Samstag, 8. Juni 2024

Lustlehren 075

Lustlehren 075

Die höchste Kunst der Lust
Welche längste Übung braucht
Warum sie von Vielfalt profitiert
Ist völlige Erwartungslosigkeit

Wo du es so genießen kannst
Wie es gerade in dem Moment
Zu oder mit dir kommt ist alles
Was und wie es auch war gut

Mehr kann keine mehr erreichen
So sehr wir uns auch bemühen
Als schönste Zufriedenheit statt
Eine Reihe von Enttäuschungen

Nichts mehr zu wollen und nur der
Natur ihrem Raum zu geben wie
Es ihrer Neigung entspricht ist
Der zuverlässigste Weg dabei

Wo der Sex wie eine Meditation
Wirkt die lustvoll befriedigt ist
Das schönste damit erreicht
Mehr gibt es nicht mehr

jens tuengerthal 8.6.24

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten

Liebe ist eine Verbindlichkeit
Ohne dass Schulden entstünden
Vielmehr verbinden wir uns im
Austausch wie im Ergebnis um
Zu zweit eines gemeinsam
Genießen zu können was
Weiter enger verbindet als
Ein Vertrag es je könnte
Warum es sich lohnt sich um
Emotionale Verbindlichkeiten
Mehr zu kümmern als um Geld

jens tuengerthal 8.6.24

Horizontweite

Horizontweite

Lesen erweitert den Horizont
Reisen verschiebt ihn nur zeitweise
Dazwischen überlebt sich manches
Anderes stirbt daran aus am Ende
Zählt was noch bleibt wie wir aus
Dem Geschenk Leben ein Glück
Voller Genuss uns formten ohne
Dabei weiter zu zerstören und wer
Dies guten Gewissens noch kann
Beweist wohl größten Weitblick
Was doch nach Horizont klingt
Vielleicht lohnt es sich würden
Mehr ihn so erweitern um zu
Bleiben wo sie sind was allen
Besser noch täte künftig

jens tuengerthal 8.6.24

Lesedankbar

Lesedankbar

Wie dankbar macht es mich ein
Glücklicher Leser zu sein der
Noch ein Leben an Lesestoff
Um sich herum stehen hat

Sehe was mich alles schönes
In genüsslichen Momenten noch
Erwartet an guter Lektüre die
Ein erfülltes Leserleben verspricht

Dieses Wissen wie die Erinnerung
An die erfüllende Befriedigung die
Lesen allen Leserinnen schenkt
Geben mir größte Dankbarkeit

Was mehr als die Sicherheit noch
Viele gute Bücher vor sich zu haben
Braucht es sich am Leben zu freuen
Die bleiben komme was wolle

Nichts in der äußeren Welt kann je
Diesen Reichtum mir geben den
Eine gut gefüllte Bibliothek schenkt
Mit genug Zeit zu lesen dazu

Kann überall sein und alles erleben
Was ich mir als Leser nur träume
Alles hier reicht aus Generationen
Mit guter Literatur zu versorgen

Dieses Glück und diesen Reichtum
Mit dankbarer Zufriedenheit erkennen
Macht mich als Leser vollkommen
Zufrieden und glücklich habe alles

jens tuengerthal 8.6.24

Schrumpfkur

Schrumpfkur

Wir geben Milliarden aus für die
Kompensation der Schäden des
Klimawandels nach Naturkatastrophen
Statt sie in die Ursachen zu stecken

Seit den siebziger Jahren wissen wir
Wachstum hat keine Perspektive mehr
Bevölkerung und Wirtschaft müssen
Dringend schneller schrumpfen

Die Grenzen des Wachstums sind
Längst überschritten es liegt an uns
Dies schnell konsequent zu ändern
Durch die gebotene Schrumpfkur

Stattdessen folgen wir weiter völlig
Überholten Wachstumskonzepten
Wo es eine Schrumpfkur bräuchte
Weniger von allem ist zuerst nötig

Schrumpfen wir endlich in allem
Machen wir weniger zum Luxus
Nennen wir jene die Täter des
Klimawandels die weiter fliegen

Wachsen dürfen nur noch Wälder
Pflanzen wir Bäume statt Straßen
Ausbauen zu wollen oder Städte
Für künftig weniger Menschen

Mobilität ist von vorgestern
Heute geht es um Erhalt wie
Geordnete Reduktion von allem
Gefährlichen Wachstum sofort

Es braucht keine neuen Kinder
Bauen wir unser System um
Machen wir weniger zum mehr
Damit die Menschheit überlebt

Eine Schrumpfkur ist der einzig
Rettende Weg in die Zukunft
Leugnen wir es nicht länger mehr
Wer auf Wachstum setzt mordet

Konsequenzen klar zu benennen
Hilft Täter zur Verantwortung wie
Bürger zum nötigen Verhalten
Endlich zu bringen für das Leben

Genießen wir es nichts zu tun
Wie alles schrumpfen zu lassen
Weil Wachstum von vorgestern ist
Weiter wachsen wäre zu teuer

jens tuengerthal 8.6.24

Unruhestifter

Unruhestifter

Unruhestifter versprechen Sicherheit
Vor der von ihnen gestifteten Unruhe
Wer radikale Parteien am Rand wählt
Unruhe aus gefühlter Verunsicherung

Nationalsozialisten und Kommunisten
Zerstörten gemeinsam die Demokratie
Der Weimarer Republik mit radikalen
Forderungen wie steter Unruhe

In Mannheim wurde ein Polizist zum
Opfer dieser Unruhestifter welche durch
Ständige Provokation wie der Forderung
Nach Vertreibung noch weiter radikalisieren

Die einzig angemessene Reaktion auf
Diese Unruhestifter ist nur Ruhe die
Mehr Sicherheit bietet als jede Kontrolle
Nie ihren Forderungen noch folgen

Wenn der Bundeskanzler nun in einer
Aufgeheizten Stimmung vor Wahlen
Unsinn von Abschiebungen verbreitet
Verstärkt dies eine falsche Tendenz

Diese Geister werden nicht durch neue
Radikalisierung eingefangen sondern
Durch einen verlässlichen Rechtsstaat
Der Putins politische Agenten bekämpft

Ein Verbot der radikalen Parteien ist
Dringend nötig wie die Aufdeckung
Von deren Förderung durch Putin
Der hier politischen Krieg führt

Allein dieser Zusammenhang genügt
In Zeiten des Krieges ein Verbot aus
Gründen innerer Sicherheit insoweit
Für ausreichend begründet zu halten

Wer in sozialen Netzwerken weiter
Öffentlich Vertreibung fordert muss
Die Härte des Gesetzes spüren um
Der Unruhe Einhalt zu gebieten

Bekämpfen wir die Unruhestifter um
Wieder Ruhe im Staat zu finden statt
Deren Forderungen nachzubellen
Die nur mehr Unruhe stiften

jens tuengerthal 8.6.24

Lustchemie

Lustchemie

Chemie entscheidet
Über Verbindung unter
Der Gürtellinie

jens tuengerthal 8.6.24

Liebesphysik

Liebesphysik

Liebe ist Physik
Anziehung füreinander
Beschleunigt Nähe

jens tuengerthal 8.6.24

Leserliebe

Leserliebe

Die Liebe unter
Lesern ein ewiger Traum
Wohl aller Dichter

jens tuengerthal 8.6.24

Lichtbrechung

Lichtbrechung

Vorhänge brechen
Strahlendes Morgenlicht zum
Gefilterten Aufgang

jens tuengerthal 8.6.24

Liebessterne

Liebessterne

Sitze unterm Sternenhimmel
Noch vor der Bremer Höhe und
Denke darüber nach wieviel die
Liebe mich gelehrt hat dabei an

Gewonnene wie verlorene die
Alle noch in mir leben irgendwie
In Schönheit wie im Schmerz
Das Gefühl für Liebe formten

Ist erst ihre Summe als dann
Durchschnitt wirkliche Liebe
Oder liebt es sich viel schöner
Weiter die Wahre zu suchen

Unendlich ist der Sternenhimmel
Beschränkt nur unser Leben was
Vieles vergisst nur manches behält
Sich an die Lieben zu gern erinnert

Einige leuchten noch als helle
Sonnen in der Erinnerung weiter
Andere tun immer noch weh die
Spurlos einfach verschwanden

Glücklich machen mich immer
Die verlorenen Lieben von denen
Mehr blieb als Nichts was schnell
Alles übrige verdeckt in der Liebe

Dankbar an das denken was blieb
Hält die Hoffnung weiter wach es
Könnte Liebe geben die bleibt wie
Weiter für sie noch zu leben

Weiß nicht was mehr sein könnte
Als diesen Traum von Ewigkeit
Für einen Moment teilen zu können
Bis neue Sterne irgendwo leuchten

Schaue nach oben in den Himmel
Sehe der Laternen wegen nichts
Von ihnen im Himmel über Berlin
Und weiß doch sie leuchten immer

Bis vielleicht vor Millionen Jahren
Schon erloschene auch für mich
Unsichtbar werden und vielleicht
Verhält es sich mit der Liebe ebenso

jens tuengerthal 8.6.24

Freitag, 7. Juni 2024

Rieslingblau

Rieslingblau

Unter wunderbar blauem Himmel
Passend zur blauen Stunde vorm
Crossroads angekommen um dort
Den freitäglichen Riesling zu genießen

Als Flaneur beobachten was hier so
Passiert und wie es sich in relativer
Ruhe vom Platz unterscheidet auch
Hier sind alle Plätze fast voll besetzt

Durfte nur als fast Stammgast
Den Chefplatz am Fass einnehmen
Ohne gleich von Tino verscheucht
Zu werden der mixend beschäftigt ist

Auf dem Weg noch geplaudert mit
Einem alten Bekannten der auch
Als Autor dilettiert über Bücher wie
Fußball voller Herzlichkeit dabei

Direkt an der Kreuzung schon das
Crossroads im Blick noch ein einmal
Date mit ihrer Freundin übersehen
Die mich kurz liebevoll begrüßte

Dass sie mich erkannte ich aber
Blind zuerst blieb gab der Situation
Noch eine komische Note dabei
Hatten wir gerade politisch geschrieben

Erstaunlich was mein Kopf sich merkt
Warum er wann völlig verdrängt aber
Vielleicht war auch die Sehnsucht nach
Dem endlich Riesling größer als alles

Zumindest nahm sie es nicht übel
Was zeigt wie gut es sein kann
Wenn nichts passiert was eine
Begegnug irgend belasten könnte

Höre die Gäste vielsprachig plaudern
Versuche die Stimmung zu erfühlen
Es ist eine gemütliche Plauderzeit
Ohne große Party Aufgeregtheit

Ein Engländer mit Oliba sitzt mit
Drei passenden Puffelsmuzen die
Zu viert am Tisch etwas lauter als
Andere hier reden darum auffallen

Dann kommt eine Gruppe von sieben
Die zum Glück gleich reingehen also
Nicht die beschauliche Stimmung stören
Wenige Worte verrieten mir schon

Dass ich nicht mehr davon hören wollte
Lieber die attraktive Südamerikanerin
Die mit ihrem langweiligen Date mit
Akzent und viel Gefühl spricht belausche

Viele Geschichten sitzen hier noch
Die alle das eine oder andere Wort
Sicher wert wären doch werden
Gedichte nicht durch Länge besser

Genieße darum lieber weiter ganz
Entspannt meinen Riesling vor der
Bremer Höhe und beobachte was
Am ruhigen Freitag nicht passiert

jens tuengerthal 7.6.24

Lustlehren 074

Lustlehren 074

Frage ich mich warum ich Sex
In manchen Fällen galaktisch
Großartig wie noch nie fand
Finde ich keine klare Antwort

Irgendwie spielen Gefühle dabei
Auch eine wichtige Rolle doch
Hängt nicht alles nur an ihnen
Braucht guter Sex keine Liebe

Es sind viele einzelne Punkte
Die zur körperlichen Harmonie
Beitragen wie den schlichten Akt
Als ein Wunder erleben lassen

Geistige Nähe kann helfen aber
Auch genauso mehr stören weil
Das körperliche dann bedacht wird
Was nicht immer zum Glück hilft

Die physische Anziehung ist nötig
Doch was sie genau begründet
Ist mir eher ein Rätsel auch was
Sexuell attraktiv ist bleibt unklar

Die mir früher unterstellte Vorliebe
Für Rubensfrauen hat die Praxis
Längst widerlegt und umgedreht
Doch keines schließt sich aus

Ist es wirklich ein Gefühl das die
Sexuellen Reize in Gang setzt
Oder folgt dieses erst dem Trieb
Dem sich alles dann unterordnet

Kann heute weder sagen was es
Ausmacht noch warum ich auf
Wen mehr oder weniger reagiere
Lasse mich dabei überraschen

Diese Freiheit sich nicht im Kopf
An einen Typ zu binden oder zu
Wissen wie es sein soll öffnet ein
Universum möglicher Varianten

Jedes mögliche Schema hat die
Natur bereits erfolgreich widerlegt
Warum es wann besonders gut
Wurde wüsste ich nicht zu sagen

Erfahrung und Unbefangenheit
Wie genug Erfahrung helfen die
Artistischen Teile zu genießen
Doch sind sie nie immer nötig

Bleibe also auch am Ende dieser
Gedanken zum galaktischen Sex
Den jeder erstreben wohl sollte
Ohne eine Antwort auf das warum

Einzig wichtig war dabei immer
Dass die Lust geteilt war wie
Beide es so genossen haben
Sich an der Lust erschöpften

Alle anderen Kriterien wechselten
Gegenseitigkeit blieb entscheidend
Um Lust als großartig zu genießen
Was nachdenklich über Sex macht

Geht es um ihn großartig zu finden
Mehr um die Befriedigung der anderen
Ist diese wirklich entscheidend oder
Nur das gute Ende vom Lied

Werde es weiter an mir beobachten
Finde es erstaunlich wie anders mir
Manches dabei noch vorkam wie
Welche Rolle das Gefühl spielt

Ist die Erinnerung an einen Sex
Mehr durch Gefühl geprägt als
Durch den physischen Vorgang
Überlege ich und weiß es nicht

So gibt es am Ende wohl noch
Einiges zu erkunden im Leben
Wie in den Erinnerungen die
Vielleicht manches vorgaukeln

jens tuengerthal 6.6.24

Lebensliebe

Lebensliebe

Gibt es die eine große Liebe
Eine Liebe des Lebens quasi
Oder sind alle Lieben immer
Wechselnde Gefühlsmomente

Hatte das Glück schon manche
Liebe für groß und ewig zu halten
Ob es ein Unglück war dass dies
Noch nie so blieb ist unklar

Nie hätte ich all die anderen ganz
Wunderbaren Frauen getroffen
Wenn ich bei der ersten Liebe
Gleich für immer geblieben wäre

Es würde meinem Leben ohne
Diese bunte Vielfalt viel fehlen
Wäre nicht der der ich wurde
Also kann es nicht schlecht sein

Die Liebe der ich immer treu blieb
An der es nie Zweifel gab ist die
Zur Literatur wie schönen Büchern
Sie hat sich nur weiter vertieft

Frauen kommen und gehen
Machen was ihnen gefällt
Wie es ihrer Natur entspricht
Bücher bleiben nach ihrer

So gesehen ist meine große Liebe
Die ohne jeden Zweifel immer blieb
Jene zur Literatur und zu Büchern
Lebe mit ihnen in einem Harem

Ob es auch eine zwischen Menschen
Geben kann die ein Leben lang ohne
Zweifel voller Glück bleibt scheint mir
Nach aller Erfahrung eher fraglich

Sich darum der großen Liebe die
Bleibt ganz zu widmen wie denen
Welche zeitweise kommen dann
Für Momente hinzugeben scheint

Verhältnismäßig richtig zu sein wie
Angemessen noch dazu was aber
Vermutlich besser keine Frau je
Erfahren sollte fürchte ich

Zumindest gäbe es damit keine
Konkurrenz zu anderen Frauen
Wie das mit Büchern ist weiß ich
In der Eifersucht ahnungslos nicht

jens tuengerthal 6.6.24

Lebenswanderer

Lebenswanderer

Wandere durch das Leben was
Im Kopf für mich stattfindet bin
So in geistigen Welten zuhause
Muss nirgendwo sonst mehr hin

Erforsche die Welt in Gedanken
Trotz gelegentlicher Kontakte mit
Der Realität etwa der Geliebten ist
Was zählt für mich zuerst geistig

Auch die Liebe die ja viele noch
Für das größte Glück halten ist
Ein rein geistiger Vorgang sie
Findet zuerst im Gefühl statt

Lese mich überall hin wie in alle
Zeiten die ich besuchen will um
Dort seitenweise zu verweilen
Ohne ein festes Ziel zu haben

Die Wanderung meiner Gedanken
Geht solange weiter wie ich lebe
Die geistigen Welten kennen keine
Grenzen noch verlieren sie Zeit

Bleibe ein Lebenswanderer der immer
Geistig unterwegs ist warum ich am
Gleichen Ort bleiben kann ohne mich
Je dort langweilen zu müssen

Was passiert und für mich zählt
Findet in meinem Kopf statt so
Wandere ich weiter durch Zeiten
Wie Welten allein in Gedanken

Wer fragt ob ich nicht fürchte etwas
In der Wirklichkeit zu verpassen hat
Wohl keine geistigen Welten die so
Unendlich viel reicher immer sind

Gelegentlicher Austausch kann sehr
Unterhaltsam auch sein doch was
Bedeutend ist kommt zu mir oder
Verfliegt jenseits geistiger Welten

Wer diese Kosmos teilen kann
Findet in sich alles was nötig ist
Ist ein wirklich reicher Mensch
Der an nichts gebunden sich fühlt

So wandere ich weiter durch das
Leben was in meinem Kopf vor
Allem anderen stattfindet auf der
Suche nach Orientierung dort

jens tuengerthal 6.6.24

Zeitfluchten

Zeitfluchten

Große Literatur dreht sich immer
Wieder auch um die Zeit wie sie
Vergeht oder gerade nicht was die
Ewigkeit im Moment sein kann

Der Zauberberg von Thomas Mann
Wie Marcel Prousts Suche nache der
Verlorenen Zeit auch der Ulysses
Von James Joyce die alle in einer

Zeit des Wandels nach dem großen
Ersten Weltkrieg geschrieben wurden
Lassen die Zeit spürbar werden die
Durch die Umstände anders vergeht

Im Sanatorium Berghof werden aus
Geplanten 3 Wochen sieben Jahre
In den Bergen um Davos wobei die
Ersten Wochen der größte Teil sind

Viel Zeit lässt sich Proust für die
Schilderungen der ersten Liebe
Wie die Suche nach Erinnerungen
Seiner Kindheit über eine in den

Lindenblüten Tee getunkte Madelaine
Die ihn in die Zeit eintauchen wie in
Ihr immer wieder verloren gehen
Lässt im Übermaß der Gefühle

Der frisch gebackene Ingenieur
Hans Castorp besucht seinen an
Tuberkulose erkrankten Vetter im
Sanatorium und bleibt einfach da

Wie wirklich vergeht die Zeit im
Roman und wie werden Augenblicke
Zu Ewigkeiten während Jahre dann
In einem Absatz eben verfliegen

So wird die Zeit der Patienten wie
Die Leichen im Bobschlitten ganz
Schnell für Monate abgefahren das
Kaum ihr verstreichen bemerkt wird

Der Humanist und Aufklärer Settembrini
Versucht noch die Zeit wie die Pflicht
Als Mensch wach zu halten doch kann
Nichts gegen den trägen Abfluss tun

Die Lektüre dieser Romane ist schon
Eine Flucht aus der Zeit wie zugleich
Das Eintauchen in eine andere Zeit
Die nicht mehr der Physik gehorcht

Sich Zeit zu lassen um sie zu finden
Ihre Unendlichkeit entdecken die nur
Gelegentlich vom Ende der Zeit noch
Unterbrochen wird durch den Tod

Den Zauberberg habe ich vor nun
Über 33 Jahren mit 18 gelesen
An la recherche lese ich seit 1995
Was nun auch schon 29 Jahre ist

Sich aus der Zeit lösen um tief in
Eine neue geschrieben Zeit dafür
Einzutauchen wie dabei das Spiel
Mit der Zeit neu zu entdecken ist

Eine der schönsten Zeitfluchten
So arbeitet die Idee meines großen
Familienromans seit 1991 in mir um
Langsam ihre Form erst zu finden

Dabei tanzte ich in Erinnerungen
Durch das ganze 20. Jahrhundert
Bis in die Gegenwart hinein auf der
Suche nach dem was einmal war

Während die Physik sich noch müht
Teilchen zu beschleunigen um so der
Zeit ein Schnippchen zu schlagen ist
Dies das normale Spiel der Literatur 

Große Romane zu lesen die über
Generationen oder einen Tag gehen
Epochen in einen Absatz zwingen
Ist die schönste Form der Zeitreisen

Immer gleich läuft die Zeit ab in dem
Was unser messbarer Alltag ist nur
Die Literatur bildet sie ab wie wir sie
Als völlig verschieden empfinden

Aus der Zeit lesend zu fliehen um 
Die Unendlichkeit dabei zu entdecken
Wie in ihr alles wiederzufinden was im
Laufe der Zeiten verloren ging ist

Vielleicht das größte Glück der Leser
Wie klein wird alles messbare verglichen
Mit der Ewigkeit beschriebener Zeiten
In der wir uns zwischen Zeilen verlieren

jens tuengerthal 6.6.24