Dienstag, 31. März 2026

Lektürentagebuch 31.3.26

Lektürentagebuch 31.3.26

In der Nacht noch ein wenig mit
Kurt Tucholsky amüsiert über 
Der Kontrollierte eine kleine Glosse
Von der Fahrkartenkontrolle 

Wie der uniformierte Herr in der
Bahn höflich korrekt um das
Vorzeigen der Fahrausweise hier
Sogar uniformiert noch bittet

Jeder kennt diese Szene im
Öffentlichen Nahverkehr wenn
Einer errötend noch selbigen 
In allen Taschen sucht den

Dann die bösen Blicke treffen
Wie kann der Asoziale nur der
Sich wohl mal wieder drücken 
Wollte geben sie ihm zu verstehen

Keine Solidarität mit dem Erwischten 
Eher Verneigung vor der Uniform
Die ja auf gut deutsch dabei nur
Ihre Pflicht wie leider nötig tut

Eine Kleinigkeit ein nur winziger 
Fahrschein wird ganz bedeutend
Macht erwachsene Menschen zu
Kindern oder sogar zu Aussätzigen 

Es errötet dunkel der erwischte 
Schwarzfahrer und leicht rosa
Die übrigen Fahrgäste vor lauter
Aufregung hier dabei zu sein

Froh dass es sie nicht erwischt
Eigentlich geben sie sich eher
Herablassend gegenüber dem
Dem Delinquenten in der Bahn

Solidarität kann hier keiner erwarten
Eher noch den Hass der anderen
Zu kurz gekommenen die sich mit
Dem Staat dennoch solidarisieren

Eine feine Beschreibung dieses fast
Alltäglichen Ereignisses im Verkehr
Der Städte soweit öffentlich was allen 
Passieren kann aber keiner versteht


Weiter nun in der Verfeinerung der
Deutschen über Luthers hysterische
Kampfschrift an den christlichen Adel 
Deutscher Nation welche eine völlig 

Seltsame Mischung aus deutschem 
Patriotismus, radikaler Kirchenreform
Und Kulturpessimismus dazu war die
Zivilisation wie Humanismus aufgab

Eigentlich ging es Deutschland wie
Erwin Seitz schreibt nicht schlecht
Das Luther die elende Nation nannte 
Bis die Reformation kam und störte 

Was in von der Freiheit der Christen
Groß angekündigt wurde gab real nur
Den Fürsten mehr Macht um ihre
Diener in Gottes Namen zu knechten

Nach Luther sollte das gemeine Volk
Stolz darauf sein so anspruchslos zu
Sein wie seine kulturferne Vision die
Die Hochkultur grob erledigte

Nicht städtisch weltoffen und frei
Sondern provinziell rückständig und
Untertänig sollte das Volk werden
Statt Bildung kam das Christentum

Am Rande der Zivilisation wo sich
Luther in Wittenberg befand kam er
Nach Seitz auf manch vorsintflutliche
Ideen beschwor dabei bronzezeitliche

Ideale der Kultur noch nach der Bibel
Wie im ersten Buch Mose gezeigt
So sei die Erde vermaledeit und er
Sollte im Schweiße seines Angesichts

Sein Brot nur essen so hielt der
Doktor der Theologie in seiner aller
Körperlichen Arbeit fernen Stube
Die harte ländliche Arbeit hoch 

Bauern Handwerker Bürger sollten 
Helden der Arbeit und Entbehrung
Dabei werden und damit zufrieden
Gegen den Höllenfürsten gefeit sein

Die Fürsten zeigten sich dankbar
Für die Propaganda in den Schriften 
Nahmen sich gerne den vorher noch
Kirchenbesitz als dann ihre Sache 

Auch die Opposition gegen den noch
Katholischen Kaiser einte die Gruppe
Protestantischer Fürsten die gerne
Die Abgabe an den Papst einsparten

Über die Folgen des Partikularismus
Wurde 30 Jahre Krieg später geführt
Die toten Massen des Volkes hatten
Fürstlichen Egoismus auszubauen

Der Wunsch nach mehr Teilhabe auch 
Durch Bürger der Städte wurde darum
Moralisch gleich platt gewalzt obwohl
Die Schrift von der Freiheit für die

Christenmenschen die Bauern noch
Zu Aufständen quasi aufgewiegelte
Riet Luther den Fürsten sie alle
Besser gleich nieder zu machen

Infolge der Bauernaufstände wurden
Diese zu hunderttausenden noch
Für gerechte Forderungen von den 
Fürsten einfach niedergemetzelt 

Nach Seitz vergaloppierte sich Luther
Scheiterte ein freiheitlicher Ansatz am
Stärkeren Autoritätsspleen er fand nie
Aus den eigenen Paradoxien heraus

In der späten Schrift Von den Juden
Und ihren Lügen legt er der Obrigkeit
Ein fürchterliches Vorgehen nahe will 
Er Synagogen und Häuser anstecken 

Der kluge Erasmus von Rotterdam
Versuchte ihn zu besänftigen riet
Mit bescheidenem Anstand käme 
Er weiter als mit Sturm und Drang

Zwar ist die Kritik an Luther schon
Alt doch gab er viele Gründe dafür er
Förderte sehr deutsche Denkmuster
Vom Kulturpessimismus angefangen 

Das Freund-Feind-Schema und den 
Vorrang des autoritären provinziellen
Den deutschen Ernst und die ewige 
Tugend-Seife verstärkte er noch


Nach so viel unerfreulichem zum
Aberglauben noch etwas schönes 
Zur Liebe weiter geht es mit den
Ghost Stories von Siri Hustvedt

Über ihr Leben nach Pauls Tod
Das mit Gedanken zur Gestalt der
Zeit beginnt mit Erinnerungen an den
Tod und Sophies Schwangerschaft

Sie erzählt wie Paul sich seinen Vater
Mit Strohhut und Mistgabel vorstellte 
Weil seine Mutter Fortpflanzung mit
Der Metapher vom Saatkorn erklärte

Miles wuchs in Sophie so heran wie 
Sie in ihr gewachsen war so würde 
Die Gestalt der Zeit in natürlichen
Rhythmen um uns wahrgenommen

Die Jahreszeiten Tag und Nacht das
Hin und Her der Gezeiten im Meer
Zu und abnehmender Mond wie der
Weibliche Zyklus und Fruchtbarkeit

Sie denkt darüber nach wie die 
Fortgesetzte Zellteilung einen ganzen
Menschen irgendwann bilden der im
Leib eines anderen heranwächst

Wie in den ersten drei Monaten der
Schwangerschaft noch die eigene
Gebärmuttermilch den Embryo nährt 
Die der Uterus selbst produziert

Plazenta und Nabelschnur seien 
Erst ab der vierzehnten Woche
Ausgereift erfährt der neugierige
Leser der auch Vater schon wurde 

Wir machen Menschen schreibt sie
Während Miles in Sophie wuchs war
Sein Großvater gerade mit seiner 
Infusionstherapie fertig die umgekehrt

Das Wachstum des bösartigen Tumor
In seinem Körper bremsen sollte so
Wurde das Zellwachstum in Sophie 
Zu Leben das in ihrem Vater zum Tod

Was für eine starke Betrachtung des
Schlicht natürlichen Wachstums der
Zeller die zu Leben und Tod führen
Denke ich und dichte nun darüber

jens tuengerthal 31.3.26

Liebeschaos

Liebeschaos

Liebe ganz ohne
Chaos wäre niemals echt
Ist in Ordnung so

jens tuengerthal 31.3.26

Abschiebekönig

Abschiebekönig

Abschiebekönig
Einzig verdienter Titel
Für Kanzler Merz wohl

jens tuengerthal 31.3.26

Teezeit

Teezeit

Teezeit ist immer
Trinke nach Laune ständig
Täglich feinen Tee

jens tuengerthal 31.3.26

Glaubensbefreiung

Glaubensbefreiung

Aufklärung ist die Befreiung 
Aus der selbstverschuldeten 
Unmündigkeit wie uns Kant
Schon im Jahr 1784 erklärte 

Nur wer den Mut hat seinem 
Verstand allein zu vertrauen
Also ohne allen Aberglauben
Hat überhaupt die Chance dazu

Unsere Verfassung wie die 
Gesetze des Staates setzen
Die Mündigkeit natürlich voraus
Ohne zu prüfen wer sie erlangte

Ist diese Großzügigkeit eine Chance
Für eine bessere Zukunft oder ein
Risiko dass Angst machen sollte
Weil es Freiheit verspielen könnte

Selbstverschuldet ist Unmündigkeit 
Sofern sie nicht am Mangel des 
Verstandes also natürlicher Dummheit
Liegt sondern an bloßer Trägheit

Seinem Gewissen gegenüber allein
Verantwortlich kann nur sein wer sich
Aus geistiger Unmündigkeit wie sie
Im Glauben besteht befreit hat

Setzt der Staat mündige Bürger
Als Adressaten seiner Gesetze
Voraus muss er alles tun sie auch
Dorthin gelangen zu lassen 

Darum ist Befreiung von Religion
Wie Schutz der Kinder vor jedem
Aberglauben staatliche Aufgabe
Das wäre erst Glaubensfreiheit

Wer zugleich in die Präambel der
Verfassung schreibt diese sei in
Verantwortung vor Gott erlassen 
Offenbart einen großen Mangel 

An Zurechnungsfähigkeit wie der
Zu konsequentem Denken für den 
Schutz überholter Traditionen die
Sich parallel ad absurdum führen

Insofern ansonsten alles Recht
Nur einen autoritären Grund zur
Geltung hat also unmündig machte
Wäre es nötig darüber nachzudenken

Habe schon vor über dreißig Jahren
Mit Habermas und Gadamer darüber
Diskutiert ob es wirklich eine Basis
Im Diskurs mit Göttern geben kann

Nichts hat sich seitdem entwickelt
Deutschland ist nicht laizistischer
Noch immer werden Kinder getauft
Oder sogar beschnitten hier

Denke ich und könnte zornig werden
Doch will ich nach deutscher Schuld
Am Holocaust jemals hier Juden die
Ausübung ihres Glaubens verbieten 

Natürlich nie denke ich und wer wird
Schon für einen Zipfel Vorhaut streiten 
Egal was welcher Aberglaube dazu 
Heute noch zu sagen wagt

Letztlich hat das sapere aude nur
Bedeutung wenn Menschen es
Von sich aus befreit erkennen
Also ist jedes Wort dazu müßig

Ob sich in tausend Jahren etwas
Ändert oder nur Oligarchen allein
Ihre Welt privat verwalten lassen
Ist dabei so ungewiss wie alles

Es geht halt um Aberglauben da
Hat die Vernunft wenig zu sagen
Aber viele kennen eine Wahrheit
Die sie für unumstößlich halten

Mehr Glaubensbefreiung und ein
Hauptfach Ethik forderte ich schon
In meiner Abitur Rede 1992 aber
Viel weiter kamen wir nicht

Schlafen wir halt drüber vielleicht
Kommt ja im Traum eine Eingebung
Ähnlich seriös wie aller Glaube
Denke ich und sage gute Nacht 

jens tuengerthal 31.3.26

Glaubensglücksspiel

Glaubensglücksspiel

Glücksspiel ist etwas für eher
Schlichte Gemüter denen oft 
Die Gier noch im Gesicht steht
Was es noch hässlicher macht

Nach christlichem Aberglauben
Wäre es doppelte Todsünde was
Fast nach Todesstrafe klingt aber
Zum Glück leben wir nur einmal

Letzteres ist nach der Natur leicht
Nachweisbar dagegen ist das ewige
Leben Wiedergeburt Himmel oder
Hölle nur alberner Aberglaube

Für Götter Geister und ähnlichen 
Hokuspokus gibt es keinen Beweis
Die anerkannten katholischen Wunder
Sind so unglaubwürdig wie Märchen

Die Seele ist eine Erfindung des
Aberglaubens sie ist nirgends
In der Natur zu finden auch wenn sie
Als Psyche und Hormone nur gilt 

Dann wäre es ein komplexer Prozess
Mit unklar vielen Einflüssen der nie
Als solcher separat existieren kann
Sondern Zusammenspiel der Natur

Komplexität ist komplex darum nicht
Mit einem Begriff des Aberglaubens
Erfassbar die erfundene Seele wird
Natürlicher Komplexität nicht gerecht

Kann die Annahme einer höheren
Existenz an die wir unsere Zukunft
Im Jenseits hängen oder auf die
Hoffend wir leben ernsthaft sein

Ist Glücksspiel was auf eine nur
Statistische Wahrscheinlichkeit alle
Hoffnung im Leben zu gewinnen
Nicht berechenbar seriös verglichen 

Für ein Leben nach dem Leben das
Biologisch unmöglich ist riskieren 
Nicht wenige Menschen bis heute
Lust Genuss und Freiheit im Leben 

Etwas was nicht in der Natur existiert
Noch irgendwer lebend je sah soll
Nur geglaubt mehr Zufriedenheit uns 
Schenken als ein lustvolles Leben

Menschen geben ihr Leben auf
Negieren natürliche Bedürfnisse
Erfundenen Regeln des Aberglaubens
Ohne alle Vernunft zu folgen 

Eingriffe in körperliche Unversehrtheit 
Schon von Kindern werden bis heute
Auch hier mit Aberglauben legitimiert
Etwa bei der erlaubten Beschneidung

Eine Idee deren Realität durch nichts
Belegbar ist darf über Menschen noch
In vielen Ländern richten begründet in
Den nun faschistischer USA Zensur 

Wäre der Glaube zumindest ein 
Nur lächerliches Glücksspiel gäbe es 
Zumindest noch eine statistische
Hoffnung auf etwas berechenbares

Sollte die Menschheit ernsthaft im
Jahr 2026 noch den Regeln eines 
Solchen Unsinn irgendwo folgen
Unglaublich scheint die Realität

Ein unsinnig nur erfundenes
Spaghetti Monster wird von
Der heiligen Glaubensfreiheit
Genauso heute geschützt 

Die Ähnlichkeit des Wahnsinn
Egal wie ich ihn nun nenne 
Könnte für mehr Vernunft sorgen
Keine Kreuze je in Schulen mehr

Zeit für wieder mehr Vernunft
Wider die Macht des Aberglaubens
Für ein freies lustvolles Leben
Statt eine Hinrichtung zu feiern 

Vor allem aber für eine ganz klare
Trennung von Glaube und Staat 
Den Schutz aller Kinder davor wie
Normalität der Freiheit vom Glauben

So vernünftig könnte Europa sein
Kaum erheben sich je zu dieser
Geistigen Höhe Nationalstaaten
Diese Überbleibsel verlorener Zeit

Haben wir endlich den Mut frei 
Vom Glauben Leben zu genießen 
Es könnte erstaunlich gut werden
Vor allem endlich auch friedlich 

jens tuengerthal 31.3.26

Montag, 30. März 2026

Lektürentagebuch 30.3.26

Lektürentagebuch 30.3.26

In der Verfeinerung der Deutschen
Erfahren dass Luther das Gros der
Deutschen für unfähig hielt das Leben
Aus eigener Einsicht zu meistern

Welch Unterschied zu Kant denke ich
Der zumindest die Möglichkeit der
Befreiung aus der Unmündigkeit in 
Betracht zog durch Aufklärung

Die Probleme des Zusammenlebens
Wollte er mit Obrigkeit und Gehorsam
Lieber lösen weil die Kirche zu lasch
Sei suchte er Kontakt zu den Fürsten 

Darum sei sein wichtigstes Buch die
Streitschrift an den christlichen Adel 
Deutscher Nation worin er Fürsten rät
Wie sie die Bauern gängeln sollten

Diese thematisiert auch das dann
Nötige Priestertum aller Gläubigen
Was in keinster Weise logisch ist
Aber ist ja auch nur Aberglaube

Warum wir uns dem albernen Thema 
Mit größerer Intensität widmen als
Vernünftigerweise angemessen wäre
Liegt an seiner kulturhistorischen

Bedeutung für das Leben vieler
Die nach deren Geboten lebten 
Den vielen europäischen Kriegen 
Um Macht und wahren Aberglauben

Sollte dringend Verse wider das
Noch immer Glücksspiel des alten
Aberglauben zu Lasten der Vernunft
Schreiben was als nächstes folgt

Dazu wettert Luther gegen den Papst
Wie die gierigen Prälaten je länger er
Daran schrieb desto autoritärer wurde 
Die Orgie von Geboten und Verboten 

Nach dem Papst schimpfte er gegen
Den Humanismus und allen Luxus
Wollte alle Wallfahrten nach Rom
Verbieten da daher das freie Leben

Was aller Laster Anfang wäre käme
Reisen seien zu teuer und verdürbe
Rom die Leute nur es schien als ob
Freies Leben sein Horrorbild war

Alle Feste und Feiertage sollten 
Gestrichen werden soweit sie nur
Der Erholung noch dienten gerade 
Die unteren Schichten bräuchten 

Viel weniger Freizeit um dafür mehr
Den sündigen Leib zu kasteien und
Ein asketisches Leben mit Gott zu
Führen jede Wallfahrt verbieten 

Alle Kirchweihfeste sollten künftig
Gestrichen werden so seien die
Die Deutschen großteils Faulpelze 
Wie Lotterleute forderte er streng 

Wer dabei an Merz denkt oder das
Aktuell jammernde Deutschland
Dürfte damit nicht allein sein
Wagt der Flaneur zu vermuten

So wollte der Mönch einfach nicht
Wahrhaben dass das Fleisch eben
Schwach ist und machte darum sich 
Das Leben so schwer wie möglich

Als Augustinereremit kam er aus 
Einem Militärisch strengen Orden
Alles in der Welt sollte so straff und Zackig organisiert werden künftig

Auf alles überflüssige sollte darum
Künftig besser verzichtet werden
Ihm fehlte jede Gelassenheit die
Menschliche Fehler natürlich fand

Die Wallfahrtsorte wie Wilsnack
Trier und andere wollte er alle
Am Boden zerstören lassen 
Er ließ richtig Dampf dafür ab 

Wollte alle Bruderschaften die
Ablassbriefe vertrieben und
Ähnlichen Unsinn am liebsten
Gleich ersäufen und umbringen

Die Lehre an den Hochschulen
Wollte er strenger begrenzen 
Die Heilige Schrift sollte dabei der
Maßstab sein Erkenntnis war Sünde

Die Augustinereremiten warnen vor
Zu großer weltlicher Erkenntnis die
Nur von Gott ablenken Glaube wie
Gehorsam mit Einfalt und Tugend

Waren der wichtigere Maßstab für
Die Menschen entsprechend wollte
Er so gut wie alle Bücher des blinden 
Heidnischen Meisters Aristoteles auch

Lieber verbieten lassen und wollte nur
Rhetorische Bücher noch erlauben
Darum hielt er Ethik auch für ein ganz
Wichtiges und zentrales Schulfach

Er predigte auch Enthaltsamkeit von
Allem Luxus da Gott mit der Natur den
Menschen genug gegeben hätte seien
Mode Feinkost und Gewürze Sünde

Schuld daran waren für ihn die bösen
Kaufleute und er sah nichts Gutes
Was durch sie ins Land noch kam
Das größte Unglück aber sei der

Zinskauf warum er den Fuggern
Wie ähnlichen Leuten gerne einen 
Zaum ins Maul legen würde wie er
Es sagte und predigte Sparsamkeit

Rückzug Bescheidenheit wie gute
Deutsche Sparsamkeit sollten so
Die Existenz dauerhaft sichern was 
Zeigt woher das Elend einst kam 

Dazu baute der ehemalige Mönch
Noch veritable Feindbilder auf aus
Päpsten Prälaten Kaufleuten Bankiers
Städte und Luxus noch dazu 

Er ersparte sich jede nüchterne
Analyse der wahren Zustände
Lobte nur die Fürsten über alles
Ersparte ihnen auch alle Kritik

Es scheint als gehöre auch der
Kulturpessimismus als Korrektiv
Zum Kulturoptimismus dazu wären 
Beide voneinander auch abhängig

Auch Sokrates und sein Schüler
Platon Predigten Enthaltsamkeit
Statt Luxus und Genuss war das
Was Spaß machte unbedeutend 

Noch stärker als Platon und Stoa
Wetterte das Christentum gegen
Freiheit Lust und Glück auf Erden
Sinnenfreude galt als schwächlich 

Spätantike und Mittelalter dann 
Verbannten die sexuelle Wollust
Wie die kulinarische als Sünde
Zulässig war nur ehelicher Sex

Allein zum Zweck der Fortpflanzung
Freude oder Lust daran aber waren
Eine schlimme Sünde die bestraft
Wollust war eine der 7 Todsünden

Dagegen sieht der britische Philosoph
Simon Blackburn die Wollust heute
Als etwas grundsätzlich positives an 
Unterstellt den Gegnern der Lust 

Einen verkürzten Naturbegriff weil
Diese nicht nur Fortpflanzung als
Zweck verfolge sondern durch Wonne
Der Wollust Menschen näher bringt

So vermittle sie ein Stück irdischer
Freude wer guten Sex will muss
Dafür nett charmant und lieb sein
Wie um den anderen auch werben

Dazu zeigen wir uns dann auch
Von unserer besten Seite auch muss
Die Wollust nicht zum Exzess werden
Aber auch der Kontrollverlust kann

Als große Freiheit willkommen sein 
Die Momente von Ewigkeit schenkt
Das Gefühl von Einssein vermittelt
Gern auch mit geistiger Freundschaft 

Manche haben eine Neigung zur
Askese und Enthaltsamkeit die im
Weniger volle Erfüllung findet aber
Andere finden sie eher miteinander


Noch vor den ersten Text endlich
Von Curzio Malaparte über das
Lob des guten Italieners noch
Das Vorwort dazu von Jost Welge

Der Text ist dem unter dem Namen
Italia Barbara 1925 erschienenen 
Band entnommen der pikant genug
Vom Antifaschisten Piero Gobetti

Noch herausgegeben auch wenn er
Sich dort klar als Faschist zeigt ist
Gobetti Malaparte freundschaftlich
Eng verbunden er präsentiert ihn 

Als stärkste Feder des Faschismus 
Damit als Buch eines Feindes dabei 
Vertritt Malaparte die Ansicht dass
Italien seinen eigenen Weg geht 

Italien sei barbarisch katholisch
Antiliberal und antimodern und
Soll auch genau so sein dabei
Wird Mussolini zur Reinkarnation

Des Ignatius von Loyola auch wenn
Der Begründer der Gesellschaft Jesu 
Oder auch SJ denn Jesuiten also
Ein im Baskenland geborener war

Er ist da noch voll dem Faschismus 
Verhaftet und rechtfertigt auch den 
Marsch auf Rom in Oktober 1928
Als eine Art italienische Revolution

Im Erscheinungsjahr des Bandes
Italia Barbara wird Mussolini als
Diktator ausgerufen dabei ist ihm 
Die neue Regierung zu liberal

Die Verteidigung des barbarischen
Italieners beruht auf dem Verständnis
Des Risorgimento der nationalen
Einigungsbewegung unter Garibaldi 

Auch Mussolini sah sich in der
Tradition von Garibaldi noch der zum
Nationalen Helden stilisiert wurde 
Er wendet sich gegen die Liberalen

Malaparte unterscheidet dabei zwei
Sorten Italiener den guten Privatmann
Und den sich überall einmischenden
Profiteur bezieht sich dabei auch auf

Die 5 Tage von Mailand als die Stadt 
Von Radetzky belagert wurde aber
Die Bürger sie heldenhaft nochmal
Verteidigen konnten gegen Austria

So ist das Lob des guten Italieners
Noch deutlich eine frühe Schrift die
Der Verteidigung des Faschismus
Als wahre Bewegung dienen sollte

Damit als Leser gut vorgewarnt 
Bin ich gespannt auf die Lektüre
Irgendwann in den nächsten Tagen
Wohin meine Laune halt greift


Am 28. April also zwei Tage bevor
Er starb schliefen sie noch ein letztes
Mal zusammen erzählt Siri Hustvedt
In ihren Ghost Stories wie es dazu

Kam und was dabei passierte ist
Eine feine zärtliche Liebesgeschichte
Wie sie immer wieder aufwachte
Schaute ob Paul Auster noch atmete

So wie sie es bei Sophie einst machte
Diese es nun bei Miles selbst macht
Nachsehen ob alles in Ordnung ist
Das Elterngefühl kurz vorm Ende 

Denke daran wie der Korb unserer
Tochter Greta in dem schon ihre 
Mutter vierzig Jahre vorher lag
Als letzte von fünf Kindern 

Auf meiner Seite vom Bett stand
Und ich bei jedem Aufwachen
Schaute ob unser Kind auch noch 
Atmete es scheint ein Urinstinkt

Eine Woche vorher vielleicht hätte
Paul zum Sterben gesagt dass
Ginge schneller als gedacht
Er dachte er hätte noch mehr Zeit

Im März hatte er mit den Briefen
An Miles begonnen und noch gedacht
Er hätte noch mehr Zeit seinem Enkel
Diese letzten Briefe zu schreiben

Es wurden 35 Seiten und Siri meint
Sie hätte es schon geahnt aber nie
Herausposaunt wem sollte das auch
Nutzen vorher fragt sie dabei bleibt

Offen wem es hinterher nutzen soll 
Wäre der Leser hier geneigt zu fragen
Aber Ahnungen zum Tod sind so ein
Ding zu dem wir besser schweigen

Das hinterher Gesagte nimmt dem 
Vorherigen Schweigen die Größe
Denke ich und an die Träume vom
Vater und von mir und schweige dazu

Siri erzählt wie sie erschrocken an
Einem Morgen aufgewacht sei mit
Den Füßen auf ihrem Kopfkissen
Wie sie nach einem Moment merkte

Sie überlegt typisch psychoanalytisch
Ob Teile ihres Selbst revoltiert hätten
So tickt diese Sekte halt auch dazu
Ist liebevoll schweigen wohl besser

Sie nannten ihren Geisteszustand 
Eine kognitive Splitterung was klingt
Wie ein Begriff der Wissenschaft für
Trauer und die folgende Verwirrung

Alles sei in ihr durcheinander sie sei 
Aus dem Gleichgewicht gewesen
Es ist das Haus eines Dialogs der
Nun beendet sei in dem sie lebt

Die Zeit verginge aber scheinbar 
Ohne sie und sie fragt sich ob sie
Noch in ihr sein will oder braucht
Sie jetzt die zeitliche Lähmung 

Am Sonntag den 19. Mai schrieb sie
Eine Notiz dass Siri allein durchs Haus
Gehe und mit sich spreche sich dabei
Etwas frage und es auch beantworte

Die Frau die jetzt einen Dialog mit
Sich alleine führt erleidet einen 
Intermittierenden Zusammenbruch
Nur Sekunden nach ihrem Lächeln

Über eine witzige Bemerkung zu sich
Blickt sie auf seinen Stuhl der noch im 
Esszimmer steht wo er immer aß
Unter dem Kratzer sind die sie noch

Geärgert haben solange er schwer 
Auf dem Stuhl saß sind nun Spuren 
Eines Leben das nicht mehr ist und
Sie brüllte die Wände laut an 

Sie wolle ihn zurück so sei Trauer
Nicht konstant sie könne sich lang 
Gegen den Sturm abschotten und
Dann haut eine Böe sie einfach um

Bei der Kondolenzpost die sich noch
In großen Stapeln auf dem Kaminsims
Türmt denkt sie über das Wort
Dahinscheiden pass away nach

Wie ihre Mutter meinte niemand
Scheide dahin wir stürben und gut
Was sie darüber denkt und was
Das Wörterbuch dazu sagt

Sie lebt in einem Spukhaus noch
Bewohnt von einem Geist den 
Paul und sie zusammen erschufen
In einem WIR das nicht mehr existiert

Zumindest nicht in ihrer Gegenwart
Das jedoch alle Räume durchdrang
Es sei eine Doppelfigur mit lauter 
Geheimen Anspielungen die nur

Ihnen bekannt sein können dabei
Paul hatte einmal gesagt wenn sie
Noch 100 Jahre dort zusammenlebten
Wären sie eine Person geworden

Immer wenn genau der gleiche
Gedanke durch den gleichen Auslöser
Zur gleichen Zeit ihnen kam dachten 
Sie die Vereinigung würde nun real 

Das ist wieder so ein Abschnitt zum 
Seufzen und denken hach was für
Eine wunderbare Liebesgeschichte 
Denke ich und freue mich darüber

jens tuengerthal 30.3.26

Selbstliebe

Selbstliebe

Selbstliebe ersetzt
Niemals Liebe anderer
Es fehlte der Kern 

Liebe wird erst groß
Wo sie über sich hinaus
Uns noch wachsen lässt

jens tuengerthal 30.3.26

Weltfrieden

Weltfrieden

Herrschte ganz plötzlich
Überall Frieden wären 
Alle noch verwirrt 

Unsere Natur
Schützt nachhaltig vor solchem
Ausnahmezustand

Gäbe es keinen
Grund mehr sich zu erschlagen
Bliebe noch Liebe 

jens tuengerthal 30.3.26

Teetage

Teetage

Regentage sind
Teetrinkers Paradies
Tun was wir lieben 

Abwarten und Tee
Trinken statt etwas wollen
Enthält schon alles

jens tuengerthal 30.3.26

Sonntag, 29. März 2026

Lektürentagebuch 29.3.26

Lektürentagebuch 29.3.26

Im achten Kapitel bei Buddenbrooks
Geht es hoch her in einem festlichen
Sommer in dem Tiburtius aus Riga 
Wie die Arnoldsens aus Amsterdam

Ins Haus kamen vorher waren sie 
Noch in Travemünde und Thomas
Zumindest am Wochende auch dort
Wo er mit Tony zusammen das alte 

Lotsenkommandeurs Ehepaar wieder
Besuchen ging und sie nett über die
Zeit plauderten der Sohn ja nun in 
Breslau erfolgreich seine Praxis hat

Christian bleibt die ganze Zeit in 
Travemünde um seinen seltsamen 
Schmerz im Bein zu kurieren über
Den er natürlich gerne redete

Er amüsierte sich gut in Travemünde
Mit den üblichen Herren aus dem
Club und brachte die Gesellschaft im
Pavillon wie am Strand zum Lachen 

Tiburtius wohnt ganz bescheiden im
Seitenflügel des Hauses während
Arnoldsens mittendrin leben und
Das Leben fröhlich bereichern 

In der Stadt und im Club wurde viel
Über diese Braut geredet die mit
Ihren roten Haaren zu dunklen Augen
Schon etwas besonderes war

Herr Arnoldsen spielte wunderbar
Wie mit wilder Leidenschaft auf der
Geige und Gerda begleitete ihn 
Auf ihrer Stradivari mit viel Gefühl

Tony ist völlig begeistert und redet
Ständig mit Gerda freut sich über
Die hohe Aussteuer und Thomas
Kauft ein Haus für Gerda und sich 

Anfang des Jahres soll erst Clara
Tiburtius heiraten und dann im
Frühling auch Thomas und Gerda
Die in Amsterdam feiern werden

Auch die alte Konsulin möchte dann
Zu dieser Hochzeit reisen wenn es
Ihre Gesundheit erlaubt und beide
Planen eine Hochzeitsreise nach

Oberitalien und Florenz für dann 
Zwei Monate in dieser Zeit soll
Tony dann das Haus einrichten
Bekommt dafür freie Hand

So sind alle glücklich und sehen
Den kommenden Ereignissen mit
Aufgeregter Begeisterung entgegen
Nur Thomas dauert es etwas lang

Ein schönes Kapitel voller Aufbruch
Begeisterung und Schönheit die das
Ganze Haus ergreift nur Christian
Leidet natürlich etwas dabei

jens tuengerthal 29.3.26