Montag, 2. Januar 2017

Gretasophie 005e

005e Zeitkompass

Wie finde ich mich in der Zeit zurecht?

Ein riesiger Urwald an Zahlen erwartet den, der sich mit Geschichte beschäftigt. Von der Steinzeit bis in die Gegenwart tauchen Ereignisse auf und wieder unter - da fragt sich der Betrachter, was zählt überhaupt und was kann ich wieder vergessen, ohne die Orientierung zu verlieren.

Unsere Zeitrechnung ist nach Jesus Geburt ausgerichtet, die als Jahr 0 festgelegt wurde, was immer diese spätere Zeitsetzung mit der Sekte des abtrünnigen Rabbi und seinem Leben noch zu tun hatte. Aus den Berichten seiner Evangelisten wissen wir, es war zu der Zeit als Augustus Kaiser in Rom und Herodes König in Judäa war, der römischen Provinz.

So geschah die Wende der Zeit, nach der wir bis heute rechnen unter der Herrschaft des wichtigsten römischen Kaisers, der auf Julius Cäsar folgte, an dessen Namen schon im Wort Kaiser erinnert wird.

Diese Zeitrechnung ist willkürlich und eine nach fortschreitender Kenntnis der Astronomie erfolgte Zählung. Heute haben wir den gregorianischen Kalender, nach Papst Gregor XIII., der Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt wurde. Er löste den julianischen Kalender ab, der von Julius Cäsar, dem Vorfahren jenes Augustus eingeführt wurde etwa um 47 vor unserer Zeitrechnung. Dieser hatte im hellenisch, also griechisch geprägten Alexandria den Kalender mit Schalttagen kennengelernt und im römischen Reich eingeführt. Dieser galt bis teilweise ins 20. Jahrhundert auch noch in allen orthodoxen Teilen Europas, da diese von der Ostkirche geprägt und keinen Papst anerkennend, nicht den exakteren gregorianischen einführen wollten.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war aufgrund der Ungenauigkeit des julianischen Kalenders die Differenz bereits auf 16 Tage angewachsen, was auch erklärt, warum die Russen eine Oktoberrevolution feierten, die eigentlich im November doch stattfand, nach der genaueren gregorianischen Rechnung. Dennoch wurde der Begriff Oktoberrevolution Sitte und bis heute beibehalten.

Die Art wie wir zählen und ob wir dies einheitlich tun, ist also schon wichtig für die Betrachtung der Zeit. Kleine Verschiebungen, wie die Schalttage alle vier Jahre, die auch irgendwann wieder ausfallen, weil der Lauf der Erde um die Sonne eben nicht ganz glatt ist, sondern mit geringen Abweichungen immer, wirken sich in Jahrhunderten oder Jahrtausenden schnell wochenweise aus und verschieben die Zeit völlig.

Richteten wir die Zeit noch nach der Natur, hätten wir im Winter eine völlig andere Zeit als im Sommer und verschöbe sich der Mittag nach dem Stand der Sonne oder die Nacht nach ihrem Untergang schon in Europa um viele Stunden, was bei internationalen Geschäften und Terminen von großer Bedeutung ist.

Als ich mit dem Zug von Vancouver nach Toronto fuhr, durchquerten wir mehrere Zeitzonen und mussten dann an der Uhr drehen, um wieder die richtige Zeit auch für das Essen im Salon zu haben, auch wenn die Grenze willkürlich erscheint und gezogen, gibt sie doch relativ exakt die Lichtverhältnisse wieder, die sich aber auch nicht nach klaren Grenzlinien verschieben sondern über weite Flächen.

In Jules Vernes Roman in 80 Tagen um die Welt aus dem Jahr 1873, gewinnt der englische Gentleman Phileas Fogg seine Wette in eben 80 Tagen um die Welt reisen zu können, auch wenn er nach seiner Zählung die Zeit um 5 Minuten überschritt und meinte verloren zu haben, weil er gen Osten reiste und dabei die Datumsgrenze überschritt, einen Tag eher kam, als er berechnet hatte und London trotz aller wilden Abenteuer unterwegs pünktlich erreichte. Heraus kommt dieser Irrtum erst, als er seinen Diener Passepartout, der ihn auch auf der ganzen Reise begleitete, zum Pfarrer schickt, um die Hochzeit mit der in Indien noch vom Scheiterhaufen geretteten Schönheit anzumelden, die ihm, der glaubte sein ganzes Vermögen verloren zu haben, dessen eine Hälfte er verwettet hatte, ihre Liebe gestand. Dort erfuhr der Diener, dass noch Samstag und nicht Sonntag sei und so hat der Gentleman seine Wette doch gewonnen und sein Vermögen, das er zur Hälfte für die Reise verbrauchte, wieder im Club gewonnen.

Hier war die Zeit der entscheidende Faktor über Sieg oder Verlust und wäre Phileas Fogg gen Westen gereist, hätte er die Wette wohl verloren, so aber überlistete er die Zeit auf dem östlichen Weg um den Globus und merkte es selbst nicht, gerade weil er als korrekter Gentleman jeden Tag Tagebuch führte und damit richtig gezählt hatte. Was uns schon zu einer Zeit einen Hinweis auf die Relativität der Zeit gab, zu der wir nicht ahnten, was Einstein erst 30 Jahre später erstmals berechnen konnte und woran die Physik bis heute zu knabbern hat.

Natürlich ging es bei Einstein oder später beim Welle-Teilchen-Dualismus und der Quantenrelativität um ganz andere Fragen als die Datumsgrenze und die zufällige Zeitzählung und ihre Festlegung entsprechend der Uhrzeit in Greenwich, mit der Britannien den Standard für die Welt auch mit ihren Weltumseglern, wie Cook und Drake setzte.

Will auch gar nicht vorgeben, ich verstünde etwas von Teilchenphysik und dem Verhalten der Teilchen oder Wellen auf subatomarer Eben oder könnte gar Einsteins e=mc² herleiten, es nur wirklich begreifen. Nichts dergleichen und bin froh, wenn ich Goethe lesen kann, der das Problem viel schöner in meinen Augen mit seinem, oh Augenblick du bist so wunderschön - verweile doch, ausdrückte.

Wie immer wir nach unseren je geistigen Kapazitäten die Sache auch ausdrücken, scheint den Fragen gemein zu sein, dass die Zeit eine relative Größe immer ist und von der Bewegung dessen, der sie misst auch abhängig zu sein.

Wenn aber alles relativ ist und vom Standpunkt des Beobachters abhängt, wird es scheinbar noch schwerer, sich ein taugliches Gerüst für alle Zeiten zu bauen, mit dem zwischen ihnen gesurft werden kann.

Der Angelpunkt unserer Zeitmessung, das behauptete Geburtsjahr des Sektengründers aus Nazareth, scheint uns ein absolutes Maß, solange wir nicht weiter vor diese zurückgehen, als wir jetzt sind. Doch schauen wir uns Höhhlemalereien, die bis zu 30.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden und frühe kulturelle Betätigung des Menschen zumindest belegen, was immer auch sonst in sie gedeutet werden mag, mit mehr oder weniger gewagten Hypothesen, verschiebt sich dieser angebliche Wendepunkt als eine kleine Randerscheinung weit nach hinten.

Gemessen am Alter des Universums oder der Entfernung mancher Sterne, die wir noch leuchten sehen, auch wenn sie schon vor Millionen Jahren erloschen sind, scheint unsere zeitliche Existenz ein kleiner kaum messbarer Witz ganz am Rand und nicht das Zentrum oder der Höhepunkt der Schöpfung. Schauten wir von bestimmten Planeten auf die Erde, würden wir jetzt Dinosaurier hier sehen, die uns aufgrund der Dauer, die das Licht dorthin braucht, gegenwärtig erschienen.

Weiß nicht woher noch wohin, mich wundert nur, wie glücklich ich bin, schrieb der Dombaumeister Martinus von Biberach angeblich auf einen Buchdeckel, doch wird die Autorenschaft des 1498 in Biberach bei Heilbronn verstorbenen Handwerkers heute bezweifelt, Einige ordnen ihn Kaiser Maximilian I. zu, dem letzten Ritter und Opa von Karl V., andere berichten von weit früheren Klostermalereien. Im Original lautete er:

Ich leb und waiß nit wie lang,
ich stirb und waiß nit wann,
ich far und waiß nit wahin,
mich wundert das ich [so] frölich bin.

Auch die wesentlich ältere Zuschreibung an Walther von der Vogelweide wird heute bestritten. Es ist nicht ganz klar, wo die Weisheit herkommt, die für einen Teil christliche Frömmigkeit ausdrückte, während andere, wie etwa Luther, der sich auch einmal auf die Weisheit bezog, sie ausdrücklich ablehnten, weil gute Christen sehr wohl wüssten, woher sie stammten und wohin sie gingen, was mir die frommen Welterklärer noch unsympathischer machte, als genüge Bruder Martins ekelhafter Antisemitismus nicht schon dazu, ihn, aller Jubiläen zum Trotz, heute lieber zu ignorieren. In manchem drückt sich darin auch der Geist des von den Christen verfemten Epikur und besonders Lukrez aus, der zur Zeit Luthers und des Martinus von Biberach zumindest schon wieder im Umlauf unter einigen Intellektuellen mehr in Italien war.

Trotz ungeklärter Herkunft und unbekannten Alters oder vielleicht auch wegen, ist dieser Spruch ein guter Maßstab für das Wie in der relativen Zeit, denn es scheint weniger wichtig,  was ist, als wie wir uns dazu stellen.

In der Geschichte hängt, wie im Leben eben chaostheoretisch auch, alles mit allem zusammen und so entscheidet eben auch unsere Haltung dazu über unsere Orientierung. Wer der schon erwähnten Zeitachse folgt, hat einen schlichten linearen Rahmen im Kopf, der bei der Orientierung hilft. Doch so wenig Leben immer linear verläuft, so wenig passt dieser blind überall hin, sondern ist nur der Rahmen grober Orientierung.

Vieles verläuft auch kreisförmig oder chaotisch im Leben, wie es uns scheint, dass die Alten den Babys wieder ähnlicher werden und jede Generation irgendwie von ihren Kindern in irgendwas überholt wird. Dennoch hilft eine Zeitachse, die nur einer behaupteten Realität entspricht, sich in der eigenen Beschränkung zu orientieren.

Ereignisse beeinflussen sich wechselseitig, warum ein innerer Kompass, der sich nach der Zeit ausrichtet, in der wir uns gerade befinden, am besten passt. Wagen wir die Expedition durch die Zeit und orientieren wir uns dabei ruhig am schlichten Zeiger, der nur sagt, wo Norden ist, wie ein simpler Zeitstrahl, auch wenn dieser nichts über die Relativität der Zeit sagt, noch vom verweilenden Augenblick aus dem Sturm und Drang schwärmt. Es ist gut, eine einfache und lineare Orientierung sich im Chaos der Zeiten, die auch ineinandergreifen, zu stricken.

Warum es sich nicht einfach machen, wenn möglich, um zu verstehen, was um uns ist und vor uns war, wenn es hilft und funktioniert?

Weiß nicht, ob diese Krücke, die weniger der Realität als meinem beschränkten Vorstellungsvermögen entspricht, für jeden geeignet ist, mir zumindest in meiner Einfalt, war sie immer eine gute Orientierung. Es mag sein, dass die Zeit relativ ist und nichts wirklich linear - doch kann ich die gebogene Zeit kaum denken, geschweige denn klug darüber schreiben, warum ich lieber die einfachen Muster zur Hand nehme, die meinen Vorstellungen von Zeit am ehesten entsprechen, damit ich weniger dumm erscheinen kann, als ich es vermutlich bin, was zwar auch eine Krücke und eine Täuschung ist, aber wenn, dann zumindest eine, die mein Wohlbefinden mehrt und wie wirklich ist schon die Wirklichkeit im Lauf der Zeit und was hilft, ist gut, sagte mein Vater immer.
jens tuengerthal 2.1.2016

Sonntag, 1. Januar 2017

Gretasophie 005d

005d Sittengeschichte

Die Sittengeschichte beschäftigt sich mit den Sitten und Bräuchen der Völker, wurde oft genutzt, um Vorurteile zu verbreiten oder über Sex zu schreiben, um den es bei den Sitten meist hauptsächlich geht, wieviele Saltos davor auch immer gemacht werden, um den Antrieb der Sitten zu verbergen.

Was sind Sitten überhaupt, frage ich mich zunächst?

Sitten sind die Gewohnheiten eines Volkes, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Sie betreffen das Verhalten, was gewünscht ist, sei es durch Moral, Recht oder andere soziale Normen. Darum gibt es auch Unsitten, die das unerwünschte Verhalten betreffen. Der etwas unklare Begriff, der regional verschiedene Bedeutung haben kann, wird auch juristisch als eben unbestimmter Rechtsbegriff gebraucht, etwa beim Verstoß gegen die guten Sitten nach § 817 BGB, der die Rückabwicklung sittenwidriger Geschäfte regelt oder auch bei der Einhaltung der Verkehrssitten als Gewohnheiten im Umgang.

Unter die Sitten fallen auch die Umgangsformen - wann eine Äußerung wo eine Beleidigung ist, welches Verhalten nach der Sitte bestraft werden kann und welches eben nicht. Wer über deren Einhaltung wacht ist ein Sittenwächter und bei der Kriminalpolizei gibt es die Abteilung Sitte, die sich mit allen Sexualdelikten beschäftigt und früher auch die da als sittenwidrig geltende Prostitution kontrollierte. Heute gilt Prostitution nicht mehr immer als sittenwidrig, aber es gibt zahlreiche Tatbestände im Bereich der Prostitution, die eben verkaufte Sexualität ist, die in den Zuständigkeitsbereich der Sitte fallen.

Damit sind wir schon bei dem Thema, um das es mehr oder weniger verklausuliert in den meisten Sittengeschichten geht: Sex! Wie erlaubt er ist, wer es mit wem tun darf oder warum nicht und ähnliche Fragen die mehrheitlich moralisch beurteilt werden, auch wenn es nur um eine einfache Triebbefriedigung geht, die schlicht nach der Natur betrachtet werden könnte.

Es gab dabei Kulturen, die es freier betrachteten und gibt bis heute viele, die es relativ genau regulieren. Es ist nicht erkennbar, dass sich durch Verbote irgendwas je an den natürlichen Bedürfnissen geändert hätte.

Mit der Prostitution gibt es einen Bereich, der das natürliche Bedürfnis zum Geschäft machte und der nur existiert, weil ein Teil der Menschheit damit nicht gelassen umgehen kann. Gekaufter Sex ist nie gut, sondern immer nur ein schlechter Kompromiss, weil eine Seite die  Leidenschaft nur beruflich spielt und die andere das genau weiß. Wer daran Spaß hat, wird selten wissen, was guter Sex ist, könnte sich genauso und billiger selbst befriedigen, tut etwas, was anrüchig ist und dadurch nur reizvoll wird.

Mit einer Hure zu schlafen, ist nur lohnend, wenn sie es von sich aus will, dabei nicht an Geld denkt, sondern die Befriedigung ihrer Triebe. Mag in seltenen Fällen auch im professionellen Bereich vorkommen, maße mir da kein Urteil an, aber ist eher das Gegenteil vom üblichen und das, was Huren wie anderen Frauen und Männern eben privat mal passiert und was Sex im Gegensatz zur Hurerei ist.

Halte den ganzen Bereich für ein schlechtes Geschäft für beide Seiten und nicht lohnend, da der Markt aber anderes sagt, gibt es ihn und er boomt immer da, wo viele Menschen zusammenkommen. Frage mich dabei schon länger, ob sein Bestand nicht mehr mit den Sitten zusammenhängt als der Sache an sich.

Auch ein Verbot der Prostitution hat selten etwas an den tatsächlichen Zahlen geändert. Das Geschäft wandert nur in den Bereich des Schwarzmarktes und schafft ein noch unsicheres Umfeld für die meisten Arbeitnehmerinnen dort, in denen ihnen noch eher Ausbeutung und Missbrauch drohen, während ein legaler Markt, der sich jeder albernen Moral enthielte, relativ gut schützbar wäre, sich eher von alleine erledigte.

Der größte Bereich der legalen Prostitution ist die Ehe. Auch dort wird häufig die Hergabe für Hingabe praktiziert, auch wenn letztere früher zu den ehelichen Pflichten gehörte, ist der dabei betriebene Tauschhandel mehr als üblich. Das beginnt mit der Verweigerung von Sex vornehmlich durch Frauen, um ein bestimmtes Verhalten ihrer Männer zu erreichen. Hier wird nicht direkt für Sex gezahlt, sondern mit Anpassung die Triebbefriedigung erkauft. Weiter geht es mit den kleinen Gaben, zur Erhaltung der Liebe, die dafür die Willigkeit erhöhen können, ohne in direktem Zusammenhang als Lohn zu stehen, wissen doch beide Seiten darum. Nicht wenige Frauen in längeren Beziehungen sind in diesem Sinne käuflich und diese Art der Prostitution, die in unserer Gesellschaft sowohl legal als auch moralisch in Ordnung ist, gehört zum auch normalen Alltag fast jeder Beziehung.

In der Ehe wird noch die Liebe als immaterielle Größe und Grund der Hingabe stets angegeben. Darum wird sie sozial nicht als Hurerei behandelt, auch wenn de facto vermutlich mehr als 90% der Fälle des Sex in der Ehe nach den ersten 5 Jahren, entweder sozial oder pekuniär durch Geschenke oder Zuwendung erkauft. Wer der Sitte und dem Wunsch des anderen gehorcht, handelt moralisch, wer sich für etwas nur hingibt, ohne eigene Lust, wäre heute eher unmoralisch. Aber auch da fließen die Grenzen sehr.

So galt die Lust der Frau beim Sex in der Ehe als ungehörig, dieser wäre nur als Pflicht zu erledigen mit wenig Leidenschaft. Wenn es solche gäbe, wäre sie andernorts zu befriedigen, war sehr lange offizielle Lesart der katholischen Kirche und ist es in vielem noch bis heute. Darunter litten vor allem die eigentlich wesentlich potenteren Frauen während die Männer das Patriarchat auf- und ausbauen konnten. Bei Männern galt es als normal und wenn nicht schicklich, so doch üblich und damit schon fast Sitte vor der Ehe und neben der Ehe sexuelle Erfahrungen zu sammeln Bei der Frau dagegen nicht und in manchen Gegenden der Welt, wird heute noch die blutige Bettwäsche nach der Hochzeitsnacht präsentiert, um damit die Jungfräulichkeit der keuschen Braut zu beweisen.

Auch aus der von den Frauen geforderten Keuschheit entstand die seltsame Sitte der Klitorektomie und der Vernähung der weiblichen Schamlippen, damit diese keine Lust sondern nur Schmerz dabei empfänden, außer sie kämen auf die kluge Idee, es lieber anal zu  tun, was aber von den Religionen als Wächtern der Sitte aber meist rigoros abgelehnt wurde.

All dies lässt den vernünftigen und kritischen Menschen, der mit Göttern nichts am Hut hat und sie weder fürchtet noch sich gerne anpasst, fragen, was es mit dieser Sitte auf sich hat, die Sexualität bestraft oder Lust unmoralisch macht und woher sie kommt.

Wer die Lust und die Triebe der anderen beherrscht, hat Macht über einen ganz zentralen Bereich des menschlichen Wesens. Die Moral dient also der Kontrolle und Zähmung einer Gesellschaft, wenn wir sie wörtlich nehmen. Sie lenkt in moralische Bahnen und ordnet die Beziehungen, in dem sie ihnen einen genauen Rahmen gibt. Damit werden geordnete gesellschaftliche Verhältnisse geschaffen. Mütter wissen, wer die Väter ihrer Kinder sind und Väter sind sich dessen auch sicher und übernehmen dabei im auch noch mit Gefühlen belegten Bereich Verantwortung. So gesehen könnte die religiöse Moral, so albern sie begründet wird, eine gesellschaftlich wichtige, soziale Aufgabe haben, soweit wir sie wörtlich nehmen.

Möglich ist aber auch eine andere Auslegung, die erklärte, warum in katholischen Gegenden mehr Kinder oft gezeugt werden als in protestantischen. Danach wirkte das Verbot luststeigernd also dialektisch. Um so höher die Tabuisierung der Sexualität in einer Gesellschaft ist, desto stärker wächst umgekehrt der Trieb der Mitglieder in diesem Bereich.

Was erlaubt ist und was ich immer darf, ist viel weniger spannend, als was eine Sünde ist. Die Lust wächst so häufig umgekehrt proportional zum Aberglauben. Was für Drogen gilt, die auch nur spannend sind, weil sie eine Übertretung gesellschaftlicher Regeln bedeuten, wirkt noch stärker im Bereich Sex, der einerseits unsere Natur ist, andererseits weit jenseits davon lebt und durch die Vermischung mit Gefühlen wie Liebe in der tatsächlichen Anwendung noch komplizierter wurde.

Was wissen wir noch über unsere Natur dabei?

Wann folgen wir ihr beim eigentlich natürlichen Bedürfnis nach sexueller Befriedigung?

Wo gehorchen wir dabei der Moral und Sitte unserer Gesellschaft und handeln also unfrei?

Sage es lieber gleich, ich weiß es kaum für mich und noch weniger für andere je. In dem Moment, in dem die Triebe über den Verstand siegen, scheint es uns, dass wir der Natur folgen, aber auch das ist relativ unsicher und ist das, was uns dazu reizt oder was wir geil finden wirklich Spiegel unserer Natur oder auch nur ein Abbild der Konventionen, die wir längst verinnerlichten.

Reagiere auf bestimmte Frauen stärker als auf andere und dabei häufig auch noch antizyklisch, so dass der Reiz noch erhöht wird, wo mir eine unerreichbar erscheint, weiß also nicht, ob die Lust auf die eine oder andere eher durch natürliche Reize verursacht wurde oder durch die Provokation des antizyklischen Verhaltens. Dazu kommt noch, dass ich auch gerne liebe und emotional auf bestimmte Typen oder Verhaltensweisen reagiere, die mich stärker anziehen, auch wenn alle Vernunft mir sagt, mit denen wird es nie gut und doch gerade dann ist der Reiz, es zu erreichen um so höher und die Enttäuschung noch erwartbarer.

Wo wir Sex mit Liebe haben, den wir einhellig als den Schönsten bezeichnen, und dem will ich gar nicht widersprechen, auch wenn ich es nicht ganz verstehe, legen wir die Betonung noch stärker in den Bereich der Emotionen. Sind diese Gefühle dann Teil unserer Natur oder ist die triebhafte Natur nur körperlich, während die zärtliche Liebe, auch wo sie die Triebe führt, immer geistig bleibt, frage ich mich dabei und ob es überhaupt je sinnvoll ist diese Bereiche zu trennen.

Bemühe mich immer darum beides im Einklang zu tun, aber, was weiß ich schon wirklich von den Antrieben meiner Natur?

Wann handele ich nur noch dem Sex-Trieb folgend und wo geht es mir mehr um das Gefühl auch beim ganz scheinbar triebhaften Handeln, wäre ein Unterscheidungskriterium, wenn ich etwas hätte, um es festzustellen. Aber ich weiß es nicht wirklich. Wenn ich triebhaft bin und das Blut statt ins Hirn in mein Glied gepumpt wird, ist das Denken meist schwächer und die Unterscheidungsfähigkeit nimmt entsprechend ab.

Vielleicht ist das auch gut so und natürlich - aber wie unterschiede sich dann der Natur nach der Sex mit Liebe von dem ohne, weil sie sich im mechanischen Vorgang ja einer wie der andere völlig glichen?

Es wäre natürlich eine Gefühlsfrage und also ein geistiges Thema und so müssten wir, wenn die Lust am größten ist, innehalten, um uns zu fragen, ob wir das Gefühl geistig spüren und dies stärker ist als der Trieb, damit wir diesen im Schatten der Liebe auch erst gebührend würdigten. Klingt so verkopft und idiotisch, wie es in der Praxis vermutlich wäre.

Die Natur sagt uns schon, wie es richtig ist und wir erspüren ganz natürlich, was wir wollen, will ich denken und manchmal ist das auch so, dann wird der Sex schön und alles ist gut. Aber mindestens so oft, ist es auch nicht so einfach und dann braucht es Gespräche und Offenheit dabei, um neue Wege zum Glück zu finden.

Wann die ersten moralischen Grenzen von der Sitte beim Sex gezogen wurden, lässt sich nicht beantworten. Auch nicht wann die Liebe dabei Einzug hielt und warum sie vielfach für den entscheidenden Faktor gehalten wird. Manches spricht für eine natürliche Entwicklung der sexuellen Gewohnheiten, in der sich während der Evolution zeigte, dass in Familien gesündere Kinder heranwachsen und diese Gemeinschaft uns gut tut.

Aber auch das ist spekulativ eher, so genau können wir das nie wissen und unterscheiden. Würde mich jemand fragen, ob beim Sex mehr die Liebe oder der Trieb überwog, antwortete ich wohl mit der Gegenfrage, wann?

Solange beide um den Höhepunkt ringen oder sich zumindest einer darum bemüht, ist alles auf die Befriedigung gerichtet und diese überwiegt, außer es treten dabei andere Ereignisse zu Tage, die vom Ziel der Triebbefriedigung ablenken. Danach überwiegt dagegen bei mir meist das Gefühl. Bin dann voller Dankbarkeit und auch Liebe für die Frau in meinen Armen oder unter mit oder wie auch immer.  Darum ist der wohl tatsächlich real relativ seltene gemeinsame Höhepunkt mein Ideal, weil sich dann beide voller Liebe zärtlich in die Arme sinken können und nicht nur einer glücklich erschöpft ist.

Auch bevor es richtig anfängt, oder in überraschenden Momenten dabei auch immer wieder, überwiegt plötzlich das Gefühl. Es kann eine aufkeimende Zärtlichkeit oder auch nur ein Reflex auf ein bestimmtes Verhalten sein, manchmal eine unerwartete Erinnerung und dann auch wieder ohne jeden Grund, völlig irrational, aus dem Gefühl eben.

Kenne das von all meinen Lieben und es kann mich dieses Gefühl auch immer wieder packen, wenn ich diese wiedersehe, als sei die Liebe immer unsterblich, schreibe ich so leicht dahin und bin vom Gedanken ganz gerührt. Meist überwiegt nach einer Trennung die Vernunft und ihre Gründe alle Triebe, aber nicht immer.

Bevor ich mich nun aber in gefühligen Geschichten und Anekdoten verirre, sei des Themas der Sittengeschichte gedacht und dem Grund des Ausfluges, der Unterscheidung von Natur, Gefühl und Konvention. Es bleibt unklar, was genau für welchen Bereich zuständig ist, auch wenn wir immer mehr wissen, welche Hormone beteiligt sind oder wo die Reaktionen wie im Hirn ablaufen, was sich jedoch auch von Mensch zu Mensch unterscheiden kann, weil es keine taugliche immer gültige Landkarte für das Gehirn gibt.

So funktionierten nach meinem Unfall bestimmte Bereiche nicht mehr oder nicht, wie sie sollten, ich sprach nicht oder atmete anfangs auch nicht selbständig, was ich aber schon wenige Monate danach wieder konnte. Dies nicht weil der Bereich wieder heil gewesen wäre, tote Hirnzellen bleiben tot. Funktionierte das Gehirn nur lokal und nicht bloß funktional, hätte ich durch den Schlag auf dem Kopf vor bald 30 Jahren all die dort lagernden Fähigkeiten verloren, doch sie kamen alle wieder, weil es sich neue Zellen irgendwo anders suchte, auf die das Programm aufgespielt wurde, was im Kopf eines Fußballers im kleinen Rahmen nach jedem Kopfball geschieht.

Vielleicht funktioniert es mit Lust und Liebe so ähnlich etwas chaotisch unklar. Bestimmte Bereiche reagieren normalerweise, aber es können auch ganz andere sein und dazu kommen noch viele Dinge, von denen wir nichts wissen, bei denen unklar ist, ob wir sie je verstehen können, weil hier auf Ebene der neuronalen Netzwerke bestimmte Reaktionen auf Erfahrung und Gefühl mit gewissen Hormonen reagieren und jeder in seinen Milliarden Verbindungen im Hirn dabei andere Schwerpunkte hat, auf die es in genau dieser Situation aber ankommt.

Dann wäre Sex mit Liebe zwar gefühlt immer noch am schönsten, wir wüssten nur nicht warum und ließen die Dinge aus Respekt vor der Komplexität geschehen. Es stellte sich aber die Frage, warum die Sitte an dieses Verhalten Sanktionen oder Belohnungen knüpft, wenn es in seinen Gründen zu komplex ist, ganz verstanden zu werden. Eine Sanktion oder Belohnung ist nur sinnvoll für ein Verhalten, das in unserer Verantwortung oder Kontrolle liegt, wo das nicht so ist, fehlte es juristisch immer an der Schuld und desto spannender wird nun die sittliche Beurteilung eines Handelns als gut oder verwerflich.

Wir können uns unter Zwang auch im Bereich der Sexualität bestimmten Konventionen anpassen, was viele Homosexuelle über Jahrhunderte aus Schutz vor der bigotten kirchlichen Moral mussten. Ob dies die Homosexualität quasi dialektisch noch reizvoller machte, weil sie ein Tabu war, ist unklar. Vermutlich, liegt die sexuelle Neigung in unserer Natur angelegt, die zu einem bestimmten Prozentsatz immer gleichgeschlechtlich auch war. Wer diesen relativ geringen Prozentsatz von vermutlich nicht einmal einem Viertel tabuisiert, übt damit eine ungeheure soziale Macht und Kontrolle aus.

Ein Staat, der sich als quasi Nachtwächter nur um staatliche Dinge kümmert und einen bloßen Rahmen für das Zusammenleben bildet, wird sich nie um solche Fragen kümmern. Dagegen haben viele Staaten ein starkes Bedürfnis auch das private Leben ihrer Bürger zu regulieren, um ihre Macht auszubauen, die Gesellschaft in ihrem Sinne zu formen.

Die großen monotheistischen Religionen mit ihren genauen Regeln auch für Sexualität, Zusammenleben und Sozialverhalten, geben dem Staat hier eine Möglichkeit der Kontrolle über Moral und Sitte, deren Maß sie erklären, was kein Bürger dem Staat freiwillig gäbe. Daneben haben sie noch eine relativ simple Ethik, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht,

Über Jahrhunderte haben wir das uns stets diktierte sittliche Verhalten, wie es die Religionen forderten so weit verinnerlicht, dass uns vieles davon heute natürlich und normal scheint, während andere vielleicht auch genauso natürliche sexuelle Neigungen für krank gehalten wurden. Wir sind also in unseren Urteilen sozial unfrei und in einem uns fremden Rahmen gefangen. Doch geht es den meisten so, warum es uns weniger auffällt.

Anderes Sexualverhalten erlebten viele Forscher bei den Eingeborenen der Südsee bei Inselvölkern oder Urwaldbewohnern - dort schickte der Vater seine jungen Töchter nachts zu den Gästen in die Hütte oder Hängematte, damit sich beide miteinander vergnügen sollten oder, wo es keine Töchter gab, auch die eigene Frau. Teile der Forscher, vermutlich alle, die es nicht selbst genießen konnten, empörten sich über dies Verhalten, dem jeder Anstand und alle Sitten fehlten, andere, vermutlich die Genießer, lobten die Freiheit und Schönheit der Inseln.

Viele Völker der Welt verhüten natürlich während der fruchtbaren Tage mit Analverkehr, völlig normal, schön und für alle Beteiligten ein Glück, da der weibliche nervus pudendus auf diesem Weg am direktesten stimuliert werden kann, was viele in Konventionen gefangen, weder genießen können, noch wissen. Im westlichen Kulturraum ist dies für manche Frauen ein Tabu geworden, das in manchen Bundesstaaten der USA sogar strafrechtlich belangt wird, genau wie der Oralverkehr, was noch absurder erscheint aber mit dem christlich abergläubischen Begriff der Reinheit zu tun hat.

Auch der freie oder unfreie Genuß der Sexualität hängt häufig stark mit dem erlernten Sozialverhalten zusammen. So kannte ich Frauen, mit denen ich immer, wenn es dazu kam für beide Seiten wunderbaren Sex hatte und dennoch zierten diese sich manchmal aus nicht sexuellen Gründen sehr, benutzten diesen als Mittel zum Zweck andere Ziele zu erreichen, betrieben also Hurerei statt Liebe, die sie damit einfordern wollten, verhielten sich also absurd, obwohl sie schönen Sex kannten und selbst genießen konnten. Weniger wunderte mich dies Verhalten bei denjenigen, die ohnehin keine große Lust entwickelten oder seltener Befriedigung fanden, doch trat es bei beiden gleich häufig auf, ohne dass es je einen Vorteil ihnen brachte, weil es mir wichtiger meist ist, nicht erpressbar zu sein, als Sex zu haben, was natürlich, wie immer, nur theoretisch gilt.

Schaffen die Sitten und die Moral dabei einen Rahmen, der das Zusammenleben erleichtert oder erschwert, fragt sich am Ende der Betrachtungen?

Weiß auch das nicht wirklich zu entscheiden, weil es, wie immer, Elemente von beidem hat. Sie erhöhen den dialektischen Reiz, was zumindest bei Katholiken sehr effektiv funktioniert aber mich aufgeklärten Atheisten mit protestantischem Hintergrund meist eher nervt. Gegen sie spricht, dass sie uns häufig völlig im bloßen Gehorsam gegenüber den Sitten von unserer Natur entfernen und wir diese mit jener verwechseln. Die Menschen tun nicht, was sie wollen, sondern was sie sollen und vergessen darüber, wozu sie eigentlich Lust haben, wie sich Lust natürlich anfühlt.

Die Sittengeschichte des Abendlandes ist eine gruselige voller Verbote und den Versuchen, diese zu umgehen, mit zahlreichen emotional verkrüppelten Wesen, die nicht mehr wissen, was sie möchten und wie sie genießen können. Hier bräuchte es dringender einer Befreiung und Entstaatlichung aller Sexualität als einer neuen Moral. Viele Verbote und Regeln sind ein Witz geworden und erreichen das Gegenteil des erwünschten, weil sich die Zeit geändert hat.

Wer Sexualität für etwas privates hält, sollte es auch jedem überlassen, wie er damit umgeht - es muss da nichts immer falsch oder richtig sein, solange alle Beteiligten, wissen, was sie tun und es so wollen. Alle Sitten und jede Moral sind dabei meist nur ein absurder Spiegel der Versuche, die Welt zu ordnen.
jens tuengerthal 1.1.2017

Samstag, 31. Dezember 2016

Gretasophie 005c

005c Fakten und Familien

Was schreibt Geschichte?

Sind es eher die Geschichtsschreiber oder berühmte Einzelpersonen?

Kommt es überhaupt auf einzelne noch an oder sind diese austauschbar im großen Lauf der Geschichte und ist es ein eher unwichtiger Zufall, wer gerade zu einem bestimmten Zeitpunkt oben stand?

Die Sicht dieser Frage hat sich gewandelt. Während früher, auch geprägt durch die Macht solcher Personen, sich die Geschichtsschreibung eher an Einzelnen orientierte, versucht sie heute lieber die komplexen sozialen Zusammenhänge zu begreifen und nicht mehr alles an einer Person zu erklären.

So schauen wir heute lieber auf Epochen der Zeitgeschichte, wie Renaissance, Reformation oder Aufklärung, statt es an einzelnen Personen festzumachen, die natürlich immer nur eine Sicht zeigen und sich damit in der Suche nach Erkenntnis unnötig beschränken. So gesehen ist es klug, den Blick zu erweitern und alles erfassen zu wollen, was war, um ein vollständiges Bild der Zeit zu bekommen.

Wie immer ist aber auch dieses Bild auf den Horizont derer beschränkt, die darauf schauen und es so beschreiben, wie es ihrer gerade Realität entspricht, die nichts mit der Wirklichkeit der Teilnehmer zu tun hat und auch im Denken Moden unterworfen ist. Gerade gilt es in der historischen Forschung als schick, lieber auf den breiten sozialen Kontext und die Befindlichkeiten auch der unteren Klassen zu schauen. Von diesen wissen wir nahezu nichts und mutmaßen um so mehr, was ein weites Feld für die Forschung übrig lässt. Der Perspektivwechsel war damit jedenfalls eine effektive Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Doch sollten wir uns klar machen, dass es auch nur eine Mode ist, die zwar dem Geist der Demokratie entspricht, grundsätzlich positiv ist, aber eben wie jede Mode auch den Horizont verengt, was insbesondere bei der Betrachtung der großen Familien sichtbar wird, von denen viele nichts mehr wissen oder lernen und was eben auch dazu führte, dass große Teile der Schüler relativ orientierungslos und gelangweilt in neu erdachten sozialen Epochen herumirren, ohne in einem Netz halt zu finden.

Es ist sicher richtig, dass Geschichte nie nur von einer Person geschrieben wurde, sondern es immer auch die gesamten Umstände sind, die den Verlauf der Ereignisse erklären. Doch sollten wir nicht meinen, dass die soziale Situation der Bauern als Leibeigene, von der wir sicher wissen sollten und die genaue Beschäftigung mit ihrem Leben nach ideologischen Grundsätzen, uns den Blick für Zusammenhänge gibt.

Die Geschichte Europas wurde immer wieder von wenigen großen Familien entscheidend bestimmt. Die Befindlichkeiten der Massen wie ihre Lebensumstände, erklären aber keine Zusammenhänge und weben keine Netze, sondern sind lediglich soziale Folklore, die das Gewissen entlasten soll und dafür die eigenen Lebensumstände preist und beruht im übrigen weitgehend auf bloßen Vermutungen.

Auch die angebliche Diktatur des Proletariats als Verkehrung der ursprünglichen Umstände war keine solche, sondern die immer noch Diktatur einer Partei, die alte Eliten ersetzte und Ideale umbenannte, um ihre Herrschaft neu zu legitimieren. Die russische Revolution brachte keine große Veränderung in der Art der Machtausübung sondern allein bei Namen und Gesichtern in der Führung, während sich die Umstände ländlichen Lebens kaum änderten, sehen wir von den katastrophalen Folgen realsozialistischer Misswirtschaft einmal ab.

Darum versteht den Lauf der Zeit nur wirklich, wer sich mit dem Handeln der Eliten und den Folgen ihrer Entscheidungen beschäftigt. Alle, die nur auf den großen sozialen Zusammenhang im kleinen Bereich schauen, mögen sich sehr engagiert für ein individuelles Verständnis einsetzen und dies aus bester demokratischer Motivation tun und stiften doch für die Mehrheit nur Verwirrung.

Sich mit Einzelfällen im Detail beschäftigen, braucht historisch betrachtet eher viel Phantasie als Fakten und trägt nichts dazu bei, den Zusammenhang zu verstehen, in dem historische Ereignisse stehen, warum es wichtig für uns ist, sich damit zu beschäftigen. Das Einzelschicksal mag tragisch oder gerade besonders glücklich sein, es ist völlig irrelevant für den großen Zusammenhang und wer den nicht lebendig verstehen lernt, wird sich nie im Urwald der Geschichte zurechtfinden.

Ein Biologe mag sich mit der Lupe in den Wald begeben und das Liebesleben der Borkenkäfer wissenschaftlich erforschen, solche Forschung hat sicher ihren Wert und eine große Bedeutung - aber wenn ich jemandem den Wald als Ganzes beschreiben möchte, sind solche Detailkenntnisse völlig unwichtig und tragen eher zur Verwirrung bei. Dies noch mehr, wenn sie weitgehend spekulativ sind und mehr einen sozialen Zweck verfolgen als einen historischen Überblick zu geben, den es braucht, um zwischen den Zeiten zu surfen.

So werden seit den 70ern Generationen von sozial sehr engagierten Schülern mit solch spekulativen Thesen gelangweilt, um von den großen Namen und Familien wegzukommen und im Ergebnis finden sich sogar Historiker immer schlechter in der Zeit zurecht und verlieren schnell den Überblick.

Sozialgeschichte und die Geschichte der sogenannten kleinen Leute ist nett, als Arabeske für Spezialisten, die sich noch mit neuen Blumen schmücken oder als Forscher eine neue Entdeckung offenbaren wollen. Es ist nichts, dagegen zu sagen, den Horizont auch auf diesem Gebiet noch zu erweitern, sofern das Gerüst steht und das Fundament stabil genug ist.

Zwischen weitem Blick und Details, die anschaulich machen, wie Leben war, liegt ein weites Feld der Phantasie. Auch wenn wir uns eine irgendwie Vorstellung erschließen können, wie die Menschen genau lebten und dies anschaulich machen, damit die Identifikation größer wird, nützt uns dies Wissen nichts zum Verständnis  der Zusammenhänge, es verwirrt eher und konkretisiert meist falsche Vorstellungen.

Es ist so, wie wenn wir kleinen Kindern Geschichten von vermenschlichten Tieren über deren Familienleben vorlesen. Kann gemacht werden und Kinder lieben solche Geschichten, wie etwa der Wind in den Weiden aber es schafft kein Verständnis für Tiere und ihre Lebensumstände sondern vermenschelt sie, was weder das Verständnis fördert, noch den Tieren gut tut. Es fördert eher den Wunsch vieler Kinder nach einem Haustier, dieser modernen Form der Sklavenhaltung als Amüsement für gelangweilte Großstädter.

Tiere sollten möglichst in der Natur leben und nicht in Wohnungen oder Zoos, damit wir sie betrachten und uns an ihnen messen können, wie sie sich im Knast verhalten. Würden wir besuchenden Außerirdischen einen Knast zeigen, in dem Menschen eingesperrt leben, damit sie Verständnis für unsere Gattung und unser Verhalten entwickeln?

Noch zur Jahrhundertwende gab es in Zeiten des Kolonialismus auch Menschenzoos in denen Eingeborene aus den Kolonien in ihren Kostümen, teilweise mit den Tieren ihres natürlichen Lebensraums ausgestellt wurden, damit sich die Menschen in der Heimat der Kolonialherren ein Bild vom Leben dort machen können.

Dies scheint uns heute völlig absurd, verstößt gegen jede Menschenwürde und wäre hier verboten, wo doch schon das Bundesverfassungsgericht vor vielen Jahren die Peep-Shows verboten hat, weil diese Zurschaustellung nackter Frauen als Objekte meist männlicher Gier gegen Einwurf von 1DM für eine Minute als entwürdigende Versachlichung galt, die wir nicht erlauben dürften.

Ob gerade dieser eine Bereich im Milliardengeschäft mit dem Sex wirklich der entwürdigendste war oder da nicht andere viel schlimmer sind, sei hier dahingestellt, da es um das Menschenbild durch die Zeiten weniger gerade geht als eine aufgeklärte Betrachtung der Geschichte, zu der aber die Art und Weise, wie ich schauen lerne, dringend dazu gehört.

Wer Frauen mit gespreizten Beinen für eine Minute sich nackt kaufen kann, könnte dadurch ein Verhältnis zu Sexualität und Liebe entwickeln, das dem Handel eher gleicht als einer Partnerschaft. Genau wie Kinder, die Tiere im Zoo kennenlernen ein Bild gestörter Kreaturen in Gefangenschaft als natürlich vermittelt wird.

Dabei ist die Pornoindustrie längst umgeschwenkt und zeigt immer mehr Filme, in denen sich die Darsteller wechselseitig um ihre Befriedigung bemühen und hat sich so entgegen aller immer noch lauten Kritik an ihr der Natur wieder angenähert. Sie zeigt zumindest teilweise Sex, wie er sein kann. Natürlich gibt es auch da seltsame Spielarten mit oder ohne Gewalt, wie manche Menschen auch im realen Leben solche Varianten bevorzugen, die andere als krank empfinden.

Bin mir nicht sicher, ob Peep-Shows den Darstellerinnen mehr schaden, als es etwa Stundenhotels mit Flat zum vögeln tun, ob gekaufte Sexualität nicht entweder völlig verboten gehörte oder ganz frei gegeben und wie wir dabei die älteste Form der Prostitution, die Ehe einordnen wollen, in der gerade erst mühsam die Vergewaltigung für strafbar erklärt wurde.

Der Ausflug führt aber nur scheinbar weg vom Thema dem in Schulen und Museen vermittelten Geschichtsverständnis, bei dem sich Spezialisten an Details aufgeilen und darüber den Überblick vergessen, während die Leser oder Zuhörer mit wenig unwichtigem Wissen allein gelassen werden, statt zunächst den Zusammenhang zu vermitteln.

Dazu gehört der Rahmen, in dem Geschichte ablief und wenn bedeutend genug eine Kenntnis der Personen, die Geschichte bewegten. Es ist viel weniger, als viele angesichts der Stoffberge fürchten, was es braucht, um sich zurechtzufinden. Wenige Namen von Epochen und ihre ungefähre zeitliche Einordnung als Raster. Ein paar Familien, die das Geschehen konkreter machen und den Zusammenhang darstellen.

Um nicht nur abstrakt darüber zu schreiben, auch wenn das Netz immer ein abstraktes Modell bleibt, so ist Europa, seine Grenzen und seine Geschichte nicht ohne Kenntnis des Hauses Habsburg verständlich, das sich ganze Königreiche glücklich erheiratete und so von einem unbedeutenden Geschlecht auf der Schweizer Habichtsburg zum mit wenigen Ausnahmen am längsten regierenden Kaisergeschlecht wurde.

Dort gibt es etwa Kaiser Maximilian I., der sich Burgund erheiratete, während sein Vater noch Krieg mit Max späteren Schwiegervater suchte und dessen Sohn, der schöne Philipp, dann Spanien erheiratete, das dessen Schwiegereltern Ferdinand und Isabella gerade erst von den Mauren befreit und über die Kronen Aragons und Kastiliens geeint hatten, das aber, weil Ferdinand und Isabella den etwas fanatischen Kolumbus, bei seinem Versuch gen Westen nach Indien zu kommen, finanzierten, plötzlich stinkreich wurde und um die ganze Welt reichte, warum wiederum Maximilians Enkel Karl, der als Karl V. Kaiser im Reich wurde und als Karl I.König in Spanien war, derjenige genannt wurde, in dessen Reich die Sonne nie unterging. Von da aus wird die spanische Prägung Südamerikas verständlich, der Name der Philippinen und auch die Politik im Reich, in dem Karl sich mit Luther und dem ihn anhängenden Reichsfürsten herumschlagen musste, was den neuen spanischen Reichtum neben anderen Kriegen fast auffraß.

Die Habsburger waren wie mit der Kaiserkrone vermählt und wurden meist zu Kaisern gewählt, seit sie diese einmal errangen mit wenigen Ausnahmen aus Luxemburg und Bayern. Nach der Auflösung des Reiches infolge von Napoleons Eroberungszug in Europa, wurden sie Kaiser von Österreich und blieben das bis es 1918 mit der Monarchie in Österreich-Ungarn endete. Neben Maximilian, Karl und den Philipps sind noch Maria Theresia und ihr Sohn wichtig. Eher für Filmfans von Bedeutung ist, dass die letzte Kaiserin Elisabeth aus dem bayerischen Herrscherhaus der Wittelsbacher mit Spitznamen Sissi hieß und irgendwann von einem italienischen Anarchisten, der um Freiheit rang, umgebracht wurde und die Rolle als Sissi erst Romy Schneider berühmt machte.

Oder die Hohenzollern, ein schwäbisches Geschlecht mit seiner Stammburg bei Hechingen, was Karriere als Reichsgrafen von Nürnberg machte, dem Kaiser gute Dienste leistete und dafür mit der Kurwürde, also dem Titel eines Kurfürsten von Brandenburg, belohnt wurde. Unter dem Großvater vom berühmten Alten Fritz beakm dies Kurfürstentum ein Königreich tief im Osten, im Land der Pruzzen, das Ostpreußen hieß und ursprünglich Land des Deutschen Ordens war. Diese Krone galt nicht im Reich, wo es nur den Kaiser, den König von Böhmen und die sonst Kurfürsten bis dato gab. Sie hatte keinen Wert als ein gekaufter Titel auf einer Visitenkarte und sie waren bis zu Friedrich dem Großen auch immer nu Könige in Preußen, da irgendwo im Osten, nicht von Preußen. Das erreichte Fritz erst mit der Teilung Polens, die er mit Zarin Katharina, dem aufgeklärten Vorbild Merkels und besten Freundin seines Bruders Heinrich, und Maria-Theresia vereinbarte, weil die polnischen Fürsten sich nicht einigen konnten. Friedrich ist eigentlich der einzig bedeutende König  aus dem Geschlecht der Schwaben in Berlin. Sein Urgroßvater, der auch der große Kurfürst genannt wird, hat sich nochmal wacker gegen die Schweden geschlagen, bei Fehrbellin übrigens, warum in Berlin immer noch manche Straßen nach diesem Provinznest heißen. Sonst gibt es keine besonders hervorragenden Herrscherpersönlichkeiten aus diesem Haus. Dies auch wenn der spätere sogar Kaiser Wilhelm I, ein Sohn der berühmten, romantisch verklärten Königin Luise, verehrt wurde, als stände er in der Nachfolge Barbarossas, der angeblich auch einen großen Bart trug, aber dem auch schwäbischen Geschlecht der Staufer entstammte. Von Bedeutung war da eher sein leicht cholerischer Kanzler Bismarck, der die neue Reichseinigung ohne Österreich dafür mit preußischem Kaiser erzwang durch von ihm provozierte Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich. Dessen Sohn Friedrich III. hatte nach dem uralt gestorbenen Vater von 1888 nur 90 Tage und der ihm folgende auch körperlich behinderte Wilhelm II. machte sich einen Namen durch grauenvolle Architektur Schandmäler wie dem Berliner Dom, eine unsinnige Flottenpolitik und den unnötigen Einstieg in den 1. Weltkrieg durch die von ihm geschätzte Großmäuligkeit, was immer diese sonst kompensieren sollte. Die letzten Hohenzollern waren zumindest ein guter Grund, warum es in Deutschland seit 1918 keinen König oder Kaiser, außer im Fußball, mehr gibt und das scheint auch relativ gut so.

Die Kurfürsten, was die Hohenzollern waren, bis sie sich selbst krönten, wiederum wählten den Kaiser im Nachfolgereich des römischen Reiches, das von den Franken gegründet wurde, die aus dem Großraum Aachen stammten und sich als Hausmeier am Hof der französischen Könige aus dem Geschlecht der Merowinger hocharbeiteten , die sich wiederum der Sage nach direkt auf Maria Magdalena zurückführten. Zur Zeit der Karolinger war, was heute Frankreich und Deutschland ist ein Reich. Allerdings nur bis zum nördlichen Verlauf der Elbe zunächst. Der wilde Osten wurde erst später christianisiert und Teil des heiligen Reichs, dessen weltliche Krone der Papst verlieh.

Bei der Christianisierung, die fälschlich mit Zivilisierung gleichgesetzt wird, wurde die alte Kultur und die Erinnerung an sie weitgehend zerstört, wie es der IS heute noch versucht zur Empörung der auf diese Art einst kultivierten Völker im Norden. Besonders hervor tat sich da einer aus einem anderen berühmten und wichtigen Geschlecht, das immer ein wenig größer scheinen wollte, als es tatsächlich war, aber dann doch das älteste und am längsten regierende Geschlecht wohl war, sehen wir vom Haus Mecklenburg ab, die schon vor der Christianisierung dort herrschten und keiner weiß wie lang genau. Es sind die Welfen, oder später das Haus Hannover, das in Personalunion in England regierte. So ist jener berühmte Heinrich der Löwe, der den Obotriten und anderen den Glauben mit dem Schwert nahe brachte, ein Vorfahr vom heute eher als Pinkelprinz bekannten Ernst August von Hannover.

Dieser Sproß des alten Fürstengeschlechts, war zuletzt mit einer Tochter des Fürsten von Monaco verheiratet, einem autonomen Fürstentum am Mittelmeer auf französischem Staatsgebiet mit dem Namen Grimaldi, die ein ursprünglich aus Genua stammendes Geschlecht sind und das seit 1275 dort regiert. Heute machtpolitisch völlig unbedeutend, eher seit Fürst Rainier der Vater des regierenden Fürsten, dessen kleine Schwester Ernst August einige Zeit heiratete, die Schauspielerin Grace Kelly als Gracia Patricia heiratete, die so tragisch bei einem Autounfall verstarb, ein Lieblingsthema der Klatschpresse immer wieder.

Früher war das anders, als zur Zeit der Stauferkaiser, sich Barbarossa und auch sein Enkel Friedrich II. von Hohenstaufen, nicht zu verwechseln mit dem späteren König in und von Preußen, sich Kaiser, Papst und italienische Städte beständig stritten und bekriegten. Dieser Kampf hieß der zwischen Guelfen und Ghibellinen. Erstere haben sich nach den Welfen als papsttreue Truppen benannt, letztere sich nach den Waiblingern, dem Stammsitz der Staufer, wie deren Schlachtruf genannt. Dieser Kampf zwischen Welfen und Staufern und damit auch Kaiser und Papst, war als der zwischen Guelfen und Ghibellinen einer zwischen den italienischen Städten und untereinander um die jeweilige politische und ökonomische Vorherrschaft, wobei auch gerne die Seite nach Nützlichkeitserwägungen gewechselt wurde. In diesem Streit wiederum wurde die Familie Grimaldi, die papsttreu und also auf Seiten der Guelfen oder Welfen stand, aus ihrer Heimat Genua um 1290 vertrieben. Damals gehörte Monaco noch zu Neapel, war jedenfalls ghibellinisch auch mit seiner Universität, was über die normannische Mutter des Kaisers Friedrich Staufererbe wurde aber vom ersten Grimaldi in Monaco, Francesco I., im Handstreich genommen, bei dem er sich als Franziskaner verkleidet in die Burg schlich und so durch einen geschickten Betrug siegte, statt in offener Schlacht. Wie immer wir den Begriff mittelalterlicher Ehre definieren, dies war eine völlig ehrlose Eroberung, ein schlichter Betrug, der aber seit 1297 hielt und so hatten mit Prinzessin Caroline und Prinz Ernst August zwei in der Nachfolge der Guelfen, quasi aus einer Partei geheiratet.

Diese Hochzeit, um noch ein wenig beim flachen Tratsch zu bleiben, der sich manchmal so schön mit der alten Geschichte vermischt, musste die Queen genehmigen. Hatte doch England das Haus Hannover in Personalunion regiert für lange Zeit, war sie die Chefin des Clans, die aber wohl keine Einwände erhob. Elisabeth II. - inzwischen die am längsten regierende Monarchin der Welt, auch wenn sie nur noch repräsentiert im bald biblischen Alter steht für eine alte und weitverzweigte Familie, die auch mit dem deutschen Kaiserhaus eng verwandt war. Eigentlich trägt sie einen deutschen Namen und entstammt dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha, da mit Queen Victoria das Haus Hannover als regierende Linie in England ausstarb. Dieser Name gefiel jedoch den Briten während des Krieges auch gegen das kaiserliche Deutschland nicht so gut, weshalb die königliche Familie sich nach ihrer Residenz Schloss Windsor nannte. Dies Schloss oder was aus ihm mit der Zeit wurde, ist seit 1066, als der Normanne Wilhelm der Eroberer als letzter England nochmal eroberte, im Besitz der königlichen Familie und damit länger als ein Haus dort regierte.

Die Engländer stritten sich lange auch um ihre Krone, nannten es Rosenkriege, die zwischen den Häusern York und Lancaster blutig ausgefochten wurden, bis auch der letzte Erbe fiel und ein indirekter Erbe Henry VII. und damit das Haus Tudor an die Macht brachte, der wiederum durch Hochzeit mit dem unterlegenen Haus York dieses an der Macht beteiligte, vielleicht war es auch umgekehrt, denn ehrlich gesagt, fische ich alles, was ich gerade schreibe nur aus der Erinnerung und dem hohlen Bauch, in dem mein Netz mit Stichworten zwischen den Zeiten springt und fischt. So wichtig ist das auch nicht, um zu verstehen, warum die erste Elisabeth in England an die Macht kam, eine Enkelin Heinrichs VII., Tochter von Heinrich VIII. aus dessen zweiter von Rom nicht anerkannter Ehe, die zur Gründung der anglikanischen Kirche führte, was ungefähr zeitgleich mit der Reformation im Reich ablief und doch einen ganz eigenen Weg ging.

Elisabeth entstammte also einem jungen Geschlecht an der Macht und kam erst an diese, nachdem ihre Schwester Maria, die auch die katholische oder die blutige genannt wird, der Gemetzel unter den Anglikanern wegen, die sie als Königin anrichtete, gestorben war. Maria wiederum war auch eine Enkeltochter von Ferdinand und Isabella von Spanien wie Karl V. dessen Sohn Philipp, der spätere Philipp II. von Spanien und den spanischen Niederlanden, sie heiratete aber nicht erfolgreich schwängerte. So fiel das Erbe nach ihrem Tod der Schwester Elisabeth zu, England wurde wieder anglikanisch und es begann eine lange Herrschaft, die zum Empire und Englands Weltherrschaft führte, die Spanien ablöste.

Der Witwer ihrer Schwester Maria Philipp hatte als König von Spanien zunächst auch versucht Elisabeth zu heiraten, doch wollte diese sich keinem Mann unterwerfen und ließ ihn abblitzen. Dafür schickte sie ihre Piraten unter der Führung von Sir Francis Drake los, der spanische Schiffe mit Gold aus Südamerika kaperte und den Zorn Spaniens auf sich zog, das daraufhin mit seiner berühmten Armada gen Norden zog und sich grausam rächen wollte. Die spanische Flotte war damals der englischen ungefähr so überlegen wie die der USA heute dem Rest der Welt. Dennoch gewannen Elisabeths Truppen durch die Königin persönlich angefeuert mit Tricks und doppelten Boden, dem auch noch das Wetter und die Wendigkeit ihrer viel kleineren Schiffe half - so ging die berühmte Armada unter und England gewann erstmals die maritime Weltmacht, die sie lange behalten sollten.

Elisabeth war eine gebildete Frau und betrieb auch mit ihren Geheimdiensten aktive Politik  in ganz Europa, so auch in Frankreich, wo sie zu ihrer Zeit dem Protestanten Heinrich von Navarra half, den Thron zu erobern, der ihm nach der Hochzeit mit der letzten Erbin des Hauses Valois zustand. Dies war auch eine Rache für das Blutbad, das die Katholiken unter den Protestanten anläßlich der Hochzeit von Henry anstellten in der sogenannten Bartholomäusnacht.

Henry wurde nach vielen Wirren später König Henry IV., auch wenn er vorher noch unter anderem gegen die erzkatholische Fraktion im Bündnis mit dem vorigen Henry aus dem Hause Valois im Krieg der drei Heinriche kämpfte, erließ ein Toleranzedikt gegenüber den Hugenotten, denn für den Frieden in Paris  war er noch einmal zum Katholizismus konvertiert mit den strittigen Worten, Paris sei eine Messe wert. Egal, was er nun dazu wirklich sagte, blieben diese Worte in Erinnerung und sind Teil des Netzes, mit dem ich zwischen Personen und Zeiten leicht springe. So war Berater von Henry der hier schon häufiger zitierte Michel de Montaigne, jenes große Vorbild aller Essayisten, vor dem sich diese verglichen dürren Zeilen nun verneigen, was den Kreis ein wenig schließt.

Ein Enkel Henrys wurde Ludwig XIV., der wiederum das Toleranzedikt des Großvaters aufhob, die Hugenotten zum späteren Wohle Preußens vertrieb, das unter dem großen Kurfürsten allen Flüchtlingen Heimat bot, was diese mit Fleiß und Treue beantworteten und später einige der treuesten Offiziere und begabtesten Künstler wurden. So verschob sich ganz langsam das Schwergewicht von Westen nach Osten und Preußen wurde über mehrere Generationen unter genialen Feldherren wie Friedrich II., York und Moltke zur  zentralen Supermacht, die sich dann unter Wilhelm II. total überschätzte und überall Krieg suchte, den sie natürlich im Bündnis mit dem längst moribunden Österreich verlor, um dann zur Republik zu werden, die nach 15 Jahren in die mehr oder weniger gewählte NS-Diktatur unter Hitler mündete, die Preußen ganz und Deutschland erstmal militärisch untergehen ließ, um auf den Ruinen in den schon Flammen des Kalten Krieges zwei neue Staaten ab 1949 zu errichten.

Jener Ludwig aber focht zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert noch manchen Krieg aus, den er gegen England in Übersee um Kolonien verlor aber in Europa erfolgreich gewann. Dazu gehören der pfälzische und der spanische Erbfolgekrieg. Um die Pfalz ging es, weil sein, ich meine, Bruder die berühmte Liselotte von der Pfalz heiratete, die vor allem durch ihre detailreichen und teils auch frechen und pikanten Briefe vom königlichen Hof berühmt wurde. Bei diesem Krieg wurde das Heidelberger Schloss zur bis heute berühmten teilweise Ruine und die Altstadt weitgehend zerstört, um dann wieder in der heute bekannten Pracht aufgebaut zu werden.

Heidelberg ist auch ein wichtiger Ort der deutschen Geschichte dieser Zeit, die manche europäischen Netze spannt. So hat der damalige Kurfürst von Heidelberg, der sich 1618 gegen die Habsburger und auf Drängen der böhmischen Stände zum König von Böhmen wählen ließ, den Dreißigjährigen Krieg mit ausgelöst, auch wenn immer wieder gesagt wird, dieser habe mit dem Prager Fenstersturz begonnen, stehen die Ereignisse doch in einem engen Zusammenhang. Dieser später Winterkönig genannte, weil er nur einen Winter lang in Prag als König residierte, bis ihn die geballte Habsburger Militärmacht wieder vertrieb, war mit der Tochter des Nachfolgers von obiger Königin Elisabeth I. verheiratet, der er zum Willkommen, wenn ich mich richtig dunkel erinnere, als Liebesgabe in einer Nacht ein Tor im Heidelbergerschloßgarten errichten ließ.

Damit war sie eine Stuart und Enkelin der längst von Elisabeth nach zahlreichen katholischen Putschversuchen hingerichteten Maria Stuart, die wiederum Witwe des jung verstorbenen französischen Königs war und später Königin von Schottland wurde, bis die Schotten sie teilweise vertrieben und sie bei ihrer Kusine Elisabeth Asyl suchte, was nach zahlreichen Intrigen unter dem Fallbeil endete, auch wenn die Königin von England gegen den Rat ihres Hofs zuvor noch alles versucht hatte, die Hinrichtung zu verhindern.

Jakob, der Nachfolger Elisabeths, die nie heiratete und keine Kinder bekam, der Legende nach jungfräuliche Königin hieß, was aber wohl nicht ihrer gelebten Realität entsprach, in der es einige bedeutende Liebhaber gab, wurde protestantisch erzogen, vereinigte den schottischen und den englischen Thron und setzte Elisabeths erfolgreiche imperiale Politik fort. Er unterstützte wie seine Tante auch die Republik der Vereinigten Niederlande, die in einem neunzigjährigen Befreiungskampf ihre protestantische Unabhängigkeit von den katholischen, spanischen Niederlanden erfochten und in dieser Epoche, die auch das goldene Zeitalter der niederländischen Malerei genannt wird, mehr Flüchtlinge aufnahm als sie Einwohner hatten, die aus den noch spanischen Niederlanden flohen.

Diese kleine Republik hat sich als reiche See- und Handelsmacht so erfolgreich etabliert gerade im sehr gewinnträchtigen Gewürzhhandel mit Asien, dass sie lange auch mit England um die Vorherrschaft focht. Reiche Familien wurden Auftraggeber für bedeutende Künstler von Vermeer bis Rembrandt und viele mehr, die Millionen von Bildern für ihre reichen Kunden produzierten im winzigen Land hinter den Deichen. Regiert wurden die Niederlande als Republik vom Statthalter aus dem Geschlecht Nassau-Oranien, die bis  heute dort regieren, warum die Niederländer Oranje rufen und tragen, was deren Aussprache des französischen Orange entspricht, wo der Titel ursprünglich herkam und über den Umweg einer Ehe mit Nassau schließlich in die protestantischen Niederlande wieder gelangte.

Den Titel Prinz von Oranien nehmen heute drei Gruppen für sich in Anspruch, zum einen das niederländische Königshaus von Nassau-Oranien, dann das verwandtschaftlich eng verbundene Haus Hohenzollern-Preußen, deren momentaner Chef Prinz Georg Friedrich auch den Titel eines Prinzen von Oranien trägt und das französische Geschlecht der Marquis Mailly-Nesle.

Die großen europäischen Häuser sind jedenfalls alle erstaunlich eng und vielfach miteinander verwandt, was auch daran lag, dass regierende Häuser nicht unter Stand heiraten durften und damit die Auswahl logisch beschränkt war. Insbesondere das Haus Habsburg heiratete lange zwischen der spanischen und der österreichischen Linie immer wieder unter Vettern, dass die erbliche Degeneration, durch besonders ausgeprägte Merkmale immer deutlicher wurde.

Irgendwann endete aber die Zeit Habsburgs in Spanien, als sich wieder Ludwig XIV. mit dem stärkeren Erbanspruch durchsetzte und den Thron für das Haus Bourbon forderte, also seine Familie, auch wenn im Friedensschluß vereinbart wurde, dass es nicht in Personalunion regiert werden dürfte und so repräsentieren zumindest bis heute Bourbonen, also Nachfolger des großen Henry IV. das spanische Königshaus, in dem gerade der neue König seinem noch von Franco eingesetzten Vater folgte, der Spanien zurück zur Demokratie und nach Europa brachte.

Solche Linien ziehen sich in Europa durch viele Häuser, die über Erbe sich vergrößerten oder neu aufgeteilt wurden. Es erklärt auch unter anderem warum Kaiser Wilhelm II. nach dem 9. November 1918 in die Niederlande floh und Berlin mit seinem peinlichen Kitsch alleine ließ, bis die Regierung der DDR das Schloss auch als symbolischen Akt für den Untergang Preußens sprengen ließ.

Doch gibt es nach wie vor die großen Sammlungen Preußischer Kulturbesitz, die viel des Erbes der Hohenzollern heute als Stiftung verwalten und museal zugänglich machen in den Staatlichen Museen zu Berlin oder den ehemals hohenzollernschen Schlössern.

Die verwandtschaftlich engen Beziehungen des Adels finden sich auch auf den Listen der Widerständler gegen Hitler und der Blutzoll dieser Familien wie ihre Verfolgung nach dem missglückten Attentat war unverhältnismäßig hoch, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass sich viele ehemals herrschende Häuser auch bestens mit Hitler arrangierten und ihm, wie etwa der Großvater der heute wieder in der rechten Ecke aktiven Beatrix von Storch, ein Herzog von Oldenburg, halfen und zuarbeiteten, sogar im Ministerrang wie jener Oldenburg.

Wer nicht um die engen verwandtschaftlichen Beziehungen etwa von Marion Gräfin Dönhoff zum Widerstand aus preußischen Offiziersfamilien weiß und deren Opfer kennt, wird deren Engagement für die deutsch-polnische Begegnungsstätte in Kreisau nicht verstehen, dem ehemaligen Gut der Grafen Moltke, das unter dem Nachfahren des Feldmarschalls, Helmut James von Moltke zum Zentrum des Kreisauer Kreises wurde, in dem sich Widerständler aus allen Richtungen trafen, um für ein Deutschland nach Hitler zu planen und den er mit seinem Vetter Peter York führte.

Auch in kleineren lokalen Ereignissen, kann sich plötzlich die große Geschichte wiederspiegeln. So hat etwa der berühmte Götz von Berlichingen den Reichserzkanzler und Fürstbischof von Mainz, einen von Gemmingen seinerzeit erfolgreich erpresst und sich von dem Geld neben Jagsthausen noch eine weitere Burg und ein Schloss am Neckar erworben, was heute wiederum über manchen Umweg im Besitz der Familie Gemmingen-Hornberg ist, den Nachfahren jenes Fürstbischofs, den der Götz zum Erwerb erpresst hatte und vieles der lokalen Geschichte, wird erst aus Kenntnis der Verbindung der Familien klar.

So wurden manche Kriege um das Erbe begonnen und verhinderten andererseits viele Hochzeiten Kriege indem so der Besitz ererbt oder legitim übertragen wurde. Dabei war manches immer wieder strittig, wie etwa, ob das alte salische Erbrecht gelten müsse oder das aktuell zum Erbfall geltende und ob mit Grundrechten unvereinbare Pflichten der Adelhäuser, wie etwa die standesgemäße Heirat in der Bundesrepublik noch etwas am gesetzlichen Erbanspruch ändern kann.

Der jetzige Chef des Hauses Hohenzollern etwa, stieß als Sohn und Erbe des Prinzen Louis Ferdinand, der wiederum jüngster Sohn des damals amtierenden Chefs Louis Ferdinand war auf den auch rechtlichen Widerstand seiner deutlich älteren Onkel, die aber nicht standesgemäß zumindest in erster Ehe geheiratet hatten und darum vom Erbe ausgeschlossen waren. Der Vater war 1977 bei einer Militärübung gestorben als Georg Friedrich erst ein Jahr alt war - er selbst erbte den Familienvorstand von seinem 1994 gestorbenen Großvater Louis Ferdinand, der mit seinen Kindern nach dem Krieg in Bremen zog, wo auch Georg Friedrich heute teilweise lebt. Für Monarchisten ist der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II. heute der designierte Kronprinz. Er selbst lehnt jegliche politische Aufgabe ab und beschränkt sich auf seine sozialen Tätigkeiten etwa in der Prinzessin-Kira-Stiftung.

Diese Prinzessin Kira wiederum war seine Großmutter, die er aber nie kennenlernte und eine geborene Romanow. Ihr Vater galt nach der Hinrichtung der Zarenfamilie durch die Sowjets als designierter russischer Kronprinz und war damit ein Prinz ohne Land, der teilweise in Paris lebte. Es gibt eine enge Verbindung des russischen und des preußischen Hauses seit Generationen, wenn auch beide politisch keinerlei Rolle mehr spielen außer in der Phantasie von Monarchisten, die in der Demokratie aber keine Aussicht auf eine Mehrheit haben. Georg Friedrich, der studierter Betriebswirt ist, sieht sich als Unternehmer, der einen uralten Familienbetrieb führt und das trifft es in der heutigen Zeit so gut, wie es auch zu früheren Zeiten in vieler Hinsicht richtig war.

So gesehen ist Geschichte immer auch eine Wirtschaftsgeschichte, die sich nach dem Erfolg der verantwortlichen Häuser richtet und wie diese es schaffen, ihren Betrieb ordentlich zu führen. Karl V. war ein fleißiger Kaiser und König, der ständig arbeitete, um die riesige Menge an Aufgaben zu bewältigen, die sein Reich, dass Spanien, wie das Heilige Römische Reich deutscher Nationen, Burgund und die spanischen Kolonien umfasste, sich über die  ganze Welt erstreckte und auch in den österreichischen Erblanden und sonst in Europa genug Aufgaben und Feinde hatte.

Die Liste seiner Titel und Aufgaben scheint unendlich lang:

Wir, Karl der Fünfte, von Gottes Gnaden erwählter Römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, in Germanien, zu Kastilien, Aragon, León, beider Sizilien, Jerusalem, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Navarra, Granada, Toledo, Valencia, Galizien, Mallorca, Sevilla, Sardinien, Córdoba, Korsika, Murcia, Jaén, Algarve, Algeciras, Gibraltar, der Kanarischen und Indianischen Inseln und des Festlandes, des Ozeanischen Meers &c. König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, zu Lothringen, zu Brabant, zu Steyr, zu Kärnten, zu Krain, zu Limburg, zu Luxemburg, zu Geldern, zu Kalabrien, zu Athen, zu Neopatria und zu Württemberg &c. Graf zu Habsburg, zu Flandern, zu Tirol, zu Görz, zu Barcelona, zu Artois und zu Burgund &c. Pfalzgraf zu Hennegau, zu Holland, zu Seeland, zu Pfirt, zu Kyburg, zu Namur, zu Roussillon, zu Cerdagne und zu Zutphen &c. Landgraf im Elsass, Markgraf zu Burgau, zu Oristan, zu Goziani und des Heiligen Römischen Reiches, Fürst zu Schwaben, zu Katalonien, zu Asturien &c. Herr zu Friesland und der Windischen Mark, zu Pordenone, zu Biscaya, zu Monia, zu Salins, zu Tripolis und zu Mecheln &c.

Sein Wahlspruch lautete: Plus Ultra, was lateinisch ist und immer weiter heißt - immer weiter musste er auch und dankte mit den Worten ab,

“Was mich betrifft: ich weiß, daß ich viele Fehler begangen habe, große Fehler, erst wegen meiner Jugend, dann wegen des menschlichen Irrens und wegen meiner Leidenschaften, und schließlich aus Müdigkeit. Aber bewusst habe ich niemandem Unrecht getan, wer es auch sei. Sollte dennoch Unrecht entstanden sein, geschah es ohne mein Wissen und nur aus Unvermögen: ich bedaure es öffentlich und bitte jeden, den ich gekränkt haben könnte, um sein Verzeihen.“

Er war 55 und erschöpft, ein alter Mann, der noch drei Jahre in seinem klosterähnlichen Schloss in Spanien zu leben hatte, als er zurücktrat und die Macht im Reich seinem Bruder Ferdinand übergab. Die in Spanien übergab er seinem Sohn knapp 3 Monate später im Januar 1556. Er hatte gesehen, dass die Aufgabe einen alleine überforderte und hatte die Weltherrschaft aufgeteilt, nachdem sich gegen seine Ballung der Macht auch der Papst zeitweise mit dem französischen König verbündete.

Dieser Karl ist in vielem ein Dreh- und Angelpunkt bis ins heutige Europa. Sein Fleiß erinnert an politische Führer wie Merkel, die ohne alle Allüren ihre Arbeit erledigen, wenn auch Karl durch Ämter und Ehren viel mehr Glanz anhing als einer demokratischen Kanzlerin, die einfach ihre Pflicht tut. Spannend ist diese Frage, bei der Kanzlerin ohne Erben, die an Macht ihr Vorbild  Katharina einerseits bei weitem übertrifft und andererseits als demokratisch gewählte oberste Verwalterin nur Kopf eines eingespielten Apparates ist, in dem einzelne wenig persönliche Macht haben, da diese ohnehin vom Volk nur auf Zeit geliehen ist und nicht von Gottes Gnaden gegeben wurde wie noch bei regierenden Häusern.

Auch in Demokratien wie den USA gibt es herrschende Familien, die seit langem in ihren Clans mit der Macht verbunden sind, von den Kennedys zu den Bushs und Clintons oder Trumps jetzt, bei denen wir noch nicht absehen können, wie groß die familiäre Bindung der Macht ist, auch wenn sie sich immer deutlicher abzuzeichnen beginnt. Sogar in Frankreich, die viel wert auf ihre revolutionäre demokratische Tradition legen, gibt es die Eliteschulen wie die  ENA, der ganze Generationen von Machtträgern entstammen, die aufs engste verbunden sind und teilweise seit Studentenzeiten ihre vertrauten Verhältnisse pflegen, wie es die Studenten amerikanischer Elitehochschulen auch tun.

Manche wittern bei solchen Verbindungen der Eliten gleich Verschwörungen als sei es nicht völlig normal, dass sich die Träger der Macht untereinander austauschen und auch gut so. Wofür es früher den Adel gab, dazu sind heute solche Treffen teilweise auch auf inoffizieller Ebene ein Weg der Verbindung neben den formalisierten Wegen der Demokratie. Gefährlicher als solche Treffen ist die Behandlung dieser durch Populisten, die Gerüchte streuen und die Menschen verunsichern, die nicht bedenken, dass dort auch nur Menschen arbeiten mit den normalen menschlichen Bedürfnissen, wie es sie auch auf dem berühmten Wiener Kongress gab, der zwischenzeitlich auch tanzte, während sich Herrscher und Fürsten aller Länder versammelten, um eine Lösung für die  Zukunft zu finden.

Die Kenntnis solcher Prozesse in der Geschichte und auch der familiären Verbindungen um die Macht lässt erkennen, wie wenig dies mit Verschwörung zu tun hat und wieviel mehr immer mit sachlicher politischer Verwaltungstätigkeit, die eben zu erledigen ist und die nichts mit  einer großen Verschwörung zu tun hat, auch wenn nicht jeder Bürger alle Details diplomatischer Verhandlungen um wechselnde Interessen kennen muss.

Zur Kontrolle gibt es Medien, die am Markt konkurrieren und um Einfluss ringen, ein Interesse an guten Geschichten haben und die verhindern, dass Dinge vertuscht werden, von denen die Öffentlichkeit erfahren muss. Zwar gibt es auch in den großen Medienhäusern wie im öffentlich rechtlichen Rundfunk immer wieder Versuche politischer Einflussnahme trotz eigentlicher Neutralitätsverpflichtung doch heben sich diese in der parteipolitischen Konkurrenz am Markt wieder auf.

So schreiben die Medien heute vielfach die Geschichte durch ihre Berichte auf und sorgen sollte weniger die Gefahr einer Lügenpresse, die sich nicht lange am Markt hielte, als die populistische These, es gäbe eine solche. Verbreitet wird dies hauptsächlich derzeit von den Lesern russischer Propaganda, was dem ganzen eine komische Note gäbe, wäre es nicht von dieser Seite so hysterisiert mit ultimativen Rücktritsforderungen zur Rettung des Volkes und gäbe es nicht eine politische Partei, die diesen naiven Populismus öffentlich wirksam vertreten.

Zum Verständnis der Macht und ihrer Funktionen genügt nicht die Kenntnis der Gesetze sondern braucht es auch einen Blick in die Geschichte und auf die familiären und sonstigen Zusammenhänge, die im Hintergrund weiterwirken, auch wenn die Ausübung von Macht im Rechtsstaat streng formal geregelt und begrenzt ist, jede Tätigkeit so auch beamtisch wird.

Wer die Dinge im größeren Kontext sieht und aus der Geschichte weiß, wie politische Entscheidungen gefällt wurden, was in die eine oder andere Richtung ausschlug, wird nicht mehr so anfällig für Verschwörungstheorien und die Einflussnahme von Propaganda Organen sein, weil er selbst kritisch denken lernt. So ist Beschäftigung mit Geschichte und Familien wichtig, für die Freiheit zu denken und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dies zu lernen, scheint mir heute wesentlich wichtiger als eine Beschäftigung mit der Sozialgeschichte der sogenannten kleinen Leute. Dies mag auch wichtig für die historische Forschung sein, um sich ein umfassendes Bild einer Zeit zu machen, aber zum Verständnis der Macht und ihrer Entscheidungen, um sich ein Netz zu weben, erstmal völlig irrelevant und belastet nur mit Informationen, die für eine kritische Haltung nichts bringen. Die Fähigkeit dazu aber ist nötig in Zeiten zunehmenden Populismus.

Verstehen, warum Hitler an die Macht kam und wie er in welchen Zusammenhängen erfolgreich wirkte, hilft die Gefahren zu erkennen, die von AfD und Pegida ausgehen, was manchen Bürgern scheinbar noch sehr schwer fällt. So ist historisches Denken eine Verteidigung der Freiheit, der eigenen und der Gesellschaft, die es zu verteidigen gilt.
jens tuengerthal 31.12.2016

Freitag, 30. Dezember 2016

Gretasophie 005b

005b Sagenhafte Wirklichkeit

Gab es Noah und den Helden Siegfried, König Artus und seine Tafelrunde auf der Suche nach dem Heiligen Gral, was an den Geschichten um die sagenhaften Templer ist wahr, regieren uns gewählte Politiker oder verschworene Bänker?

Im Dämmer der Erinnerung auch der Völker brütet manches vor sich hin, dessen sie sich kaum noch erinnern und taucht auf einmal wieder auf, ohne zu wissen woher, packt es dann manche und sie folgen ihren, wie sie meinen, tiefsten Überzeugungen in den realistisch betrachtet Wahnsinn. Dann töten sie aus Rache für Kriege, die im Mittelalter stattfanden, befehden und vergewaltigen sich, umeinander das Leben möglichst schrecklich zu machen, die anderen zu vertreiben - so erlebt in Schlesien, Pommern und Ostpreußen nach dem letzten Weltkrieg, wie im früheren Jugoslawien nach Auflösung der Blöcke, wie in Syrien gerade noch oder im wilden Kurdistan immer wieder und die Liste fände wohl kein Ende, ginge es darum.

Bis zu dem großen Krieg, der auch große Teile der noch mittelalterlichen Städte im Land zerstörte, war eine zentrale Erinnerung noch der 30jährige Krieg, wie der Simplicissimus und manch anderer von ihm berichteten. Diese dunklen Jahrzehnte zwischen 1618 und 1648, die in den Niederlanden sogar neunzig Jahre dauerten und allem Sterben zum Trotz das Goldene Zeitalter genannt werden, sind eine der Geburtsstunden des heutigen Europas, wie die Schützengräben vor Verdun und Maastricht oder der Atlantikwall zu Symbolen seiner Notwendigkeit wurden.

Die Deutschen hatten aus ihrer Geschichte gelernt und verhielten sich bis zur Wende vorbildhaft bescheiden und zurückhaltend in Europa. Erledigten ihre ökonomischen Pflichten ordnungsgemäß, wollten in Frieden mit ihren Nachbarn leben und nicht über und nicht unter andern Völkern sein, wie der östliche Brecht für die Kinderhymne dichtete, die dann doch nicht Nationalhymne wurde, weil wir schon eine hatten, deren übriggebliebene Dritte Strophe nun weiter gilt, denn mehr wurde vom Deutschlandlied schon seit dem Krieg nicht mehr gesungen, um nicht den Eindruck zu erwecken, wir wollten noch Deutschland über alles sein oder die deutschen Grenzen lägen noch zwischen Maaß und Memel oder wir beanspruchten gar die Etsch noch.

Zumindest im Westen war dies herrschende Meinung. Der Osten aber ist anders. Was viele dort über Geschichte lernten, war ideologisch beeinflusst vom Regime der Partei, die sich als legitime Vertreterin der Arbeiter und Bauern sah und die für einen diktatorischen Unrechtsstaat stand, der Mauern baute, seine Bürger perfide überwachte und eben die Diktatur des Proletariats über den der SED als Weg zum Glück ansah, der sich in der Realität auf den relativ engen Horizont dortiger Parteibosse beschränkte, ohne damit sagen zu können, ob der Westen real von weniger Engstirnigkeit  regiert wurde, war diese doch frei gewählt. Der Osten war Freund des großen Bruders Sowjetunion, lernte russisch und zahlte jahrelang Entschädigung an den Staat, der als Sieger alle noch heilen und produktiven Teile ihrer Industrie demontierte und nach Osten verschleppte, nachdem die Soldaten von Osten her oftmals mit Vergewaltigung und Raub ins Land eingefallen waren.

Der Westen zahlte nichts, sondern bekam über den Marshall-Plan noch Millionen von Dollar vom Sieger USA geschenkt, um deren und die eigene Wirtschaft in Gang zu bringen, beide Systeme eng miteinander zu verschmelzen. Er begann unter Adenauer die Freundschaft mit Frankreich, die auf die zu lange Erbfeindschaft folgte und entfremdete sich nur seiner östlichen Hälfte, die als Opfer der roten Ideologie galt, während der Osten den Westen parteikonform für gekauft und unter der Diktatur des Imperialismus stehend hielt.

Wer hatte Recht, was war die wirkliche Geschichte im geteilten Land und wohin soll sie führen?

Ein schwieriger Prozeß, der ganz real und nah ist und mich zu der zentralen Frage des heutigen Essays führt. Wenn ich wenige hundert Meter von meiner Wohnung gen Südwesten gehe, überquere ich die Mauer, die nur noch als Symbol in den Boden hier eingelassen ist. Fast erscheinen mir diese getrennten Welten, die in den Köpfen so lebendig noch sind, sagenhaft schon und doch können wir uns trotz einer gemeinsamen Sprache oft nicht verständigen.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit in der Geschichte?

Gibt es dort je mehr als alte Sagen?

Was unterscheidet die Sage von der wirklichen Geschichte und wo vermischen sie sich?

Der Begriff der Sage wurde durch die Brüder Grimm geprägt. Das Grimmsche Wörterbuch spricht von der „Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer historischen Beglaubigung entbehrt“ und von „naiver Geschichtserzählung und Überlieferung, die bei ihrer Wanderung von Geschlecht zu Geschlecht durch das dichterische Vermögen des Volksgemüthes umgestaltet wurde“. Dabei greifen subjektive Wahrnehmung und objektives Geschehen so ineinander, dass übernatürliche oder zumindest unglaubliche Begebenheiten zum Kern der Sage werden. Dazu gehört wie im Märchen die Vermenschlichung von Pflanzen und Tieren, aber auch übernatürliche Wesen wie Elfen, Zwerge und Riesen zählen dazu und ebenso oft werden Helden geschaffen. Anders als beim zeitlosen Märchen, das immer mit „Es war einmal...“ beginnt, nur allgemeine Ortsangaben wie Wald oder Brunnen und das typische Personal wie Prinzessinnen und Stiefmütter hat, werden in Sagen tatsächliche Ereignisse, phantastisch ausgeschmückt und umgestaltet. Damit steht der Realitätsanspruch der Sage über dem des Märchens, was immer eine solche Relation uns bringen mag.

Die Sagen verarbeiten oft Dinge, die tatsächlich geschahen oder an die eine Gruppe glaubt und verbinden sie mit anderen Glaubensvorstellungen oder auch ethischen Lehren. Zu den ganz alten Sagen in diesem Zusammenhang gehören die Arche Noah und der Turmbau zu Babel, die sogleich moralische Lehren im jüdisch-christlichen Glauben mitbringen. Auch die Griechen haben einen riesigen Schatz an Sagen gehabt, die teilweise von Homer schon aufgeschrieben und später variiert wurden. Gerade bei diesen zeigt sich der enge Zusammenhang von alten Mythen und wahren Geschichten, wie der Fund Trojas durch Schliemann zeigte, der sich auf den wahren Kern der alten Sagen verließ.

Es werden die Mythen von den Heldensagen und den sprachlich meist einfacheren Volkssagen unterschieden. Teilweise mischen sie sich aber auch. So tauchen in der Heldensage um Siegfried auch die alten Götter und ihre Kämpfe auf und entscheiden über den Ausgang, während etwa die Odyssee eine Heldensage am Rande eines Mythos ist. In den Volkssagen tauchen im Verhältnis zu den Göttersagen kleinere Geister auf wie Feen, Nymphen, Baumgeister, Zwerge, Riesen oder Drachen. In ihnen wird häufig der Natur eine Seele gegeben, was immer das sein soll.

Die ätiologischen Sagen erläutern dagegen, warum eine bestimmte Naturerscheinung ihren Namen erhielt. Dies können etwa das Felsenmeer, die Teufelsfelsen oder ein See sein und warum er einen bestimmten Namen trägt, umranken die Sagen diese Geschichte teils mythisch und manchmal mehr im Charakter einer naturnahen Volkssage.

Natursagen erzählen häufig in Kombination mit Lokalsagen von bestimmten Naturgeistern. Zu diesen zählt etwa die Loreley oder andere Geistergeschichten auch in Verbindung mit Burgen und den dort auftretenden natürlichen Besonderheiten.

Viele Geschichtssagen verarbeiten ein historisches Ereignis und versuchen mit ihm umzugehen. Zu diesen zählt etwa der Rattenfänger von Hameln, der mit allen Kindern, die seiner Flöte folgten, aus der Stadt auszog. Andere verwenden nur bestimmte historische Orte oder Namen und setzen sie in einen sagenhaften Kontext, wie beispielsweise Frankenstein oder Dracula.

Die Sage ist nicht einfach abgeschlossen, wie der Name und der Bezug auf uralte Zeiten vorgibt, sondern unterliegt auch modischen Strömungen in der Literatur. So brachte etwa die Romantik die Kunstsage hervor, bei der sich besonders Achim von Armin und Clemens Brentano hervortaten. Manche der damals entstandenen Kunstsagen, wie etwa die Loreley werden heute vielfach für alte Sagen gehalten, was zeigt, was Geschichten für ein Eigenleben führen, wenn sie erstmal erzählt und angenommen wurden.

In den großen Städten bilden sich vielfach urbane Sagen, die als Gerüchte anfänglich und später als Geschichten weitererzählt werden. Sie führen im Zeitalter des Internet ein neues Eigenleben und gerade das Netz kennt mit den Hoax viele Schauermärchen und Gerüchte, die verbreitet werden und teilweise schon Sagencharakter haben oder politisch motiviert benutzt werden.

Die Grenzen von Sage und Wirklichkeit verschwimmen in manchen Bereichen bis zur Unkenntlichkeit und so stimmt an der alten Volksweisheit, dass eine Sage immer einen wahren Kern enthalte, einiges, wenn auch selten in der Auslegung, die sie von denen bekommt, die sie erzählen.

Von manchen historischen Ereignissen, wie der Sintflut oder dem Krieg um Troja, wissen wir nur aus den alten Sagen und manchmal entdecken Archäologen erstaunliche Übereinstimmungen der Sage mit dem tatsächlichen Geschehen, sind diese fast wie Reportagen, die aber auch völlig frei sind, den Boden der Realität, wenn es zur Erzählung gerade passt, wieder zu verlassen.

Die Sage will jedoch einen meist moralischen Zweck noch erreichen und nicht wie der historische Bericht nur die Ereignisse schildern, wie sie eben waren. Doch auch da verschwimmen manchmal die Grenzen. Jeder Autor, auch wenn er gern ein Historiker sein möchte und nur berichten will, was war, prägt den Text, den er erzählt, mit.

Auch ein Lexikon, wie etwa das der Enzyklopädisten transportiert Botschaften und eine Weltsicht, warum auch diese freigeistigen Denker manch revolutionäres in ihren Texten versteckten und die Kirche dafür alles daran setzte, diese Atheisten mundtot zu machen. So landete zum Beispiel Diderot zwischenzeitlich in der Bastille und das ganze Projekt drohte immer wieder zu scheitern, wäre gewiß durch die auch politische Macht der Jesuiten verboten worden, wenn sie nicht einflussreiche Beschützer gehabt hätte, wie etwa den obersten königlichen Zensor, der vor einer Hausdurchsuchung bei Diderot, dessen gesammelte Notizen vor seinen Leuten und den Jesuiten in seinem Büro versteckte, oder der Pompadour, die als Geliebte des Königs, diesen immer wieder zu Gunsten des Projekts beeinflusste und als Freigeist so ein totales Verbot verhinderte.

Die Enzyklopädie, die alles beschreiben wollte, wie es in der Natur ist, stand damals in klarer Konfrontation zur Kirche, die für sich beanspruchte, die Schöpfung auszulegen und zu erklären, wie die Dinge seien. Dieses Geschehen in der Hochzeit der Aufklärung im Paris des 18. Jahrhunderts war hochpolitisch und verbreitete den Geist, der letztlich 1789 dann auch zur Revolution führte, weil die Erklärung der Natur, den Allmachtsanspruch der Kirche zur Interpretation infrage stellte und damit auch den Machtanspruch der Könige, die von Gottes Gnaden kamen.

Sie wollte wissenschaftlich exakt sein und genau beschreiben, was ist. Der am Ende alleinige Redakteur Diderot hatte, aufgrund voriger als atheistisch oder zumindest gotteslästerlich gewerteter Texte, ein Schreibverbot im philosophischen Bereich und hielt sich möglichst exakt daran, um nicht wieder in der Bastille zu verschwinden. Dagegen schrieb sein anfänglicher Redaktionskollege d’Alembert, der einen sicheren Posten als Mathematikprofessor an der Sorbonne hatte, teilweise sehr provokativ, was Diderot wiederum abzumildern versuchte, worüber sie sich schließlich auch entzweiten. Aber auch der gebremste Diderot war für das Frankreich unter Ludwig XV. teilweise noch zu provokativ und wurde am Ende noch von den das Projekt finanzierenden Buchhändler zensiert. Der hoch emotionale Diderot hielt danach das Projekt für verloren, empörte sich sehr über diese Zensur und meinte die Bände seien wertlos geworden. Doch wurden sie dennoch ein großer Erfolg, wenn auch in Frankreich stark durch die jesuitische Zensur behindert, so doch im Rest Europas, vor allem in England auch, wo keine katholische Zensur herrschte und auch im Preußen Friedrichs des Großen.

Dort ging es klar um lexikalisches Wissen nur. Es sollte jedem, der lesen konnte, Zugang zu allem Wissen der Welt gegeben werden. Ein scheinbar politisch und moralisch neutraler Vorgang, könnte es scheinen und doch war es das genaue Gegenteil. Die Sagen kamen hier nur als Artikel vor und auch die Religion wurde von einem Pfaffen beschrieben, jedoch auf eine so provokativ langweilige und detailbesessene Art, dass auch darin wieder eine Provokation der radikalen Aufklärer gesehen werden konnte. Die Encyclopedie war ein zutiefst politisches Werk und ein großer Kampf um Freiheit, damit bewegt sie sich im sagenhaften Vorfeld der Revolution,

So steckt auch in vielen Sagen mehr politische und soziale Geschichte, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn es etwa um den Schatz der Nibelungen geht, der nach der Sage im Rhein verschwand und die Gerüchte um die Darlehen für den Bau der Burg der Götter Walhall, wurde, wenn auch getarnt von einem politischen Geschehen berichtet, dass die Zeitgenossen noch besser zwischen den Zeilen lesen konnten, als es im plakativen Internetzeitalter vielen möglich ist. In allen totalitären Regimen, die Worte überwachen, bildet sich eine solche Kultur der Opposition zwischen den Zeilen. So etwas war in der DDR stark ausgeprägt und fehlt heute völlig, wo im Gegenteil es für viele zum Volkssport wurde, etwa die Bundeskanzlerin möglichst wüst zu beschimpfen oder zu verwünschen.

Viele der klassischen Sagen waren so auch politische Texte, die eine Botschaft transportieren sollten, was teilweise auch noch wieder bei Inszenierungen sogar im längst arrivierten Bayreuth bei Wagners Ring sichtbar wird und der in ihm steckenden Kritik des Kapitalismus, die auch Goethes Faust offenbart, der alte Sagen und Mythen aufgreift und vor allem im zweiten Teil auch ein zwar aufklärerisch geprägtes aber vielfach auch fast revolutionäres Programm guten Regierens entwirft, was dem Geist des von Knigge maßgeblich erweiterten Illuminatenordens entsprach. Diese Radikalaufklärer, denen sich Knigge über Umwege über die Freimaurer und die eher am magischen orientierten Rosenkreuzer anschloss, hatten unter seiner Führung auch Goethe und seinen Herzog aufgenommen und ihr Einfluss reichte bis ins habsburgische Kaiserhaus, in dem Maria Theresias Sohn sich auch als radikaler Aufklärer zeigte, so weit ihn die Kirche ließ. Kein Wunder, dass die Kirche alles tat, diesen Orden wieder zu verbieten, der das Licht der Aufklärung politisch umsetzen wolle und dazu Kontakte bis in höchste Ämter hatte.

Der Freiherr von Knigge ist auch so eine Gestalt, die vielfach völlig missverstanden wurde. Er wurde vor allem durch sein Benimmbuch Über den Umgang mit Menschen bekannt, was jedoch real ein Aufklärungsbuch war, dass den Bürgern ermöglichen sollte, sich den höfischen Etitketten entsprechend zu verhalten und das interne Wissen über die dortigen Regeln unter allen Menschen, gleich welcher Abstammung, verbreitete. So will sein Buch weniger Grenzen ziehen und den Menschen korrektes Benehmen beibringen, als diese überschreiten, indem es die Formalien des sonst vom Adel okkupierten Bereiches, der Einfluss bei Hofe gab, anderen öffnete und zugleich für einen aufgeklärten, guten und höflichen Umgang miteinander sorgte.

Wie eine Enzyklopädie eine politische Schrift sein kann, dadurch, dass sie jedem erklärt, wie die Dinge der Natur funktionieren und dafür Standards in der Definition setzt aber auch in dem, was sie nicht sagt, viel sagen kann, sind auch viele Sagen und Märchen voller Anweisungen und Ratschläge für das reale Leben oder transportieren eine politische Botschaft, die zu ihrer Zeit keiner so auszusprechen gewagt hätte, versteckt hinter klar erfundenen und nur sagenhaften Figuren. In Unkenntnis vieler Dinge aus der Zeit der Entstehung der Sagen, gerade auch da aktueller politischer oder sozialer Auseinandersetzungen, fällt es uns heute schwer, dies zu verstehen. Dann bleibt für uns die Sage nur eine tradierte Geschichte mit märchenhafter Handlung.

Aber auch die Versuche, Sagen heute neu zu lesen, ob ihrer politischen oder sozialen Hintergründe, auch in Mythen klar den sozialen Kontext zu erkennen, scheitert an der Begrenztheit unseres Horizontes, der eben auf seine Gegenwart beschränkt ist.

Was weiß ich schon, schrieb Montaigne so weise über seine Essays. Dies auch den Sagen und ihrem historischen Gehalt gegenüber zu erkennen, könnte uns freier im Blick machen ohne die Anmaßung einer letztgültigen Deutung. Viele sehen auch Dinge in einem Text, die dem Autor völlig fern lagen, weil sie ihn eben an sich reflektieren und lesen, immer nur sehen, was auch in ihnen ist. Stecken dann diese sogar dem Autor unsichtbaren Sinne doch zwischen den Zeilen oder nur in der Phantasie des Lesers?

Vielleicht müssen wir weniger die Welten von Wirklichkeit und Phantasie trennen, als Brücken zu bauen lernen zwischen diesen, um uns hier wie dort zurechtzufinden. Sagen, die irgendwann entstanden oder erfunden wurden, veränderten sich durch die Erzählung weiter, bis sie aufgeschrieben wurden und auch dann führen sie noch in den Köpfen der Leser ein Eigenleben, wie es der jeweiligen Phantasie entspricht. Wer wollte nun richten, welche Sicht der Sage wirklicher ist und auf was es dabei ankommt?

Könnte es nicht wichtiger sein, alles immer relativ im Spiegel des Erzählers zu sehen?

Kommt es darauf an, ob es nun eine Sage oder ein alter historischer Text ist wie jene etwa von Herodot?

Dieser griechische Geschichtsschreiber, der von Cicero, der etwa 400 Jahre später lebte, als Vater der Geschichtsschreibung, pater historiae, bezeichnet wurde, schrieb Geschichte, war Völkerkundler und Geograph, wird auch Geschichtenerzähler genannt und schon verschwimmen die Grenzen wieder. Erhalten von ihm sind nur seine neunbändigen Historien, die als erste Universalgeschichte der Menschheit gelten. Sie beschreiben den Aufstieg des Perserreiches bis zu den Perserkriegen im 6. Jahrhundert vor Christus. Vielen gilt er als großer Reisender und Beschreiber der antiken Welt, der angeblich auch mehrfach am Sturz eines Tyrannen in seiner Heimat mitwirkte. Genaues wissen wir nicht und viel beruht auf Hypothesen, die aus seinem Werk und seinen Beschreibungen abgeleitet werden.

Heute wird teilweise vertreten, seine Reisebeschreibungen und seine geografischen Beschreibungen seien nur Produkt seiner Phantasie oder das, was er von anderen hörte. In Wirklichkeit hätte Herodot seine Studierstube nie verlassen, um die Welt zu beschreiben, was seine Reiseberichte noch lesenswerter macht. Denken wir zum Vergleich an Karl Mays  spannende Erzählungen aus dem wilden Kurdistan oder dem Wilden Westen, den er auch als er schrieb, nie bereist hatte, sehen wir, Anwesenheit braucht es nicht, um gut über etwas zu schreiben, im Gegenteil. Liebe historische Reiseberichte und lese sie zu gern, ohne je dorthin reisen oder auf deren Spuren unterwegs sein zu wollen - müssen wir irgendwohin, um uns mit uns wohler zu fühlen?

Wird die Person nun sagenhaft oder seine Berichte, ist seine Chronologie, der Zeit mehr Produkt der Phantasie eines gebildeten Griechen, der heute Türke wäre, da er er aus Kleinasien stammte?

Wenn schon der Großvater der Geschichtsschreibung ein Geschichtenerzähler auch war, fragt sich was überhaupt von der Trennung von Historie, politischem Text und Sage zu halten ist?

Sollten wir nicht, statt zu unterscheiden und die Gebiete streng zu trennen, damit der Turm der Wissenschaft rein bleibt, lieber vereinen, um den Blick und den Horizont zu erweitern?

Es fällt mir als Aufklärer und Feind allen Aberglaubens sehr schwer, die Wissenschaft zu relativieren. Aber, nur weil etwas wahre Aussagen im Sinne der Logik finden kann, heißt das nicht, dies sei die einzige Wirklichkeit und wenn die Welt der Sagen für andere realer ist oder die des Aberglaubens, was immer noch für normal auch gehalten wird, wie anmaßend wäre es dann von der Wissenschaft zu sagen, die Welt ist nur so, wie wir sagen.

Viel spricht nach all den Jahren der Erforschung und Beobachtung dafür, dass die Wissenschaft der exakteste Weg ist die Wirklichkeit zu verstehen. Ihre Sichtweise ist nachvollziehbar und muss beweisbar sein, um anerkannt zu werden. Doch weiß, wer die Forschung von Innen kennt, sehr gut, wie Aussagen und Thesen zustande kommen, was erforscht und was auch aus Gründen übersehen wird. Es ist nur eine relative Sicht der Welt, die unserem momentanen Kenntnisstand am besten entspricht, aber sie ist keinesfalls eine absolute Aussage zur Wahrheit mit ewiger Gültigkeit, sondern nur eine relative bis zum Beweis des Gegenteils, weil wir nicht mehr wissen können.

Denke ich darüber nach, erscheint mir der Satz von Heinz von Foerster, die Wahrheit sei die Erfindung eines Lügners, immer klüger. Nicht weil alles relativ sei, sondern weil ich zumindest zu beschränkt bin, um zu erkennen, was die Wahrheit sein soll. Wenn ich vor Gericht einen Eid leisten müsste, immer nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen, müsste ich ihn verweigern. Kenne die Wahrheit nicht, sondern nur meine relative Sicht der Wirklichkeit, die an den Umständen liegt, in denen ich lebe. Mehr kann ich nicht wissen und bedenke ich dabei noch, wie schlecht mein Gedächtnis ist, von wie wenig ich überhaupt Ahnung habe, dann sollte ich besser schweigen, wenn ich nach der Wahrheit gefragt werde, die ich nicht kenne, sondern eher alles für irgendwie sagenhaft im Ursprung halten.

Da fällt natürlich auch der berühmte Satz des weisen Philosophen Sokrates, ich weiß, dass ich nichts weiß, bei dem nun darüber nachgedacht werden könnte, ob dies echte oder falsche Bescheidenheit ist, er tief stapelt oder im Kern das gleiche sagen will wie obiges zur Wahrheit, die wir nicht erkennen können. Ist es ein Paradoxon, wenn ein Philosoph sagt, ich weiß, dass ich nichts weiß, weil dann die Aussage entweder logisch falsch ist, weil er ja entweder nichts weiß oder etwas weiß, nämlich nichts?

Oder passt dies Spiel mit der Eitelkeit auch sonst zu Sokrates, der seine Mitbürger in Athen solange durch seine Fragen nervte und sich dumm fühlen ließ, bis sie ihn im Scherbengericht zu Tode verurteilten?

Ist weise, wer sein Leben, dem Urteil gemäß beendet, auch wenn es Sitte war, sich davon freizukaufen, weil eine solche Handlung kategorisch gesehen nicht moralisch wäre?

Was unterscheidet diesen Satz des Provokateurs Sokrates von dem des Michel de Montaigne, der nur fragt, was weiß ich schon?

Habe da keine sicheren Antworten, wer wäre ich auch, bin schon froh, dass mir so klug klingende Fragen einfielen, dahingestellt, ob sie es sind oder nur Spiel meiner Eitelkeit.

Michel ist bescheiden und ehrlich in seinen Essays. Natürlich spielt er auch mit seiner ungeheuren Bildung und Belesenheit, seiner Kenntnis der Klassiker wie der lokalen Geschichte durch kleine Anekdoten, die er immer wieder einflicht, aber nur als Mittel zum Zweck, nicht um seiner Person wegen. Er fragt, was er wüsste, während Sokrates etwas weiß und dies als Provokation seinen Mitbewohnern vorhält, die nur etwas zu wissen meinen und vorgeben, während er der Weise doch klar sagt, er wisse nichts.

Der alte Grieche trank den Schierlingsbecher und tötete sich so selbst, wie es dem Urteil entsprach, um dem Gesetz zu gehorchen, wie es seiner in dieser Hinsicht unflexiblen Überzeugung entsprach. Dagegen war Montaigne ein Pragmatiker in vieler Hinsicht. Er hatte es werden müssen, weil er in den Hugenottenkriegen und während der Pestepedemie als Bürgermeister von Bordeaux auch ganz praktikable Lösungen manchmal am Rande der Legalität aushandeln musste, um den Frieden zu erhalten, die Stadt von der Belagerung zu befreien oder der Pest Herr zu werden und kapitulierte irgendwann auch vor dem zermürbenden Einerlei der politischen Arbeit und zog sich auf sein Gut zurück, um in seiner Bibliothek im Turm zu schreiben und zu lesen. Nur auf Anfrage seines Freundes, des späteren Königs Henry IV. oder auch von dessen Vorgängern aus dem Hause Valois war er noch beratend tätig, was ihm aber, wie er schrieb besonders der Reisen wegen lästig war.

Montaigne neigte eher Epikur und in manchem den Stoikern zu, vermute ich heute bei der Lektüre seiner Essays, betrachte die Philosophie eklektizistisch und fischte sich heraus, was ihm gefiel. Nicht wie Sokrates oder noch viel schlimmer sein Schüler Platon mit seinen absurden spartanischen Ideen zum Staat oder zur Kindererziehung, wusste er, was richtig ist, sondern dachte darüber nach und ließ an diesen Gedanken teilhaben.

Die teilweise sehr locker geschriebenen Essays, die kein Blatt vor dem Mund nehmen, sind ein Schatz für alle Freunde schöner Literatur und pragmatischer Philosophie und doch keinesfalls nur einfach dahingeschrieben, sondern Produkt genauer Überlegung zu den Dingen der Welt, immer wieder überarbeitet und mit vielen Randnotizen von Michel selbst versehen worden. Er nennt sie eine bloße Betrachtung seiner selbst, die für jeden anderen Leser uninteressant sein müsste und sie wurden das Gegenteil, auch wenn sie die Inquisition irgendwann auch auf den Zensus setzte und sie ihre größten Erfolge zunächst in England feierten, wo die freieren Anglikaner unter Elisabeth und später Jakob viel übrig haben für diese Bescheidenheit eines Menschen, der es sich gern gut gehen ließ und dabei seine Gedanken uns hinterließ.

Es scheint mir die Aussage dessen, der sich nur fragt, was weiß ich schon viel zeitgemäßer als das Wissen des Sokrates, das wiederum eine paradoxe Provokation war. So urteile ich etwa gern über den Aberglauben, den ich für die Ursache der schlimmsten Konflikte der Welt halte und der immer noch und wieder die Freiheit mit absurden Sichten bedroht. Natürlich weiß ich nicht, ob es keinen Gott gibt, was wiederum die Gläubigen umgekehrt behaupten - kann nur sagen, dass er nach dem wenigen, was ich verstehe, nicht nötig, ist, um die Welt, wie sie ist, zu erklären und ich nicht verstehe, warum ich mir einen solchen ausdenken sollte.

Sagte ich aber, ich wisse, in der Natur gibt es keinen Gott, diese sei einfach nur kausal und funktioniere eben nach natürlichen Prinzipien, könnte diese Sicht, als ein Glauben interpretiert werden, so absurd dies dem Atheisten in mir scheint. Glaube ich doch gerade nichts, sondern nehme die Dinge, wie sie sind und da gibt es eben für mich keinen Gott - wüsste ich aber sicher um das Nichts, wie Sokrates es von sich behauptete, maßte ich mir an, mehr zu wissen, als die  Gläubigen, die zu wissen meinen, dass dieses höhere Wesen ist und begäbe mich fast auf die gleiche nur gegenläufige Schiene. Damit wird der Atheismus zwar nicht zur Glaubensform, aber derjenige, der ihn als sicheres Wissen behandelt, was es nie geben kann, denn, was weiß ich schon, erhöbe sich als Gläubiger seiner Überzeugung über die anderen.

Es gibt dazu einen sehr schönen jüdischen Witz von König Salomon, der, als er in den Tempel kam, vom Rabbi gefragt wird, was er denn hier mache, er glaube doch gar nicht an Gott, worauf der weise König, die Schultern hob und sagte, weiß ich, ob ich Recht habe?

All der Aberglaube und die aus ihm abgeleiteten Regeln erscheinen mir absurd. Kriege um des Glaubens wegen zu führen, finde ich völligen Unsinn und halte es da lieber mit Epikur, der nur meinte, wenn es allmächtige Götter geben sollte, warum sollten sie sich für uns interessieren, wieviel Anmaßung stecke im menschlichen Aberglauben der Lenker?

Doch wer wäre ich mit meinem schwachen Gedächtnis und meinem mehrfach kräftig angeschlagenen Kopf zu meinen, ich wisse, wie es sei und die ganze Idee, wie auch immer sie sich an die gerade Verhältnisse anpasse, sei dummes Zeug?

Wie ich die Traditionen meiner Familie respektiere, gerne mit dieser an Weihnachten christliche Lieder vorm Baum singe, kann ich auch jede andere Tradition respektieren, die keinem schadet und auch schädliche will ich nicht darum verurteilen mit Sicherheit verurteilen können.

Montaigne schrieb nahezu nichts über Gott, zitierte manches, was als Blasphemie galt und bezog sich auf Dichter, die zu zitieren dem Glauben widersprechen konnte, gab Anregungen, die an der Wahrheit der Kirche zweifeln ließen, bezeichnete sich jedoch immer als gläubigen Katholiken. So weit ginge ich nicht und bin dennoch, obwohl überzeugter Atheist und sicher, dass es keinen Gott geben kann in meiner Welt, noch traditionell Mitglied der evangelischen Kirche, weil ich dort getauft und konfirmiert wurde und dieser Verein in meiner Familie eine gewisse Tradition hat, es mehr als einen Theologen unter den Vorfahren gab, auch wenn ich vieles dort vernünftigerweise verachte.

So handle ich beim sagenhaften Aberglauben so pragmatisch, wie ich es auch sonst tue. Sollte er mir lästig sein oder mich stören, würde ich es schnell beenden. Doch warum sollte ich mich für klüger als König Salomon halten?

Auch wenn dieser Witz nichts als eine Sage ist, die mehr über jiddischen Humor verrät als über die historische Person des Salomon, könnte sie doch ein Hinweis darauf sein, wie vornehm die Bescheidenheit im Wissen eher ist, als die Anmaßung des Wissens. So schließe ich auch dieses kleine Essay zu meinen Gedanken über die Sagen und ihre historische Bedeutung mit den schon mehrfach zitierten Worten Montaignes für die Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieser Erzählform - was weiß ich schon?
jens tuengerthal 30.12.2016