Lektürentagebuch 11.1.25
Bei Buddenbrooks gab es im 9.
Kapitel noch ein kleines Drama
Zum Abschied von Grünlich als
Der Konsul Tony Bescheid sagte
Sie sollte schnell nur einen Koffer
Packen für sich und die Tochter
Ihre Sachen würde er später dann
Schicken lassen er wollte los stürzt
Während Tony noch ganz aufgeregt
Fragt was sie bräuchte und sich
Die Flügeltüren zum Salon öffnen
Der aufgewühlte Grünlich herein
Er fällt vor Tony auf die Knie und
Bedrängt sie ihn nicht zu verlassen
Ihn nicht zu verabscheuen der er sie
Doch über alles immer geliebt
Sie redet höflich beruhigend auf
Den vor ihr knienden Grûnlich ein
Fühlt sich so bedrängt wie damals
Als er ihr schon mal gedroht hatte
Es geht auch hier natürlich wieder
Um Leben und Tod beim gerne
Theatralisch liebenden Grünlich
Beim allerletzten Versuch dabei
Schließlich gelingt es ihr sich aus
Seinen Fängen zu befreien und ihr
Vater der Konsul reicht ihr den Arm
Dann rastet Grünlich völlig aus
Ruft ihr hinterher sie solle nur gehen
Er habe sie nie geliebt und sie nur
Des Geldes wegen geheiratet eine
Hässliche Szene noch am Ende
Damit verspielt er natürlich jede
Chance auf Versöhnung und ein
Erbe leichtfertig Tony aber geht
Nur der Konsul kehrt nochmal zurück
Spricht zu seinem Schwiegersohn
Der am Fenster steht er solle sich
Fassen und beten was in dieser
Situation schon eher fies klingt
Thomas Mann kostet hier mit
Seinem klugen Humor die Szene
Ganz aus alle bloßzustellen doch
Ohne dabei platt böse zu werden
Eine opernwürdige Szene für das
Ende der Ehe die Tony nie wollte
Der Konsul gibt vermutlich noch gut
Gemeinte Ratschläge die fies sind
Dem ohne seine Hilfe ins wohl
Selbstverschuldete Unglück nun
Gestürzten Pfarrerssohn zum Beten
Zu raten zeigt wenig Empathie
Zwar könnte zugunsten des
Konsuls angeführt werden dass
Er selbst ein gläubiger Mann war
Was er sagte vermutlich glaubte
Doch ein wenig Fähigkeit zur
Selbstkritik hätte einen erwachsenen
Mann erkennen lassen wie unnötig
Dieser letzte Stich hier noch war
Doch diese Fähigkeit fehlt der
Figur des Konsul Buddenbrook der
Sich ständig rechtfertigt auch seiner
Tochter noch gegenüber dabei
Er hat sie wenn auch ohne Vorsatz
Ins Unglück gestürzt und holt sie zwar
Aus der Situation als Vater raus aber
Möchte dafür auch Verzeihung bitte
Statt zu gestehen einen Fehler
Gemacht zu haben mit der Ehe
Will er gern mit weißer Weste gehen
Rät dem Pleitier zum Beten
Es ist diese Figur mit großer Tiefe
Von Mann gezeichnet die auch vor
Charakterlichen Untiefen nicht anhält
Sie mit scharfem Stift zeichnet
Keiner der beteiligten Herren kommt
Hier charakterlich gut weg dennoch
Spart Mann sich hier den Konsul
Peinlicher als nötig bloßzustellen
Er kritisiert den Charakter dezent
Doch lässt er ein selbständiges
Urteil beim Lesen noch zu statt
Nur schlichte Schubladen zu öffnen
Diese feinen Nuancen auch im Spott
Wie in der indirekten Kritik zeigen klar
Dem Unterschied zu Heinrich der im
Untertan einen Idioten darstellt
Wo der Konsul seine Unschuld noch
Beteuert und mit seinem Gewissen
Ringt klopft Diederich Heßling nur
Sprüche wo der Konsul es gut meint
Eine kurze Szene dieses Kapitel mit
Maximal möglichem Drama was
Dennoch höflich behandelt wird
Mit feinem hintergründigem Humor
Mynheer Peppeekorn ist der nächste
Abschnitt im Zauberberg betitelt in
Dem dieser neue Gast vorgestellt wird
Holländer der in asiatischen Kolonien
Großen Reichtum erwarb der es ihm
Erlaubte mit eigenem Kammerdiener
Auf dem Berghof anzukommen was
Nicht die Aufmerksamkeit begründet
Die Thomas Mann dieser neuen Figur
Die eine eigene Überschrift bekommt
Widmet die gemeinsam mit der sehr
Vermissten Clawdia Chauchat kam
Sie reisten zusammen und hatten
Den Gerüchten zufolge sogar eine
Gemeinsame Reisekasse worüber
Behrens mit Hans vorab plauderte
Der ihm die bevorstehende Ankunft
Von der er telegrafisch benachrichtigt
Schon mitgeteilt hatte den aber der
Neue Reisegefährte auch überraschte
Im Gespräch zwischen dem Hofrat
Der Clawdia bekanntlich porträtierte
Und Hans Castorp gibt letzterer eine
Erste gute Beschreibung des Neuen
So gut war diese dass der Autor sich
Ihr gerne anschließt nur noch kleine
Ergänzungen zum Wesen bringt
Sonst Hans ihn beschreiben lässt
Sogar der ägyptischen Prinzessin die
Zeitgleich anwesend ist wird nicht
Soviel Aufmerksamkeit gewidmet
Auch wenn sie sehr besonders war
Allerdings gilt deren Zuneigung nur
Einer rumänischen Jüdin während
Die Männer sie nicht interessierten
Ihre Beschreibung erinnert an Erika
Die eigene Tochter im Stil wie den
Gewohnheiten auftauchen zu lassen
Aber sie als ägyptische Prinzessin
Mit Respekt und Höflichkeit noch
Zu behandeln zeigt Manns genialen
Humor und wer die Familie kennt
Sieht die Lacher bei erster Lesung
In der Familie deutlich vor sich
Lange ist so das Vorspiel mit anderen
Das den an tropischem Wechselfieber
Leidenden Pieter Peeperkorn vorstellt
Bei dem der Hofrat indezent plaudert
Was immer Hofrat Behrens dazu trieb
Einem Patienten von der Diagnose eines anderen zu erzählen ist deren
Vertrautheit inzwischen erstaunlich
Vielleicht weil beide sich von dieser
Persönlichkeit als ältere Verehrer von
Clawdias Schönheit betrogen sahen
Entstand ein so vertrautes Bündnis
Dann endlich tritt nach vier Seiten
Vorspann die detailliert beschriebene
Persönlichkeit Pepperkorn selbst auf
Zuerst beim Gang in den Saal
Dabei überraschend dezent nur der
Kennerin Clawdia folgend aber die
Saaltür leise schließend während
Castorp auf den Knall wartete
Hans hat an seinem neuen Tisch
Der den guten Russentisch quasi
Benachbart ist besten Blick auf
Pepperkorn und Clawdia dort
Den ersten Sermon beginnt der
Reiche Holländer der schon vorher
Seine Tischgenossen mit Gesten
Die Aufmerksamkeit wollen dirigierte
Mit einer der Saaltöchter die er nach
Ihrem Namen fragt um sogleich mit
Diesem in seiner Rede zu spielen
Was schon komisch genug ist
Wie er sich mit Humor und Witz
Dabei über die Größe der Zwergin
Lustig macht löste heute wohl die
Empörung zuständiger Stellen aus
Die Figur des Mynheer Pepperkorn
Ist eine ziemlich exakter Karikatur
Von Gerhart Hauptmann was auch
Für einige Skandale noch sorgte
In einem persönlichen Gespräch
Vermochte Thomas Mann damals
Den Kollegen zu beruhigen doch
Wer beide kannte sah hier klar
Denke an die treffende Büste die
Knud Knudsen von Hauptmann
Schuf die auf Hiddensee steht wie
Die Zeichnung meines Vaters davon
Doch im Gegensatz zum auch klugen
Autor Hauptmann gibt vorliegend die Persönlichkeit Pepperkorn eher nur
Luftblasen von sich jedoch mit dabei
Erheblichem Aufwand an Gesten
Wie sonstigem Theater was Mann
Mit viel Humor fein inszeniert dabei
Den beeindruckenden Mann zeigt
Fast wie der legendäre Hauptmann
Von Köpenick erregt der eigentlich
Nur Produzent von Luftblasen die
Ehrfürchtige Bewunderung vieler
Persönlichkeit fesselt eben auch
Eine begehrte Frau wie Clawdia
Die ihr hellrotes Haar noch immer
Leger um den Kopf gewickelt trägt
Wir Berliner kennen diese immer
Etwas indezenten Damen aus dem
Osten die ihre Schönheit gerne mit
Viel Stolz auch noch präsentieren
Wie Thomas Mann nun diese großen
Luftblasen voller Nichts inszeniert
Ist einfach wunderbar komisch der
Feinste Humor deutscher Literatur
Diese Beschreibung einer echten
Persönlichkeit die Bewunderung
Aller erringt obwohl sie eigentlich
Nur Luftblasen von sich gibt ist es
Was macht einen großen Mann aus
Überlegt der kleine Poet dabei und
Ist wunderbar darüber amüsiert wie
Höflich elegant Mann spotten kann
Clawdia Chauchat aber völlig im
Bann dieser Persönlichkeit mit
Dem nicht endenden Vorrat an
Luftblasen ignoriert Hans bisher
Wie treffend ist diese Beschreibung
Denke ich und erinnere mich an die
Besuche verschiedener politischer
Veranstaltungen nach den Wahlen
Dann scharen sich ganze Trauben
Schöner junger Frauen zu gerne um
Die Luftblasen produzierenden Sieger
Oder auch Verlierer wenn bedeutend
Lustigerweise hat mich diese feine
Wie böse Karikatur von Hauptmann
Immer davon abgehalten mich weiter
In dessen Werk zu vertiefen
Ein Bekannter von mir der in den
Zeiten von Corona leider geistig
In die Verschwörer Ecke abdriftete
Schätzt Hauptmann sehr was passt
Nun aber hier ging es ja um den
Realen Mynheer Peeperkorn der
Nur zufällige Ähnlichkeit besitzt
Eine völlig erdachte Figur war
Was wird Thomas Mann dem
Kollegen Hauptmann der sich
Mit Grund aufgeregte darauf zur
Beruhigung erwidert haben
Dass all seine Figuren nur Produkte
Seiner Phantasie wären und die
Ähnlichkeit rein zufällig ist oder
Sind solche Lügen untauglich
Wir müssen nicht mutmaßen denn
Die etwas peinliche Empörung von
Hauptmann dem Nobelpreisträger
Von 1912 ist wie auch die Antwort
Von Thomas Mann bekannt während
Der beleidigte Hauptmann an den
Gemeinsamen Verleger Samuel
Fischer schrieb wendete Mann
Sich direkt an Hauptmann den er
Tatsächlich als Vorbild nahm dem
Dieser aber inhaltlich nicht sonst
Entspräche wie Mann devot schrieb
Das Verhältnis danach wird als
Weniger entspannt gesehen aber
Das Telegramm von Hauptmann
Auf Thomas Brief scheint anders
Mann legt in dem Brief auf seine
Unnachahmliche Art dar warum
Er zwar Hauptmanns Erscheinung
Missbraucht hätte in der Not
Als er in Bozen im Zauberberg
Nicht weiter kam ihm missbrauchte
Aber nur der Erscheinung nach nie
Dem Wesen entsprechend
Keiner der Hauptmann kennt diesen
Wie er auch bewundere käme je
Auf diesen Vergleich warum die
Empörung schlafende Hunde weckte
Elegant höflich bis zur fast devoten
Entschuldigung weil er schon wusste
Was er tat nichts zufällig dabei war
Legt er Hauptmann nah war nötig
Empörung skandalisierte weiter
Freundliche Beruhigung erledigte
Was ihnen beiden besser stünde
Kein Skandal wäre doch besser
Damit profitierte Mann vom dem
Realen Skandal sagte zu Hauptmann
Alle Aufregung blamierte nur ihn
Aber er bewundere ihn grenzenlos
Dieser Briefwechsel in dem Jahr
In dem Thomas Mann seinen
Nobelpreis für die Buddenbrooks
Allein erhielt als Bestrafung
Nicht weil der da schon erschienene
Zauberberg weniger genial war eher
Nicht die Karikatur eines früheren
Preisträgers noch zu belohnen
So gibt der kulturhistorische Kontext
Dem genialen Roman mit Humor
Noch größeren Glanz denn er
Beschrieb Menschen sehr exakt
Dabei erwidert der selbstbewusste
Thomas Mann dem zurecht empörten
Hauptmann reg dich nicht auf das
Bestätigte meine Karikatur nur
In Joseph und seine Brüder vom
So vielfältig genialen Thomas Mann
Spricht Mut weiter in ihrer lispelnden
Babysprache zum entsetzten Joseph
Is tann ihn doch töten lässt Mann
Mut dabei sinnlich lispelnd sagen
Aber sie meint es ganz ernst und
Entwickelt den Plan mit allen Details
Zwischendurch bei diesem teuflischen
Plan soll ihre Sklavin ihr gutes Gift
Aus Afrika besorgen was Joseph dem
Ahnungslosen zu trinken geben soll
Schmückt dieses gruselige Bild mit
Sinnlichen Phantasien aus die es
Ganz normal scheinen lassen den
Gatten zu beseitigen wenn nötig
Dabei spricht sie die ganze Zeit mit
Lispelnd süßlicher Stimme was den
Mörderischen Ideen noch etwas
Naiv kindliches dazu auch geben
Entsetzt weist Joseph diese Ideen
Als Vatermord zurück gesteht ihr
Aber sein natürliches Begehren
Aus vielleicht taktischen Gründen
So entsteht eine skurrile Mischung
Aus biblischer Sprache moralischer
Empörung Josephs und der komisch
Lispelnden Babysprache Muts dazu
Hier entwickelt die Frau die dazu
Verletzt kindlich naiv spricht den
Brutal mörderischen Plan ihren
Gatten für die Lust zu beseitigen
Entsprechend auch das Entsetzen
Josephs der an die Moral der nur
Von ihrem Unterleib getriebenen Mut
Ganz eindringlich nun appelliert
Nur einen kurzen Abschnitt gelesen
In dem es wirklich um Leben und Tod
Im Schatten der Liebe geht die alle
Grenzen dafür verschwimmen lässt
Mit welch feiner Ironie Mann dies
Drama inszeniert die einerseits
Gruselnd mitfühlen lässt aber auch
Humorvoll Distanz noch schafft
Verdiente schon genug Bewunderung
Dabei noch die klassischen Motive
Der Erotik wie die lispelnde Frau als
Babysprache hopps nehmen ist genial
Der sehnsüchtig erstrebte kleine Tod
Welchen der vorherige große des
Gatten ermöglicht ist ein wunderbar
Sinnliches Spiel mit dunklen Motiven
Damit hält Mann uns auch noch den
Spiegel der eigenen Lächerlichkeit vor
Die sich in der Lust so gerne zeigt
Was wir berauscht nie merken
Distanz und Nähe die unser ganzes
Triebleben in einen scheinbar fernen
Biblischen Kontext legt der dann sehr
Intim mit Humor berührt ist so genial
jens tuengerthal 11.1.25
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