Mittwoch, 8. Juli 2026

Brancusiversum

Brancusiversum

Brancusi stand groß im Erdgeschoss
Der verglasten meist leeren Galerie
Des Ludwig Mies van der Rohe die
Constantin Brâncuși sich widmete

Irgendwie sagte mir der Name was 
Dachte ich als die Liebste erzählte 
Wie ihre Freundin im Studium ihre
Diplomarbeit über diesen schrieb

Während sie über einen Untergang 
Sich ausließ der hier keine Rolle
Spielt warum ich es anonym lasse
Was mich über alles lächeln lässt

Doch vor Brancusi kam noch die
Ausstellung Ruin und Rausch 
Welche beeindruckend genug war
An nichts anderes zu denken

Danach und noch vor jener der
Kunstbibliothek zum Tiergartenviertel
Kam Brâncuși  und ich dachte ihn 
Schnell nebenbei zu erledigen

Lieber wollte ich mich auf das Berlin 
Der Zwanziger Hessel Cassirer und
Die Pappenheimer ihrer Umgebung
Dabei nichts ahnend konzentrieren 

Der in Rumänien in der kleinen
Wallachei 1876 geborene Brâncuși
War noch ein Kind des Kaiserreiches
Österreich-Ungarn in dem er lebte

Wurde neben Rodin zum prägenden Bildhauer des Jahrhunderts mit den 
Harmonisch klaren Formen ging er
In die Kunstgeschichte bleibend ein

Nach Besuch der Kunstakademie 
In Bukarest war er nach Paris zum
Größten Teil tatsächlich gelaufen
Was jedenfalls Respekt verdient

Sein individueller Stil der sowohl
Von afrikanischer Volkskunst wie
Seinen rumänischen Wurzeln dabei 
Geprägt wurde entwickelte sich 

Ob auf dem langen Fußweg oder
Erst in Paris wirklich bleibt dabei
So unklar wie irrelevant da sicher 
Das Ergebnis deutlich wurde wie 

Ab 1907 in Paris immer stärker
Wo er auch in Kontakt zu anderen
Künstlern der Avantgarde kam
Von Picasso bis Man Ray dabei

Brâncușis Arbeiten in Holz Gips 
Bronze und Marmor zeigen häufig
Abstrakte eiförmige Köpfe wie dazu
Fliegende Vögel sind Avantgarde

Berühmt ist neben der unendlichen
Säule in seinem Geburtsort auch
Die Prinzessin X die einem großen
Phallus mit Hoden sehr ähnelt

War in diese Ausstellung eher nur 
Mitgegangen ohne Begeisterung
Oder größeres Interesse aber dann
Haben mich die Werke gepackt

Mit unglaublicher Eindringlichkeit
Sind sie präsent und regen zu
Den verschiedensten Gedanken
Von sexuell bis philosophisch an

Neben verschiedenen kugeligen
Plastiken einem Modell auch der
Unendlichen Säule die in seiner
Geburtsstadt noch bis heute sieht

Dies jedoch weniger aus großer
Kunstbegeisterung als aus typisch
Sozialistischer Unfähigkeit etwas
Noch plangemäß zu erledigen

Der zum Abriss genutzte Bagger ging
Kaputt Ersatz gab es in der Walachei 
Nicht bis heute zumindest blieb die
Säule stehen wurde Kulturdenkmal

In der Ausstellung wird neben einem
Halbrund mit kugelförmigen Plastiken 
Ein Querschnitt des Werkes gezeigt 
Mit Säulen Küssen wie Prinzessin X

Jene erinnert an einen Vibrator der
Auf seinen marmornen Hoden steht 
Das amüsierte Lachen verschiedener
Junger Damen bei der Prinzessin X

Zeigte diese Skulptur entfaltet ihre
Erregende Wirkung bis heute ob sie
In den christlichen Gaga USA noch
Ein Skandal heute ist wäre spannend

Schon in Paris hatte sie für Aufregung
Gesorgt als abstrahierte Darstellung
Der Prinzessin Marie Bonaparte die
Eine Liäson mit Fürst Pückler noch

In London hatte was hier aber keine
Rolle weiter spielt worüber Bowman
Aber in Der Glücksritter einen Band
Der Anderen Bibliothek gut schrieb 

Trotz ihrer klar phallischen Form
Sollte sie doch die weibliche Essenz 
Einfangen was im Paris der 20er noch
Einen Skandal auslösen konnte 

Ob die phallische Form natürlich
Die weibliche Essenz einfängt
Schwänze schlicht Frauen fangen 
Oder nur männliche Phantasie

Sei dahingestellt zumindest löst
Diese einem Sex Spielzeug ähnliche
Plastik viele amüsierte Reaktionen
Noch bis heute aus was gut ist

Die Krümmung soll auf die Eitelkeit
Der Prinzessin hinweisen die sich vor
Jedem Spiegel noch beugte jedenfalls
Musste Brâncuși die Figur aus dem

Salon des Independant entfernen
Diese steht heute noch in Paris
Im Centre Pompidou in Bronze 
Hier war die Marmor Version

Bilder zeigen das Werk wie die
Prinzessin Bonaparte die es darstellt
Enthalte mich jeder Meinung ob 
Da Ähnlichkeit noch besteht 

Würde das eher asexuelle Element
Aus Erfahrung eher bestätigen im
Umgang mit Prinzessinnen der aber
Auch eher keine Rolle mehr spielt

Weil genauso das Gegenteil auch
Bei orientalischen Prinzessinnen 
Wie der Dichter hörte vorkommt
Was die Erfahrung mir bestätigte

Wo wir gerade von Sex reden
Passt dazu auch dass der mit
Marcel Duchamp Man Ray Rousseau
Wie Modigliani befreundete Künstler
Auch einer der vielen Liebhaber von
Helen Hessel war deren Liebhaber
Pierre Henri Roché wiederum einmal
Den Marktwert von Brâncuși rettete 

Auch in Roches Roman dieser Liebe 
Mit mehreren Beteiligten Jules et Jim 
Taucht der bulgarische Bildhauer auf
Der ein freies Künstlerleben führte
Eindrucksvoll wird neben einigen
Totemartigen Plastiken auch noch
Die bodenständige Werkstatt des
Bulgarisch-französischen Künstlers
Hier im Bildungsurlaub gezeigt

jens tuengerthal 8.7.26

Dienstag, 7. Juli 2026

Atlantiszeitreise

Atlantiszeitreise 

Das Tiergartenviertel war in Berlin
Ein vielfältiger Mittelpunkt der Kultur
Welcher mit dem Nationalsozialismus 
Versank und im Krieg zerstört wurde

Seine Kultur und die Menschen dort
Die Berlins Museen wie auch das
Kulturelle Leben der Stadt so sehr
Bereicherten sind verschwunden

Es ist ein Reichtum an Kultur wie
Von dort engagierten Menschen
Der in dieser Form einmalig war
Warum es gut ist daran zu erinnern

Dies macht die Kunstbibliothek mit
Einer hervorragenden Ausstellung
Die noch dazu frei zugänglich ist 
Die beiden Ausstellungen ergänzt

Welche Alte und Neue Nationalgalerie 
Gerade zeigen und die ich beide in
Kluger geliebter Gegenwart gerade
Besuchen durfte was ein Glück ist

Dort ist das Haus zu sehen in dem
Paul Cassirer und Tilla Durieux 
Lebten wo heute die Philharmonie
Steht die nach dem Krieg gebaut

Sein Salon stand sagen die einen 
Etwa wo das Berlin Modern nun
Irgendwann eröffnet oder nicht
Weit vom Instrumentenmuseum

Meinen andere mangels genug
Vorstellungsvermögen lasse ich es
Einfach offen jedenfalls da umme 
Ecke irgendwo und da lebten einige

Dieses heute Atlantis am Rande
Des Tiergartens um die Matthäikirche 
Von Schinkel war das Zentrum des
Kulturellen Berlin in Kunst und Mode

Der Salon Cassirer ist heute noch
Durch die wunderbaren Bilder des 
Impressionismus in Berliner Museen
Bekannt wie in guter Erinnerung

Durch dessen Salon die bekanntesten
Impressionisten alle wanderten der
Allein 80 der 120 in Deutschland je
Verkauften van Gogh angeboten hat

Doch wohnten noch andere große 
Sammler in diesem Viertel wie auch
Einige der wohlhabendsten Berliner 
Familien dort nahe dem Tiergarten

Die Familien Elias und Arnhold der
Bildhauer Georg Kolbe Reneé Sintens
Die den Berlinale Bären entwarf wie 
Die Designerin Erna Becker von der

Marlene Dietrich sich bevor sie nach Amerika ging im Tiergartenviertel neu
Einkleiden noch ließ für Einrichtung
Gab es Leni Michels-Fougner

Während Paul Huldschinsky die Pläne
Dazu noch entwarf hat Klaus Hugo
Adam als Ken Adam Karriere als
Ausstatter bei James Bond gemacht 

Klaus und Paul wuchsen als Jungen 
In diesem Atlantis von Berlin auf das
Heute Botschaften beherbergt wie das Verteidigungsministerium im Bendlerbock 

Außerdem und das tröstet zumindest
Ein wenig über diesen kulturellen 
Verlust hinweg wurde es zur neuen 
Heimat der großen Kultur heute

Mit Philharmonie Kulturforum der
Neuen Nationalgalerie bald auch
Berlin Modern hoffentlich trocken 
Wie Instrumentenmuseum wie noch

Gegenüber der Staatsbibliothek von 
Scharoun dem Bücherschiff ist das
Frühere Grenzgebiet zur DDR heute
Eine der kulturell reichsten Ecken 

So ist das Tiergartenviertel zwar 
Tragisch versunken sollte den Plänen 
Von Speers Germania einst weichen
Trägt Kultur in die Hauptstadt noch

Es ist gut sich neben der Freude an
Der reichen Kultur dort jetzt an jene 
Vielfach Juden zu erinnern die Berlin
Zum kulturellen Mittelpunkt machten 

jens tuengerthal 7.7.26

Ruinrausch

Ruinrausch 

Die Ausstellung Ruin und Rausch 
In der Neuen Nationalgalerie zeigt
Berlin in Bildern von 1910 bis 1930
Mit ausgewählten eigenen Werken

Der Berliner Nationalgalerie sowie
Einer Leihgabe aus Stuttgart der
Tänzerin Anita Berber von Otto Dix
Der roten femme fatale als Ikone

Die Zeit vom Kaiserreich bis fast zum
Ende der Weimarer Republik ist eine 
Epoche des rasanten Wandels in der
Das Babylon Berlin die Metropole war

Vom noch konservativen Geschmack
Des Kaiserreichs das mit dem Krieg
Unterging ging es zur modernen 
Demokratie und ihren Krisen dabei

In drei Kapiteln der feinen kleinen
Ausstellung werden Gleichzeitigkeit 
Von Glanz und Elend damit auch 
Aufstieg und Untergang thematisiert

Den Auftakt bildet das Gemälde
Potsdamer Platz von Ernst Ludwig
Kirchner das in die Metropole führt
Das zerrissene Lebensgefühl 1914

Schon bildlich fühlbar macht was
Durch weitere Bilder zum Stadtbild 
Wie eine geniale Dada-Collage so
Sichtbar auch im Kontext wird

Nach der Entwicklung der Stadt 
In Form und Bewegung wie dem
Aufbruch in die Moderne noch mit
Ausschnitten aus Langs Metropolis

Widmet sich die Ausstellung dem
Elend im Moloch Großstadt der
Auf den gezeigten Bildern geradezu
Spürbar wird in seinem Schrecken 

Von den Opfern des Krieges zum
Sozialen Elend welches das Leben
Der meisten Menschen prägte die
Versuchten im Wandel zu überleben

Armut Krankheit soziale Ausgrenzung
Leben in unterschiedlichen Welten die
In der Großstadt aufeinander treffen
Werden hier bildlich genial erfasst

Dazu läuft vor den Design Bänken 
Die zum Haus passen dann der Film 
Berlin Symphonie einer Großstadt
Der die Zeit lebendig werden lässt

Im dritten Teil widmet sich diese 
Feine Ausstellung der urbanen Frau
Freiheitsdrang Selbstbestimmung und Queeres Leben werden gezeigt

Hier bildet Dix rote Anita Berber den
Blicke fangenden Auftakt der noch
Von anderen wunderbaren Bildern
Von Künstlerinnen gerahmt wird 

So steht am Ende Lotte Lasersteins
Melancholisches Gemälde vom 
Abend über Potsdam das von 1930
Den Nationalsozialismus reflektiert

Hier werden noch Filme gezeigt mit
Josephine Baker und Anita Berber
Die leider in die Ecke gequetscht
Dennoch sehenswert sind

Dazu kann der Besucher sich noch
Gedichte etwa von Mascha Kaleko 
Anita Berber und Erich Kästner über
Kopfhörer vorlesen lassen

Eine kleine aber feine Ausstellung
Die das Berlin der berühmten 20er
Jahre spürbar macht in Licht und
Schatten der wichtigen Epoche


Künstlerinnen und Künstler dieser 
Ausstellung sind dabei:

Josephine Baker, Anita Berber, Rudolf Belling, Otto Dix, Heinrich Ehmsen, Paul Fuhrmann, George Grosz, Hans Grundig, Thea von Harbou, Hannah Höch, Karl Hofer, Constantin Holzer-Defanti, Mascha Kaléko, Erich Kästner, Ernst Ludwig Kirchner, Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Fritz Lang, Lotte Laserstein, Tamara de Lempicka, Jeanne Mammen, Carlo Mense, Otto Nagel, Oskar Nerlinger, Ernest Neuschul, Walther Ruttmann, Renée Sintenis, Jakob Steinhardt, Georg Tappert, Lesser Ury, Gustav Wunderwald

jens tuengerthal 7.7.26