Sonntag, 8. Januar 2017

Gretasophie 007a

007a Über Recht und Ordnung

Ist das Recht in Ordnung oder bräuchten wir weniger Ordnung, damit es noch mit rechten Dingen zugeht?

Die Gesetze sollen unser Zusammenleben ordnen, geben dem Staat Pflichten und dem Bürger Rechte. Sie sichern die Freiheit und schützen uns vor dem Willen anderer, der unsere Freiheit beschränken könnte.

Deutschland als Bundesrepublik ist heute ein föderaler Rechtsstaat. Unabhängig vom eigenen rechtsstaatlichen Charakter ist es auch Teil eines übernationalen Rechtsstaates, der EU. Beide wachen über die Rechtsstaatlichkeit allen staatlichen Handelns und kontrollieren sich wechselseitig. Weil die BRD auch föderal ist, gibt es die Bundesländer, die den Bund bei seiner Arbeit kontrollieren und umgekehrt. Nebenbei gibt es noch Behörden, die unsere Behörden und die Politik etwa beim Geldausgeben kontrollieren, die Rechnungshöfe im Bund, den Ländern und auf EU-Ebene, sowie die Verwaltungsgerichte und Finanzgerichtshöfe.

Verordnungen der Verwaltung gibt es auf allen Ebenen. Vom Bund zu den Ländern und auf der EU-Ebene auch, um den gemeinsamen Markt und die Zusammenarbeit zu ordnen. Die Verordnung der Verwaltung als Richtlinie oder Verwaltungsakt sind die unterste Ebene der Rechtsetzung, auch wenn sie noch nicht Gesetze heißen, sind sie staatliches Handeln, das immer strengen Formen genügen muss, insbesondere, wo es in die Rechte der Bürger eingreifen kann.

Diese Bürgerrechte leiten sich aus den Grundrechten ab und werden von manchen aus dem Naturrecht abgeleitet, dessen Existenz ich für ein Phantasieprodukt halte. Recht ist immer nur ein menschlicher Akt, der eben Rechtsetzung, die regelt oder dereguliert. Das ist auch das Naturrecht, das wir für immer gültig erklären, weil wir bestimmte Rechte als angeboren betrachten, aber auch das ist eine Setzung, die wir machen. Es braucht keine höhere Ebene als den Gesetzgeber, um ihre Gültigkeit zu begründen und wo kein Recht gilt, ist eben etwas nicht geregelt. Es gibt in der Natur kein Recht sondern nur Kausalitäten, die bestimmte Folgen haben. Schon die Frage nach dem natürlichen Menschenrecht auf Leben oder Nahrung und Unverletztheit, scheint mir zwar ehrenwert aber hat nichts mit der Natur zu tun, die kein Recht kennt, sondern nur Handlung und Folge. Ob das gut oder schlimm ist, bleibt eine Frage der moralischen Bewertung, die beim Blick auf die Rechtsordnung erstmal irrelevant ist.

Recht ist eigentlich wie Mathematik in Sprache gesetzt, ganz logisch und sehr einfach, auch wenn manche Formulierungen völlig unverständlich erscheinen. Im Rechtsstaat sollte jeder Bürger seine Rechte kennen und das Recht verstehen, das diese beschränkt oder ihm Pflichten auferlegt. Aufgrund der Komplexität ist das allerdings in vielem nur noch schöne Theorie.

Wie die Theorie vom Gesellschaftsvertrag, den wir schließen und über den wir Teil der Gesellschaft werden mit allen Rechten und Pflichten, die noch von Rousseau stammt und so richtig theoretisch klingt, wie praktisch meist falsch ist. Den Vertrag schließt keiner wirklich ab, er ist nur eine Idee, um dem Recht einen Grund zur Geltung zu geben. Weil wir einen Vertrag mit dem Staat schließen, sind wir ein Teil von diesem und halten uns an die aus diesem resultierenden Rechte und Pflichten.

Dies Modell hat der Soziologe Jürgen Habermas in seiner Diskurstheorie weiter gedacht, dergemäß jede demokratische Gesellschaft auf dem Diskurs der Teilnehmer beruht, für den sie natürlich Stellvertreter wählen können, wie wir den Bundestag. Ob dies wirklich auf das Grundgesetz, also die Verfassung der BRD, frei übertragbar ist oder es beim abstrakten Modell im leeren Raum bleibt, wird lange schon gestritten zwischen linken und rechten Soziologen, Politologen, Philosophen und Juristen, ohne sich einigen zu können, weil alle ängstlich ihre Besitzstände verteidigen.

Hatte das Glück mit Habermas und dazu noch seinem großen Lehrer Gadamer in Heidelberg diskutieren zu dürfen über genau diese Frage. So stellte der schon da  ehrwürdige Sohn der Frankfurter Schule, der längst ihr Großvater wurde, eher seine These auf, dass alles staatliche Handeln aus dem Diskurs letztlich abstrakt ableitbar sein müsse, was auch für das Grundgesetz gelte. Soweit war mir seine Theorie bekannt und er wiederholte nur die bekannten Thesen seiner Schriften. Doch verstand ich nicht, mit wem wer im Diskurs stand bei der Formulierung in der Präambel, dass dies Grundgesetz in Verantwortung vor Gott und den Menschen erlassen wurde und fragte den etwas konsternierten Professor Habermas.

Dennoch launig erwiderte er, wenn es so da stehe, müssten wir es streichen, was mich zu der zweiten Frage brachte, wie dann die Diskurstheorie zur Verfassung unseres Landes passen solle, wenn diese einen höheren Geltungsgrund für sich beansprucht als den Diskurs durch die Inbezugnahme Gottes. Habermas blieb dabei, streichen, was nicht passt, müsse gestrichen werden, er werde sich dafür einsetzen. Da meldete sich sein alter Lehrer Gadamer in unserer kleinen Diskussion im Alten Hörsaal der Universität Heidelberg zu Wort und sagte, so könne er das doch nicht sagen, weil es jeder Logik entbehre, eine These zu der Tatsache aufzustellen, wie unser Grundgesetz zustande kam und zugleich dieses ändern zu wollen, damit es zur These passt.

Es kamen dann noch andere Fragen von verschiedenen Besuchern, des bis auf den letzten Platz gefüllten historischen Raums und irgendwann ging die Gruppe auseinander, nur Gadamer, Habermas und ich waren noch oder wieder in die Diskussion vom Anfang vertieft, bis uns die Fachschaft einlud doch alle drei mit zum Essen beim Italiener nebenan zu kommen, sie hätten dort einen Tisch bestellt.

Die Diskussion blieb ohne Klärung und Ergebnis. Nach Habermas war der Satz überflüssig und musste gestrichen werden, hätte in einer demokratischen Verfassung nichts verloren. Gadamer hielt ihm entgegen, wenn die transzendente Inbezugnahme vom Gesetzgeber gewollt ist, könne er nicht einfach die Verfassung für teilweise ungültig erklären, damit sie zu seiner Diskurstheorie passe. In die Richtung versuche ich auch zu argumentieren, dem es mehr auch um die Frage ging, ob die Bundesrepublik nicht überhaupt mehr Laizismus brauche, um wirklich demokratisch zu sein.

Fand es aber auch unlogisch, wie eine Theorie, welche die Entstehung einer demokratischen Verfassung mit dem Diskurs begründen will, was eine Weiterführung der Ideen von Rousseau war, erklären will was ist und dann für ihre Gültigkeit, was ist ändern muss, damit die Theorie auch stimmt.  War froh über die Unterstützung des alten Herrn Gadamer, als Habermas mein Argument mit professoraler Nonchalance vom Tisch wischte.

War dann bis zur Streichung das Grundgesetz nur für Gläubige gültig und nicht für Atheisten?

Was ist vom Recht einer Gesellschaft zu halten, das schon in der Präambel, also dem Vorwort der Verfassung entweder grundlegend falsch ist und geändert werden muss oder ist dann von der Theorie nichts zu halten, die dies nicht berücksichtigte?

Aus dieser Diskussion ist viele Jahre später auch der Diskurs von Habermas und Ratzinger über Geltungsgründe und die soziale Bedeutung der Religion geworden, die aber auch in entscheidenden Fragen unklar blieb, weil ein Soziologe und ein Theologe keine juristischen Fragen logisch klären.

Passt die Idee der Diskurstheorie wie des contrat social, des inkontinenten ursprünglich Genfers Rousseau zum Recht der Bundesrepublik oder sind wir noch ein Gottesstaat?

Es scheint vermutlich manchem lächerlich und eitel, wenn ich hier, statt über Recht und Ordnung zu schreiben, von einer Diskussion berichte aus der Zeit Anfang der 90er. Doch ist genau das der Kern aller Diskussionen über Recht und Ordnung, der Geltungsgrund ohne den Recht keinen Gehorsam verlangen kann, noch rechtsstaatlich vertretbar wäre.

Wenn der Diskurs wegfällt oder zumindest für alle Ungläubigen wegfällt, welche Gültigkeit darf das Recht in unserem Land dann noch beanspruchen?

Das Eis auf dem das begründet werden kann, wird verdammt dünn und genau darum ist es erstmal wichtiger, sich klar zu werden, ob dieser Staat so Recht erlassen darf und es mich betrifft.

Außer den Reichsbürgern, die einer missverstandenen Verschwörungstheorie anhängen und hinterherlaufen, um ihre Dummheit nicht gestehen zu müssen, bezweifelt keiner ernsthaft die Existenz der Bundesrepublik als Staat im Sinne des Völkerrechts, was jeder vernünftige Mensch im übrigen sowohl aus dem 2+4 Vertrag zur Deutschen Einheit wie aus dem Maastrichter Vertrag ablesen könnte, weil sich bestimmter Rechte seiner Souveränität nicht begeben könnte, wer nicht souverän ist.

Der Staat existiert und erlässt Gesetze durch seine Organe der Gesetzgebung, also den Bundestag und die Landtage. Inwieweit dieser deren Geltung durchsetzen kann, ist eine Frage der Macht.

Silvester dieses und letztes Jahr in Köln zeigen deutlich, dass der Staat in der Lage ist, zu lernen und seine Herrschaft notfalls mit Gewalt auch durchzusetzen im Interesse von Ordnung und Sicherheit. Dies ist eine typische Aufgabe des Souveräns und wie jeder Eingriff in Grundrechte wird nun darüber diskutiert, wenn auch aufgrund letztjährigen Traumas so abstrus verwandelt, dass sich alle Teilnehmer im Lob der Polizei überbieten wollen, dahingestellt ob das gute demokratisch Tradition ist.

Der Staat des Grundgesetzes ist also einer, der sich nach außen verpflichten und nach Innen notfalls mit Gewalt seine Interessen auch in Fragen der Sicherheit durchsetzen kann. Damit gibt es die Staatsmacht eines souveränen Staates de facto und jede weitere Diskussion zu diesem Thema ist überflüssig und hat keine sachlichen Argumente außer der immer wieder Verschwörung, da Extremisten immer mit Angst regieren wollen.

Fraglich bleibt nur, wie die Gesetze in diesem Staat gelten sollen, wenn eine Demokratie den Diskurs zumindest in der Theorie bräuchte, der Gottesbezug aber einen Teil der Bürger ausschlösse oder den Grund der Geltung infragestelle.

Dazu gibt es zwei Ansätze. Einmal kann ich überlegen, ob auch mit Gottesbezug Demokratie überhaupt möglich wäre und zweitens, viel einfacher, könnte ich prüfen, ob diese bloße Bekundung der Verfasser des Grundgesetzes überhaupt für dessen weitere Geltung wichtig ist, auf der dann alle weiteren Normen chronologisch aufbauen.

Schlauer Fuchs, als der ich gerne scheinen möchte, prüfe ich die zweite Frage zuerst, weil sie die erstere entbehrlich machen könnte und mir also das schwierigere Thema ersparte, was dafür spräche auch fauler Sack statt schlauer Fuchs zu sagen, was nicht nur die Anfangsbuchstaben umdrehte.

Aus der im Grundgesetz verkündeten absoluten Glaubensfreiheit ist ableitbar, dass jede Sicht toleriert wird und also auch der Nichtglaube, wenn dies aber so ist, folgt daraus, dass der Gottesbezug in der Präambel nur deklaratorischen Charakter hat, wie die Juristen dazu sagen, oder nur Geschwätz ist, wie das Volk es treffend ausdrückte, was keinen Wert an sich ausdrückt und wir können den Spruch als Geltungsgrund also vergessen, was Habermas aber, der ja kein Jurist sondern Soziologe und vielleicht Philosoph ist, nicht einfiel und ich damals auch nicht konsequent bedachte.

Schön zeigt dies Beispiel aber wie einfach und logisch juristische Schlußfolgerungen normalerweise laufen, wie schlicht und reduziert dieses Gebiet ist, das die Ordnung sichern soll. Die Klärung der Frage, ob Demokratie mit Gottesbezug möglich wäre, ist daher erstmal entbehrlich, solange sie auch ohne Gott gilt.

Im übrigen ist die Religionsfreiheit, die auch das Gegenteil von Aberglaube, also Atheismus in Freiheit umfasst, wie die negative Religionsfreiheit, notwendiges Element jeder rechtsstaatlichen, demokratischen Verfassung. Wo sie fehlt haben wir keinen demokratischen Rechtsstaat mehr, sondern ein totalitäres Glaubensregime, wie die Orte an denen deutsche Kicker gerade ihre Winterpause in der Sonne nahe der Wüste verbringen. Bisher scheint eine solche Diskussion nicht nötig zu sein.

Fraglich könnte es bei Fällen wie dem teilweise sehr rigorosen Abtreibungsverbot in streng katholischen Ländern wie Irland oder Polen sein, bei denen der Aberglaube der Mehrheit, den betroffenen Frauen Freiheit raubt und sie zu Verbrecherinnen macht, wo sie nur über ihren Körper selbst bestimmen wollen.

Doch, wie einleitend im vorigen Kapitel schon dargelegt, ist die unterschiedliche Begründung dieser Sicht eine bloß moralische, in keinster Weise dogmatisch fassbare und insofern es kein europäisches Grundrecht dazu gibt, wann Leben beginnt und ob das ungeborene Leben besonders zu schützen ist oder die Frau immer Vorrang hat, verstößt keiner, wie es auch geregelt wird, gegen europäische Freiheitsrechte durch die Bestrafung, auch wenn mir das moralisch nicht gefällt.

Die Jurisprudenz ist simpel und blöd eigentlich. Tatbestand, Norm, Subsumption und fertig.
Manchmal wird sie kompliziert, wenn das Recht auch dort angewandt werden soll, wo es ursprünglich nicht galt und wir gerne bestimmtes Verhalten nicht ahnden wollen, aus sozialen Gründen oder doch aus auch politischen Gründen.

Nach der Verfassung gilt, keine Strafe ohne Gesetz, also auch keine Rückwirkung von strafend wirkenden Gesetzen, damit jeder sein Verhalten darauf einstellen kann, der nulla poena Grundsatz aus dem römischen Recht, der erstmals im Hexenhammer im deutschen Recht wohl auftauchte. Dies ist ein wichtiger Grundsatz vor allem gegen die Bauchjustiz, die sagt, das Schwein muss doch bestraft werden oder das gesunde Volksempfinden, das rächend eine Strafe fordert, egal was das Recht sagt. Auch schon ein Verwaltungsakt, der belastend wirkt, was schnell passiert, darf nur unter ganz besonderen Umständen zurück wirken.

Wie sich diese Umstände noch mit Recht und Ordnung vereinbaren lassen, ob sie je rechtsstaatlich noch sind, ist Grund großer Streitigkeiten, die viel über die Verhältnisse im Rechtsstaat auch sagen. In der Einleitung erzählte ich von Radbruch, an dessen Schreibtisch ich in Heidelberg saß und der wirklich ein großer Rechtsphilosoph in ganz vieler Hinsicht war, dessen Formel aber den Rechtsstaat aus meiner Sicht völlig leichtfertig für eine höhere Idee der Gerechtigkeit aufgibt.

Bedeutet es, wenn Recht und Ordnung herrschen, dass auch Gerechtigkeit herrscht oder hat das eine nichts mit dem anderen zu tun, muss der immer Rechtsstaat gerecht sein?

Der Rechtsstaat muss nichts anderes als Recht vollziehen und sich an dieses halten. Der NS-Staat war dennoch kein Rechtsstaat, weil er grundlegende Freiheitsrechte außer Kraft setzte, die Prinzipien des Rechtsstaats missachtete und Unrecht herrschen ließ. Dies tat er jedoch mit scheinbar völlig rechtmäßig zustande gekommenen Gesetzen. Durch die Ausnahmeverordnung nach dem Reichstagsbrand konnten die Nationalsozialisten ihre neue Macht auf legalem Wege nutzen und den Rechtsstaat aushebeln. Sie kamen erstmal ganz legal an die Macht. Die Machtergreifung ist schon als Wort eine Form der Legendenbildung, die später zur Rechtfertigung für das Versagen des Staates gestrickt wurde.

Wenn wir das Handeln nach diesen Gesetzen, bis zur auch damals legitimen Judenvernichtung bestrafen wollen, brauchen wir ein höheres Recht oder eine Siegerjustiz ohne Rechtsstaat, wie sie in Nürnberg praktiziert wurde, auch wenn es einen rechtsstaatlichen Anschein hatte. Das höhere Recht wurde hierzulande aus dem Naturrecht abgeleitet, was gut klingt aber eigentlich eher religiös als logisch und vernünftig ist, da es kein geschriebenes Naturrecht gibt und damit keine Grundlage für eine Bestrafung zu diesem Zeitpunkt.

Auch die Zuständigkeit des Gerichtshofes der UN für das ehemalige Jugoslawien ist eher Siegerjustiz als rechtsstaatlich und das sage ich nicht, weil ich die Verbrecher dort verteidigen möchte, sondern, weil es mir wichtiger scheint, rechtsstaatlich wenn zu urteilen als überhaupt.

Genau das ist der moralische Streitpunkt. Die Politik und auch viele Juristen wie Radbruch folgen der Theorie, das Schwein muss bestraft werden, bei Nazis, Mauerschützen und Tätern im ehemaligen Jugoslawien, die ich auch inhaltlich verstehen kann und dennoch aus Prinzip ablehne, weil sie dem Recht, das sie durchsetzen will, zuvor den Grund seiner Geltung raubt und damit zu einem absurden moralisch totalitären Verhalten führt.

Was nicht strafbar war, kann nicht hinterher strafbar gemacht werden, um der Gerechtigkeit zu dienen, weil damit das Prinzip allen Strafens und dessen Berechtigung infrage gestellt wird. Dies strikte und logische Denken, das die Jurisprudenz und ihre Prinzipien beim Wort nimmt, wird strenger Positivismus genannt. Eigentlich ist es nur konsequentes Denken und die Anwendung der Prinzipien ihrer Art entsprechend, ohne moralische Urteile zu fällen.

Weil wir nicht damit leben wollen, dass bestimmte Schweine nicht bestraft werden können, wird das Recht von Richtern und Juristen solange ausgelegt, bis er eben doch strafbar ist und dafür zur Not auch die Grundsätze des eigenen Handelns völlig über Bord geworfen.

Die Vertreter dieser moralischen Sicht meinen, solches Handeln diene der Gerechtigkeit oder sogar einer höheren Gerechtigkeit, als sie es bis dato in Gesetzen gab. Ein verwerfliches Handeln müsse bestraft werden, auch wenn es legitim und nur staatliches Unrecht war, was gerade für die Mauerschützen sehr strittig war, denn nehmen wir den BGH wörtlich, hätte jeder DDR Bürger den Unrechtscharakter des Regimes offensichtlich und leicht erkennen müssen und sein entsprechendes Handeln für einen klaren Verstoß gegen Naturrecht halten, was offensichtlich absurd ist, da inzwischen sogar demokratische Parteien mit der Nachfolgerin der SED, der sogenannten Linken, in Koalitionen regieren, die bis heute Schwierigkeiten damit hat, die DDR ein Unrechtsregime zu nennen, aus der ihr Vermögen stammt.

Halte solche moralischen Urteile im Recht und vor allem im Strafrecht, das sich anmaßt in Bürgerrechte einzugreifen, für grundsätzlich falsch und für eine größere Gefährdung der Gerechtigkeit und des Rechtsstaates als wenn wir einfach anerkennen müssen, bestimmtes staatliches Unrecht, kann nicht strafrechtlich verfolgt werden, auch wenn wir das Schwein gerne bestrafen würden.

Diese Haltung ist ganz grundsätzlich wichtig für die Geltung von Recht und Ordnung und ihren Rahmen. Jeder, der den Einbruch von moralischen also wandelbaren Grundsätzen in die Rechtsordnung insbesondere im Strafrecht zulässt, gefährdet damit den Rechtsstaat mehr, als er ihn durch die Verfolgung einer vermeintlich höheren Gerechtigkeit befriedet.

Es gibt kein höheres Menschen- oder Naturrecht, das strafrechtliche Wirkung haben dürfte, nach dem also gestraft werden dürfte, sondern Strafe gibt es nur nach Strafgesetzen, die zum Zeitpunkt der Tat bereits galten, wer dies Prinzip durchbricht, löst damit den Grundsatz auf, der überhaupt erst Strafe legitimieren kann. Die Berufung des BGH im Fall der Mauerschützen auf die Radbruch’sche Formel und damit auf ein höheres Naturrecht, ist eine Kapitulation vor dem Populismus eines bloßen Gerechtigkeitsempfindens.

Entweder hätte es über alle Täter der DDR eine Siegerjustiz wie in Nürnberg gegeben, was den inneren Frieden nicht unbedingt gefördert hätte vermutlich oder sie können eben nicht bestraft werden, weil ihr Handeln legitim war und sie das wussten, egal wie schlimm ich das auch finde.

Der Rechtsstaat hat nicht die Aufgabe Gerechtigkeit herzustellen, sondern Recht zur formalen Durchsetzung zu helfen, sonst nichts. Gerechtigkeit ist ein höchst wandelbarer Begriff, der im Strafrecht eher überhaupt nichts verloren hat, außer bei der Urteilsfindung, wenn die Tat rechtsstaatlich verurteilt werden kann. Wer etwas tun will, was es im Rechtsstaat nicht gibt, nämlich das Schwein bestrafen, weil es sein Gefühl höherer Gerechtigkeit so will, sollte genau das so tun und es auch so nennen, statt den streng formalen Rechtsstaat so schmutzig dafür zu benutzen und so gesehen sind die Urteile unter Berufung auf die Radbruch’sche Formel Unrechtsurteile und müssten formal ungültig sein.

Dies war wichtig nochmal, auch wenn es fast wie eine Wiederholung des einleitend angedeuteten klang, um konsequent beim Geltungsgrund von Recht zu bleiben. Weil unser Staat die Macht hat, kann er auch die Einhaltung solcher auch meiner Sicht unrechten Urteile durchsetzen. Doch ist es sehr wichtig, ganz aufmerksam auf solche Details zu achten, um sich nicht vom rechten Weg abbringen zu lassen, den Kant im kategorischen Imperativ vorgab und über und neben dem es nicht mehr braucht, um ein moralisches Urteil gerecht zu fällen.

Ein Rechtsstaat, der seine eigenen Grundsätze um einer höheren bloß erdachten Gerechtigkeit wegen, die das Schwein bestrafen möchte, verrät, verdient den Namen kaum und kann konsequent keine moralische Einhaltung seiner Normen mehr fordern, die eben auf dem Konsens der Prinzipien beruht.

Wenn ich also dem Staat nun sage, dein Recht gilt für mich nicht mehr, weil es nicht rechtsstaatlich urteilt, hat das nur eine Konsequenz für mich in meiner Haltung zum Staat aber keine in dessen praktischer Ausübung seiner Macht. Darum klingen diese ganzen Ausführungen furchtbar theoretisch nun und ohne jede praktische Relevanz. Der Staat hat die Macht seine Sicht durchzusetzen und ich muss, wenn ich hier leben will, seine Regeln befolgen, will ich nicht riskieren, bestraft zu werden. Dennoch halte ich diesen Punkt für wichtiger als alle sonstigen Ausführungen, die im einzelnen auf Recht und Gesetze eingehen, die austauschbar und zeitunterworfen meist sind.

Zu sehen, dass auch Staaten unrecht handeln und deren Anspruch auch von Gerechtigkeit infrage stellen zu können, weil es nur um Macht geht, ist wichtig, um als freier Mensch eine Haltung zum Staat und den Gesetzen zu entwickeln, diese auch kritisch zu sehen. Nur wer eine freie und kritische Haltung zu den Dingen hat und nicht einfach Befehlen blind folgt, kann moralisch handeln und nach Gerechtigkeit streben -  der Rechtsstaat soll und muss nicht gerecht werden, er ist nur und bietet den Rahmen, in dem sich so weiche Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit, sozial und schön entfalten können. Wenn dieser Text den kritischen Blick auf vermeintlich moralische Urteile ein wenig öffnen konnte, freue ich mich, denn so trocken die mathematisch logische Juristerei  klingt, so wichtig ist sie, um den Staat richtig zu verstehen und nicht wie Habermas, falsche Gründe für sein Sein zu nennen, die richtige Theorie auf falsche Annahmen aufzubauen.
jens tuengerthal 8.1.2017

Samstag, 7. Januar 2017

Gretasophie 007

007 Recht ordentlich

Die Deutschen haben es gern ordentlich, besonders im Vorgarten, sagt das Vorurteil und am schlimmsten ist, wenn der Nachbar unordentlich ist. Ist es recht so, wird gefragt, wenn wir wissen wollen, ob alles in Ordnung ist. In der Regel, schon wieder so ein an Normen orientiertes Wort, wird diese Frage bejaht, außer es ist etwas besonderes und so ist sie meist nur eine Floskel.

Sind Fragen der Ordnung meist Floskeln oder grundlegend?

Ordnung ist das halbe Leben, ist auch so eine deutsche Weisheit, die zum angepasst ordentlichen Leben anleiten soll und diese gab es früher von Hausfrauen auf Tücher gestickt als Bilder in der guten Stube, werden heute eher ironisch nur noch zitiert. Doch haben sie, wie viele Volksweisheiten einen wahren Kern, warum die Frage nahe liegt, was denn die andere Hälfte dann sein soll.

Ist Chaos oder Unordnung die andere Hälfte und was unterscheidet die beiden?

Schaue ich in die friedliche Natur auf einer Waldwiese etwa, vielleicht auch unter einer deutschen Eiche ruhend, scheint mir die Welt in Ordnung. Betrachtete ich, was ich dort sehe en Detail, merke ich, wie unordentlich die scheinbar friedliche Natur eigentlich ist und gehe ich noch weiter, unters Mikroskop kann ich wiederum erkennen, welch genaue Ordnung auch in der Natur immer herrscht, sehe ich vom subatomaren Chaos der Zufälligkeiten im Welle-Teilchen-Dualismus auf der Wiese einfach mal ab.

Aber herrscht die Ordnung wirklich oder ist sie nur ein Zustand ohne Herrschaft?

Herrschaft ist immer die Ausübung von Macht. Nach Max Weber ist Herrschaft die Chance für einen bestimmbaren Befehl bei einer angebbaren Gruppe Gehorsam zu finden. Die Herrschaft setzt dabei nach Weber im Gegensatz zur nur Macht Legitimität voraus, die erst durch die Akzeptanz der Herrschaft durch die Beherrschten gesichert wird.

Wenn einer befiehlt und andere ihm folgen, ist es also Herrschaft. Davon kann in der Natur aber keine Rede sein, weil ihr Funktionieren natürlich ist und nicht abhängig von Herrschaftsverhältnissen, die wir Menschen uns dazu konstruieren. Auch in der Natur gibt es aber eine Über- und Unterordnung, ob im Rudel, in der Kolonie etwa der Ameisen oder sogar unter den Pflanzen, die mit ihren Wirten und Bewohnern korrespondieren.

Die Natur folgt ihrer eigenen Ordnung, eben den natürlichen Gegebenheiten und den dafür geltenden natürlichen Gesetzen. Doch schon das Wort Gesetz, was ein von Menschen erlassener Rechtsakt ist, passt nicht zur Natur eigentlich. Es beschreibt nur die von uns beobachteten Regelmäßigkeiten im Ablauf, die der jeweiligen Natur entsprechen.

Gibt es also Naturgesetze überhaupt, wie das ein Apfel vom Baum nach unten fällt und nicht nach oben, weil die Erdanziehung stärker ist?

Wenn ich die Natur beobachte, stelle ich fest, es passieren unter bestimmten Bedingungen immer die gleichen Sachen. Pflanzen blühen, reifen und vergehen wieder, ob durch Abwurf des Laubes oder den eben Tod nach einem Sommer bei den einjährigen Pflanzen. Es scheint bestimmte Dinge folgen einfach einer natürlichen Ordnung.

Ob diese einen höheren Grund hat, wie etwa eine erdachte Schöpfung, von der das Märchenbuch Bibel erzählt, ist dabei völlig irrelevant. Egal, was ich glaube oder nicht, die Schwerkraft gilt für den Atheisten wie für den Gläubigen in gleicher Weise. Die Naturgesetze gelten, weil sie der Natur folgen, aus ihrer Beobachtung erkannt und nicht erlassen oder gewillkürt wurden wie etwa die 10 Gebote. Sie beschreiben nur, was ist, statt festzulegen, was sein sollte, wie es die biblischen Gebote manchmal wider die Natur tun - keine anderen Götter haben, keinen Menschen töten, treu sein, auch gegen natürliche Bedürfnisse und vieles mehr, wie die Achtung der Eigentumsordnung, als sei die Inbesitznahme von etwas und die im deutschen Recht davon getrennte Eigentumserklärung ein Teil der Natur.

Braucht es mehr als die Natur ist, damit alles in Ordnung ist und die Menschen gut miteinander leben können?

Nach der Natur ist alles Leben sterblich. Existiert von der Geburt bis zum Tod als Wesen und ist schon vor der Geburt existent, kann aber nicht natürlich alleine existieren. Wann wir von einem Menschen sprechen, ist strittig und wird viel diskutiert.

Manche meinen, das Leben beginne in dem Moment, in dem sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet oder überhaupt befruchtet wird. Häufig sind dies Menschen, die über die Natur hinaus von einem höheren Grund des Seins ausgehen und auch darum das Sein besonders schützen wollen.

Da Lebewesen in der Mutter heranwachsen, beschränkt  eine solche befruchtete Eizelle die Freiheit der werdenden Mutter und kann auch ihr Leben gefährden. Das ist eben der Lauf der Natur, fraglich nur, inwieweit wir in sie eingreifen dürfen, auch um das Leben oder die Freiheit der Mutter zu schützen.

In der Natur gilt natürlich das Recht des Stärkeren und wer sich durchsetzt, überlebt. In unserer Gesellschaft ist das wesentlich komplizierter, weil so viele Dinge im einzelnen zu berücksichtigen sind. So fragen wir etwa, welches Leben mehr wert hat und wer über welches entscheiden darf, ob wir das ungeborene Leben schützen müssen, weil es sich nicht wehren kann, aber doch schon fast ganz Mensch ist.

In Deutschland wird das ungeborene Leben über §§ 218ff Strafgesetzbuch geschützt, also ein geschriebenes Gesetz, in dem sich die wechselnden Moralvorstellungen einer Gesellschaft wiederspiegeln. Der Weg dahin war lang und schwierig und ein wichtiger Kampf auch in der Emanzipation zu der Kampagnen der Frauen gehörten, die sagten, mein Bauch gehört mir.

Das ist richtig und es ist nicht einzusehen, warum Frau ihre Freiheit und Selbstbestimmung verlieren soll, nur weil sich eine befruchtete Eizelle aus welchen Gründen auch immer, meist Sex, manchmal auch anders, in ihr eingenistet hat.

Warum sollte eine Frau ihre Freiheit und ihr Leben ihrer gesellschaftlichen Funktion unterordnen?

Was ist die Ordnung der Natur hierbei und wie finden wir es richtig?

Nach der Natur wird eine Frau, wenn sie an ihren fruchtbaren Tagen mit einem fruchtbaren Mann Sex hat unter bestimmten Bedingungen schwanger und dann geht es seinen natürlichen Verlauf bis zur Geburt. Ob ein Spermium die Eizelle erreicht, ist nicht vom Willen der Beteiligten dabei abhängig sondern folgt den Gesetzen der Natur. Irgendwann merkt Frau, dass sie schwanger ist und passt ihr Verhalten daran an. Was da natürlich ist oder nicht zu sagen, schiene mir anmaßend.

Es kann wohl genauso natürlich sein, sich darüber zu freuen, wie sich davor zu fürchten oder das Ergebnis zu verfluchen je nach Stimmung, die in diesem Zustand auch noch vielen ebenfall nicht willensgesteuerten hormonellen Einflüssen unterliegt. Ob Gedanken und Wille der Frau Einfluss auf das in ihr wachsende Leben hat, ist unklar. Die meisten Frauen glauben es, die Wissenschaft weiß nichts genaues. So wenig wie, welche Beschallung pränatal besser tut.

Liebe tut jedem Menschen gut. Sie auch dann zu leben und sich auf das wachsende Leben zu freuen, tut allen daran Beteiligten gut, kann ich aus Erfahrung sagen, es ist dann einfach eine wunderschöne Zeit. Aber Kinder können genauso gut und wunderbar werden, wenn die  Mutter allein ist oder die Eltern sich ständig streiten und es kann auch alles ganz anders sein. Was gut tut, ist gut und darum sollten wir es am besten so tun, um jeden Tag zu genießen, als sei es der Letzte. Mehr ist dabei trotz vieler Theorien, die immer wieder die neuesten Erkenntnisse unter das verwirrte Volk streuen, nicht gewiss.

Frau verliert mit jedem Monat Schwangerschaft ein Stück von ihrer Freiheit und hat ab jetzt eine wohl lebenslange Verantwortung nach der Natur. Diese kann sie in der Gesellschaft durch Freigabe zur Adoption oder Abtreibung umgehen, aber sie muss etwas tun, will sie ihr Leben und ihre Freiheit verteidigen, denn die Natur benutzt sie einfach als Gebärmaschine, ob sie will oder nicht. Dann wächst neben dem Bauch auch der Busen, ob es sie freut oder nicht. Da Frau aber auch noch einen Willen hat und ein freies Wesen der Natur nach bleibt, stellt sich die Frage, wessen Recht dabei überwiegt, wenn es zum Konflikt kommt.

Habe lange Zeit die Position eingenommen, dass ich als Mann darüber nicht entscheiden kann und muss, weil es mich nie betrifft und damit Frau die Entscheidung frei überlassen, dem Geist der “Mein Bauch gehört mir”-Kampagne folgend, die Alice Schwarzer damals anstieß.

Sehe ich immer noch ähnlich, mir ist nur aufgefallen, dass es feige ist, sich vor dieser Verantwortung zu drücken und damit vor allem dem werdenden Leben jeden Schutz zugunsten der Freiheit  der Frau abzusprechen.

Nach der beschränkten Fristenregelung, wie sie derzeit in Deutschland gilt, dürfen Frauen nach einer Beratung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abtreiben. Erscheint mir relativ vernünftig und gerecht und berücksichtigt das Kindeswohl wie auch unterschiedliche Moralvorstellungen. Anderes gilt bei einer Behinderung oder bei der Gefahr für Leib und Leben der Mutter, dann dürfen Kinder auch noch bis zu einen Tag vor der Geburt abgetrieben werden.

Nach Einsetzung der Eröffnungswehen aber begeht wer das, was zur Welt kommt, tötet ein Tötungsdelikt und wird entsprechend bestraft, weil wir sagen, der Staat müsse jedes Leben schützen. Bedenke ich, dass meine wunderbare Tochter rund 3 Wochen zu früh kam, hätte dies großartige Wesen unter bestimmten Bedingungen noch bis zum Tag des Termins abgetrieben werden können, was mir unvorstellbar erscheint.

Weiß nicht, ob wir nach der Natur Grenzen ziehen können, ab wann die sich ständig teilenden Zellen ein menschliches Wesen sind. Gilt der Zeitpunkt ab dem ein Kind allein im Brutkasten überleben kann oder ist das Zufall, weil wir bald vermutlich nicht nur die Zeugung im Reagenzglas bewältigen können sondern auch praktischerweise die ganze Schwangerschaft, frage ich mich und habe keine klare Antwort.

Begeht wer einem Brutkasten, in dem befruchtete Eizellen in der 3. Woche liegen, den Strom abdreht einen Mord oder doch nur eine Sachbeschädigung?

Was ist mit dem Einbrecher in die Samenbank, der die Sicherung rausdreht?

Alle Natur ist sterblich und es ist die Freiheit des Menschen über den eigenen Tod entscheiden zu können. An diesem Grundsatz meines Denkens ändert sich auch bei der Frage nach dem Recht der Natur für das ungeborene Leben nichts, was einer der schwierigsten Punkte ist, auf der Suche nach einem guten Urteil.

Warum soll das werdende Leben weniger wert sein, als dass der Mutter, wenn die Natur beide verbunden hat?

Kann diese Frage so nicht beantworten und finde sie, ehrlich gesagt, auch irreführend. Da Mutter und Kind natürlich verknüpft sind und ich der Mutter auch nicht ihre Freiheit absprechen würde, sich selbst zu töten, selbst wenn sie schwanger ist, folgt für mich daraus, ihr auch eine besondere Rolle in dieser natürlichen Beziehung zu geben und damit die Befugnis darüber zu entscheiden, was sie für richtig hält, weil ihre Freiheit schon vorher war und die negativen sozialen Folgen, wenn ich ihr diese Freiheit nehmen würde, überwiegen, entscheide ich mich dafür, der Mutter als Wesen hier mehr Wert zu geben.

Aber das ist reine Willkür, durch nichts in der Natur begründbar, sondern eine menschliche, moralische Entscheidung, die um nichts logischer ist, als die des vorletzten Papstes die Abtreibung aus Gründen des Lebensschutzes völlig zu verdammen. Es gibt soziale Gründe die Abtreibung zu erlauben, weil ihr Verbot immer zu Lasten der Freiheit der Frauen geht. Sie ändern aber logisch nichts daran, dass ich über Leben entscheide und diese Entscheidung so treffe, als sei das schutzbedürftige werdende Leben noch keines.

Es ist nicht aus der Natur oder sonst logisch erklärbar, warum ein Leben mehr wert hat als ein anderes und ein bloßes Freiheitsrecht ein Existenzrecht überwiegen soll. Sage ich, wie es die Natur tut, Leben entsteht mit der Vereinigung von Ei und Samenzelle, wäre es ab diesem Zeitpunkt vom Staat zu schützen wie jedes andere Leben. Ärzte die abtrieben, wären dann Mörder und Frauen, die es machen ließen, zumindest Anstifter dazu. Vermutlich aufgrund der natürlichen Nähe auch Täterinnen des späteren Mordes.

Das hätte aber zur Folge, dass ich auch den versuchten Freitod einer Mutter als Tötungsdelikt am ungeborenen Leben bestrafen müsste, mit den erwartbar absurden Ergebnissen auf dem Rücken der Frauen. Die sozialen Gründe sind es, die den sonst kategorischen Lebensschutz aufweichen. Logisch sind diese nicht, außer ich definiere Leben erst als solches ab dem Zeitpunkt des Einsetzens der Eröffnungswehen.

Dieser Willkür würde jede werdende Mutter widersprechen, die doch schon vorher spürt, wie es sich bewegt und etwas in ihr verändert. Da lebt etwas und warum ziehen wir eine willkürliche Grenze, ab wann wir es schützen?

Sollten wir eine solche auch am Ende ziehen. Etwa, egal wie gesund oder krank, ab 95 wird eingeschläfert?

Habe keine einfache Antworten auf diese Fragen und will sie auch nicht geben. Damit wir zusammenleben können, schließen wir Kompromisse, die mehr oder weniger gut sind und die Ordnung einigermaßen aufrecht halten und es kann sich die Sichtweise darauf ändern und damit auch die Definition dessen was lebenswertes Leben ist. Dies letzte Wort ist schon wieder hochumstritten, weil im sogenannten Dritten Reich lebensunwertes Leben vernichtet wurde, was nach Definition der Nazis Behinderte, Juden, Zigeuner und andere Gegner ihres vermeintlich gesunden Volkskörpers sein konnten.

Widerlich denken wir heute und wie gut, dass sich auch damals mutige Menschen wie Graf Galen dagegen auflehnten, auch wenn sie nur wenige retten konnten. Doch der Maßstab der Willkür über das Leben ist immer ein relativer. Sobald wir eine gestatten, wird es schwer einer anderen jede logische Berechtigung abzusprechen. Auch die Formel nach der wir die Täter des nationalsozialistischen Unrechts verurteilten, ist eine ähnlich unlogische Krücke wie die welche die Abtreibung legitimiert. Diese sogenannte Radbruch’sche Formel nach dem großen Heidelberger Juristen Gustav Radbruch an dessen Schreibtisch ich einige Jahre die Ehre hatte arbeiten zu dürfen, ohne dabei innerlich tiefer in die Jurispudenz einzudringen, wurde auch für die Mauerschützen wieder aus der Schublade gekramt und ist nichts als der Versuch die Siegerjustiz vom Vorwurf der Willkür freizusprechen und den Eindruck zu geben, es ginge alles mit Recht und Ordnung zu. Die Radbruch’sche Formel bezieht sich auf die Gerechtigkeit, die über dem Recht gelte, sofern der Richter erkennen müsse, dass das eigentlich geltende Gesetz zu einer unteräglichen Ungerechtigkeit führe.

Damit wird die Natur und ein erdachtes Naturrecht der Gerechtigkeit ins Strafrecht geholt, um die Verbrecher des NS-Regimes und ihre Schergen, die gesetzmäßig meist handelten, bestrafen zu können oder die Mauerschützen an der innerdeutschen Grenze, die auch legitim handelten. Eigentlich gilt aber im Rechtsstaat im Strafrecht immer der nulla poena Grundsatz, der besagt, keine Strafe ohne zum Zeitpunkt der Tat geschriebenes Gesetz. Seine Umgehung öffnete der Willkür Tür und Tor, da dann beliebig Taten im nachhinein als strafbar erklärt werden könnten, auch ohne, dass die Täter zu diesem Zeitpunkt etwas davon wissen mussten. Wer ihn einfach aushebelt braucht gute Gründe und ob die Bestrafung von unmoralisch handelnden Menschen ein Grund ist, bleibt fraglich.

Nach der Radbruch’schen Formel könnten wir irgendwann auch alle Abtreibungen als Mord bestrafen, der bekanntlich nicht verjährt, wenn wir zu der moralischen Ansicht kämen, Leben sei zu  jedem Zeitpunkt schutzbedürftig und gerade vor der Geburt. Würde für gerecht gehalten, weil es der aktuellen Moral entspräche, den Schutz des Lebens ab der Zeugung beginnen zu lassen, drohte jeder Frau, die eine Abtreibung in ihrem Leben beging eine Anklage wegen Mord und potentiell lebenslange Freiheitsstrafe.

Scheint uns glücklicherweise heute absurd, ist aber nicht fern von der logischen Begründung der Verurteilung der NS-Täter oder der Mauerschützen, die ich schon immer eher willkürlich fand und wo das Überwiegen rechtsstaatlicher Prinzipien besser gewesen wäre, nach denen eben nur zu bestrafen ist, wer auch in dem Bewusstsein handelte, etwas rechtswidriges zu tun, beziehungsweise, dies überhaupt nicht tat, wenn sein Handeln zu diesem Zeitpunkt gewollt und legitim war.

Gerne wird die Anwendung dieser höheren Gerechtigkeit nach der Formel Radbruchs auch als eine Form des Naturrechts neben dem staatlichen Recht gesehen, damit eben die höhere Gerechtigkeit wiederhergestellt werden könnte, die wichtiger hier sei als die Geltung rechtsstaatlicher Prinzipien. Doch scheint mir diese Krücke mehr als fragwürdig, da es im Rechtsstaat nicht um Gerechtigkeit geht sondern die Einhaltung formaler Prinzipien, die als solche gerecht sind und die abstrakte oder natürliche Gerechtigkeit immer nur von den zufällig geltenden Grundsätzen aktueller Moral abhinge, welche noch schwammiger gleich ist.

Das Beispiel der Abtreibung erläutert es ein wenig und erklärt, warum ich in dieser Einleitung, in der es doch um Natur und Recht gehen sollte, so lange darüber schreibe. Würde hier eine Partei mit Mehrheit regieren, die  den Schutz des Lebens mit der Zeugung beginnen ließe und die Abtreibung für Mord erklärte, was gar nicht so abstrus ist, bedenken wir die Argumente der Gegner aus Rom oder den USA, könnten alle Frauen, die einmal eine Abtreibung begingen nach der Radbruch’schen Formel als Mörderinnen verurteilt und dann entsprechend bestraft werden.

Der Staat nahm für diese Formel, mit der versucht wurde das NS-Unrecht rechtlich aufzuarbeiten und in die strengen Formen des Rechtsstaates einzupassen, ein sogenanntes Naturrecht zu Hilfe, dass es in der Natur nicht gibt und das auf einer Moral basiert, die sagen sollte, was gerecht und ungerecht sei, ohne dafür auf Gesetze zurückgreifen zu müssen.

Ob es so etwas gibt und wir bei dem Gerechtigkeitsempfinden aller billig und gerecht Denkenden, wie es normal angewendet wird von deutschen Richtern, nicht ganz nah wieder an der Nazi-Formel vom gesunden Volksempfinden sind, sollte sich jeder frage, der darüber schwadroniert, dass er von Gerechtigkeit träumte und nur den Rechtsstaat erhielt.

Es geht im Recht nicht um Gefühl sondern um formelle Normen und wenn nach denen keine Bestrafung möglich ist, gibt es eben keine und dann ist es besser nicht den Rechtsstaat zu beugen, statt ungerecht zu verurteilen. Sonst drohen, falls sich die Moral zufällig ändert vielen Frauen Mordprozesse und sie würden wieder zu Opfern gesellschaftlicher Willkür.

Von Natur hat all dies nichts, auch nicht das Gerechtigkeitsempfinden, was meist nur das Produkt des sozialen Kontextes einer Gesellschaft ist und nichts absolutes. Wer die Tagebücher von Georg Forster auf der Cook-Expedition liest, in denen er beschreibt, wie sich die Inselbewohner erstmals betretener Inseln völlig über Eigentum hinwegsetzten und sich nahmen, was ihnen gefiel oder auch die relative Wandlung unserer Moral gegenüber der Todesstrafe und anderem wie etwa Homosexualität, merkt wie willkürlich auch alle sogenannte Gerechtigkeit ist.

Es gibt in der Natur kein Recht, sondern nur kausale Ergebnisse von Handlungen. Die Natur ist nicht gerecht oder ungerecht, sie ist. Alle Kompromisse die wir Recht nennen sind relativ und von den gerade herrschenden Umständen abhängig. Der Rechtsstaat, der erst die Demokratie und die Freiheit in großen Gemeinschaften wie der unsrigen ermöglicht, braucht klare Prinzipien als Grenzen. Dazu gehört der nulla poena Grundsatz. Ihn sollte keine Moral brechen dürfen, weil die damit zugelassene Willkür, dem Staat die Legitimation zur gerechtfertigten Strafe raubt.

Klingt furchtbar juristisch, ich weiß, lässt sich bei dem Thema leider nicht völlig vermeiden, ist aber sehr wichtig, um zu verstehen, wie ein Staat funktioniert und wer wen warum bestrafen darf, was Freiheit heißt, wo Recht beginnt und Unrecht aufhört, was es zur Erhaltung der Ordnung beiträgt.

Ordnung kann sehr viel sein, von der kleinen Zuhause bis zur großen im Staat oder der auf der Straße, wer Vorfahrt hat und warum. Wenn viele Menschen zusammenleben, braucht es eine gewisse Ordnung, damit es funktioniert. Würden die einen links und die anderen rechts fahren, würde der Straßenverkehr sehr unübersichtlich. Wenn alles in Ordnung ist, fühlen wir uns wohl, während die Unordnung mit etwas wichtigem für Unruhe sorgt.

Wie weit das in unserer Natur liegt und ob es dazu Recht braucht, will ich in den folgenden Essays weiter fragen. Dabei gehe ich wie immer vom kategorischen Imperativ als moralischem Handlungsmaßstab aus, nach dem wir jedes Recht an unserem Gewissen messen müssen. Versuche die absolute Ordnung ein wenig infrage zu stellen, um herauszufinden, was wirklich gelten muss, was unsere Natur ist, wie sich Moral begründet, bedenke die Gefahren der Unordnung und die Chancen der Freiheit.

Logisch stellt für einen, der mal die Rechte wenn auch relativ erfolglos studierte, die Frage nach Recht und Ordnung und ihrer eventuellen Entbehrlichkeit den Kern philosophischer Überlegungen dar, weil es die Frage ist, um die alles kreist, was unser zusammenleben ordnet und die Frage danach stellt, wie es sein sollte, wenn die Welt so wäre, wie sie uns gefällt - mit mehr Ordnung oder freierer Unordnung, alles rechtens oder lieber Gnade vor Recht ergehen lassen, damit sich Unrecht vielleicht weniger lohnt.
jens tuengerthal 7.1.2017

Freitag, 6. Januar 2017

Gretasophie 006c

006c Warum machen wichtiger ist

Nach vielen Worten über die Theorie und Geschichte der Kunst nun ein Plädoyer für das Machen, auf das es ankommt, damit ein Kunstwerk entsteht. Es kann sich jeder Künstler nennen, der etwas Kreatives macht. In der Gesellschaft werden aber meist nur diejenigen so genannt, die versuchen, davon zu leben und damit zu überleben, was viel weniger sind, als tatsächlich täglich kreativ tätig werden.

Ist es gut eine solche Grenze zu ziehen oder sollten wir den Begriff Künstler weiter sehen wie den der Kunst längst?

Kunst braucht keine Grenzen sondern Freiheit. Ob ich damit überleben kann, ist eine rein soziale und ökonomische Frage, ohne Bedeutung für das, was Kunst ist und wie sich ein Künstler versteht.

Manchmal nennen wir kreative Menschen in der Umgangssprache Künstler, um sie zu loben, auch wenn sie sich selbst nie so sehen. Betrachte ich meinen Vater sehe ich einen Künstler in ihm, vor all dem anderen, was er in seinem Leben noch alles war, auch vor seinem Beruf, der seine Berufung war, ein Arzt zu sein. Weiß nicht, ob er mit dieser Sicht einverstanden wäre, sie als Kompliment oder eher als despektierlich empfände, ist für meine Sicht auf ihn als Künstler auch nicht wichtig. Er hat nie von seiner Kunst gelebt, aber immer auch für die Kunst, die er auf vielfältige Art liebt. Vom Naturforscher zum Maler und Fotografen beschäftigt ihn das Abbild der Dinge auch noch im Alter mehr als viele Menschen je. Wichtiger aber für mein Urteil ist, was er tut, wenn er kreativ tätig ist, von der Küche bis zur Staffelei, tut er es mit kreativer Leidenschaft - Erkundung und Schöpfung haben ihn immer fasziniert und tun es bis heute, glaube ich. Mir fällt spontan nichts ein, was ihn nicht einmal interessiert hätte und was nicht irgendwie auch Einfluss auf seine Kunst hatte, wenn er sich dieser hingab. Vielleicht gibt es ein gewisses Defizit bei zeitgenössischer Popmusik und dem Starkult aber diese kleinen Ausreißer machen wieder menschlich - wer will schon alles wissen?

Bin da viel beschränkter und schotte mich teilweise richtig ab von Einflüssen, damit meine Worte und Gedanken genug Freiraum habe und zu meiner Kunst werden können. Dies im Bewusstsein meiner von der Natur aus geringeren Fähigkeiten, die mich nur in meinem beschränkten Horizont das zu erkennen versuchen lassen, was mich gerade beschäftigt. Weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich eher ein Muttersohn bin und sie eine große Leserin immer war.

Es sind verschiedene Herangehensweisen. Der eine geht immer mit offenen Augen durch die Welt, hält das Auto mitten auf der Straße an, weil  er eine Orchidee entdeckt oder eine andere Besonderheit vermutet. Andere, wie ich vermutlich, haben mehr Scheuklappen, fokussieren ihren Blick auf bestimmte Gebiete, um sie ganz zu verstehen und dort zu wirken, wo sie suchen.

Wünschte mir mein Vater würde nun mehr malen oder andere seiner kreativen Interessen noch verfolgen, statt sich weiter auf allen Feldern zu verausgaben, die ihm begegnen - aber er ist genau darum der Künstler, der er ist, weil er so vielfältig neugierig ist, während ich in den Grenzen meiner Möglichkeiten einen eigenen kreativen Weg suche, der um die immer gleichen Fragen kreist von der Philosophie bis zur Liebe und Lust.

Wir sind beide unserem Wesen nach kreativ, weil wir den Drang etwas zu schöpfen, in uns fühlen, auch wenn wir es auf gänzlich unterschiedliche Weise tun und auch im Wesen uns in manchem unterscheiden. Beide sind wir Euphoriker, die sich gern begeistern und am liebsten alle Welt mit ihren Ideen beglücken wollen, um dafür gelobt zu werden.

Es ist nicht wichtig, ob wir uns Grenzen ziehen, um kreativ sein zu können oder grenzenlos sind, dem Wesen nach, entscheidend ist nach meiner Überzeugung der Drang, etwas zu schaffen - sei es ein Bild, was mir leider überhaupt nicht liegt und wo ich völlig unbegabt bin, oder Musik, wo ich, wenn das möglich ist, noch weniger Talent habe, oder in Worten, die mir nicht völlig fremd zumindest sind.

Verreise nicht gerne und will nicht die Welt sehen, sollen gerne andere tun, halte es lieber mit Kant und denke über die Welt nach. Manche reisen mehr außen, andere mehr innen, was nun verdächtig esoterisch klingt, obwohl es mir so fern liegt, in den Dingen einen Grund zu suchen, nach einem Sinn zu fragen oder mich für höhere Erkenntnisse der Eingeweihten einzusetzen.

Ganz im Gegensatz dazu mein Vater, der gern die ganze Welt und alles sehen will. Sich für die Kulturen der Länder begeistert, die er bereiste. Als auch Naturwissenschaftler lehnte er zwar den Hokuspokus wie ich als Aufklärer ab, aber lernte ihn dennoch, wie ich auch, näher kennen. Er betrachtet diese Dinge mit Respekt und Abstand, während ich sie eher geringschätzig sehe, vor allem ihrer Neigung die Freiheit zu beschränken wegen.

Ist er darum tolerant und ich intolerant oder ist mir nur die Freiheit wichtiger, auf der erst Toleranz aufbaut?

Weiß es nicht und denke inzwischen, manches muss nicht mehr diskutiert werden, wenn jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann.

Wo fängt das Machen der Kunst an, frage ich mich nun und denke, der kreative Akt beginnt immer im Kopf. Manche sagen auch, sie denken nicht viel, wenn sie sich vor eine Leinwand stellen oder ans Klavier setzen, dann fließt es von alleine. Beim Dichter beginnt alles im Kopf und mit den Händen hält er nur die Feder oder drückt heute die Tasten, um die Gedanken aufzuschreiben.

Dennoch ist der kreative Akt beim Dichten kein klar gedanklicher, es ist kein Ringen um Worte in der Vernunft, das auch, gerade später, wenn ich mit dem umgehen will, was ich schrieb, aber die Schöpfung ist zutiefst intuitiv. Erspüre die Worte und lasse sie fließen, schreibe ich hierhin und widerspreche damit auch meiner eigenen Überzeugung vom Menschen als vernunftgesteuertes Wesen.

Beim Machen finde ich es wichtig, der Intuition zu folgen, die ich später bedenken und interpretieren kann, die aber als Akt erstmal etwas mir unergründliches hat. Überlasse mich dabei meinem Instinkt quasi, der natürlich durch alles, was ich mal las, mit geformt ist, wie meine Anlagen und meine Erziehung darauf Einfluss haben. Doch spielen die Gründe der unüberschaubar vielen Einflüsse keine Rolle bei der Schöpfung, die einfach ohne weitere Fragen von Innen kommt.

Manche Jünger der Psychoanalyse würden nun vom Unterbewusstsein sprechen, das mich dabei leitet. Gläubige wohl eher von der Tiefe der Seele, die mich führt. Beides liegt mir fern. Bin Mensch, weil ich bewusst handele. Alles darüber hinaus, ist für mich, wenn ich frei sein will irrelevant. Nähme ich ein Unterbewusstsein an oder glaubte an eine gar unsterbliche Seele, wäre ich nicht mehr frei. Unfrei aber könnte ich weder lieben noch kreativ sein. Wie andere, die dem Glauben an Unterbewusstsein oder Seele anhängen, ihre Freiheit begründen, weiß ich nicht. Für mich könnte das nicht gehen und ich nehme den kreativen Akt als ein Ding an sich, der zu meiner Natur gehört und sich aus der Vielzahl der Einflüsse speist, die mich ausmachen und die ich mit meinen beschränkten Möglichkeiten nie überschauen kann, ohne ihn Seele oder Unterbewusstsein zu nennen und ihm damit Grenzen im Sinne der Gemeinschaft zu ziehen.

Die Freiheit im Geist ist mir wichtig, um kreativ zu sein. Sie ist die Voraussetzung eigentlich dafür. Vielleicht ziehe ich meinen beschränkten Fähigkeiten entsprechend auch so enge Grenzen für meine Kreativität in bestimmten Bereichen, um in diesen grenzenlos sein zu können, statt nirgendwo ganz und überall ein wenig nur zu sein. Darum lehne ich ein Unterbewusstsein als Modell ab und respektiere nur die Komplexität, die meine Erkenntnisse übersteigt als Faktor, der mich beeinflusst.

Das Unterbewusstsein als geglaubtes Modell ähnelt dem Bild der Seele der Kirchen zuvor und gibt denjenigen, die uns mit ihrer je Methode Zugang dazu verschaffen, Macht über uns. Diese gleicht der Macht der Kirchen über das Seelenheil der Gläubigen. Mit der Abnahme des Glaubens und der Stärke ihrer geistigen Kontrolle in einem unsichtbaren Bereich, braucht es ein neues Modell, das uns gewiss erschien und den Kontrolleuren mit ihren Deutungen Möglichkeit gab, Einfluss auf uns in ihrem Sinne zu nehmen.

Unterstelle Sigmund Freud keinen bösen Willen bei diesem Schöpfungsakt. Er war vielmehr von dem Wunsch getrieben, Menschen mit psychischen Problemen als Arzt zu helfen, indem er dem Problemen mit naturwissenschaftlichen Denken analytisch auf dem Grund ging. Dennoch war er ein Kind seiner Zeit und schuf entsprechende normative Schemen, wie sie auch dem medizinischen Denken entsprechen, das den Menschen als Maschine betrachtet, deren Funktionalität gesichert werden soll.

In dem Moment, in dem ich eine neue erdachte Größe als Fiktion der Lösung der Probleme einführe, werde ich unfrei und alle, die diesem Schema folgen mit. Wer aber unfrei ist, also in Schemen reagiert, kann nicht von sich aus kreativ sein, scheint mir. Es mag für andere Menschen anders sein, die in ihrem Glauben an Unterbewusstsein oder Seele dennoch völlige künstlerische Freiheit fühlen, ich kann das nicht und verstehe auch nicht, wie es gehen soll.

Vor dem kreativen Akt und meinem Verständnis als Künstler stand darum für mich der Akt der Befreiung. Um kreativ sein zu können, warf ich Seele, Aberglaube und die vermeintliche Wissenschaft vom Unterbewusstsein genauso über Bord wie das Wisse in Astrologie oder sonstigem Hokuspokus. Auch das sehen viele anders und die große Kunstproduktion für Kirchen zu allen Zeiten, belegt es anschaulich. Verstehen muss ich es nicht und kann auch die Kunst dieser Künstler rückhaltlos bewundern, ohne ihnen absprechen zu wollen, ein solcher zu sein, nur weil es für mich keine Kreativität ohne Freiheit geben kann.

Freiheit heißt für mich, selbstbestimmt zu sein und davon auszugehen, dass die Entscheidungen, die ich treffe und was ich tue, aus mir kommt, meine Person ausdrückt. Es ist dabei für mich völlig irrelevant, ob ich in einer Höhle sitze und die Welt mir nur als Schatten ihrer selbst auf der Wand erscheint, oder ich tatsächlich weiß, wie es wirklich ist. Einzig die Überzeugung, frei zu sein, zählt für mich, um es zu sein. Dabei ist auch egal, wie weit meine neuronalen Netzwerke bereits genetisch programmiert wurden und ich dementsprechend nur handle, da es genügt, den Entschluss zu fassen, frei zu sein, es zu bleiben.

Ausdruck findet diese Freiheit auch und gerade in der Fähigkeit allein über mein Leben zu entscheiden. Kann es beenden, wenn ich es will, weil ich frei bin und darin zeigt sich meine totale Herrschaft über meine Existenz, die mit dem Tod endet. Danach kommt nichts mehr, von dem wir wissen können und jede weitere Spekulation ist für mich müßig, weil sie  logisch unfrei macht.

Unfrei macht der Glaube an ein Leben nach dem Tod oder eine unsterbliche Seele für mich logisch, weil es dann nicht mehr in meiner Macht steht, über mein Leben zu entscheiden. Zwar steht es nicht immer allein in unserer Hand, zu entscheiden wann und wie wir sterben, dazu haben zu komplexe Faktoren darauf auch Einfluss, aber die Chance, dies entscheiden zu können und damit meine Existenz absolut zu beenden, belegt die absolute Freiheit für mich ausreichend.

Dies ist kein Plädoyer für den Freitod, im Gegenteil, finde eher, wir sollten das Leben wann auch immer, so sehr wie nur möglich genießen. Jeden Moment auskosten. Aber immer ohne jede Furcht vor dem Tod, der uns nichts angeht, weil, wenn er da ist, wir nicht mehr da sind und solange wir da sind, dieser nicht da ist.

In den also viel engeren Grenzen als denen der Gläubigen, deren Seelen in ein Himmelreich oder die Hölle geglaubt wandern, auch wiedergeboren werden nach anderem Aberglauben, will ich frei genießen, was ist. Mehr kann ich nicht, womit wir wieder bei obiger Beschränkung wären, als das zu genießen, was ich erkenne und gut finde. Ob es eine Welt jenseits meines Bewusstseins gibt, ist für mich, wenn ich frei genießen will, was ist, völlig  egal.

Jede Behauptung von etwas über dem, was ich erkennen kann, macht mich unfrei, weil es außerhalb meines Einflusses liegt.  Mit Max Stirner und seinem Einzigen, dem einzig wirklich großen und undogmatischen Junghegelianer, sage ich darum, ich habe meine Welt auf mich gestellt, außer mir ist nichts in der Welt, weil, was ich nicht wissen kann, für mich ohne jede Relevanz ist.

Dieser kurze Ausflug zur Freiheit war hier nötig, um den kreativen Akt, wie ich ihn verstehe, zu erklären. Er ist Ausdruck von Freiheit für mich. Lasse ihn als solchen entstehen, ohne einer geaberglaubten Seele oder einem erdachten Unterbewusstsein dabei Macht über mich zu geben, sondern betrachte ihn als originären Ausdruck meiner Person, auch wenn ich angesichts der Komplexität aller Dinge im Sinne der Chaostheorie, nicht weiß, in was allem er kausal begründet ist.

So nehme ich ihn und genieße die schöpferische Freiheit, aus ihm zu formen, was mir an Kunst entspricht. Das ist häufig, wie hier mal wieder gut lesbar, ziemlich verkopft, aber zugleich auch immer spontan kreativ von einem aufklärerischen Geist geleitet, der die Welt nach seinem Bild gestalten will. Dies ist der Akt, den Goethes Prometheus im Widerstand zu den Göttern, die er nicht mehr glaubt, so mutig in die Welt ruft, der auch seine Welt auf sich gestellt hat und unter der Sonne nichts ärmeres kennt als die Götter, die nur kümmerlich ihre Majestät von Opferhauch und Gebetsgaben nähren und nichts wären, gäbe es nicht die hoffnungsvollen Toren. Hier treffen sich Goethe und Stirner, auch wenn der spätere Geheimrat wohl manches mal die Stirn über sein Sturm und Drang Werk noch runzelte, aus dem ich hier zitierte.

Dieses Prinzip, was ich gerne, weil es so wunderbar klingt, Pippi-Langstrumpf-Prinzip nenne, ist die Grundlage des Konstruktivismus auch. Jene weibliche Hauptfigur aus den wunderbaren Büchern von Astrid Lindgren sang, “Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”. Das ist für mich kreativ tätig sein und so betrachte ich die Welt dabei. Wäre ich dazu nicht frei von einer Seele oder sonstigem jenseitigen Aberglauben, ignorierte ich nicht den scheinbar wissenschaftlichen Glauben an das Unterbewusstsein, wäre es nie meine Welt und diese nie so, wie sie mir gefällt, sondern immer nur ein sekundär abgeleitetes Produkt, das andere bräuchte, um zu sein und also logisch immer unfrei bliebe.

Der Konstruktivismus, der uns die Welt nach unserem Bild gestalten lässt, ist eine Haltung, die meiner kreativen Freiheit total entspricht. Auf seiner Grundlage schöpfe ich und habe im Sinne des oben erwähnten Stirners, meine Welt auf mich gestellt. Handle danach zwar in den Grenzen des kategorischen Imperativs, soweit es mir möglich ist, aber genau diese völlige Gewissenfreiheit, die Kants genialer Gedanke gewährte, ist die Basis meiner Kreativität, die sich autark sieht, wie der große Königsberger es war, der am liebsten immer am Ort auch blieb. Die von mir geschaffene Welt ist Oberfläche und Maßstab meines Handelns, egal, ob sie nun real ist oder nur Produkt meiner Phantasie, sie ist genau so für mich frei und darum Basis meines kreativen Handelns.

Kann mir schwer vorstellen, wie ich unfrei noch schöpferisch tätig sein sollte. Meine damit nicht äußere Freiheit, könnte genauso gut auch im Knast schreiben, sondern die geistige Freiheit, die keine Mauer nehmen kann, weil ich meine Welt auf mich gestellt habe, in den Grenzen, wie ich sie verstehe, als ein Leben nur zwischen Geburt und Tod, dazu da genossen zu werden, mehr nicht.

Warum wer kreativ handelt, weiß ich nicht und kann nie allgemein gesagt werden nach meiner Überzeugung. Der eine mag seine Inspiration aus seinem Aberglauben ziehen, der andere fühlt sein Unterbewusstsein zu sich sprechen, wie es sein Analytiker ihn lehrte. Verstehe die anderen nicht, die in ihren Grenzen sich vermutlich so frei fühlen, wie ich in  den meinen, die andere wiederum als völlig begrenzt empfänden. Zum Glück muss ich nicht darüber entscheiden, was dabei richtig oder falsch ist, denn ich könnte es gar nicht, weil ich die anderen Sichten, ohne die große Pippi Langstrumpf Freiheit, nicht nachvollziehen kann.

Doch das schöne an der Kunst ist eben auch, dass sie uns frei lässt und jeden nach seiner Fasson, seinen Weg zum “Machen” finden lässt. Mein Vater indem er durch die Welt stromert und sie zu verstehen versucht, andere im festen Glauben gestärkt, welche in der Überzeugung die Gründe ihres Unterbewusstseins zu spiegeln und am Ende gar manche völlig ahnungslos noch genial werden lässt, weil sie dabei so authentisch sind.

Wen es zur Kunst drängt und wer kreativ sein möchte, soll es sein und ist ein Künstler. Es muss sich keiner am anderen messen, sondern mit dem, was er tut, für sich glücklich werden, um das Leben zu genießen. Mehr können wir nie, es fällt vielen in nörgelnder Unzufriedenheit mit sich und der Welt gefangen schwer, sich darauf einzulassen, den eigenen Weg zur Kunst zu finden.

Bin nach all dem, was ich über Freiheit und Kunst hier schrieb, überzeugt, jeder Mensch ist ein Künstler, auch wenn es noch nicht alle ganz genießen können. Einen Anstoß anzufangen, es zu sein, zu geben, wäre das Schönste, was dieser Text erreichen könnte. Habe bei meiner Tochter verschiedene Versuche gesehen, sich kreativ auszuprobieren und ihren Weg als Künstlerin zu finden mit allen normalen Zweifeln. Am intensivsten, fand ich ihre Lyrik, was aber daran liegen kann, dass es das einzige ist, wovon ich zufällig auch was verstehe. Freue mich darüber sehr und hoffe sie macht es immer weiter, schreibe ich hier in meiner Küche sitzend, deren Wände mit Bildern von ihr aus vielen Altersstufen gepflastert sind. Mein kleines Tochter-Museum sozusagen.

Kreativität ist Freiheit, wie immer wir zu ihr finden oder sie begründen - während ich es im Staat nötig finde, darüber zu streiten, wie wir Freiheit definieren und leben, kann ich sie in der Kunst einfach sein lassen, wie sie sein will, was für ein Glück.
jens tuengerthal 6.1.2016

Donnerstag, 5. Januar 2017

Gretasophie 006b

006b Was ist Kunst

Was Kunst ist, lässt sich mit noch so vielen Worten nicht umfassen. Es kann alles sein, was Menschen in künstlerischer Absicht produzieren. Manchmal ist es auch ein Produkt des Zufalls, den Künstler für sich nutzen oder wird erst später zu Kunst und war zuvor nur ein Gebrauchsgegenstand ohne künstlerischen Anspruch.

Alles kann leicht an den gewohnten oder bekannten Definitionen der Kunst bestritten werden, vieles können wir mit jedem künstlerischen Akt neu denken. Doch einigen können wir uns darauf, dass Kunst immer ein Kulturprodukt ist, ob es dabei Ergebnis eines menschlichen, tierischen oder automatischen kreativen Aktes ist, möchte ich nicht vorab entscheiden, um die Kunst nicht einzusperren in das Gefängnis der Definitionen

Ist der kreative Akt des Künstlers entscheidend oder kann auch die Betrachtung der Zuschauer erst die flüchtige Kunst für einen Moment zu einer machen?

Was bleibt als Werk vom Kunstfurzer zurück als warme Luft und worin unterscheidet sich diese vom Atem eines Sängers, sehen wir vom Ort der Entstehung ab?

Bildende Künstler und Dichter haben im Gegensatz zu den Musikern, die immer flüchtige Kunst schaffen, das Glück oft etwas bleibendes zu hinterlassen in Form von Bücher oder Kunstwerken aber auch das wandelt sich gerade.

Was ist mit dem Blogger, der online dichtet und seine flüchtigen Worte für Klicks vermarktet und in sozialen Netzwerken bildreich bewirbt?

Es wird gelesen und verschwindet wieder aus der täglichen Timeline, wenn es überhaupt noch angezeigt wird, manches blenden wir ja auch aus guten Gründen aus. Die nur elektronisch im virtuellen Raum irgendwo gespeicherten Buchstaben meines Werkes ruhen auf den Servern von Google, solange diese laufen, wenn das endet, verschwindet alles von mir geschriebene wieder und so bin ich literarisch quasi nur eine virtuelle Existenz.

Macht mir das nun Angst, oder gibt es mir im Gegenteil Leichtigkeit, frage ich mich, hier an einem Buch für meine Tochter schreibend, was doch etwas bleibendes werden soll, damit sie was fürs Leben hat, auch wenn ich mal nicht mehr bin, was ja  jeden Tag passieren kann oder auch erst in 50 Jahren, wer wollte das schon wissen.

Ist die Kunst, diese Flüchtigkeit der eigenen Kunst wie der eigenen Werke, die vielleicht wie die anderen auch, einige tausend noch lesen, bevor sie im Orkus des Vergessens versinken, mit Leichtigkeit zu nehmen, wahre Lebenskunst, weil dann nichts mehr schwer sein muss?

Will ich Erinnerung hinterlassen und das etwas von mir bleibt oder lieber mit Leichtigkeit spurlos verschwinden, weil ohne Spuren zu kommen und zu gehen, wahre Lebenskunst ist?

Was soll überhaupt dieser Begriff wahre Lebenskunst?

Klingt fast esoterisch schon wieder und an eine Wahrheit glaube ich so wenig, wie an die eine Kunst, das Leben zu meistern. Weiß nicht, was ich mir dabei dachte, es kam einfach und ich schrieb es hin, weil es mir würdig und passend erschien, doch sobald ich es kritisch hinterfrage, müsste ich diesen von Aberglauben und Esoterik verseuchten Blödsinn lieber streichen, streng vernünftig betrachtet.

Doch lass ich es stehen, weil es mir künstlerisch wertvoll erscheint. Nicht der wahnsinnig tolle, kreative Akt, der die Welt verändert aber doch treffend und schön. Kann es nicht ganz genau erklären, folge dabei einfach meiner Intuition. Vielleicht ist diese der entscheidende Moment beim künstlerischen Akt, der das bloße Addieren von Buchstaben dann zur Schöpfung macht, vielleicht ist es auch nur eine angemaßte Willkür, die mit Kunst nichts zu tun hat.

Es ging dabei um die Grenze zwischen Leben und Tod, was ich hinterlassen möchte in der Welt, ob ich etwas hinterlassen will oder lieber nicht. Kunst geht gerne an die Grenzen und überschreitet sie oftmals, um den Blick zu öffnen. Dann bekommt sie immer wieder Ärger mit dem Staat in Form von Zensur und ähnlichem, was auch in unserer Zeit noch nicht gänzlich verschwunden ist, sondern dank der sozialen Netzwerke und ihrer peinlichen amerikanischen Zensur aller Nacktheit eine neue Blüte feiert. Auch unser Staat zensiert noch Kunst, die dann als Pornografie diskriminiert und nur unter dem Ladentisch verkauft werden darf.

So ging es etwa mit Henry Millers Opus Pistorum, was auch nur Werk des Müllers heißt, was wegen seiner literarischen Beschreibung aller nur denkbaren sexuellen Akte, die der Erzähler mit seinem Schwanz Johnny Thursday erlebt, verboten wurde und erst Ende der 80er oder Anfang der 90er freigegeben wurde, worauf ich es sogleich im Buchhandel erstand. Es ist weder Millers bestes Werk noch sonderlich lesenswert oder literarisch spannend, es sind halt exzessive Fickgeschichten in jeder denkbaren Variante und doch würde ich dem Werk, nie seinen Kunstcharakter absprechen.

Finde Grenzen ohnehin fragwürdig und frage mich immer eher, wem sie nutzen und aus welcher beschränkten Sicht sie entspringen. Viel ist im weitesten Sinne religiös begründet und wurzelt in der aus dem Aberglauben gezogenen Moral, wie absurd diese auch immer sein mag.

Aus dem amerikanischen Protestantismus resultiert auch die Zensur bei Facebook, die Kinder vor Nacktheit verschonen will, sie aber nicht vor Gewalt verschont und radikalen Meinungen und Lügen.

Was schadet es einem Kind, das dem Schoß der Mutter entsprang, den Ursprung der Welt zu sehen, wie er eben aussieht oder Menschen beim ficken zuzusehen, was manche auch Kindermachen nennen, auch wenn das nur in den seltensten Fällen wirklich treffend ist?

Zensur ist immer Ausdruck von Dummheit und beschränkt den Horizont. Doch würde ich für die Propaganda der Islamisten, die zu Vergewaltigungen aufrufen oder ihre radikalen Sichten verbreiten, eine Ausnahme machen?

Dürfen die Lügen die Anhänger von AfD und Pegida und NPD massenhaft im Netz verbreiten, zensiert werden oder schadet jede Zensur der Demokratie?

Wenn einer die NS-Ideologie nun als Kunstwerk inszeniert, für das sich wieder Massen begeistern aus rein ästhetischen Gründen, gehörte solches Tun bestraft oder als Kunst durch die Kunstfreiheit geschützt?

Ist Zensur gegen das Böse und für das Gute zulässig und nötig in Zeiten des Internet?

Ist es dann eine Kunst, festzulegen, was gut und was böse ist?

Lehne jede Zensur und jede Beschränkung der Kunstfreiheit natürlich ab, doch manche Propaganda im Netz, die künstlerisch noch dazu gut gemacht ist, bereitet mir Sorgen, sollte hier partielle Zensur und strenges Strafrecht zur Verteidigung der Freiheit gelten?

Kann Freiheit je mit Gesetzen und Kunst mit mehr Unfreiheit verteidigt werden?

Ringe um Worte und versuche Abstand von meinen nur Meinungen zu finden und weiß doch, es gelingt mir kaum, ich bin auch Opfer meiner Ideologie, die andere in ihren gewohnten Schemen ablehnt, wie diese mich und bin dadurch auch vielfach blind.

Ist die Erkenntnis, immer irgendwo blind zu sein, das höchste, was wir erreichen können oder gibt es echte Toleranz gegenüber jeder Meinung, auch den Intoleranten?

Es gibt den berühmten Ausspruch, Toleranz den Toleranten und Intoleranz und notfalls Härte gegenüber den Intoleranten, der von einem eher konservativen ehemaligen Verfassungsrichter stammt. Danach war etwa der Umgang der Kölner Polizei mit den Nafris angemessen und richtig, zumindest erreichte er seinen Zweck und schützte dieses Jahr die Frauen, womit der Staat seine Aufgabe erfüllte. Doch wird darum dieser Spruch wahrer und besser, ist es richtig die Idioten idiotisch zu behandeln und sich also ebenfalls falsch zu  verhalten, nur weil das die Sprache ist, die sie am leichtesten verstehen?

In der Kunst bin ich für Toleranz auch gegenüber der Intoleranz mancher Künstler, die dennoch künstlerisch wertvolle Ideen umsetzen. Kunst ist ein Ventil und ein Filter für die Gedanken der Menschen, zugleich ist sie auch die Avantgarde, die vordenkt und damit den Geist lenkt und wer politisch führen will wird sie zu benutzen wissen.

Warum beurteile ich Kunst und Politik so unterschiedlich?

Michel Houellebecq ist einer, der geistig immer wieder unsere Grenzen erforscht und überschreitet. Er ist ein Franzose und Franzosen lesen ihn anders als viele Deutsche, die bei seinem letzten großen Roman, der nahezu zeitgleich mit dem Massaker in Paris erschien, überlegten, wie prophetisch er war und zwischen den Zeilen Beweise suchten, die dann die Fanatiker am rechten Rand noch stärkten.

Franzosen diskutieren diesen Autor anders, der in einer langen Tradition der Provokateure und Stars steht. Sicher gibt es auch die Fanatiker vom Front National, die stärker sind als der AfD hier je wurde, die aber selten Houellebecq diskutieren, weil sein Denken für einfache Populisten zu komplex ist, sie wissen, dass sie auf dem Glatteis, das der Denker und Autor auslegt, ausrutschen würden, einfache Formeln dort nicht greifen, weil es auf komplexe Fragen, keine einfachen Antworten gibt.

Die schlichten Geister des AfD dagegen, pressen alles in ihr Schema und lesen auch einen französischen Autor und Philosophen danach, wie es ihnen passt. Viele Deutsche mögen Menschen, die ihnen die Welt erklären und auf alles eine Antwort haben oder es besser wissen, damit sie dann folgen können und wissen, wo es lang geht, was sie von den Nachbarn im Westen unterscheidet und warum hier nach dem Krieg die Nutzung der NS Symbole verboten wurde, es erst einen Prozess der Demokratisierung und inneren Emanzipation brauchte, bevor damit tolerant und normal umgegangen werden konnte.

Frage mich manchmal, ob es sich dabei mit denen im Westen zu denen im Osten des Landes verhält, wie mit den Franzosen zu den Deutschen, aufgrund jeweils längerer demokratischer Tradition.

So gab es und gibt es hier eine gewisse Zensur, die historische Gründe hat. Dies erklärt auch warum es im politischen Kampf unter den Demokraten immer eine gewisse Zurückhaltung gab, sehen wir von der lächerlichen Stammtisch-Hoheit der CSU einmal ab, die sie immer noch behauptet und aus der mit dem AfD ausgebrochen wurde, der einer ganzen Gruppe gegenüber plötzlich Angst und Vorurteile predigte.

Bezeichnend ist im übrigen, dass der Vorwurf gegen Merkel, sie sei für die Toten vom Breitscheidplatz verantwortlich, von AfD und Wagenknecht aus der Linken kam, womit sich wieder zeigt, wie nah sich die Pole in ihren Extremen doch sind und dass beide Parteien Extremismus fördern und damit der Demokratie schaden, auch wenn die SED-Nachfolgepartei mit Oskar sich gerne links gibt und viele Künstler meinen, sie spräche ihre Sprache, ist sie eine im Kern undemokratische Organisation geblieben, die für Demokraten nicht koalitionsfähig sein sollte, warum sich die naive SPD damit ihr eigenes Grab schaufelte, in dem sie nur verlieren kann.

Kunst und links sehen viele konform, warum Künstler, die sich gegen diesen Kanon stellen, es immer schwer in den alten Netzwerken haben. Das ging Ernst Jünger so und Martin Mosebach und das ging vielen anderen bis heute ähnlich - darüber kritisch nachzudenken, könnte gut für die Demokratie sein und besser noch für die Kunst, die sich lieber häufiger hinterfragen sollte, statt so konservativ sich links aus Prinzip zu orientieren.

Es gibt auch eine rechte Kunstszene, von der Musik bis zur bildenden Kunst und Literatur, die lange einen radikalen Oppositionscharakter hatte und darum anziehend für viele  Jugendliche war und ist, besonders im Osten.

Wer die totalitär geprägte Kunst der DDR kennt, die sich von jener der NS-Zeit nur graduell leicht unterschied, wird sich wenig wundern, auf welch fruchtbaren Boden im Osten totalitäre Sprüche fallen, von ganz rechts oder ganz links, die sich beide inhaltlich so nahe sind und darum, wäre die Kunst ehrlich und frei, ihr fern liegen müsste. Aber die Kunst ist so bestechlich und käuflich wie alle Menschen, mit seltenen Ausnahmen, die sicher zu loben sind, aber doch oft genug am Existenzminimum nur irgendwie überlebend und dann für alle Gaben empfänglich und wes Geld ich hab, des Lied ich sing.

Die Kunst ist frei in der Bundesrepublik und in Europa. Sie war es nicht in der DDR, die noch dazu auch peinliche sozialistische Staatskunst auf unterstem Niveau betrieb. Warum scheinen vielen Künstlern diejenigen, die aus dieser Tradition der Unfreiheit kommen und stolz auf ihre Geschichte sind, Stasi-Mitarbeiter decken, als Garanten ihrer künstlerischen Freiheit?

Warum glauben Schauspieler und Maler dem Verein der alten Bonzen, nur weil er heute in der Opposition ist, mehr als den bewährten Demokraten?

Wie ist es um die Kunst in einem Staat bestellt, in dem die künstlerische Elite sich gern links gibt und dabei deren Totalitarismus übersieht?

Wird sich in der Ära Trump etwas entscheidend ändern und was erfahren wir von der Kunst aus Russland?

Wie sollte mit der populistischen Nutzung von Kunst und Kultur durch Linke eigentlich Radikale umgegangen werden?

Ist die Kunst noch frei, wenn sie einem Lager nahe steht und was könnte dagegen unternommen werden?

Ist Kunst nur frei, wenn sie unpolitisch ist oder ist sie natürlich politisch, wenn sie frei ist?

Denke ich an Deutschland bei der Nacht, schrieb Heine einst, denk ich an den großen Dichter aus jüdischer Familie, frage ich mich, was wäre er heute - ein Linker, der sich von den linken Radikalen bewusst fern hielt, auch ohne von seinem bösen Spott zu lassen?

Wo steht ein Martin Walser, der schlimmste antisemitische Klischees in der Paulskirche in seinem Ringen um Normalität aus Schuldgefühl wieder bediente und heute über seine Inkontinenz nur schreibt, real wie geistig?

War der SS-Mann Günter Grass, der sich erst sehr spät überhaupt erzählend an sein Leben erinnerte, der so gern das linke gute Gewissen als Vertriebener auch beschrieb, in Wirklichkeit in Rechter oder wusste er das selbst nicht mehr so genau?

Kommt es darauf an, wo ein Künstler wirklich steht, um seine Kunst zu beurteilen oder zeigt der Fall Grass, der immer mit moralischem Zeigefinger auch dichtete, die nur relative Gültigkeit aller Moral?

Hitler schätzte die Moderne und das Bauhaus von der Formgebung und vom Design, er mochte es schlicht, die Entwürfe von Speer waren durchaus modern.  Er hasste nur die Juden, die auch im Bauhaus, die Führung inne hatten und die von dort nach Buchenwald kamen vielfach. Doch wer denkt, der Führer genannte Diktator liebte Eiche rustikal und deutsche Gemütlichkeit, könnte völlig daneben liegen, wie auch die erotische Ästhetik einer Leni Riefenstahl zeigte. So wollte er die Frakturschrift ausmerzen lassen für klare moderne Lettern.

Die Kunstgeschichte und ihre Wirren, Moden und Wege, weist oft einen guten Weg auch durch die Geistesgeschichte des Menschen. Ihn sorgfältig zu betrachten, hilft besser, die Welt zu verstehen. Kunst spiegelt sehr viel und immer, wenn sie einseitig nur war, drohte Gefahr für das Gleichgewicht der Welt. Ob wir die großen Epochen nehmen, wie Mittelalter, Renaissance, Barock, Aufklärung, die Industrialisierung mit Biedermaier, Empire bis Jugendstil und als eine der letzten alles umfassenden das Bauhaus, als Aufbruch zur Moderne in der Kunst, die zwischen Funktionalität und Automatismus eine neue Rolle suchte - immer zeigt die Kunst sich als Spiegel und Avantgarde ihrer Zeit.

Darüber nachzudenken, was noch an einer Kunst dran sein kann, die staatlich alimentiert, die Nachlassverwalter eines vorgestrig, toten, totalitären Systems für ihre Vertreter halten, scheint gerade mal wieder sehr lohnend.

Wird die neue Kunst von rechts oder aus der Mitte kommen und ist, was die beamtisch alimentierten Theater noch an erwartbaren Provokationen hier produzieren, längst verwaltete Langeweile?

Wo lebt die Kunst und wann ist sie wirklich frei?

Was ist die Aufgabe der Kunst in einer Demokratie, die an ihren Rändern von Radikalen gefährdet wird?

Ist die Kunst in Deutschland längst zu Tode verwaltet worden und muss sie erst neu geboren werden, um wieder wirklich kreativ zu wirken?

Wirkte Kunst je ohne den Staat?

Was tun wir für die Freiheit der Kunst?

Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort geben will, die zu stellen mir aber wichtig zu sein scheint, beim Kampf um die Freiheit der Kunst und beim Ringen mit dem Begriff. Was weiß ich schon, möchte ich mal wieder mit Montaigne fragen, bin ich Künstler oder nur immer Laie, was machte micht dazu und warum eher nicht?
jens tuengerthal 5.1.2016

Mittwoch, 4. Januar 2017

Gretasophie 006a

006a Was ist schön

Was ist wirklich schön?

Oder fragte ich besser wer?

Wonach richtet sich das heute?

Im Zeitalter kosmetischer Chirurgie ist Schönheit ein machbarer Maßstab geworden. Was nicht gefällt, wird korrigiert und neu angelegt, bis es gefällt - so werden Brüste meist vergrößert, manchmal verkleinert, Nasen korrigiert, Ohren angelegt und Haare gewellt, wozu es selten eines Chirurgen bedarf, die Friseurlehre soll bei letzterem Eingriff meist genügen. Denke ich an Zonen-Gabi oder Vokuhila, fragte ich mich allerdings schon manchmal, ob nicht alle, die am Gesicht verändern, nicht einen Waffenschein bräuchten, wegen der Gefahr der Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Waren die Schlaghose oder Hüfthosen, die jede natürliche weibliche Symmetrie völlig zerstören, jemals schön oder sind sie einfach ein Trotz der Häßlichkeit, ein Schrei nach Freiheit durch bewusste Verunstaltung wider die Natur?

Hier werde ich gewiss großen Widerspruch von den tausenden Trägerinnen der unförmigen auf den Hüften sitzenden Hosen ernten, weil ich einfach keine Ahnung von Mode hätte. Werde darum lieber gleich gestehen, von Mode verstehe ich nichts, bin ein völliger Langweiler, kleide mich meist schwarz, mit Rolli und Jeans. Aber von weiblicher Schönheit und ihren natürlichen Formen verstehe ich was, bilde ich mir ein, zumindest habe ich da einen Geschmack, von dem ich überzeugt bin und der sich lieber an der Natur als an ihrer Verschiebung erfreut.

Was finde ich dabei noch ok und wo hört es für mich auf?

Silikonbrüste überschreiten bei mir die Grenze des tolerablen. Mehrfach live erlebt und berührt, gruselig, möchte ich nie wieder erleben, es sei denn, diese sind schlicht ein nötiges Holzbein. Der Busen kann für mich so klein sein, wie er will, alles ist schöner als unecht.

Lange Fingernägel finde ich auch eher peinlich und zu viel Schminke ohnehin immer eher entstellend als verschönernd. Mag Frau lieber, wie sie ist, als zu sehr aufgedonnert. Aber blasse ungeschminkte Öko-Mäuschen übersehe ich auch eher, denke ich und frage mich, ob es für mein Gefallen einen goldenen Schnitt gibt.

Was findet Frau umgekehrt schön - die letzte große  Liebe hasste Bart an mir, wie Bart überhaupt, wobei unklar blieb aus welchen vielleicht traumatischen Gründen. Andere, eher die Mehrheit, finden es steht mir und so passt sich die Faulheit nun gerne wieder ein wenig der Mode an, ohne zu wissen, was mich schöner macht oder wirklich schön ist. Es sprießt nach Lust und Laune.

Ist die gerade Bartmode eine Huldigung der ursprünglichen Männlichkeit, geht sie zurück zu den Wurzeln und gibt uns längst politisch korrekten Sitzpinklern den Anschein wilder Männlichkeit?

Wäre es so, könnte es als ein zurück zur Natur gesehen werden, dabei würde es doch dem sich kultiviert gebenden Großstädter viel besser stehen, wenn er zeigte, wie gut er sich auch im Gesicht pflegt - doch Frau funktioniert in vielem anders, zumindest, wenn es gerade so Mode ist und Mann will ja auch gefallen. Die Leidenschaft für mit oder ohne Bart hat nach meiner Erfahrung nichts mit der sexuellen Leidenschaft der Frauen, die das eine oder andere bevorzugen zu tun. Im Gegenteil liebte gerade die Bart am Mann am meisten, die eine meiner leidenschaftslosesten Liebhaberinnen war.

Interessant ist auch die Umkehrung der Behaarungsmoden im Verhältnis im Laufe der letzen 50 Jahre. Desto mehr wilden Bart trägt, desto kahler wurden die Frauen, bis sie heute teilweise als völlige Nacktschnecken durch die Betten schleimen, was eine zugegeben etwas bissige ästhetische Bewertung dieser in meinen Augen kranken Mode ist, die der Pädophilie ästhetischen Vorschub leistet.

Umgekehrt sind nicht alle Frauen, die schöne Unterwäsche oder bei jedem Wetter Strings tragen, zugleich leidenschaftliche Liebhaberinnen. Auch der Grad des eigenen Stylings gibt selten Auskunft über die eigene Bedürftigkeit in sexueller Hinsicht. So hat sich, was die Natur wohl zur Erhöhung der Attraktivität bei der Begattung erfand, inzwischen verselbständigt und Mann nimmt es so hin, wenn auch manchmal etwas verwirrt, ob der eigentlichen Absichten.

Sollen Männer überhaupt schön sein, frage ich mich und es scheint mir, als hätten wir verschiedene Maßstäbe zur Beurteilung je nach Geschlecht. Frauen sagen häufig, Männer sollten attraktiv und Frauen schön sein. Es käme mir auch seltsam vor, meinte eine Frau zu mir, zufällig verliebt, ich sei schön, was ich ihr vorm ersten mal vermutlich mehr als einmal versichert haben dürfte. Ganz abgesehen von dem objektiven Fehlurteil in diesem Fall, wäre das kaum der Maßstab, an dem ich gemessen werden wollte.

Der Maßstab dessen, was wir schön finden, unserer je sexuellen Orientierung entsprechend, unterscheidet sich also und doch gibt es Anblicke, bei denen sich eine große Mehrheit einig sein würden, dies sei schön. Von Michelangelos David bis zu vielen antiken Figuren und auch bestimmte Schauspieler oder Modelle findet eine Mehrheit attraktiv. Jedoch ist in der Schönheit nichts ohne Ausnahme.

Frage mich, wie authentisch diese ästhetische Bewertung dann noch ist. Gefällt es uns wirklich oder passen wir uns nur dem Empfinden der Mehrheit an?

Es gibt viele Theorien über den Goldenen Schnitt, unser Harmonie Empfinden und die kleine Abweichung, die eine sonst perfekte Schönheit erst wirklich schön macht. Gerade das Marketing, das bestmöglich Waren an die größte Menge verschachern will, möchte wissen, was die Mehrheit schön findet.

Teilweise wird unser ästhetisches Empfinden auch von der Werbung geleitet und verändert, damit wir schön finden, was uns vorher unattraktiv erschien oder nicht aufgefallen war. So relativiert sich der Begriff der Schönheit zwar im Urteil des einzelnen immer und doch gibt es diese Suche nach dem heiligen Gral der Schönheit.

Frage ich mich, wo ich frei empfinde und wo meine Meinung gelenkt ist, kann ich es nicht genau sagen, weil die Einflüsse, die zu meiner Ästhetik führten, so vielfältig sind. Von Geburt an, sind wir mit Dingen konfrontiert und finden sie mehr oder weniger schön, mögen sie oder nicht. Ist es noch das natürliche ästhetische Empfinden, das uns zu diesem oder jenen Kuscheltier greifen lässt oder liegt das schon mehr am Duft, den es, von wem auch immer trägt.

Eine Freundin von mir, hatte einen Teddy, den sie seit Kindertagen liebte und der sie immer ins Bett begleitete. Sobald sie vertraute, brachte sie ihn mit und er wohnte mit in unserem Bett, wurde zur Nacht geküsst und zugedeckt, wenn wir Sex hatten, damit er sich nicht erschrecke. Ohne ergründen zu wollen, was ein solches Verhalten über die Psyche einer Frau Ende vierzig verrät, fand es seltsam, aber was niemandem schadet, ist gut, solange es gefällt, könnte ich nach dem ästhetischen Maßstab fragen, der dieses Kuscheltier noch aus DDR-Zeiten so liebenswert für sie machte und käme wohl auf nichts als die reine Dauer der Beziehung, der diesen für sie zum besten Bären der Welt machte.

So ging es mir auch mit meinem Teddy, bis irgendwann die Frauen ihn ersetzten und ich es nicht mehr attraktiv fand, diesen im Bett zu haben, ohne ihn einzuschlafen lernte, ihn irgendwann ganz vergaß, er nun an mir gerade unbekannten Ort sein lebloses Dasein fristet. Habe ihn als Kind geliebt und innig mit ihm gekuschelt und geschmust, seine Pfötchen so intensiv immer wieder zwischen meinen Fingern geliebt, dass meine Mutter ihm mehrfach neue Lederkappen am Ende der Arme annähen musste, was meine Liebe nicht minderte.

Eine Liebe von mir hatte als Kind einen Unfall erlitten und hatte am Körper schlimme Verbrennungen erlitten, die ihre Haut unter dem Busen bis weit über die Schenkel, wenn ich mich richtig erinnere, im Stile von Niki Lauda entstellte. Als ich das zum ersten mal bei Tageslicht bewusst sah, erschrak ich und sie tat mir leid. Fragte mich, wie sehr sie wohl darunter litt. Später, in dem Maß in dem das Gefühl für sie zunahm, sah ich es überhaupt nicht mehr und fand ihr Lachen und ihre Augen, wenn sie glücklich war, so schön, dass sie mir attraktiver als all meine Modell-Freundinnen erschien. Sie ist für mich auch heute noch, mit mehr auch realem Abstand, eine wunderschöne Frau, fast scheint es, als würde der Makel der Narben ihre Schönheit für mich noch betonen.

Bezweifle, ob dieses oder irgendeines meiner ästhetischen Urteile dem Geschmack der Allgemeinheit oder einer Mehrheit genügte, was aber auch unwichtig für mich ist inzwischen. Gerade in der Pubertät war das noch anders. Da war mir das Urteil der anderen wichtig und ich gab mehr auf das, was die Mehrheit schön fand, weil ich ja auch dieser gefallen wollte, als ich zugab.

In meiner Punkphase hatte ich ein etwas anderes ästhetisches Empfinden. Da ging es darum mit dem Äußeren zu provozieren, sich hässlich zu machen und dennoch war diese Bewegung, der ich nie wirklich nahe kam, nur ein wenig mit Freunden mitschwamm, auch nur eine Mode, die streng ihren eigenen vermeintlich anarchischen Regeln folgte. Es ging um ein Auffallen mit Hässlichkeit und ein Schwimmen gegen den Strom, der aber intern wieder ein eigener Fluss mit eigenen Regeln war, die für alle galten, die dort anerkannt und geachtet werden wollten. Insofern glich der Punk allen Jugendbewegungen, die Wert auf Äußerlichkeiten legen und damit auffallen wollen, auch wenn sie sich gerne dabe noch ein spezielles Image der Aussteiger umhängten.

Es gab in meiner Stufe damals ein Mädchen, die sich zu der den Punks nahen anarchischen Skinhead-Bewegung hingezogen fühlte und sich entsprechend kleidete. Keine Rechte, sondern das Gegenteil, was du aber nur sahst, wenn du sie genau anschautest und den Code dieser Splittergruppe kanntest, der etwa an der Farbe der Schnürsenkel sichtbar wurde. Sie verkleidete sich denen ähnlich, die sie ablehnte und deren Ästhetik sie verurteilte, um für das Gegenteil mit ähnlichem Aussehen zu stehen. Weiß nicht mehr genau, wie sich diese Bewegung nannte und halte es auch für zu unwichtig, nach dem Namen zu suchen, erzähle nur davon, weil diese zarte junge Dame eigentlich wunderschön war. Ebenmäßige Züge, klare Augen, eine schlanke, zierliche Figur und dennoch irgendwie entstellt wirkte und ich lange brauchte, bis ich bemerkte, wie schön sie eigentlich ist.

Es entsprach eben nicht dem Muster, was wir als schön zu sehen, gewohnt sind. Kannte aus meiner Arbeit im Krankenhaus genug Frauen ohne Haare und wusste, wie schön diese dennoch sein konnten. Bei ihr war es anders, weil sie keine Patientin war, sondern eine von  uns, die nicht schön sein wollte und es dennoch war, aber viel tat, dieses unsichtbar zu machen, meinen beschränkt spießigen Geschmack, der vermutlich nur langweilig bürgerlichen Idealen seit Generationen genügen wollte, vor den Kopf stieß. Sie wurde später ein Kumpel und als ich sie Jahre später wieder sah, inzwischen sehr weiblich und mit Haaren zumindest auf dem Kopf, den Rest sah ich nicht, dachte ich, wie schade, dass ich damals diese schöne Frau in ihr nicht wahrnahm, weil ich vermutlich in zu konventionellen Schranken lebte.

Auch bei der Betrachtung von Kunst wandelte sich das ästhetische Empfinden bei mir. Um so mehr ich sah und wusste, desto mehr gefiel mir. Dennoch blieben Dürer und viele Werke des Impressionismus, die ich schon immer schön fand, auch ohne den Hauch einer Ahnung, für mich die Spitze der Schönheit. Aber manches wandelt sich auch wieder zurück. Eine Zeit fand ich Spitzweg und die Bilder der Romantik nur kitschig, spießig, den Inbegriff von kleinbürgerlicher Ästhetik, weil eben alle, die schick waren, darüber eher die Nase rümpften. Dabei fand ich sie als Kind großartig wie Wimmelbilder und betrachte sie heute mit anderen Augen wieder fast wie als Kind und freue mich einfach an dieser Art der Betrachtung.

Bemerke mit zunehmendem Alter Konstanten in meinem Geschmack und in dem, was mir gefällt. Die Mode der 70er und späten 60er fand ich als Kind schon schrecklich und finde es heute im Revival noch genauso, auch wenn ich mein orangenes Bonanzarad liebte. Fand schon immer den englischen Stil attraktiv, dezent ländlich. Ob im Wohnen, bei Autos, Mode oder für Frauen und so wie ich den Wind in den Weiden schon als Kinderbuch sehr liebte, ähnelt mein ästhetisches Empfinden immer noch sehr dem meiner Kindheit.

Frage ich mich, woher dieser Geschmack kommt, kann ich viele äußere Einflüsse genau benennen, vom Elternhaus und der Großmutter, den Werten, die sie vertraten und deren Zeit in England. Urlauben in der Kindheit dort. Eine meiner Ex-Verlobten, über die meine Tochter gleich urteilte, sie sei langweilig, habe ich für etwas wohl auch geliebt, was ich erst lange nach der Trennung entdeckte, als ich zum 90. Geburtstag der Queen mir Jugendbilder von Elisabeth II. ansah. Sie glichen sich geradezu unglaublich, stellte sich fest und überlegte lange, ob ich dieser nicht das Foto der Königin mit einem Kompliment schicken sollte, was dem nicht so schönen Ende eine gute Wendung gäbe, doch sah ich lieber davon ab, da die Queen nicht als das Ideal weiblicher Schönheit unbedingt gilt und ich nicht in das nächste Fettnäpfchen treten wollte. Welche Frau in den 40ern möchte schon mit einer gerade neunzigjährigen Lady verglichen werden?

Für mich adelte dieser Vergleich sie und bei allem, was mich an ihr störte oder langweilte, passte es doch und hatte sie, auch wenn sie das Besteck nicht richtig halten konnte und gerne Cluburlaub machte, etwas von einer Königin für mich, aber da ich das nicht vernünftig erklären konnte und sie nicht verletzen wollte, sah ich davon ab, ihr dies für sie vielleicht zweifelhafte Kompliment zu machen, auch wenn es von Herzen kam und auf eine gewisse Art auch tiefe Bewunderung ausdrückte.

Doch zeigt dies Beispiel wie unterschiedlich und sensibel ästhetisches Empfinden ist und wie, was ich als Kompliment mit gefühlter Liebe meine, von einer anderen als Kränkung wahrgenommen werden könnte, die nicht die Geschichten meiner Großmutter kennen, die als junge Frau mit der kleinen Elisabeth im Garten nebenan spielte und die Teil meiner Geschichte sind, meine ästhetische Wahrnehmung prägten. Dachte lange, ich hätte mich in die gemeinsame Weimarliebe bei uns verliebt, bis mir klar wurde, es war ihre Ähnlichkeit mit der jungen Elisabeth bei gleichzeitiger irgendwie Schüchternheit, die ich so attraktiv fand.

Liebe macht schön, denke ich und lasse mit liebenden Auge meine Lieben vor meinem inneren Auge flanieren und möchte keine bereuen, denn Liebe macht auch die Welt schöner und lässt dich das immer Chaos liebevoll genießen. Vielleicht führt die Betrachtung des liebenden Auges auch zum Begriff der Schönheit.

So ist meine Tochter sicher eine sehr attraktive, junge Frau aber mehr noch ist sie für mich die Schönste unter all ihren Klassenkameradinnen und Mädchen ihre Alters, scheint sie mir eine natürliche Schönheit und ich frage mich, ob ich da nur als verliebter Vater schaue oder diesem Urteil auch die objektivierbaren Anteile meiner sonst Erfahrung zugrunde liegen.

Wir sprechen vom Schönheitsempfinden und loben doch einen guten Geschmack, wenn sich eine Schönheit im allgemeinen Konsens bewegt. Ist also das Gefühl, als etwas höchst individuelles wichtiger für das, was schön ist, oder die Anpassung an den ästhetischen Konsens?

Manchmal fragten mich Freunde hinterher, was ich denn an der letzten gefunden hätte, die einen fanden diese zu fett, jene zu dünn, meinten die eine hätte einen zu großen Kopf, die andere einen zu kleinen Busen oder einen zu fetten Arsch - was eben so normative Maßstäbe sind, durch die jeder an irgendeinem Punkt immer fallen kann. Habe sie geliebt und fand sie darum wunderschön und wenn ich nun zurückschaue, mehr als drei später, kann ich sagen, ich finde noch jede meiner Lieben schön und möchte nichts bereuen, sondern mich immer daran freuen, im Licht der Liebe einfach schön zu finden und das zu genießen.

Der liebende Blick macht die Welt schöner und darum liebe ich so gern, weil es das Leben lustvoll schöner macht, so durch die Welt zu gehen. Einige werden nun einwenden, Verliebte schauten nur durch eine rosarote Brille, wären nicht zu einem objektiven Urteil fähig und verträumten das Leben. Und ich denke mir, natürlich tun sie das, darum scheint die Welt ja auch so schön und was wäre der Gewinn, es anders zu tun, vor allem aber, was soll überhaupt ein objektives Urteil in ästhetischen Fragen sein, das nur einen Durchschnitt normieren könnte und ich war noch nie gern durchschnittlich.

Es gibt wohl Bestandteile der Schönheit, in denen wir Menschen uns ähneln und die wir alle relativ attraktiv finden. Eine globalisierte Welt mit einem vereinheitlichten Geschmack rund um den Globus, macht dies noch einfacher. Auch da bestätigen die Ausnahmen wieder die Regel und lässt das Gefühl jede Abweichung liebend gern zu.

Der Kult der Fangirls um ihre Stars könnte auch zum ästhetischen Empfinden gezählt werden. Auch wenn dieser Wahn jedem Außenstehenden eher unverständlich ist, gibt die bloße Menge einen Anschein von Objektivität, so blöd oder häßlich der Betreffende nach klassischen Maßstäben auch gerade sein mag. Frage ich mich etwa, welche Maßstäbe eines Gentleman oder Ritters ein Typ wie Justin Bieber erfüllt, fiele mir nichts ein und auch seine Attraktivität scheint sich hauptsächlich der schamhaarlosen ersten Reihe in seinen Konzerten zu erschließen - in vielem ist der vorbestrafte Teeniestar das Gegenbild eines attraktiven Mannes oder was sich Väter für ihre Töchter wünschten, sehen wir von seinem dick gefüllten Bankkonto einmal ab und so liegt vielleicht gerade im Bruch mit der Tradition bei gleichzeitig totaler Konventionalität, die kein eigenes Denken erforderlich macht, dessen Attraktivität, mit der ich nie konkurrieren wollte.

Inwieweit es uns bei der Schönheit eigentlich nur um unsere natürlichen Triebe geht, die auf Begattung drängen und sich nach Liebe sehnen, scheint mir fraglich, insofern ja unser liebendes Auge auch eigentlich vielleicht unattraktive Kandidaten in Venus oder Adonis verwandeln können, damit wir voller Lust genießen.

Sobald ich eine Frau nicht mehr verliebt ansehe, bemerke ich die Grenzen ihrer Attraktivität und wenn ich diese in meiner Erinnerung zu vergleichen beginne, ist dies eigentlich nur Ausdruck dafür, dass sich das große Gefühl wohl erledigt hat, auch wenn es manchmal Jahre dauern kann, bis ich es merke. Erstaunlicherweise, passiert mir das sehr selten und auch die gedankliche Abschweifung beim Sex, die in vielen Beziehungen normal ist, vor allem, wenn sie länger dauern, war mir meist eher fremd, weil ich den Zauber genießen will, der aus dem Gefühl wachsen kann und habe mich darum oft länger noch an Beziehungen festgehalten, als vernünftig war.

Schönheit wird in unserem Alltag an ganz vielen Stellen normiert, vom goldenen Schnitt der DIN Blattformen, bis zu den Linien des Design, der Höhe unserer Häuser und der Form unserer Zimmer, der Möbel und Bilder in ihnen und am Ende ganz nah, von der Unterhose bis zu den Strümpfen. Wir empfinden das als harmonisch und sind es so gewohnt. Abweichungen irritieren uns.

Das Empfinden für Schönheit wird teilweise durch diese Normen und den langweiligen Durchschnitt beeinflusst und ragt doch in manchem wieder völlig aus diesen Fragen heraus. Dann folgt der Sinn für Schönheit ganz dem Gefühl und die wir lieben, scheinen uns die schönsten Menschen der Welt zu sein. Da es keine tauglichen Normen gibt und der Durchschnitt nur dem Marketing dient, habe ich beschlossen mein Gefühl als objektiviert zu betrachten und sage mir nun zurückgelehnt, was habe ich für ein tolles Leben gehabt, nur die schönsten Frauen der Welt geliebt und von mancher sogar geliebt und begehrt worden - schöner kann es nicht mehr werden, freue ich mich und denke, so gesehen hatte ich schon alles Schöne im Leben dank der wunderbaren Frauen, denen ich begegnen durfte und kann mich nun in Ruhe an der Erinnerung freuen und die schönste Tochter der Welt habe ich sowieso.

So verschwimmen in Fragen der Schönheit manchmal Zukunft und Vergangenheit zum schönsten Gefühl der Erinnerung in der Gegenwart, die sonst ohne Zeit immer ist.
jens tuengerthal 4.1.2017

Dienstag, 3. Januar 2017

Gretasophie 006

006 Über das Schöne und die Kunst

Was ist überhaupt Kunst?

Seit Beuys haben manche schon mal vom weiten Kunstbegriff gehört und denken an Fettecken und dessen Flugzeugabsturz im Krieg, den er nur in Fettdecken gewickelt überleben konnte, was zum Trauma wurde, dass er für alle sichtbar öffentlich als Kunst verarbeitete.

Doch nicht nur die bildende Kunst wandelte sich, auch Dichtung und Musik stießen im vergangenen Jahrhundert schon in neue Räume vor und unklar ist, wohin es geht und worauf es letztlich ankommt, als die zu füllenden Räume neu zu denken, um Gedanken in Bewegung zu setzen. Bin gespannt, was im Internetzeitalter, dessen Anfang noch in meine Lebzeit fiel, wie es zu Lebzeiten meiner Großmutter erst mit dem Automobil anfing, der neue Kunstbegriff wird und wie interaktiv virtuelle Kunst auch wird.

Wiki meint zum Begriff der Kunst:

Das Wort Kunst bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist. Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kultur­produkt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selbst sein. Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt. Künstler und Kunst genießen in Deutschland und vielen anderen Ländern Kunstfreiheit; diese ist in Deutschland ein durch Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz geschütztes Grundrecht. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Kunst, die sich als Gegensatz zur Natur auf alle Produkte menschlicher Tätigkeit beziehen konnte, hat sich zwar erhalten (wie z. B. in Kunststoff). Jedoch versteht man seit der Aufklärung unter Kunst vor allem die Ausdrucksformen der Schönen Künste.  Diese und die Techniken der Kunst haben sich seit Beginn der Moderne stark erweitert, so mit der Fotografie in der bildenden Kunst oder mit der Etablierung des Comics als Verbindung bildender Kunst mit der Narrativität der Literatur. Bei den Darstellenden Künsten, Musik und Literatur lassen sich heute auch Ausdrucksformen der Neuen Medien wie Hörfunk, Fernsehen, Werbung und Internet hinzuzählen. Die klassische Einteilung verliert spätestens seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Kunstgattungen wie die Installation oder der Bereich der Medienkunst kennen die klassische Grundeinteilung nicht mehr.

Hier gibt es schon manches, über das sich trefflich streiten ließe, obwohl es nur eine relativ verbindliche Lexikondefinition ist. So etwa die Funktionalität, die in keinem Widerspruch zur Kunst stehen muss, wie uns das Bauhaus aufs schönste bewiesen hat.

Ob Kunst immer Produkt eines menschlichen kreativen Prozesses sein muss oder auch von Robotern produziert werden kann, wird zukünftig eine spannende Frage sein. Warum sollten der Kunst Grenzen gezogen werden, frage ich mich eher und mit dem Marquis de Sade, ob nicht lieber alles gut ist, was gefällt.

Das Gefallen könnte wieder ein Angriffspunkt sein, indem das nur ästhetische Empfinden als Angriffspunkt missbraucht wird, weil Kunst nicht gefallen muss, um welche zu sein und den Schutz des Grundgesetzes genießen soll. Im Gegenteil, sie ja provozieren soll, um zu neuem anzuregen.

Die Kunst im Gegensatz zur Natur zu sehen, führt auch nur zu einer unvollständigen Betrachtung, da viele Kunst auch gerade die Natur nutzt, um sich in sie einzupassen oder mit ihr zu wachsen. Auch die klassische Einteilung der Kunst in bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst hat mit Anbruch der Moderne keine Gültigkeit mehr. Es mischen sich alle Bereiche und Kunst kann alles sein, was künstlerisch gedacht ist, auch das Gefallen spielt dabei keine Rolle mehr.

Das Schöne spielt bei uns dennoch bei der Betrachtung eine Rolle und es gibt dazu unendlich viele ästhetische Theorien, die ich inzwischen alle für weitgehend müßig halte, weil schön für mich ist, was mir gefällt und es dafür keinen normierbaren Maßstab gibt, sowenig wie für irgendjemand anders, es nur einen gewissen Durchschnitt gibt, den Strategen des Marketing aus durchsichtigen Gründen für relevant halten.

Zwar haben es bestimmte Dinge oder Personen leichter, von uns schön gefunden zu werden, doch auch wenn ich die größten und anerkanntesten Künstler bei mir hängen hätte, wären für mich immer die mit Liebe gemalten Bilder meiner Tochter die schönsten von allen, weil sie mir am nächsten kommen und vielleicht auch weil sie auch ein Teil von mir war, bevor sie ihr eigener Mensch wurde. Aber auch das ist nur eine bloße These zu meinem Geschmack diesbezüglich, die keinerlei Anspruch auf allgemeine Verbindlichkeit erhebt.

Manche sagen über moderne Kunst, dass sei doch alles nichts mehr, nur die alten Meister hätten es gekonnt. Mag die alten Meister und vieles gefällt mir besser, als das was zeitgenössische Künstler produzieren, aber auch das nicht immer, sondern manchmal finde ich gerade zeitgenössische Werke großartiger als alles zuvor. Doch kann ich nicht sagen, ob dieses Urteil auf der Tatsache fußt, weil ich beim Betrachten gerade in dieser oder jener Laune bin und was alles mein Urteil an diesem oder jenen Tag ausmacht.

Der Kunstmarkt, der mehr Berechenbarkeit wünscht, hat gewisse Kriterien entwickelt, um wertvolle von weniger wertvoller Kunst unterscheiden zu können. Dies ist ein Bedürfnis des Marktes und hat nichts mit Ästhetik zu tun, noch mit dem, was ich als schön empfinde. Hohe Preise überzeugen mich nicht davon, ein Stück haben zu müssen, außer ich will damit handeln. Dennoch wird unser Empfinden für Schönheit auch von diesem Markt und dem, was er weitergibt, geprägt. Stärker noch als in der Kunst, merken wir das beim Design im Alltag - vom Autoscheinwerfer bis zur Zahnbürste, kann vieles gutes Design haben oder eben nicht und gefallen oder missfallen.

Ist jedes Objekt, das wir als schön empfinden, darum ein Kunstwerk und ist eines, was wir hässlich finden, darum keines?

Mag meine schwarzen Billy-Regale, die in Millionen Haushalten stehen und einfach schlicht und funktional sind. Sie sind für mich, klassische Schönheiten und als Bibliothek, also mit den richtigen Büchern ein Kunstwerk für sich für mich. Doch schon bei der Frage nach den richtigen Büchern würde die ästhetische Debatte über das, was schön ist, beginnen. Ginge es bei den Büchern mehr um die Ästhetik  ihrer Rücken, hätte eine schöne Bibliothek nur gebundene Bände, sollten sie alle einheitlich gebunden sein oder macht es gerade die Vielfalt erst schön und wie viel wichtiger ist bei Büchern der unsichtbare Inhalt auch für unser ästhetisches Empfinden - so liebe ich manche alte zerlesene Ausgabe, auch um der langen Leseerinnerung mit ihr.

Habe neulich bestimmte Bilder neu gerahmt oder überhaupt erst gerahmt und sie scheinen mir plötzlich viel schöner und wertvoller als zuvor nur an die Wand gepinnt. Ist der Wert einer Sache überhaupt ein Maßstab für Kunst oder nicht und ist darum die Art der Präsentation auch Teil der Kunstwerke, sind diese es eben auch erst durch Hängung oder Rahmung?

Wäre es so, käme dem Kunstmarkt und seinem Marketing auch für unser ästhetisches Empfinden mehr Bedeutung zu. Steht der Rahmenmacher dann für die Wertigkeit eines Kunstwerks gleichbereichtigt neben dem Künstler?

Schon die Frage scheint uns absurd. der Künstler ist ja der Kreative, der andere präsentiert oder rahmt ersteren nur. Wer Kunst ausstellt oder präsentiert, arbeitet für die Kunst und schafft diese nicht, auch wenn die Grenzen manchmal fließen.

Betrachte ich manche Werke, die Andy Warhol  in seiner Factory machte oder machen ließ, die ja ganz bewusst mit der Reproduzierbarkeit im Zeitalter der Automatismen spielte, könnte ich mich sehr wohl fragen, ob die von ihm oder egal wem bepinkelte Kupferplatte, deren Entwicklung dem Zufall und der Natur überlassen wurde, das größere Kunstwerk ist oder die Fähigkeit diese als solche zu verkaufen und repräsentativ zu hängen. Kann es nicht ganz klar beantworten, weiß natürlich, dass der Prozess des Pinkelns der kreative Akt ist, auf den die chemische Reaktion folgt, die das fertige Kunstwerk entstehen lässt. Aber war nicht doch der kreative Akt vorher im Kopf Warhols, auf die Idee zu kommen, da pinkeln an sich noch keine Kunst ist, oder doch nur kommt es eben darauf an, wer es wo tut?

Über das Schöne und die Kunst zu schreiben, scheint schwerer, wenn wir Grenzen suchen, um zu verstehen, was es ist, als wenn wir von der Schönheit schwärmen. Meine liebsten Kunstwerke schwärmerisch hier zu beschreiben, fiele mir leicht, denke ich und frage mich doch dabei schon, welche es eigentlich wären und warum. Es wären einige alte Meister, natürlich auch Werke meiner Tochter, manche Impressionisten, einige der klassischen Moderne und dann auch der eine oder andere Zeitgenossen und es schwankt, was mir dazu einfiele, je nach Stimmung und dem, was ich gerade lese oder womit ich mich beschäftige. Müsste ich mich auf einen Künstler festlegen, außer meiner Tochter, bei der auch noch andere als nur ästhetische Kriterien bei meiner Wahl festlegen, was also mein Lieblingsbild ist, wüsste ich es nicht oder nur einen Moment lang, weil mir so viele ganz spontan einfallen - von Dürer zu Liebermann, Vermeer, Rembrandt, Max Ernst, Monet, Sisley, Büsen - um nur die ersten zu nennen, die meinem zugegeben schwachen Gedächtnis ganz spontan einfallen.

In der Literatur kämen nach Lukrez mit seinem de rerum, Thomas Mann mit dem Zauberberg und den Buddenbrooks, sodann Goethe mit vielem, Tolstoi, Fontane, Franz Hessel Montaigne nicht zu vergessen, um nur einige zu nennen, die mir zufällig am nächsten gerade lagen.

Verschiedenheit und Vielfalt der Künstler zeigen nicht nur meine Schizophrenie, von der ich noch nichts weiß, aber die vermutlich auch nicht ausgeschlossen werden kann, wer ist sich seines Wahnsinns schon sicher, als von  der Vielfalt der Kunst, die sich nicht auf einen reduzieren lässt.

Nähme ich nur die Gemäldegalerie in Berlin, fiele es mir schwer, ein Bild als das schönste zu benennen und ganz spontan geistern ganz viele vor meinem inneren Auge, von der Madonna mit dem Zeisig, zu dem Mädchen mit dem Perlenohrring, den Schönheiten der Renaissance, dem Jungbrunnen - es werden beim Nachdenken immer mehr und manchmal auch nur Ausschnitte, wie Rembrands himmelblau in der Entführung und ich finde, die Beschränkung als Ziel eher lästig - warum sollte ich eines auswählen, wenn die Werke so verschieden sind, wie die Menschen, die sie malten und die Zeiten, in denen sie lebten?

Die Expressionisten sind mir meist eher fern, doch auch da gibt es Ausnahmen, die mich verzaubern und umgekehrt geht mir beim Licht der Impressionisten das Herz auf, aber manche finde ich auch schlicht nur langweilig und nichtssagend. Ein Liebermann rührt mich nahezu immer, ohne zu wissen, warum ich mich ihm so nah fühle, besonders am Meer.

Liebe es durch Museen oder Galerien zu flanieren, um die Bilder und auch die Menschen, die Bilder betrachten, anzusehen. Finde, der Gang ins Museum hat etwas sinnliches und kann die Zeit anhalten. Sich im Museum verlieben oder in hingebungsvoller Betrachtung sich zu entdecken, stelle ich mir traumhaft vor, auch wenn es mir trotz häufiger Museumsbesuche bisher erst relativ selten gelang und nicht immer gut endete, was aber nie am Museum lag und eine andere Geschichte wäre.

Die Betrachtung von Kunst macht mich ruhig und meist glücklich. Manchmal denke ich mir Geschichten zu den Bildern aus. Mal, wie es im nächsten Moment weitergehen könnte, dann, was Künstler und Modell vielleicht verband, schließlich auch aus dem Bild zum historischen Hintergrund und am Ende lasse ich manchmal einfach die Phantasie sinnlich oder konkret spielen. Nichts schenkt mir mehr Wohlgefühl, als Kunst zu betrachten, sehe ich mal vom Lesen ab und so empfinde ich den Besuch im Museum einfach als Genuss, einen Weg, meine Lust zu mehren, auf die es ja nach Epikur im Leben entscheidend ankommt.

Gleiches gilt für die Lektüre eines guten und schönen Buches oder beim Lauschen eines schönen Konzertes. Kunst kann glücklich machen unabhängig von anderen Menschen dabei, weil wir es genießen, sie wahrzunehmen oder durch sie zum Denken gebracht zu werden. So könnte ich über die Werke von Otto Dix, trotz überragender altmeisterlicher Technik, selten sagen, sie seien schön und dennoch bewegen sie mich als Kunst. Wie etwa auch Käthe Kollwitz oder Barlach und das zu genießen, ist schon an sich schön genug, was mehr, sollten wir uns wünschen?

Die Kinderbücher von Erich Kästner habe ich geliebt und gefürchtet, weil sie so entsetzlich traurig machten, Verzweiflung, die ich so sehr nachempfinden konnte, den richtigen Ton traf, mich betroffen machte. Vielleicht ist es genau große Kunst, zwiespältig auch zu bewegen.

Früher fand ich die Altäre von Riemenschneider relativ langweilig, irgendwann begannen sie, mich zu fesseln - nicht um des religiösen Aberglaubens dahinter, sondern wie unglaublich stark er das Material nutzte, um menschliches darzustellen, was immer an den dramatischen Gerüchten um seine Biografie wahr ist oder nicht.

Klimt fand ich immer irgendwie erotisch reizvoll aber sonst eher goldig und bei Dali faszinierten mich eher seine kleinen Zeichnungen und Gelegenheitswerke, als das, was die Massen begeisterte, ihn zum Hit machte und Max Ernst kam mir erst durch eine Biografie seines Sohnes Jimmy wirklich nah und so vermischen sich manchmal die Gebiete der Kunst, auch wenn sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben, öffnet die Liebe zur Literatur den Blick für die Kunst und manchmal auch umgekehrt oder Thomas Manns Doktor Faustus, der mich neugierig auf Schönberg machte, wenn ich auch zugeben muss, dass sich meine Begeisterung als gänzlich unmusikalischer Mensch bei beiden Werken in überschaubaren Grenzen hielt. Dagegen führte mir Rameau mit einem Tanz für Klavier die Feder bei meinen Sonetten, die ich Mitte der 90er völlig verliebt und halb verloren dabei schrieb, noch von dem Glauben besessen, eine Frau zu erringen, sei das höchste Glück auf Erden und die Liebe wie ihr Vollzug die Erfüllung der schönsten Träume.

Diese Illusion hielt sich bis über vierzig noch und doch stellte ich irgendwann fest, dass die Betrachtung von Kunst oder die Lektüre guter Bücher wesentlich reizvoller sein kann als nur Sex. Vor allem ist das was an Zufriedenheit jenseits der Millisekunden des Höhepunkts davon bleibt in der Kunstbetrachtung, dem Lesen oder Lauschen meist viel nachhaltiger als vieler Sex, der eher spurlos verweht, auch wenn er immer wieder als das intensivste Erlebnis uns scheint. Schreibe übrigens nur mal wieder über Sex beim Thema Kunst, weil die beiden sich nahe sind und im Kern gleichen, geht es doch je um einen originären Zeugungsakt dabei.

Ein Freund von mir, der ein begnadeter Künstler ist - seine Einstrichzeichnungen sind mehr als genial und seine Ölbilder von einer Kraft, dass ich noch um Worte ringe, sie treffend zu beschreiben - wünschte ihm, er wäre so erfolgreich, wie es seinem Genie entspricht und denke zugleich, wer weiß, ob er noch so gut wäre, wenn seine oft spontanen Zeichnungen im sechs bis siebenstelligen Bereich gehandelt würden, was sie mehr als wert wären in meinen Augen, was interessant über den Wert von Kunst nun debattieren ließe - erzählte mir, als wir von Frauen sprachen, dafür hätte er keine Zeit, er lebe für seine Kunst und wolle nichts sonst. Konnte ich mir damals, obwohl ein wenig älter als er, nicht vorstellen und doch kommt mir schreibend der Gedanke langsam immer näher, so sehr ich Sex liebe und ihn auch vermisse - möchte ich doch zu gern nur für meine Kunst und meine Worte leben in der wenigen Zeit, die mir gegeben ist.

So wurde mir die Kunst mit der Zeit nun wichtiger als Sex. Ob das eine Frage des Alters und der damit einhergehenden Folgen ist, weiß ich nicht, da mir von den Folgen noch nichts bekannt ist, sich nur im Kopf die Gewichtung änderte, vielleicht auch um der eigenen Kunst, mehr Wert zu geben.

Eine Liebe von mir, erzählte mir einmal, sie hätte lange nur für ihre Kunst gelebt und für eine Liebe wäre da kein Platz gewesen. Konnte mir das anfangs auch nicht vorstellen, wo doch der Gedanke an Liebe und Lust mir immer alles zu verdrängen schien, ich verliebt oder geil am kreativsten war, wie ich dachte und doch, mittlerweile, verstehe ich, was sie meinte, es kann im Leben wichtigeres geben und die Kunst kann es sein, auf egal welchem Weg wir uns ihr widmen.

War ich nur ein Dilettant solange ich der Lust stets den Vorzug gab, wenn sich Gelegenheit bot auf den Spuren Casanovas oder ist die Liebe auch eine Kunst für sich?

Weiß nicht, ob ich weniger Dilettant je sein werde, nur weil ich mal der Wortkunst den Vorrang vor der Liebeskunst gebe - aber es scheint mir, als fordere Kunst, wenn wir sie leben wollen, uns ganz und Casanova schrieb auch erst als alter Mann, vereinsamt auf Schloss Dux, auf dem ihm ein Freund und Gönner Asyl bot und die Dienerschaft ihn angeblich quälte, was immer daran wahre Geschichte und was Erzählung ist.

Doch ist die Kunst der Liebe immer wieder auch Quelle großer Kunst gewesen, auch bei Paaren, etwa Henry Miller und Anais Nin, Goethe und Charlotte, die den Werther ihn unglücklich gebären ließ - allerdings auch erst, als er es hinter sich hatte, war mehr Faustina oder Christiane Muse der Elegien, fragt sich der Leser dieser feinsinnigen Erotik und so befruchtete sich wohl manches Paar auch in der Kunst.

Die Kunst der Liebe ist ein Thema, dem viele schlechte und schwülstige Werke, manche auch jenseits des Randes der Pornographie, gewidmet sind. Dem will ich kein weiteres hinzugesellen nicht so sehr mangels Sachkenntnis sondern vielmehr weil es bereits Thema war und ich die Behandlung des natürlichen Trieblebens als Kunst nicht wirklich weiterführend bei der Betrachtung dieser finde. Im übrigen ist Kunst eine Lust an und für sich und die Liebe nur eine Methode dabei, warum es wenig Grund gibt, sich bei der Kunst noch einmal in die Details der Liebeskunst zu verirren oder zu suggerieren, ich hätte Ahnung davon.

In den folgenden Essays soll es dann ein wenig um die Schönheit, den Kunstbegriff und warum machen so wichtig ist gehen, warum ich hier nun lieber aufhöre, um mich nicht auch noch ständig zu wiederholen. Wer Lust auf Kunst hat, sollte sie genießen.
jens tuengerthal 3.1.2016