Donnerstag, 27. November 2025

Lustmagie

Lustmagie

Beim Sex folgen wir der Natur
Geben unseren Trieben nach
Damit Befriedigung zu finden
Die zeitweise Zufriedenheit schenkt

Das alles hat viel mit Hormonen 
Wie sexuellen natürlichen Trieben 
Zu tun die nach Befriedigung streben
Weniger mit Hokuspokus noch je

Auch zusammen zu kommen ist 
Zwar ganz zauberhaft aber doch
Nüchtern betrachtet eine natürliche
Zeitliche Koinzidenz die sich spürt 

Neurologisch wird der Orgasmus
Durch Stimulation der zuständigen
Nerven im Körper dabei ausgelöst
Was Muskelkontraktionen auslöst

All das ist logisch verständlich
Wie wissenschaftlich nachvollziehbar
Mehr zumindest als die Liebe die
Befriedigung im Gefühl schenkt

Dies alles wissend ist es Unsinn
Über Lustmagie hier zu dichten 
Aber es fühlt sich geiler an als
Die nüchtern vernünftige Sicht

Vor allem verzaubern Verse mit
Zarter oder harter Lust viel eher
Eine wunderbare Muse zum Sex
Als Referate zum nervus pudendus

Wobei die Erfahrung lehrt auch dies
Kann genug Erregung auslösen weil 
Es sich gebührend der weiblichen
Lust mit Aufmerksamkeit widmet

So wichtig gute Sachkenntnis für
Angemessen lustvolle Berührung
So wenig schafft sie je die Stimmung
Die echte Lustmagie so geil macht 

Darum ist es vielleicht weiter 
Gut so lieber den Venushügel 
Der Liebsten zungig anzubeten
Als nur Nervenenden zu reizen

Göttlichen Sex zu haben kann
Auch für Atheisten ein geradezu
Himmlisches Vergnügen sein 
Es sich schöner machen tut gut 

jens tuengerthal 27.11.25

Liebeszauber

Liebeszauber

Aller Hokuspokus ist mir fremd
Lehne jede Magie als unfrei ab
Lese natürlich keine Horoskope
Betrachte Sterne nur astronomisch

Nur die Liebe darf mich verzaubern
Wie gerne bin ich für die Liebste
Dann ihr Zauberer der Worte
Weil sie allerliebste Muse mir

Doch was sollen diese Fabelwesen
Noch im Reich der Vernunft sein
Sind Musen doch Schutzgöttinnen
Der Künste deren es neun gab

Als Töchter von Zeus und der
Titanin Mnemosyne lebten sie
Auf dem Parnass oberhalb Delphis
Wo das Orakel einst orakelte

Kaliope Klio Melpomene Thalia
Erato und Polyhymnia waren die
Nach griechischer Mythologie
Dem Dichter besonders verbundenen 

Was als kulturhistorisch durchgeht
Wird plötzlich magisch wenn es
Sich mit Gefühlen verbindet wird 
Bezaubernd beim allergrößten

Gerne dichte ich auch für mich
Über Zweifel und Verzweiflung
Am Leben und in der Welt aber
Wie beflügelt geht es mit Muse 

Nicht dass die Welt durch Liebe
Irgend besser irgendwo würde 
Putin und Trump sind weiter da
Kein Krieg wurde dadurch beendet

Doch scheint mir beim Gedanken
An meine liebsten Musen alles
Schöner verzaubert wunderbar
Weil sie die Künste beflügeln

Ist so verzaubert noch wichtig
Was wirklich ist oder genügt
Wenn die Musen es nur so
Scheinen lassen wie echt 

Weiß es natürlich nicht weil
Es allen Hokuspokus nicht gibt
Für mich als vernünftigen Menschen
Aber es scheint einfach wunderschön

So macht der Liebeszauber auch
Wenn es ihn in Wirklichkeit nicht gibt
Die Welt so wie sie mir gefällt warum
Was nicht ist genügt glücklich zu sein

jens tuengerthal 27.11.25

Mittwoch, 26. November 2025

Lektürentagebuch 26.11.25

Lektürentagebuch 26.11.25

Die Radlampe heißt die kurze Novelle
Von Franz Hessel in der eine Olga
Ihrem Eduard ihre Untreue gesteht 
Die eigentlich gar keine war

Gleich zu Beginn entschuldigt sie sich
Aber gibt ihm zugleich die Schuld für
Ihr kindisches Verhalten weil er sie
Dem Kind das vorm Fenster spielte 

Verglichen hatte könnte sie nicht
Anders als sich so kindisch verhalten
Er sei so edel und habe sie zu dem
Geformt was sie nun geworden sei 

Sie hat Sorge dass er sie nicht
Verstehen könnte und dann sei
Alles aus dann müsste sie gehen
Erinnert an die Frauen von Babylon 

Jene die sich wie er ihr es erzählte
Sich dem preisgeben mussten der
Von irgendwoher kam dann kommt
Die Geschichte von der Fastnacht

Wo er als Mönch ging und brutal
Mit ihr war sie blutig küsste die
Ein grünseidenes Kleid mit einer
Hüfte betonenden Krinoline trug 

Als er um Mitternacht fort vom Fest
Wollte bat er sie ihn nicht allein zu
Lassen und gab ihr sein Schlafzimmer
Erzählte ihr dann noch Geschichten

Dabei aber wäre er unruhig gewesen
Fragte sie schließlich ob sie ihm denn 
Noch vertrauen könnte dann sei er ins
Wohnzimmer hinüber gegangen

Alles war mild und schön sie hatte
Nur Angst er könnte erwachen und
Zog ihr Kleid an ging dann über
Die Felder zu sich weil in München

Auch nachts keine Gefahr sei
Dann kam ihr einer mit einer sie 
Blendenden Lampe entgegen
Der sie ansprach und packte

Nahm sie mit festem Griff mit
In seine Dachstube dabei das 
Rad in der einen Hand und sie 
In der anderen bis nach oben

Wie er sie aufs Bett warf wo
Die Lampe vom Rad sie blendete 
Während er ein Loch noch flickte
Dann sei sie einfach fortgelaufen 

Zurück bis zu ihm wo er ganz friedlich
Noch schlief und ins Bett gestiegen
Ob er ihr nochmal verzeihen könne
Auch wenn sie ganz freiwillig mitkam

So endet diese Novelle in Briefform
Nach Salti und Entschuldigungen mit
Einer freimütigen Überraschung am
Ende des Geständnisses der Untreue 

Fein beschreibt Hessel all die
Umwege die sie geht wie zuerst 
Nicht ungewöhnlich ihm dabei die
Schuld gibt bei zugleich Umarmung 

Die Untreue die sie gesteht war 
Dabei vor allem geistiger Natur
So kommt ganz am Ende doch
Die Überraschung ihrer Lust

Wie die jungfräulichen Tempeldamen
Zu Babylon wollte sie sich eigentlich 
Dem Fremden ihrer Natur folgend
Hingeben getrieben von der Natur

Aber natürlich war er der sie anfangs
Dem Kind verglich an allem Schuld 
Gesteht sie ihre keusche Lust um
Ihn zur Tat endlich zu motivieren

Eine faszinierende Geschichte die
Allen die schon mal liebten und sich
In Zweisamkeit versuchten genug
Zum fühlen und denken gibt


Bei Buddenbrooks um sich nach
Mehreren Tagen Hessel wieder dem 
Feinen Humor von Thomas Mann
Zuzuwenden kommt ein Abschied

Thomas geht vor seiner Abreise
Nach Amsterdam nochmal in den
Kleinen Blumenladen um sich dort
Von seiner Geliebten Anna auf

Höflich hanseatische Art aber doch
Am Ende zu verabschieden weil die
Dinge eben seien wie sie seien und
Er eine Partie machen müsse 

Nicht wie der Bruder des Vaters
Zu enden der nur einen Laden
Heiratete wusste Thomas genau
Was von ihm erwartet wurde 

Wie Tony den widerwärtigen Grünlich 
Nehmen musste so weiß Thomas
Was geht und was eben nicht weil 
Die Gesellschaft Erwartungen hat

Waren es darum schlimmere Zeiten
Obwohl parallel zur Hochblüte der
Romantik wurde standesgemäß
Geheiratet wie es sich gehörte

Die Ehen hielten dafür dann ein
Leben lang und Thomas trifft ja
Mit Gerda der Pensionatsfreundin
Von Tony aus Amsterdam auch

Eine so spannende wie attraktive
Rothaarige aber das kommt ja erst
Später passt nur der Vollständigkeit
Wegen zu diesem Abschied gut

Mit feinem Humor lästert Mann hier
Über die Umstände deren Kind auch
Er als Sohn der Lübecker Oberklasse
Einmal war deren Sitten er zeigt

Diese sind nirgendwo anders und
Eine gute Partie zu machen hat
Eben ihren Preis was sich bis heute
In bestimmten Kreisen nicht änderte

Durfte das im Studium erfahren
Als ich mit meiner ersten Verlobten
Eine gute und wunderschöne Partie
Von Familie machen durfte 

Plötzlich sind die Konventionen 
Viel stärker als alle Gefühle aber
Es wäre gewesen was erwartet
Beiden gut gestanden hätte 

Dennoch ist es tragisch wenn eine
Zarte schöne Liebe den Umständen
Einfach geopfert wird was fragt wozu
Leben wir überhaupt und für wen

In der ersten Hälfte noch des 19.
Jahrhunderts in der wir gerade sind
Galten Stellung und Umstände
Noch mehr als heute davon übrig

Menschen waren damit Gefangene
Ihrer Umstände noch mehr als freie 
Individuen hatten dafür weniger mit
Fragen ihrer Meinung zu kämpfen

Thomas opfert seine Liebe wie Tony
Die ihre um standesgemäß auch
Heiraten zu können was ihnen
Hoffnung auf Sicherheit gab 

Der Einzelne war im Biedermeier
Noch stärker Teil der Gemeinschaft
Definierte sich durch seine Klasse
Doch sind Hanseaten bis heute so

Denke ich an meinen Bremer 
Großvater merke ich wie wenig
Sich dabei geändert hat was 
Die Erwartungen einer Klasse betrifft

Ob dieser Stolz der Erhabenheit
Etwas besonderes zu sein sich
Vor allem aus der Abgrenzung 
Definierte sei hier dahingestellt


Im Zauberberg sucht Hans Castorp
Der sich Sorgen um seinen Vetter
Joachim macht Hofrat Behrens auf 
Zu erfahren was wirklich los ist

Joachim hatte zuvor noch einen
Termin bei Radamanthys gehabt
Zu dem der Hofrat seinen Rachen
Mit dem Spiegel untersuchte

Mit Haltung und strenger Disziplin
Nahm Joachim noch weiter an den
Mahlzeiten teil und achtete dabei
Darauf sich nicht zu verschlucken

Hans der den Vetter besorgt dabei
Beobachtet versucht den Hofrat
Zum Gespräch alleine zu erwischen
Was dann mehrere Tage dauerte

Als er ihn schließlich mitten in der
Großen Liegekur dem Gärtner noch
Anweisungen geben hörte lief er
Aus seiner Loge in den Garten

Dort faltet ihn Hofrat Behrens
Erstmal ordentlich zusammen
Was er hier zu suchen habe
Der Kurve nach habe er zu liegen 

Als er vorbringt er sei Joachims
Wegen da lobt der Hofrats dessen 
Disziplin und Charakter vor seinem 
Als läppisch neugieriger Zivilist

Mit seiner typisch westfälischen
Grobheit faltet er Hans dann noch
Weiter im Vergleich zu Joachim
Zusammen aber wird irgendwann

Doch ruhiger und gesteht es gäbe
Wohl keine Hoffnung mehr noch
Müsse die Tante nicht gleich auch
Benachrichtigt werden denn so

Schnell schießen die Preußen nicht
Was kulturhistorisch eine Anspielung
Auf die Schlacht gegen Österreich
Bei Königgrätz unter Moltke war

Diese in Deutschland wie auch
Sonst  verbreitete Redensart erklärt
Sich aus den dort erstmals von der
Preußischen Armee eingesetzten 

Hinterladern die so ein schnelles 
Feuern und Nachladen aus der 
Deckung ermöglichten während die
Vorderlader stehend geladen wurden

So schossen die Preußen mit dem
Neuen Gewehr reihenweise die noch
Nachladend stehenden Österreicher
Ab was nicht zur Bedeutung passt 

Warum dieser zur Gelassenheit
Mahnende Spruch eher ein Witz
Als Kontrapunkt zum Geschehen 
Kulturhistorisch betrachtet war

Dazu kam dass Moltke in der Schlacht 
Bei Königgrätz die Eisenbahn zum
Transport der Truppen nutzte die so
Getrennt marschierten aber vereint

Schlugen und das schneller als die
Nicht darauf vorbereiten Österreicher
Die desaströs unterlagen ahnten was
Auch ihre Niederlage begründete 

Nach dieser Schlacht bei der auch
Bismarck und König Wilhelm I noch
Anwesend waren hätte Wien für die
Preußischen Truppen offengestanden

Darauf verzichtete der Stratege Otto
Bismarck aus politischen Gründen um
Verbündete später zu haben was die
Welt sonst historisch verändert hätte

Ob es den Gang des Österreichers
Aus Braunau nach Berlin vielleicht
Hätte verhindern können ist dabei
So müßig wie Ostpreußen heute

Die etymologischen Angaben über
Andere Lexika zu dem Thema sind
Meist eher ungenügend und sind 
Auf das Zündnadelgewehr beschränkt

Halte dies für kurzsichtig wie falsch
Aber die Nutzung durch den Hofrat 
Für der ursprünglich noch ironischen 
Bedeutung sehr nah kommend

Diese kleinen kulturhistorischen
Ausflüge zu denen Manns noch
Im Kaiserreich spielender Roman
Einlädt zeigen den Humor Manns

Der Hofrat wählt da es um seinen 
Patienten den jungen Leutnant
Joachim geht ein militärisches Bild
Was seltsam zur Situation passt

Dieser zeigt oberflächlich einen 
Etwas groben Chefarzt der die
Üblichen Sprüche loslässt welche 
Bei genauerem Blick Tiefe zeigen

An dieser Stelle und mit diesen
Gedanken die Lektüre unterbrochen
Insofern der Hofrat nun Hans 
Wieder in die Liegekur schickte 

Hoffnung für Joachim gibt es danach
Nicht aber eilen muss nichts denn 
Noch gingen alle Beteiligten aufrecht
Egal wie schnell wer nun schießt

Anspielungen auf die legendären
Siegreichen Schlachten Moltkes
Waren im Kaiserreich beliebt üblich
Bildung und Patriotismus zu zeigen

Kenne die üblichen Sprüche dazu
Von drei Seiten noch sowohl von
Preußen wie von Hanseaten wie
Aus der Familie des Feldmarschalls

So schaffen manchmal nur kleine
Kulturhistorische Anspielungen den
Blick für weitere Hintergründe noch
Tiefer zu öffnen als schnell lesbar

Auch die Beziehung der Preußen
Zu den Hanseaten und umgekehrt
Ist eine spannende Geschichte bei
Der meine Bremer Großmutter noch

Eine vielseitige Rolle spielt wie in
Hannover als Nachbarin noch von 
Hindenburgs 1911 im Kaiserreich
Geboren zur Hanseatin wurde 

Sie schaukelte als junges Mädchen
Die spätere Queen Elizabeth II die
Nachbarin ihrer Freunde war kegelte
Später gemeinsam mit Kira Preußen 

Doch wurde meine Omi anders als
Ihre Bremer Freundin Kira noch zur
Krönung von Elisabeth eingeladen
Das Haus Preußen war zu belastet

Dieser stand auf väterlicher Seite
Der 1904 geborene Großvater als
Preußischer Kadett noch gegenüber
Der mit Preußenkult groß wurde

So weckt eine kleine Anspielung
Des Hofrats ob hier oder an anderer
Stelle mir ein kleines Universum der
Deutschen Kulturgeschichte nebenbei

jens tuengerthal 26.11.25

Lebensbeginn

Lebensbeginn

Wann beginnt unser Leben eigentlich
Direkt nach stöhnendem Höhepunkt
Wenn das winzige Spermium in die
Riesige Eizelle lustvoll eindringt 

An dieser Stelle innezuhalten um
Über den Ursprung der Welt dabei
Nachzudenken den Courbet malte 
Könnte Männer mehr Respekt lehren

Doch halte ich diesen Zeitpunkt als
Lebensbeginn den Abtreibungsgegner
Gerne hochhalten für verfrüht und der
Aberglaube der Schöpfung ist dabei

Kein irgend bedeutendes Argument
Da Mensch die Evolution schon kennt
Alles andere nur noch Idioten glauben
Wie sie derzeit die USA noch regieren

Wichtiger ist da die Freiheit der Frau
Über alles was in ihr wächst eine
Freie eigene Entscheidung zu treffen
So lange verbunden ist es alleine

Sache der Frau zu entscheiden was
In ihr wachsen darf und was nicht
Darüber hat kein Mann zu meinen
Denn auch jeder Tumor lebt allein

Über sein Wachstum entscheidet
Frau auch bewusst und allein wenn
Sie den Krebs bekämpft oder nicht
Niemand hat dazu zu meinen 

Somit wäre die Frage des Anfangs 
Mit Durchtrennung der Nabelschnur
Weitgehend geklärt fraglich nur ob
Leben dann ist oder mehr erfordert

Manche meinen es sei Bewusstsein
Nötig ein Leben zu bejahen wofür
Natürlich spricht dass es so den 
Mensch als denkendes Wesen sieht

Als einer der selbst einmal Monate
Bewusstlos war nach einem Unfall
Frage ich mich dies ganz bewusst
Und habe keine einfache Antwort

Habe keinerlei Erinnerung an die
Zeit der Bewusstlosigkeit oder des 
Kurzzeitigen klinischen Todes was 
Zeigen könnte ich war wohl nicht

Andererseits erinnere ich auch nicht
Wo bestimmte Dinge gerade liegen
Oder mathematische Formeln die
Seit 33 Jahren nicht mehr genutzt

Manchmal lebe ich sogar besser
Ohne alles genau zu wissen wie
Die Ehe meiner Großeltern immer
Die glücklichste schönste blieb 

Solange er lebte und sie nicht wusste
Dass er immer auch Geliebte hatte
Das Bewusstsein der Wirklichkeit
Nach seinem Tod brachte nichts

Soll der längst uralte Mann einer
Fiktiven Geliebten noch erfahren
Dass sie mich liebt und begehrt
Oder ist dies Wissen für ihn egal

Diese Frage ist nur insofern für 
Den Lebensbeginn wichtig wenn
Wir uns fragen wann wir mit dem
Leben unserer Liebe beginnen

Beginnt das Leben vielleicht erst
Mit dem Erwachsenwerden wenn 
Wir merken nichts passiert allein
Alles kostet Mühe und wenig lohnt

Ist wer das Leben so betrachtet
Nicht dem Ende näher als dem 
Anfang hat es also zumindest
Leicht alles dann loszulassen 

Würde mich dies gleich zu Beginn
Des Endes ungern festlegen wann
Leben genau beginnt und endet
So lange wir genießen war es gut

Wenn nicht ist es höchste Zeit ein
Ende in Freiheit zu finden statt die
Qual noch zu verlängern was auch
Ausdruck von Menschlichkeit  ist 

Bewusst sollte uns jedoch immer
Sein wir zeugen nicht willentlich
Menschen deren Leben durch uns
Beginnt das tut die Natur allein

Der natürliche Zufall ob eine nur
Winzige männliche Samenzelle
Zufällig auf eine weibliche Eizelle 
Trifft die monatlich abgesondert 

Unterliegt nicht unserem Willen 
Auch nicht wie diese dann passen
All das macht die Natur ganz allein
Mit vielen Fehlversuchen vorher

Wer die meist 99% Fehlversuche
Nicht will wie etwa der katholische 
Aberglaube zur Zeugung verhindert
Damit dauerhaft jedes Leben auch

Anfang und Ende gehen im Leben
Gerne Hand in Hand worüber wir
Besser lächeln und uns freuen wie
Beim petit mort als Höhepunkt

Es dann wie im übrigen lieber alles
Einfach fließen zu lassen kann helfen
Das Leben befriedigter vom
Beginn zum Ende zu genießen

jens tuengerthal 26.11.25

Lustbeginn

Lustbeginn

Wo fängt die Lust an um dann
Richtig geil zu werden was aber
Natürlich eher selten sein muss
Damit es eine besondere Lust bleibt

Als erstes fragt die Lust nicht mehr
Was sie muss oder soll sondern tut 
Das mögliche es ganz zu genießen 
Und rennt dabei blind gegen Wände

Das im Hintern sitzende Hirn das
Schieben hilft nannte es einst mein
Nicht unerfahrener Großvater lachend
Aber immerhin mit Hirn noch denk ich

Dabei an die Laute denkend die auch
Sonst vernünftige Menschen in der
Fülle des Wohllauts von sich geben
Spricht wenig noch für Hirn dabei

Doch daraus auf eine Störung gleich
Des Sprachzentrums zu schließen
Wäre wohl übereilt denn dies Stöhnen
Wird weltweit natürlich verstanden

Der Sex bringt uns damit der ganz
Natürlichen Ursprache näher was ja
Ethnologisch hoch interessant wäre
Verstünde irgendwer dabei mehr

Vielleicht aber geht es gar nicht um
Mehr mehr sondern vielmehr darum
Anzuerkennen was wir im Kern sind
Wo wir uns alle verstehen können

Wenn wir schlicht stöhnende Wesen
Von der Lust beim Sex betäubt sind
Verstehen wir uns plötzlich alle was 
Der Schlüssel zum Friedensreich ist

Dieser schöne irgendwie auch geile
Schluss bringt uns aber dem Beginn
Der Lust noch nicht näher die aber
Am Ende stöhnend begonnen hat 

Vermutlich brauchte es ein feines
Gespür dies festmachen zu können 
Was dann irgendwann egal wird weil
Am Ende ohnehin wieder alles fließt 

Kann nicht genau sagen wann es
Bei wem warum beginnt nur wenn
Da merke ich es ganz genau dann
Wird es wie von alleine halt geil

jens tuengerthal 26.11.25

Liebesbeginn

Liebesbeginn

Ab wann können wir von Liebe reden
Wo wird das nur Strohfeuer zum auch
Bleibenden Gefühl das echt genannt
Zu werden verdient überlege ich

Erst nach dem ersten Sex weil es
Den Vollzug der Liebe bräuchte 
Scheint ein formalistisches Argument
Zumal Sex mit Liebe nichts zu tun hat

Dass nur zählt was auch bleibt wäre
Ein nur temporäres Argument das zur
Größe frischer Leidenschaft nie passt 
Warum sollte diese weniger wert sein

Eine eigene Skala der Liebe als
Normativer Maßstab existiert nicht
Wir verlassen uns dabei lieber auf
Das eigene Gefühl als verlässlich

Wo einst große Liebe war die
Von einem Moment zum nächsten
Im Nichts verschwinden kann fragt
Sich wie wirklich ist die Wirklichkeit

Ob das Ende einseitig oder geteilt
Überraschend oder geplant kommt
Könnte viel über den Beginn verraten
Käme es auf den danach noch an

Wehe wir vergessen die wichtigen
Immer hochemotionalen Feste der
Liebe solange sie dauert aber wie 
Schnell sind es vergessene Daten

Ist es eine Liebe wenn beide von
Liebe reden was taugt als Beleg
Für die ganz großen Gefühle braucht
Liebe je einen solchen Beweis

Nach meinem Gefühl liebt wer nach
Beweisen dafür sucht nicht mehr 
Verschiebt nur den Verlust durch
Die Suche nach Beweisen etwas 

Liebe beginnt mit dem ersten Gefühl
Der Sehnsucht nacheinander schon
Alles was danach kommt ist dann
Eine Variation zum Thema Liebe

Liebe und verliebt unterscheiden
Nur diejenigen die es länger schon
Miteinander aushalten als Grund
Auch schlechte Seiten zu ertragen

Auch darum kann die Liebe auch
In der Ferne beginnen vielleicht
Sogar leichter als ganz nah wo es
Dann mehr um Lust schnell geht

Berührungen vollziehen das Gefühl
Aber Worte und Gedanken berühren
Viel tiefer als Finger je reichen warum
Was im Kopf beginnt so groß wird 

Habe kein Maß wann Liebe beginnt 
Aber spüre genau wenn sie da ist
Bin mir meiner Liebe sicher aber weiß
Sich sicher wähnen ist das Ende 

Manche wollen in der Liebe lieber
Auf ihren Bauch mehr hören statt
Dem Kopf zu folgen also eine quasi
Bewusstlose Liebe damit beginnen

Dies begründet zumindest gut warum
Frauen so gerne Idioten wählen statt
Der lieben die sich wirklich bemühen
Sich lieber ein wenig quälen lassen

Weiß nicht wann die Liebe beginnt
Aber spüre genau wenn sie da ist
Frage nicht warum ich so glücklich bin
Wer je geliebt hat wird es verstehen

Wer so offensichtlich unlogisch
Schreibt ist ganz sicher verliebt
Was dann ein echtes Gefühl ist das 
Beschränkt zurechnungsfähig macht 

Sich darein bereitwillig zu fügen
Statt für Reste von Vernunft noch
Kämpfen zu wollen ist wohl ein
Sicherer Maßstab für Liebe 

Konkreter wird es heute nicht mehr
Warum jenseits bekannter Phrasen
Stehen bleiben kann Liebe begann
Wenn wir freiwillig blöd werden 

Den vermeintlich logischen Schluss 
Liebe gleiche der Parteipolitik damit
Möchte ich aber natürlich hiermit
Allerstrengstens zurückweisen 

jens tuengerthal 26.11.25

Lektürentagebuch 25.11.25

Lektürentagebuch 25.11.25

In der Novelle Peterchen erzählt 
Franz Hessel sehr zart von der
Jungen zarten Malerin mit Namen
Else Petersen genannt Peterchen

Es beginnt in ihrer bescheidenen
Dachstube mit Spirituskocher und
Beethovenmaske wo sie immer
Gerne viele Freunde besuchen 

Trotz ihrer bescheidenen Mittel
Haushaltet sie so gut dass sie
Immer Tee und etwas zu essen
Für alle ihre Künstlerfreunde hat

Großzügig und liebevoll sei sie
Die immer viele Gäste hat obwohl
Ihr junges Leben schon von einer 
Art Witwentum verschleiert wäre

Was es damit auf sich hat erfahren 
Die Leser zunächst nicht die mit
Peterchen erstmal zurück in ihre
Kindheit an der Ostsee reisen 

Lesen wie der Meister ihre Mappe
Schätzt sie aufgenommen wird mit
Sachlicher Strenge beim Akt malt
Wie gut sie sich mit der langen Cora 

Ihrer neuen Freundin versteht die
Mit ihr neue Tänze einübt und wie
Sie Weihnachten bei den Eltern 
Verbringt aber etwas fremdelt da

Wie sie den Karneval in München
Erst beim Atelierfest wie dann beim
Bauernball erlebt als Holländerin
Verkleidet mit Paul Dühren auch

Sie wird von einem sehr großen
Mann auf den Schoß genommen
Der danach auch mit ihr tanzt
Was alles sehr korrekt noch war

Zum Abschluss des Tanzes aber
Küsst sie dieser Mann auf den 
Mund mit einem Lächeln was sie
Völlig durcheinanderbringt

Als sie darauf weinend unter dem
Maibaum saß kam Paul sie trösten
Mit dem sie danach wunderbar
Tanzen noch konnte auch weil er

Die gleiche Größe hatte wie sie
Ihr wie ein Bübchen erschien
Obwohl nur einen Monat jünger
Erlebten sie eine wunderbare Nacht

Beim Weggehen mit Paul sieht sie
Nochmal den Fremden der als 
Fuhrmann verkleidet einer üppigen 
Dachauerin den Mantel umlegte

Sie nicken sich vom Ferne zu
Paul brachte sie lieb noch heim 
Sie verabredeten sich für morgen
Im englischen Garten zu einem

Stelldichein doch kaum ist er weg
Kamen ihr auf der Treppe die Tränen
Sie träumte in der Nacht von dem
Fremden der zu ihr einfach kam 

Er stellte seine edlen Lackschuh
Wie ein Gegenbeispiel neben ihre
Reformstiefel doch kaum erwacht 
War alles wieder verschwunden

Lebensmüde wie Hessel schreibt 
Drehte sie sich wieder zur Wand
Verschlief das Rendezvous mit Paul
Den sie Brüderlein nur nannte

So erklärte sie es ihm auch als er 
Mit Blumen später zu ihr kommt sie
Rührend gleich pflegt warum sie
Beide bald wie zusammen waren

Sie schlief in seinem Arm ein
Selig gerührt wie liebevoll er war
Träumte aber von dem Fremden 
Der Gewaltige der auf ihr kniete

Dort mache er mit ihr was er wollte
Als sie erregt davon erwacht ist das
Brüderlein Paul neben ihr und
Kümmert sich ganz rührend um sie 

Sie passten am Ende doch ganz gut
Zusammen dachte Peterchen wenn
Alle sie nur zusammen sahen noch
Auch im Studium tat er ihr gut

Er war schon weiter und sie lernte 
Finessen von ihm auf die es ja
In der Kunst ankommt und sie 
Verbrachten viel Zeit zusammen

Am Ende sagte sie sich da ist es
Doch gut für mich mit Brüderchen
Dann merkt sie dass sie wohl 
Schwanger ist ohne zu wissen wie

Brüderchen also Paul reagierte
Liebevoll darauf und meinte dann
Kriegen wir eben ein Kind zusammen
Das würden wir auch hinkriegen

Bald nervt Paul sie mit seiner so
Liebevoll belehrenden Art die alles
Schon wusste und kannte worin 
Cora sie bestätigte es sei ihr Kind

In den wechselnden psychischen
Zuständen ihrer Schwangerschaft
Fuhr sie aufs Land was sie mal
Genoss dann halb verzweifelte

Am Wochenende besucht sie
Brüderchen der Kindsvater Paul
Dabei treffen sie den großen Fremden 
In einer Gruppe von Reitern

Er gibt ihr seine Karte sie solle
Wenn sie in München sei sich
Doch bitte bei ihm vorher melden 
Dann sei sie ihm willkommen

Der große Mann mit Gerte wie
Klirrenden Sporen sei wohl ein
Adeliger meinte Paul worauf ihr
Schlecht ist und sie nach Hause will 

Der besorgte werdende Vater
Beschließt darauf zu ihr nach 
Schleißheim aufs Land zu ziehen
Kümmert sich dann um alles

Irgendwann aber hat sie Heißhunger
Nach Pfirsichen und fährt darauf
Mit dem Zug nach München sie
Dort zu kaufen und zu essen

Dann will sie noch Cora besuchen
Die Straßenbahn zu dieser fährt 
Genau bei dem Fremden vorbei
Sie steigt aus und geht zu ihm

Er bittet sie herein hätte aber
Nur eine Stunde Zeit jetzt sie
Setzt sich er küsst sie und will 
Sie gerade ausziehen als sie

Ihn unterbricht das ginge gerade
Nicht sie sei schwanger und darum
So wenig schön darauf trug er das
Kleine Peterchen lachend herum 

In dem Moment war Peterchen
Vollkommen glücklich er hätte 
Alles mit ihr tun können aber er
Legte sie nur auf dem Diwan ab 

Als dieser nach der Uhr sieht
Spürt Peterchen es ist Zeit zu gehen
Kauft Pfirsiche und fährt zurück
Will auch Paul erstmal nicht sehen

Im siebten Monat schließlich hat
Sie eine Frühgeburt doch das Kind
Überlebt nicht wird weggebracht 
Noch solange sie schläft

Nun macht der rührende Paul
Ihr einen Heiratsantrag damit
Sie noch richtige Kinder bekommen
Worüber sie nur lachen kann

In der Nacht danach schreibt sie
Dem Fremden der sie besuchen
Tatsächlich kommt mit einem ganz
Großen Bouquet an Rosen

Sie gehen dann noch Essen von 
Hummer bis Spargel alles dabei
Sie trinkt noch reichlich Sekt das
Gespräch stockte dann etwas

Auf dem Heimweg schluchzend
Will er sie gerne mitnehmen doch 
Sie geht alleine hinauf und sorgte
Lieber für die Blumen so blieb sie

Seitdem sei sie so geworden
Pflegte lieber Blumen noch
Nach denen es das Jahr
Über wechselnd bei ihr duftete

Wessen Witwe sie sein soll
Bleibt auch am Ende offen
Außer des eigenen Kindes 
Was auch unpassend ist

Eine feine tief blickende Novelle
Über die Entwicklung einer ganz
Zarten Frau die den großen Mann
Will wie zugleich ängstlich fürchtet

Die Sehnsucht nach diesem erkältet
Erst als er sie unbedingt wollte sie
Sich ihm wieder entzieht dafür hat
Sie den rührenden Paul weggeschickt 

Der mit dem sie alles schon hatte
Sich rührend um sie kümmerte 
Nie sie im Stich ließ ertrug sie nur
Zeitweise ohne ihn wirklich zu wollen

Verrückt machte sie der lange Fremde 
Den sie ängstlich fürchtete aber als
Er sie endlich wirklich wollte lieber
Zurückwies für sich zu bleiben 

Spielt Hessel hier mehr mit dem
Sexuellen Motiv wonach schon 
Die Gerte klang oder ist es eher
Psychologisch die Zurückweisung

Wie fein sieht der Autor hier in
Die Psyche der Frau die schon
Empfangsbereit für Dialektik in 
Fragen der Liebe sich gerne zeigt

Auch wenn die meisten dies
Lieber leugnen zeigt Peterchen
Dies bis zur Perfektion schon
Als sie lieber nicht will was gut tut

Dafür Erfüllung unbedingt will
Mit dem von dessen Vergewaltigung
Sie Albträume an der Brust des
Lieben Paul hat bis sie könnte 

Als er will und sie ihn soweit hat
Ist er nur noch einer wie alle der
Damit seinen Reiz wenn auch
Unter Tränen endgültig verlor

Dieses Verhalten ist dabei vom
Autor treffend beschrieben wobei 
Franz Hessel eher ein Paul war
Ein guter lieber der alles wusste

Hier erinnert Paul an Hessel dieser
Auch als liebevoller Kümmerer an
Den Vater des Dichters hier der
Diese seltsame Neigung erbte

Genau diesen Unterschied hat
Der große sportliche Freund von
Hessel Pierre Henri Roché in dem
Roman Jules und Jim beschrieben 

Was zieht uns wirklich an ist es
Der sexuelle Gegenpol oder die
Ideale Ergänzung in allen und
Warum wiederholen wir ständig

Eine kleine Novelle von 16 Seiten
Auch wenn in der Gesamtausgabe
Eng bedruckt entfaltet ein ganzes 
Universum sexueller Begegnung

Dies schafft Hessel dabei noch
Ohne größer ausdrücklich über
Sex zu schreiben schafft aber
Eine stete sinnliche Spannung

jens tuengerthal 25.11.25


Dienstag, 25. November 2025

Femizidscham

Femizidscham

Ein Appell an die Männer

Über 50.000 Frauen wurden wieder
Opfer der Gewalt von Partnern oder 
Familienangehörigen und starben
Die Täter zum größten Teil Männer

Lese diese Zahlen der UN am Tag
Gegen Femizide und schäme mich
Für mein Geschlecht ohne näher
Auf die Umstände einzugehen

Es ist nicht wichtig was warum
Passierte sondern wie wir damit
Umgehen und das Männer sich
Für diese Taten auch schämen

Sicher gibt es kein Allheilmittel
Gegen Gewalt in Beziehungen
Aber Scham darüber ist ein Weg
Der an die Ursache appelliert 

Wir Männer müssen klar machen
Dass nur ehrlose Versager auch
Frauen angreifen die zu schützen
Jedem eine Frage der Ehre sein sollte

Ehre ist ein überholter Begriff der
Das Gefühl stärker anspricht als
Nüchtern vernünftig zu reagieren
Aber er greift dort wo Taten beginnen

Vielleicht kann das Bewusstsein
Der Scham helfen die Gewalt so
Zu tabuisieren dass sie auch wenn
Keiner mehr klar denkt noch hilft 

Vermutlich jeder der schon länger
In einer Beziehung lebte kennt die
Momente in denen alle Vernunft endet
Verletzung und Wut alles dominiert

Dann kann eine innere Grenze der
Scham ob der eigenen Ehre helfen 
Schlimmeres noch zu verhindern
Einen zeternden Sturm zu überstehen

Es sollte uns Männern künftig eine
Ehre sein gegen jede Gewalt an
Frauen aufzustehen und diese wo
Nötig auch zu verteidigen

Wenn dies für alle Männer künftig
Eine Frage der Ehre wäre könnte
Dies sonst eher idiotische Gefühl 
Noch eine gute Wirkung entfalten 

Vor allem eine Ehre die über allen
Anderen idiotischen Gefühlen steht
Dann könnte der bisher Auslöser
Vieler Gewalt zur Rettung werden 

Machen wir Männer den Schutz 
Der Frauen vor Gewalt zu einer
Frage der Ehre wie ihre Verteidigung
Zur Pflicht jeden Mannes damit

Dann zumindest wäre unsere
Existenz für Frauen die uns nie
Brauchen ansonsten zumindest
Weniger schädlich als bisher

jens tuengerthal 25.11.25

Normalisierung

Normalisierung

Kann es eine Normalisierung mit
Extremisten geben die bisher eine
Trotzige Sonderrolle innehatten
Als Schmuddelkinder der Nation

Nun will ein erster Verband eine
Normalisierung der Verhältnisse
Anstreben für die in ihm vertretenen
Familienunternehmen mal so tun

Laut ist der Aufschrei der hierin 
Einigen Antifaschisten im Lande
Zu denen die Deutsche Bank auch
Erstaunlicherweise nun gehört 

Kann das wirklich sein dass die
Deutsche Verbrecher Bank sich 
Auf die Seite der Guten stellt
Was steckt wirklich dahinter

Letzteres könnte zwei Dinge uns
Offenbaren wagten wir kritisch auf
Die Umstände zu schauen statt nur
Kollektiv Sprüche nachzubeten

Die Deutsche Bank ist kein irgend
Politisches Unternehmen noch ist
Sie irgend linker Umtriebe verdächtig
Es geht nur um maximalen Gewinn 

Wenn diese einen Verband bestraft
Der den politischen Konsens kündigt
Die AfD zu blockieren hat dies allein
Ökonomische Gründe natürlich

Diese Partei der rechten Jünger 
Von Putin ist eine echte Gefahr für
Den Wirtschaftsstandort Deutschland 
Obwohl Trump und Musk so nah

Wenn eine international tätige Bank
Die viel Geld in den USA verdient
Trumps gefährlichen Unwillen riskiert
Für politische Meinung hat sie dafür

Gewichtigere Gründe als Propaganda
Die dem sozialen Marketing dient
Auch mal zu den Guten gehören 
Wollen dürfte nicht entscheidend sein 

Unterscheiden zu können was am
Wirtschaftsstandort Deutschland für
Die Zukunft wichtig ist könnte für 
Die Zukunft entscheidend sein

Jenseits aller politischen Propaganda
Hat die Deutsche Bank mit einem
Kleinen fiesen Haken die AfD erledigt
Das werden viele nun registrieren

Damit wird die Deutsche Bank kein
Antifaschistisches Unternehmen sie 
Bleibt mafiöser Finanzier auch aber
Was sicher nicht lohnt ist klar die AfD

Diese Art von Normalisierung die nun
Allen Wählern zeigt ihr habt einfach
Keine Ahnung und schadet dem Land
Könnte Deutschland künftig gut tun

jens tuengerthal 25.11.25

Nahverkehr

Nahverkehr

Selten kommen wir uns unfreiwillig
Näher als im öffentlichen Nahverkehr
Schöner kommen wir uns nie freiwillig
Nah als beim Geschlechtsverkehr 

Doch macht die reine Nähe die im
Ineinander steckt die Lust aus ist 
Also Nähe der Maßstab für guten
Sex oder liegt fernliegendes näher

Zusammen kommen ist wunderbar
Belegt Harmonie beim Verkehr aber
Ist nur ein Teil von ganz vielem auf
Dem Weg zu erfüllter Sexualität

Der gemeinsame Höhepunkt kann
In glücklichen Fällen das Ergebnis
Von gutem Sex sein der dies aber
Nur ist wenn der Weg schön war

Der nahe Geschlechtsverkehr
Tut privat besser als öffentlich
Weil es den gemeinsamen Genuss
Dann viel wahrscheinlicher macht 

Wer andere Neigungen hat möge 
Diese miteinander so genießen 
Dass alle etwas davon haben
Aber keiner sich belästigt fühlt

Dieser Maßstab kann uns helfen
Das lustvolle Miteinander auch
Im öffentlichen Nahverkehr noch
Ungestört genießen zu können

Ob wir dazu soviel Nähe wie nur
Möglich brauchen oder manchmal
Abstand den Reiz noch erhöht ist 
Die Frage nach Weg oder Ziel

Ergebnisorientierter Sex ist eher
Stressig als schön dagegen ist
Harmonischer Zusammenklang
Ein ganz wunderbares Glück

Als Flaneur liebe ich es ziellos
Durch die Umgebung zu gehen
Wo dies Befriedigung schenkt
Die alle genießen wunderbar

Wer im sexuellen Nahverkehr
Mehr Wert auf Pünktlichkeit
Wie zügige Zielerreichung legt
Würde meist besser onanieren

Insofern kann auch der öffentliche
Nahverkehr vom sexuellen noch 
Gelassenheit lernen was beiden
Gut täte der Weg ist das Ziel

jens tuengerthal 25.11.25


Liebesbaustelle

Liebesbaustelle

Gleicht die Liebe in vielem dem
Öffentlichen Nahverkehr hilft stets
Geduld und Gelassenheit weiter als
Große Aufregung und Gemecker 

In Berlin hast du immer irgendwo
Eine Baustelle dann geht es halt
Anders als vorher gedacht was
Die Berliner relativ gelassen ertragen

Auch die Liebe bleibt immer eine
Baustelle mit ganz überraschenden
Umleitungen und Sperrungen die
Noch dazu emotional begründet sind 

Während Berliner Baustellen noch
Zumindest theoretisch vernünftig
Erklärbar sind fällt das in der Liebe
Vielfach viel schwerer weil so nah

Wenn der Nachbar Wände mit dem
Presslufthammer einreißt fällt mir
Die ignorante Gelassenheit auch
Schwerer als bei der U-Bahn

Doch auch bei naher Baustelle
Hilft Ignoranz weiter als Ärger
Dann braucht es eben zeitweise
Eine Umleitung ins Café ist halt so

Frage mich ob in der Liebe auch
Gelassenheit besser täte wenn
Die herzensnahe Baustelle nervt
Augen verdrehen und Umleitung

So wie die Berliner mit ihrem von 
Störungen und Baustellen ständig
Unterbrochenen Wegen klarkommen
Könnte auch der Liebe gut tun

Muss nicht immer alles perfekt sein 
Kann auch mal länger dauern aber
Irgendwie kommen wir dann schon 
Zusammen und beieinander an 

Bis dahin hilft es weiter den Humor
Nicht zu verlieren und pragmatisch
Wege zueinander zu suchen an die
Vorher noch keiner gedacht hat

Wenn die U-Bahn die hier oben fährt
Umgebaut wird muss die Linie der 
Straßenbahn unter ihre andere Wege
Mit Schienen auch sich suchen

Was kompliziert unmöglich klingt
Funktioniert gerade pragmatisch
Erstaunlich gut wie toll wären solche
Lösungen in der Liebe denk ich

Wenn Er oder Sie mal wieder nervt
Nicht so kommt wie geplant sagen
Die Berliner beim Nahverkehr naja
Dit is halt Berlin täte der Liebe gut

Ob es um Geschlechtsverkehr oder
Öffentlichen Nahverkehr geht ist ja
Relativ egal wenn wir auf die Art
Am Ende gelassener ankommen

Irgendwie geht es ja immer nur
Um das Kommen irgendwo an 
Oder zusammen gar beieinander
Am Ende sogar an sind alle glücklich

Sich sagen so ist die oder der eben
Wenn nicht so dann halt anders
Erstmal abwarten was geht könnte
Manche Liebe wohl noch retten

jens tuengerthal 24.11.25

Montag, 24. November 2025

Lektürentagebuch 24.11.25

Lektürentagebuch 24.11.25

Fasziniert las ich die kleine Novelle
Das Fest der Maria von Franz Hessel
Die schon mit der Todesnachricht der
Hochverehrten Maria Amberg beginnt 

Diese hatte gerade erst ihre große 
Hoffnung weckende Bühnenlaufbahn
Begonnen und zuletzt erschien sie
Auf einem Fest in einer Villa noch 

Im Englischen Garten wo sie in einem
Stück die Titelrolle der Psyche spielte
Ein Freund der zugegen war schrieb
Dem Erzähler Fritz der sich erinnert 

Sie war dem Applaus ausgewichen
Alle hatten sie noch gesucht dann
Als das Fest zu Ende war da fanden
Sie Maria tot an der Brücke am Wehr 

Es war nun drei Jahre her dass er
Zum letzten mal mit ihr zusammen
Auf dem Fest eines Sängers war
Der sein neues Grammophon zeigte 

Wie sie zusah ohne dabei eine
Miene nur zu verziehen dann
Auch später im Gasthaus das am 
Viktualienmarkt lag  daneben saß 

Sich dennoch der Wirt der am Tisch
Geschichten erzählte um sie bemühte
Erinnert sich an ihre ersten Treffen
Als er ziellos im Bahnhof spazierte

Wie sie ihn mit zu ihrer Mutter nahm
Die ganz ländlich wohnte dort einen
Bauernhof hatte von dem Maria noch
Stammte viele Geschichten erzählte

Die Geschichten in der ländlichen
Atmosphäre lassen wie magisch
Die Welt ihrer verlorenen Lieben 
Das Drama ihres Lebens entstehen

Sie plaudert darüber beim Gang ins
Dorf zum Vetter der Wirt ist und so
Schafft Franz Hessel mit jeder neuen
Geschichte eine magische Stimmung

Wie ihr erster Geliebter der ein 
Schüchterner Postadjunkt war nun
Auf dem Friedhof neben ihrem Vater
Liegt fast ohne Raum dazwischen

Erzählt vom Neid auf ihre Base die
Ein Kind schon hat und sich wohl
Den Bauch mit dem nächsten hielt 
Tags auf dem Feld ist beim Hopfen 

Eines Tages als sie mit dem ersten
Geliebten im Heu lag und dieser sie
Ruhig hätte küssen können hatte er
Ihr erzählt in zwei Jahren ginge es

Da sei sie dann ungeküsst noch 
Weggelaufen nach München um
Dort Schauspielerin zu werden was
Der Vater der Goldschmied erlaubte 

Sie erleben verschiedenes noch
Zusammen an das sich der von 
Maria Fritz genannte Erzähler mit
Vielen Details dazu erinnert 

Ein berühmter Künstler wollte Maria
Radieren dazu musste sie in sein 
Atelier da bat sie ihn mitzukommen 
Der Künstler schaute erst grimmig 

Begrüßte ihn aber ganz freundlich
Irgendwann wurde Fritz müde und
Legte sich auf den Diwan wo er
Schon bald einfach so einschlief 

Im Traum legte sie ihr Kleid auf ihn 
Deckte ihn damit zu aber sah dabei
Ihren prachtvollen Marmor Busen
Als er am Morgen erwacht ist sie weg

Bei einem Spaziergang im Wald
Der zur Isarquelle führen sollte
Liegen sie auf einer Wiese dabei
Küsste er ihre eisigen Lippen

Beim letzten Gespräch auf der
Terrasse verabschiedet sie sich
Sie hätte genug Gelegenheiten 
Im Leben gehabt glücklich zu sein

Wäre sie nur nicht so traurig auch 
Irrte wie ein Gespenst ohne Haus 
Wo viele sie begehrten hätte sie auch
Genossen und käme auf die Bühne

Irgendwie aber meinte sie lohne
Das alles doch nicht zudem fehle
Ihr der Segen oder ein Recht und
Verabschiedete sich mit an Lebewohl

Begraben wurde Maria Amberg auf
Dem Friedhof in ihrer Heimat dort
Zwischen Vater und Verlobten
Lag jene die ihn Kind nannte

Fein beschreibt Hessel hier wieder
Als Flaneur und Beobachter ein
Leben das der Liebe verloren ging 
Sich selbstbestimmt bewusst zerstört

Der selbst auch depressive Autor
Mit immer Neigung zum Suizid
Den er häufiger thematisiert hat
Ein feines Gespür für seine Figuren

Ein quasi Nachruf wird in der darin
Ausgerollten Erinnerung zu einer
Feinen Novelle die ganz nah am
Abgrund des Lebens noch schwebt

Eisige Lippen der blonden Schönheit
Die eben eine große Karriere begann
Um sich nach dem ersten Erfolg dann
Endgültig allein zu verabschieden

Was diese Maria alles erlitten hat
Um die hohe Protektion doch zu
Erhalten oder vielleicht genossen
Lässt Hessel elegant dezent offen

So zu erzählen von einer Toten
Das Ende des Dramas ihres Lebens
Das immer an sich auch litt noch
Vorwegnehmend ist große Kunst

Sie war so frei und doch gefangen
Ging weil sie es so wollte als
Der letzte Vorhang gefallen
Wählte den Tod statt Ruhm 

jens tuengerthal 24.11.25

Erster Schnee

Erster Schnee

Der erste Schnee in Berlin war
Ein kurzes Vergnügen nachdem
Beim Erwachen noch der Hof
Weiß gepudert war blieben
Bis zum Gang um den Platz
Der lieber mittig abgekürzt
Nur Spuren voriger Pracht
Im gewöhnlich matschigen
Grau der Großstadt im November
Einen Monat vor Heiligabend
Die Begeisterung in eher
Preußisch gemäßigten
Grenzen noch hält
Dit ist halt Berlin
Keine Schönheit
Aber echt

jens tuengerthal 24.11.25