Samstag, 9. Juli 2022

Familienfest

Familienfest

Familie hält fest zusammen
Zumindest nach außen
Jedenfalls manchmal tut sie so
Sie treffen sich zu Festen
Dabei tun sie ganz locker
Aber nehmen es sehr ernst
Um sich somit zu feiern
Oder den Anlass zu nutzen
Die Verbindung zwischen
Den Akteuren der Feste
Ist Blut sagt die alte Legende
Also Gene oder Liebe was fest
Sein sollte real aber flüchtig ist
Darum gibt es die Ehe welche
Trennungen zu teuer macht
Für die es immer Gründe gibt
Außer es lohnt sich nicht mehr
Warum sie der Stabilität dient
Niemals allein der Liebe die
Eher ein Luxus dabei ist aber
Was Familie zusammenhält ist gut
Habe ich von klein auf gelernt
Dazwischen tun wir ganz
Locker festlich feierlich um das
Familienfest zu überstehen
Was der Unterschied zwischen
Fest und Feier ist weiß ich nicht
Bei unseren Familienfeiern geht es
Immer auch feierlich zu weil die
Familie gerne etwas besonderes
Wäre es darum für uns zumindest ist
Ansonsten werden es mit der Zeit
Immer weniger wie auch mehr aber
Weniger von den Alten dafür immer
Mehr die sich alt fühlen die du
Noch jung in Erinnerung hast was
Solange weitergeht bis du dich
Auch alt fühlst und dann ist es
Ohnehin bald vorbei mit dem Fest
Was wir Familie oder Leben nennen

jens tuengerthal 9.7.22

Muskelkater

Muskelkater

Musk will echt kaufen aber dann
Doch lieber nicht weil zu viele unecht
Wären was immer echt ist bleibt der
Fade Nachgeschmack eines Zockers
Der entweder feige flüchtet was 
Gut so wäre oder eines eiskalten
Typen der den Kurs nun drückt um
Keine Milliarde zahlen zu müssen
Was als Rücktrittsstrafe vereinbart
Hoffe er fällt nun tief damit einer
Spürt Verlässlichkeit ist immer die
Beste Währung am Markt den Rest
Zwitschern die Tauben vom Dach
Musk ähnelt Tesla dem Scharlatan
Der aus Kroatien einst kam womit
Sich am Ende fragt ist der echt

jens tuengerthal 9.7.22

Freitag, 8. Juli 2022

Elternhaus

Elternhaus

Das Elternhaus hat eine doppelte
Bedeutung zum einen ist es das
Von den Eltern bewohnte Haus
Der eigenen Kindheit wie zugleich
Die Familie mit ihrem prägenden
Erzieherischen Einfluss wozu wir
Sagen diejenigen kämen aus einem
Guten oder schlechten Elternhaus
Kämen nach den Eltern oder wären
Genau das Gegenteil der Familie
Ob als schwarzes Schaf oder als
Jemand der es dennoch geschafft hat
Was immer wir schaffen wollen um
Von anderen anerkannt zu werden
Komme aus einem guten Elternhaus
Denke ich an meine Kindheit zurück
Würde ich sogar sagen es war ein
Sehr gutes Elternhaus wir feierten
Feste im Kreis der Großfamilie
Lernten Anstand und Moral wie
Was von uns als Träger eines
Alten bürgerlichen Namens noch
Erwartet wurde wie zugleich einen
Maßvollen Stolz auf die Abstammung
Für die wir zwar nichts konnten
Die aber Selbstbewusstsein gab
Dahingestellt ob das immer ein
Vorteil ist oder häufiger noch zur
Lähmenden Stagnation führt die sich
Nur eitel in sich noch spiegelt
Habe es nie infrage gestellt
Ein gutes Elternhaus gehabt zu haben
Ob das Ergebnis ein Kompliment für
Die Eltern und Großeltern ist möge
Die Nachwelt entscheiden wenn es
Überhaupt jemand entscheiden muss
Solange sich die Beteiligten wohl fühlen
Ist es zumindest nicht ganz verkehrt
Denke ich und bin wie immer total
Zufrieden mit meinem Elternhaus
Kann und will nichts schlechtes sagen
Was zum einen sicher auch an meiner
Gerade Anwesenheit dort liegt denn
Der verwöhnte satte Bauch klagt nicht
Zum anderen aber auch gerade an
Den Umständen liegt unter denen ich
Mit Stolz auf die Familie aufwuchs
Auch wenn ich mit den meisten dort
Wenig oder nichts sonst zu tun habe
Wir uns durch Lebensumstände immer
Weiter nicht nur räumlich voneinander
Entfernten gibt es doch eine gefühlte
Verbindung geteilter Erinnerungen
Was genügt manches zu ertragen
Wie gelegentlich lieber zu schweigen
Was zumindest den Frieden wahrt
Der so zum Wert an sich wird was
In Anbetracht der Weltlage der Familie
Eine Art Vorbildfunktion geben kann
Wollte ich mal ganz weit ausholen
Was ich mir im übrigen lieber spare
Es geht ja auch nur ums Elternhaus
Was Familie und ihre Werte betrifft
Halte ich meine gerne hoch auch
Wenn jeder für sich denken mag
Was die anderen für Idioten sind
Es untereinander auch ausspricht
Wird nach außen die Familie als
Kraft des Guten hochgehalten und so
Gesehen habe ich ein gutes Elternhaus
Eltern und Geschwister leben in der
Sonnigen Kurpfalz nahe Heidelberg
In die ich erst mit knapp 16 zog meine
Kindheit verbrachte ich in anderen Häusern
Geboren in Bremen lernte ich dort am
Haus meiner Großeltern in Schwachhausen
Wie am Osterdeich im Elternhaus meines
Großvaters laufen verbrachte dann die
Kindheit in Frankfurt und Umgebung
Das Haus meiner Großeltern der
Väterlichen Linie wurde solange sie
Lebten zum Heimathafen aber auch
Dies war kein Elternhaus sondern erst
Erworben worden als die Großeltern
Aus Brüssel zurückkehrten denn das
Haus in dem sie im und vor dem Krieg
Eltern wurden stand in Güstrow wo sich
Die Großeltern bei Bülows kennenlernten
Stand zu dieser Zeit in einem anderen Land
Der DDR die mir ferner lag als Amerika
So wurde das Haus der Großeltern in
Der Wetterau zu so etwas wie Heimat
Dort feierten Eltern und Kusinen die
Wie Geschwister für mich lange waren
Ihre Feste wie die Familie sich zu gern
Damals wohnten wir noch in gemieteten
Häusern und Wohnungen als Gäste
Auf Zeit wie in einem Hotel irgendwie
Als meine Eltern das Haus kauften
In dem sie heute noch leben sogar
Mit einem Teil meiner Geschwister
Wurde dies spätestens nach dem
Tod der Großeltern zur neuen Heimat
Der Familie aber wird es jemals mein
Elternhaus oder ist dieser Begriff
Unabhängig von nur Immobilien
Die mir wie so vieles außer Büchern
Völlig egal sind ein geistiges Konstrukt
Mehr als der genetische Zufall der
Eine Gruppe Menschen verbindet
Wie sehr gehören darum auch die
Großeltern zum Elternhaus dazu
Was macht es für wen gut oder schlecht
Wer hat heute noch ein Elternhaus
Wie hängen Traditionen mit der
Gegenwart noch zusammen was
Soll für kommende Generationen
Noch bleiben was verschwindet
Besser frage ich mich und habe
Keine Antwort parat weil es ein
Prozess mehr ist als etwas das
Immer das gleiche darstellt so
Sehe ich Familientraditionen heute
Mit über fünfzig ganz anders als
Vor Gründung der eigenen Familie
Nichts scheint mir mehr sicher
Viel weniger als ein Wert an sich
Dafür sind die Umstände freier
Vieles ist mir fremd geworden
Anderes scheint mir wesentlich
Lasse mich überraschen was bleibt
Beobachte die bürgerliche Familie
Als Chronist für das was war wie
Ein Dritter der zwar liebt womit er
Einst aufwuchs aber es relativiert
Kann das Gebet vor dem Essen
Im Familienkreis sprechen auch
Wenn Gott für mich nur eine alberne
Erfindung ist die keiner mehr braucht
Reiche den Liebsten vor dem Essen
Die Hände wie es die Großeltern lehrten
Halte dagegen die Idee der Momogamie
Für eine gescheiterte Lüge die allein
Dem Erhalt chauvinistischer Strukturen
Zur Sicherung männlichen Erbes diente
Welche weibliche Sexualität über
Jahrtausende verkümmern ließ
Wider ihre eigentlich potentere Natur
Männliche Dominanz mit allen Folgen
Zu lange vorherrschend machte
Möchte kein Haus mit Garten haben
Lieber gelegentlich eine Geliebte
In ihrem besuchen wenn es sich
Für beide danach anfühlt bin ein
Familienmensch der sich etwa auch
Um die Kinder seiner Geliebten sorgt
Aber wehe eine kämpft um ihre Rolle
Wie gegen die Freiheit der Liebe
Dann flüchte ich lieber schnell
Kenne das cholerische Element
Was in meiner Familie wie früher
Auch bei mir unter besonders
Emotional nah gehenden Umständen
Ausbrechen kann warum ich die
Freiheit entschlossen verteidige
Was zu Familie nicht passt und so
Bin ich als Chronist der Familie
Der bürgerliche Tradition hochhält
Wie sie Thomas Mann so wunderbar
Im Requiem Buddenbrooks besang
Im Kern auch deren Gegenteil
Halte ich die traditionelle Familie
Weniger für ein Zukunftsmodell als
Eine Schadensursache in vielen
Von den Umständen lädierten Psychen
Wie zugleich für die beste Lösung
Für eine künftige Sozialstruktur
Es ist halt Familie und bleibt
Darum immer widersprüchlich denn
Auf das Elternhaus kommt es an
Aber es spielt auch keinerlei Rolle
Vom Grundgesetz aus gesehen
Sofern sich jemand noch zu
Benehmen weiß als hätte er
Ein gutes Elternhaus denn
Benimm ist der Schlüssel

jens tuengerthal 8.7.22

Neuneuroreise

Neuneuroreise

Mit der Eisenbahn von Berlin aus nach
Heidelberg kannte ich schon dachte ich
Sonst fünf Stunden mit dem ICE heute
Knapp elf Stunden mit dem 9 Euro Ticket
Sieben mal umsteigen mit wechselnden
Gesichtern wie kleinen Aufregern dabei
Zuerst blieb die Straßenbahn stehen
Weil die Polizei ein Auto abschleppte
War sicher den ersten Zug bereits
Verpasst zu haben aber dann kam
Dieser elf Minuten später als erwartet
So ging die Zugfahrt wie geplant los
Fand sogar gleich einen Sitzplatz 
Wenn auch im Gang dafür zwischen
Zwei schönen jungen Damen zunächst
Mit der einen zur rechten ich plauderte
Wie ihr Staunen über die lange Reise
Lächelnd genoss denn tatsächlich
Kam ich mir wie ein Reisender vor
Was mir sonst so völlig fern liegt
Die junge Dame stieg bald aus
Und ich widmete mich der Lektüre
Des Mann ohne Eigenschaften bis
Das erste Abenteuer der Reise begann
Ein junger Brandenburger ohne Maske
Fühlte sich durch den Hinweis eines
Anderen Fahrgastes der mutmaßlich
Ein Berliner Student mit Freundin war
So provoziert dass er eine Schlägerei
Mit dem größeren älteren jungen Mann
Beginnen wollte wobei ihn eine so
Resolute wie korpulente Dame von
Mittlerem Alter aufforderte endlich
Zu verschwinden und selbst aufstand
Der Dichter blieb Beobachter der Szene
Die sich direkt vor ihm abspielte aber
Hielt sich angesichts der Wut des
Fanatischen Knaben lieber zurück
Nun unbeschädigt darüber zu dichten
Der rasende Knabe nutzte noch seine
Bauchtasche den Studenten zu prügeln
Während dessen den Tränen nahe
Freundin den ihren zurückhielt der sich
Das Theater nicht gefallen ließ
Als die resolute Dame sich schließlich
Mit ihrem ganzen Umfang erhob
Ergriff der junge Brandenburger doch
Lieber die Flucht aber nicht ohne
Diese wütend zu beschimpfen wie
Seinen frisch erworbenen Sandwich
Dem Studenten nach zuwerfen dessen
Inhalt sich im Waggon wie auf der
Jacke eines bis dato unbeteiligten
Älteren Herren verteilte worauf sich
Alle Anwesenden kollektiv empörten
Wie den Knaben verurteilten nach
Dessen verschwinden noch eine
Aus dem Klo nebenan auftauchte
Die sich aus Furcht eingeschlossen hatte
Bis die laute Szene vorüber war
Die uns Anwesenden berichtete
Sie kenne den Knaben der wie sie
Was an ihrem Äußeren erkennbar war
Aus Brandenburg stamme worauf
Eine neue Welle der Solidarität
Diesen Teil des Zuges überrollte
Der Rest der Fahrt bis Magdeburg
Verlief unaufgeregt lesend sich dafür
Den emotionalen Aufregungen der
Akteure im Roman innig widmend
Ab Magdeburg saßen mir dann zwei
Sympathische junge Damen direkt
Gegenüber die sich gleich in ihre
Bücher vertieften die eine ethnologisch
Über das Wesen der Magier
Die andere in Platos Staat was
Beides zum Gespräch einlud so
Kurz die je Lektüre unterbrach wie
Belegte Reisen kann doch bilden
Wobei der schöne Anblick gegenüber
Für das schauerliche Wetter draußen
Mehr als genug entschädigte ginge es
Auf Reisen um solche Kleinigkeiten je
In Sangerhausen zwar zu spät angekommen
Aber passend in den Zug nach Kassel
Auf dem Gleis gegenüber gestiegen
Der auch verspätet kam und so noch 
Zeit für eine Zigarette unter dem mal
Nicht verregneten Himmel ließ dabei erfuhr
Der Dichter noch dass die junge Dame
Bis dato Psychologie in Berlin studiert
Aber nun zu irgendwas wie Skandinavistik
Wechseln wollte dann verloren sich
Die kurz gekreuzten Wege im nächsten
Regionalexpress wieder der uns über
Den Harz und Nordhausen gen Kessel
Bringen wird unter einem Himmel
Dessen Wolken immer näher kommen
Unter grauem Himmel ging es hoch
Durch die Berge bis es schien wir
Führen im trüb regnerischen Grau
Mitten durch die Wolken aber wie
Gut tut der Regen dem Land wie
Den hier wunderbaren Wäldern die
Wie die Wiesen saftig grün sind
Nun eine halbe Stunde auf den Zug
Nach Frankfurt in Kassel warten
Tief hängende Wolken mit Wind
Hier auf der Höhe lassen es 
Neblig ungemütlich scheinen
Die ruhige Fahrt im nicht zu vollen
Regionalzug gen Frankfurt mit
Genug Platz in der vierer Gruppe
Langsam reißt der Himmel auf
Während der ruhigen Fahrt durch
Das schöne Hessenland zwar 
Mag eine Fahrt von elf Stunden
Relativ lang sein aber auch hier
Wieder gutes Netz und Steckdose
Also ein guter Platz zum Schreiben
Viele sind mit ihren Telefonen ruhig
Beschäftigt einige lesen und nun
Scheint die Sonne in den Zug
Alle Anschlüsse passten bisher
Lässt es sich für neun Euro gut
Durch Deutschland reisen auch
Wenn einen halben Tag dauert
Was sonst in fünf Stunden geht
Aber vielleicht gefällt es mir darum
So gut als Entdeckung der Langsamkeit
Die den Blick für die Schönheit weckt
Kein Chaos sondern ruhiger Gang
So könnte das Ticket eine neue
Kultur für unser Land wecken
Aber ich urteile lieber wenn ich
Irgendwann in der Kurpfalz bin
Gerade schauert es wieder dafür
Sehen Wiesen und Wälder saftig
Grün und gesund aus beim Blick
Gen Süden sehe ich die Sonne
Schon wieder durch die Wolken
Wie eine Götterdämmerung brechen
Ansonsten rolle ich durch Hessen
Ohne das irgendwas passierte
In strahlendem Sonnenschein durch
Die alte Heimat Wetterau wie auch
Bad Vilbel gerollt wo der Bahnhof
Wie die Umgebung eine Baustelle ist
Staune wie schnell Welten sich ändern
Nun rollt die Bahn gen Frankfurt
Während die Sonne über dem nahen
Taunus mit den Wolken spielt
Die Hochhäuser schon im Blick
Rollen wir durch die grüne Seite
Frankfurts langsam gen Bahnhof
Kommen hoffentlich pünktlich um
Den nächsten Zug zu kriegen
Während neben mir Kleingärten
Die manche warum auch immer
Mögen achtlos vorbei ziehen
Der Zug kam pünktlich an auch
Das letzte Umsteigen klappte gut
Nun geht es mit noch einem
Prächtigen Sonnenuntergang
Gen Heidelberg wo mich der
Herr Papa als Chauffeurs erwartet
Nun bereits in Zwingenberg
Nähern wir uns hörbar der Kurpfalz
Deren Hauptstadt Heidelberg war
Bevor sich zu Prag vieles änderte
Mag dieses ruhige Tempo auch
Wennb es nach elf Stunden reicht
Für einem Nichtreisenden habe ich
Die lange Reise ohne jeden Proviant
Bisher gut überstanden nun kommt
Bensheim an der Bergstraße was
Noch in Hessen liegt beim einst so
Berühmten Kloster Lorch danach
Noch Heppenheim und dann wird
Bei Weinheim die Landesgrenze
Nach Baden Württemberg kurz
Vor Heidelberg überschritten
Im Rücken spüre ich die Fahrt
Vielleicht zu wenig gelesen
Beim nächsten mal gibt es wieder
Genug Proviant für die Reise aber
Es geht auch einfach so und das
Macht Leben doch gelassen
Eine lange Fahrt neigt sich dem
Ende zu Neuneuroreisen geht
Sogar elf Stunden mit Maske

jens tuengerthal 7.7.22

Donnerstag, 7. Juli 2022

Ehepaar

Ehepaar

Ehe sie ein Paar wurden
Waren beide noch verliebt
Als sie heirateten hatten sie
Sich ein Leben lang versprochen
Wie schon zuvor in Treueeiden
Ihre Einzigartigkeit beschworen
Logen sich beide etwas vor nur
Damit der andere bei ihnen bliebe
Die Ehe ein Leben lang hielte
Glücklich wurde damit keiner
Ehe kommt noch aus dem
Althochdeutschen und heißt
Gesetz während Heirat von der
Dort Hausversorgung kam also
Ein Zweckbündnis beschrieb
Ist eine gefestigte Beziehung
Zwischen einer oder mehreren
Personen je nach Kulturkreis
Manchmal auch in Gruppen
In Europa war die Ehe lange
Die der Fortpflanzung dienende
Verbindung von Mann und Frau
Weil damit alle die sich nicht
Fortpflanzten diskriminiert wurden
Wie der die Ehemoral bewachende
Aberglaube schwächer wurde ist
Heute auch die gleichgeschlechtliche
Ehe weitestgehend anerkannt auch
Wenn konservative Kräfte dabei den
Untergang des Abendlandes wieder
Fürchten was nach deren Sicht
Viele Untergänge vor sich hätte
Dahingestellt für wen das dennoch
Überleben nun spricht werden die
Dabei in einer Zugewinngemeinschaft
Lebenden Ehegatten als Partner gesehen
Gatten weist auf die Wurzeln dieser Form
Das Zusammenleben zu organisieren
Es geht um Begattung wie Fortpflanzung
Dient der sozialen Organisation eines
Netzes was dem Nachwuch dabei die
Größtmögliche Sicherheit bietet ohne
Dem Staat viel Kosten zu verursachen
Warum Kinder bekommen wie die Zeit
Ihres Aufwachsens als Glück gilt auch
Mit Gefühlen wie Liebe verbunden wird
Die seit der Romantik in Deutschland
Auch auf die Ehe ausgedehnt wurde
Ob dieser irrationale Maßstab dabei
Der Stabilität zugute kam scheint
Zumindest zweifelhaft auch wenn
Zuneigung und Liebe der Eltern
Den Kindern wohl zugute kommt
Könnte dagegen die Gefährdung
Der Stabilität einer Verbindung
Die allein auf Gefühl aufbaut
Mehr Schaden anrichten als die
Illusion der Liebe an Zuneigung
in längeren Verbindungen bringt
Aber das Thema ist emanzipiert
Betrachtet bis heute heikel weil
Es mit der patriarchalen Dominanz
Beim Erbe die Treue der Frauen
Als Sicherheit der Vaterschaft brauchte
Unter falschem Deckmantel einer
Romantischen Illusion primär nur
Reaktionäre Interessen durchsetzte
Was von weiblicher Seite geleugnet
Lieber bis heute wird wie sich Mann
Der Frauen sagt ihr schmälert nur
Real eure Macht mit dem Unsinn
Sich bei beiden unbeliebt macht
Andererseits die organisierten Ehen
Zwar hohe Stabilität bringen aber
Nur noch in den feministisch völlig
Unterentwickelten Kulturen vorkommen
Die von Aberglaube geprägt sind
Etwa islamischen Ländern oder
Anderen religiösen Kulturen denen
Emotionaler Individualismus fern liegt
Ehe und Liebe sind eigentlich eine
Contradictio insofern die Liebe als
Kinder der Freiheit die Form flieht
Wer sie zur Sicherheit braucht nur
Seine Zweifel am Bestand ausdrückt
Besser nicht mehr heiratete es aber
Dennoch tut um sich über die dann
Sichere Enttäuschung zu wundern
Während organisierte Ehen eher
Häufiger einen Zuwachs an Liebe
Die der Gewohnheit im Miteinander
Irgendwie folgt entdecken dürfen
Also eher eine positive Entwicklung
Was die Liebe angeht nehmen
Aber das Thema ist zu heikel um
Es in parallelen Welten hier weiter
Nach Begriffen der Logik alleine
Zu verfolgen zumal ja viele meinen
Es ginge im Kern um Liebe wie die
Größe der Gefühle füreinander statt
Die Familienverbindung zu feiern
Welche neue Netzwerke schafft
Was aber eher als anrüchig gilt
Schließlich ginge es um Liebe
Nicht um Geschäfte dabei ist die
Ehe nichts als ein Rechtsgeschäft
Mit teils teuren Folgekosten beim
Erwartungsgemäßen Scheitern
Was wer seine Liebe bewahren
Wie leben möchte besser vermiede
Es sei denn die Tradition wiegt noch
Schwerer als die Liebe je könnte
Dann kann es ein dennoch geben
Wo Liebe die Ehe übersteht ist sie
Im dennoch haltbarer als alles sonst
Das Ehepaar klärte am besten die
Bedingungen der Beziehung gleich
Zu Beginn bevor Gefühle dominieren
Da dann keine Vernunft mehr herrscht
Was wir tunlichst unterlassen weil wir
Nicht ohne Grund fürchten ohne die
Emotionale Blendung unattraktiv auf
Den erspähten Begattungspartner
Zu wirken wie mit Nüchternheit die
Erhoffte Blendung zu verzögern welche
Als Verliebtheit alles versprechen lässt
Wie manches noch ertragen was den
Kritischen Geist längst in die Flucht trieb
Aber da Denken wenigen wirklich liegt
Ist das Risiko statistisch relativ gering
Wäre mehrfach beinahe in die Ehe
Gerutscht und wollte dies auch mit
Begeisterung die mich heute eher
Staunen wie zweifeln lässt ob mich
Da schon alle guten Geister verließen
Mit jeder neuen Verlobten stieg dabei
Der Druck nun die einzige zu haben
Die wirklich meinen Namen dann trüge
Betrachte es und lächle heute darüber
Weil verlorene Liebe nicht schmerzt
Dabei glaubte ich schon ein wenig
Außer Familie und Tradition dabei
Auch der Liebe zur Erwählten zu
Dienen mit den wieder Ringen die
Einst eine Ex schmiedete mit der ich
Anlässlich ein Schäferstündchen
Noch genießen durfte die aber nie
Trägerin sein sollte doch sind die
Ringe als unendliches Zeichen ein
Bleigewicht was die Liebe zuerst
Auch mit wechselnder Gravur
In den Abgrund der Gewohnheit reißt
Gegen den nur viel dennoch hilft
Sage ich bis heute theoretisch nur
Über die Ehe warum ich besser
Wohl schwiege praktisch ahnungslos
Aber es am Ende zu merken hilft
Über alles vorher zu lachen denn
Es geht ja schließlich um Liebe
Welche die Fortpflanzung tarnt
Und also ist alles wie gewohnt
Es geht immer um das eine
Reden wir über Sex ohne
Das Wort auszusprechen
Nennen wir es Ehepaar

jens tuengerthal 6.7.22

Geschlechter

Geschlechter

Geschlechter kommen
Geschlechter gehen 
Aber hirschlederne Reithosen
Die blieben bestehen dichtete
Einst Börries von Münchhausen
Der den Nazis zu nah kam als
Das wir ihn unbedarft lesen
Doch was bleibt heute noch
Bestehen wie es einst war
In vermeintlich guten alten Zeiten
Als Geschlechter binär noch waren
Das männliche Samenzellen brachte
Die weiblichen Eizellen dafür die erst
Vereint ein ganzer Mensch wurden
Doch können wir Menschen noch
Auf das biologische Geschlecht allein
Reduzieren denn obiger Börries meinte
Familien als Geschlechter die Tradition
Über Generationen weitergaben weil
Sie diese Sitten miteinander liebten
Oder sie sich bewährt hatten in der
Konkurrenz um was auch immer
Wenn ich das Geschlecht nun auf
Binäre Biologie reduziere hätte sich
Der fraglos nationale Münchhausen
Hier der Falschaussage schuldig
Gemacht was wohl ohne Konsequenz
Blieb da die Lyrik auch so frei ist aber
Den nationalen Antisemiten der er
In späteren Jahren wurde zumindest
Zum inkonsequenten Dummschwätzer
Machte was den nationalen Kräften die
Bei der freien Wahl des Geschlechts
Nun den Untergang des Abendlandes
Bereits fürchten wenn sich die Schlangen
Vor zu wenig Damentoiletten plötzlich
Nach Laune im leeren Herrenklo noch
Verirrten wo ältere Leserbriefautoren
Aus dem Umfeld liberaler Zeitungen
Mit ihrer Porstataschwäche längst von
Impotenz bedroht ungestört tröpfeln
Wollen warum wahlweise ihnen ganz
Übel wird statt dem Würgereiz dabei
Nachzuspüren wenn Geschlecht als
Willensakt freier Menschen bezeichnet
Sie eine Kultur unnatürlich zu verlieren
Fürchten statt zu sehen was sie dabei
Gewinnen könnten wie einsparten auf
Unisex Toilletten für alle in denen nun
Jeder separiert oder alle ganz offen
Wie in China ländlich noch Brauch
Ihre natürlichen Geschäfte erledigen
Weil es mehr Menschen gibt die sich
Mit mehr als einem Geschlecht oder
Der schlichten biologischen Teilung
Identifizieren die nur auf Fortpflanzung
Abstellt die bei ihnen ohne Viagra
Längst zur Illusion geworden ist
Warum ihnen das Geschlecht auch
Mit wachsender Impotenz genauso
Abgesprochen werden sollte wie sie
Anderen ihr gefühltes gern verbieten
Weil es der Natur widerspräche doch
So peinlich die Geschichte dieser
Bewahrer angenässter Lederhosen
Nüchtern betrachtet eigentlich ist
Die anderen nicht gönnen wollen
Was sie für sich in Anspruch nehmen
Also auch impotent mit Prostataleiden
Noch ein Mann sein zu dürfen weil die
Natur zur Fortpflanzung nur die zwei
Geschlechter kennen würde was Sein
Auf Ficken und Kinderkriegen reduzierte
Etwas wenig für meinen Geschmack
Auch wenn beides sehr nett sein kann
Was sind impotente weiße Männer die
Nur noch mit Chemie einen hochkriegen
Der Autor weiß wovon er spricht dabei
Und lächelt seinen Bildschirm an wie
Die Quellen illusionärer Potenz die es
Real lange nicht mehr gibt weil die Zeit
Männer anders verändert als Frauen
Was viele voller Komplexe leiden lässt
Warum sie vielleicht auch ungestört
Lieber unter sich tröpfeln wollen statt
Die Gedanken frei sein zu lassen wie
Es schon Turner und Burschen vor 48
Sangen um die Nation so zu einen
Wer Geschlecht an Fortpflanzung oder
Die natürliche Fähigkeit dazu knüpft
Schlösse große Teile damit aus die
Keinen mehr hochkriegen noch eine
Chance zur Fortpflanzung haben aber
Gerne sich für Männlichkeit nach der
Natur aussprechen weil ihnen die
Selbsternannten Tunten suspekt sind
Am Schluss bleibt uns nur eines
Geschlechter kommen
Geschlechter gehen
Vorurteile bleiben bestehen
Wer sie überwindet ist erst
Ein freier Mensch zu nennen
Der Rest bleibt ein Sklave
Längst überholter Sitten
Ob sich dabei was ändert
Sie träumen wohl noch
Durch wen denn solange
Tröpfelnde Herren regieren
Die sich selbst peinlich sind
Was sie durch Rigorosität
Lautstark verdecken wollen
Wie weise ist die Stille da

jens tuengerthal 6.7.22