Montag, 12. Januar 2026

Lektürentagebuch 11.1.25

Lektürentagebuch 11.1.25

Bei Buddenbrooks gab es im 9. 
Kapitel noch ein kleines Drama
Zum Abschied von Grünlich als
Der Konsul Tony Bescheid sagte 

Sie sollte schnell nur einen Koffer 
Packen für sich und die Tochter
Ihre Sachen würde er später dann
Schicken lassen er wollte los stürzt 

Während Tony noch ganz aufgeregt
Fragt was sie bräuchte und sich
Die Flügeltüren zum Salon öffnen
Der aufgewühlte Grünlich herein 

Er fällt vor Tony auf die Knie und
Bedrängt sie ihn nicht zu verlassen
Ihn nicht zu verabscheuen der er sie
Doch über alles immer geliebt 

Sie redet höflich beruhigend auf
Den vor ihr knienden Grûnlich ein
Fühlt sich so bedrängt wie damals
Als er ihr schon mal gedroht hatte

Es geht auch hier natürlich wieder 
Um Leben und Tod beim gerne
Theatralisch liebenden Grünlich
Beim allerletzten Versuch dabei

Schließlich gelingt es ihr sich aus 
Seinen Fängen zu befreien und ihr
Vater der Konsul reicht ihr den Arm
Dann rastet Grünlich völlig aus

Ruft ihr hinterher sie solle nur gehen 
Er habe sie nie geliebt und sie nur
Des Geldes wegen geheiratet eine
Hässliche Szene noch am Ende

Damit verspielt er natürlich jede
Chance auf Versöhnung und ein
Erbe leichtfertig Tony aber geht
Nur der Konsul kehrt nochmal zurück

Spricht zu seinem Schwiegersohn 
Der am Fenster steht er solle sich
Fassen und beten was in dieser
Situation schon eher fies klingt

Thomas Mann kostet hier mit
Seinem klugen Humor die Szene
Ganz aus alle bloßzustellen doch 
Ohne dabei platt böse zu werden

Eine opernwürdige Szene für das
Ende der Ehe die Tony nie wollte
Der Konsul gibt vermutlich noch gut
Gemeinte Ratschläge die fies sind

Dem ohne seine Hilfe ins wohl
Selbstverschuldete Unglück nun
Gestürzten Pfarrerssohn zum Beten
Zu raten zeigt wenig Empathie

Zwar könnte zugunsten des
Konsuls angeführt werden dass 
Er selbst ein gläubiger Mann war
Was er sagte vermutlich glaubte

Doch ein wenig Fähigkeit zur
Selbstkritik hätte einen erwachsenen 
Mann erkennen lassen wie unnötig
Dieser letzte Stich hier noch war

Doch diese Fähigkeit fehlt der
Figur des Konsul Buddenbrook der
Sich ständig rechtfertigt auch seiner
Tochter noch gegenüber dabei

Er hat sie wenn auch ohne Vorsatz
Ins Unglück gestürzt und holt sie zwar
Aus der Situation als Vater raus aber
Möchte dafür auch Verzeihung bitte

Statt zu gestehen einen Fehler
Gemacht zu haben mit der Ehe
Will er gern mit weißer Weste gehen 
Rät dem Pleitier zum Beten

Es ist diese Figur mit großer Tiefe
Von Mann gezeichnet die auch vor 
Charakterlichen Untiefen nicht anhält
Sie mit scharfem Stift zeichnet

Keiner der beteiligten Herren kommt
Hier charakterlich gut weg dennoch
Spart Mann sich hier den Konsul
Peinlicher als nötig bloßzustellen 

Er kritisiert den Charakter dezent
Doch lässt er ein selbständiges
Urteil beim Lesen noch zu statt
Nur schlichte Schubladen zu öffnen

Diese feinen Nuancen auch im Spott
Wie in der indirekten Kritik zeigen klar
Dem Unterschied zu Heinrich der im
Untertan einen Idioten darstellt

Wo der Konsul seine Unschuld noch
Beteuert und mit seinem Gewissen
Ringt klopft Diederich Heßling nur
Sprüche wo der Konsul es gut meint

Eine kurze Szene dieses Kapitel mit
Maximal möglichem Drama was 
Dennoch höflich behandelt wird
Mit feinem hintergründigem Humor


Mynheer Peppeekorn ist der nächste
Abschnitt im Zauberberg betitelt in 
Dem dieser neue Gast vorgestellt wird
Holländer der in asiatischen Kolonien 

Großen Reichtum erwarb der es ihm
Erlaubte mit eigenem Kammerdiener
Auf dem Berghof anzukommen was 
Nicht die Aufmerksamkeit begründet

Die Thomas Mann dieser neuen Figur
Die eine eigene Überschrift bekommt
Widmet die gemeinsam mit der sehr
Vermissten Clawdia Chauchat kam

Sie reisten zusammen und hatten 
Den Gerüchten zufolge sogar eine
Gemeinsame Reisekasse worüber
Behrens mit Hans vorab plauderte

Der ihm die bevorstehende Ankunft
Von der er telegrafisch benachrichtigt 
Schon mitgeteilt hatte den aber der
Neue Reisegefährte auch überraschte

Im Gespräch zwischen dem Hofrat
Der Clawdia bekanntlich porträtierte
Und Hans Castorp gibt letzterer eine
Erste gute Beschreibung des Neuen

So gut war diese dass der Autor sich
Ihr gerne anschließt nur noch kleine
Ergänzungen zum Wesen bringt
Sonst Hans ihn beschreiben lässt

Sogar der ägyptischen Prinzessin die
Zeitgleich anwesend ist wird nicht
Soviel Aufmerksamkeit gewidmet
Auch wenn sie sehr besonders war

Allerdings gilt deren Zuneigung nur
Einer rumänischen Jüdin während
Die Männer sie nicht interessierten
Ihre Beschreibung erinnert an Erika

Die eigene Tochter im Stil wie den
Gewohnheiten auftauchen zu lassen
Aber sie als ägyptische Prinzessin
Mit Respekt und Höflichkeit noch

Zu behandeln zeigt Manns genialen
Humor und wer die Familie kennt
Sieht die Lacher bei erster Lesung 
In der Familie deutlich vor sich

Lange ist so das Vorspiel mit anderen 
Das den an tropischem Wechselfieber 
Leidenden Pieter Peeperkorn vorstellt
Bei dem der Hofrat indezent plaudert 

Was immer Hofrat Behrens dazu trieb 
Einem Patienten von der Diagnose eines anderen zu erzählen ist deren
Vertrautheit inzwischen erstaunlich

Vielleicht weil beide sich von dieser
Persönlichkeit als ältere Verehrer von
Clawdias Schönheit betrogen sahen 
Entstand ein so vertrautes Bündnis

Dann endlich tritt nach vier Seiten
Vorspann die detailliert beschriebene
Persönlichkeit Pepperkorn selbst auf
Zuerst beim Gang in den Saal

Dabei überraschend dezent nur der
Kennerin Clawdia folgend aber die 
Saaltür leise schließend während
Castorp auf den Knall wartete 

Hans hat an seinem neuen Tisch
Der den guten Russentisch quasi
Benachbart ist besten Blick auf
Pepperkorn und Clawdia dort 

Den ersten Sermon beginnt der
Reiche Holländer der schon vorher
Seine Tischgenossen mit Gesten
Die Aufmerksamkeit wollen dirigierte

Mit einer der Saaltöchter die er nach
Ihrem Namen fragt um sogleich mit
Diesem in seiner Rede zu spielen
Was schon komisch genug ist

Wie er sich mit Humor und Witz
Dabei über die Größe der Zwergin
Lustig macht löste heute wohl die 
Empörung zuständiger Stellen aus

Die Figur des Mynheer Pepperkorn
Ist eine ziemlich exakter Karikatur
Von Gerhart Hauptmann was auch
Für einige Skandale noch sorgte 

In einem persönlichen Gespräch
Vermochte Thomas Mann damals
Den Kollegen zu beruhigen doch 
Wer beide kannte sah hier klar

Denke an die treffende Büste die
Knud Knudsen von Hauptmann
Schuf die auf Hiddensee steht wie
Die Zeichnung meines Vaters davon 

Doch im Gegensatz zum auch klugen
Autor Hauptmann gibt vorliegend die Persönlichkeit Pepperkorn eher nur
Luftblasen von sich jedoch mit dabei

Erheblichem Aufwand an Gesten
Wie sonstigem Theater was Mann 
Mit viel Humor fein inszeniert dabei
Den beeindruckenden Mann zeigt

Fast wie der legendäre Hauptmann 
Von Köpenick erregt der eigentlich
Nur Produzent von Luftblasen die
Ehrfürchtige Bewunderung vieler 

Persönlichkeit fesselt eben auch
Eine begehrte Frau wie Clawdia 
Die ihr hellrotes Haar noch immer
Leger um den Kopf gewickelt trägt

Wir Berliner kennen diese immer
Etwas indezenten Damen aus dem
Osten die ihre Schönheit gerne mit
Viel Stolz auch noch präsentieren 

Wie Thomas Mann nun diese großen
Luftblasen voller Nichts inszeniert
Ist einfach wunderbar komisch der
Feinste Humor deutscher Literatur

Diese Beschreibung einer echten
Persönlichkeit die Bewunderung
Aller erringt obwohl sie eigentlich
Nur Luftblasen von sich gibt ist es

Was macht einen großen Mann aus
Überlegt der kleine Poet dabei und
Ist wunderbar darüber amüsiert wie
Höflich elegant Mann spotten kann

Clawdia Chauchat aber völlig im
Bann dieser Persönlichkeit mit
Dem nicht endenden Vorrat an
Luftblasen ignoriert Hans bisher

Wie treffend ist diese Beschreibung
Denke ich und erinnere mich an die
Besuche verschiedener politischer
Veranstaltungen nach den Wahlen

Dann scharen sich ganze Trauben
Schöner junger Frauen zu gerne um
Die Luftblasen produzierenden Sieger
Oder auch Verlierer wenn bedeutend

Lustigerweise hat mich diese feine
Wie böse Karikatur von Hauptmann
Immer davon abgehalten mich weiter
In dessen Werk zu vertiefen 

Ein Bekannter von mir der in den 
Zeiten von Corona leider geistig
In die Verschwörer Ecke abdriftete
Schätzt Hauptmann sehr was passt

Nun aber hier ging es ja um den
Realen Mynheer Peeperkorn der
Nur zufällige Ähnlichkeit besitzt
Eine völlig erdachte Figur war

Was wird Thomas Mann dem
Kollegen Hauptmann der sich
Mit Grund aufgeregte darauf zur 
Beruhigung erwidert haben

Dass all seine Figuren nur Produkte
Seiner Phantasie wären und die
Ähnlichkeit rein zufällig ist oder
Sind solche Lügen untauglich

Wir müssen nicht mutmaßen denn 
Die etwas peinliche Empörung von
Hauptmann dem Nobelpreisträger
Von 1912 ist wie auch die Antwort

Von Thomas Mann bekannt während
Der beleidigte Hauptmann an den 
Gemeinsamen Verleger Samuel 
Fischer schrieb wendete Mann 

Sich direkt an Hauptmann den er
Tatsächlich als Vorbild nahm dem
Dieser aber inhaltlich nicht sonst
Entspräche wie Mann devot schrieb 

Das Verhältnis danach wird als
Weniger entspannt gesehen aber
Das Telegramm von Hauptmann
Auf Thomas Brief scheint anders

Mann legt in dem Brief auf seine 
Unnachahmliche Art dar warum
Er zwar Hauptmanns Erscheinung
Missbraucht hätte in der Not

Als er in Bozen im Zauberberg 
Nicht weiter kam ihm missbrauchte
Aber nur der Erscheinung nach nie
Dem Wesen entsprechend 

Keiner der Hauptmann kennt diesen
Wie er auch bewundere käme je
Auf diesen Vergleich warum die
Empörung schlafende Hunde weckte

Elegant höflich bis zur fast devoten 
Entschuldigung weil er schon wusste
Was er tat nichts zufällig dabei war
Legt er Hauptmann nah war nötig

Empörung skandalisierte weiter
Freundliche Beruhigung erledigte
Was ihnen beiden besser stünde
Kein Skandal wäre doch besser

Damit profitierte Mann vom dem
Realen Skandal sagte zu Hauptmann
Alle Aufregung blamierte nur ihn 
Aber er bewundere ihn grenzenlos

Dieser Briefwechsel in dem Jahr
In dem Thomas Mann seinen 
Nobelpreis für die Buddenbrooks
Allein erhielt als Bestrafung 

Nicht weil der da schon erschienene
Zauberberg weniger genial war eher
Nicht die Karikatur eines früheren
Preisträgers noch zu belohnen

So gibt der kulturhistorische Kontext
Dem genialen Roman mit Humor
Noch größeren Glanz denn er 
Beschrieb Menschen sehr exakt

Dabei erwidert der selbstbewusste
Thomas Mann dem zurecht empörten
Hauptmann reg dich nicht auf das
Bestätigte meine Karikatur nur


In Joseph und seine Brüder vom
So vielfältig genialen Thomas Mann 
Spricht Mut weiter in ihrer lispelnden
Babysprache zum entsetzten Joseph

Is tann ihn doch töten lässt Mann 
Mut dabei sinnlich lispelnd sagen
Aber sie meint es ganz ernst und
Entwickelt den Plan mit allen Details

Zwischendurch bei diesem teuflischen
Plan soll ihre Sklavin ihr gutes Gift
Aus Afrika besorgen was Joseph dem
Ahnungslosen zu trinken geben soll 

Schmückt dieses gruselige Bild mit
Sinnlichen Phantasien aus die es
Ganz normal scheinen lassen den
Gatten zu beseitigen wenn nötig

Dabei spricht sie die ganze Zeit mit
Lispelnd süßlicher Stimme was den
Mörderischen Ideen noch etwas
Naiv kindliches dazu auch geben

Entsetzt weist Joseph diese Ideen
Als Vatermord zurück gesteht ihr
Aber sein natürliches Begehren 
Aus vielleicht taktischen Gründen

So entsteht eine skurrile Mischung
Aus biblischer Sprache moralischer
Empörung Josephs und der komisch 
Lispelnden Babysprache Muts dazu

Hier entwickelt die Frau die dazu
Verletzt kindlich naiv spricht den
Brutal mörderischen Plan ihren 
Gatten für die Lust zu beseitigen

Entsprechend auch das Entsetzen
Josephs der an die Moral der nur
Von ihrem Unterleib getriebenen Mut 
Ganz eindringlich nun appelliert 

Nur einen kurzen Abschnitt gelesen
In dem es wirklich um Leben und Tod
Im Schatten der Liebe geht die alle
Grenzen dafür verschwimmen lässt 

Mit welch feiner Ironie Mann dies
Drama inszeniert die einerseits
Gruselnd mitfühlen lässt aber auch
Humorvoll Distanz noch schafft

Verdiente schon genug Bewunderung
Dabei noch die klassischen Motive
Der Erotik wie die lispelnde Frau als
Babysprache hopps nehmen ist genial

Der sehnsüchtig erstrebte kleine Tod
Welchen der vorherige große des
Gatten ermöglicht ist ein wunderbar
Sinnliches Spiel mit dunklen Motiven

Damit hält Mann uns auch noch den
Spiegel der eigenen Lächerlichkeit vor
Die sich in der Lust so gerne zeigt 
Was wir berauscht nie merken

Distanz und Nähe die unser ganzes
Triebleben in einen scheinbar fernen
Biblischen Kontext legt der dann sehr
Intim mit Humor berührt ist so genial

jens tuengerthal 11.1.25

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