grad schon auch
Erkenntlich zeigen uns fühlen lassen

Dass sie uns nicht gering schätzen 
Warum sollten sie uns auch kein
Gehör schenken solange es sich in
Den Grenzen des Schicklichen hält 

So sagte eine kluge Königin unserer
Tage sich jeder Annäherung von
Vornherein zu verschließen sei ein
Zeichen von Schwäche und zeige nur

Die eigene Verführbarkeit wie eine
Frau die ihre Keuschheit noch keiner
Bewährungsprobe aussetzte sich
Dieser auch nicht rühmen dürfte

Die Grenzen der Ehrbarkeit seien 
Nie so eng gezogen dass sie keinen
Spielraum böten denn sie gehen in
Einen Streifen Niemandsland über

Diesen zu nutzen sei noch keine
Übertretung während ein Mann der
Eine Frau in den innersten Gürtel
Ihrer Festung treibt ein Dummkopf sei

Der Wert eines Sieges bestimme 
Sich nach der Schwierigkeit wer 
Wissen will wie tief der Eindruck war
Den er bei einer Frau hinterließ 

Der messe von ihrer Tugendhöhe aus
So gibt manche mehr die weniger gibt
Der Wert einer Gunst bemisst sich 
Allein nach ihrem Beweggrund noch

Alle anderen Umstände besagen
Nichts da sie zufällig unwesentlich
Sind weniges kostet eine mehr als
Andere ihr alles dass sie leicht gibt

Wenn irgendwo meint Montaigne
Seltenheit über den Wert einer Sache
Entschiede dann hier seht darum nie
Darauf wie wenig ihr nur bekommt

Schaut lieber wie wenige es haben
Wie sich der Wert einer Münze je
Nach Prägung und Beizeichen ändert
Seltenheit eben kostbar macht 

Egal was verbitterte Männer auch
Vorbringen würden an Verleumdung
Tugend und Wahrheit würden doch 
Stets siegen so habe er erlebt 

Wie junge Frauen allein durch große 
Standhaftigkeit also Nichtstun sich
Ihren guten Ruf zurück eroberten 
Nachdem sie als anrüchig galten

Als Platon gesagt wurde die Leute
Redeten schlecht über ihn meinte
Er lass sie reden er werde so leben 
Dass sie ihren Ton bald ändern

Heute jedoch verfällt Montaigne am
Ende in das Jammern alter Leute über
Die schlechten Zeiten sollten Frauen
Gottesfurcht und Tugend zeigen was

Ein zu lächerlicher Maßstab ist ihn
Zu kommentieren doch findet er die 
Verkommenheit der Zeit schlimmer
Noch als sie in seiner Jugend waren

Es ist das typische klagen alter Leute
Über die schlimme Jugend vor dem
Wegzulaufen meist klüger ist was zu
Montaigne eher überhaupt nicht passt

Was früher von Liebschaften ganz
Geheim nur dem besten Freund
Erzählt wurde sei heute eher ein
Öffentliches Thema geworden 

Alle brüsteten sich öffentlich mit
Der ihnen von dieser oder jener
Erwiesenen Gunst wovon sich
Kluge Frauen besser enthielten

Zwar ist dem Schluss der Enthaltung
Am Ende zuzustimmen aber die
Begründung war dünn peinlich das
Kann der kluge Franzose besser

jens tuengerthal 11.3.26

Liebesbedarf

Liebesbedarf

Es braucht immer mehr 
Liebe als Hass um glücklich
Leben zu können 

jens tuengerthal 11.3.26

Weltbedarf

Weltbedarf

Die Welt braucht erstmal
Weniger Menschen um zur
Ruhe zu finden

jens tuengerthal 11.3.26

Teebeginn

Teebeginn

Tage beginnen
Mit feinem Tee viel besser
Als ohne jemals

jens tuengerthal 11.3.26

Energiekriege

Energiekriege

Ökonomie funktioniert schlicht
Das unterscheidet sie von Diplomatie
Wie die Welt mit dem Makler im
Weißen Haus gerade lernen musste

Das dicke ungezogene ungebildete
Amerikanische Kind nimmt sich was
Es gerade will auch mit Gewalt weil es
Genau das unverantwortlich kann 

Menschen ohne Kultur die sich
Nur mit Fernsehen bilden also
Nur ihre Verblödung beschleunigen 
Werden offensichtlich genau so

Wer auf Verbrenner noch setzt
Muss sich den Brennstoff sichern 
Die denen das gelingt gewinnen 
Beherrschen dann die Welt auch

Bis diese sich endlich klug vom
Verbrennen verabschiedet weil es
Keine Zukunft für die Welt mehr hat
Welche sich lieber selbst erneuert

Auch darum ist ein Bundeskanzler
Der eine Verlängerung für Verbrenner
In Europa erzwang schlicht vorgestrig
Lobbyist einer zu trägen Industrie

Alle erkennen hier leicht was noch
Eine Zukunft hat und wer auf ein
Lahmendes Pferd konservativ setzt 
Was christlich vielleicht sicher aber

Dumm nur ist was berechenbar weil
Elektromotoren einfach eine vielfach
Höhere Effizienz haben und Energie
Sauber gewonnen werden kann

Zur Atomenergie die allein eine 
Militärstrategische Bedeutung hat
Äußere ich mich hier lieber nicht
Sie ist in Deutschland Glaubensfrage 

Cuius regio eius AKW gilt auch bald
Vierhundert Jahre nach dem großen
Dreißigjährigen Krieg noch weiter
Es ist keiner Diskussionen weiter wert

Doch wer sich nun klar macht das
Erneuerbare Energien wie also Wind
Wasser und Sonne unendlich immer
Vorhanden sind macht jeden der sie

Vernachlässigt zum elenden 
Vaterlandsverräter was natürlich
So lächerlich wie das Wort ist
Keine Zukunft für Mütter mehr hat 

Wirtschaftministerin und Kanzler
Wären damit wohl Schädlinge die
Deutschlands energetische endlich
Völlige Autonomie infrage stellten

Wir könnten leicht längst schon
Selbst produzieren was dieses Land
An Energie bräuchte und alles noch 
Übrige gefahrlos in Luft speichern

Kriege um Energie wären endlich
Geschichte und nutzten wir noch
Was alle Bürger so scheißen zur
Energiegewinnung würden damit

Alle Haushalte schnell autonom
Von Turbinen die mit Druckluft 
Betrieben hätten alle gefahrlos
Genug Energie fast kostenlos

Regierte der freie Markt die Welt
Nicht monopolistische Konzerne
Die nichts als Dreck produzieren 
Wäre diese Lösung längst real

Es ist einfach sauber und billig
Die Realisierung verhindern nur 
Besitzstandswahrer ohne Phantasie
Sie loswerden wäre eine Befreiung

Die Frage also ob Trump wie die
Öl Bosse langfristig die Welt nun
Mit Kriegen beherrschen oder die
Vernunft mit Frieden gewinnt hängt

An der Energiegewinnung mit nur 
Erneuerbaren wie damit dauerhafter
Freiheit der Menschen die endlich
Sich sauber bewegen können

Wäre Öl Gas und alle Verbrenner
So schnell erledigt wie damit die
Welt der Zukunft konstruiert in der
Putin und Trump egal werden

Langfristig sollten alle die noch auf
Verbrenner setzen dafür haften um
So die Vermögen neu zu verteilen
Am Ende wird weniger wieder mehr

jens tuengerthal 11.3.26

Morgentau

Morgentau

Morgentau bedeckt als Spur der
Dunklen Nacht die Blüten noch
Am Morgen bis die Sonne was
Nachts hinunter sank wieder
Verdunstet worauf es als quasi
Leichter Dampf durch unsere
Atmosphäre nach oben steigt
Damit die Blüten wiederum 
Ihre Samen als Fortsetzung
Des immer vergänglichen
Lebens in die Welt schicken
Wir waschen rasieren bürsten 
Uns den Schlaf aus den noch
Müden Gesichtern überlegen
Wie schön das Leben wäre 
Beschäftigen wir uns wie die
Blumen nur noch mit Sex der
Aber nichts besonderes wäre
Sondern eine Verrichtung wie
Das Scheißen dann halt was 
Lange mir gut und natürlich
Schien bis ich merkte dann
Bliebe keinerlei Erotik die
Von Spannung auch lebt
Aber im Grunde geht es doch 
In der Natur wie bei uns
Immer nur um Sex aber
Vielleicht ist das gut so
Besser zumindest immer 
Als jeder Krieg

jens tuengerthal 11.3.26

Morgenlust

Morgenlust 

Lust am Morgen steht
Männern natürlich näher
Wie zugleich ab und
Dabei noch etwas steif
Halb im sinnlichen Traum 
Doch wie wunderbar
Wird was Natur gab 
Wenn er lustvoll den 
Morgentau von den 
Ihre Mitte umgebenden
Halmen zärtlich schleckt
Was Nacktschnecken in 
Angepasster Gewöhnlichkeit
Natürlich völlig verpassen
Vereint Genießer im Genuss
Des erwachten Zauber

jens tuengerthal 11.3.26

Dienstag, 10. März 2026

Lektürentagebuch 10.3.26

Lektürentagebuch 10.3.26

Egon Friedell schreibt diesmal in 
Seiner Kulturgeschichte der Neuzeit 
Über die erotische Décadence die im
Rokoko ganz neue Formen fand

Noch häufiger als die Wanne ist
In lasziven Bildern der Zeit die mit
Größter Unbefangenheit überall
Aufgestellt wurden ein anderes 

Requisit inszenierter Erotik die
Schaukel die damals in Mode kam 
Einige Elemente des Rokoko fein
Zum Ausdruck bringt nämlich

Das spielerische wie die dabei nur 
Vorgetäuschte Infantilität wie zugleich
Der erwachende Sinn für Freiluft mit
Der Galanterie der Mannes und der

Kokotterie der Frau und sie wirkt
Durch den kitzelenden Schwindel
Wie eine Art Aphrodisiakum wovon
Damals reger Gebrauch gemacht 

Auch mit wesentlich weniger noch
Harmlosen Stimulanzien wurde es
Oft noch ausschweifend genutzt
Alle Welt nahm damals Liebespillen 

Spanische Fliegen und ähnliche
Anregungsmittel jedoch meint Friedell
Es sei unbegreiflich wie aus solchen
Mitteln geschlossen werden könnte

Das Rokoko sei ein sehr erotisches 
Zeitalter gewesen im Gegenteil war es
Unerorisch und wollte nur auf die
Genüsse dennoch nicht verzichten

Gerade weil alles Streben dort dem
Problem der Liebe und dabei auch der
Bereicherung Intensivierung wie der
Verfeinerung ihrer Technik diente 

Mache deutlich dass ihnen dabei
Alle schöpferische Kraft abhanden
Gekommen war wenn nicht mehr
Die Sache an sich Thema war

Wurde die Methode zum Problem
Gemacht was immer den Anfang
Der Décadence kennzeichnet wofür
Friedell zahlreiche Beispiele bringt

Andererseits entwickelte der dann
Niedergang eine Feinheit die nur 
Ihr eigen ist und sie ausmacht stellt
Der Wahlwiener dann doch fest

Denke an Huysmans Gegen den 
Strich in dem ich gestern noch las
Über das ich als nächstes noch mit
Großer Lust schreiben werde

So hätte das Rokoko darum als
Epoche des Niedergangs keine
Erotischen Genies hervorgebracht
Aber immerhin erotische Artisten

Halte diese dialektische These von
Friedell schlicht gesagt für völligen
Unsinn keine Epoche seit sich die
Christliche Sekte ausbreitete war

So erotisch und freizügig auch
In den moralischen Grundlagen
Die eine Philosophie der Lust zur
Kunst des Lebens so machte

Es war die Epoche eines äußerst 
Verfeinerten Genusses der sich
In der Lust gern freizügig zeigte wie
Seit der Antike schon nicht mehr

Rokoko und Erotik sind darum in
Ganz vieler Hinsicht Synonyme 
Als Ausfluss des feinen Stils was 
Dem Namen Ende nicht widerspricht

Im Gegenteil heißt doch auch im da
Dominanten französisch noch der
Höhepunkt petit mort der kleine Tod 
Was zeigt warum es der Gipfel war 

Verständlich allerdings ist es für
Einen Österreicher die in dieser
Lasziven Epoche die christliche
Prüderie Maria Theresias ertrugen 

Doch ist dieser Blick auf die dann
Eher asexuelle Witwe die vorher
Ihr Gatte im Stil der Zeit eben ständig
Betrog was sie so bigott dafür machte

Sicher nicht repräsentativ für eine 
Epoche aber vielleicht kommen dem
Autor solche Ideen im Kaffeehaus
Wie der Bibliothek in Wien eher

Als große Artisten der Erotik stellt
Friedell dann Casanova und die
Pompadour vor ohne weitere tiefe 
Begründung aus deren Wirken

Für Casanova führt er nur an dass 
Dieser noch mit über neunzig täglich
Einen Stapel Liebesbriefe erhielt da 
Schon jammernder Bibliothekar in 

Schloss Dux der sich in seinen dort 
Geschriebenen Erinnerungen über
Dieses unwürdige Personal stets
Beschwert dafür kommt die eine 

Anekdote über seine einzige echte
Niederlage bei Madame Cramer in
Schloss Tournay erzählt wie von dem
Echten Duell zweier Damen um ihn

Schon diese Behauptung zeigt dass 
Friedell offensichtlich keine tiefere
Kenntnis von Casanovas Werk hat
Indem es zahlreiche Niederlagen gibt

Auch der Marschall Richelieu der
Hier gestern auch gelesen wurde
Wie gleich passend noch ein wenig
Wird von Friedell dabei erwähnt

All das ist etwas dünn und wird hier
Weder Casanova der in Lyon zum
Bruder des Grand Orient wurde wie
In Paris die Lotterie erfand nie

Gerecht und ignoriert wie sehr die
Erinnerungen von Casanova doch 
Vom Geist der Aufklärung getragen
Was immer wieder spürbar auch ist

Doch auch der Pompadour die sich
Als aufgeklärte Retterin von Diderots 
Enzyklopädie einen Namen machte 
Wird erotische Artistin nicht gerecht

Was vielversprechend immerhin
Mit der Schaukel begann die auch 
Erotisch große Bedeutung hatte 
Verpufft diesmal in Nichtigkeiten 

Schade in Anbetracht des großen 
Wissens sonst von Friedell der auch
Ein großer Erotomane war einzig die
Sorge vor Zensur rechtfertigte es

Da dieser Teil jedoch erst 1927 auf
Den Buchmarkt kam ist es keine
Taugliche Entschuldigung für den 
Mangel in Erotik und Aufklärung mehr


Gehe darum direkt über wieder
Zum Marschall Richelieu um sich
Vom Gegenteil überzeugen zu
Lassen beim sinnlichen Thema

Dieser durfte bis elf schlafen was 
In Anbetracht der doppelten erst 
Nächtlichen Abenteuer doch völlig
Angemessen noch erscheint

Längst schon war zum Frühstück
Geläutet worden als er endlich
Erschien belagert von den 
Versammelten Frauen die seine 

Geschichte der Nacht hören wollten
Unter ihnen auch die Herzogin aber
Er war ja an sein Versprechen nichts
Zu verraten gebunden und hielt es

Stattdessen erfand er eine Geschichte
Über seine Erlebnisse dort wohin ihr
Streich den ich gerade nicht erinnere 
Ihn gegen seinen Willen trieb 

Erzählt wie er auf der Bank schlief
Wie von seinen wilden sinnlichen 
Träumen dort und sah dabei seine 
Natürlich errötende Herzogin an

Was ihnen beiden offensichtlich
Merkte keiner im Umfeld noch
Doch bemühte sie sich sogleich
Jeden Verdacht abzuwiegeln

Sie tat dies voll echter Sorge um 
Seinen Fuß die sie nicht spielen
Musste sondern dem Instinkt der
Liebe dabei überzeugend folgte 

Für die nächste Nacht sagte sie ihm
Leider ab außer er könne sich den 
Schlüssel bei ihrer Jungfer holen
Worauf er erschöpft verzichtete 

Das Spiel mit der Lust gegenüber
Der Gruppe der ahnungslosen Frauen
Von denen nur die eine mehr weiß
Ist eine feine Form der Erotik

Sie dehnt die sinnliche Zweisamkeit
Noch weiter aus bezieht damit alle
Zuhörerinnen ein und spielt mit der
Sinnlichkeit dabei mit Leichtigkeit

Es ist eine lachende Atmosphäre
Zwischen echter Lust die sich wagte
Einander alles zu geben wenn auch
Als Nötigung eigentlich begonnen 

Mit deren Erinnerungen er sie 
Damit reizend spielt und dem
Offenen Spiel mit der Lust aller
Die er so auch erotisch bindet 

Das ist doppelt genial konstruiert 
Weil es die Geliebte provoziert wie
Sich flirtend zugleich mit allen dabei 
Zu erotischen Themen amüsiert 

Der Marschall Richelieu wusste
Genau was er tat auch als er noch
Jung und relativ unschuldig war sich 
Sogar für verliebt dabei noch hielt 

Mit der Geliebten unbemerkt in einer
Gruppe von Frauen zu flirten wie
Mit all ihren Freundinnen zugleich
Ohne dass sie es hindern könnte

Das ist wirklich schon eine Form
Der artistischen Liebeskunst weil 
Der doppelte Boden seinen ganz
Besonderen Reiz dabei entfaltet

Erinnere mich daran wie ich noch
Ende der 80er Jahre eine Freundin
Hatte die auf einem Heidelberger
Mädchengymnasium Abitur machte

Eine ihrer Freundinnen war mit dem
Besten Freund von mir von uns
Verkuppelt worden aber jene Dame
War nur eine Freundin von ihr

Diese wirkte sehr cool und war auch
Zwei Jahre älter als ich aber hatte
Sexuell noch keine Erfahrung als 
Unser kleiner Flirt begann 

Wenn wir uns in der Gruppe trafen
War ich offiziell der Freund der einen
Aber insgeheim der Geliebte der
Anderen was schon aufregend war

Irgendwann nach dem Sommer
In dem ich mit meinem Vater durch
Kanada fuhr also wochenlang nicht
Da war erledigte sich das alles

Aber die Erinnerung auch an die
Vertrauten Gespräche noch in 
Größerer Runde mit doppelter
Bedeutung waren sehr intensiv


An die Amouren des Marschalls
Richelieu anschließend und auch
Passend zu Friedell kommt nun
Ein Kapitel aus den Erinnerungen

Des Venezianers Casanova das
Die griechische Sklavin heißt und
Ganz unaufgeregt mit der Pflege
Der sterbenden Großmutter beginnt 

Briefe der Mutter die darauf nach 
Einigen Wochen aus Warschau bei
Der Familie eintrafen verfügten die
Auflösung ihres Haushaltes dort

Mangels Erbe von der Großmutter
Sollten er und seine Geschwister
Zu einem Abbé ziehen den sie
Ihnen nannte und der sie aufnahm

Eine Woche später kam noch ein
Brief demgemäß Giacomo selbst
Mit zu einem Bischof ziehen sollte
Der gerade sein Bistum erhielt

Wohl auch dank ihres Einflusses 
Bei der Königin die wiederum den 
Papst zu dieser Verleihung brachte
Er solle den geistlichen Weg nun

Einschlagen das wäre eine sichere 
Zukunft der Bischof reise über 
Venedig da würden sie dann alles
Weitere noch miteinander regeln

Der Bischof kam sie besprachen sich
Dann wurden die Anweisungen für die
Reise schon seltsam aber Casanova
Folgte ihnen ganz genau

Zuerst fuhr er mit dem Schiff nach
Ancona wo er dann 28 Tage in 
Quarantäne musste weil auf einem
Schiff in Venedig die Pest ausbrach

Dort langweilte sich der junge Mann
Spazierte zuerst im Hof bis ihm ein
Aufseher auch dieses Vergnügen 
Noch verbaute und saß danach

Gelangweilt auf dem Balkon als er
Eine wunderschöne großgewachsene 
Griechische Sklavin eines älteren
Türken im Hof erblickte

Er beobachtete sie und freute sich
An ihrem Anblick wann immer es
Sich so ergab doch sie die las
Wenn sie nicht arbeiten musste

Verschwand nach kurzem Blick
Immer schnell wieder wenn sie sich
Beobachtet sah worauf er gleich
Überlegt wie er ihr schreiben könne

Dies macht er zuerst mit einem
Leeren Brief und dann einem der
Sie unter Komplimenten bat des
Nachts unter seinen Balkon zu

Kommen zumindest reden zu können
Sie erscheint tatsächlich und beide
Gestehen sich ihre Liebe und halten 
Durch ein kleines Loch im Balkon

Zumindest ein erstes mal Händchen
Er erfährt dass sie Christin sei und
Er sie kaufen könnte weil ihr alter 
Türke sie gerne verkaufen wolle

Nach langem hin und her wie 
Wühlend kratzenden Versuchen 
Der Annäherung schlug sie vor
Diamanten zu besorgen mit denen 

Er sie freikaufen könnte was er
Aber feige aus moralischen Gründen
Ablehnt als sei nicht die Freiheit einer
Sklavin wertvoller als jeder Besitz

Besser hätte er seinen Zeitgenossen
Diderot dazu gelesen dann wäre er
Nicht vor Eigentum zurückgeschreckt
Der heiligen Kuh der Gesellschaft

Dringend sollte diese geschlachtet
Werden um endlich wieder die nötigen
Prioritäten richtig zu setzen dafür den
Reichtum der Welt umzuverteilen

Genug für alle wäre schon lange da
Keiner braucht solche Schätze je
Eigentum ist Diebstahl wie schon 
Proudhon uns lehrte aber hier

Blieb der angehende Pfaffe feige
Am nächsten Tag endet auch seine 
Quarantäne und er begibt sich nach
Rom und von da über Neapel nach

Sizilien wo er nach mühsamer 
Reise davon am Ende im Wagen
Seinen Bischof findet doch die
Verhältnisse dort sind ärmlich

Eine Messe hört er sich noch an
Betrachtet das elende hässliche
Publikum dann beschließt er dass 
Er ganz dringend weg müsse

Der Bischof der Schulden hat bleibt
Ein Jahr später ist er schon tot dafür 
Bleibt Casanova beim Bischof in 
Palermo für dessen Sohn der auch 

Ein Dichter wäre als Unterhaltung
Zumindest erstmal mit Quartier
So kommt es anders als gedacht
Aber immer auch mit Liebe dabei

Nun zum Abschluss noch wie schon 
Angekündigt zu Joris-Karl Huysmans 
Gegen den Strich jenem Meisterwerk 
Der Dekadenz in dem sich der vom 

Lärm und Treiben der Gesellschaft
Völlig ermüdete Jean Floressas des
Esseintes von der Gesellschaft in
Seine Bibliothek zurückzieht

Dort mit vielen heiligen Büchern
Aber auch ein wenig zeitgenössischer
Literatur der Band erschien 1887 wie
Personal zurückgezogen lebt 

In dem gestern gelesenen Kapitel
Hat er gerade ein teures Medikament
Aus Paris kommen lassen fühlte sich
Ein wenig erholt und begann seine

Bibliothek der Zeitgenossen zu 
Sortieren doch schon ganz bald
Ist der junge Adelige der den Autor
Robert de Montesquieu beschreibt

Schon völlig erschöpft legt sich
Auf seinen Diwan und gibt dem
Diener Anweisungen weiter seine
Bibliothek der Gegenwart zu sortieren

Es ist völlig dekadent und von sich
Erschöpft hat keinerlei Perspektive
Aber geht stilvoll zugrunde und lässt
Darum die Bibliothek noch sortieren

Das ist mit feiner Genialität die alle
Details des spleenigen Dandy aus
Uralter edler Familie beschreibt ein
Besonders feines Lesevergnügen 

jens tuengerthal 10.3.26


Liebesglück

Liebesglück

Liebesglück wäre
Bloßer Zufall unklar ob
Frau das genügte

jens tuengerthal 10.3.26

Zufriedenheit

Zufriedenheit

Zufriedenheit ist
Kunst der Bescheidenheit die
Länger glücklich macht

jens tuengerthal 10.3.26

Teetemperatur

Teetemperatur

Tee soll noch heiß sein
Damit er abkühlen kann
Wird Zeit gewonnen 

jens tuengerthal 10.3.26

Außer Konkurrenz

Außer Konkurrenz

Bin nur zu Besuch hier
Habe mit all der Gier
Wie dem Hass auf andere
Einfach nichts zu tun
Lebe quasi außer Konkurrenz
Gehöre zu keiner Partei mehr
Mache mir die Welt einfach
Wie sie mir für mich gefällt
Nehme an keinem Wettkampf
Noch an sonst Kämpfen teil
Sondern bleibe immer nur
Vorübergehend da als quasi
Flaneur des Lebens den das
Alles wenig tangiert der sich
Dafür ganz viel Zeit nimmt
Will und muss ja nichts
Dabei gewinnen noch will ich
Egal wen je schlagen und
Bleibe im Leben einfach
Außer Konkurrenz um
Zu genießen was bleibt
Als Flaneur des Lebens
Den nur die Liebe noch 
Wenn überhaupt bewegt 

jens tuengerthal 10.3.26

Einmalig

Einmalig

Verflucht nochmal
Wir leben nur einmal
Haben nur einmalig
Die Chance glücklich
Zu genießen was ist
Jede andere Behauptung
Ist lächerlicher Aberglaube
Gegen die Natur die sich
Allein aus sich beweist 
Nichts über sich braucht
Weil sie ist was sie ist
Vergesst alles andere
Keiner braucht Götter 
Liebe ist nur menschlich
Die Lust Teil unserer Natur
Frauen sind dabei potenter
Wie vielfältig begabter als
Männer die künftig besser
Keine Politik mehr machen
Das genügt verflucht nochmal
Vollkommen um glücklich
Ein Leben mit der Natur 
Voll Liebe und Rücksicht
Zu führen und nichts mehr
Neu wollen sondern lieber
Unser möglichst spurloses
Verschwinden zum Ziel am 
Ende des Lebens zu machen
Bis dahin können wir noch
Lustvoll genießen was bleibt
Ohne irgendwohin zu müssen
Weniger ist und bleibt mehr
Machen wir uns die Welt
Wieder klein sauber einfach 
Kommen wir mit weniger aus 
Machen Schrumpfen zum Gewinn
Können wir was einmalig schön
Gleich doppelt glücklich genießen
Weil mit weniger mehr bleibt

jens tuengerthal 10.2.26

Kriegschance

Kriegschance

Der Krieg gegen den Iran mit
Folgendem Ölpreise Lotto hat
Jedem gezeigt wohin uns die
Abhängigkeit vom Öl führt 
Warum dies die Chance ist
Diesen völligen Wahnsinn mit
Sauberer Energie zu überwinden 
Wind Sonne Wasser Luft stehen
Zur freien Verfügung und bergen
Keinerlei Risiko bei der Nutzung
Der Elektromotor ist vielfach noch 
Effektiver als jeder Verbrenner
Auf den nur eine mörderische
Industrie weiterhin setzt die
Unsere gemeinsame Welt so
Weiter zerstört weil wir es
Gegen alle Vernunft zulassen
Diese Industrie sollte nun für
Alle Schäden des Klimawandels
Haften was uns sehr schnell
Von dieser Branche ohne Zukunft
Auf Dauer und effektiv befreit
Nutzen wir die großartige Chance
Aus dem toten Pferd MAGA wird
MEGA make everything Green again
Konzentration statt Wachstum und
Nur alternative Energien boomen
Luft komprimiert wird der Speicher
Wir haben unendlich viel Energie
Kein Mensch braucht noch Öl wie
Wunderbar dies zu bemerken

jens tuengerthal 10.2.26