Donnerstag, 5. November 2026

Lektürentagebuch 5.11.26

Lektürentagebuch 5.11.26

In der Kulturgeschichte der Neuzeit 
Von Egon Friedell endlich mit dem 
Dritten Buch begonnen zum Thema
Aufklärung und Revolution was ja

Seit vielen Jahren mein liebstes 
Schon ist nicht erst seit der Zeit im
Grand Orient aber auch durch diesen
Teil der Aufklärung wohl geprägt 

Die Zeit vom siebenjährigen Krieg
Bis zum Wiener Kongress wird hier
Behandelt und es beginnt mit dem
Ersten Kapitel mit einem Unwort

Es heißt gesunder Menschenverstand
Und Rückkehr zur Natur letzteres ist
Rousseau vermutlich geschuldet aber
Ersteres heute doch eher peinlich 

Es sei dieser verbale Ausrutscher
Dem konvertierten Juden Friedell 
Verziehen der noch warnte bevor
Er sich aus Furcht vor der SA die

Aber gar nicht zu ihm wollte aus
Dem Fenster stürzte aber es tut
Doch der kritischen Vernunft diese
Alte Redensart wirklich weh 

Steht der gesunde im Gegensatz
Zum kranken Menschenverstand
Wer will Menschen so sortieren 
Überlege ich darum empört vorab 

Ob das daran liegt dass ich nie 
Ganz normal war in einem mehr
In viel mehr weniger finde ich die 
Unterscheidung diskriminierend

Gut wäre Menschen dächten heute 
Besser über ihre Wortwahl nach um
Nicht unnötig zu diskriminieren noch
Besser wäre natürlicher Verstand 

Vorab zitiert er den französischen
Philosophen Hippolyte Taine zur 
Vernunft die sich vergeblich beklage
Dass Vorurteile die Welt regierten 

Denn wenn sie die Welt regieren will 
Müsse sie sich in ein Vorurteil wohl
Verwandeln eine gewagte These des
Philosophen der vor Ideen warnte

Was sie mit dem Geist der Aufklärung
Der die Welt verstehen wollte als Teil
Unserer Natur die er nüchtern dazu
Betrachtete nicht zu vereinbaren ist 

Zunächst erläutert Friedell mit sehr
Gewagter These die Parallele vom
Kultur- und Erdzeitaltern die sich bei
Jeder Betrachtung auch überschnitten

So gäbe es auf dem flachen Land
Noch Menschen die kulturell auf dem
Karolingischen Niveau lebten dafür
Steckten deutsche Kleinstädter geistig

Noch in der Reformationszeit was
Eine eher gewagte These ohne Beleg
Aber mit reichlich Vorurteilen behaftet 
Die nicht zur Aufklärung viel beitragen

Wenn auch wohl die Frage heute 
Berechtigt ist ob die Zuschauer von 
RTL oder Leser von Bild wirklich
Bereits karolingisches Niveau haben

Er unterscheidet dabei noch dreierlei
Vorstellungsmassen in der Epoche 
Vom Siebenjährigen Krieg bis zum
Wiener Kongress was schon eine

Typisch austriozentrische Betrachtung
Wieder ist die nicht in die Zeit passt
Die deutlich früher begann aber sich 
Weniger im Absolutismus zeigte

Fürchte in diesem Abschnitt werde ich
Friedell häufiger widersprechen der
Vermengt was nicht zur Epoche passt
Die am Kongress konservativ nur war

Dort wurde in der längst Romantik
An falschen Idealen des Absolutismus
Festgehalten der die Welt von oben
Aufteilt statt den Einzelnen zu sehen

Genau das aber ist das Verdienst der
Aufklärung die uns Menschenrechte
Wie die französische Revolution noch
Brachte was immer aus ihr wurde

Drei Hauptströmungen unterscheidet
Nun Friedell in der gewählten Zeit
Aufklärung Revolution Klassizismus 
Die seltsam wenig zusammenpassen 

Aufklärung bezeichnet er als jene
Extrem rationalistische Richtung die
In England durch Locke in Frankreich
Von Voltaires und in Deutschland am

Ende der Aufzählung von Wolff in
Halle repräsentiert wurde dagegen
Dürfte Klassizismus kaum jemals
Missverständnisse bringen meint er

Ob die Hinwendung zur Antike wie 
Neuer Schlichtheit im Geiste von 
Winckelmann ab 1770 bis 1840
Hier passt scheint eher fraglich

Den Ausdruck Revolution jedoch
Möchte Friedell weiter erklären
Weil er alles zusammenfasst was
Sich gegen das bisherige richtet

Dies kann Politik Kunst wie auch die
Weltanschauung selbst sein was
Technik im Zeitalter der KI erfasst 
Mit dem Ziel der Neuordnung dabei

Sie verbanne jegliche ästhetische
Regel entthrone den Verstand durch
Das Gefühl und dies alles im Namen
Der Rückkehr zur Natur noch dazu

Auch hier wieder eine Dominanz
Der Ideen von Rousseau die wohl
Mehr dessen Inkontinenz als der
Kritischen Vernunft geschuldet war

Hierzu greift er wieder auf einen 
Begriff der Geologie zurück von 
Den Gesteinsschichten oder Massen
Bei dem alle verschiedenen Schichten

Sich überlagern und ineinandergreifen 
Kamen alle Teile auch parallel je vor
Was die Unterteilung hinken lässt in 
Jeder würde eine überwiegen

Immerhin erkennt Friedell hier auch
Die Bedeutung der Encyclopédie als
Mauerbrecher der Aufklärung ab dem
Jahr 1751 in Frankreich an 

Der Contrat social von Rousseau tritt 
Ein Jahr vor Ende des Siebenjährigen
Krieges ins Licht der Öffentlichkeit
Wickelmanns Kunstgeschichte als

Bibel des Klassizismus wird dann
Ein Jahr nach dem Frieden kommen 
Andererseits kulminierten alle drei
Erst am Ende der Jahrhunderts 

Die Aufklärung mit Kant wie er dann
Doch noch richtig erkennt dafür die
Revolution in Napoleon und der
Klassizismus klassisch in Goethe

Bei der politischen Geschichte mache
Das Weltereignis der französischen
Revolution eine Zäsur welche die
Periode in zwei ungleiche Hälften teile

Er bleibt in seiner Erzählung der
Kulturgeschichte erstmal vor diesem
Entscheidenden Einschnitt außer bei
Der Naturforschung und auch dort

Nur zur Vermeidung von sonst nötigen
Wiederholungen was den Leser aber
Eher vermuten lässt die Aufteilung
Des Kulturgeologen Friedell ist Unsinn 

Da aber auch solcher zumindest
Literarisch eine Existenzberechtigung
Hat werde ich irgendwann wieder
Weiterlesen aber gerade ist genug 

Die zwanghaften Einteilung in sich
Überschneidende Epochen klingt
Mehr nach Mengenlehre als nach
Aufklärung und weiterer Erkenntnis 

Aber ich freue mich auf Diderot dem 
Nun noch reichlich Raum gewidmet
Wird was in die Gewichtung besser
Passt als theoretische Nomenklatura


Heute am frühen Morgen noch als
Andere schon zum frühen Dienst
Eilen mögen wunderbar gelesen
In Hermann und Ulrike ein Kapitel

Dabei erläutert sie ihm genau die
Zustände im Haus und warum die
Französische Geliebte für sie wie 
Eine Schwester im Bunde ist

Daneben gibt es die Schwester
Des adeligen Herren der Witwer sei 
Die sich um die Erziehung seiner 
Tochter bisher kümmert was die 

Französische Geliebte selbst will 
Die sie großzügig mit Mitteln versorge
Ein guter edler Mensch während die
Schwester eine fromme Hexe sei 

Sie schätzt es überhaupt nicht wenn
Hermann ihren Erzählfluss durch nur 
Irgend kritische Fragen unterbricht
Streit verhindert er seinerseits durch

Fast untertänige Entschuldigung 
Wie die beiden Verliebten so aber
Dauerhaft glücklich werden wollen
Bleibt hier noch relativ unklar

Sie berichtet ihm detailliert wie sich
Die französische Geliebte Spione
Unter den Dienern hält die ihr alles 
Erzählen bei dieser soll er wohnen

Es gibt ganz viel Information über
Das Leben im Haus wie die sonst
Treffen mit den anderen Geliebten
Zu denen sie auch geladen wird 

Ulrike hat ihr Bild und will sich
Dabei nicht von Hermann stören 
Lassen er soll besser von ihr lernen
Wird unterbrochen wenn er fragt

Doch er kann es nicht lassen wird
Eifersüchtig auf den Herrn und
Bedrängt sie mit Fragen die sie
Zögernd nur beantwortet dabei

Gesteht ihm irgendwann einmal
Hätte Herr von Troppau versucht
Als die Vignali nicht da war mit ihr
Zu schäkern aber sie habe sich

Das ganz empört verbeten sie
Sei doch keine Hure wäre dann
Aufgesprungen und wollte die 
Treppe hinunter wo sie Vignali traf

Erzählte ihr die Geschichte und sie 
Hätte sie wieder mit hoch genommen
Dort habe sie mit dem Herrn dann 
Italienisch geplaudert damit sie nur 

Nichts verstünde und sie hätten sich
Über sie wohl unterhalten dabei auch
Zu ihr geschaut und auch gelacht
Später hätten sie allein geredet

Die Vignali habe sie aufgezogen
Worauf sie sich empörte sie sei 
Ein Dienstmädchen aber keine Hure
Worauf Vignali sie empört anfuhr

Ob sie denn denke sie sei eine Hure 
Weil sie den Herrn liebe aber dann
Ist sie wieder ganz lieb und seitdem 
Wäre kein Wort mehr dazu gefallen

Nun unterbricht Hermann sie in einem
Neuen Anfall rasender Eifersucht soll
Sie das unzüchtige Haus sofort nun
Verlassen oder liebe ihn wohl nicht

Nach einigem dramatischen Gerede
In dem sich beide ihre Keuschheit
Wie Treue versichern überredet sie
Hermann Vignali morgen zu sehen

Dabei geht es um Geld und Chancen
Während er eifersüchtig die Treue
Wie ihre reine Liebe beschwor von
Der noch keiner satt geworden wäre

Er lässt sich beruhigen aber bricht 
Dann ganz plötzlich auf und meint
Er würde Vignali morgen besuchen 
Sie läuft hinterher aber er ist weg

Typische Mann Frau Dramen mit
Lächerlicher aber gewöhnlicher
Eifersucht der Liebenden die sich
Unhaltbare Versprechen machen

Warum wir Sexualität und Liebe 
Wie Lust und Moral so eng wie 
Immer enttäuschend verknüpfen
Bleibt dabei völlig unklar noch

Ob eine freie Welt die unserer Natur
Keine ihr fremden Schranken mehr
Auferlegt besser ist kann dahinstehen
Bis einer es anders zu leben wagt

Bin gespannt auf die weiteren 
Verwicklungen dieser Liebe die
Getarnt nicht weiß was sie erwartet
Wessen Moral am Ende überlebt 


Vom verruchten Berlin ging es ins
Ländliche Britannien zu den dort 
Englischen Liebschaften von der
Humorvollen Nancy Mitford

Sie plaudert über Haustiere wie die
Mit ihnen verbundenen Dramen was
Sehr britisch und unterhaltsam ist
Eben typisch englisches Landleben 

Die genaue Beschreibung ihrer
Hochsensiblen wie emotionalen
Kusine Linda deren innige Liebe 
Zu ihrem Labrador den sie sogar

In den Zwinger begleitet wenn ihr 
Vater der Onkel der Erzählerin ihn 
In einem seiner Wutanfälle aus
Dem Hause geworfen hatte 

Etwa weil dieser sich in der Bibliothek
Vergessen hatte und ähnliche Dramen 
Wie Lindas Tränen als sie erfuhr dass 
Die Maus der Erzählerin tot war

Doch dann erzählt sie plötzlich von
Der Kinderjagd die sie alle so liebten
Einem sehr englischen Vergnügen 
Bei dem zwei im Wald voraus liefen

Sie legten eine Spur für die Meute
Die anderen jagten sie mit den 
Hunden auf Pferden und sollten 
Sie fangen bis sie am Gut waren

Dabei wäre der Onkel als er sie 
Gefangen außergewöhnlich lieb
Zu ihr gewesen der sie sonst eher
Mit Missachtung dafür strafte

Dass sie die Tochter ihres Vaters war
Dem er so manches wohl noch aus 
Kindertagen übel nahm was sie für
Die Freiheit des Vaters büßen lässt

Der immer wieder cholerische und
Dabei gewalttätige Onkel wäre ein
Fall für das Jugendamt bei einer
Normalen Familie wohl gewesen

Bei den Radletts die viel von der
Eigenen adeligen Familie der Autorin
Hat half die fehlende Erziehung
Den Kindern die Nerven zu behalten

Das ist mit viel britischem Humor
Ganz wunderbar erzählt und ich
Denke oft an meine Mutter wie
Die englisch erzogene Omi

jens tuengerthal 5.11.26


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