Lektürentagebuch 9.5.26
Auf der Reise ins Paradies ging es
Am 9. September 1802 von Bayreuth
Nach Hohlfeld mit dem Ehepaar
Gondela aus Bremen doch zuvor
Wird noch ein Bild vom preußischen
Bayreuth gegeben das teils kritisch
Die Zustände bei Licht betrachtet
Weniges so schön noch findet
Wie es bei der Ankunft in der Nacht
Bei Dunkelheit schien aber dafür auch
Einiges besonders lobt wie etwa das
Prächtige Opernhaus und der vom
Preußischen Verwalter Hardenberg
Eben jener der später Kanzler wird
Oder vermutlich seiner Gattin nun
Umgestaltete Schlossgarten der
Früher in französischer Strenge noch
Angelegt sich in englischer Freiheit
Viel schöner noch gestaltet dabei
Werden die künstlichen Höhlen
Mit raffinierten Wasserspielen gelobt
Aber zugleich der peinliche Tritonen
Brunnen verspottet der sie eher an
Bremer Fischweiber noch erinnert
Die Fahrt mit der Kutsche durch das
Tal in dem Bayreuth liegt veranlasst
Heinrich Gondela über die Schönheit
Der dortigen Natur zu schwärmen
So bedauern sie angesichts ihrer
Nun schon Abreise nicht länger
Zeit für diese Naturschönheit noch
Zu haben doch war Eile nötig
Gerne wären sie noch geblieben
Doch Pferde und Postillon waren
Schon bestellt und so ging es los
In Richtung Hohlfeld das bereits
Zum Bistum Bamberg gehört doch
Bemerkte Henrich Gondela dass es
Bayreuth anzumerken sei dass die
Fürstliche Residenz dort nun fehle
Stattdessen würde Preußen nun mit
Militärischer Strenge verwalten wie
Steuern herausholen ohne dafür in
Schönheit des Ortes zu investieren
Die Fahrt durch den Wald bringt dann
Wieder ein ungeplantes Abenteuer
Weil die Straße so schlecht war
Stiegen sie ab und liefen der Kutsche
Voraus wobei sie sich jedoch leider
Im dunklen Nadelwald verliefen und
Ihre Kutsche verloren was sie am
Geblasenen Signal hören konnten
Leider konnten sie nicht durch den
Dichten Wald dann abkürzen und
Mussten den ganzen Weg wieder
Zurücklaufen wie dann hoffend
Die Kutsche würde auf sie warten
Was sie dann irgendwann auch tat
Aber als sie erschöpft ankamen waren
Sie zu erhitzt um aufzusteigen ohne
Gleich eine Erkältung zu riskieren
So liefen sie weiter bis Hohlfeld
Wo sie nach Bayreuther Pracht
Ein sehr schlichtes Quartier erwartete
Sie loben dennoch die Höflichkeit
Ihrer Wirtsleute die alles teilten was
Sie hatten aber das war nicht viel
Mehr als Suppe und trockenes Brot
Das Bett war nur mit Stroh gefüllt
Bloß für einen Person gedacht
Aber erschöpft genug vom Tag
Würden sie dort schlafen können
Die Einblicke in die Mühsal des
Reisens um 1800 mit der Kutsche
Auch wenn es der eigene Wagen ist
Zeigt welch Angang jede Reise war
Einer der wunderbaren Schätze aus
Der Anderen Bibliothek der noch bis
Heute vom Reisefieber heilen kann
Mit viel Humor dazu geschrieben
In den Briefen eines reisenden
Franzosen einem weiteren der
Schönen Bände der Anderen
Bibliothek berichtet Johann Kaspar
Riesbeck vom Wiener Nationaltheater
Wie Harlekin lange das Theater zum
Spott prägte und wie sie heute dort
Diderots Hausvater sehr gut gäben
Wie schlecht es aber dem Theater
Täte wenn es Republik spielte was
Zu seltsamen Entwicklungen führte
Wenn jene die Könige spielten sich
Auch wie solche aufführen würden
Im einzelnen widmet er sich dabei
Besonderen Schauspielern die als
Charakter und menschlich noch
Vorgestellt werden wobei er auch
Immer wieder über das Parlament
Des Theaters schimpft dem die klare
Wie starke Führung fehlt der es so
Dringend zur Ordnung bedürfte
So würden Rollen mehr nach der
Persönlichen Laune und Eitelkeit
Besetzt als nach Talent für die Rolle
Was keinem Theater gut täte
Genau werden dabei auch die
Körperlichen Mängel betrachtet
Und wie Talent diese ausgliche
Wo der gespielte Charakter auch
Dem im Leben gliche und wo es
Einen Gegensatz gibt aber die
Schauspieler es eitel nicht merken
Wie die Republik dem Theater schade
Das ist eine spannende und in vielem
Kenntnisreiche Kritik des königlichen
Theaters in Wien bei dem dann auch
Fürstlich dazu noch gezahlt würde
Ein Blick auch hinter die Kulissen
Der Kabale und Intrigen offenbart
Welche die Theaterrepublik noch
Ohne Gewinn dabei verstärke
Dieser 27. Brief war eine Freude
Für alle Freunde des Theaters
Zeigt dabei hohe Kenntnis in
Der Sache wie den kritischen Blick
Spannend ist wie kritisch der Autor
Riesbeck hier die Republik als völlig
Ungeeignet für das Theater betrachtet
Anders vermutlich als im Staat dabei
Mit Johann Gottfried Seume wurde
Nun Abschied von Wien genommen
Bis nach Schottwien gelaufen wo er
In einem Wirtshaus unterkommt
Von seinem Kameraden der vorher
Mit ihm marschierte trennte er sich
Weil dieser als Familienvater ganz
Andere Rücksichten nehmen musste
Er dagegen fühlte sich frei und froh
Wenn er starb wurde eben seine
Akte geschlossen und gut war es
Er genoss die Schönheit der Ebene
In dem Wirtshaus waren Soldaten
Untergebracht die am Kanal arbeiten
Der einmal von Wien nach Triest
Reichen sollte und feierten laut
Immer wenn wieder eine Schlägerei
Drohte begann ein alter Mann in der
Ecke darum Akkordeon zu spielen
Worauf das fröhliche Tanzen kam
Dabei wurden die Soldaten dann
Irgendwann zu wild so dass die
Mädchen wieder wegliefen und
Das Spiel begann von vorne
Später verzog er sich in sein Zimmer
Genoss auch am nächsten Tag bei
Schneeschmelze und Regen die
Lektüre von Juvenal und Horaz
Dabei findet er den Horaz eher
Anzüglich zotenhaft und Juvenal
Auch dabei viel freier und eleganter
Sieht seine Sicht aber auch kritisch
Noch einige Seiten Georg Forster
Aus Ansichten vom Niederrhein
Den Abschluss des Kapitels über
Lüttich gelesen das da noch
Die Reise fand April bis Juni 1790
In Begleitung des noch sehr jungen
Alexander von Humboldt statt zum
Deutschen Reich gehörte als ein
Fürstbischöfliches Gebiet was die
Revolution probte wie dabei die
Vereinigung mit dem freien Flandern
Und wie er die Zustände beurteilt
Forster schreibt mit vielen Gedanken
Die sein sprachliches Genie zeigen
Alles auch philosophisch betrachten
Was den Reisebericht bald sprengt
Doch diesen Gedanken zu folgen
Die mit viel Ironie vorgetragen lohnt
Lohnt sehr die auch herausfordernde
Lektüre die neue Erkenntnisse bringt
Über Beispiele aus der Landwirtschaft
Kommt er zur Philosophie wie aus
Dieser wiederum zur Literatur dann
Wieder in Lüttich zu landen wo die
Maas fließt die noch in der ersten
Heute ausgesonderten Strophe des
Deutschlandliedes genannt wird als
Grenze im Westen was aber egal ist
Über diese würde auch der Wein
Gehandelt wie der Champagner von
Dem er aber vermutet er käme von
Den steilen Hängen Lüttichs eher
Sei also ein Etikettenschwindel wie
Die vielen Druckwerke der großen
Französischen und englischen
Klassiker die hier produziert werden
Dies auch soweit sie Texte noch
Produzieren die keinesfalls ein
Bischof oder Jesuiten zuließen
Wie auch früher der Aufklärung
So ließen Autoren wie Baron
Holbach lieber dort oder in den
Niederlanden produzieren um
Jeden weiteren Ärger zu vermeiden
Angetan berichtet er von dem sehr
Noblen Haus einer Lütticher Leser
Gesellschaft denen es gut ginge
Was sie sorgsam achten sollten
Ganz nebenbei berichtet er noch
Von den preußischen Truppen
Welche die Stadt belagerten und
Wer von ihnen Hilfe erwarten kann
Zwar priesen die Revolutionäre im
Ersten Jahr nach der französischen
Revolution noch den preußischen
König als ihren Verbündeten
Jedoch geht Forster nicht davon aus
Dass Preußen sich in dieser Zeit
Gegen Reichsinteressen stellte was
Unter Friedrich Wilhelm III klug ist
Berichtet noch vom Absturz des
Preußischen Generals hier dessen
Pferd mit ihm einen Abhang hinunter
Kugelte wobei dieser sich noch
Ein Bein brach das dann sogar
Lebensgefährlich wurde weil der
Preuße dennoch seinen Dienst tat
Was dieser aber heiter überstand
Forster springt dabei zwischen den
Philosophischen Betrachtungen und
Der Beschreibung im historischen
Kontext mit sehr genialen Brücken
Damit tarnte der Autor auch seine
Klaren politischen Aussagen wie
Seine Sympathie mit der Sache
Der Revolution in Frankreich
Gegen diese zogen noch die
Reaktionäre in den Krieg doch
Rät er Lüttich in Anbetracht der
Lage in Frankreich zur Vorsicht
Dies alles ein Jahr nach der
Französischen Revolution mit da
Noch 35 Jahren mit einem ganz
Erstaunlichen Weitblick 17 Jahre
Nach seiner Weltreise mit Cook
Über die ich bald wieder berichte
Studiert er hier mit einem jungen
Preußen an der Seite die Grenze
Des Reichs und die Auswirkungen
Der Revolution nebenan auf die
Menschen vor Ort und ihr Denken
Fragt ob der Aufstand sich lohnt
Vier Jahre später starb Georg Forster
Noch keine vierzig und die Revolution
Hatte im Terreur schon ihre hässliche
Mörderische Fratze auch gezeigt
Die Lektüre der Ansichten vom
Niederrhein ist vielfältig lohnend
Politisch philosophisch und auch
Als kluge Reiselektüre dazu
jens tuengerthal 9.5.26