Montag, 15. Dezember 2025

Lektürentagebuch 14.12.25

Lektürentagebuch 14.12.25

In der Herbstgeschichte von
Sten Nadolny die ersten drei
Unterkapitel des 3. Kapitels mit
Dem Titel Pech gehabt gelesen

Beginnend mit dem Unterkapitel 
Das Wiedersehen was von diesem
Auf einer Lesung von Michael in 
Flensburg im Februar 2002 erzählt 

Dort taucht nun im Rollstuhl jene
Marietta auf und möchte das Buch
Signiert haben und Michael erkennt
Sie zuerst nicht da gesichtsblind

Worüber sie sich nicht wundert denn 
Schließlich hätte sie damals noch viel
Kürzere Haare gehabt sie fragt nach
Michael und gibt ihm ihre Nummer

Auf die Frage auf welchen Namen
Antwortet sie auf Wolfgang Biermann
Verweisend Nur für dich ohne ihren
Wirklichen Namen preiszugeben

Dabei bleiben sie per Sie also ganz
Formell doch das Abendessen was
Der Veranstalter geplant hatte sagt
Michael ab ihm wäre nicht wohl

Im nächsten Kapitel Telefonate ruft er
Die Flensburger Nummer an hat eine
Dame dran die ihm sagt ihre Tochter 
Irina käme gerade in die Psychiatrie

Sie sei für niemanden zu sprechen
Könne nicht bei seiner Lesung
Gewesen sein und lässt sich auch
Von der Behauptung er sei Arzt 

Nicht täuschen sondern beendet
Das Telefonat und bittet nicht mehr
Belästigt zu werden am Nachmittag
Von Eutin probiert er es nochmal

Diesmal eine männliche Stimme er
Gibt sich als Arzt der Psychiatrie aus 
Doch wird er durchschaut und dann
Abgewimmelt was er verdächtig fand

Allerdings war die Lüge auch so
Offensichtlich wie schnell widerlegt
Dass sich fragte wozu wird diese
Peinliche Aktion hier ausgewählt

Auffällig nur bleibt sie kam wieder
Verschwand dann wieder spurlos
Hieß vermutlich Irina aber hatte
Den Kontakt zu ihm gesucht 

Denke daran wie bildschöne aber
Eher zurückhaltende junge Frauen 
Mit einer psychischen Auffälligkeit
Ein Leben komplett umwerfen können 

War nach zwei Jahren mit einer ganz
Jungen Borderlinerin in einem ähnlich
Labilen Zustand wie Michael der aufs
Geländer für keine Geschichte stieg 

Fast würde ich den Retter Michael
Über den der erdachte Titus also 
Sten Nadolny schreibt gerne warnen
Bin also spürbar hier fasziniert

So wie das Buch zwischen den
Ebenen der Erzählung schwebt
Verirren sich auch die Leser fast
Zwischen Erzählung und Wirklichkeit

Er hatte zu viele Verpflichtungen um
Es gleich wieder zu probieren seine 
Lesereise ging einfach weiter wie das
Nächste Unterkapitel dann auch heißt

Hier wird von dieser erzählt wie den
Gedanken Michaels an Marietta die
Wohl Irina heißt wie dem Leiden des
Autors in Hotels und seinen Träumen

Das war wieder die umständliche
Altherrenprosa die eher etwas 
Einschläfernd auf mich wirkte also
Weniger der Rede wert hier war


Spannend dagegen begann es bei
Stéphane Hessel im 6. Kapitel wo
London während des Krieges wie
Seine Begegnung mit dem Gaulle 

Thema einer historisch spannenden
Erzählung aus der ersten Phase des
Weltkrieges war und wie sich dort
La France libre dort entwickelt 

Dieser von der Gaulle gegründete
Französischen Armee im Exil trat 
Hessel im Mai 1941 bei dabei fallen
Anspruch und Wirkung noch sehr weit

Auseinander die wenigsten derer die
Ins Exil geflohen waren traten bei
Viele kehrten sogar wieder zurück
So wird nahezu jeder noch persönlich

Dem Chef vorgestellt unabhängig von
Seinem militärischen Rang kommt
Auch Stéphane zum Abendessen mit
De Gaulle und seiner Frau im Hotel

Er versucht Vertrauen zu gewinnen
Durch die seinerseits bekundete
Bewunderung der normaliens die
Gleich für alle ausgerichtet wird

Damit weist Hessel sich sogleich
Als Teil einer intellektuellen Elite
Aus die Frankreich lange schon führt
Wie im indischen Kastenwesen

Die ENA und andere gehören zur
DNA von Frankreich was mit nichts
In Deutschland vergleichbar ist
Aber einander eher verstehen lässt

Die immer wieder Betonung seiner
Guten Kontakte und Freundschaften
Die ihn ein Leben lang begleiteten
Bestätigen dies Klassendenken noch

Dort erzählt ein erfahrener Diplomat
Der lange für die UN tätig war von
Den Beziehungen die ihn auch erst
Zu dem machten der er wurde 

Ansonsten hätte er mehr zugehört
Zu erfahren wer dieser General ist
Der grobschlächtig aussieht was die
Literarische Ausdrucksweise aufhebt

Er ist ihm als stolzer junger Anführer
Im Gedächtnis geblieben was die eher
Majestätischen oder gerissenen Porträts der letzten Phase verdrängte

Wie dieser sich am Ende seiner 
Langen Karriere noch zeigte hätte 
Ihn doch eher irritiert denn begeistert
Was vom Gift der Macht kündet 

Die Truppe in England zeigte eher 
Überheblichkeit und Humor war so
Das Gegenteil der demoralisierten
Französischen Armee in den Vogesen

Er lernt im Lager von Camberley noch
Zwei Kameraden kennen die ihm zu
Lebenslangen Freunden werden es 
Sind Tony Mella und Daniel Cordier

Sie teilten die Verachtung für die feige
Kapitulation der Regierung der III.
Republik und den Willen für Freiheit
Unter Einsatz des Lebens zu kämpfen 

Durch einen alten Klassenkameraden
Den er im Lager traf motiviert begann 
Er die Ausbildung für die Luftwaffe
Zum Navigator über 9 Monate

Er ist begeistert von der warmherzig
Gastfreundlichen Atmosphäre bei der
RAF und wird dort als air observer
Ausgebildet diese hatten immerhin die

Luftschlacht um England gewonnen 
So eine Invasion noch verhindert
Deren Prestige war gerade sehr groß
Und strahlte auf die Azubis ab 

Das Kartenlesen fiel ihm leicht der
Sorgen machte ihm eher der Umgang
Mit Apparaturen da er schon immer
Angst vor mechanischen Dingen hatte

Die neun Monate in einem Camp der
Royal Airforce prägten ihn fürs Leben
Dort herrschte eine Mischung aus 
Bescheidenheit und Professionalität 

Die natürliche Gelassenheit der Briten
Angesichts drohender Gefahren noch
Augenblicke der Entspannung auch
Genießen zu können war beispielhaft

Dann gab es die WAAF für Frauen 
Blonde Engländerinnen die sich so
Reizend hofieren ließen dass es fast 
Schien als schwärmten diese für sie

Dabei keine Bemerkung dazu wie
Nah sie diesen wirklich kamen oder
Ob mehr als ein Flirt dabei war zeigt
Er sich als Diplomat auch beim Sex

Einmal hätte er richtig Angst gehabt
Als das Flugzeug mit dem sie fliegen
Lernten sich über einem Wald verirrte
Der unerfahrene junge Pilot plötzlich

Notlanden musste wobei er merkte
Wie sperrig ein Flugzeug ist und wie
Selten Lichtungen nur vorkommen
Es wurde ein Drahtseilakt der gelang

Erinnere mich bei dieser Erzählung
Von englischer Kameradschaft wie
Gelassenheit auch in der Krise an
Die der eigenen Großmutter auch

Sie Jahrgang 1911 also ganze sechs
Jahre älter als Stéphane hatte eine
Zeit nach der Schule in England bei
Familien der upper class verbracht 

So wurde sie als die Tommys mit
Ihren Panzern in Uchte einrollten
Von diesen als Dolmetscherin
Angeheuert woraus dann auch

Lebenslange Freundschaften wurden
Über die meine Mutter und ihr Bruder
Nach England gingen deren Kinder 
Nach Deutschland dann kamen

Auch meine Großmutter schwärmte
Vom Humor der britischen Offiziere
Wie ihrer Gelassenheit noch in Krisen
So war die Besatzung für mich positiv

Zumindest in der erzählten Erinnerung
Der Großmutter wie der Mutter die
Keinen Kontakt zu Russen hatten 
Vor denen die anderen lieber flohen

Dafür war der Ehemann der Bremer 
Großmutter die dolmetschte über
Viele Jahre in russischen Lagern als
POW und kam halb verhungert wieder

Dagegen prägen meine Erinnerung
An englische Offiziere nur positive
Geschichten und Erfahrungen es war
Eine Ehre diese Helden zu kennen 

Dachte lange auch nach Erfahrungen
Die ich selbst in England machte mit
Menschen aus anderem Kontext es
Sei eine seltene Ausnahme gewesen

Doch nun bei Stéphane Hessel den
Gleichen Ton gegenüber Offizieren 
Zu lesen scheint die Großmutter eher
Zu bestätigen als englische Touristen

Diese meist betrunken rotgesichtigen
Jungen Menschen waren eher ein
Peinliches Beispiel für England das
Gegenteil dessen was ich kannte 

Vielleicht sind bis heute noch eher
Die Offiziere der Royal Army ein
Beispiel für englische Kultur als
Die invasiven Touristenhorden

Doch kann das vermutlich auch schon
In einer Familie sich unterscheiden
Wie die Prinzen William und Harry es
Der Welt wie mir persönlich zeigten

Das war 1998 in Paris aber wäre eine
Andere Geschichte um die es hier
Weniger geht aber vielleicht mal
Irgendwann in anderen Geschichten

Stéphane Hessel jedenfalls schreibt 
Mit Respekt und Anerkennung über
Die Kameraden dort was zu dem 
Passt was meine Großmutter erzählte

jens tuengerthal 14.-15.12.25

Sonntag, 14. Dezember 2025

Liebesglaube

Liebesglaube

An Liebe glauben
Ist der einzig taugliche
Beweis für Gefühl

jens tuengerthal 14.12.25

Verteidigungspolitik

Verteidigungspolitik

Frieden ist besser 
Verteidigungspolitik
Nur schlechte Krücke

jens tuengerthal 14.12.25

Laizismuss

Laizismuss

Laizismus ist
Muss für freies Europa
Religion tötet 

jens tuengerthal 14.12.25

Liebesversprecher

Liebesversprecher

Ist Liebe ein Versprechen 
Das nach Ewigkeit strebt 
Oder irgendwann ein Versprecher
Den wir besser schnell vergessen 

Zunächst ist es ein großes Gefühl 
Das Liebste mehr wert als alle
Scheinen lässt bis uns geteilte
Realität eines besseren belehrt

Wie gerne reden wir verliebt
Von großer Liebe die alle davor 
Klein scheinen lässt weil es sich
Viel größer gerade anfühlt

Wären wir klug und vernünftig
Oder lernten aus Fehlern die
Meist auch sehr weh taten
Wären wir lieber vorsichtig

Doch bin ich zumindest wenn
Verliebt weder klug noch je 
Vernünftig dabei weil es das
Glück der Liebe nur störte

Vielleicht braucht es auch den
Wahnsinn der Liebe mit allem 
Was folgt leben zu können 
Schafft er erst das Fundament

Dann wäre es logisch sehr
Vernünftig verrückt zu werden
Einander besser zu ertragen
Damit Liebe lange leben kann

Weil die Glückshormone vereint
Mit denen die Lust produziert 
Unser Immunsystem stärken
Ist die Liebe noch dazu gesund

So mag jedes Versprechen der
Liebe irgendwann uns nur als
Versprecher noch scheinen doch
Lohnt dieses immer mehr noch

Den Wahnsinn der Versprechen
Die wir vermutlich nie halten können
Ganz ernst dabei zu meinen 
Ist lohnender als relative Liebe

Vielleicht wird jede Liebe natürlich
Irgendwann vom großen Versprechen
Zum Versprecher außer sie überlebt
Uns noch aber dann ist es ja egal

Zumindest für uns die wir nicht mehr
Sind kann es dahinstehen aber mehr
Spricht dafür Versprecher zu riskieren
Als keine Liebe ganz zu wagen 

Warum am Ende jedes Versprechen
Der Liebe das Risiko eines danach
Versprecher wert war denn vielleicht
Bleibt eines so lange wie wir 

jens tuengerthal 14.12.25

Lektürentagebuch 13.12.25

Lektürentagebuch 13.12.25

Heute morgen nach Crossroads und
Minnedienst noch weiter in der
Herbstgeschichte von Sten Nadolny 
Das 2. Kapitel Auf hoher See gelesen

Trotz innerer Ablehnung gegen alle
Kreuzfahrtschiffe voller Faszination
Verfolgt wie der fiktive Autor Titus 
Michael Waßmuß an Bord begegnet

Faszinierend für mich als Autor wie
Sich dort zwei Autoren begegnen
Über die Geschichte reden deren
Erstes Kapitel ich gerade las 

Titus macht die Kreuzfahrt um ein
Drehbuch für eine langweilige Serie 
Die an Bord eines solchen spielt zu
Schreiben als er Michael entdeckt

Langsam beginnt Michael zu erzählen
Von der Krankheitsgeschichte an der
Er gerade schreibt beide früheren
Klassenkameraden sind 2024 achtzig

Es sind 26 Jahre vergangen seit
Michael und Bruno mit der Studentin
Marietta nach Venedig fuhren davon 
Erzählt Michael Titus mit Details

Mit Bruno hat Michael nun keinen
Kontakt mehr sie haben sich wohl
Überworfen noch ist unklar warum
Sie seien zu verschieden meint er

Er übergibt Titus den ganzen Stapel
Seiner Recherche und fragt ob er
Vielleicht Interesse daran hätte für
Ein Drehbuch dieser will es lesen

Der fiktive Autor wie sein Freund
Haben mit  achtzig nun auch fast
Das typische Alter des Publikums
Von Kreuzfahrten als ältere Herren 

Erfahre lesend mehr über das Leben
An Bord des Schiffes das Richtung
Schottland fährt später noch über
Norwegen und Kopenhagen kommt

Die angebliche Marietta Robusti
Hatte in der Oper einen Killer
Vorab erkannt und gemeldet warum
Die Aufführung in Venedig ausfiel

Beide Herren hatten dort um
Die Gunst oder Aufmerksamkeit der
Schönen jungen Studentin konkurrent
Gebuhlt dabei aber nicht sexuell

Wie diese dann wieder einfach ohne 
Eine Spur oder Gründe verschwand
Michael extra eine Suite für sie beide
Gebucht hätte die wieder verschwand

Marietta mit der besonderen Begabung Gesichter zu erkennen
Sitzt mittlerweile im Rollstuhl weil die
Erinnerung an erlittenen Missbrauch

Sie gelähmt hätte was wohl Teil der
Krankheitsgeschichte war die Michael
An Bord schreiben wollte auch das
Der Kripo Beamte gar keiner war

Sondern ein Killer der Mafia der den
Mord rächen sollte den sie vorher
Beobachtet hatte und das diese
Marietta dazu erpressen konnten 

Eine noch etwas unklare Krimi Story
Um eine hochbegabte junge Frau
Die sich von der Mafia verfolgt fühlt
Darum mit den beiden fliehen wollte

Das ganze aus dem Gespräch zweier
Älterer Herren auf Kreuzfahrt bei der
Die Schöne im Rollstuhl eigentlich als
Begleitung Michaels dabei sein sollte

Zwischendurch kommt noch die
Seelsorgerin und möchte mit Michael
Gerne alleine sprechen der dies aber
Ablehnt Titus sei sein bester Freund

Die elegante Dame zwischen fünfzig
Und sechzig stellt sich ihnen als
Helen d’Arezzo vor jene also der in
Der fiktiven Einleitung der Autor Titus

Seinen Roman widmete und das
Nicht nur weil sie darin vorkam sie
Berichtet Michael sei in der Nacht 
Zuvor beobachtet worden als er

Auf dem Geländer seines privaten Sonnendecks saß das von der Brücke 
Aus einsehbar und der diensthabende
Erste Offizier hatte es dann gemeldet

Daraufhin erzählt Michael das er
Autor sei und gerade eine Biographie
Über Rudolf Diesel schriebe der auf
Einer Schifffahrt spurlos verschwand

Er hätte versucht sich in diesen 
Intensiv hinein zu fühlen darum
Hätte er dort gesessen sie sollte
Sich bitte keine Sorgen machen 

Die Frage wird zwischen den beiden
Als die Seelsorgerin wieder ging
Nicht weiter thematisiert auch wenn
Titus weiß dass Michael gelogen hat 

Von 2002 bis 2024 wäre er so etwas
Wie ihr Berater gewesen hätte sie in 
Psychischen Fragen unterstützt die
Da schon im Rollstuhl saß erzählt er 

Am Ende stellt Titus fest dass die
Reise wohl nicht mehr viel Sinn für
Michael mache was dieser bestätigt
Er hätte sie für Marietta gebucht

Die naheliegende Frage ob auch
Das Leben des Freundes nun allen
Sinn verlor erspart uns Nadolny zum
Glück da Leben nie Sinn braucht

Für sich allein überlegt er wie er
Ein Drehbuch des Films über
Marietta beginnen oder enden 
Lassen soll eher hell oder dunkel

Eine Geschichte die viele Fragen 
Offen lässt die Antworten suchen
So nachdenklich macht und verwirrt
Aber mich als Leser auch fesselte

Auf was kommt es wirklich an 
Wo beginnt die Wirklichkeit des 
Autors der von zwei Autoren erzählt
In psychischer Ausnahmesituation


In Kapitel 5 erzählt Stéphane Hessel
Unter dem Titel Der Weg zu de Gaulle
Wie es nach der Flucht aus dem 
Gefangenenlager für ihn weiter ging

Zunächst stellt er die Frage warum
Er diese ziemlich banale Geschichte
Überhaupt erzählt und erläutert es
Als Schlüssel zu seinem Charakter 

Wie ihn Goethes Distichon von den
Unendlichen Göttern die ihren 
Lieblingen alles gaben alle Freude
Wie allen Schmerz immer prägte

Er sah es immer als Aufforderung
Sein Schicksal dankbar anzunehmen
So wird sich finden was ihn versöhnt
Warum er zu de Gaulle nun wollte

Wie er seine Schwiegerfamilie mit
Seiner Frau wiederfindet die nach
Toulouse gingen in den noch von
Marschall Petains besetzten Teil

Dort der auch in der Regierung in
Vichy noch gut vernetzte Boris sein 
Schwiegervater sich um Visa für
Die Familie bemüht aber leider

Keines für den Schwiegersohn
Bekommt der dafür versucht das
Letzte Gold der Familie aus dem
Garten des Hauses zu retten 

Das seine Frau ihrer baltischen
Gouvernante überlassen hatte 
Die für diese so wichtig war wie
Emmy für ihn und seinen Bruder

Im Herbst 1940 begegnet er noch
Varian Fry den Autor des Buches
Surrender on Demand indem er die
Mission für das Flüchtlingskomittee

Mit der er unterwegs war beschreibt
Um den vor den Nazis geflohenen
Künstlern oder Intellektuellen zu 
Helfen der Falle von Vichy wieder

Entkommen zu können mit dem er
Zwei Monate unzertrennlich danach
Durch Südfrankreich unterwegs war
Das er als kultivierter Amerikaner

Mit Begeisterung entdeckt der also
Das Gegenteil von Trump noch war
Suchte mit ihm dessen Schützlinge
Von André Breton Max Ernst wie

Victor Serge und andere auf doch
Auch zu dieser Zeit sprach er noch
Ein letztes mal mit Walter Benjamin
In einem kleinen Hotel in Marseille

Benjamin wäre verzweifelt gewesen
Sein Deutschland wäre ein Monstrum 
Geworden das um so schrecklicher
Wurde je mehr es sein Volk motivierte

Deutscher Fleiß und Disziplin haben
Den Holocaust mit Präzision wie der
Größtmöglicher Effektivität organisiert
Amerika flößte ihm kein Vertrauen ein

Stéphane verstand Benjamins große
Mutlosigkeit nicht und tat ihm Unrecht
Unrecht hatte er auch meint er in der
Spannung zwischen den Familien 

Darunter litt der Kontakt zu seiner
Mutter die mit Franz und seinem
Bruder in Sanary-sur-Mer lebte 
In einer Villa der Huxleys zuerst

Die Nachricht vom Tod seines
Vaters traf ihn wie ein Ordnungsruf
Franz und Ulrich waren vorher noch
Im Lager bei Aix interniert gewesen

Auch Helen sollte als Ausländerin 
Sich auf dem Kommissariat melden
Beruft sich aber darauf die Mutter 
Eines französischen Offiziers zu sein

Dem armen Polizisten wie Stéphane 
Schreibt bot sie die Stirn legte sich
In der Huxley-Villa nackt aufs Bett
Wenn solle er sie so mitnehmen

Diesen Mut hatte der Polizist nicht
Auch Bruder und Vater des bisher
Nur Offiziersanwärters werden so
Freigelassen aber Franz ist schwach

Die letzten Wochen kritzelt er noch
Ein Heft mit seiner schwer nur zu
Entziffernden Handschrift voll und
Will täglich mindestens eine Seite

Das Manuskript wurde von seinem
Freund Speyer mit nach Amerika
Genommen und ist nach seinem Tod
Als Letzte Heimkehr nach Paris

Veröffentlich worden seine Grabrede
Hielt der Dichter Hans Siemsen auf
Dem Friedhof von Sanary-sur-Mer
In der Kälte des Januar am Meer

Helen hat in einem Text zu seinem
Zehnten Todestag die Erinnerung
Daran noch wach gerufen den ihr
Sohn hier teils noch wiedergibt 

Sie erzählt vom Clochard dem er
Seine Schuhe vorab versprach und
Wie sie zwar mit ihm verheiratet war
Aber etwas anderes sie enger band 

Sie erzählt von den Rosen die sie
Auf seinem Grab pflanzten die als 
Sie blühten an ein Lied Brentanos
Sie noch erinnerten: 

‘Die weiße zu Häupten
Die rosarote zu Füßen 
Und die blutrote inmitten’

Vitia wäre mitgekommen aber die
Befangenheit zwischen ihr und Helen
Blieb weiter bestehen einige Wochen
Später verließen sie Frankreich

Er hatte von seiner angeheirateten
Familie vereinnahmt Helen ganz allein 
Ihrem Schicksal überlassen nun ein
Schlechtes Gewissen in einer Zeit

Großer Misserfolge auch im Kampf
Gegen die Nazis an deren Niederlage
Am Ende er zwar nie zweifelte die
Jedoch noch viele Opfer forderte

Es bleiben auch aus dieser Zeit noch
Weiße Flecken die er sich schlecht
Nur erklären kann was wusste er
Von den Juden und ihrer Verfolgung

Was wurde mit ihrer restlichen Familie
Den in Deutschland noch lebenden
Vettern und Onkeln wie ging es den 
Kameraden von der École normale 

Er hat einige Erinnerungslücken in
Denen nur die schöne Mauretanierin
Im gleichen Hotel in Casablanca noch
Auftaucht ohne mehr zu erzählen

Erst als er seine Frau Vitia dann
In Lissabon trifft beginnt wieder
Seine Erinnerung die zwar eine
Passage hat aber nicht weiß ob

Sie wollte auch mit ihm nach London
Der meinte sie solle sich zuerst um
Ihre Eltern die sie bräuchten kümmern
Dauerte der Krieg noch käme sie

Von Lissabon hatte er nur noch die
Schönheit der Monumente über der
Mündung des Tejo in Erinnerung und 
Einen kleinen Gewinn im Casino 

Bei der Einreise nach Bristol gibt
Es noch einen Zwischenfall weil 
In seinem Koffer noch sein alter 
Pass liegt mit Geburtsort Berlin

Der neue des Vichy Regime aber
Paris trug wurde er zwar höflich
Doch klar verdächtigt und kam 
Für sechs Wochen in ein Lager

Dort waren Menschen aller Nationen
Er verbrachte die Zeit dann mit
Ping Pong und Bridge spielen
Bevor sein englischer Vetter half 

Dann ganz allein von den Seinen
Völlig isoliert ohne Nachrichten 
Aus Sanary oder New York setzte
Seine Kriegsbegeisterung ein

Diese machte einen pazifistischen
Jungen Mann der eher zu geistigen
Genüssen neigte zu einem dann
Kämpferischen Patrioten bis 1945

Dieses Gefühl den Feind unbedingt
Schlagen zu wollen hätte auf die
Wirkungsvollste Art seine Vitalität
Die nächsten vier Jahre getragen

Eindrucksvoll ist es der Familie
Hessel so nah diese in vielem 
So entscheidende Zeit zu erleben
In der Europa in den Krieg zog

Wie fern dieser zunächst schien
Plötzlich ganz nah kam um die 
Wut irgendwann zu tragen mit
Der Menschen in den Kampf ziehen

Als 25 Jahre nach dem großen
Weltkrieg geborener war mir die
Kriegswut und auch die Bereitschaft
Zu töten lang eher fremd

Die Ukraine und das russische
Vorgehen gegen Zivilisten machte 
Es wieder verständlicher plötzlich
War der Krieg nebenan präsent

Soldaten sind Mörder sagte der
Pazifist Tucholsky was mir schon
Immer auch ungerecht schien
War ein Stéphane Hessel Mörder 

Hätte wer Hitler Stalin Putin Trump
Mao und andere ermordet wären so
Millionen Menschen gerettet worden
Aber egal wie ich diese Tat dann

Moralisch bewerte wäre es Mord 
Wie das Attentat von Stauffenberg
Der in der Wolfsschanze Hitler ganz
Nah kam ein Mord gewesen wäre

Kann Tucholsky nicht widersprechen
Soldaten sind potentielle Mörder 
Aber manchmal hilft nichts anderes
Damit das Gute am Ende siegt

jens tuengerthal 13.12.25

Samstag, 13. Dezember 2025

Sehnsuche

Sehnsuche

Liebe hat Sehnsucht
Nacheinander fraglich ob
Suche oder Sucht 

jens tuengerthal 13.12.25

Vergänglich

Vergänglich

Alle Natur ist
Vergänglich allein Liebe
Soll ewig bleiben

Ob Liebe darum
Keine Natur mehr ist bleibt
Ewig wohl unklar

jens tuengerthal 13.12.25

Politik

Politik

Politik bleibt ein
Schmutziges Geschäft nur der
Staat lebt noch davon

jens tuengerthal 13.12.25

Liebesnächte

Liebesnächte 

Wie schön sind Liebesnächte
Mit der Liebsten beim Wein
Diskutiert oder Gedichte gelesen
Gelacht gestritten um sich
Wieder zusammen zu raufen
Glücklich miteinander irgendwann 
Dann danach doch einzuschlafen
Fragt sich ob wir das schönste
Der Liebesnächte verschlafen 
Oder genau das zusammen
Also nebeneinander schlafen
Am Ende das schönste war
Wir es nicht verschliefen
Sondern eher erschliefen

jens tuengerthal 13.12.25

Flaneurriesling

Flaneurriesling

Mal wieder auf einen Riesling
Zur Nacht im Crossroads wo
Phil II schnell den Wein brachte
Während Tino an der Bar plaudert

Dies tat er mit Dunja die wieder ein
Besonders schönes Kleid mit Spitze
Heute trägt so wie Roy und anderen
An der Ecke der Bar ein Pärchen 

Oben sitzen zwei Gruppen und zwei
Herren von denen der eine etwas
Korpulent ist während der andere
Lange Haare mit werdender Platte 

Inmitten und dazu feminine Glitzer
Leggings zum Minikleid und sehr
Klobigen weißen Turnschuhen trägt
Mit großer männlicher Brille dazu 

So schaukelt der Abend hier ganz
Langsam in die Nacht und die Musik 
Ist heute ein wenig beatlastig schnell
Was ich geflissentlich ignoriere

Dann kam noch ein Gespräch mit
Maren einer Grundschullehrerin
Über relative Zeit Wahrnehmung
Hannah Arendt und Heidegger 

Quasi im Vorübergehen dazwischen
Was überraschend spannend noch
Weiter griff als ich hier erwartet hätte 
Wie schön noch überrascht zu werden

jens tuengerthal 13.12.1

Freitag, 12. Dezember 2025

Liebeslebenslust

Liebeslebenslust

Liebe lustvoll zu
Leben genügt vollkommen
Als geteiltes Glück

jens tuengerthal 12.12.25

Lebenslust

Lebenslust

Alle Lebenslust
In ein Haiku zu packen
Könnte eng werden

jens tuengerthal 12.12.26

Lebenssinn

Lebenssinn

Leben ist sinnlos
Aber genießen können
Bleibt Perspektive

jens tuengerthal 12.12.25

Lektürentagebuch 11.12.25

Lektürentagebuch 11.12.25

Das 1. Kapitel in Sten Nadolnys
Herbstgeschichte unter dem Titel
Die Fahrt nach Zürich zu Ende
Gelesen und dort angekommen

So fahren Michael Waßmuß und
Bruno Gnadl von Düsseldorf aus
Mit dem ICE nach Mannheim im
Großraumwagen wie von dort dann

Im Abteil gen Zürich erzählen sich
Geschichten was so spannend ist
Wie ein Bundesbahnplan den ja
Manche auch interessant finden

Nadolny charakterisiert so seine 
Beiden Protagonisten damit ganz
Nebenbei auf einer gewöhnlichen
Fahrt der Deutschen Bundesbahn

In Mannheim steigen sie um was
Trotz Verspätung die den Roman 
Fast hyperrealistisch macht klappt 
Kommen nun in ein volles Abteil

Dort treffen sie eine Kunstudentin 
Die ein Buch mit Teppichen betrachtet
Kommen ab Karlsruhe wo es leerer 
Wurde mit ihr etwas ins Gespräch

Diese erstaunt sie mit ihrem guten 
Gedächtnis für Gesichter das sie
Auch beide erkennen lässt die sie
Vor Jahren unabhängig schon sah

Michael bei einer Recherche als er
Aus einer Werft in Flensburg kam 
Bruno in Hamburg im Don Carlos
Als Herzog von Alba beides stimmt

Sie erkannte jedes Gesicht wieder
Warum sie schon für die Kripo auch
Gearbeitet hätte es und so Mörder
Oder andere Kriminelle überführte 

Diese erzählt sie werde wohl im Park
Schlafen ein Hotel könne sie ja nicht
Bezahlen was bei Michael sogleich
Väterliche Retterinstinkte weckte

Gehen in den Speisewagen der nun
Bordrestaurant heißt auf ein Bier das
Dann zwei Wein werden wo sie die
Dunkelhaarige Studentin wiedersehen

Sie erzählt in Andeutungen das der
Junge Mann im Abteil von der Kripo
Sei und sie vor ihm auf der Flucht
Allerdings nicht warum überhaupt

Nach einer etwas skurrilen Flucht
Mit zwei Taxis vor der Michael ihr
Sein Hotelzimmer dort anbot um
Eines dafür mit Bruno zu teilen 

Unterhalten die beiden sich im Bett
Über die Studentin die sich im Hotel
Als Marietta Robusti eintrug worauf
Bruno meinte so heiße sie niemals

Wenn das ihr wirklicher Name wäre
Sei er Giordano Bruno dies wäre der
Name der als Tintoretta bekannten
Tochter Tintorettos gewesen 

Ein falscher Name einer erstaunlichen
Kunsthistorikerin die aus Flensburg
Angeblich kam sich verfolgt fühlte
Die Hilfe zweier älterer Männer sucht 

So beginnt die Herbstgeschichte von
Sten Nadolny wie ein Thriller was auf
Den Dichter sonst eher abschreckend 
Wirkt macht mich hier nun neugierig


Im Tanz mit dem Jahrhundert erzählt
Stéphane Hessel im vierten Kapitel der über den Drôle de Guerre der
Mit der Mobilmachung beginnt

Zu diesem Zeitpunkt ist er noch
Mit Vitia in Griechenland auf der
Suche nach den Spuren der Antike
Deren Erinnerung sich in ihm verklärte

Fein beschreibt er diese erste Reise
Die wie er bei späteren Besuchen
Merkte anders gelaufen sein muss
Als in seiner verliebten Erinnerung

Doch warnt er vor zuverlässigen
Zeugen die nur Träume störten 
Jedenfalls reifte dort der Gedanke
Zu heiraten im Schatten der Weltlage

Dies alles im Juli 1939 führte zu einer
Überstürzten Einschiffung wie dann
Durchquerung des von Militärkonvois
Bereits überfluteten Frankreich 

Zurück wurde er bald eingezogen
Tatsächlich heirateten sie dann im
Rathaus von Saint-Maxien schon
Am 2. November ganz dezent

Allerdings hatte er Vitia gebeten
Helen Bescheid zu sagen als er
Schon im Dienst war und er hätte 
Danach fast dreißig Jahre gebraucht

Diesen Fehler wieder auszubügeln
So das Vertrauen zwischen den zwei
Wichtigsten Menschen in seinem
Leben nur langsam entstehen konnte

In der Zeit als Offiziersanwärter fühlte 
Er sich zum letzten mal so völlig als
Ein normalien wie die Absolventen der 
École normale genannt werden

Bei der Betrachtung des Krieges
Sah er ihn als notwendige Prüfung
Weil seine Regierung zu nachsichtig 
Mit dem Hampelmann jenseits des 

Rheins wie er treffend Hitler nennt
Umgegangen weil sie ihn besänftigen 
Wollten statt ihm wie nötig klar die
Militärischen Schranken zu weisen

Wer wollte nicht an Putin und Trump
Wie die aktuelle Weltlage mit der zu
Lange sozialdemokratischen Naivität
Gegenüber Russland dabei denken

Hessel erzählt von den Erlebnissen
Im Krieg den kleinen Wagnissen
Wie lange nahezu nichts passierte
In diesem Krieg der sich belauerte

Erzählt von seinem Vorgesetzten
Den er später bei der Resistance 
Auch wiedersah wie anderen dann
Kontakten in das Netz des Widerstand

Wie er Helen in den letzten drei
Monaten des Krieges wiedersah 
Die ihn ihre Freundinnen vorstellte
Alle drei prägende Frauen der Kultur

Hélène Hoppenot die als Fotografin
Berühmt wurde und deren Mann
Später Frankreich bei den UN vertrat 
Eine interessante Künstlerin dazu 

Adrienne Monnier und Sylvia Brach
Die ein Paar waren und beide ganz
Berühmte Buchläden und Verlage für
Unbekannte Autoren in Paris führten

Dort verkehrten André Gide wie Joyce
Bei Sylvia in Shakespeare and Comp
Mehr die bekannten Amerikaner alle
Sie waren Institutionen in Paris

Für Adriennes Gazette des Amis des
Livres schrieb er mehrere Artikel die
Er in der Ausgabe 10 vom Mai 1940
Als Einer aus der Armee veröffentlicht

Denke an meinen Großvater der die
Beiden weiblichen Köpfe des
Literarischen Paris persönlich kannte
Ohne zu wissen wie nah wirklich

Spannend erzählt Stéphane noch
Von seiner Feuertaufe die er bei
Rettung seines zuvor vergessenen 
Tagebuchs durch Artillerie erfährt

Wie er dann mit seiner Einheit
Die sich hätte entwaffnen sollen
In Gefangenschaft geriet von dort 
Mit einem Kameraden wieder floh

Dieser hatte schon vom Aufruf
Von General der Gaulle zum
Widerstand für ein freies Frankreich
Gehört und begeisterte ihn dafür

Sie begründeten ihren Ausbruch
Mit der erbärmlichen Qualität des
Essens im Lager also gastronomisch
Wie wunderbar französisch ist das

Denke an die ewigen Diskussionen
Der Brüder in Straßburg beim GO
Welche Region die beste Küche hätte
Ob es eine nationale Cuisine gäbe 

Für Elsässer mit ihrem irgendwie
Zwischenstatus als die deutschesten
Franzosen aber französischsten
Deutschen zugleich schon wichtig

So kam Stéphane Hessel im Lager
Über Gerüchte mit der Resistance 
In Kontakt und wollte nicht zu dem
Ängstlichen Lager Petains gehören

Eine literarisch wie kulturhistorisch
Äußerst spannende Betrachtung
Eines Krieges in dem auch meine
Beiden Großväter noch kämpften

Großartig auch die Brücken die
Hessel immer wieder zwischen
Kultur und Zeitgeschichte zieht
Deren aktiver Teil er auch war

jens tuengerthal 11.-12.12.25