Samstag, 28. Dezember 2019

Lebensabfahrt

Nach der Abfahrt aus dem
Leben kommt nichts mehr
Was befreiend positiv ist
Weil von nichts nichts kommt
Wo Nichts bleibt alles ist
Im Leben nehmen wir
Zuvor viele Abfahrten noch
Ohne ankommen zu wollen
Bleibt Leben als Reise ziellos
Was genügt wenn es Freude
Reisenden unterwegs schenkt
Doch meist sind es mehr
Die Abenteuer davon später
Zu erzählen als wäre es etwas
An sich unterwegs zu sein
Komme lieber an und bin da
Statt auf Reisen zu gehen
Weil in der Ruhe Kraft liegt
Nicht in ewiger Bewegung
Wenn aber das Herz nicht mehr
Ständig bewegt schlägt sind wir
Nicht mehr weil kein Sein ohne
Noch sein kann bleibt nichts als
Sich zu bewegen auch schon
Zur Fortpflanzung was wir aber
Als Ankommen angenehm finden
Dabei am liebsten zusammen
Kommen um ganz da zu sein
Was die Metapher der großen
Reise auf das Leben ausdehnt
Auch wo wir wie Kant viel lieber
Am Ort bleiben da geistig beweglich
Was vielen Reisenden wohl fehlt
Die überall gewesen sein wollen
Bevor sie nicht mehr Reisen die
Große Reise horizontal endet
Was nach Hans Castorp wiederum
Der am Zauberberg die Zeit verlor
Die einzig aufrechte Lebenslage ist
Was die Frage nahelegt inwiefern
Der kleine Tod als erträumtes Ziel
Des zusammen Schlafens schon
Dem höchsten Ziel des Seins
Jenseits aller Bewegung zu sein
Wie auch Yogis es für sich erstreben
Näher kommt als jede Reise also
Wer viel liebt dem Ziel näher kommt
Als jene die ständig unterwegs sind
Damit sich liegend dem Glück nähert
Um miteinander anzukommen im
Jenseits völliger Befriedigung als
Bleibendes Glück unserer Zeit
Was sogar deren Fluss aufhebt
Wenn wir uns einfach wünschen
Oh Augenblick verweile doch dabei
Halb bewusstlos Goethe zitierend
Wissen wir am Ende doch zu gut
Was sich nicht mehr bewegt
Ist zumindest als Herz nicht mehr
Darum sei auch glücklich wer
Im Leben noch vor der Abfahrt
Für einen Moment ankommt
Miteinander irgendwie

jens tuengerthal 28.12.19

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen