Lektürentagebuch 2.11.26
Bis in den frühen Morgen noch ein
Kapitel Hermann und Ulrike gelesen
Von Johann Karl Wezel der darin
Hermann ins Theater schickt
Seinem Lehrherren erzählt er es sei
Um Ulrike zu finden für die Belohnung
Wobei ersteres stimmt letzteres nicht
Bis er sie tatsächlich noch entdeckt
Während einer Vorstellung kommt sie
Mit einem kleinen Mädchen spät
Ist sofort ihrer Schönheit wegen auch
Gegenstand der Aufmerksamkeit so
Einiger Herren wie eines Franzosen
Seines Nachbarn der sogleich auch
Die Konversation mit ihm sucht was
Hermann schon halb wieder lästig ist
Die meisten Zuschauer die sie mit
Ihren Operngläsern betrachten sind
Von ihrer zarten Schönheit fasziniert
Hermann wird immer nervöser
Er fiebert dem Ende entgegen um
Dann über die Reihen zu hechten
Sie auf keinen Fall zu verpassen
Aber sie wird von einem Offizier
Am Arm zum Wagen geleitet
Bedankt sich höflich nimmt mit
Ihrem Zögling im Wagen Platz der
Sogleich losfährt und Hermann
Läuft unbekümmert um den Dreck
Der Straße hinterher kommt dann
Nach längerer Fahrt relativ derangiert
Dort an wo ihr Wagen nun hält
Sie verschwindet mit dem Kind im
Großen Haus und er zögert noch
Ob er sich so zeigen will und dampft
Erstmal draußen einen Moment ab
Entschließt sich dann zu klingeln um
Nach dem Zimmer von dem Fräulein
Hermann wie sie sich nennt was ein
Besucher im Theater schon wusste
Sie arbeitete als Zofe des Mädchens
Hatte derselbe ihm schon erzählt und
Ihre Blicke fanden sich für Momente
Schon im Theater aber die Worte dort
Zu Liebe und Leiden daran waren
Für Hermann schon so treffend dass
Er alles auf sie beide schon bezog
Ihr natürlich sofort folgen musste
Eine Dame öffnet ihm auf seine Frage
Nach dem Zimmer bekommt er eine
Komplizierte Erklärung die ihn wie der
Stadtplan schon völlig verwirrte
Oben traf er sie dann mit ihrem
Zögling sie begrüßte ihn als ihren
Cousin und meinte er sollte sich
Einen Moment gedulden
Ihnen wird in ihrer Kammer ganz
Separat serviert dabei plaudern sie
Wenn allein über ihre Abenteuer die
Flucht und was sie erlebten um sich
Am Ende als das Kind wieder kommt
Für den nächsten Tag zu verabreden
Die euphorische Ulrike meint sie hätte
Genug Geld er solle kündigen
Nachdem er ihr sein Leid geklagt bei
Dem Kaufmann dafür hatte der Doktor
Aus Dresden ihre Briefe nicht an ihn
Weitergegeben was zur Verwirrung
Wie langen Verzögerung noch führte
Bis sie nun wieder selig sich endlich
Allein voller Liebe in die Arme fielen
Ulrike glücklich Hermann zögerlich
Eine scheinbar vernünftige Lösung
Sie ist berufstätig geworden und
Verdient genug für beide auch ist
Voller Optimismus dagegen ist er
Von Zweifeln und Ängsten geplagt
Sie ermuntert ihn endlich das nun
Gemeinsame Glück zu genießen
Dem noch Prüfungen bevorstehen
Ein interessantes modernes Bild
Einer selbständigen Frau die ihrem
Geliebten vielfältig überlegen ist
Ob das wohl Goethe störte
In Dreihundert Männer Aufstieg und
Fall der Deutschland AG berichtet
Konstantin Richter von verschiedenen
Protagonisten und ihrem Tun
Krupp schreibt 1874 eigenhändig Briefe zwischen den Jahren an alle
Arbeiter verspricht Solidarität wie
Bei Krupp üblich für Lohnverzicht
Er versuche in der Krise alle noch
Zu halten nur unzufriedene können
Sich ihre Entlassungspapiere abholen
In der Gussstahlfabrik von Krupp
Bei der später SPD finden nun die
Eisenacher und Lasellaner auf dem
Gothaer Parteitag zusammen worüber
Marx und Engels in London meckern
Hier zeigt sich die große Fähigkeit der
Sozialdemokratie zum Kompromiss
Sie versöhnen und verhandeln gut
Anders als Marx und Engels je
Auch 1874 gelingt Siemens nun die
Verlegung des transatlantischen
Kabel und ihre Depeschen sind an der
Börse schneller als die Konkurrenz
Das Bündnis von Roggen und Eisen
Ostelbischer Adel und Industrie tief
Im Westen gründet für politischen
Einfluss den Centralverband Industrie
Die erste Vereinigung von Lobbyisten
Sucht im Reichstag Parlamentarier
Die offen für Einflussnahme sind im
Geist von Roggen und Eisen
Sie schreiben Gesetzentwürfe wie
Gutachten welche die Politik fast
Wortgleich gerne übernimmt und
Sich dann zu eigen macht
Dazu wird Henry Axel Bueck als der
Erste Geschäftsführer vorgestellt aber
Ursprünglich ostpreußischer Landwirt
Noch war er wechselt die Lager rasch
Zunächst entschieden für Freihandel
Fordert er in der Krise Schutzzölle
Wird zum Protektionisten wie es der
Liberalen Gesinnung opportun scheint
Erfahren dann mehr über Bueck und
Seine etwas klagenden Erinnerungen
Seinen Assistenten den sonst Dichter
Richard Dehmel der in Leipzig wie
Später mein väterlicher Großvater Nationalökonomie studiert hatte dort
Mit einem Oppenheimer sich enger
Befreundete und dessen Schwester
Paula Oppenheimer eine bekannte
Märchendichterin heiratete was
Wie sein Einsatz für die Aufnahme
Von Juden zum unehrenhaften
Ausschluss aus der Burschenschaft
Führte wovon Richter nichts schrieb
Aber hier half Wikipedia zu Dehmel
Weiter der spannender als Bueck ist
Zumindest für mich als Dichter aber
Unter den Dreihundert Männern
Spielen Dichter sicher keine Rolle
Warum es dahinstehen auch kann
Ob ein Ende des Lobbyismus nun
Dringend wünschenswert sei oder
Dieser besser geregelte Bahnen
Nur haben soll ist noch strittig
Große Teile der Gastronomie im
Umkreis des Reichstages leben
Noch bis heute von diesen was
Deren Tätigkeit nicht bewertet
Habe mehr als eine Lobbyistin
Schon gedatet war sogar mit
Mehr als einer verlobt diese Damen
Schienen dem Dichter empfänglich
Für was auch immer sei hier offen
Geblieben ist davon nichts woran
Auch immer diese Verbindung
Scheiterte lag es bestimmt an mir
Zumindest soweit sie befragt würden
Und ich schweige dazu heute lieber
Was dem Gentleman besser steht
Als über seine Damen je zu reden
jens tuengerthal
Berlin den 2.11.26
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