Mittwoch, 22. Oktober 2025

Oktobervielfalt

Oktobervielfalt

Dieser 22. Oktober schien mir zunächst ein
Historisch unbedeutender Tag an dem nur
Zufällig noch eine alte Liebe Geburtstag 
Hat doch welch Irrtum denke ich nun

Schon 1617 wurde am 22. Oktober im
Dom zu Uppsala Gustav II Adolf aus dem
Hause Wasa endlich zum König gekrönt 
Der dann 1632 bei Lützen im Kampfe fiel

Bis dahin hatte der nordische König
Schon viel für Schwedens Stellung als
Hegemoniale Großmacht getan wie
Für die Sache der Protestanten gekämpft

Gustav II Adolf regierte Schweden bereits
Seit dem Jahre 1611 doch die Krönung
Hatte sich bis ein Jahr vor Beginn des
Dreißigjährigen Krieges hingezogen


Nur wenig später am 22. Oktober 1633
Gewinnt Polen-Litauen das einst riesige
Reich das Teile der Ukraine umfasste
Im Osmanisch-Polnischen Krieg der

Eigentlich nie einer war sondern nur einzelne Gefechte weil sich der Sultan
Wie der König nie den Krieg erklärten 
Was klingt wie Putin in der Ukraine

Die Schlacht bei Kamieniec Podolski
Was an einen zeitweise in der Türkei
Kickenden deutschen Fußballer erinnert
Ohne zu wissen was Poldi davon weiß


Am 22. Oktober 1708 nahmen dann 
Prinz Eugen von Savoyen gemeinsam
Mit dem Duke of Marlborough die Festung
Lille im spanischen Erbfolgekrieg ein

Was heldenhaft klingt blieb wie so vieles
Bei diesem Zwist um die Krone Spaniens 
Folgenlos denn am Ende bekam sie
Frankreich ohne dort regieren zu dürfen

Bedächten wir Opfer und Aufwand
Der Kriege häufiger vom Ende her 
Würden wohl weniger geführt weil
Es am Ende nie für wen lohnte


So galt auch der klugen Vermeidung
Von Kriegen nach Bismarcks Plan
Das Dreikaiserabkommen vom
22. Oktober 1873 in Schönbrunn

Dort einigten sich nahe Wien der
Deutsche Kaiser Wilhelm I mit dem
Österreichischen Kaiser Franz Joseph I
Und Zar Alexander III auf einen 

Nichtangriffspakt der Frankreich damit
Nach Bismarcks strategischer Planung 
Isolieren und ungefährlich machen sollte 
Was nur kurze Zeit überhaupt wirkte

Schon das Eingreifen Russlands zur
Verteidigung orthodoxer Christen im
Süden der balkanischen Halbinsel
Verhinderte eine Verlängerung


Wie schnell die Russen schießen können
Zeigte sich am 22. Oktober 1904 was noch
Das Geburtsjahr meines Großvaters von 
Der väterlichen Seite zugleich auch war

Hier beschossen die Russen englische
Fischer auf der Doggerbank die sie für
Japanische Torpedoboote hielten was 
Eine diplomatische Krise auslöste


Friedlich waren dagegen die Wahlen
Am 22. Oktober 1911 im Reichsland
Elsass Lothringen das es nur noch
Ganze 7 Jahre von da an gab 


Fast kriegerisch wurde es dagegen 
Am 22. Oktober 1962 als Präsident
John F Kennedy im Rahmen der nun
Kubakrise die totale Blockade verkündete

Doch war diese Drohung nur eine Reaktion 
Auf die Stationierung russischer Raketen
Auf der Insel im Golf von Mexiko also die
Abwehr einer potentiellen Bedrohung


Dagegen bildete sich am 22. Oktober 1983
Eine 105 Kilometer lange Menschenkette
Von Stuttgart nach Neu Ulm gegen die
Stationierung von Mittelstreckenraketen

Diese größte Demonstration im Rahmen
Der Friedensbewegung richtete sich gegen
Den NATO Doppelbeschluss den wir uns
Heute gegen Russland wünschen würden 


Den am 22. Oktober 1729 geborenen
Deutschen Naturforscher Johann Forster 
Werden nur wenige als Vater des viel
Bekannteren Georg Forster kennen


Bekannter ist dagegen der ebenfalls am
22. Oktober nur 1811 geborene Ungar
Franz Liszt der vom Wunderkind zum
Komponisten reiften der am Ende

Seinen kritischen Verstand an der
Kirchenpforte abgab und Abbé wurde 
Vorher zeugte er aber noch Cosima
Über die er sich zeitweise mit dem

Von ihm vorher geförderten wie auch
Als anarchistischer Revolutionär 1848
Geretteten Richard Wagner zerstritten
Wie in Bayreuth wieder versöhnte


Einer der wunderschönen Frauen die
Am 22. Oktober geboren wurde war
Sarah Bernhardt im Jahre 1844 die zur
Berühmtesten Darstellerin wurde


Was sie mit der letzten deutschen
Kaiserin Auguste Victoria gemeinsam hat
Die am 22. Oktober 1854 geborene Frau
Von Kaiser Wilhelm II  verstarb 1921 erst

Diese war eine geborene Auguste Victoria
Friederike Luise Feodora von Schleswig-
Holstein-Sonderburg-Augustenburg damit
Eine Cousine zweiten Grades ihres Mannes

Heute scheinen die Skandale wie auch
Diskussionen zu dieser Hochzeit eher
Albern und überholt damals waren sie
Politisch noch brandaktuell strittig

Das also im zweiten Grade über das 
Haus Sachsen-Coburg-Gotha noch
Verwandte Paar bekam selbst
Sieben eigene Kinder


An Emilie Schindler die Ehefrau von
Oskar Schindler deutsch österreichische 
Aktivistin und Gerechte unter den 
Völkern sollte auch erinnert werden 

Sie wurde am 22. Oktober 1907 in
Mähren in Österreich-Ungarn geboren
Verstarb erst 2001 in Strausberg und
Rettete 1200 Juden das Leben noch


Joan Fontaine die unter Hitchcock im
Rebecca mitspielte wurde auch am 22.
Oktober nur 1917 geboren einer der
Schönheiten dieses bunten Tages 


Zu den großen Köpfen dieses Tages
Gehört auch die britische Autorin wie
Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing
Die am 22. Oktober 1919 geboren wurde


Am 22. Oktober 1943 wurde schließlich
Die von mir hoch verehrte Schauspielerin
Catherine Deneuve in Paris geboren die
In vielen großen Filmen mitspielte

Damit soll dieses Gedenken für den
22. Oktober beendet werden was mich
Selbst durch seine Vielfalt überraschte
Allen Geburtstagskindern gedenkend

jens tuengerthal 22.10.25

Zum Ende nochmals den alten Franz Liszt

Liebesherbst

Liebesherbst

Erzählt vom Ende
Einer Liebe dagegen
Macht Herbstliebe schön

So wird wohl manches
Von hinten betrachtet viel
Schöner als gedacht

jens tuengerthal 22.10.25

Teemorgen

Teemorgen

Heißer Morgentee 
Erwärmt langsam für Tage
In kalten Zeiten

jens tuengerthal 22.10.25

Tagesbeginn

Tagesbeginn 

Beginne den Tag
Mit Nachrichtenlektüre
Ist er schon versaut

jens tuengerthal 22.10.25

Liebestraumlos

Liebestraumlos

Was wäre der schönste Liebestraum
Überlege ich und denke den hatte ich
Schon mal und es endete traurig ohne
Lust noch je weiter träumen zu wollen

Doch viel mehr noch als das eine oder
Andere traurige Ende störte mich am
Liebestraum wie er Erwartungen weckte
Die Liebe in viel zu enge Bahnen steckte

Will der Liebe alle Freiheit lieber lassen 
Darum träume ich nicht mehr von ihr 
Soweit ich das noch steuern kann das
Große Gefühl nicht macht was es will

Finde diese Idee sehr vernünftig wie
Von aller Erfahrung bestätigt leider nur
Taugt die Vernunft nicht als Maßstab
In entscheidenden Fragen der Liebe

Weil die Liebe also unvernünftig bleibt
Habe ich beschlossen von ihr lieber 
Abstand zu halten bis die nächste kommt
Die ganz viel Nähe unbedingt braucht 

Mit vernünftigen Versuchen habe ich
Schon mehr als eine vergrault auch
Wenn es dann vermutlich nie passte
Blieb es immer wieder schmerzhaft

Zumindest gewinne ich ohne Träume
Viel Freiheit und Gelassenheit wieder
Welche die Liebe zu gerne mir raubte
Wüsste ich nur wie ich es abstelle

Am Ende so planlos wie traumlos
Lohnt was bleibt noch weniger aber
Klingt relativ vernünftig und die Liebe
Lacht darüber und macht was sie will

jens tuengerthal 22.10.25

Dienstag, 21. Oktober 2025

Lektürentagebuch 21.10.25

Lektürentagebuch 21.10.25

In den Buddenbrooks lesen ist so
Wunderbar vertraut denke ich immer
Als wäre ich bei meiner Familie als
Nun Leser zu Besuch und nicht Teil

Häufiger über die Ähnlichkeiten auch
In den Äußerungen meiner Mutter wie
Dem Verhalten in der Familie nachgedacht
Bei mir bin ich beteiligt hier der Flaneur

Es wird nun herbstlich und ist schon
Bald Mitte September als Tony und Morton
Gemeinsam am Strand liegen und dabei
Über das Leben und die Liebe plaudern 

Dabei tragen die Wellen längst eine
Schaumkrone und es weht schon eine
Steife Briese von Nordost her die Saison
Ist zu Ende und Tony trägt die Herbstjacke

Genau gemerkt hatte sich der Sohn des
Lotsenkommandeurs jedes Wort das Tonys
Bruder Thomas gesprochen hatte und fragt
Wer Grünlich sei das wüsste er zu gern

Tony errötet ein wenig erläutert aber dann
Ganz offen und zieht deutlich über den ihr 
So unangenehmen Bendix Grünlich her 
Das Morton ihr dazu die Meinung geigt

Unschön sei es wie sie sich über die
Tränen eines Mannes erhob der aus
Liebe voller Verehrung vor ihr kniete
Ob sie alle so zu behandeln gedenke

Nun ist Tony erschüttert und gerührt
Rechtfertigt sich vor Morton worauf
Dieser ihr seine Liebe gesteht und
Tony dies schüchtern höflich erwidert

Dann ein erster sehr schüchterner Kuss
Nach dem Morton höflich fragte der um
Tonys Hand bei ihrem Vater anhalten will
Sobald er sein Studium geschafft hat

Liebeklärungen am Strand sind von 
Unvergleichlicher Schönheit denke ich
Dabei an meinen letzten Besuch an
Der Ostsee etwas östlicher Pfingsten

Hätte ich nicht auch gerne dort jener
Die Liebe erklärt wäre uns nicht ein 
Heftiger Regen dazwischen gekommen
Überlege ich nur für einen Moment

Natürlich war das kein Thema weil
Doch längst zwischen uns erledigt
Die nur Nachbarn und Freunde sind
Aber romantisch wäre es gewesen

Vielleicht war der Regen so ein Glück
Das uns alle Paarungsversuche noch
Friedlich quasi vorab ersparte was auch
Sonst viele große Gefühle erledigte

Es ist also alles ganz vernünftig so aber
Zum ersten mal geküsst hätte ich sie 
Doch zu gerne am Strand an Pfingsten
Vermutlich kitschiger Romantik wegen

Die Vorstellung dies keine 50 Kilometer
Luftlinie von Travemünde entfernt zu tun
Hätte einen feinen literarischen Duft bei
Dem auch egal sein kann was sonst passt

Wir taten es nicht und ersparten uns auch
Sonstige Leiden lieber sind ja auch beide
Keine zwanzig mehr wie meine Tochter 
Aber gerne denke ich dennoch daran 

Geküsst habe ich an der Küste immer
Nur jene mit denen ich dort war nie eine
Zum ersten mal und frisch verliebt was
Doch ganz wunderbar sein muss

Zumindest theoretisch denke ich und
Ahne schon den schrecklichen Schweif
Enttäuschter Erwartungen den jede
Liebe wie ein Komet mit sich schleppt 

So sind die Buddenbrooks mir in vielem
Immer wieder ganz nah auch wenn real
Solches mir völlig fern liegt ist es doch
Zauberhaft stets am Strand der Ostsee


Während Tony noch am Strand liegt um 
Mit Morton der sich im Sand verliebt zu
Ihr rollte zu turteln gerät Hans Castorp
Aus einem Schneegestöber in einen Sturm

Mit Forscherblick betrachtet Hans die
Flocken auf seinem Ärmel und denkt 
Daran wie er sie schon untersuchte in
All ihrer vielfältigen Schönheit dabei

Noch denkt Hans es wäre ein leichtes
Wieder ins Tal hinunter nach Davos Dorf
Hinab zu fahren und geht auch darum
Mit seinem Ach was! einfach weiter

Diese tolldreiste Haltung die etwas
Wagen will obwohl schon Furcht sich
Vor dem inneren Auge deutlich zeigt
Leitet ihn dem Wetter zum Trotz weiter

Eine Almhütte vor dem nächsten Gipfel
Ein vorläufiges Ziel für ihn rückt näher
Liegt im Schneesturm plötzlich fern den
Hans modisch mit Hallo nun begrüßt 

Erinnere mich noch genau wie mich bei
Der ersten Lektüre die ausführlichen
Beschreibungen des Schnees nervten
Wie später bei Fräulein Smilla auch

Damals wollte ich wissen wie es ausgeht
Dieses Schneeabenteuer und war lang
Gefesselt wie genervt von den hier
Ausschweifungen Thomas Manns

Heute lächel ich darüber mild und
Genieße die sprachliche Artistik sehr
Damals war ich so alt wie Hans selbst
Heute älter als Thomas Mann dabei

Es ändern sich die Perspektiven doch
Der Genuss bleibt und die Bewunderung
Für dieses auch philosophische Werk das
Den Geist seiner Zeit präzise spiegelte


Dahingestellt ob wirklich alle guten Dinge
Drei sind begann ich nun noch das Kapitel
Das unter der Überschrift Das zweite Jahr
Steht in Joseph und seine Brüder

Vermutet wird übrigens dass dies nichts
Mit christlicher heiliger Dreieinigkeit noch
Zu tun hat sondern viel eher noch vom
Germanischen Thing als Gericht kommt

Diese wurden dreimal im Jahr abgehalten 
Jeder hatte also drei Chancen sein Recht
In der dann Abstimmung zu bekommen
Was eine spannende Wurzel doch ist

Erfahre wie Mut sich ihrer Liebe klarer wird
Sie zwei ihrer Frauen sogar gesteht die
Gleich begeistert mit tollen Ratschlägen
Wie sie ihr Ziel erreichen kann kommen

Die eine dunkelhäutig aus Schwarzafrika
Kommend schlägt einen Zauber vor der
Joseph willig machen soll die andere meint
Es sei kein Problem er sei doch ihr Sklave

Beides lehnt Mut entschieden ab die sich
Völlig verkannt fühlt sich eher als Sklavin
Ihres Herzens fühlt denn als Herrin auch
Will sie seine Liebe nicht befehlen 

Wunderbar beschreibt Thomas Mann
Dieses Frauengespräch was auch wenn
Dies viele tausend Jahre her ist heute
Im Café so belauscht werden könnte

Zwar haben wir eher keine Herrin mehr
Die sich mit ihren Sklavinnen berät aber
Gespräche unter Freundinnen klingen
Nicht wesentlich anders als berichtet

Da wird zwar getuschelt und geflüstert
Damit es bloß keiner hören soll aber
Dann doch nach Frauenart alles ganz
Öffentlich mit Details besprochen

Ähnlich hier bei Mut mit den beiden
Die genau Bescheid wissen was nun
Nötig wäre die Füße zusammenzulegen
Was der Betroffenen völlig absurd scheint

Obwohl sie insgeheim natürlich vom
Zusammenlegen der Füße träumt was
Ein schönes Bild für körperliche Nähe
In welcher Stellung auch immer ist

Das ist feinsinnig humorvoll geschrieben
Zeitlos schön und könnte so noch heute
In Cafés oder Bars belauscht werden
Es kam mir manches bekannt vor

So führt uns Thomas Mann in der noch
Biblischen Sprache vor wie wenig sich 
Je beim Menschen geändert hat der
In der Liebe seiner Natur folgt auch als sie

Drei Romane und drei verschiedene 
Formen der Erzählung wie Sprache
Doch eine ironisch humorvolle Art die
Den Blick auf das Sein erleichtert

Thomas Mann ist vielfältig in seinem
Werk aber lohnt immer wieder weil
Er als Erzähler immer freundlich bis
Liebevoll bei seinen Figuren ist

So ist er der große Gentleman der
Deutschen Literatur der nirgendwo
Geheime Rechnungen offen hat auch
Im Humor und Spott liebevoll bleibt 

jens tuengerthal 21.8.25

Bücherbestand

Bücherbestand

Unbedeutende Bücher lese ich schnell
Sie wollen einfach erledigt sein um der
Guten Lektüre genug Raum zu geben
Denn in diesen Büchern lebe ich lang

Lebe mit und in Büchern über Jahre
La recherche von Marcel Proust ist
Bedeutend wenn auch echt nervig
Mit ihm lebe ich seit 30 Jahren bald

Wir führen eine liebevoll offene
Beziehung die anderweitige Lektüre
Als immer Bereicherung ansieht die
Unser Liebesleben noch heiß hält 

Gäbe es eine Frau mit der ich wie
Mit großen Büchern leben könnte
Stets im Regal bereit und wenn
Ineinander vertieft damit glücklich

Bliebe ich glatt dabei statt heute
Vor jeder schon bald zu flüchten
Weil die meisten nur Beschäftigung
Suchen die sie für Liebe halten

Wollen von einem hypersensiblen
ADHSler Aufmerksamkeit statt
Einander erwartungslos zu genießen
Denke ich und halte darum Abstand

Der Bücherbestand meiner kleinen
Bibliothek genügt völlig für ein alle
Zeit glückliches Leben denke ich
In Lesepausen beobachte ich andere

Lázár etwa war ein netter Roman
Wurde schnell gelesen und steht 
Nun bei Österreich-Ungarn im Flur
Darf bleiben aber nicht am Diwan

Hier steht und liegt in Stapeln nur 
Große Literatur und die Andere Bibliothek
Mit wem du ein literarisches Leben teilst
Prägt dein Denken dauerhaft das zählt

Goethe wie deutsche und französische
Klassiker im Flur sind auch bedeutend
Auch Thomas Mann der Meister aller
Liegt ohnehin ständig auch hier

Franz Hesel und Lukrez im Rücken
Zeigt wem ich wirklich vertraue was 
Das literarische Wohlbefinden betrifft
Bücherbestand erzählt vom Leben

Will lieber nicht an die Bücherregale so
Mancher Damen noch denken die kein
Ausweis für irgend Geist waren dabei
Zu oft nah an die Wirklichkeit kamen 

Darum schlief sich nicht gleich mit allen
Schlecht aber die meisten waren dafür
Geistig vermutlich eher entbehrlich will 
Dennoch keine im Leben missen müssen 

Doch der Bücherbestand ist wesentlich
Für meine geistige Heimat bei mir die
Einzig eine Illusion von Stabilität gibt
Ihn so exklusiv zu hüten eine Pflicht

jens tuengerthal 21.10.25


Flaneurgewicht

Flaneurgewicht

Der Flaneur ist ökonomisch ein
Fliegengewicht weil er nur flaniert
Selten oder eher nie konsumiert 
Ein bloß Beobachter des Seins ist

Darum ignorieren ihn so gerne alle
Kaufleute deren Kunde er nicht ist 
Sonst Bürger und Passanten die
Ganz zielbewusst sich bewegen

Sie alle sind ständig gehetzt weil
Zeit Geld ist und es stets um die
Maximierung von egal was geht
Was uns Flaneure nichts angeht

Wer nur das geschäftige Geschehen
Auf den Berliner Straßen beobachtet
Alleine vor dem Cafe sitzt ohne je
Außer aus Höflichkeit zu sprechen

Der muss den stringenten Damen
Verdächtig erscheinen als einer der
Nichts tut und darum eher stört gar 
Im Weg herum stehen könnte 

Was den Verkehrsfluss hier stört
Ganz egal ob dieser dabei eher
Geschäftlich oder geschlechtlich ist
Wird als lästiges Hindernis betrachtet

Die Berlinerinnen und Berliner verkehren
Auch miteinander wie geschlechtlich um
Das eben nötige noch zu erledigen was
Im Ergebnis selten nur befriedigend ist

Dabei hetzen die Menschen völlig
Überflüssig vom Herzinfarkt zum Tod
Was keinen Gewinn im Leben bringt 
Aber alle ständig in Bewegung hält 

Hier ist der Flaneur das Gegengewicht
Das nichts wem verkaufen will noch
Auf persönlichen Gewinn dabei hofft
Außer als Beobachter vom Rand aus

Dies ist immer dringender heute nötig
Während alle ständig beschäftigt sind
Etwas nützliches noch erreichen wollen 
Ist es der Flaneur der die Waage hält 

Nicht wie Justitia um über andere dabei
Blind zu urteilen sondern als bloßer 
Beobachter ohne jede Funktion der
Alles zweckfrei betrachtet und bedichtet

Nur wenn es Flaneure genug gibt gerät
Der ökonomische Dampfer nicht gleich
In Schieflage mit zuviel Zweck dabei was 
Sich die Merze nicht vorstellen können

So ist der Flaneur mit seinem bloßen
Fliegengewicht ökonomisch betrachtet
Geistig wie tatsächlich das Gegengewicht
Was das Leben im Gleichgewicht hält

jens tuengerthal 21.10.25

Liebesewig

Liebesewig

Beschreibt die Dauer
Eines Gefühls relativ
Zur Intensität

jens tuengerthal 21.10.25

Ausblick

Ausblick

Blicke auf eine
Wand gegenüber
Als Perspektive

jens tuengerthal 21.10.25


Menschenleben

Menschenleben

Menschenleben sind
Völlig verschieden manche
Erleben ständig

Andere bleiben
Beobachter und leben 
Flanierend im Kopf

Selten bemerken
Die Erlebnishungrigen
Anderes Leben

jens tuengerthal 21.10.25

Lektürentagebuch 20.10.25

Lektürentagebuch 20.10.25

Schon gestern Nacht begonnen weiter
Im Zauberberg zu lesen im berühmten 
Schneekapitel das Thomas Mann so
Meisterhaft dramatisch ironisch schrieb

Hans Castorp steigt auf seinen Skiern
Immer höher gen Himmel der hier mit
Den tief hängenden Wolken eins wird
In der dichten nebligen Suppe um ihn

Nur an von oben fallenden Flocken ist
Noch der Unterschied zu bemerken denn 
Es war überall gar nichts und nirgends
Noch etwas zu sehen wie Mann schreibt 

Während Hans Blick in der weißen ihn 
Blendenden Helle gebrochen wird 
Spürt er sein Herz höher schlagen
Sieht Clawdias Augen im Schnee

Diese von Settembrini herablassend
Tatarenschlitze genannten Augen die
Zugleich an Pribislaw ihn erinnerten
Tauchten grünlich blau im Schnee auf

Dort wo er seine Stöcke tief hinein
In den Schnee steckt werden sie
Für kleine Momente im milchigen 
Nichts des Nebels für ihn sichtbar 

Er steigt hinauf und plötzlich geht es
Rasant wieder hinab ohne dass er
Die Kuppe hatte kommen sehen
Er genießt den Moment der Abfahrt

Als es dann bald wieder aufwärts
Geht macht er am Waldrand der
Ihm im Nebenelmeer noch eine kleine
Orientierung war eine Zigarettenpause

Ein wenig Schokolade hat er dabei wie
Eine kleine Flasche Portwein in seiner
Westentasche als Wegzehrung für den
Auf drei Stunden avisierten Ausflug 

Dazu wird die Nachmittagsliegekur wie
Die Vesper danach geschwänzt was
Seine große Freiheit ihm wert scheint 
Wohin immer sie ihn führen soll

Genieße dieses wunderbare Kapitel in
Kleinen Häppchen diesmal hatte es
Sehr aufregend mit der existentiellen
Naturerfahrung noch in Erinnerung

Über diese lächel ich heute hinweg
Aber genieße dafür noch viel mehr
Die feine Ironie mit der Mann die
Kleine Tour hier riesig ausschmückt

Denke dabei daran dass Familie Mann
Mit Familie Hesse Skifahren ging dort
Katia mit Hermann und den Kindern
Gerne die Hänge hinab raste während

Thomas lieber im Zimmer blieb um
Zu lesen und zu schreiben auch am
Zauberberg etwa der begann als Katia
Selbst mit Tuberkulose in Davos war

Was noch vor dem Weltkrieg war der
Dann national literarisch unterbrach 
Am Ende zur republikanischen Wende
Führte als Mann in Weimar ankam 

Ob dieser Verdacht eine Fehldiagnose
Eher war wie manche Mediziner schon
Mit neuen Gutachten zu beweisen suchten
Lasse ich ahnungslos lieber dahinstehen 

Denke daran wie ich früher auch noch
Mit Skiern Berge hinunter raste bis dies
Tun mir nur noch absurd erschien lieber
Im Lesesessel Thomas Mann genoss

In den frühen Neunzigern noch habe ich
Als Pflegeaushilfe auch auf den Stationen
Mit TBC Patienten teilweise gearbeitet
In der Rohrbacher Thoraxklinik damals

Dort gab es auch noch große Balkone 
Die zur Liegekur wohl geeignet waren 
Sie gingen Richtung Leimen von wo der
Qualm von Heidelberger Eternit kam

Deren Arbeiter wiederum wurden mit
Ihrer Asbesthose auch noch von meinem
Vater in der Klinik untersucht was sicher
Die innere Nähe des Romans erklärt

Am Werk von Heidelberger Zement
Vorbei radelte ich im Studium noch
Zur Universität aber Hans genießt
Die Einsamkeit nebliger Berge

Wo du nichts siehst also auch niemand
Erkennen kannst im Nebel tiefer Wolken 
Bist du ganz auf dich zurückgeworfen
Warum auch immer Menschen dies tun

Vielleicht brauchen machte Menschen
Solche Naturerlebnisse noch etwas
Fühlen zu können während mir die
Lektüre des Zauberberg völlig genügt

Ob es den einen an Phantasie dafür
Dem anderen an Unternehmungslust
Mangelt muss ich nicht entscheiden
Mit einem völlig zufrieden zu sein 

Der Flaneur beobachtet die Welt
Lieber literarisch und lässt andere
Solche Schneeabenteuer erleben 
Denke ich heute fern von all dem

Doch im Winter 1989 auf 90 noch
War ich einige Tage allein im Schnee
Im Taunus campieren mir zu beweisen
Was für ein toller Abenteurer ich sei 

Es war weder toll bei minus zehn Grad
Im Schnee zu campieren noch hat es
Den Abenteurer weiter gebracht nur mir 
Bewiesen auch das konnte ich mal

Es war wohl auch der Kult um die
Männlichkeit in der Natur den die
Konservativen Familien hoch halten
Der solche Abenteuer suchen ließ

Heute suchen alle solche Erfahrungen
Im Abenteuerurlaub oder im Club wo
Das Abenteuer zwischen Mahlzeiten
Genau passt wie im Zauberberg auch

Es ist unbequem bringt keinerlei
Geistigen Fortschritt zeigt dir nur
Deine natürlichen Grenzen auf
Exklusiv unangenehme Art noch

Etwas das ich mit mir alleine da
Ausmachen wollte während andere
Dafür auf Jahrmärkte gehen oder
Sonst öffentliche Abenteuer suchen

Heute halte ich es lieber mit Thomas Mann
Beobachte alles von Ferne um darüber
Zu schreiben statt daran teilzunehmen
Manche Wege sind doch verschlungen

Bleibe weiter gespannt wohin Hans die
Suche nach Freiheit und Abenteuer führt
Auch wenn ich das Ende kenne wie den
Höhepunkt des Romans für manche

Lasse es darum an dieser Stelle noch
Offen und schließe vorläufig die Gedanken 
Zum Zauberberg ohne schon vom Triumph
Des Lebens über den Tod zu schreiben

jens tuengerthal 20.10.25