Dienstag, 23. September 2025

Lektürentagebuch 23.9.25

Lektürentagebuch 23.9.25

Im abenteuerlichen Simplicissimus des
Hans Jacob Christoffel v. Grimmelshausen 
Gelesen wo im 24 Kapitel im vierten Teil
Olivier ins Gras beißt und noch 6 mitnimmt

Nachdem Simplicius und Olivier das Geld
Was aus den Raubzügen stammte unter
Sich aufgeteilt hatten nähte der praktische
Simplicius aus einer Hose Rucksäcke

Diese machten das Tragen bequemer
Während sie aber gerade das Geld in
Den neuen Beuteln verstauten stürmte
Ein Korporal mit sechs Musketieren

Ihre Hütte mit gezogener Waffe und
Forderte sie auf sich zu erheben
Worauf Olivier gleich zwei von ihnen
Erschoss wie Simplicius den dritten 

Darauf spaltete Olivier dem vierten
Mit seinem Schwert den Schädel das
Sein Hirn nur so herum spritzte was
Darauf der fünfte ihm auch antat 

Diese Tat wiederum rächte Simplicius
Auf gleiche Art blutig und so war der
Ganze Überfall schneller vorbei als
Ein Vater Unser lang ist wie es heißt

Ein Verletzter Überlebender floh bevor
Simplicius ihn endgültig versorgen konnte 
So waren nach wenigen Minuten plötzlich
Sieben tapfere Soldaten getötet worden 

Simplicius prüfte noch den Tod von Olivier
Da kein Leben in ihm war nahm er das
Ganze Geld und machte sich nun reich
Auf den Weg den Bauern abzufangen

Blutig und grausam sind die Beschreibung
Der Gemetzel aus dem Dreißigjährigen
Krieg auch darum sehr real wie eben in
Kriegen brutal gemordet stets wird 

Dennoch schreibt Grimmelshausen der
Vermutlich ähnliches selbst erlebte mit
Ironischer Distanz über all diese Dinge
Die moralische Empörung nicht verhehlt

Es bleiben grausame Gemetzel aber
Auch wenn Simplicius mittendrin steckt
Wahrt er als Erzähler doch Distanz
Beschreibt ein wenig wie ein Flaneur


Im Zauberberg schneit es tagelang weiter
Bis alle Konturen verschwimmen die
Linien im Leben verloren gingen welche 
Sonst noch eine Orientierung gaben 

Die Nähe wirkte Schalkhaft wie eine
Verschwommene Zwergenwelt doch
Die Gipfel der Berge wurden im kurzen 
Zwischendurch himmelblau erhaben

Erfahre wie Hans Castorp das Gestöber
Des Schnee zwischen zwei und vier in
Seiner Balkonloge gut eingewickelt erlebt
Dabei in reinster Luft gerne einnickt

Lese von den Schneestürmen die einen
Aufenthalt im Chaos draußen unmöglich
Machten weil alles bedeckt war von dieser
Phänomenalen Ausschreitung des Wetters

Warum Hans Castorp Leben im Schnee 
Liebte das dem Strand für ihn glich doch
Machte die Masse an Schnee Bewegung 
Im Freien nur sehr eingeschränkt möglich 

Die wenigen Promenaden mit den üblichen
Kranken Hotelgästen und Einwohnern hat
Hans inzwischen übersatt doch wollte er
Das Gebirge gerne näher kennenlernen 

Dies war als normaler Fußgänger völlig
Unmöglich sofort wäre er versunken in
Den überall Schneemassen so beschloss
Hans sich Schneeschuhe zu kaufen

Dazu musste er auch ihren Gebrauch
Erlernen soweit sein Bedürfnis reichte
Er war ja kein Sportsmann nie gewesen
Wollte nicht mal so tun wie hier üblich

Es war im Berghof unüblich dass die
Patienten Sport treiben auch Hans lag
Es im Wesen fern sich den Freiluftgecken 
Wie Schicksportlern je zu vergleichen 

Wollte sich nicht im Schnee wälzen oder
Sonst Freizeitvergnügen nachgeben nur
Ein wenig mit Schneeschuhen forschen
Wie die Massen nah wirklich aussahen 

Hans Castorp hadert dabei mit sich wie
Seinem Vorhaben schon bevor er es 
Begonnen hat beschließt er Radamant
Wie Settembrini Behrens nennt nichts

Von seinem Vorhaben zu erzählen um
Nicht gegen ein Verbot handeln zu müssen
Bei seiner eigentlich doch ganz harmlosen
Absicht über den Schnee zu laufen

Jenseits der ausgetretenen Pfade nicht
Ständig anderen zu begegnen alleine
Die nähere Umgebung dem Schnee quasi 
Zum Trotz zu erkunden mehr nicht

Die vielen Entschuldigungen vorab die 
Dem natürlich scheiternden Versuch
Vor sich rechtfertigen sollen dienen der
Entschuldigung der Ordnungswidrigkeit 

Der gute Bürger der etwas wagen will 
Von dem er spürt es könnte zu gewagt sein
Wagt es dennoch oder gerade darum was
Eine ausführlichen Rechtfertigung braucht 

Das ist mir so viel Selbstironie geschrieben
Die lachend sieht der weiß wie die Kinder
Mann mit Hermann Hesse und Katia die
Hänge hinunter rasten voller Lust

Während Vater Thomas lieber zuhause
Im guten Liegestuhl blieb und darüber
Schrieb statt Abenteuer zu bestehen
Die er wie ich heute lieber geistig bestand

So ist der junge Hans Castorp in ganz
Vieler Hinsicht ein alter ego von Mann
Sein Wagnis belächelt der Autor der 
Zugleich über sich dabei lacht

Sehe die versammelte Familie Mann
Die Tränen lachte vor mir bei seinen 
Häuslichen Lesungen die großes Theater
Für die Kinder des Zauberers immer waren

jens tuengerthal 23.9.25

Bibliothekskultur

Bibliothekskultur

Noch haben wir ein reiches Netz an
Realen Bibliotheken im Land was die
Basis unserer geistigen Entwicklung ist
Die viele leider völlig verloren haben 

Es gibt die prächtigen und wunderschönen
Von Anna Amalia in Weimar über die vielen
Klosterbibliotheken bis zur Staatsbibliothek
Die in Berlin in zwei Gebäuden noch haust

Doch fast wichtiger als diese musealen
Schätze ist ihr Wissen zu erhalten wie
Deren Inhalte dauerhaft auch jedem bei
Bedarf digital zur Verfügung zu stellen

Der Mangel an interkultureller Bildung
Die das kritische Denken fördert zeigt
Sich im Erfolg der Populisten denn gegen
Nazis hilft historisches Wissen effektiv

Welch Traum wäre es auf seinen Telefon
Jederzeit auf den Bestand der großen
Bibliotheken als Bürgerrecht zuzugreifen
Was teilweise bereits Realität wurde

Doch braucht Europa hier endlich ein
Einheitliches Programm für alle Bürger
Ist doch keine Region der Welt so reich
An Buchkultur wie Europa schon lange

Diesen Reichtum als kollektives Eigentum
Allen zur Verfügung zu stellen um damit
Bildung Freiheit und Demokratie zu sichern 
Wäre eine Großtat des freien Europa

Sie trüge eine über viele Jahrhunderte
Gewachsene Bibliothekskultur in die
Zukunft und legte damit die Basis der
Freiheit für die nächste Generation

Jeder Schüler bekäme damit Zugang zur
Umfassendsten Bibliothek der Welt die
Einheitlich leicht lesbar gemacht würde
Was für ein Schatz für das ganze Leben

Der Buchmarkt würde damit zu einem
Für ästhetische Ausgaben die bloß
Billige Massenabfertigung wäre damit
Geschichte Bücher würden zur Kunst

Der Rest stünde allen digital zur Verfügung 
Womit geistiges Eigentum einer neuen
Regelung bedarf wie der Beteiligung der
Autoren an Werbung digitaler Netzwerke

Mit diesen lästigen Details mögen sich
Europäische und nationale Behörden
Beschäftigen wichtig ist das Grundrecht
Auf freien digitalen Zugang zu Bibliotheken

Eine Pension für alle Dichter die zum
Digitalen Kulturerbe beitragen wäre
Eine Möglichkeit gleiches gilt für die
Per Klick beteiligten Zeitungen

Wer die Kultur in die Zukunft retten will
Muss ihr Freiheit und Flügel schenken 
Während in den USA eine Diktatur entsteht
Dort Fundamentalisten längst zensieren

Kann Europa die Basis digitaler Freiheit
Der Welt werden und Wissen frei geben
Selbst ein soziales Netzwerk schaffen
Das zum Marktplatz aller Bürger wird

Nichts ist so stark wie die Freiheit
Verleihen wir ihr die nötigen Flügel
Als Europa statt US Milliardäre noch
Weiter zu bereichern verteidigen wir

Unser Wissen und unsere Freiheit dort
Lassen wir alles amtliche dort erledigen
Würde Europa weltweit noch attraktiver
Die Bibliothekskultur ist der Anfang

jens tuengerthal 23.9.25

Drohnung

Drohnung 

Einige kleine Drohnen genügen
Den Flugverkehr lahmzulegen
Welch gute Nachricht für das
Längst hinfällige Klima dachte ich

Leider ist diese kleine Freude
Durch den östlichen Verursacher
Getrübt der bekanntlich reichlich
Erfahrung im Drohnenkrieg hat

Darum müssen wir nun empört
Auf diese Provokationen reagieren
Als NATO vereinigt abwehren was
Eigentlich eine gute Nachricht ist

Klima entsteht in der Stratosphäre 
Jedes Flugzeug was nicht startet
Hilft so viel wie ein Baum was
Das Ausmaß der Bedrohung zeigt

Die Behauptungen über die geringe
Relevanz des Fliegens für das Klima
Stammt nur von Messungen am Boden
Die Schäden in der Atmosphäre werden

Bis heute noch geheim gehalten denn
Erhoben wurden sie längst aber die 
Furcht vor den Folgen ist zu groß
Was viel über reale Bedrohung sagt

Ist gefährlicher was verschwiegen wird
Oder was ohnehin jeder weiß und wer
Entscheidet über unser Wissen wenn
Wissenschaft dafür wohl nicht genügt

Die vermutlich russischen Drohnen
Stellen eine klare Bedrohung dar für 
Die Freiheit in Europa aber sind auch
Eine Rettung für das Klima dazu 

Ein anständiger isländischer Vulkan
Könnte mit seinem Ausbruch mehr
Für das Klima tun als er schadet
Wie Drohnen und Hackerangriffe

Ein eskalierter Krieg mit Russland
Könnte besser für unser Klima sein
Als das ganz normale weiter so und
Reduzierte dazu die Bevölkerung

Viele Probleme entstehen erst daher
Weil es längst zu viele Menschen gibt
Unsere Regierung bezuschusst dies
Weiterhin mit falschen Milliarden

So finanzieren wir noch ein auf
Tödliches Wachstum setzendes
Sozialsystem ohne eine Zukunft 
Weil keiner sich traut es zu ändern

Hunderte Milliarden werden in die
Rüstung gesteckt um den sicher
Bösen Russen abzuwehren statt 
In Frieden und Zukunft zu investieren

Die Bedrohung durch Drohnen wie
Hacker im Krieg mit Russland könnte 
Konstruktiv genutzt werden um real
Langfristig Sicherheit zu schaffen

Dies funktioniert nicht länger mehr
Durch Leugnung des Krieges sondern
Erfordert konstruktive Abwehr zuerst 
Ein Flugverbot in Europa wäre das

Endlich zu merken dass die beiden
Aufgeblasenen Scharlatane in Moskau
Wie in Washington eine Gefahr sind die
Auf egal welche Art zu beseitigen ist

Um die Freiheit zu verteidigen könnte ein
Anfang und das Ende einer kriminellen
Machtergreifung durch Milliardäre welche
Konsequent alle enteignet gehören 

Die damit frei werdenden Mittel lösten
Viele Probleme ganz nebenbei auch
Das logisch kollektive Eigentum der Welt
An all ihren Bodenschätzen gehört dazu 

Es gibt Lösungen und es gibt Wege noch
Für eine bessere Welt in Freiheit sofern 
Wir wagen den Mördern und Räubern 
Grenzen auch mit Gewalt zu zeigen

jens tuengerthal 23.9.25

Liebesherbst

Liebesherbst

Jede Liebe hat
Ihren eigenen Herbst in
Schönheit zu sterben

jens tuengerthal 23.9.25

Herbststimmung

Herbststimmung

Herbststimmung heißt das
Sterben genießen lernen
Zum Sommerende

jens tuengerthal 23 9.25

Geborgenheit

Geborgenheit

Geborgenheit in
Sich entdecken eröffnet
Endlose Freiheit

jens tuengerthal 23.9.25

Lektürentagebuch 22.9.25

Lektürentagebuch 22.9.25

Mit dem wunderbaren Schnee-Kapitel
Im Zauberberg begonnen in dem erst 
Weniger vom Schnee als vom Mangel 
An Sonne der murren ließ die Rede war

Die Patienten und Kurgäste die gerne dem
Schwachen Inneren zum Trotz noch mit
Scheinbar gesunder Bräune voreinander
Glänzten waren über wenig Sonne empört

Dem suchte die Verwaltung die trotz ihrer 
Weitgehenden Kompetenzen keinerlei 
Macht über das Wetter bisher hatte durch
Anschaffung einer künstlichen Höhensonne

Wie Thomas Mann es treffend noch nennt
Heute hieß es vermutlich schlicht Solarium 
Abhilfe zu schaffen was aber das Murren
Der Patienten nicht wirklich abstellte

Anhaltender Nebel und dauernder Schnee
Tauchte neben tiefhängenden Wolken das
Tal in eine dichte Suppe aus der nicht mal
Die Bergspitzen noch zu sehen waren

Mühsam nur die nächsten Bäume noch
Die sich gelegentlich zu schütteln schienen
Um die schwere Schneelast abzuwerfen
Die alle Wege zu Hohlwegen machte

Es schneite pausenlos in diesem Nebel
Aus Wolken die im Tal hingen einzig die
Konsistenz der Flocken wechselte dabei
Von pudrig leicht bis zu dick feucht schwer

Die Beschreibung der vielen Arten wie
Der Worte für Schnee die Peter Hœg
In Fräulein Smillas Gespür für Schnee 
Nutzt scheinen blass gegen das hier 

Thomas Mann taucht tief in den Schnee ein
Brennt ein sprachliches Feuerwerk ab was
Seinesgleichen in der Literatur lange sucht
Die magische Sprache des Zauberers zeigt

Naturgemäß scheint im weißen Schnee
Alles heil oder blass zumal der Nebel
Dazu noch alles in Tristesse kleidete 
Versank es in der weißen Masse dort

Bei Frost von minus zehn Grad war es
Bei der trotz Schnee und Nebel stets
Trockenen Luft nicht empfindlich kalt
Die Liegekuren fanden weiter statt

Manche der Patienten des Berghofs
Fast hätte ich Gäste geschrieben da
Diese wie deutsche Hotelgäste nörgelten
Schrieben Botschaften einander im Schnee

Ob sich die deutschen Gäste in den 
Gemeinschaftlichen Liegehallen ihre
Liegestühle vor den Russen reservierten
Habe ich dabei noch nicht gelesen

Es hat auch dieser übertriebene Schnee
Der die Sonne in der Höhe verbarg bei
Thomas Mann wieder seine ironisch
Komische Seite noch die lachen lässt

Wie überhaupt Thomas Mann ein sehr
Humorvoller Autor ist der es schafft
Seinen Spott liebevoll zu verkleiden 
Aber innerlich viel gelacht haben muss

Auch waren die Vorlesungen aus den 
Neuen Werken in der Familie beliebt
Klaus und Erika berichten voll Freude
Von dem Spaß den sie dabei hatten

Thomas Mann mag seine Homosexualität
Ein Leben lang unterdrückt haben was
Manche als skandalöse Neuigkeit noch
Verkaufen wollen beschrieb er selbst

Doch tat er es ohne den nötigen Ernst 
Auch wenn er von den Kettenhunden 
Sprach die er lieber im Keller ließ ist
Der große Thomas Mann selbstironisch

Was mir in der Analyse seines Werks
Wie allen Biografien noch fehlt ist der
Blick auf den humorvoll ironischen Mann 
Der auch über sich selbst lachen kann 

Im Zauberberg wie in Joseph und seine 
Brüder zeigt er das bis zur Perfektion
Schon die Buddenbrooks haben viele
Unglaublich komische Stellen auch

Verbietet der heute Nobelpreis das
Lachen wie der Gestus von Mann als
Großbürger aus bester Familie der
Ernstzunehmende Literatur schreibt

Auch im später sehr ernsten Kapitel
Im Schnee beginnt es witzig ironisch
Mit kleinen Anzüglichkeiten die den 
Meister des vornehmen Humor zeigen

Thomas Mann ist der wohl witzigste
Deutsche Schriftsteller der noch dazu
Die den Deutschen so fremde Eigenschaft
Besitzt über sich lachen zu können

Thomas Mann lebte mit seinen Figuren
Spielte ständig mit Freude Theater wie
Der Zauberberg voller Komödien ist was 
Im Schatten des Todes sehr britisch ist

Der Zauberberg ist ein Roman also
Kein Theaterstück dabei ist das was 
Thomas Mann hier inszeniert ein
Beständiges urkomisches Theater

Dazu noch bereits seiner Zeit weit
Vorgreifend in Short Cuts geschrieben
Klammerten sich die Leser wie die
Offiziellen Interpreten an den Roman

Dabei ist die Story des Romans auf
Wenigen Seiten schnell erzählt der
Sein Feuer nicht aus der Handlung
Sondern den Szenen dazwischen findet

Sogar im todernsten Schnee-Kapitel 
Wo jeder Deutschlehrer weiß es kommt
Auf die Interpretation der Stelle an die
Dem Tod keine Macht übers Leben gibt 

Ist er noch ironisch und witzig und ich
Sehe Familie Mann Eltern und Kinder
Sich gemeinsam amüsieren hier auch
Wieder mit Bruder Heinrich versöhnt

Wer den magenbitteren Ernst der
Betrachtungen kennt die sich noch
Im nationalen Gefühl suhlen sieht
Im Zauberberg die radikale Wende 

Auch die ganzen sexuellen Anspielungen
Im Anfang des für Germanisten gerne
Todernsten Schneekapitel zeigen den
Feinen Humor der über allem dort liegt

Die vielleicht wichtigste Entdeckung zum
Thomas Mann Jubiläum sollte sein er ist
Der humorvollste und selbstironischste
Autor der deutschen Literaturgeschichte

jens tuengerthal 22.9.25

Enthaltsamkeit

Enthaltsamkeit

Schärft Enthaltsamkeit das Bewusstsein
Für den Wert dessen was bleibt wie auch
Desjenigen was wir entbehren überlege ich
Ist sie ein mehr oder ein weniger dabei

Nach exzessiven Jahren voller Lust wie
Gerne auch Liebe dabei was es aber
Nur gerne noch verwirrender macht 
Lebe ich klösterlich enthaltsam nun

Sicher auch dem Alter geschuldet wie
Mangelnder Bemühung um Gelegenheiten 
Doch auch diese neue Freiheit genießend
Völlig ungebunden für sich allein sorgen

Das quasi Stadtkloster am Helmholtzplatz
In meiner kleinen Bibliothek wird meist
Nur für nötige Gänge noch verlassen 
Wie als einsamer Flaneur in der Bar

Vermisse wenig und lese mehr als je
Gewinne damit geistige Freiheit die
Ein mehr aus dem weniger wurde
Weiß nicht wohin es mich führt

Prioritäten verschieben sich damit
Weil ich nicht mehr für Frauen lebe
Die wechselnd den Diwan belegten
Frage mich was am Ende zählt

Kommt es auf die vielen davor an 
Zählen allein noch die danach oder
Kann es immer so bleiben weil ganz
Entspannt ohne alle Erwartungen

Vielleicht war es einfach genug jetzt
Habe ich alles im Leben gehabt um
Nun die Enthaltsamkeit zu genießen
Statt noch wen gewinnen zu wollen

Letzteres gefällt mir gerade sehr gut
Nichts mehr zu ändern gefiel mir immer
Besser als ständig was neues was
Sich lange genug hier abwechselte

Sie waren alle wunderbar ohne Frage
Jede eine Göttin für sich zumindest
Für die Stunden die wir teilten sage ich
Heute mit Abstand völlig entspannt

Dabei könnte es bleiben um so 
Seine Ruhe zu behalten nichts
Mehr ändern zu müssen dafür 
Denke ich und finde es entspannt

jens tuengerthal 22.9.25

Montag, 22. September 2025

Neujahrsgrüße

Neujahrsgrüße

Neujahrsgrüße Ende September im
Gerade beginnenden Herbst klingen 
Seltsam nach hiesigem Kalender aber
Genau passend nach dem jüdischen

Rosch ha-Schana wird am ersten wie
Zeiten Tag des Monats Tschiri gefeiert
Der ernste Feiertag gedenkt zugleich
Der Erschaffung der Welt und reflektiert

Das vergangene Jahr dabei wird nach
Der Tradition das Widderhorn geblasen 
Wie süße Speisen gegessen so etwa 
Äpfel mit Honig zu bedenken was war

Es beginnt eine zehntägige Phase der
Buße und Reflektion die mit dem höchsten
Jüdischen Feiertag Jom Kippur endet es
Fällt meist in den September oder Oktober

Gegrüßt wird mit Schana Tova was ein
Gutes Jahr bedeutet manche ergänzen
Noch mit Wünschen für ein süßes Jahr
Worin sich die Speisen widerspiegeln

Dies sei hier nun allen jüdischen Freunden
Von Herzen auch gewünscht spannend
Finde ich die dabei Reflektion des alten
Wie Neujahr als ernster Feiertag dazu

Wenn ich nun die Schöpfung die mir 
Naturgemäß eher fern liegt Evolution 
Nenne und im Herbst der Natur gedenke
Scheint mir das sehr passend dazu

Auch der Julianische Kalender an den
Der heutige Gregorianische anschließt
Wendet mit der Wintersonnenwende
Was zumindest zur Nordhalbkugel passt 

Das um die Monate passend zu haben
Zu dieser noch zehn hinzugefügt wurden 
Mag der Ordnung halber noch gut sein 
Zeigt aber die Zufälle der Wechsel dazu

Der Mondkalender zählt dabei anders
Als der Sonnenkalender jedenfalls suchen
Menschen nach Orientierung im Jahr
In Europa gerne auch zwischen den Jahren

Natürlich wäre es viel einfacher wenn alle
Zur gleichen Zeit feiern würden dafür kann
Die Vielfalt der Feste auch bereichern um
So neue Punkte zur Reflektion zu finden 

Spiegelt was wir tun unsere Natur oder 
Hat die Kultur etwas darauf gesetzt um
Uns zu einem Verhalten so zu erziehen
Wäre das eine oder andere wertvoller

Bin kein Anhänger von Rousseaus zurück
Zur Natur was ich ideologisch fragwürdig
Eher finde doch mehr mit der Natur scheint
Geboten wie angemessen auch zu sein

Der Herbst ist die Jahreszeit in der ich
Das Licht der Welt erblickte was eine
Schöne auch philosophische Metapher ist
Für die geistige Suche nach Erkenntnis

So liegt es mir natürlich nah das neue Jahr
Im Herbst auf jüdische Art zu beginnen 
Auch ohne an eine Schöpfung zu glauben
Wurde ich damit doch im Winter gezeugt

Doch feiern wir gewöhnlich eher den
Geburtstag als den Zeugungstag der
Manchmal schwer zu belegen ist auch
Weil es um das selbständige Leben geht

Heute nun beginnt das jüdische Neujahr
Was nächstes Jahr wieder ein anderer
Tag nach dem hiesigen Kalender ist
Ein guter Zeitpunkt zum Nachdenken

Die Feiertage der Kulturen wie auch der
Verschiedenen Religionen zu nutzen um
Über sich kritisch nachzudenken kann
Auch ohne Jenseits mir sehr gut tun

jens tuengerthal 22.9.25

Liebestod

Liebestod 

Liebe stirbt niemals
Glauben Liebende zu gern
Davon lebt sie noch

jens tuengerthal 22.9.25

Endlichkeit

Endlichkeit 

Endlich scheint alles
Viel schöner als unsterblich
Vergängliches GIück

jens tuengerthal 22.9.25

Herbstfrühling

Herbstfrühling

Jeden Herbst beginnt
Der schönste Frühling sterbend 
In allen Farben

jens tuengerthal 22.9.25

Lektürentagebuch 21.9.25

Lektürentagebuch 21.9.25

Die 36. Erzählung des Papageienbuch
Erzählt wie der Kaufmann Prijamawada
Seine kupferne Waage zurückbekommt
Die ihm zu Unrecht vorenthalten wurde

Der Kaufmann hatte Geld gebraucht
Was er sich von einem anderen lieh
Als er nun erfolgreich Geschäfte machte 
Zahlte er seine Schuld wieder zurück 

Nun wollte er seine kostbare kupferne
Waage wieder haben doch der andere
Meinte er könne sie ihm nicht geben
Die Mäuse hätten die Waage gefressen

Als er darauf empört gehen will lädt
Der andere ihm zum Bad und zum
Essen ein mit der Familie was er
Annimmt und am Ende den kleinen

Sohn des anderen mit sich nimmt
Zuhause sperrt er ihn in den Keller
Als die anderen ihr Kind vermissen 
Kommen sie irgendwann zu ihm

Er leugnet den Sohn zu haben worauf
Der Streit vor den König kam wo der
Kaufmann sagte ein Falke habe ihn
Entführt was ihm zuerst keiner glaubt

Dann erzählt er teils in Versen auch die
Geschichte von der Waage welche die
Mäuse gefressen hätten und wenn das
Gehe kann auch ein Falke Kinder rauben

Darauf zürnte der König dem Gläubiger
Zwang ihn die Waage zurück zu geben
Wenn die Prinzessin so klug täuschen 
Könne solle sie ruhig tun was sie wolle 

Wieder eine Geschichte um Gerechtigkeit
Die eigenmächtig geschaffen wird um so
Den Betrüger bloß zu stellen die hier nur
Auf Kosten des entführten Kindes geht 

Von diesem ist nicht weiter die Rede
Doch war die Tat des Kaufmanns vor
Dem Gerechtigkeitsempfinden der Königs 
Erfolgreich was sie im Rechtsstaat nie ist

Dort hätten sich beide strafbar gemacht
Dem Kaufmann drohte dann wegen der
Entführung die keine Notwehr war sicher
Die höhere Strafe als dem Gläubiger

Ob uns das lehrt der Rechtsstaat sei
Ungerecht während das Gefühl eines 
Königs für Gerechtigkeit sorgt sei hier
Nicht gesagt aber nachdenklich macht es

Darf eine staatliche Macht nach dem
Gefühl entscheiden oder eher nie
Muss sie sich an die Gesetze halten
Auch wenn es ungerecht würde

Kann ein bloßes Gefühl für 
Gerechtigkeit gegen alle Gesetze
Geltung beanspruchen wozu es im
Recht die Radbruchsche Formel gibt

Danach gilt Recht auch wenn es mal
Zu ungerechten Ergebnissen führt außer
Das Recht führe zu einer unerträglichen
Ungerechtigkeit dann weicht es ganz

Ausnahmsweise der Gerechtigkeit was
Zur Beurteilung des nationalsozialistischen
Unrechts entwickelt wurde und wieder für 
Die Mauerschützen angewandt wurde

Der Streit um Waage und Kind aber den
Das indische Papageienbuch erzählt
Wäre sicher kein Fall für diese Formel
Demgemäß wäre der Kaufmann hier

Wegen Entführung zu bestrafen und der
Gläubiger wegen Unterschlagung was 
Weniger gerecht klingt aber der hier
Geltende Kompromiss namens Recht ist

Dessen Grenzen auch am Beispiel der
Aus dem frühen Mittelalter stammenden
Geschichte nun aktuell zu erkennen ist
Der philosophischen Gewinn der Lektüre

Vertrauen wir am Ende einem Gefühl für
Gerechtigkeit mehr als dem Recht unseres
Staates und war bedeutet das für uns die
Sich gewöhnlich Normen unterwerfen


Anschließend an diese Gedanken noch
Ein wenig im Einzigen und sein Eigentum
Von Max Stirner gelesen der eigentlich 
Doch Johann Kaspar Schmidt hieß 

Dieser deutsche Philosoph gehört zur
Gruppe der Junghegelianer und verkehrte
In Berlin im Kreis der Freien mit Engels
Er denkt Kants Aufklärung konsequent fort

Sein Pseudonym resultiert aus seinem
Spitznamen Stirn den er zu Schulzeiten
In Bayreuth seiner hohen Stirn wegen trug 
Und dem Vornamen eines Freundes dort 

Dass dieser der Sohn von Jean Paul war
Zeigt Stirners Humor auch sein Grab in
Berlin Mitte auf dem Friedhof in der
Ackerstraße trägt den Namen Max Stirner

Er war mit Marx zerstritten und griff im
Einzigen auch Ludwig Feuerbach und
Bruno Bauer als fromme Atheisten an
Die nur das äußere Jenseits beseitigten 

Doch von diesem hätte uns ja schon die
Aufklärung namentlich Kant befreit der
Das Gewissen aus der Unmündigkeit 
Holte nun gelte es noch das Jenseits 

In uns zu beseitigen was Freud in
Seiner psychoanalytischen Sekte
Über-Ich oder Unterbewusstsein nennt
Als Seele bis heute viele glauben

Dieser freie Denker wurde 1806 in 
Bayreuth geboren und war früh ein
Begabter Schüler der sein Abitur als 
Drittbester seines Jahrgangs machte

Er studierte 1826 bis 1828 in Berlin bei
Hegel und Schleiermacher dann zwei
Semester an der Universität Erlangen
Wie bis 1835 dannnoch mal in Berlin

Er hoffte Lehrer werden zu können
Was aber misslang so wurde er dann
Lehrer an einer höheren Töchterschule
Bis zum Erscheinen des Einzigen 1844

Seit 1841 verkehrte er im Kreis der Freien
In Berlin und publizierten teils anonym
Teils als Max Stirner Artikel in Zeitungen
Der Einzige erschien im Oktober 1844

Er wurde direkt nach seinem Erscheinen
Wieder verboten wobei Sachsen das
Verbot bald wieder aufgehoben hat
Er war zweimal sogar verheiratet 

Seine erste Frau verstarb mit dem Kind
Noch bei der Geburt die zweite die er
Mit einer Parodie auf die kirchliche Ehe
Heiratete stammte aus Gadebusch

Für die Gerüchte seiner Zeit in der
Anarchischen Republik der Mongolei
In einer freien Kommune mit Bakunin
Finden sich keine historischen Belege

Die zweite Frau konvertierte nachdem
Sie vorher bei den Freien verkehrte zum
Katholizismus und ging nach England
Dieser Maria Dänhardt aber widmete

Er sein großes individualanarchisches
Werk mit dem Worten meinem Liebchen
Wie ihrem Namen was in meiner Ausgabe
Aus dem Jahre 1924 leider fehlt

Das Vorwort von Anselm Ruest führt
In das Werk und die Biographie ein aber
Bekennt klar wird wenig wir sicher wissen
Nehmen wir das mutige Werk dafür

Jener Mann der seine Welt allein auf sich
Stellte wie der Einzige so treffend beginnt
Denkt Kant als einziger konsequent fort
Was die Realität der Autonomie betrifft 

Was bedeutet es zu Ende gedacht sich
Aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit 
Dem Gewissen folgend zu befreien statt 
Nur soziale Gewohnheiten zu spiegeln

Schon seine Examensarbeit als Philologe 
Trug den Titel Über Schulgesetze und 
Fragte nach den Grenzen der Freiheit für 
Das Ich und seine Bestimmung dabei

Nach langen Versuchen eine Anstellung
Als Lehrer zu bekommen nahm er den
Posten im Mädchenpensionat von Frau
Gropius an und unterrichtete dort gut

Dieser brave viel gelobte Lehrer hat
Gleichzeitig Hegel weiter gedacht wie
In aller Konsequenz widerlegt zugleich
Jeden Abend unter Freien und Linken

Im damals berüchtigten Hippelschen
Weinrestaurant verbracht hat und in
Seinem Werk jeden Staat wie auch
Alle höhere Autorität infragegestellt 

Feuerbach nannte den Einzigen das
Werk des wohl genialsten und freiesten
Schriftstellers den er kenne Arnold Ruge
Den Morgenruf an schlafende Theoretiker

Zur Zeit der Revolution von 1848 aber
War das Werk schon fast verschollen
In der Reaktion danach wurde es dann
Konsequent bis zum vergessen unterdrückt

Wenige Ausgaben sind nur aufzutreiben
Inzwischen gibt es den Einzigen auch als
Reclam Heftchen doch noch immer
Kennen viele den Philosophen nicht

Dabei führt uns Stirner erst vor was der
Kategorische Imperativ zu Ende gedacht
Bedeutet der alles am Gewissen misst 
Jede andere Norm damit relativiert

Stirner der nur schwer zu fassen ist
Damit ganz anders als Marx der den
Dogmatismus seiner Lehre betrieb
Lebte seine Freiheit konsequent

Er war wohl nicht weiter an der
Revolution von 1848 beteiligt
Auch wenn er in diesen Kreisen 
Verkehrte und geschätzt wurde

Stirner übersetzte noch Adam Smith
Wohlstand der Nationen 1847 wie als
Letztes dokumentiertes Werk 1852
Eine Geschichte der Reaktion

Er starb 1856 an einer Infektion die
Durch einen Insektenstich ausgelöst
Worden war im fünfzigsten Lebensjahr 
Hat Kant mit der Anarchie versöhnt 

Dies macht Hegel und Marx zu nun
Widerlegten Dogmatikern ohne
Jeden moralischen Wert im Gegenteil
Schaden sie der Moral mit ihrem Denken

Welch Freude ist es seine kraftvollen
Worte zu lesen die das Bewusstsein
Der Freiheit tragen die wir nur wagen 
Müssen es vollkommen zu sein

Das ist echte Aufklärung die Menschen
Aus der inneren Abhängigkeit des stets
Unfreien Aberglaubens befreit sie damit
Verantwortlich wie mündig auch macht

Mehr Stirner wagen und lesen brächte
Kant und die große Freiheit näher was
Eine lohnendere Aussicht mir scheint 
Als nur ordnungsgemäß zu bleiben

jens tuengerthal 21.9.25

Sonntag, 21. September 2025

Liebeslohn

Liebeslohn

Ob Liebe lohnte
Fragt nur wer sie nie erlitt
War immer umsonst

jens tuengerthal 21.9.25