Donnerstag, 15. Dezember 2016

Gretasophie 002b

002b Warum es keine Seele gibt


Gibt es wirklich keine Seele oder sag ich das nur so?


Wiki meint dazu, dass der “Ausdruck Seele vielfältige Bedeutungen hat, je nach den unterschiedlichen mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Traditionen und Lehren, in denen er vorkommt. Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend mit dem Begriff Psyche (altgriechisch ψυχή, psychḗ) synonym. „Seele“ kann aber auch ein Prinzip bezeichnen, von dem angenommen wird, dass es diesen Regungen und Vorgängen zugrunde liegt, sie ordnet und auch körperliche Vorgänge herbeiführt oder beeinflusst.”


Für sehr viele Menschen gibt es selbstverständlich eine Seele und wenn ich nicht sagen will, die lögen alle, muss ich wohl erstmal sagen, warum ich meine, es gibt sie nicht, was es aber dann doch gibt und worum es dabei geht.


Die Existenz einer Psyche als Teil unseres Gehirns würde ich nie bezweifeln und das verstehen viele unter dem, was sie Seele nennen, so gesehen gäbe es eine und es wäre einfach nur der Ausdruck für das, was in unserem Hirn im Zusammenspiel mit allen Funktionen unseres Körpers abläuft. Dagegen gibt es nichts zu sagen und keine Gründe, so etwas als existent zu bezweifeln. Dennoch existierte es nicht sondern wäre nur ein Sammelbegriff für die komplexen Ursachen der Reaktionen im Gehirn, seien sie neuronal oder hormonell oder was auch immer, was wir vielleicht noch nicht wissen.


Aber, Seele ist auch ein Ausdruck der Religionen und aus dem Glauben erst ist er in die Sprache auch des Alltags übergegangen. Im Aberglauben aber, worunter ich alle Religionen und jeden Glauben an etwas außer der Natur zusammenfasse, ist die Seele etwas eigenes, existiert unabhängig von unserer Natur. Was das sein soll und woher es kommt, ist eine Frage des Glaubens und was so Seele genannt wird, hat keinen Ort in unserem Körper, muss einfach geglaubt werden.


Warum etwas außer unserem Körper sein sollte, bleibt dabei unklar und darüber regte sich schon Lukrez auf, der in seinem wunderbaren Buch Von den Dingen der Natur, von dem wir es ja schon hatten, der Seele und ihrer natürlichen Sterblichkeit ein ganzes großes Kapitel widmet. Er erklärt darin mit sehr logischen Gründen, warum natürlich  nichts außerhalb unseres Körpers existieren kann und dieser so endlich ist wie alles von uns.


Die Furcht vor dem Tod hat die Menschen schon so lange wir es zurückverfolgen können, dazu gebracht, sich über ein Leben nach dem Tod Gedanken zu machen und was aus uns danach wird oder ob wir schon waren, bevor wir rein biologisch gezeugt wurden durch die Vereinigung von Eizelle und Samenzelle, wie das eben so funktioniert mit dem Kindermachen.


Viele Menschen glauben an ein Leben danach, wo immer sie das auch hin verlegen, Himmel oder Hölle, Wiedergeburt oder als Ziel das Nichts. Wenn sie das glauben, sind sie meist der Überzeugung, ihre Seele lebe weiter, nur ihr Körper wäre halt irgendwann verbraucht und würde dann sterben.


Ist dieser Gedanke tröstlich oder eher schrecklich?


Gläubige Menschen finden in ihrem Leid eine Erlösung, wenn sie auf ein besseres Leben nach dem Tod hoffen, dass sie für all ihre Leiden hier entschädigt. Für sie ist der Gedanke an die unsterbliche Seele, die Erlösung findet, tröstlich.


Trotzdem fürchten diese Menschen den Tod wie die meisten, teils ob der bevorstehenden Prüfungen oder weil sie sich nicht sicher sind in ihrem Glauben. Eigentlich ist das ein Widerspruch in sich, den Tod zu fürchten, aber auf ein Himmelreich hoffen. Der Glaube gibt dann verschiedene Krücken die Angst, die er den Menschen vorher einredet, ihnen wieder zu nehmen.


Warum aber fürchten so viele den Tod?


Zur Unsicherheit, ob es das nur geaberglaubte Paradies oder doch die Hölle wirklich gibt, kommt scheinbar der menschliche Instinkt, leben zu wollen, weil es doch so schön sein könnte, wenn wir nicht so viel Angst hätten, auch vor dem Tod.


Lukrez, und da bin ich mal wieder ganz seiner Meinung, sagte, ich fürchte den Tod nicht, weil solange er da ist, dieser nicht da wäre und sobald der Tod käme, er nicht mehr da wäre. In seiner ganz auf den Menschen als Wesen in der Natur beschränkten Sicht heißt das, wie auch schon sein geistiges Vorbild Epikur es sagte, das Leben ist endlich und nach dem Tod kommt nichts. Es gibt keinen Grund etwas zu fürchten, wer nicht mehr ist, kennt keine Schmerzen, hat keine Sorgen, muss sich um nichts mehr Gedanken machen, weil er einfach nicht mehr da ist.


Unsterblichkeit gibt es für Lukrez nicht, im Gegenteil ist sterben können, auch darüber selbst entscheiden zu dürfen, für ihn Ausdruck der absoluten menschlichen Freiheit. Was damit auch für die zu seiner Zeit noch normalen Sklaven galt und jedes andere Wesen. Wer tot ist, ist nicht mehr und hat keinen Grund zu Sorge oder Furcht. Der Aberglaube an Unsterblichkeit ist für einen Epikuräer der Schritt in die Unfreiheit und damit zum Unglück, den zu betreten, es keinen vernünftigen Grund gibt.


Natürlich gibt es dann vielleicht welche, die ihn vermissen, was ihm aber auch keine Sorgen machen muss, da er ja nicht mehr ist und Trauer über das, was nicht mehr ist, scheint ihm absurd. Vielleicht könnten wir uns lieber an der Erinnerung freuen an das was war, statt uns zu grämen, weil es das Leben viel schöner noch machte, als unter Verlusten, die wir nicht ändern können, zu leiden.


Das ist vielleicht eine grundsätzliche Frage zur Haltung zum Leben überhaupt. Worum geht es uns und was ist uns wichtig dabei?


Für die Epikuräer war ziemlich klar, es geht nur um Lustgewinn im Leben, alles andere wäre Unsinn. Was also nach reiflicher Überlegung unser Glück unserem Wesen entsprechend vermehrt, ist für sie gut, was unschön ist und die Lust mindert eben nicht. Eine logische und einfache Sicht, die jeder für sich umsetzen kann und die viele Menschen glücklicher machte, als sie es mit ständigem Zweifel und ihrem Hadern, mit dem was ist, je werden können.


Menschen die nach Glück streben, werden alles tun, Unglück zu vermeiden und lieber bescheiden glücklich leben, als sich in Kriegen für ihr Land aufzuopfern. Auch darum hatte diese Sicht auf das Leben viele Gegner. Besonders der Kirche passte diese Sicht auf das nur weltliche Glück überhaupt nicht und sie taten alles, um die Epikuräer schlecht zu reden. Sie behaupteten im Garten des Epikur würden wilde Orgien gefeiert, es ging diesen Philosophen nur um die schnelle Lust und darum ignorierten sie die harten aber nötigen Prüfungen der Götter, wären völlig undiszipliniert und wendeten sich nur der Lust zu.


Weil ihnen diese Glücks- und Lustlehre so gefährlich vorkam, taten sie alles, sie tot zu schweigen, überschrieben, als sie die Macht hatten, alle Bücher mit ihren Lehren oder vernichteten sie und damit lange für das ganze Mittelalter auch die Erinnerung an Epikur und Lukrez und einige Kirchenlehrer, die sich dann doch noch zu Epikur und Lukrez äußerten, die im alten Rom sehr beliebt waren, verbreiteten bösartige Gerüchte über sie.


So wissen wir von Lukrez angeblichen Freitod nur von einem Kirchenlehrer, was darum wieder genauso infrage zu stellen ist, auch wenn es für Lukrez in Ordnung gewesen wäre, sich das Leben zu nehmen, wenn er keine schönere Perspektive mehr sähe. Der gleiche Kirchenlehrer erzählt dann auch noch Lukrez sei durch den Genuss eines Liebestrankes wahnsinnig geworden, hätte seine, wie auch der Kirchenmann zugeben musste, wunderschön geschriebenen Verse, nur in kurzen lichten Momenten verfasst. Insgesamt aber zeuge der ganze Text vom Wahnsinn des Lukrez und dem egozentrischen und nicht gottesfürchtigen Leben eines Epikuräers, der dafür sicher in der Hölle schmore.


Gottesfurcht, darin steckt sich fürchten und also Angst auch vor dem Allmächtigen, der auch geschafften wurde, um die Menschen diszipliniert zu halten und an die abgesegnete Ordnung zu binden. Es ist typisch für das Spiel nahezu aller Religionen mit der Angst als Drohung, um das gewünschte Verhalten der Gläubigen zu erreichen.


All dies funktioniert nur so lange wie die Menschen an die Existenz einer Seele glauben und sich für das Wohl ihrer Seele entsprechend der Regeln ihres Aberglaubens zur Ordnung rufen lassen. Es gibt dann durch die erdachte Seele eine Methode Menschen zu beherrschen und sie nicht länger frei nach ihrem Glück streben zu lassen, wie es ihrer Natur eben gerade entspräche, sondern den Regeln zu folgen, egal wie abstrus diese auch waren.


So ist der Glaube an eine Seele immer schon ein Mittel die Unfreiheit zu begründen und das Streben nach persönlichem Glück abzuwerten. Wer den Menschen aber als seiner Natur nach frei begreift, wie es auch unser Grundgesetz ja tut, muss ein solches Streben absurd finden. Warum sollte sich Mensch so etwas unterwerfen, was wäre der Gewinn davon?


Die versprochene aber nur für Wohlverhalten eventuell gewährte Erlösung ist ein bloß mögliches Vergnügen im Jenseits, dass es nach aller Vernunft nicht geben kann, weil nach dem Tod nichts mehr ist, keiner je zurückkehrte und das Gegenteil beweisen könnte.


Für diejenigen, die im Leben glücklich sind, könnte es aber leichter sein, sich vom Glauben und der mit ihm verbundenen Angst zu lösen, als für jene, denen es schlecht ergeht und die an Krankheiten leiden, im Aberglauben Trost und Erlösung finden.


Warum ein erfundenes Himmelreich aber mehr Trost spenden sollte als ein reales Nichts, ohne Sorgen oder Schmerzen, wird daraus nicht klar.


Die über die Epikuräer als reine Lustmenschen verbreiteten Gerüchte lagen zum einen an ihrer nur der Lust als Realisierung des Glücks zugewandten Philosophie, die keine Götter fürchtete, also auch keine höhere Strafe, zum anderen daran, dass sie die erste und einzige philosophische Schule der Antike waren, die Frauen in ihren Kreis zuließen und so reagierten die anderen Männerrunden eben auch eifersüchtig und mit Spott, weil es diejenigen, die sich ganz natürlich für Gleichheit einsetzten, schon immer schwerer hatten, als diejenigen, die sich mit den absurdesten Argumenten dagegen postieren.


Auch im heutigen Europa merken wir das gerade, am Zulauf den Islamkritiker und Populisten haben, die von der Hetze über andere leben. Einfache dumme Vorurteile werden unbewiesen geglaubt und komplexe Erklärungen einer schwierigen Situation werden als nur Vertuschung und Geschwätz gerne mit dem Wort Lügenpresse von Menschen abgetan, die vermutlich Schwierigkeiten hätten, den Begriff der Freiheit zu erklären.


Eine nur geglaubte Sache als Maßstab zur Beurteilung des Wohlverhaltens von Menschen klingt absurd, weil es ja nicht um Tatsachen geht. Dennoch sind Gebete für das Seelenheil eines Verstorbenen bei uns noch etwas völlig normales, als sei es nicht nur alberner Aberglaube, der bloß der Beschäftigung und Ablenkung der Trauernden dient, die sonst vielleicht erkennen könnten, wie wenig schlimm alles wäre, wenn sie das Nichts als Folge des Todes annähmen und die erfundene Seele als abstrus leugneten.


Was die Seele heute genau ist, wird sicher eine Definitionsfrage sein. Mit der von Psychologie und Medizin verwendeten Form zur Bezeichnung komplexer geistiger Vorgänge könnte ich vielleicht noch konform gehen, wäre da nicht die gleichzeitige Verwendung dieses Wortes im religiösen Zusammenhang. Doch auch in der Psychologie und Medizin frage ich mich, warum sie einen belegten Begriff nutzen um ein vielfältiges Phänomen zu einfach zu benennen.


Die Neurologie arbeitet sich gerade an das weite Feld heran, wie das Gehirn funktioniert und welche biochemischen und elektrischen Reaktionen bei bestimmten Gedanken ablaufen, durch was die Gedanken stimuliert werden können, in welche Richtung auch immer. Viele dieser Erkenntnisse der Hirnforschung fließen auch in die Werbung, die ein ganz natürliches Interesse daran hat, ihre Adressaten in eine bestimmte Richtung zu manipulieren. Ob und wie wir solche Manipulation bewerten, hängt von unserer Sicht auf die Freiheit des Menschen ab. Das fängt mit dem Schönsprech an, der auch NLP oder Neuro Linguale Programmierung genannt wird und endet noch lange nicht mit der Berieselung mit schönen Klängen beim Einkaufen.


Auch der Kult um Marken und Produkte ist so ein Ding, dass mit unserer Funktionalität am Markt zusammenhängt und inwieweit wir manipulierbar sind. Zwar lernen wir, gibt es auch immer gute Gründe uns für dieses oder jenes Objekt zu entscheiden, aber ich frage mich bei vielen Teenagern, auch in Erinnerung an meine Zeit, wie frei sind wir wirklich noch im Urteil, warum machen uns bestimmte Dinge an und sind andere ein totales no go?


Wenn wir also von geschickten Marketingstrategen manipulierbar sind und der Bundesverband Marketing ist nicht umsonst der reichste Lobbyverband in Berlin, fragt sich doch, wie frei sind wir wirklich und welche Rolle spielt dabei die sogenannte Seele?


Hilft sie uns den Prozess sozialer Anpassung zu ertragen, auch wenn dieser vielleicht gegen unsere Natur geht oder spielt sie dabei gar keine Rolle?


Warum die religiöse Variante von Seele nur der Anpassung und Konformität dient, auch wenn es je nach Sekte da auch Varianten und Ausnahmen gibt, die gern alles ins Gegenteil verkehren, wurde schon ausreichend oben erläutert. Diese Form der Seele hilft sicher bei der konformen Anpassung und sicher weniger beim individuellen Glücksstreben, dem sie immer wieder Hindernisse in den Weg legt, zu denen auch die teilweise Tabuisierung und genaue Regulierung des Sex gehört.


Aber auch die nichtreligiöse medizinisch-psychologische Variante von Seele ist eigentlich nur ein gutes Instrument der Anpassung, insofern sie alles nicht konforme Verhalte als krank einstuft und wer will schon krank sein. Sicher gibt es psychische Krankheiten, die den Betroffenen das Leben schwer machen und unter denen sie leiden. Sich dabei aber häufiger zu fragen, ob dieses Leiden mehr am sozialen Anpassungsdruck liegt, könnte den Horizont erweitern und manche Krankheit infrage stellen, vor allem, was am Ende entscheidend sein sollte, viele Menschen glücklicher machen.


Als Epikur gefragt wurde, was es zum Glück bräuchte, was er sich wünsche, war seine Antwort, ein Brot und einen Käse, ein Schluck Wasser oder vielleicht Wein, mehr bräuchte es nicht.


Geht alles Glück durch den Magen und reduziert das nicht unser Komplexes Sein auf nur tierische Bedürfnisse?


Wichtig ist dieser Ausspruch vor allem zum Verständnis der Bescheidenheit der Epikuräer bei ihrem Streben nach Lust und Glück. Es geht nicht um totale Exzesse sondern eine ruhige Bescheidenheit, die mit dem zufrieden sein lässt, was möglich ist, statt sich irreal hohe Ziele zu stecken, die niemanden real glücklich machen.


Wessen Seele nach Höherem strebt, dem wird das kleine irdische Glück der Zufriedenheit im bescheidenen Rahmen, nie genügen können, es wartet ja noch das Himmelreich als Erfüllung aller Träume, auch wenn die für uns logisch nie anders als irdisch sein können, was uns ja nach Verlust des Körpers als seelische Existenz nicht mehr existieren dürfte, wären die Lehren des Aberglauben auch nur irgendwie konsistent.


Das absurde Ziel der vielen Jungfrauen für Märtyrer, die ihr Leben der Religion opfern, was immer daran toll sein soll, wo es doch Erfüllung immer nur mit Konzentration im Einzelfall gibt, ist so ein zutiefst körperlich irdisches, was uns die ganze Absurdität des Aberglaubens gut vor Augen führt, weil wir momentan fast täglich von neuen Märtyrern hören müssen, die  sich und am besten noch viele andere mit, in den Tod schicken. Es ähnelt aber allen anderen Zielen im Jenseits immer, ist nur so schön deutlich in seiner Absurdität. So beten auch die katholischen Christen noch zu ihren Märtyrern, die etwas besonders ehrenvolles taten, als sie ihr Leben für die Religion opferten.


Nur wer hofft, es gäbe mehr als die Natur und sein Sein hier, wird sich für solchen Unsinn manipulieren lassen. Auch wenn wir alle ständig irgendwie von irgendwem manipuliert werden sollen - von rührenden Bettelbriefen über die Werbung zu den berühmten Blut und Boden Reden der Politik - stellt sich die Frage, ob es uns besser geht, wenn wir noch etwas dazu erfinden, was diese Manipulation systematisch leichter macht und vor allem, was der Gewinn davon für uns ist.


Es lässt sich nicht feststellen, wie die Erfindung der religiösen Seele die Welt oder die Menschen auf ihr verbessert hätte. Dennoch findet sich solches und ähnliches, vom Ahnenkult bis zur Magie in allen Kulturen. Liegt das daran weil solches der Herrschaft nur willige Untertanen schuf, die sich im Glauben freiwillig unterwarfen?


Wird etwas gut, weil alle es tun?


Warum begehren so wenige gegen solch absurden Unsinn dann auf, wenn es uns doch nichts nützt und uns nicht glücklicher macht?


Die Disziplin im Unsinn liegt auch an der den allwissenden Wesen innewohnenden Allmacht, gegen die wir wenig unternehmen können, als uns willig zu unterwerfen und den Regeln zu gehorchen oder zu beichten, wo wir sündigten. Betrachten wir die geistliche Ordnung nach weltlich rationalen Gesichtspunkten, muss es uns noch absurder vorkommen. Ein Staat der solches fordert ist für uns ein Unrechtsstaat, mit dem wir nichts zu tun haben wollen, außer er verspricht gute Geschäfte wie in Saudi Arabien, das durch sein Öl reich wurde und naiv im mittelalterlichen Glauben bleiben konnte.   


Warum die Muslime ihrem Aberglauben weltweit noch folgen ist mir vernünftigerweise genauso ein Rätsel wie katholische Pilgerfahrten und ähnlicher weit verbreiteter Unsinn. Es spielt die Hoffnung auf ein Jenseits und die Angst vor Strafen dabei eine große Rolle und die Bindung an eine Tradition, die stärker ist als der Einzelne in seinem Drang nach Glück, in die sie hineingeboren werden und die sie nicht verändern wollen und können, weil sie auch ihre Heimat ist.


Wie in arabischen Ländern die muslimischen Fundamentalisten sind auch in den USA die christlichen Fundis relativ stark und dürfen trotz ihrer teils absurden politischen und sonstigen Sichten öffentlich mitreden und das Geschehen in einer Demokratie mitbestimmen. Es werden in einem Land, dessen Gründerväter bei der Boston Tea Party liberale Freidenker größtenteils waren, deren Verfassung von Verehrern des Lukrez im Geist des Atheismus geschrieben wurde, öffentliche Segenswünsche gesprochen und Gottes eigenes Land ist dort mehr als nur eine dumme Floskel. Die Amis glauben zu noch relativ großen Teilen immer noch und stehen darin fest verwurzelt, auch wenn das epikuräische persönliche Glücksstreben bei ihnen obersten Verfassungsrang hat, leugnen sie dessen Wurzeln und deuten es protestantisch puritanisch um, statt die laizistische Freiheit, laut zu verteidigen. Unter dem geistig besonders schwachen Präsidenten Bush jr. zogen sie in einen Heiligen Krieg, den er noch dazu Kreuzzug nannte, um als trockener Alki Gottes Segen für seine Blitzkriege zu erflehen, die dann doch bis heute kein Ende fanden.


Für die meisten Amerikaner hat der Mensch natürlich eine Seele, die auf das Himmelreich wartet, auch wenn es dort zumindest eine laute Gruppe freiheitlicher Atheisten gibt, die Macht im Land haben meist andere und die moralische amerikanische Zensur zog über Facebook auch wieder in Europa ein. Diese Bigotterie, die nackte weibliche Brüste öffentlich verbietet, Schamhaar zum Schutz der Kinder zensiert und Sexualität tabuisiert, bei gleichzeitig öffentlichen Hinrichtungen und der größten Pornoindustrie der Welt ist genau das Gegenteil der Freiheit, die von den Vätern der Verfassung vorgesehen war und wie sie die Verehrer des Lukrez noch niederschrieben.


Ob sie freier wieder würden, wenn sie den albernen Aberglauben endlich ablegten, den Mensch nähmen, wie er seiner Natur nach ist, weiß ich nicht, zumindest böte eine epikuräische Weltsicht eine Chance für eine friedlichere Welt als dieser Segensmentalismus einer Supermacht um ihre Dollarheiligen, die gerade ihren wirklichen Papst zum Präsidenten wählten und damit genau das bekommen, was sie aus Sicht des kritisch denkenden Europäers schon lange sind, ein unfreier Staat, der populistischen Forderungen gerne folgt, wie blöd sie auch sind, solange es dem neuen Heiligen gelingt, seine Gegnerin als Ausgeburt des Teufels darzustellen.


Aber hier soll es ja nicht um Politik sondern um die Seele gehen und die Fragen, die sich dazu stellen, nur zum Verständnis der durch ständigen TV-Konsum aufgeklärten amerikanischen Seele, was immer das nun ist, konnte der Ausflug helfen, der wieder zu den Wurzeln führt, der Frage von der Sterblichkeit der Seele oder ihrer besser Nichtexistenz aus Gründen der Freiheit. Doch zeigte der Ausflug wie präsent der Aberglaube auch in einem eigentlich aufgeklärten Staat ist, der von radikalen Aufklärern gegründet wurde und von denen einige auch im berühmten Salon des Baron d’Holbach verkehrten mit den Enzyklopädisten, die zwar noch anonym aber doch deutlich und weit verbreitet erstmals nach Lukrez wieder den radikalen Atheismus dachten, der die Absurdität des Aberglaubens für die Ordnung der Gesellschaft hinterfragte.


Gerne führen die Verteidiger des Abendlandes die 10 Gebote an, die aus der jüdischen Tradition stammen, wie das christliche Weltbild, um gegen den bösen Islam und seine Grausamkeit zu wettern, ohne zu bedenken oder zu wissen, dass der Islam all diese Gebote auch kennt. Die Werte Europas aber, die es heute vom Morgenland unterscheidet, in denen vielfach noch knechtische Gottesherrschaft die Menschen unterdrückt, sind ein Produkt der Aufklärung und wurden mühsam im Kampf gegen die Kirche errungen. Von Menschen, welche die Existenz einer Seele leugneten, um dafür Menschlichkeit menschlich zu definieren, gutes Handeln aus dem nur menschlichen Gewissen zu begründen.


Auch Kant kannte und schätzte den Lukrez sehr. Er war zwar auch preußischer Hochschullehrer und lehnte sich darum nicht gegen die gottgewollte Obrigkeit direkt auf, doch sein kategorischer Imperativ ist immer noch der überall und jederzeit gültige Maßstab moralischen und also guten Handelns, der erstmals keinerlei Gott mehr braucht.


Gut handelt danach, wer stets so handelt, dass sein Handeln allgemeines Gesetz für jedermann sein könnte. Dies ist nur ein theoretischer Näherungswert, der in der Realität nie ganz erreichbar war. Aber wichtiger als die Strenge dieses Maßstabes sittlichen Handelns ist, dass er nur dem Gewissen unterworfen ist in dem Sinne wie Kant Aufklärung definiert. Hier braucht es keinen Gott mehr für moralisches Handeln sondern allein eine menschliche Entscheidung dafür.


Wir sind dafür verantwortlich, ob wir aufgeklärt handeln, also aus der, wie Kant es sagte, selbstverschuldeten Unmündigkeit befreit, die nichts als ihrem Gewissen verantwortlich ist, an dem jede Norm zu messen ist, ob ihr gefolgt werden soll oder nicht. Diese philosophische Feststellung ist die eigentliche Basis des Rechtsstaates, der aus heutiger Sicht im klaren Gegensatz zum Unrechtsstaat mit göttlichem Regime steht, weil es den einzelnen verantwortlich macht und nicht nur als bloßen Befehlsempfänger gehorsam, auch wenn das manche im politischen Spektrum nicht ganz verstanden haben.


Auch das Strafrecht ist so eine Gratwanderung, die auf dieser Gewissensfreiheit aufbaut, die Strafe erst möglich macht, weil sie den einzelnen für verantwortlich und also frei erklärt, andererseits eine Methode anwendet, die ethisch nichts bringt, faktisch nur ein kriminelles Umfeld meist schafft, das Gegenteil des kategorischen Imperativs institutionalisiert, also eigentlich Blödsinn ist, der nur aus der Hilflosigkeit geboren wurde, denn was sonst sollen wir noch tun, Gewalt und Kriminalität Herr zu werden?


Max Stirner, der seine Welt ohne alle Götter nur auf sich stellte, wird darauf anders geantwortet haben als sein Kommilitone Karl Marx, dessen dogmatische Lehre von der Diktatur des Proletariats zur neuen Religion wurde, nachdem Kant Gott zur Begründung der Moral vorher überflüssig machte. Der spätere Sozialismus und auch der abartige Nationalsozialismus als eine Mischform reaktionärer Sichten mit sozialistischen Träumen, der so viele Deutsche tief im Herzen leider ansprach, waren nur neue Religionen, auch wenn sie dies leugneten und bauten auf dem an eine Seele und die Macht über sie gewohnten Denken auf.


Warum die Seele sterblich ist, wenn es denn eine geben soll, hat Lukrez besser als alle begründet, schöner zumindest in seinen Versen, denn wie sollte etwas sein, was nicht stirbt, wenn es so wäre, könnte es nicht menschlich oder Teil der Natur sein, außer der aber real nichts ist.


Warum sie kein Gewinn ist für uns sondern nur mehr Unfreiheit bedeutet, wurde ausführlich begründet. Bleibt nur die Frage, was mit der wortgleichen Verwendung im Alltag auch in Medizin und Psychologie ist. In der Psychologie schätzt insbesondere auch die Psychoanalyse diesen Ausdruck, die mit ihrer Glaubenshypothese vom Unterbewusstsein aber auch nichts anderes als eine postreligiöse Glaubensgemeinschaft in manchem ist, warum eine kritische Sicht auch auf diese teilweise Wissenschaft angebracht wäre, die der Natur teilweise mehr unterstellt als sie an Erkenntnis sucht und durch die Normierung der Krankheit der Psyche auch zu mehr Unfreiheit führte. In der Medizin hat der Begriff aus dem Aberglauben auch nichts verloren und so sollte dieser Terminus vermutlich wie das Wort Neger künftig gestrichen werden, weil es nur für eine Epoche der Sklaverei und Unfreiheit steht, die mit demokratischen Grundsätzen schwer zu vereinbaren ist.


Die Seele mag für einige nichts schlimmes sein, für die meisten aber ist sie noch mit dem Aberglauben verbunden und sollte darum auch so verwendet werden, als ein Glaube, der kein reales Gegenstück hat, unfrei macht und darum besser hinterfragt würde, als gewohnheitsmäßig nachgeplappert.


Klar kann jeder Seele sagen und nutzen, wenn es ihm gefällt, in Süddeutschland gibt es solche sogar zu essen aber wer sein Tun reflektiert sollte diesen Ausdruck, der von den Religionen vergewaltigt, auf ewig für die Unfreiheit steht, nicht mehr benutzen, um der Freiheit willen und aus Respekt vor der Natur oder zumindest mal herzlich darüber lachen, was schon hilft die Angst vor dem Unsinn zu verlieren.
jens tuengerthal 15.12.2016

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Gretasophie 002

002 Worum es geht - Natur oder Seele

Gestern ging es um den Anfang und da sprach ich schon von der Seele, an die ich nicht glaube, die aber auch in der Schule meiner Tochter immer wieder erwähnt wird, als sei das völlig normal, solchen Aberglauben vor vernünftigen Menschen zu verkünden. So hat die christliche Sekte unseren Verstand bereits soweit eingenebelt, dass keiner mehr kritisch fragt, was soll denn das Gerede von der Seele überhaupt, wo soll die sein, was ist das, denn was es nicht materiell gibt, ist vernünftigerweise nicht existent. Sind Natur und Seele ein Gegensatz, weil da irgendwas außerhalb unseres Gehirns herumwaberte und was soll das der Natur nach sein, wem nutzt dieser Gegensatz von Natur und Seele und was ist überhaupt noch Natur und was genau nicht?

Diese Frage treibt mich in den nächsten vier Kapiteln um, die mit je kleinen Buchstaben als Unterüberschriften noch abgeteilt werden, was viel systematischer klingt, als es in meinem Kopf vorgeht, mir aber hilft, mich beim Schreiben nicht völlig zu verwirren und vom Thema abzukommen, bei dem zu bleiben, worum es geht.

002a Naturbetrachtung und Glaube

Sind wir nur Natur oder mehr und was könnte je mehr sein, wenn alles Natur ist?

Alles ganz natürlich oder eher abstrus und künstlich, denke ich und werte mit abstrus alles nicht natürliche ab, als sei ich wie der inkontinente Rousseau ein Anänger des zurück zur Natur, was ich über 25 Jahre nach der Lektüre von Hesse irgendwie hinter mir habe, wie ich dachte.

Doch wenn ich sage, alles sei Natur, da wir Natur sind, ist auch alles natürlich, was wir tun und auch die Produkte unserer Chemie und was wir Kunststoff nennen, der wiederum aus dem Naturprodukt Erdöl gewonnen wird.

Klingt auch unsinnig gerade wenn wir an die katastrophalen Folgen etwa des Naturproduktes Uran in der Natur denken, wenn zufällig ein Kernkraftwerk nicht wie geplant funktioniert. Dann lebt wie in Tschernobyl oder an manchen Orten Japans für tausende von Jahren nichts mehr.

Manche warnen uns vor dem Missbrauch der Natur, die Veganer wollen uns vor dem Fleisch beschützen oder die armen Schweine vor uns, so ganz klar ist das noch nicht, wem sie sich näher verwandt fühlen. Andere weisen auf die Folgen unserer Lebensweise hin, die Lebensräume zerstörte und Katastrophen logisch herbeiführe. Der gerade in den USA die Wahlen gewann, glaubt das alles nicht und möchte lieber auf Wachstum und mehr Reichtum setzen, statt jede Entwicklung mit Bedenken auszubremsen.

Alle die vom Aussterben bedrohte Tiere retten wollen, schreien auf und warnen vor der Katastrophe, die ein weiter so, für die Umwelt bedeuten würde. Die Natur droht in deren Augen unterzugehen, wenn wir weitermachen wie bisher und viele wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen für diese Sicht der Welt, zumindest nach allem, was wir bisher wissen.

Ob die Klimaveränderung auch positive Wirkungen hätte, ist bisher nicht bekannt, auch sonst wissen wir manches noch nicht so ganz genau, etwa ob eine kommende Eiszeit durch die globale Erwärmung ausgeglichen würde oder was passiert, wenn durch Abschmelzen der Pole als Folge der Erwärmung unser Planet als Trabant der Sonne ein winziges Stück aus der gewohnten Bahn rutschte und sich die Temperaturen in die Gegenrichtung bewegten.

Vieles spricht dafür, mit der Natur, die uns umgibt, so vorsichtig wie nur möglich umzugehen, so wie wir es auch mit uns täten, wenn wir wollen, dass es uns gut geht. Doch wer den Fortschritt ewig aus Angst blockiert, wie es gerade auch im Sinne des zurück zu den guten alten Sachen und eben zur Natur wieder normal scheint, säße noch immer in einer Höhle ohne Strom und Internet, wenn nicht andere mehr gewagt hätten.

Wir müssen alle gerade irgendwie eine Haltung zur Natur finden und zur Umwelt. Wer ein guter Mensch ist, will sie schützen und die Tiere retten, scheint unsere Ethik sich über die Natur zu legen. Aber ist der weniger gut, der mit Ausbeutung der Natur Arbeitsplätze  schafft, Menschen ernährt, Wohlstand schafft?

So ist manches in unserem Verhältnis zur Natur verwirrend, obwohl es doch ganz einfach sein müsste eigentlich. Ist Gentechnik, die uns vor dem Tod durch Krebs oder überhaupt vor dem frühen Sterben vielleicht retten kann, eine Therapie bei vielen bisher tödlichen Krankheiten bieten kann, gut oder schlecht und was ist der Maßstab dies zu sagen?

Darf über solche Fragen nur urteilen, wessen Leben damit gerettet wurde oder gerade die nicht, weil sie ja befangen wären und warum ist nicht automatisch gut, was hilft?

Während ich diese Fragen zu unserer Natur und zum Umgang mit der Natur stelle, was noch natürlich ist und was nicht mehr, fragt sich wohl mancher, ist es seine Seele, die ihn dazu treibt, die seinen Worten Feuer gibt oder liegt es in seiner Natur so über ganz natürliche Dinge zu schreiben und nachzudenken.

Für mich scheint es völlig natürlich, sich danach zu fragen, wäre es im Gegenteil, total unnatürlich, dies nicht zu tun, weil Hinterfragen Teil meiner Natur ist, oder ist es das Produkt meiner Erziehung, der vielen Fragen, die mein Vater sich ständig stellte und auf die er mich hinwies mit seinem liebenden aber immer auch kritisch dialektischen Blick in die Natur?

Was wird es für meine Tochter sein, die ungetauft ist und so wenig, glaube ich zumindest, glaubt wie ich, zumindest an keine Kirche und keine Heiligen?

Sie hört von Seele in der Schule reden, nicht nur in Religion, auch in anderen Fächern wird davon geredet, als sei es normal und nicht verrückter Hokuspokus, elender Aberglaube, weniger wert noch als die verlogene Astrologie, die schon schrecklich genug mir immer schien. Was wird sie sich denken, wenn ihr Vater sagt, alles Blödsinn, gibt es nicht, die sind alle doof - befreie ich meine Tochter damit von der Sklaverei der Vorurteile oder stürze ich sie unnötig in einen Konflikt, sollte ich ihr besser die Anpassung leichter machen, muss ich, wenn ich mein Kind schon auf eine Waldorfschule gehen lasse, nicht auch an diesen ganzen Anthro-Unsinn glauben?

Leichter für sie wird es, wenn sie im Strom mitschwimmt, aber ich habe so das Gefühl, dass ihr das so wenig liegen wird wie mir und sie lieber aneckt, wenn ihr Verstand ihr etwas anderes sagt, es auch schon getan hat, als sie das Beten verweigerte und sich damit durchsetzte, ohne dass ich ihr je etwas dazu geraten habe, als schau es dir an und folge dem, was dir richtig scheint. Ist dieser ganze Seelenmüll, den so viele ständig von sich lassen, der so verlogen ist wie der Müll vom Unterbewusstsein, der für mich auch nur mit der Psychoanalyse als postreligiöse Sekte mit gleichen Mitteln kam, etwas wert?


Hätte sie diesen Querkopf und diesen eigenen Willen von mir geerbt, wäre ich stolz, aber ich glaube er könnte genauso von der Mutter stammen und ist vor allem ihr eigener, wenn sie ihn denn hat, was ich aber ein wenig schon glaube, jedenfalls wird sie es damit schwerer haben. Bei allen Lehrern, die nur ihren Stoff durchziehen sind solche Schüler, die mitdenken und eine Meinung haben immer unbeliebt.

Was der Gewinn davon ist, anders zu sein als die meisten, selbständig und kritisch zu denken, kann ich nicht so genau sagen, es bringt erstmal hauptsächlich viel Ärger, macht das Leben anstrengender weil logisch unangepasster und bringt auch sonst keinen messbaren Gewinn. Diejenigen müssen sich nur mit Gedanken quälen, auf die andere nicht mal kämen, können dafür Antworten finden, die vorige nicht mal ahnen. Ob das ein Gewinn ist, weiß ich nicht - in messbaren Kriterien der Anpassung und Optimierung sicher nicht. Es ist aber auch egal, wie es müßig ist, sich über die  eigene Haarfarbe zu grämen, wenn es eben meine Natur ist, sie so hell oder dunkel zu haben.

Ob es uns gut tut, unsere Natur zu verändern, uns die Haare zu färben, den Busen oder die Schamlippen operieren gar die Nase korrigieren zu lassen, ist nicht gewiss. Bei den Haaren richten wir wohl am wenigsten Folgeschäden an, beim Rest fehlt die wirklich lange Erfahrung damit noch. Andererseits, können Opfer von Unfällen oder Krankheiten nun wieder hergestellt werden, wo sie früher wie Aussätzige leben mussten, die sich nichts anderes wünschten, als normal zu sein. Was ist da noch normal, was ist gut und warum braucht es dabei überhaupt Grenzen als die eigene Lust und den eigenen Geschmack?

Muss ich die Natur und den Wunsch sie zu verändern bewerten?

In bestimmten Kreisen wird es immer üblicher der Natur nachzuhelfen, von Botox bis Silikon ist alles gut, was den Anschein von straffer Jugendlichkeit weckt, statt ehrliche Reife zu zeigen. Junge Frauen mit natürlich kleinen Brüsten lassen sich grässliche Ballons anoperieren, die nicht zum Rest passen, weil die Natur es doch so vorgesehen hat, denke ich und frage ich doch zugleich, wer darüber urteilen kann und darf.

Finde da kein klares Urteil, wenn es einer Frau das Leben rettet, sich die Brüste abnehmen zu lassen und sie sich danach diese künstlich nachbilden lässt, finde ich das gut und verständlich, dagegen scheint es mir absurd, wenn eine nur ihre Körbchengröße aus welchen Gründen auch immer verändern will, um sich besser zu fühlen.  Frage mich aber, ob meine Unfähigkeit hier klar zu urteilen, damit zusammenhängt, dass ich nicht an eine Seele  glaube, für mich Geist und Körper eins sind und wer so etwas tut, doch nicht ganz zurechnungsfähig sein kann für mein Empfinden.

Erleichtert vielleicht die Trennung von Körper und Seele diesen idiotischen Umgang, den viele Menschen mit ihrem Körper zeigen oder ist das schlicht eine Frage von Geschmack und Stil und wem es an beiden mangelt, der lässt sich eben operieren?

Urteile zugegeben schon in der Frage ein wenig, weil ich ja auch meiner Tochter hier die Welt erklären will und es dabei darum geht, wie es sein sollte, was ich für richtig und gut halte. Doch wäre ich unaufrichtig und völlig bescheuert, wenn ich nicht auch meine Urteile hinterfragte, ob ihrer Basis und ihrer Tauglichkeit.

Schönheits OPs sind nicht mein Ding, außer wenn medizinisch dringend indiziert, völlig überflüssig, wie die immer noch zulässige Beschneidung von Knaben aus nur Gründen des albernen Aberglauben, doch werde ich in der Frage des Aberglaubens und der Beschneidung nicht zu laut werden, weil es eben auch ein sensibles Gebiet ist, ich meinen jüdischen Freunden gerade als Deutscher nicht auf die Füße treten möchte, auch wenn ich ihnen meine Meinung dazu immer sagen würde. Was mich zu der Frage bringt, wo fängt bei der Behandlung der Natur die Toleranz an und welche Rechte müssen wir schützen?

Bei der Klitorektomie sind wir sicher, dass die Opfer schutzbedürftig sind, bei der Beschneidung nicht, weil die Folgen nicht so gravierend meist sind. Aber in der Sache unterscheiden sich beide voneinander so wenig wie sich letztlich auch die Taufe nicht von diesen unterscheidet, auch ohne jeden körperlichen Eingriff. Es geht also scheinbar nicht ums Prinzip sondern nur um eine graduelle Unterscheidung von mehr oder weniger schlimm in der konkreten Auswirkung.

Nehme ich mir aber meinen Kant und seinen kategorischen Imperativ als höchsten moralischen Maßstab des Handelns, fällt mir auf, dass passt hinten und vorne nicht, ist einfach völlig verlogen. Entweder ich schütze die körperliche Integrität und also auch die geistige Freiheit eines jeden Kindes von Eingriffen der Sekten oder ich lasse diese aus Tradition halt machen, weil wir es so gewohnt sind, aber das eine mehr als das andere zu verurteilen, ist einfach nur verlogen und sollte überwunden werden. Egal was alle Gesetze sagen, entweder die Taufe ist so schlimm wie die Beschneidung und die Klitorektomie, weil sie auch in die psychische Integrität und Freiheit unschuldiger Kinder eingreift, die vor Religion möglichst lange zu verschonen sind, oder ich lasse eines wie das andere aus Gründen der Achtung anderer Traditionen geschehen, weil es mich als freien Ungläubigen ohnehin nichts angeht.

Darum auch habe ich meine Tochter nicht taufen lassen und finde schon den Gedanken daran absurd, denke aber auch, vielleicht ist es auch ok alte Sitten zu tolerieren, wie gerade bei meinem besten Freund, der seine Tochter wie üblich als Baby taufen ließ. Moralisch müsste ich meinen alten Freund damit entweder den Verrückten gleich setzen die Klitorektomie betreiben, weil es inhaltlich um das gleiche geht, was ich ablehne oder einfach Toleranz üben, weil es nicht immer darum geht, Recht zu haben, sondern auch miteinander auszukommen.

Nach dem kategorischen Imperativ müsste ich kategorisch urteilen und den Freund einen Verbrecher nennen, der sich auf einer Stufe mit diesen Mädchenbeschneidern befindet, rituell ist es ja nichts anderes als die eben übliche Initiation, doch scheint mir nichts absurder gerade bei ihm, der aus einer Familie stammt, die auch auf ihre ethische und soziale Haltung großen Wert legen und den ich als nachdenklichen und sehr kritischen Menschen kenne und in manchem eben auch sehr traditionellen Menschen.

Weiß da nicht wirklich klar und logisch zu urteilen, denke, ich werde auch ihm und jedenfalls meine Tochter weiß auch wem, diesen Text zu lesen geben und bin gespannt, was er dazu sagt, wenn er meine Gedanken über Natur und erfundene Seele so liest.

Der gute Lukrez, den die römische Kirche so gerne totschweigen wollte, weil er zu radikal epikuräisch dachte und zu klug und schön dabei noch schrieb, führt in seinem großen Werk de rerum natura, also von den Dingen der Natur für alle fast Nichtlateiner wie mich, der nur gern gebildet tut, 23 gute Gründe an warum die Seele sterblich ist und weitere ganze Kapitel warum sich die Götter nie um uns kümmern würden, wenn es sie denn gäbe, was er noch weiter infrage stellt damit als sein geistiger Lehrer Epikur, den er lobt. Dem ist wenig hinzuzufügen, denke ich und ich empfehle allen die Lektüre, auch meiner Tochter, die ja weiß, wo er steht.

Könnte noch von mir etwas erzählen, was ich schon oft genug gesagte, wie einfach nichts mehr war, als ich klinisch tot war und mich diese ganzen Phantasien derer, die behaupten zurückgekommen zu sein aus dem Reich des Todes eher amüsieren und langweilen, wie mich ja auch der Herr der Ringe bald langweilte, Fantasy und Märchen sind nicht meine Welt, ist halt so.

Ob ich wohl leichter auch an eine Seele glaubte, wenn ich mehr Fantasybücher wie die Bibel lesen würde oder mir meine Vernunft dabei immer im Wege stünde, frage ich mich und weiß doch, ich will es gar nicht anders, weil dieser olle Aberglaube an etwas außer mir oder gar etwas unsterbliches für mich nichts tröstliches hat sondern nur mir nur dumm vorkommt, als wollte mich jemand für blöd verkaufen, mir so etwas erzählen zu wollen. Leute die an Außerirdische glauben, halten wir meist für eher blöde, auch wenn dafür wesentlich mehr spricht, als an den Sagen der Religionen je dran war, bei denen noch dazu die Theologie versuchte den Unsinn logisch zu begründen durch so absurde Thesen wie den Gottesbeweis des Anselm von Canterbury, der sagt, er muss einfach da sein, weil wir nichts höheres mehr denken können, weil wir ihn denken können aber nichts über ihn sein könnne.

Dies kam mir schon immer suspekt vor, doch Anselm war kein Idiot, er gilt als Großvater der Scholastik und schrieb auch andere kluge Sätze, die ich lieber gleich ohne Vortäuschung falscher Ahnung auf deutsch zitiere: “Glaube, der nach Einsicht sucht” “Ich glaube, damit ich verstehe.” Der letzte Satz, lohnt sich doch mal sich auf Latein auf der Zunge zergehen zu lassen - Credo ut intelligam - da steckt manches drin, was wir in unserem alltäglichen Wortschatz benutzen, ohne an seine lateinischen Wurzeln noch zu denken. Ein wichtiger Lehrer, dem Katholiken wie Protestanten und Anglikaner gleichermaßen am 21. April jährlich gedenken.

Sein Glaube ist mir fremd, sein Gottesbeweis, scheint mir unsinnig, aber seine Suche nach vernünftigen, also philosophischen Gründen für den Glauben im ansonsten dunklen Mittelalter liegt mir nahe. Umberto Eco schrieb über diese scholastischen Fragen wunderbar in seinem Roman der Name der Rose, bei dem am Ende die wunderbare Klosterbibliothek und das Kloster verbrennen damit nur keiner die verbotene gefährliche Schrift von Aristoteles über die Komödie läse, zum Lachen gar gereizt würde in grimmiger Welt in der wir nur die üble Zeit vor dem erstrebten Paradies verbrächten, als sei was ist auch nur eine erfundene Vorhölle.

Eine Hoffnung auf ein Jenseits oder eine andere Welt ist auch heute noch in der Welt in der meine Tochter lebt präsent, so absurd das auch klingen mag. So hoffen muslimische Selbstmordattentäter auf ihre gute Position im Jenseits mit wievielen Jungfrauen auch immer, was ich noch nie verstanden habe, denn nichts ist langweiliger beim Sex als Jungfrauen beim ersten mal, aber es gibt ja immer auch ein zweites mal noch zu erhoffen.

So dumm und lächerlich blöd aus der Welt des naiven Aberglaubens einer chauvinistischen Männerwelt entliehend dieser islamische Mist auch klingt, es reizt viele und so viel besser ist der Gedanke an ein christliches Paradies auch nicht, für den auch noch viele leben, die wir für relativ normaler halten als die Selbstmordattentäter.

Islam, Christentum und Judentum unterscheiden sich nur graduell nicht inhaltlich wirklich. Sie nennen ihren Gott nur anders oder nennen ihn auch gar nicht lieber aber folgen den gleichen 10 Geboten alle und haben darauf dann je nach Art sektiererisch noch ihre Geschichten dazu erzählt. Es finden sich solche Sagen und Erzählungen genauso im Hinduismus in Indien oder bei asiatischen Religionen verschiedenster Art wieder. Von den Eskimos bis zum Amazonas gibt es Sagen mit übersinnlichem Charakter von der jeweils umgebenden Natur beeinflusst.

Es gab auch schon immer eine Gruppe von Zweiflern am überall verbreiteten Aberglauben und die hatten es meist schwer, galten als gefährlich wurden auch hingerichtet oder noch besser gleich verbrannt als Ketzer. Unter diesen gab es einige der klügsten Köpfe wie einen Giordano Bruno, der starb, weil er die Unendlichkeit des Weltraums in Raum und Zeit postulierte, was nicht zum geozentrischen Weltbild passte. Inzwischen haben sogar die Römer 2000 diese Hinrichtung der Inquisition durch den Papst als Unrecht anerkannt aber das nützt Giordano nichts mehr, so wenig wie sich Leonardo da Vinci noch auf die Vernunft verließ, als er wusste, dass die Erde sich doch bewegte, weil er lieber weiterleben wollte und darum nach Tagen in Haft wunschgemäß widerrief.

Die Erde war nach katholischer Lesart lange eine Scheibe von der einer runterfiel, der zu weit an den Rand ging warum es ja um so erstaunlicher war, dass Ferdinand und Isabella die Könige des allerkatholischsten Spaniens der Inquisition und der Vertreibung der Muslime in der Reconquista und Juden tatsächlich diesem verrückten Genuesen Geld gaben, der in westlicher Richtung einen Seeweg nach Indien entdecken wollte und die hispanischen Inseln fand, sich Christoph Kolumbus nannte.

Vielleicht taten sie das, weil der Seefahrer eigentlich nur Geld damit sammeln wollte, um Jerusalem von den Mauren zurückzuerobern. Ein hehres katholisches Ziel, gegen das auch der Papst nichts haben konnte, auch wenn dieses ursprüngliche Ziel völlig vergessen wurde, nachdem das Gold der Azteken und Inkas entdeckt wurde. Damit wurde Spanien für einige Generationen sehr reich und leistete sich viele Kriege auch für den Glauben, die es sich eigentlich nicht leisten konnte. Bei einem davon kam der Schwiegersohn von Ferdinand und Isabella ums Leben, der schöne Philipp, worauf seine Witwe, die bestimmt auch nicht hässliche Johanna, angeblich wahnsinnig wurde und der Enkel Karl nach dem Tod seines Opas König von Spanien wurde und die Kolonien in Südamerika mit Goldgruben erbte. Bald danach starb auch Karls anderer Großvater, der dem Jungen aber zumindest noch einige Jahre ließ, erwachsen zu werden. Wenn der eine Opa schon Ferdinand von Aragon hieß und mit seiner Isabella von Kastilien zusammen durch die Ehe Spanien vereinte in einer Krone, wird der andere auch vermutlich nicht Bäcker gewesen sein.

Der war sogar noch berühmter, er wird der letzte Ritter genannt und war Kaiser Maximilian I., den Dürer mehrfach malte, der später auch den Enkel portraitierte. Dafür wurde der Enkel Karl in Spanien I. und im Heiligen Römischen Reich irgendwie Deutscher Nationen, was immer das noch war, der V., jener Kaiser in dessen Reich die Sonne nie unterging, dessen Vater in einer dazu noch Liebesheirat den Habsburgern noch Burgund erheiratet hatte, einer der mächtigsten Herrscher, den diese Welt je sah, reich vom Gold aus den Kolonien und arm von den vielen Kriegen, die er gegen Nachbarn und Konkurrenz führen musste, denn seine Zeit war eben auch diejenige der Reformation, in der Luther die Kirche im Reich spaltete, was auch Karl persönlich aus dem schönen Spanien in einige Schlachten ziehen ließ.

Karl war nicht sehr beliebt bei vielen, hatte auch manche Feinde, aber war auch ein nach seiner Überzeugung ganz korrekter Arbeiter, der seine Regierungsgeschäfte so gewissenhaft und korrekt erledigte wie eine Merkel, die auch weniger die Massen begeistert, als einfach als zuverlässig gilt, der Ausrutscher mit den Flüchtlingen war eben nur einer.

Doch nicht nur in Deutschland reformierte sich die Kirche, auch in England und in Italien und Frankreich tobte die Renaissance teilweise auch die Reformation, bei der es die Hugenotten, die französischen Protestanten oft sehr blutig tragf, bis sie wie die Mauren aus Spanien vertrieben aus Frankreich wurden, dass die Mauren da länger schon beherrschten als die Christen jetzt, die seit Karl aus dem Hause Habsburg kamen, bis der Enkel des französischen Königs Henry IV. die Schwäche des Hauses Österreich nutzte, um für seine Schwiegertochter den spanischen Thron zu erstreiten vor den österreichischen Habsburgern, womit seitdem das Haus Bourbon in Spanien an der Macht war, die dort heute noch repräsentieren, während sie Frankreich nur bis zur Revolution und später noch kurz regierten. Dieser berühmte Enkel von Henry IV, den die Franzosen so lieben, war Ludwig XIV., wie es nach Henry bis zur  Revolution in Frankreich nur Ludwige von 13.-16. gab.

Dieser kleine historische Ausflug sollte zwar auch unterhalten, nicht nur einschläfern, darum auch die schnellen Sprünge über die gähnenden Abgründe meiner Ahnungslosigkeit im Urwald des bruchstückhaften Wissens, vor allem aber ging es darum zu erklären, warum die Macht der Kirche auf die Menschen eine so große Rolle spielte, weil sie die Kaperfahrten in die Kolonien legitimierte, die Welt zwischen Spanien und Portugal  auf dem Weg nach Indien untereinander aufteilte. Es veränderte sich damit auch die alte Welt und alte Reisewege über die Porzellan, Seide und Gewürze nach Europa kamen.

War es früher die Seidenstraße, die über Byzanz und Venedig nach Europa führte, war es nun der Seeweg, bei dem kein kleiner Herrscher zwischendurch Zölle erheben oder Waren beschlagnahmen konnte, auch wenn das Wetter immer wieder auch unsicher war, manches Schiff sank, die Reisen viele Monate dauerten, es lohnte sich für Spanien und Portugal, die aber keine eigene Wirtschaft im Land damit aufbauten, sondern mit dem Gold der Kolonien quasi auf Pump lebten, was manche Zahlung verzögerte, wie jene Karls an seine Söldner in Italien, die dann den berühmten Sacco di Roma zur Folge hatte, was zu einer Umverteilung vieler Kunstschätze führte und so ist sie bis heute teilweise sichtbar.

Die über Maximilians Hochzeit mit Burgund an die Habsburger gelangten Niederlande wiederum teilten sich in Zeiten der Reformation auf und was im sonstigen Reich zum 30jährigen Krieg führte, dauerte dort bis zum Frieden 90 Jahre, auch wenn es zeitgleich etwa endete, und dann gab es eine Republik, die Vereinigten Niederlande und einen Teil, der katholisch und bei Habsburg blieb. Dass wurden nach Karls Abdankung die spanischen Niederlande, die sein Sohn Philipp II. bekam, der die Krone Spaniens erbte, während er die des Reichs an seinen Bruder Ferdinand überschrieb und so gab es nun spanische und österreichische Habsburger, die  oft untereinander noch heirateten, um den Besitz beisammen zu halten. Wer sich die späten Bilder dieser degenerierten Familien mit dem auffälligen Kinn ansieht, merkt wie offensichtlich Vererbung manchmal funktioniert, alles eben nur Natur ist, auch in Herrscherhäusern.

Frankreich kämpfte in diesen Kriegen mal auf Seiten der protestantischen Schweden dann wieder gegen eigene Protestanten zuhause, mit denen mühsam Frieden ausgehandelt wurden, die betrügerische Katholiken wieder für den wahren Glauben mörderisch brachen im Auftrag des Herren. Dies ist auch die Zeit in der in Frankreich gegen Ende des 16- Jahrhunderts Michel de Montaigne schrieb und durch Deutschland und Italien reiste, um darüber zu berichten, was tiefe Einblicke in bis heute unveränderte Charaktermerkmale auch einheimischer deutscher Bevölkerung bestimmter Regionen des Reichs offenbarte.

Nicht nur darum lohnt sich die Lektüre von Montaignes Reisetagebüchern so sehr wie seine Essays, in denen er so gerne weitschweifig plaudert über, das, was ihn umtreibt und seine Zeit veränderte, allerdings nicht in erster Linie für seine Tochter, sondern für sich aber auch er war ein Tochtervater, der zwar Gutsherr war und eine zeitlang auch Bürgermeister von Bordeaux und zuhause Winzer und Gutsverwalter, ansonsten aber eher vor seiner Frau in seinen Bücherturm floh, lesen und schreiben wollte, sich darum auch relativ früh in eben diesen Hugenottenkriegen, während Pest und Cholera neben Raubrittern die Bevölkerung stark dezimierten, von allen Ämtern zurückzog.

Montaigne war katholisch, aber er war mit dem früheren Protestanten Henry IV., der erst für seine Krone, oder genauer für den Friede mit Paris seinen Glauben als Nachfahre der Könige von Navarra aufgab, weil Paris ihm eben eine Messe wert war, wie gerne oft und vermutlich falsch zitiert wird, was sich aber immer gut macht, zu wissen. Er hatte mindestens so viel protestantische Verwandte wie Katholiken unter den selbigen waren, hielt sich darum lieber raus und wollte nur in schweren Zeiten in Frieden leben, am liebsten in seinem Turm mit seinen Büchern. Er wurde noch von einigen der Henry Könige und Fürsten, die sogar mal zu Dritt gegeneinander fochten, um Rat gefragt und ritt immer wieder dazu nach Paris auch wenn ihn seine Gallensteine dabei plagten und er des Reisens müde war, weil er seine Pflicht als guter Franzose tun wollte.

Henry hat als Experiment von seinem Vater, der ganz dem Geist der Renaissance verpflichtet war, eine interessante Erziehung erhalten. Direkt nach der Geburt kam er weg von seinen Eltern und für die ersten Jahre auf zu Bauern in einem nahen Dorf, auf dem er ganz ländlich gesund in einfachen Verhältnissen die ersten Jahre aufwuchs. Dann engagierte der Vater einen Lateinlehrer, der mit seinem Sohn nur in der Sprache der Humanisten sprechen sollte und alle wurden verpflichtet nur Latein mit Michel zu reden, was kaum einer konnte, doch Michel lernte es fließend, wie später in der normalen Schule, auf die er dann noch kam, französisch und griechisch. Er war hochgebildet und belesen, vom Geist der Renaissance beseelt in ständiger Korrespondenz mit den großen Geistern seiner Zeit, zu deren größten er zählt. Frühe Erfahrung mit dem Tod seines Bruders und später seines besten und engsten Freundes während der Pestepidemie prägten sein Denken lange, bis er nach der Lektüre von Lukrez, seine Angst vor dem Tod auch schreibend verlor und frei wurde, sich von möglichst allen Pflichten frei machte und sein Leben so genoss, wie er nur konnte

Keiner der Macht wollte, sondern einer der nur seine Pflicht tat, wie es eben nötig war und den der Glaube nur am Rand interessierte, dafür aber ein atheistischer Philosoph wie Lukrez um so mehr, den er häufig zitierte und also ein freier Geist, der seinen Weg ging, um das Leben so zu genießen, wie es ihm gefiel. Im höheren Alter, naja viel älter als ich jetzt, ist er ja nie geworden, liebte er noch eine viel jüngere Leserin, die seine letzten Editionen verwaltete und seine geliebte auch Briefpartnerin wurde. Ein Philosoph und Liebender also, welch wunderbares Vorbild beim Nachdenken über das Leben, was es ausmacht und wonach wir streben sollten, um glücklich zu sein.

Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen, sagte Cicero so passend, dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn ich den Garten wie Montaigne die Verwaltung seiner Güter auch lieber meiner Frau überließe, wenn ich denn eine hätte, aber so soll jeder nach dem Streben, was ihn hier und jetzt glücklich macht - falls es ein Paradies gibt, werde ich es spätestens erfahren, wenn ich da bin und wenn nicht, kommt es darauf auch nicht mehr an, so wenig wie eine drohende Hölle, mir hier Sorgen macht, während ich genießen sollte, was ist, statt mir ewige Sorgen noch zu machen über Götter, ihre Regeln oder nicht, sondern mich mehr bemühe, mein Leben so zu genießen, wie es mir gefällt.

Ob es in der Natur, die ich als einziges sehe, eine Seele gibt, weiß ich nicht, wüsste aber weder wo sie sein sollte noch wozu, noch weniger habe ich je verstanden, was es mir nützt, so etwas zu erfinden, um es zu fürchten. Manche sehen das anders und beten um ihren Seelenfrieden, den ich lieber ohne allen Glauben ganz menschlich genieße, am liebsten in meinem Turm voller Bücher für mich. Früher hätte ich noch um die logische Nichtexistenz einer Seele gefochten, heute ist es mir einfach egal, was andere glauben wollen, wenn es sie glücklich macht und solange ich die Freiheit habe diesen Aberglauben und Blödsinn aus meiner Sicht auch so zu nennen, bei vollem Respekt und aller Hochachtung gegenüber den im Aberglauben gefangenen Menschen ohne Seelen.
jens tuengerthal 14.12.2016

Gretasophie 001

Wie alles anfing


Glaube jeder Vater träumt einmal davon seiner Tochter, die Welt zu erklären, zumindest heimlich, denn wer will heute schon, noch was erklärt bekommen. Traut sich noch einer, Besserwisser zu sein oder ist schon der Anspruch dazu verfehlt?


Was weiß ich schon, hätte ich mit Michel de Montaigne auch vorne dran schreiben können, aber den Spruch kennt meine Tochter schon gut genug von mir, muss nicht das Motto sein aber es ist doch so wichtig, dass ich vorher noch sagen möchte, ich habe von nichts wirklich Ahnung, von manchen ein wenig, in wenigem vielleicht mehr als der Durchschnitt, fast überall jedenfalls weniger als Wiki an Fakten uns liefern kann. Was ich hier schreibe ist also weder von einer großen Ahnung geprägt, noch wird es neue Fakten offenbaren, es ist  einfach nur meine Sicht auf die Welt und warum es ist, wie es ist.


Weiß nicht, ob diese Gedanken für meine Tochter, die sich schon im Titel versteckt hat, irgendjemand interessieren, noch nicht einmal bei ihr weiß ich das gerade wirklich, was nicht nur kleine Tiefstapelei wie bei obigem Montaigne ist, sondern eine schlichte Warnung für alle, die hier nun neugierig Fakten erwarten, die ich nicht liefern werde. Es geht nur um meine Sicht auf die Dinge und wie ich sie meiner Tochter weitergeben möchte. Bin weder so belesen wie obiger Michel in den Klassikern noch ein studierter Philosoph sondern hier nur ein Vater, der seiner Tochter schreibt, was er für wichtig hält, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder sonstige wissenschaftliche Ansätze.


Es soll mir Spaß machen beim Schreiben und vielleicht meine Tochter erfreuen, wer es sonst noch lesen mag, soll es halt tun, nur bitte nichts erwarten oder sich über die damit verschwendete Zeit beschweren. Genau den Luxus gönne ich mir, weil ich es will und wichtig finde.


Mein Vater hat mir noch die Welt erklärt und wusste alles oder zumindest zu allem, was zu sagen, was irgendwie klug klang. Von Fossilien und Steinen über Pflanzen, Autos, Bilder, Kirchen, was mich früher am wenigsten interessierte, bis zu Eisenbahnen und Werkzeug - eigentlich wusster er alles und Arzt war er auch noch, konnte mit profesionellen Blick eine Diagnose abgeben, die so lateinisch echt immer klang, dass mir sein Wissen noch fast den Brockhaus zu überholen schien.


Der Brockhaus war früher, was heute Wiki ist und wenn einer, was nicht wusste, wurde nachgeschlagen und laut vorgelesen, damit es danach alle besser wussten. Manchmal fanden sich dann noch Worte oder interessante Sachen daneben und wir starteten neue Brockhaus-Expeditionen, bei denen wir seitenweise die Welt erforschten. Damit mein Vater wieder aufhörte, musste meine Mutter ihm schon manchmal den Brockhaus wegziehen, weil er sich einfach für alles begeistern konnte.


Vielleicht darum reise ich bis heute lieber und leidenschaftlicher in Büchern als real, was ich eher um jeden Preis, zu vermeiden suche, wenn es geht, auch wenn ich es dann doch meist irgendwie mag, wenn ich irgendwo bin und mich für alle sogar Kirchen so begeistern kann wie mein Papi früher.


Mit etwas beschränkterem Horizont habe ich schon früh versucht, mich auf einiges zu  konzentrieren, wer kann schon mit allem glänzen. Literatur, Geschichte, Philosophie, ein wenig Kunst,  etwas von der Jurispudenz, nichts desto weniger träumte ich davon, meiner Tochter, die Welt zu erklären, was sie, wie es faustisch so treffend heißt, im Innersten zusammenhält. Eine zeitlang fand sie es auch ganz nett, als ich ihr Sofies Welt vorlas oder wir von den 5 Freunden dann noch historische Ausflüge machten, aber auch sie rief mich, wie ich meinen Vater, immer wieder zur Ordnung und zum Thema zurück, denn die Welt erklären wollen, ist ja ein unendliches Thema und ein riesiger Auftrag.


Heute kann sie mir schon viele Dinge erklären, von denen ich nichts weiß, welche Youtuber angesagt sind, wie ich Snapchat Videos drehte und vieles mehr, was sie spielend kann, welche Musik gerade hipp ist und warum bestimmte Sachen so und nicht anders getragen werden müssen.


Weil ich ihr heute nicht mehr einfach die Welt erklären kann, die ich ja selbst manchmal kaum verstehe, schreibe ich es ihr einfach, was außer Schreiben kann ich schon, dann muss sie mir auch nicht zuhören, sondern kann es lesen, wenn sie gerade Lust dazu hat und es in ihren eng getakteten Terminplan passt.


Dachte an Sofies Welt und wenn es um die Welt erklären ging und nicht nur die Natur, wie sie ist, geht, was Wiki schneller und besser kann, wie wir dabei anfingen über Philosophie zu diskutieren und so beide viel von der Sicht auf die Welt lernten. Dachte auch an Montaigne und streue damit wieder alle Hinweise so dezent wie eine Neonleuchtreklame. Seine Essays, Lukrez Verse über die Sachen der Natur und noch so einige Bücher haben mich, glaube ich heute, ziemlich geprägt, die werden irgendwie immer wieder vorkommen, denn wer so kluge Vordenker schon hatte, muss ja nicht alles mit seinen beschränkten Mitteln neu erfinden. Aber, ich bin auch zu faul meist wie Montaigne, der sie vermutlich auswendig noch kannte, sie als exakte Zitate spielerisch einfließen zu lassen, sondern werde nur meine Gedanken dazu, so wie ich sie in Erinnerung habe, zum Besten geben.


Fußnoten würden langweilen und Wissenschaft unterhält selten wirklich gut sondern ist harte Arbeit auch für den Schreiber, der dies hier nur aus Vergnügen macht und um seiner Tochter, aufzudrängen, was er für wichtig hält. Dabei möchte ich ihr die Wahl lassen, es zu lesen oder nicht, oder das jetzt und dieses später, manches vielleicht erst, wenn ich längst nicht mehr bin, wer weiß schon, was für fünfzehnjährige Mädchen gerade Priorität hat - traute mir nicht mal zu gleichaltrige Frauen zu verstehen. Nur ich gönne mir, es hier mal  abzulegen und damit über das Leben und meine Sicht in Worten nachzudenken, was ich eigentlich schon immer am liebsten tue.


Ist das nun ein Geschenk für meine Tochter oder eher ein Vergnügen für mich?


Letzteres auf jeden Fall, ersteres von mir aus auch, ob es eine gute Idee ist und besser als ein neuer Shopping-Gutschein, weiß ich nicht, sie kann es dann lesen, wann es ihr gefällt,  zumindest gibt es dann irgendwann mal ein Buch für sie.


Kinder schauen anders auf die alten Philosophen, wenn sie noch nicht von allen Theorien verbogen sind, sondern ihrem Instinkt folgen, der die Welt und was ist, natürlich wahrnimmt. Für diese Sicht offen sein, kann einem mehr zeigen, als in allen Büchern steht und so habe ich beim Vorlesen auch viel gelernt, konnte es nur vermutlich nicht so zeigen, weil ja jeder Papi seiner Tochter die Welt erklären will und nicht von ihr sie neu sehen lernen will.


Fand Babys schon immer langweilig, bedenke ich, wie aufregend der Weg zum Kind ist, sind diese erstmal schlafenden, trinkenden oder brüllenden Frischlinge zunächst keine große geistige Bereicherung. Aber zum Glück sehen sie so süß aus, dass sofort das Kindchenschema greift und wir uns in diese kleinen Dinger verlieben. Noch mehr, wenn es dein eigenes ist, zumindest zur Hälfte der Chromosomen irgendwie, mit all dem was unsere
Gesellschaft noch an dieses Gefühl dranhängt.


Sobald ich sie auf dem Arm hatte, installierte sich auf meiner Festplatte das Papi-Programm - nun hatte ich etwas, was von mir war und blieb, nicht wie die Worte zwischen den Zeilen sich wieder verlieren und von denen der sie schrieb, kaum weiß, was einmal aus ihnen wird.


Im Titel finden sich zwei ihrer Namen und das Thema dieses Versuches meiner Tochter die Welt zu erklären, denn was außer philosophisch irgendwie sollte es auch werden. Von dem wenigen, was ich weiß und für wichtig halte, will ich ihr schreiben, um das, was ich hatte, weiterzugeben - egal, ob es nun praktisch sehr nützlich ist oder meine Karriere, fragt sich nur welche in was, je gefördert hätte, dies für unwichtig zu halten mit Epikur, ist mir wichtiger und genießen zu können, was ist, warum ich mehr mit Büchern lebe und was mir wirklich wichtig ist im Leben.


Ob sie das wirklich liest oder nach den ersten Zeilen lieber weglegt, weil sie den Typen ja kennt, weiß wie er schreibt, auch wenn er es sonst meist in Versen tut, sehr viel anders wird es kaum werden, bin und bleibe ja der gleiche, folge nur dem egoistischen Streben meiner geliebten Tochter nochmal die Welt zu erklären. 


Der Vorteil beim Schreiben ist, es unterbricht mich keiner, wenn ich es nicht will. Der Nachteil ist, reflektiere immer nur meine eigenen Ideen und statt wirklich was zu erklären, was verstanden werden muss, schreibe ich so vor mich hin, ohne zu wissen, ob es wen interessiert und was daraus wird.


Sich die Zeit zu nehmen genau das aber zu tun, finde ich einen traumhaften Reichtum, glaube nichts könnte mir je so kostbar sein, keine Berufung mehr Ehre bringen, die das Glück aufwöge, sich einfach die Zeit nehmen zu können, über das Leben zu schreiben, wie ich es verstehe und was ich davon gern weitergeben möchte an meine Tochter.


Verstehen und Verständnis sind Dinge, die zusammenhängen. Viel Verständnis haben klingt immer irgendwie mitleidig, volles Verständnis vielleicht noch anteilnehmend aber mein Verständnis der Dinge ist der Kern des Verstehens.


Der olle Kant, den meine Tochter damals bei Sofies Welt noch irgendwie schwierig fand,
der aber in diese Geschichte unbedingt rein gehört, sie ist ja auch längst viel größer, kein Kind mehr sondern eine sehr große junge Dame, auch wenn immer noch mein Kind, weil die Natur es eben so wollte und manches hat sie auch von mir, manche meinen sogar, dass zu sehen, naja, bevor  ich mich nun verzettel zurück zu Imanuel aus Königsberg. Der hat mal erklärt als Antwort auf einen Leserbrief, der über die Aufklärung spottete, was Aufklärung sei und dieser Kommentar zu genau dem Leserbrief, wie heute ein Facebook oder Twitterkommentar nur etwas länger halt, veränderte die Welt und das Denken über sie bis heute. Der Satz wurde so wichtig für die Demokratie und ist heute im postfaktischen Zeitalter, wie manche es schon nennen, noch wichtiger, dass ich ihn sogar wenn chronologisch hier völlig falsch an den Anfang und über alles hier stelle, so als Klammer um meine Gedanken.


Danach ist Aufklärung die Befreiung des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit. Selbst schuld sind wir, wenn wir nicht einfach zu blöd sind, kritisch zu denken, sondern nur zu faul und wer es unterlässt, zu denken und blöd und unkritisch bleibt, ist halt selbst schuld, wie Kant es viel treffender noch formulierte. Unmündigkeit, die es ja nach deutschem Recht gar nicht mehr gibt, weil sich Entmündigung nicht mit der Würde des Menschen in Artikel 1 Grundgesetz vereinbaren lässt, ist für den Philosophen Kant weniger was rechtliches als die Unfähigkeit sich seines Verstandes ohne Hilfe anderer zu bedienen, wie Immanuel aus Königsberg es sagte, heißt, nicht alleine vernünftig und kritisch denken zu können.


Es geht also dem Papi, der die Welt erklären will, zuerst um die Freiheit seiner Tochter, also selbständig sich ein kritisches Urteil zu bilden, nicht nur nachzuplappern, sondern nachzudenken, weil es auf ihre Meinung und ihre Gedanken dazu gerade ankommt. Diese Freiheit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, auch gegen die Meinung anderer, finde ich wichtiger als jedes Gesetz, die nach Kant ja ohnehin immer nur so weit gelten, wie wir sie  mit unserem Gewissen vereinbarten, weil sie sonst moralisch völlig wertloser Schrott wären.


Habe damit nicht gesagt, dass 99% der Gesetze Schrott wären und überflüssig sind, darüber so nachzudenken, könnte zwar klug sein, wäre aber ein anderes Thema und dazu kommen ich später, sondern nur, dass wenn wir nicht über sie nachdenken und sie als unsere irgendwie sehen und aus Überzeugung entsprechend handeln, sie ethisch also für die hohe Moral völlig wertlos sind.


Was schon wieder ganz schön viel Kant für den Anfang eigentlich ist, aber irgendwie gehört der kategorische Imperativ zur Erklärung was Aufklärung sei ja dazu. Ob dieses Geschreibe hier den Anspruch erheben kann mal Aufklärung zu sein, weiß ich nicht,  es sind ja nur meine Gedanken und was ich halt meiner Tochter mitgeben möchte, jetzt, wo sie schon ganz schön groß ist. Aber zumindest ist der, der all dies schreibt ziemlich überzeugt von der Aufklärung denkt wir bräuchten dringend wieder eine radikale Aufklärung, wie es sie in Paris um so freie Geister wie Diderot, die Enzyklopädisten, Baron d’Holbach und seinen Salon gab. Menschen die sich trauten jeden Glauben und jeden Gott infrage zu stellen, als in Frankreich einen das noch den Kopf kosten konnte, oder zumindest für eine Ewigkeit in der Bastille verschwinden ließ.


Als einer der Geschichte mag und gern Geschichte erzählt, werde ich auch meinen Versuch, meiner Tochter die Welt zu erklären, wie ich sie sehe, historisch beginnen und chronologisch fortsetzen, was den armen Leser aber nicht davor schützt, dass ich meinen manchmal vermutlich verwirrenden Gedanken frei folgend, noch Ausflüge jenseits aller Zeiten und zwischen den Zeiten unternehme, weil ich nicht die hundertste Geschichte der Philosophie erzählen will, hat Jostein Gaarder schon gut genug gemacht als Geschichte für eine Tochter sondern einfach nur frei dem historischen Gerüst in mir folgend über die Welt nachdenke und heute darum damit beginne, wie alles anfing.


Mit meiner Tochter fing es so an wie mit den meisten Kindern und es war sehr schön, danach dauerte es nicht ganz neun Monate und dann war sie da, so ist das ja meistens und bedarf keiner weiteren Erläuterung, aufgeklärt ist sie wohl längst.


Wer über den Anfang nachdenkt stößt dabei meist auf Gott oder Geschichten von Göttern mit denen alle alten Geschichten irgendwie anfangen. War bei den Babyloniern so, bei den Ägyptern, den Stämmen Israels und den Griechen, die wir immer noch als Stammväter Europas sehen. Heißt doch unser Kontinent nach einer Geliebten des griechischen Göttervaters Zeus, die er als Stier verwandelt nach Kreta entführte, damit ihn seine Hera nicht beim Fremdgehen erwischte.


Mit Europa hat Zeus dann drei Kinder, die erfolgreiche Könige von Kreta und auch einer Beherrscher der Unterwelt werden. Die griechischen Sagen sind ein Anfang unseres Denkens und ich habe sie zuerst über Fasching in Erinnerung, als mein Vater sie riesig auf alte Tapeten malte, mit denen er den Keller im Haus meiner Großeltern verkleidete zu den berühmten Faschingsfesten meiner Familie, die immer unter einem bestimmten Motto  standen und die wochenlang vorbereitet wurden. So lernte ich die Figuren aus den Sagen kennen, die mein Vater auch teilweise erzählt oder vorgelesen hat - aber ich glaube sie galten damals Anfang der 70er als zu grausam in vielem und doch sind sie gemeinsam mit der Weihnachtsgeschichte, die immer die älteste Kusine vorlesen durfte an Weihnachten zu meinen frühesten literarischen Erinnerungen außer den Kinderbüchern, die mir meine Mutter vorlas, wie ich später meiner Tochter auch wieder.


Lese gerne vor, weil es ein schöner Akt des sich zuhörens und wertschätzens bei gleichzeitigem Reisens in andere Welten ist. Die Weihnachtsgeschichte also, die mit “Und es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt sich schätzen ließe, so ging auch Josef mit seinem Weib Maria und die war schwanger” beginnt, zumindest in meiner tiefen Erinnerung.


Geschichten die sich vor 2000 Jahren abspielten sind uralt einerseits, andererseits jung gegen die griechischen Sagen, die ägyptischen Hieroglyphen, den Codex Hamurabi und andere Texte, die alle nicht allzuweit von Syrien entstanden, wo heute Krieg ist und eigentlich die Wurzeln unserer Kultur liegen. Zumindest die Wurzeln der christlichen Kultur, weil das Christentum wie der Islam quasi auch als Sekten des Judentums entstanden jedenfall meinen sich auf Propheten zu berufen auf die jene schon lange warten.


Die Germanen, von dem wenigen, was wir wirklich über sie wissen und wenn wir den Tacitus nicht zu wörtlich nehmen, der nur die Römer wachrütteln und zur Disziplin rufen wollte mit diesem Beispiel eines gesunden Naturvolkes, als klänge in dem Römer schon ein inkontinenter Rousseau durch, der fälschlich für einen echten Aufklärer gehalten wird, hatten viele Götter noch und waren auch noch stark an der Natur orientiert - in einigen mehr oder weniger gut wieder aufgefrischten Sagen tauchen sie noch auf, von der Edda bis zum nie ganz gelungenen Nibelungenlied.


Aber gerade springen wir über den Globus und durch die Jahrtausende als gäbe es keinen
Ablauf der Geschichte, doch der Missbrauch des Germanenkultes durch die sozial behinderten Nationalsozialisten hat diesen Teil der Geschichte eben auch etwas belastet, was zu verdrängen nur von Ignoranz zeugt, die unserer Geschichte nicht gerecht wird. So muss manchmal die tiefste Vergangenheit auch aus Respekt vor der jüngsten Geschichte mit der gebührenden Vorsicht behandelt werden, was zumindest zeigt, die Zeiten überschneiden sich in ihrer Bedeutung und nichts steht ganz für sich.


Viel Glaube oder wie ich sage Aberglaube steht am Anfang der Geschichte - vielleicht weil die Menschen immer wissen wollten, woher sie kommen, warum sie sind und wohin sie gehen, wenn sie nicht mehr sind.


Es gab schon sehr früh unter den Atomisten in Griechenland einige, die allen Göttern spotteten, manche auch die es wie Epikur sehr weise taten, der sagte, es möge sie geben die Götter und ihren Himmel, aber warum sollten sie sich, so es sie gäbe, um uns kümmern. Das war vor ungefähr 2500 Jahren. 


Oder nehmen wir Echnaton, der Gatte der klugen wie schönen Nofretete, was letzteres wir Berliner nun immer umme Ecke in Mitte im wunderbaren Neuen Museum mit den alten Schätzen prüfen können, der mit Aton der Sonnenscheibe quasi den Monotheismus einführte vor rund 3300 Jahren. Ist dies der Anfang des Abendlandes oder der Beginn seines Untergangs, weil wer nur noch einen Gott braucht irgendwann auch logisch feststellt, eigentlich brauche ich gar keinen Gott mehr.


Die nach der diese Geschichten heißen wurde im Gegensatz zu ihren Eltern beiden nicht mehr getauft. Weil ich es richtig finde, dass Menschen sich erst wenn sie mündig sind entscheiden sollen, ob sie einer Sekte angehören wollen oder nicht und es ihre Mutter genauso sah zum Glück. Aber hätte ich es einer gläubigen Frau, die in Traditionen lebt so streng verwehrt unser Kind taufen zu lassen, wenn es ihr denn wichtig wäre?


Im Prinzip ja, weil ich die Kindstaufe fürchterlich finde, eine Entmündigung, die wehrlose Kinder schon Teil einer sektiererischen Glaubengemeinschaft werden lässt, die so viel Blut an den Fingern hat wie ihr zentrales Symbol ein grausames Folterwerkzeug ist.


Doch bin ich, der keine Götter kennt, bis heute nicht aus dem Verein ausgetreten, weil ich dabei immer an den alten jüdischen Witz über König Salomon denken muss, der als ihn der Rabbi fragt, was er denn im Tempel mache, wenn er doch gar nicht an Gott glaube, antwortete, weiß ich, ob ich Recht habe oder mit Montaigne wie oben schon zitiert sagte, was weiß ich schon?


So wurde mein Kind nicht getauft wuchs wie so viele hier als Heidenkind auf, was gut ist,
Bekam Sofies Welt vorgelesen bevor sie die Bibel kennenlernte, fast zumindest. Doch hätte ich mich darum gestritten, wenn es jemand anderem ein Bedürfnis gewesen wäre - warum habe ausgerechnet ich, meiner Tochter die drei frömmsten Menschen aus meinem Verwandten- und Freundeskreis zu Paten gegeben, ist das nicht absurd?


Halte die Auseinandersetzung mit dem Glauben, der unsere Kultur prägte, weil die Christen, als sie sich durchsetzten, alles vorige entweder verdrängten und zerstörten wie der IS oder absorbierten, wie Weihnachten und St. Johanni zu den Sonnenwenden, für ziemlich wichtig, um zu verstehen, wie wurde, was ist.


Glaube steht jedenfalls bei vielen Versuchen, sich die Welt zu erklären ganz am Anfang. Es gibt auch andere Beispiele, wie Epikur und Lukrez, denen es um ihr irdisches Wohlergehen allein ging, weil es für sie natürlich nichts sonst gab, was relevant wäre. Wie es Lukrez in seinen Dingen der Natur so treffend sagt, geht uns der Tod nichts an, weil solange wir da sind, ist er nicht da und wenn er da ist, sind wir es nicht mehr.


Anfang und Ende gehören zusammen. Gegen Ende werden die Alten den Babys immer ähnlicher nur leider ohne Kindchenschema, warum wir es nicht so süß finden, sie zu füttern. Dies sage ich nicht, weil ich wie abergläubige Buddhisten von einem ewigen Rad ausgehe, sondern, weil ich beobachte, wie Anfang und Ende unserer eben nur endlichen Existenz sich in vielem ähneln.


Als ich knapp zwei Jahre älter war als meine Tochter jetzt ist, verunglückte ich mal tödlich und es dauerte einige Minuten, bis sich mein Herz unter massiver ärztlicher und elektronischer Hilfe wieder entschloss zu schlagen und dann Monate bis ich wieder einigermaßen klar denken, laufen und alles übrige konnte, wie etwa auch sprechen.


Dann gäbe es die nicht, der ich jetzt diese Essays schreibe und den der schreibt, gäbe es auch nicht, er wäre mit Sechzehneinhalb Jahren nicht mehr da gewesen. Irgendwie erschreckt mich das nicht und erschütterte mich auch nicht sonderlich. So ist Leben halt, es kommt und geht und wer kein richtiges räumliches Sehen hat verschätzt sich eben mal mit Abständen und wird entsprechend angefahren, wenn zu hektisch oder eilig.


Glaube nicht an ein weiterleben nach dem Tod, noch an die Existenz einer Seele, als ich klinisch tot war, passierte nichts, ich habe keinerlei Erinnerung und das gefällt mir gut. Wenn das Hirn nicht mehr mit frischem Sauerstoff versorgt wird, denken wir nicht mehr viel sondern sind weg, dann passiert nichts mehr. Wir haben eine beschränkte Zeit nach der Natur auf Erden, die gilt es bestmöglich zu nutzen.


Wen es glücklich und zufrieden macht, an Götter zu glauben, soll das tun, wer sich dabei frei fühlt, es zu tun oder zu lassen, kann überhaupt immer alles tun, was gefällt ist meine Überzeugung, der ich Freiheit für wichtiger halte als den richtigen Glauben, warum ich es auch in keiner Partei lange aushielt, bei der Schüler Union einen Tag und bei der SPD immerhin einige Jahre und doch blieb es mir im Wesen fremd, parteiisch zu sein, auch wenn diese für die Funktion der Demokratie sicher unentbehrlich sind, muss ich doch in keiner sein und weiß warum. Dennoch fiel es mir leichter unter dem noch amtierenden Vorsitzenden aus der mit immer wesensfremden Arbeiterpartei auszutreten als aus der Kirche, in die ich nicht mal freiwillig eingetreten bin und in der ich seit meiner Konfirmation vor über 30 Jahren keine aktive Teilnahme mehr hatte.


So sind wir eben auch Teile der Tradition, in die wir hineingeboren wurden und mit der wir aufwachsen. Dazu gehörte eben Taufe und Konfirmation wie im Osten die Jugendweihe, die ich aber meiner Tochter auch nicht zumuten möchte für den Eintritt ins Leben als ein Überbleibsel des Sozialismus, den ich so tief verachte als totalitäres System engstirniger Spießigkeit, das Mauern baute, einen Stasi-Staat brauchte und sich heute als kulturaffin gibt um alte Stasi-Kader und verdiente Parteimitglieder weiter staatlich zu versorgen, auch wenn der humanistische Verband, der dies veranstaltet eigentlich gute Ziele verfolgt, fremdelte ich mit dieser absurden Idee doch sehr.


Eine Freundin erlebte auf Wunsch des Kindsvaters eine solche Jugendweihe mit bei ihrem Sohn, beide hatten eine DDR-Biografie, sie fand es nicht toll aber normal, war halt so. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Europa oder die  Bundesrepublik so etwas mit den Idealen von Aufklärung und Freiheit aufstellte, statt mit dem noch immer schmuddeligen Stallgeruch des Sozialismus, der seine alten Kader pflegt.


Nach meinem Unfall als ich langsam wieder bewusst wurde und ich kapierte, was ich für ein Glück hatte, noch am Leben zu sein, habe ich mich noch mal nach Gott gefragt und ob ich ihm danken sollte - aber so sehr ich mich auch befragte, da war einfach nichts und ich fände den Gedanken, es gäbe etwas Allwissendes oder einen Schöpfer äußerst lästig und eine sehr unangenehme Freiheitsberaubung, auch wenn ich Respekt vor der Tradition meiner Familie habe in der es zahlreiche Pastoren noch in Thüringen gab.


So wie ich an Weihnachten mit der Familie so laut wie falsch und leidenschaftlich gerne Weihnachtslieder singe, weil es eben dazugehört, seit ich Denken kann, wenn ich es je konnte und bei uns Weihnachten wie bei den Buddenbrooks gefeiert wird, mit großem Baum, festlicher Tafel, Gesang und gutem Wein, auch wenn ich die angebliche Geburt dieses Propheten für Unsinn halte, die nur die Wintersonnenwende mit ihrer Lichtsymbolik nutzt, die zum mystischen Johannes Evangelium passt.


In vielem Anfang steckt Glaube - so wird auch die rund 25.000 Jahre alte Venus von Willendorf gern als religiöses Fruchtbarkeitssymbol einer Naturreligion gesehen - von den sehr weiblichen Figuren wurden ja noch weitere in einem Gebiet von rund 3000km Umkreis gefunden, was für einen relativ einheitlichen Kult zu dieser Zeit spräche - vielleicht war e auch nur ein Schönheitsideal der Jäger, das sie in Erinnerung an die Gattin mit auf ihre Touren nahmen, eine Art haptischer Playboy und hatte mehr mit Trieb als mit Glaube zu tun und nur heute denken wir, weil das Christentum wie der Islam einfach alle erfasst, alles müsse religiös gewesen sein, auch wenn es vielleicht nur um Sex ging dabei.


Mit der Natur beschäftigten sich auch die Vorfahren im weiteren Umfeld von Berlin damals - als sie vor über 6000 Jahren mit exakter Beobachtung des Himmels eine Himmelsscheibe erstellten, die als die von Nebra in Sachsen-Anhalt heute bekannt und ausgestellt wird. Sie wussten besser was am Himmel vor sich ging als die katholische Kirche lange glauben ließ, die predigte die Erde sei der Mittelpunkt des Universums und ähnlichen Unsinn als sie noch wörtlich an das alte Märchenbuch Bibel glaubten.


Andererseits wissen wir um viele Geschlechter, Könige und Naturereignisse nur durch die Bibel, von der Sintflut bis zum Turmbau zu Babel, die unser eigene Art zu denken prägte, viele Kulturen auf der Welt in der einen oder anderen christlichen, muslimischen oder jüdischen Adaption prägten.


Irgendwo dazwischen fing wohl alles mal an. Sicherlich ohne einen Schöpfer mit langem Bart, der sich von der Wolke aus nach einer Woche sein Werk ansah und zufrieden war, bis er auf die glorreiche Idee kam Adam aus seiner Rippe eine Gefährtin zu machen, womit der Mann aus dem Paradie vertrieben wurde, eine plötzlich verschämte Frau an der Seite hatte und der ganze Ärger auch mit dem immer wieder interaktiven Gott anfing.


Doch für die meisten Menschen in Europa war das die längste Zeit der letzten 2000 Jahren völlig normal, der aufgeklärte Atheismus eines Lukrez wurde verpönt vom Vatikan, was für gebildete Römer vor Augustus noch normal war, eine Seele  außerhalb des Körpers und Götter für völlig absurden Kinderkram zu halten, was es auch jedem kritisch denkenden Menschen mit Abstand heute noch scheinen muss, wurde lange im ganzen Norden wie über den Islam auch weit im Osten normal. 


Es gibt Menschen, die gerne Phantasy und Rollenspiele mögen, auch meine Tochter liest inzwischen gerne solche Sachen, die mir immer eher fremd blieben der Herr der Ringe etwa langweilte mich irgendwann so sehr, dass ich ihn einfach nicht mehr weiterlesen konnte, es war zu vorhersehbar und langweilig und so scheinen mir Erwachsene mit eingebildeten höheren Freunden oder Wesen schon immer etwas gestört, aber es gibt noch viele kluge Leute, die  das anders sehen.


Gerade war ich auf der Taufe des ersten Kindes meines besten Freundes und in seinen Kreisen wird alles gern traditionell und auch mit Kirche gefeiert, wie es auf den Gütern eben üblich war, deren gottgewollte Herrschaft sie einst waren. Es war mir zuwider das arme Baby ohne eigenen Willen in die Kirche gedrängt zu sehen, aber es war auch wunderschön, die Bischöfin hat klug geredet, es war ein schönes Familienfest bei schönstem Wetter im Garten und es passte alles gut so - fragte mich zwischenzeitlich ob wir nicht damals mit meiner Tochter was verpasst haben. Dieser leichte Anflug von Traditionalismus verflog schnell wieder und der kritische Geist blieb wach genug, aber dennoch ist da etwas bei diesen alten Traditionen und Spielen, das auch in mir Atheisten eine Seite zum Klingen bringt.


Wie ich auch Bach liebe, die weltlichen Kantaten zwar mehr als die geistlichen aber doch beide auch auf ihre Art und ein Requiem wie das von Mozart oder jenes protestantische von Brahms kann mich sehr rühren, obwohl das alles natürlich vernünftig betrachtet Unsinn ist. Die traditionelle Ästhetik liegt mir, ihr fühle ich mich noch verbunden, auch wenn mir der Verein nicht gefällt und das Glaubensbekenntnis ein Graus ist, das Vaterunser nicht mehr ohne rot zu werden mitgesprochen werden könnte.


So weiß ich manches nicht so ganz genau und gehe auch Wege irgendwo dazwischen, mit denen ich mich wohlfühle, statt um radikale Positionen um jeden Preis immer zu kämpfen - dies nicht weil die größten Verbrecher des vergangenen Jahrhunderts alles Atheisten waren - Hitler, Stalin, Mao. Pol Pot - sondern weil ich es nicht so ganz genau weiß und manchmal auch Gefühl und Gewohnheit noch lieber folge als in jedem Moment für die Vernunft zu kämpfen.


Wie es anfing gibt es sehr weitgehende Berechnungen, viel spricht für den Urknall, der die Materie im Universum verteilte - was davor war und was diesen auslöste, da Energie ja nicht verloren geht und nicht aus dem Nichts kommt, wissen wir noch nicht. Nichts kommt aus dem Nichts aber nichts braucht einen Grund, vor allem hat Leben keinen Grund oder Sinn, es ist, was manche Fragen nach dem Anfang für mich entbehrlich macht und mit dem was ist, warum immer es genau so gerade jetzt ist, sollten wir so genussreich wie möglich umgehen.
jens tuengerthal 13.12.2016