Donnerstag, 30. April 2026

Mitleidsgröße

Mitleidsgröße 

Leicht und schnell treten wir voller
Schadenfreude auf die bereits am
Boden liegenden ein besonders
Wenn die sich vorher so verhielten 

So geht es gerade unserem aller 
Mimimikanzler der sich nicht genug
Gewürdigt für seine schlechte Arbeit
Fühlt und darum gefühlvoll jammert 

Wollten wir nicht alle mehr Gefühl
Besonders gefühlvolle Männer die
Offen über ihre Ängste sprechen
Statt den dicken Max zu markieren

Hätten wir nicht besser Mitleid
Mit einem Versager den sein Amt
Sichtbar überfordert und der darum
Kein Wahlversprechen halten kann

Außer gegen Arme und Ausländer
Die sich nicht wehren konnten da
Konnte der arme Feigling noch
Gut laut und mutig brüllen

Oder der kleine clevere Makler 
Im Weißen Haus der auch nicht
Krimineller als die meisten seiner 
Kollegen vermutlich immer war

Zumindest soweit sie erfolgreich
Im Geschäft waren und der nun
Noch schnell Gesetze ändert um
Den Verlust der Wahl zu verhindern

Vergebene Liebesmüh wissen die 
In der Demokratie erfahrenen denn 
Radikalismus hatte nie Dauer und
Lügen haben kurze Beine immer

Ein Mann dem alle Bildung und jede
Kultur fehlt wird bitter fallen und hart 
Bestraft werden denke ich sollte da
Nicht wer Mitleid mit ihm schon haben

Natürlich bekommt ein Merz genau
Wie ein Trump was sie verdienen
Es schallt aus dem Wald wie sie
Einst wütend hineinriefen eben

Doch zeigt sich wahre Größe nicht
Im menschlichen Mitleid was nicht
Nachtreten muss auf jene die schon
Am Boden liegen aus eigener Schuld

Wäre Merz Trump und Orban nicht
Überlegen wer mitleidig lächelt denn 
Ihre gerechte Strafe werden sie sicher
Von der Geschichte noch bekommen

Mehr Mitleid zeigte mehr Größe denn 
Zu gewinnen gibt es nichts mehr für 
Die Verlierer der Geschichte und die
Größe es zu merken fehlt ihnen auch

Sie führen sich schon selbst am 
Nasenring durch die Arena was 
Keine Hoffnung auf Entwicklung gibt
Aber mich mitleidig lächeln lässt 

Mitleid ist Zeichen großer Kultur
Zeigt statt billiger Rache echten 
Reichtum gegenüber den armen 
Versagern unter den Neureichen

Pflegen wir diese Kultur zeigen wir
Unseren kulturellen Reichtum wie
Geistige Größe noch dazu die das
Beste Ruhekissen im Leben bleibt

jens tuengerthal 30.4.26

Mimimikanzler

Mimimikanzler

Kein Kanzler hätte so gelitten
Wie er überschätzt der wieder
Jämmerliche Merz sich und seine
Bedeutung ganz enorm auch
Wenn seine schnelle Unbeliebtheit
Vermutlich unübertroffen bleibt
War sie noch nie so verdient
Wie bei der unfähigsten aller 
Bisherigen BundeskanzlerInnen
Der gerne bisher nach unten trat 
Als Oppositionsführer auch vor
Lügen nicht zurückscheute aber
Bei Gegenwind zu jammern beginnt
Überhaupt nicht verstehen kann
Wie ein Volk ihn nicht liebt dem er
Ständig sagt wie faul es sei dafür
Mittel zusammenstreicht um die
Reichen zu schonen statt die
Nötigen Reformen anzugehen
Die Mineralölkonzerne sponsert 
Für sein privates Flugbenzin
Der nicht eint sondern spaltet 
Möge der Druck diesen wohl
Jämmerlichsten aller Kanzler 
Was bisher sein einziger Verdienst
Schnell aus dem Amt schieben 

jens tuengerthal 30.4.26

Rechtsstaatsjubel

Rechtsstaatsjubel

Als Anarchist finde ich es immer
Schwierig den Staat zu bejubeln
Scheint doch alles Recht zweifelhaft

Was ich im Studium der Rechte 
Nah genug kennenlernte genau
Zu wissen was ich infrage stelle

Sehe mehr Staat stets mit mehr
Sorge vor überall Kontrolle die zur 
Gefährlichen Übermacht werden kann

Wie es der Unrechtsstaat USA unter
Dem Verbrecher Trump gerade der 
Welt offenbart mit Imperialismus

Welch Freude ist es da für mich
Wenn Deutsche Gerichte einem
Staatsminister Grenzen nun setzen

Wolfgang Weimer als rechte Stimme 
Der Kultur im Kanzleramt bekam
Gerichtlich einen Maulkorb nun

Die Verbreitung von Aussagen mit
Andeutungen vom Verfassungsschutz
Wurden ihm richterlich untersagt

Geklagt hatte eine benachteiligte
Berliner Buchhandlung die mit der
Begründung ausgeschlossen wurde

Zu linksradikal zu sein um einen
Staatlichen Preis zu erhalten was
Zeigt auch Minister dürfen nicht alles

Ein Staat in dem auch Mitglieder einer
Regierung verurteilt werden ist ein
Relativ sicherer Rechtsstaat

Dies war die erste rechtliche Grenze
Für das rechtspopulistische Verhalten 
Der Bundesregierung und gut so

Wenn nun noch endlich ein Gericht 
Dem sich schon verfolgt fühlenden
Merz Grenzen zöge täte es gut

Rechte stoppst du nicht durch die
Übernahme ihrer Propaganda wie
Verbreitung von Lügen und Angst

Aber regierende rechte Populisten
Kann der Rechtsstaat stoppen
Gut so was Weimer widerfuhr

Da bejubelt auch der Anarchist gern
Den gerechten Rechtsstaat der so
Zweifelhaft ansonsten stets ist

jens tuengerthal 30.4.26

Seinsfrage

Seinsfrage

Sein oder nicht sein sei die Frage
Meint Hamlet in Anbetracht des
Schicksals seines toten Vaters 
Überlegt ob Leben noch lohne

Am 30.4.1987 verunglückte ich
Tödlich mit dem Fahrrad aber
Wurde wie lesbar reanimiert 
Nur ab wann war ich wieder

Klinisch tot war ich mit Glück
Keine zehn Minuten bis ein
Arzt die Reanimation begann
Bewusstlos noch für Monate

Bin ich noch oder wieder
Eher nicht mehr solange
Nicht bei Bewusstsein 
Was macht Sein aus

Sind Fragen die verflucht real
Plötzlich wurden für meinen Vater
Der überlegte die Maschine lieber
Abzuschalten angesichts der noch

Aussichten seines Sohnes aus
Medizinischer Sicht die weniger
Gut waren als sie sein sollten
Je wieder gesund zu werden

War ich der nichts mehr erinnert 
Vom Unfall und Monaten danach 
Oder da noch nicht wieder weil 
Bewusstsein menschlich macht

Ist Schlaf mehr kleiner Tod als
Der Höhepunkt beim Sex je
Wann sind wir wirklich wie 
Bewusst muss ich mir sein

Habe keine einfache Antwort
Als ich nicht da war war nichts
Was also nichts macht warum
Der Tod mich nichts angeht

Nichts macht nichts mehr aus
Sein spielt dann keine Rolle mehr
Alles wird damit relativ egal auch
Was die größte Freiheit schenkt

War ich solange nicht wieder bei
Bewusstsein überhaupt wieder
Im Sinne eines cogito ergo sum 
Bringt die Reanimation Leben

Glaube an keine Seele die nur
Aberglauben ist der unfrei macht
Wie soll ich reanimiert worden sein
Denke ich darüber lachend heute

Weiß es auch 39 Jahre später
Nicht mit letzter Sicherheit zu
Sagen doch gilt dann auch ein
In dubio für das eigene Sein

Denke ich über mein Sein nach
Scheint mir zweifelhaft ob es
Ohne Bewusstsein sein kann
Nur mit Maschine würdig ist

Ohne wochenlangen Einsatz 
Aber der Maschinen die mich
Atmen ließen wäre ich nicht mehr
Sein oder nicht sein blieb fraglich

Sein definiere ich als frei durch
Die Fähigkeit für oder gegen das
Nichtsein sich zu entscheiden
Dann war ich da länger nicht

Depression als Zweifel am Sein
Macht dies immer wieder deutlich
Warum es heute auch für mich so
Betrachtet nichts zu feiern gibt

Bewusst wurde ich erst Monate
Später langsam und länger wieder
Könnte nicht genau sagen wann
Sein oder nicht sein bleibt fraglich

Dankbar heute über das Sein noch
Bei Bewusstsein nachdenken zu
Können bin ich vermutlich noch
Mehr als ein Schatten an der Wand

Doch ohne zu wissen was das
Sein vom Nichtsein unterscheidet
Weiß ich lustvoll zu genießen was
Bleibt ist zumindest lohnend

jens tuengerthal 30.4.26

Liebesmöglichkeit

Liebesmöglichkeit

Die Liebe kann alles was sie will
Macht uns zu blinden Sklaven
Eines nur geglaubten Gefühls
Dem wir uns willig unterwerfen 

Sie kann uns wenn wir uns ihr
Einmal unterworfen haben bis
Zum Tod quälen und Werther
War nur ein erstes Opfer dabei

Kenne diesen Schmerz zu gut 
Der allen Lebenswillen raubt
Dich immer mehr würgt bis du
Am großen Gefühl erstickst

Sie kann alle Gedanken besetzen
Die dann willig zerstören was sie
Mit mehr Liebe Liebe retten wollten 
Weil sie fesseln was nur frei sein kann 

Wann aber kann Liebe entstehen
Die uns Flügel verleiht um so
Zueinander fliegen zu können
Miteinander ganz eins zu sein

Eine Möglichkeit der Liebe besteht
Wenn wir bedingungslos gut wollen
Keine Möglichkeit der Liebe besteht
Wenn wir sie mit Erwartung zwingen 

Kann unmöglich die Liebe steuern
Sie macht mit uns was sie will aber
Ihr die Möglichkeit zu geben auch
Leben zu können ist mir möglich

Werde darum erwartungslos bleiben
Ihr alle Freiheit schenken um so dem 
Schweren Gefühl leichte Flügel zu
Geben was Dauer möglich macht

Weiß nicht was sie nun tun wird
Kann sie nur frei fliegen lassen
Damit bleiben könnte was passt
Alles mehr wäre schon zuviel

Verliebt vernünftig handeln bleibt
Ein Ding der Unmöglichkeit aber
Sich dessen bewusst zu sein kann
Die Liebesmöglichkeit erhalten

jens tuengerthal 30.4.26

Mittwoch, 29. April 2026

Zeitfund

Zeitfund

Wo nimmst du nur die Zeit her
Soviel zu lesen und zu dichten 
Fragen mich manche die dann
Offensichtlich weniger lesen um
Mehr bewegte Bilder zu sehen
Die mir als Zeitdiebe viel zu
Hektisch immer sind weil ich
Lieber in meinem Tempo lese
Nie bewegte Bilder schaue die
Zeit stehlen wie so vieles was 
Erledigt werden muss um noch
Alles erledigt zu haben bevor
Nichts mehr geht was dann
Alles egal macht warum ich mir
Lieber viel Zeit vorab nehme 
Die meine und damit unendlich ist
Als würde ich ewig leben was 
Morgen schon enden kann aber
Bis dahin in Ruhe genossen
Mit ganz viel Zeit dabei die ich
Lieber mir immer lasse was
Genug Glück für mich war
Wenn endet was endlich ist

jens tuengerthal 29.4.26

Lebenslauf

Lebenslauf

Das Leben läuft einfach
Egal ob gut oder schwer
Fragt nicht nach dem wie
Solange es nur läuft was 
Lebensmaßstab für Läufer
Die nie ankommen ist und
Darum kein Thema sein
Sollte wäre es nicht längst 
Normal für so viele die immer
In Bewegung durch ihr Leben
Hetzen als ginge es darum
Am Ende erster zu sein dabei
Ist logisch wer sich jetzt eilt
Zuerst kaputt statt alles was
Noch bleibt zu genießen
Warum ich den Lebenslauf
Eingestellt habe und lieber
Mehr genieße was weniger
Einbringt aber mehr erfüllt
Einfach stehen geblieben bin
Ohne jeden Lebenslauf nun
Jenseits von Gut und Böse
In der verlorenen Zeit die
Keiner mehr suchen muss
Existiere sonst nichts was
Genug ist zufrieden zu sein

jens tuengerthal 29.4.26

Lektürentagebuch 28.4.26

Lektürentagebuch 28.4.26

In Ghost Stories von Siri Hustvedt
Geht es im Kapitel Geister lesen um
Die gefühlte Präsenz verstorbener
Über die sie ernsthaft auch nachlas

Sie beginnt mit der Frage
Wo bist du Paul der sie dann durch
Lektüre auch nachgeht das Thema
Wissenschaftlich zu begreifen

Schon im ersten Absatz stellt sie die
Frage was er ist im Himmel heißt ob 
Es nicht ein anderer Name für das
Nirgendwo ist das nicht existiert

Sie erzählt von psychologischen 
Studien die sie zum Thema der
Erscheinung Verstorbener liest
Erzählt dann wie sie im Dämmer

Zwischen Lektüre und Halbschlaf
Paul präsent fühlte und erzählt von
Den Erfahrungen anderer damit
Nennt statistische Zahlen auch dazu

So versucht sie ihr Gefühl seiner
Präsenz zu erklären und erzählt
Noch von weiteren Erfahrungen
Mit diesem Thema als Kind

Die Suche nach einer Erklärung für
Das Gefühl der Nähe und Präsenz
Liest sich spannend und driftet dabei
Noch nicht ins esoterische peinlich ab 

Es ist die kritische Frau spürbar die 
Erlebnisse erhöhter Präsenz merkt
An Pauls Worte dabei denkt er wolle 
Als Geist wiederkommen ohne gleich

An Spukgeschichten oder anderen
Hokuspokus zu denken geht sie ihre
Emotionale Erfahrung auf ihre Art
Wissenschaftlich an und prüft was ist

Das ist gut geschrieben und erzählt
Ein heikles Thema das leicht in die
Spirituell schlichte Schiene rutscht
Auf literarisch gute Art fragend neu

Der große Traum von Bildung des
Christian Graf von Krockow ging
In Neuseeland weiter mit teils eher
Gewagten Tagebucheinträgen

Von Forster und Cook die sicher
Die gute Absicht des Autors doch 
Erkennen lassen pädagogisch noch
Positiv zum Thema aufzuklären

Der Geist der Aufklärung wird auch
Beim Kontakt mit Eingeborenen auf
Einer Insel nahe ihrer Bucht deutlich
Egal wie realistisch dies sein mag 

Alle imperialistischen Floskeln sind
Weggelassen worden der Freude
Über Entdeckungen wird das Leid 
An Krankheit und Umständen was

Sogar das Tierwohl der mitgeführten
Kreaturen erfasst die ebenfalls an 
Einer Form von Skorbut an ihren 
Zähnen vor allem zu leiden schien 

In wohl abgewogenem Maß dabei
Gegenübergestellt was die Eroberer
Als liebevolle Erforscher eher zeigt
Denn als Teile des stolzen Empire

Persönliche Anekdoten über die
Mitglieder der Mannschaft helfen
Diese Lenkung der Sympathien
Bei uns Lesern noch zu fördern 

Das ist gut und klug beschrieben
Geschieht sicher in bester Absicht
Scheint mir genial darum auch so
Verdächtig und auffällig unecht 

Aber von dieser kritischen eher
Postkolonialen Sicht auf zwei auch
Eroberer des Empire abgesehen ist
Der Text schön und unterhaltsam

jens tuengerthal 28.4.26

Dienstag, 28. April 2026

Geschichtslernen

Geschichtslernen

Aus der Geschichte lässt sich lernen 
Wie eine Diktatur perfekt betrieben
Werden kann ohne Bestrafung was
Massenmord legitim noch macht

Deutsche lernten aus ihrer Geschichte
Nie wieder ist jetzt dafür haben die 
Bayern begriffen warum Bündnisse 
Mit totalitären Herrschern lohnen

Darum wollen bayerische Politiker
Ihre Polizei mit Palantir ausstatten 
Die totale Datenkontrolle zu haben
Literaten wissen 1984 lässt grüßen

Was Verteidiger der Freiheit fürchten
Gibt den Kontrollfreaks Hoffnung
Beide haben sicher Verdienste aber
Besser keiner setzt sich ganz durch

Die Tech Bosse in den USA haben
Ihre Lektion von Machiavelli gelernt
Dabei vergaßen sie völlig die ganze
Entwicklung der Geschichte 

Der Unterschied zwischen der Epoche 
Renaissance und der Aufklärung die
Erst ihren Reichtum ermöglichte ist
Den totalitären CEOs nicht bekannt

Staaten wie Unternehmen fürchten 
Nur auf die Bilanz schauend was 
Am Ende hinten rauskommt lenkt
Den Blick auf alle Scheisse der Welt

An Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit
Die politisch korrekt natürlich heute
Geschwisterlichkeit heißt was zu
Bemerken Mann eine Ehre sein sollte 

Reichen bloße Gewinne nicht heran 
Der Blick nur auf sie durch die längst 
Allmächtigen Controller die sagen was
Noch bezahlbar ist vergisst den Wert

Dessen was Menschen ausmacht
Der nie berechenbar wird warum
Kluge Menschen der Aufklärung lieber
Folgen statt Renaissance zu spielen

Nur die Befreiung aus der stets
Selbstverschuldeten Unmündigkeit 
Führt zu einem guten Leben wer dies 
Vergisst hat schon immer verloren

jens tuengerthal 28.4.26

Demokratievertrauen

Demokratievertrauen

Kann den Faschismus fürchten
Was angesichts der politischen
Lage in den USA relativ realistisch
Scheint mit kritischer Vernunft

Oder auf die Demokratie vertrauen 
Die Fehler wie Trump und die Macht
Der Tech Giganten wieder korrigiert
Durch eine neue Tea Party die dann

Freiheit im Netz verteidigt wie den 
Zugang für alle sichert und alle die
An der Diktatur verdienten enteignet
Womit genug für alle auch da wäre

Eigentum ist Diebstahl während die
Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit aller
Menschen sich für jeden lohnen wird
Nach der einfachen Logik der Natur

Vertraue lieber auf die Vernunft als
An den Sieg von Musk und Thiel zu
Glauben die bald enteignet historisch
Nur eine Fußnote bleiben werden

Die Zukunft gehört allein der Freiheit
Künstliche Intelligenz bleibt künstlich
Menschen machen es menschlich
Nehmen wir uns die Zeit dazu 

jens tuengerthal 28.4.26

Ansichtssache

Ansichtssache

Vieles ist wohl Ansichtssache
Meinen alle mit fester Meinung
Was die Frage stellen könnte
Ob Meinung dann entscheidet
Was etwas ist oder manches
Auch ein Ding an sich ist das
Jenseits aller Meinung besteht 
Etwa eine Moral oder das Gute
Auf die sich gerne die berufen 
Die mehr glauben als wissen
Worauf es wirklich ankommt
Ist aber am Ende wohl doch
Ansichtssache und damit egal 
Aber lieber noch enthalte ich mich
Als nur eine Ansicht zu haben
Nehme dafür ganz viele
Um meine Ruhe zu haben
Statt etwas dazu zu meinen 
Was letztlich egal doch ist
Wie das Leben eben

jens tuengerthal 28.4.26

Blickwinkel

Blickwinkel

Der Blickwinkel entscheidet
Wie uns etwas erscheint
Manches heißt nichts 
Ohne die andere Seite
Öffnet Welten miteinander
Was zeigt der Zustand
An und für sich könnte
Eine Illusion bloß sein
Auf die sich besser
Keiner mehr verlässt
Um lieber von allen
Seiten genau zu betrachten
Was am Ende wirklich war

jens tuengerthal 28.4.26

Lektürentagebuch 27.4.26

Lektürentagebuch 27.4.26

Schon heute Nacht mit dem Kapitel
Der Eisfahrt im großen Traum von
Bildung Christian Graf von Krockows
Zu lesen begonnen wo es endlich

Auf die Suche nach dem sagenhaften
Südkontinent ging geschildert in den
Teils fiktiven Tagebüchern von Georg
Forster und James Cook dazu kursiv

Da ich dieses Kapitel gerade erst bei
Georg Forster selbst las war es mir
Noch sehr präsent und ich konnte
Die literarischen Gedanken sehen

Das ist nicht schlecht gemacht auch
Wenn etwas bemüht teilweise und
Eher gegenwärtiges Denken über
Konflikte dabei offenbarend

Die Problematik sich in die Gefühle
Historischer Figuren einzufinden ohne 
Sie zugleich für unser Denken zu 
Vereinnahmen bleibt die Aufgabe

Ob es der kurzzeitige Verlust des
Vaters im Ruderboot im Nebel ist
Wie die Reaktion von Cook darauf
Die mir sehr pädagogisch vorkommt

Dennoch macht diese Gestaltung
Weiter neugierig auf das Verhältnis
Von Cook und Forster auch wenn
Vieles davon fiktiv sein mag 

Der unbemerkte Geburtstag an Bord
Die anonymen Glückwünsche dazu
Die undichte Kabine des Vaters ist
Eine gute Story die noch erzählt wird

Die dabei auch thematisierte ganz
Entsetzliche Langeweile in südlicher
Polarregion ist sehr gut beschrieben
Bestätigt den Flaneur ganz darin

Lieber an Land zu bleiben statt über
Bord zu kotzen was nie wirklich lohnt
So erleben sie auch erste Unwetter
Was viele Verwüstungen verursacht

Eine schöne Idee von Krockow die
Besser noch wäre wenn er sich mit
Schlichter Pädagogik mehr zurück
Hielte was ihm wohl nicht so liegt 

Weiter ging es mit Ghost Stories von
Siri Hustvedt mit einem Brief den
Paul Auster an seinen Enkel schrieb
Worin er von Sophies Kindheit erzählt

Das ist wundervoll wie liebevoll und
Zeigt was für süße und aufmerksame
Eltern Paul und Siri wohl schon waren 
Wie süß sie sich als Großeltern auch

Kümmern und Gedanken machen um
Den Enkel Miles wann auch immer er
Diese Briefe des dann toten Paul an 
Seinen Enkel vielleicht lesen wird 

Der Leser erfährt neues auch über
Die großartige Sängerin Sophie 
Auster wie den Stolz ihrer Eltern und
Ihre frühe Leidenschaft fürs Malen

Das ist voller Liebe und Zärtlichkeit
Aufmerksam und schön beschrieben
Eine herzerfüllend schöne Lektüre
Die so sehr rührt wie lächeln lässt

Diese Briefe zu veröffentlichen des 
Schon präfinalen Paul Auster ist eine
Wunderschöne Verneigung vor der
Liebe und Größe dieses Autors

Was davon wirklich ist und was
Der Phantasie der großartigen Autorin
Siri Hustvedt entspringt ist dabei viel
Weniger wichtig als die Liebe darin

Es sind Eltern die ihr Kind lieben
Wie eine Autorin die ihren am Krebs
Verstorbenen Mann liebt und beides
Ist in diesem Buch so spürbar

Auch weil dieses Buch von einer so
Schönen zarten Liebesgeschichte 
Erzählt ist es so wundervoll gemacht
Trotz des immer präsenten Tod 

Als letztes noch drei wunderbare
Geschichten von Peter Altenberg 
Dem großen Wiener gelesen aus 
Dem Band Diogenes in Wien

Neun und elf erzählt von zwei ganz
Zauberhaften genauso alten Mädchen 
Wie ihren Ausflügen mit einem Herren 
Sogar im Ruderboot mit zarter Erotik

Es passiert dabei nichts was irgend
Eindeutig sexuell gar pädophil wäre
Aber es schwingt die Erotik darin
Zwischen den Zeilen zärtlich mit

Wenn die ältere etwas ermüdet den
Kopf in seinen Schoß legt oder die
Jüngere hingebungsvoll singt wie
Dem Untergrund der großen Gefühls 

Das ist noch zarter und feiner als es
Nabokov in Lolita beschreibt ohne nur
Etwas sexuelles auszusprechen weil
Es ja noch Kinder sind vibriert es doch


In Siebzehn bis dreißig der nächsten
Feinen Geschichte geht es um die
Unausgesprochenen Wege der Liebe
Wie die ernüchternde Wirklichkeit

Dabei werden Begegnungen mit dem
Gleichen über Jahre wiederholt und
Der erwartbare Verlauf dazu erzählt
Von Liebe Lust und ihrem Vergehen 

Wie Altenberg dies in dem kurzen 
Text voller Weisheit inszeniert ist
Von mitreißender Schönheit die dabei
Ganz zauberhaft schlicht bleibt


Als dritte impressionistische Skizze
In feiner kurzer Prosa las ich das 
Stück Café-chantant über ein Paar 
Das wunderbar aneinander vorbei

Sehr intensiv aber miteinander dabei
Redet in teilweise nur Andeutungen 
Was einen wunderbaren Moment hier 
Inszeniert der lohnend zu lesen ist

Peter Altenberg der eigentlich
Richard Engländer hieß ist einer
Der feinen Wiener Kaffeehaus
Literaten der eng befreundet

Mit Egon Friedell auch war der
Einige seiner Prosaskizzen nach
Seinem Tod 1919 herausgab blieb
Als Autor Zeitlebens auf Spenden

Angewiesen die besonders Friedell 
Verdienstvoll für ihn noch sammelte
Sitzt heute als Figur im Café Central
In dem er lange auch Stammgast war

War er real wie der Flaneur hier ein 
Gescheiterter Jurist und ebenfalls
Gescheiterter Buchhändler der ein 
Armer Autor bis zum Ende blieb 

jens tuengerthal 27.4.26