Montag, 27. Juni 2022

Gipfelgespräche

Gipfelgespräche

Der G7 Gipfel tagt in Elmau nahe den
Gipfeln der Alpen und in allen Wipfeln
Tönt ein Raunen zum Gipfeltreffen was
In abgeschieden ruhiger Atmosphäre
Für viel Unruhe bei Gegnern sorgt die
Das Treffen als imperialistische Schau
Ablehnen und es fragt sich mancher
Ob in Zeiten des Krieges nicht ein
Virtuelles Treffen genügt hätte doch
Wie Scholz sein Zögern vor der Reise
Nach Kiew lange vorgeworfen wurde
Weil es ein Reden miteinander braucht
Gilt dies auch hier und wenn sich die
Reichsten Industrienationen nun für
Frieden und Freiheit einsetzen ist das
Eher gut so als einen Protest wert
Der eher rituellen Charakter hat
Besser sie reden miteinander um
Die Welt besser zu machen als nicht
Zwar sind die Flüge dorthin wie die
Vorher aus aller Welt sicher keine
Wohltat fürs Klima aber wo sonst
Sollte miteinander geredet werden
Und so ist es besser als nicht um
Putin zu stoppen und die Welt vor
Noch schlimmeren Folgen zu retten
Virtuelle Gipfel wären zwar besser
Aber das wird noch etwas dauern
So hoffe ich die Ruhe hilft dabei
Mehr zu bewegen als bisher dabei

jens tuengerthal 27.6.22

Sesselhaftig

Sesselhaftig

Ist der Lesesessel das Möbel einer
Besseren Zukunft in der wir es uns
Lieber zuhause schön machen statt
Die Welt durch Reisen zu zerstören
Wohin führt die Sesshaftigkeit uns
In Konsequenz gedacht am Ende
Fördert sie die Intoleranz nur oder
Ist der Lebensstil von Kant Modell
Für eine bessere Zukunft in der wir
Uns mehr geistig bewegen was der
Toleranz wie dem miteinander so
Viel besser täte als es je brachte
Irgendwo gewesen zu sein wofür
Es viele abschreckende Beispiele
Gibt außer dem Massentourismus
Doch wichtiger als das negative
Zu beschwören scheint mir endlich
Das Glück im Lesesessel zu leben
Wie erlesene Reisen zu machen
Hochzuhalten ohne alles Risiko
Für sich und andere zu genießen
Bei einem feinen Tee oder nach
Gusto zu genießen was ist ohne
Irgendwohin noch zu müssen
Weil eine Existenz im Sessel
Das schönste Leserglück bleibt
Wie niemanden dabei schadet
Solange ich das genießen darf
Kann es wenig schöneres geben
Eine Existenz ohne Lesesessel ist
Zwar möglich aber wie bei Möpsen
Völlig sinnlos darum hier nicht
Der Rede wert

jens tuengerthal 26.6.22

Zigeunerleben

Zigeunerleben

Lustig ist das Zigeunerleben
Faria faria ho
Beginnt ein deutsches Volkslied
Aus dem 19. Jahrhundert was das
Leben der ethnischen Gruppe der
Heute Sinti und Roma genannten
Glorifiziert auch weil sie dem
Kaiser keine Steuern zahlen wie
Frei in der Welt umherziehen
Ob das je der Realität entsprach
Wieviel Hass und Misstrauen diese
Dafür ernteten bleibt dabei so unklar
Wie die Frage ob das Reisen heute
Noch ein Ideal sein kann wenn es
Wie wir längst wissen mehr zerstört
Als Gewinn uns je bringt seit wir
Nicht mehr mit Pferdewagen fahren
Wie längst zu viele dafür wurden
Sollte nun die Mehrheit auf Reisen
Künftig vernünftig verzichten wie
Das verlogene Ideal vom hier noch
Besungenen Zigeunerleben ablegen
Um die Sesshaftigkeit zu feiern die
Weniger Risiken für alle birgt sind
Die Globetrotter von gestern die
Klimamörder von morgen weil sei
Ihr egoistisches Interesse über die
Bedürfnisse der Allgemeinheit stellen
Ist eine wohl berechtigte Frage heute
Die lieber noch keiner so deutlich stellt
Zumal Mobilität noch erwünscht ist
Damit wir flexibel überall zuhause sind
Falls der gerade Job es erfordert wie
Die Bedingungen des Marktes diktieren
Ist unser Sein damit Sklave des Marktes
Oder dreht es sich gerade genau um
Ist das Home-Office die sichere Zukunft
Was nur Narren nicht begreifen weil die
Mobilität uns teuer zu stehen kommt
Werden Begegnungen nun eher virtuell
Ist der Traum vom Zigeunerleben der
Immer nur eine romantische Idee war
In der Massengesellschaft ausgeträumt
Die unter ihrem Reisewahn nun erstickt
Weil der Urlaub das Klima ruinierte als
Freizeitspaß mit bitteren Folgen wäre
Wohl ein richtiges Argument wenn es
Nicht so einsam machte im Sommer
Wenn alle von ihren Reisen schwärmen
Zu sagen ich bleibe lieber hier weil
Die Zeit der Reisen vorbei ist aber
Macht Gesellschaft der Mehrheit uns
Glücklicher egal wie dumm sie ist
Oder kategorische Konsequenz in
Verantwortung für jene die genau das
Auf keinen Fall wollen frage ich mich
Und denke solange es mir gefällt
Es besser zu machen als der Rest
Könnte es völlig genügen leider nur
Sind wir gern soziale Wesen die gern
Geliebt werden wollen und es sich
Ungern mit fast allen verscherzen
Also singen Reisende auch weiter
Vom lustigen Zigeunerleben während
Sie damit zerstören was sie feiern
Vielleicht beendet die Geschichte es
Von ganz alleine dann ist es gut so
Im Krieg reist keiner freiwillig mehr
Wenn nicht findet sich anderes doch
Könnte es wichtig sein auch Toleranz
Gegenüber anderen Ideen so ernst
Zu nehmen dass alle miteinander
Leben können statt sich verlogen
Lieder vom anderen vorzuleben
Vielleicht machte es alle glücklicher

jens tuengerthal 26.6.22

Sonntag, 26. Juni 2022

Wortwurzeln

Wortwurzeln

Worte springen wie Affen von
Baum zu Baum meint Musil für
Ulrich im Mann ohne Eigenschaften
Aber in den dunklen Bereichen
Wo wir wurzeln entbehrten wir sie
Fänden mit Worten keinen Zugang
Zu dem was unser Gefühl bewegte
Wo ein Sturm der Emotionen uns
Durchrüttelt ächzt unsere Rinde
Wie die eigenen Äste frei fliegen
Zu scheinen beschreibt Musil was
Der Worte entbehren soll treffend
Doch bleibt die These es gäbe nie
Einen Zugang zu unseren Wurzeln
Die den Dichter hier nun umtreibt
Frage mich ob es wirklich keinen
Weg zum Ursprung der Gefühle
Gibt also das Sein wie es ist stets
Unbeschreiblich bliebe womit wir
Dichter nur die Oberfläche besängen
Wo wir tief berühren wollen keinen
Zugriff hätten weil die Wurzeln der
Gefühle unantastbar im Dunkeln
Lägen an das wir nie rühren können
Habe das Gegenteil schon erfahren
Wo Verse berührten streichelten
Das Herz rührten wie manchmal
Sogar Wurzel der Zuneigung wurde
Wenn wir Dichter lieben deren Worte
Unser Gefühle genau wiedergeben
Aber die offene Frage für mich bleibt
Treffen diese die Wurzeln des Gefühls
Oder berühren sie nur deren Abklatsch
An der Oberfläche des Seins leicht
Können Worte Gefühle wecken die
Voller Zärtlichkeit genau dies wollen
Den Leserinnen das Gefühl geben
Es seien Worte nur für sie die dann
In Reaktion schwärmende Zuneigung
Wecken doch zeigt die Einschränkung
Schwärmend schon wie viele Zweifel
Auch in mir ob des großen Wunders
Was wir Liebe nennen wohnen dessen
Wurzeln ich so wenig kenne wie ich
Seine Gründe benennen könnte je
Kann ich den Anfang meines Seins
Von dem ich nichts weiß außer in
Erzählungen meiner Eltern vielleicht
In Worte fassen die mein Sein als
Solches begründen können oder
Ist das Gefühl von Worten die eine
Liebe genau beschreiben wirklich
Am Grund des Gefühls oder nur sein
Reflex im sozialen Austausch der vom
Grund des Sein so weit entfernt ist wie
Ein Haufen Spermien und eine Eizelle
Von dem was wir später Mensch nennen
Frage ich mich und weiß keine Antwort
Aber wo Verse trösten und berühren
Nah kommen wie Gefühle bewegen
Ist vielleicht der Grund völlig egal
Wenn wir uns nur in ihnen lieben
Ob die Worte Gefühle dann wecken
Oder entflammten Herzen nur einen
Passenden Ausdruck geben ist für
Das gute Gefühl dabei egal und so
Mag der Urgrund unseres Seins im
Dunkeln ruhen wie der aller Gefühle
Aber wo wir mit Worten voller Liebe
Bewegen und gut tun ist es gut so
Was vielleicht der Liebe genügt
Damit glücklich zu bleiben

jens tuengerthal 26.6.22

Geistgeliebte

Geistgeliebte

Stelle ich mir den Geist als eine Geliebte
Vor die mich zeitlebens betrügt ohne dass ich
Sie weniger ieben würde weil wo wir lieben
Alles Liebe ist auch Schmerz und Abscheu
So werden Kleinigkeiten zu Erlebnissen
Für die kaum Worte mehr reichen sie als
Unsterblich schön zu beschreiben was das
Geträumte Sein über die Natur erhebt die
Weder Aberglauben noch Geistwesen kennt
In ihrer Endlichkeit erhaben genug sich ist
Bis der Geist sie mit der Idee von
Unendlichkeit für Momente streift
Aus der die Religionen wurden die
Billigen Hokuspokus heilig sprechen
Uns Erhabenheit in geaberglaubter
Welt schenken die wir dann zu gerne
Formelhaft nachbeten um nicht zu
Merken wie der Geist uns betrügt
Weil wir Narren auf Treue hoffen
Statt die Natur zu lieben wie sie ist
Vielfältig wie polygam mit kleinen
Überschneidungen für Momente
Die wir genießen sollten statt sie
In neue Ketten legen zu wollen
Die ihr Wesen wesentlich zerstören
Dann bekäme der Geist wieder Flügel
Ließe sich nieder wo es passt statt
In Rituale der Beschränkung zu flüchten
Um Gewohnheit zu perpetuieren
Würde es wieder schöpferisch kreativ
Ohne einen Schöpfer zu erfinden
Täte was sich gut tut statt nur die
Rituellen Erwartungen zu erfüllen
Dann wäre der Geist die Geliebte
Die uns wirklich nah käme aber
Nicht weil sie uns täglich betrügt
Nur in schmerzvoller Dialektik
Sondern weil für Momente ganz da
Unterschiedlich aber wesentlich nah

jens tuengerthal 26.6.22

Lustrasen

Lustrasen

Rasen wir vor Lust
Macht sie uns wahnsinnig
Kann solche Raserei jemals
Vernünftig sein weil Teil der
Natur die sich so fortpflanzt
Aber um so rasender dabei
Wird desto weniger es um
Naturvorgänge noch geht
Sondern wir uns einander
Wie der Lust an sich widmen
Als zweckfreier Genuss der
Zufrieden und glücklich macht
Egal wie idiotisch es sein mag
Seine verschwitzten Körper
In seltsamen Verrenknungen
Noch aneinander zu reiben
Dabei sinnlos laut zu stöhnen
Um sich völlig wie eins zu fühlen
So ist der ganze Sex wohl ein
Einziger Wahnsinn aber einer
Der nachhaltig Freude schenkt
Was mehr sollten wir wollen
Denk ich und muss es nicht
Verstehen solange es so gut tut
Wird es natürlich gut so sein
Auch wenn es ein Wahnsinn ist
Vielleicht macht mehr davon
Weniger unglücklich
Was vollauf genügte
Alles zu erlauben

jens tuengerthal 25.6.22

LIebeserklärungsunsinn

LIebeserklärungsunsinn

Liebeserklärungen sind einfach Unsinn
Die Liebe braucht keine Erklärung
Sie ist was sie ist und das fühlst du
Wo nicht ist es egal und erledigt sich
Dennoch erklären wir uns zu gerne
Die Liebe am besten gegenseitig
Als wäre es je sinnvoll etwas zu
Erklären was wir voraussetzen
Wo wir uns diesbezüglich erklären
Wie eigentlich nur ich dich auch
Hören wollen weil alles andere
Überflüssig nun wäre außer
Vielleicht sich zu küssen aber
Das würde auch keiner erklären
Wollen weil es natürlich scheint
Wenn nicht fehlte uns etwas
Was Liebe erst ausmacht wie
Eine Liebe die erklärt werden muss
Eher keine ist sondern eine Suche
Nach Antworten auf unklare Gefühle
Die nie Klarheit geben aber immer
Weiter Unsinn gerne verbreiten
Keiner könnte die Liebe erklären
Die viele komplexe Ursachen hat
Welche noch kompliziertere Dinge
In uns auslösen die diejenigen
Die es betrifft höchstens verstehen
Aber sofern sie noch vernünftig sind
Besser weniger von Liebe redeten
Wie wo nicht besser schwiegen
Um sich der Liebe hinzugeben
Statt sie erklären zu wollen
Das wird nie was
Lieben wir lieber
Mehr wie innig

jens tuengerthal 25.6.22

Donnergrollen

Donnergrollen

Begleitet von gelegentlichen Schauern
Ist den Tag über Donnergrollen zu hören
Ohne dass sich die schwüle gespannte
Atmosphäre einmal wirklich entlud was
Es unangenehm schwül noch erhält wie
Keine Perspektive auf Besserung gibt
Ein wenig Entlastung zumindest haben
Die Schauer bei den Waldbränden um
Berlin schon gebracht aber das ist nur
Ein kurzer Hoffnungsschimmer wohl
Gerade wo der trockene Sommer erst
Bevorsteht schwant vielen Schlimmes
Wenn Brandenburg inzwischen neben
Andalusien die zweit trockenste Region
In Europa wurde lässt sich erahnen
Was ein weiter so für heimische Wälder
Bedeuten wird und so ist dies Grollen
Wie die Ankündigung größeren Grauens
Im Klimawandel was die Sandbüchse
Wie die Mark schon lange genannt wird
Schnell in eine Sandwüste verwandelt
Es gibt gute Gründe auf dieses Grollen
Zu hören und schnell etwas zu ändern
Denn jeder Tag weiter so wird uns viel
Näher an den Abgrund bringen als
Viele heute noch ahnen denn Klima
Ändert sich verdammt langsam aber
Wenn wir nicht schneller handeln sind
Die Folgen unaufhaltsam und also kann
Dies Grollen ein Weckruf sein denn
Was droht wäre unerträglich dafür
Sollten wir auf vieles verzichten
Unser Paradies zu erhalten

jens tuengerthal 25.6.22

Samstag, 25. Juni 2022

Maskenball

Maskenball

Waren die Masken beim Einkaufen
Lange noch gute Disziplin die viele
Auch ohne Pflicht noch verfolgten
Fühlst du dich langsam eher als
Sonderling im Supermarkt wenn
Noch mit Maske dort unterwegs
Zugegeben lasse auch ich nun
Gelegentlich der Hitze geschuldet
In der Disziplin gelegentlich nach
Was vermutlich das böse Erwachen
Nur beschleunigen wird aber was
Gilt noch wirklich wenn uns sogar
Drosten gesteht ohne Maske zum
Bäcker zu gehen warum soll ich
Großer Transpirator dann noch
Über den Sommer maskiert weiter
Zerfließen frage ich mich denn
Als mich eine Dame an der Kasse
Nett anlächelte die unmaskiert war
Und ich halb verhüllt schwitzend
Zurück lächelte kam es mir schon
Etwas skuril eher vor als ob ich+
Auf dem falschen Maskenball wäre
Und so erledigt sich manches bald
Dann geht es weiter wie immer
Vermutlich kommt das dicke Ende
Aber immerhin wussten wir es
Was immer dann besser wird
Wer will sich schon ausgrenzen
Wo du nicht mehr sicher bist ob
Sie dich an oder auslachen eher
Ändert sich vieles von alleine

jens tuengerthal 25.6.22.

Sowjetpazifismus

Sowjetpazifismus

Die Linke sich nennenden Erben der SED
Bleiben in ihrem scheinheiligen Pazifismus
Der Waffenlieferungen an die Ukraine als
Nicht dem Frieden förderlich nennt dem
Geldgeber aus Moskau treu wie sie sich
Als Partei am Rande der Gesellschaft der
AfD auch darin erstaunlich annähern auch
Wenn linke Lügen im letzten Jahrhundert
Mehr Tote forderten als die der Rechten
Würde ich in der sich nahen Verachtung
Von Freiheit und Menschlichkeit doch eine
Größere Nähe als Ferne sehen die etwa
So pazifistisch ist wie der antifaschistische
Schutzwall selbiges je war und nur eine
Totalitäre Solidarität der Feinde unserer
Demokratie erfolgreich tarnen soll dafür
Den faktischen Untergang der Ukraine
Billigend in kauf nimmt weil der Traum
Von der Wiedererstehung der aus
Gründen untergegangenen Sowjetunion
Sie näher an Putin als an den Westen
Der die Freiheit verteidigt je bindet
Warum jedes Bündnis mit diesen roten
Faschisten sich so verbietet wie eines
Mit denen am rechten Rand aber gut
Wie sie alte Bindungen verlässlich den
Künftigen Wählern zeigen die damit klar
Wissen können wer die Linke wählt ist
Für einen Sieg von Putins Unrecht
Jubelt unter dem Deckmantels des
Linken Pazifismus der Gewalt zu aber
Greift dafür konsequent die Grünen
Als verlogen an die sich von ihren
Grundsätzen im Licht der Tatsachen
Befreiten weil Freiheit keinen Wert hat
Wenn sie sich nicht gegen Unrecht
Verteidigen kann wer nach diesem
Parteitag weiterhin Bündnisse mit
Der Linken für tragbar hält ist damit
Kein Teil der demokratischen Mitte
Sie haben sich selbst offenbart was
Lobenswerte Ehrlichkeit doch ist
Warum sie immer als Erben der SED
Für Demokraten unwählbar bleiben
Egal welcher Populismus blendet

jens tuengerthal 25.6.22

Geisträucherkammer

Geisträucherkammer

Bei der Lektüre von Musil auf den
Begriff Räucherkammer des Geistes
Gestoßen der mich innehalten ließ
Um über den Prozess des Räucherns
Als geistiger Akt nachzudenken ob
Der Gedanke als abstraktes Ding
Was wenig konkret greifbares hat
Bis wir aus ihm etwas machen eine
Räucherkammer bräuchte um dort
Haltbarer zu werden in Schwaden
Von gut duftendem Rauch was es
Über den geistigen Akt des Rauchens
Verrät und ob es den geben kann was
Goethe sicher energisch bestritte
Während Thomas Mann nicht ohne
Vorstellbar wäre oder inwiefern die
Haltbarkeit der Gedanken weniger
Im Räuchern als in der Anwendung
Oder Umsetzung geistiger Akte liegt
Passt der Nebel des Rauches je zu
Geistiger Haltbarkeit die doch eher
Nach Klarheit und Aufklärung strebt
Um Bestand zu haben oder ist genau
Das der Zauber geistiger Welten
Dass sie aus dem Nebel neues auch
Schöpfen was erst wo es durch
Die Unklarheit ging bleibend wird
Weil wir immer durch den Nebel
Des Rauches müssen um Durchblick
In etwas zu gewinnen wer das nicht
Wagt sich geistlos schnell an die
Bloß wertlosen Fakten verliert welche
Scheinbar alles sind aber ein Nichts
Gegenüber der Welt des Geistes sind
Der grenzenlos alles überwindet was
Fakten für Grenzen der Tatsachen
Als Maßstab des Denkens halten
Ob das krebserregende wie auch im
Übrigen gesundheitsschädigende
Rauchen der Rausch ist der Zugang
Auch zu abseitigen Welten uns gibt
Könnte eine Frage sein oder war die
Räucherkammer Goethes für ihn der
Tägliche Liter Rheingauer Riesling
Welcher mit dem Nebel des Rausches
Weitere geistige Welten eröffnete
Verschließen wir uns gesund nüchtern
Vielleicht geistige Welten die erst der
Erlangt der durch die Räucherkammer
Ging um höhere Welten zu sehen
Ist die Kunst also immer auch Rausch
Der ohne sehr mager würde warum
Wer bleibendes schaffen will auch
Durch manche Nebel ziehen muss

jens tuengerthal 25.6.22