Lektürentagebuch 3.9.26
Weiter ging es mit Arthur Schnitzler
Der in seiner Traumnovelle magisch
Eine geheime Orgie inszeniert die
Ganz harmlos im Kaffeehaus begann
Fridolin stapft einsam durch die Stadt
Entdeckt das etwas schäbige Café
Wo er und Nachtigall sich unverhofft
Entdecken und zu plaudern beginnen
Nachtigall war ein polnischer Jude der
Noch mit dem dortigen Akzent sprach
Ein wenig östlich breit wie es heute
So selten nur noch zu hören ist
Sie hatten zusammen Medizin studiert
Doch Nachtigall hatte es irgendwann
Abgebrochen und hatte begonnen als
Pianist sein Geld zu verdienen
Dann war er verschwunden war in
Bulgarien Ungarn und wieder Polen
Gewesen hatte hier und dort noch
Klavier gespielt leben zu können
Fridolin erinnert sich seinen eigenen
Besonderen Anschlag schon vorher
Gehört und erkannt zu haben ohne
Auf Nachtigall gleich zu kommen
Nun war er hier hatte vorher im
Keller gespielt bei der dort Kegelbahn
Aber hätte noch einen Termin wo er
In der Nacht spielen würde
Was erst um zwei beginnt machte
Fridolin neugierig und Nachtigall
Erging sich nur in Andeutungen
Er spiele mit verbundenen Augen
Fridolin will mit doch das sei völlig
Unmöglich meinte Nachtigall dazu
Bräuchte es ein Passwort was er
Erst in der Kutsche erfahren würde
Gleich ist Fridolin Feuer und Flamme
Will unbedingt mit um diesen so
Seltsamen Abend angemessen zu
Beenden wie er dachte und gleich
Kaum tauchte die schwarze Kutsche
Mit schwarz verhängten Fenstern auf
Eilte Fridolin zum Maskenladen um
Sich Larve und Kostüm zu leihen
Dieser öffnet ihm tatsächlich noch
Mitten in der Nacht seinen Laden
Als das Licht angemacht wird sieht
Er an einem Tisch zwei sitzen
Die Dritte ein kleiner Pierrot mit
Weißen Strümpfen verschwand
Unter dem Tisch und stürzt dann
In seine Arme Schutz suchend
Der Ladenbesitzer bedroht die
Beiden sehr jungen Männer mit
Inzwischen vornehmen Fräcken
Mit der Polizei und schließt sie ein
Das zarte Mädchen das als Pierrot
Jung leicht in seinen Armen duftete
Erregte ihn schon sehr und er
Überlegt doch lieber zu bleiben
Schließlich geht er doch ohne
Etwas für die Maske zu zahlen
Der Ladeninhaber vertraute ihm
Erfährt von Nachtigall das Passwort
Es lautet seltsam genug Dänemark
Was ihn an den Urlaub erinnert mit
Hamlet dabei dezent spielt und der
Gespannte Fridolin nimmt sich einen
Fiaker der schwarzen Kutsche zu
Folgen die weit raus fährt und den
Berg hinauf und hinab bis sie vor
Einer Villa halten bei der die Fenster
Völlig schwarz verhängt sind mit
Dem Passwort kommt Fridolin rein
Sieht viele maskierte Mönche und
Einige verschleierte Nonnen
Eine der Nonnen kommt auf ihn zu
Meint sie erkenne er gehöre nicht
Hierher sollte schnell unbemerkt
Noch fliehen bevor Strafen drohen
Er aber völlig fasziniert von dieser
Üppigen Nonne mit den roten Lippen
Weigert sich und sie warnt ihn wieder
Doch Fridolin bleibt noch als plötzlich
Ein edler Herr ganz in weiß die Dame
Zum Tanz auffordert und er sich
Plötzlich von Herren umzingelt sieht
Die ihn auffordern die Maske zu lüften
Er weigert sich die Herren werden
Schon handgreiflich als seine Nonne
Wieder auftaucht und sagt er solle
Gehen sie opfere sich für ihn
In diesem Moment lüftet sie ihren
Schleier und lässt die Nonnentracht
Von sich fallen steht nackt im Kreis
Der gierigen Männer die nach ihr
Greifen er schreit noch nein will
Sich für diese Frau die ihn noch
Retten wollte opfern aber es ist
Zu spät und er wird wieder zum
Eingang geschoben bekommt
Seinen Pelz und wird in die schwarze
Kutsche von den Dienern gedrängt
Obwohl sein Kutscher wartete
Als er versucht zu erkennen wohin
Sie fahren stellt er fest Fenster
Wie Türen sind verriegelt und will
Gerade ein Fenster einschlagen als
Die Kutsche mitten am Feld hält
Beide Türen sich öffnen und er
Stürzt nach draußen aber sieht
Die nahe Stadt vor sich liegen
Staunend sieht er wie die Stadt
In den niederen Ständen langsam
Erwacht zum Markt drängt am nun
Morgen um vier Uhr beginnt es
Noch schleichen die Gestalten
Durch das Dunkel doch für sie
Begann schon der Tag bevor
Seiner endet der bald beginnt
Er sieht sich schon beruhigend
Als guter Arzt durch die Reihen
Der Betten laufen und nimmt
Einen Einspänner und fährt heim
Während ich dies schreibe und
Las zuvor ist es schon zwei geworden
Bald wird es wieder hell seltsam
Nah kommen sich Tag und Nacht
Eine Nacht voll sinnlicher Erlebnisse
Von denen keines zum Ende führt
Ihm irgend Befriedigung schenkt
Eine Erotik der Anfänge bleibt
Genial wie Schnitzler hier die
Sehnsucht nach Lust inszeniert
Die keine Erfüllung mehr findet
Aber immer wilder sich steigert
Die enthüllte und entschleierte
Nonne war sie eine Hure wie die
Anderen dort auch war es eine
Strafe oder genau was sie wollte
Sicher waren sie alle Huren
Zumindest in dieser Nacht aber
Sie hatten alle eine doppelte Existenz
Die hinter Masken verborgen lag
Es passiert dem Helden Fridolin
Nichts was der Rede wert wäre
Zumindest bisher war er seiner
Frau noch relativ körperlich treu
Oder ging er schon fremd als er
Mit ihr über die Erlebnisse in
Dänemark zuhause noch sprach
Bevor die anderen auftauchten
Wie austauschbar ist alle Lust
Was bleibt von dieser noch an
Besonderem wenn alles probiert
Ist es dann noch der Rede wert
jens tuengerthal 4.9.26