Samstag, 23. August 2025

Hungersnot

Hungersnot

Hunger ist immer
Allein verantwortlich für
Die Hungersnot dort

jens tuengerthal 23.8.25

Liebeshoffnung

Liebeshoffnung

Sollte ich die Hoffnung aufgeben
In der Liebe noch die eine zu finden
Damit mehr Platz für die andere ist

Denke ich dabei insgeheim und
Lache mich dafür zugleich aus
Liegt die Sehnsucht nach Liebe 

Zu tief in meiner Natur als das
Die Vernunft mit genug Erfahrung
Eine kluge Entscheidung träfe

Könnte das vielleicht besser so sein
Weil die Natur wie die Liebe am Ende
Ohnehin immer macht was sie will 

Ist das was ich wirklich will oder bleibt
Der Wille letztlich irrelevant weil das
Gefühl diesen immer wieder besiegt

Halte die Freiheit in der Liebe für
Mit das wichtigste um sich infolge
Füreinander entscheiden zu können

Sollte ich diese Illusion lieber aufgeben
Erwartungslos zu bleiben was erst die
Liebe frei fliegen lässt oder lieber nie

Vielleicht ist die Liebe auch einfach
Nie nur entweder oder sondern immer
Alles und die Hoffnung stirbt zuletzt

jens tuengerthal 23.8.25

Nachtriesling

Nachtriesling

Gegen halb zwei im Crossroads noch
Auf einen Riesling angekommen das
Trotz der fortgeschrittenen Zeit sowohl
Oben wie unten gut gefüllt wieder ist

Nachdem Selma die heute nur als Gast
Hier ist wie Tino Phil II und Nina begrüßt
In der Zwischenetage Platz genommen
Kaum saß ich brachte Phil den Riesling

Heute mit einem Gruß nach Wiesbaden 
Also an dem Fuß des Rheingau noch
Den ersten Schluck genossen und sich
Umgeschaut wer noch alles hier ist

Inzwischen zog Selma von der Treppe
Aufgrund ständigen Verkehrs auf dieser
An die Bar ansonsten ist die Stimmung
Sehr ausgelassen unter Stammgästen 

Weitere Details des Geschehens hier
Werden sich der Uhrzeit geschuldet 
Heute mal gespart gerade noch bricht 
Eine Gruppe von sechs von oben auf

Tino erklärt zwischendurch einigen
Aus der Gruppe noch die Welt und
Verabschiedet sie dann sehr freundlich
Eine will gehen und knutscht sich fest

jens tuengerthal 23.8.25

Freitag, 22. August 2025

Lektürentagebuch 22.8.25

Lektürentagebuch 22.8.25

Den 3. Teil der Buddenbrooks begonnen
Welchen Thomas Mann seiner Schwester
Julia in Erinnerung an ihre Ostseebucht 
Von Herzen zueignete was doch ein sehr

Persönlich schönen Auftakt schon ist
Während Familie Buddenbrook an einem
Warmen Juni Nachmittag zum Kaffee
Im Garten ihres Hauses zusammen sitzt

Der Konsul war mit seiner Zigarre und
Den Anzeigen in der Zeitung beschäftigt
Die Konsulin mache eine Seidenstickerei
Beobachtete aber auch Ida Jungmann

Diese pflückte mit der kleinen Clara noch
Blumen auf der Wiese während Tony die
Serapionsbrüder von E.T.A. Hoffmann las
Kitzelte Thomas sie mit einem Grashalm

Das ignorierte Tony lieber da sie sich ihren
Schlagfertigen Bruder unterlegen sah 
Während Christian gerade missmutig die
Zweite catilinarische Rede präparierte

Klothilde die auch am Tisch saß las eine
Erzählung und aß immer hungrig dabei
Krümel vom Tisch während der Konsul 
Tom von einem guten Geschäft erzählt 

Als die Konsulin Tony die mit Ellbogen
Auf dem Tisch im Buch vertieft ist dafür
Ermahnt nutzt Tom die Gelegenheit der
Schwester und Klothilde zusammen

Ein unerwartetes Kompliment zu machen
Worauf die Konsulin einen bald Ball
Thematisierte und die dafür nötigen neuen
Lackschuhe worauf Tony sofort gerade saß 

Wie fein sind diese Beobachtungen aus
Der familiären Atmosphäre noch die ganz 
Nebenbei noch die Handelnden genau in
Ihrem Wesen dazu charakterisieren

Wer kennt genau solche Gespräche nicht
Aus der Familie noch denke ich lesend
Als wäre das Geschehen völlig zeitlos
Da kommt Diener Anton und bringt eine

Karte auf dem Teebrett als sich gerade 
Christian beschwerte der sich von dem 
In seiner Arbeit gestört fühlte kündigt sich 
Ein Herr Grünlich aus Hamburg an 

Der Konsul lässt nach formaler Rückfrage
Bei seiner Frau Bethsy bitten und schon 
Kommt Herr Grünlich sehr höflich an
Mit seinen goldgelben Favories

Auf Bitten der Konsulin nimmt er noch
Einen Moment am Tisch Platz und
Verteilt auf seine gestelzte Art für alles
Komplimente es putze doch ungemein

Tony antwortet sehr knapp bekommt
Dafür besondere Komplimente für das
Schönste Haar was er je gesehen und
Grünlich schleimt sich richtig ein

Die Kritik von Tony weisen ihre Eltern
Streng zurück als nun schon bald
Achtzehnjähriges Mädchen sollte sie
Bitte besser mit Bewerbern umgehen

Wie richtig Tony mit ihrem Instinkt lag
Erzählt der weitere Roman dafür erntet 
Christian viele Lacher als er Grünlich 
Imitiert nur Klothilde fand ihn einen

Guten Menschen was sie wie üblich
Lang dehnte während Tony über seine
Wichtigtuerei schimpft ermahnt sie der
Konsul worauf sie goldgelbe Favories sagt

Dieser erste Auftritt wird Folgen haben
Auch wenn Tony sich in ihrer Ablehnung
Ganz sicher schon ist was die gute
Intuition der jungen Frau schon zeigt 


Im Zauberberg geht die Diskussion um
Die Todesstrafe zwischen Settembrini und
Naphta mit großer Schärfe weiter wobei
Zuerst Hans Castorp gerügt wird 

Dieser hatte einen Massenmörder ein
Menschenähnliches Wesen genannt
Was Settembrini der Humanist streng 
Zurückweist es sei natürlich ein Mensch

Dies nutzt er um von einem Mörder zu
Erzählen der seine Zelle mit sogar guten
Versen füllte womit die Kunst ihm doch
Eindeutig als Menschen hier zeige 

Worauf Naphta nur meint es werfe ein
Eigentümliches Licht auf die Kunst was
Settembrini nutzt um von einer neuen
Bewegung gegen die Todesstrafe welche 

Bei ihrer mutmaßlich bald ersten Tagung
Große Reden zum Thema erwarten ließe 
Die zeigten wie nötig ein Verbot sei schon 
Um tödliche Justizirrtümer zu vermeiden 

Nun drehte Naphta all diesen Argumenten
Den Hals um und schimpfte über die
Blutscheu und Lebensverehrung die so
Das Leben um seine Tiefe kastrierten

Dabei verlagerte Naphta die Schuld aus
Dem empirischen der Justiz auf eine
Metaphysische Ebene im Handeln gäbe
Es nur Determinismus Freiheit nur im Sein 

Wer tötet bezahle folglich mit dem Leben
Nicht zu hoch er möge darum sterben da
Er die tiefste Lust gebüßt habe worauf ihn
Settembrini fragt ob er Lust zu töten habe

Das gehe ihn nichts an erwidert Naphta
Aber wenn er es getan hätte würde er
Nicht auf Vergebung mehr hoffen der
Mörder und sein Opfer gehören zusammen

Diesen spirituellen Gedanken weist nun
Settembrini im Namen der Menschlichkeit
Streng zurück Naphta hätte sicher religiöse
Talente doch er vertraue lieber der Vernunft

Wie Thomas Mann hier die beiden
Antipoden über die Todesstrafe noch
Diskutieren lässt ist sowohl philosophisch
Wie literarisch geradezu genial

Es reichen wenige Seiten dieses so
Intensiven Diskurses sich wieder über
Tage Gedanken zu machen auch wenn
Der Aufklärer in mir Settembrini zuneigt


Über Entfabelung und Intellektualisierung
Intellektualisierung die den Zauberberg 
Zur Wegmarke des modernen Romans
Erst macht schreibt Dieter Borchmeyer 

Dieses letzte Kapitel zum Zauberberg 
In dessen Thomas Mann Werk und Zeit
Beginnt mit der Korrespondenz die
Thomas Mann nach der Verleihung

Des Nobelpreises nur für Buddenbrooks
Mit André Gide führte in der er betont 
Warum trotz anderer Begründung er
Ohne den Zauberberg ihn wohl nicht

Bekommen hätte wobei die ausdrückliche
Nennung der Buddenbrooks an der
Abneigung eines schwedischen Kritikers
Gegen den Zauberberg alleine lag

Mit Verweis auf die Bedeutung des
Zauberberg für den neuen Roman
Der die Ebene des reinen Erzählens
Für die Intellektualisierung verlässt

Werden Vergleiche zu den parallel
Erschienenen Werken Ulysses wie
La recherche gezogen die auch eine
Neue Ebene des Erzählens betraten 

Hier taucht der Leser in eine sowohl
Philosophisch wie literarisch neue Form
Der Betrachtung auf verschiedenen
Ebenen ein die das Denken bewegt

So ist der Zauberberg nicht mehr
Nur das vielfach humorvolle Erzählen
Von Ereignissen im Sanatorium sondern
Eine geistige Kulturgeschichte Europas

Die neuen Erkenntnisse auch der Physik
Zur Relativität der Zeit wie das aktive 
Erlebnis der Zeit zeigen dies deutlich
Was mit vielen Zitaten belegt wird

Es ist Borchmeyer zu Mann lesen wie 
Der Besuch eines literarischen Seminars 
Das neue Tiefen dabei entdecken lässt
Offenbart was den Zauberberg groß macht

jens tuengerthal 22.8.25

Bücherreichtum

Bücherreichtum

Bin nur ein armer Poet zu Berlin
Materielle Güter sind mir fremd
Außer der Reichtum an Büchern
Die mir seitenweise Welten öffnen

Nichts anderes will und brauche Ich
Noch als Ruhe zum Lesen in einer
Hektisch lärmenden Welt wird die
Bibliothek zum Himmel auf Erden

So lebe ich für mich in einer so
Vollkommen friedlichen Welt
Dass es reicher nicht vorstellbar
Außer eine wollte dies teilen

Ob was wir in Liebe teilen noch
Seinen Wert verdoppelt wie es
Verliebte uns gerne vorrechnen
Sei dabei lieber dahingestellt

Die meisten Bilanzen der Liebe
Erweisen sich hinterher als eine
Schmerzhafte Täuschung was für
Die Liebe zu Büchern nicht gilt

Egal wie emotional ich rechne
Bleibt tausendmal Null noch Null
Bücher haben in Berlin keinen Wert
Warum der Poet arm bleiben wird

Dafür die grenzenlose geistige Welt
Der Literatur zu haben ist keine so
Schlechte Entschädigung denke ich
Der natürlich nicht rechnen kann

jens tuengerthal 22.8.25

Lebensunlust

Lebensunlust

Schaue ich diese beschissene Welt an
In der eine Mehrheit von Menschen gern
Hass Ausgrenzung und Betrug wählen
Um ihren Misstrauen nachzugeben
Wächst die Unlust am Leben rasant
Mit wem willst du da noch leben
Sicher ist Rückzug eine Lösung 
Trump Putin Musk und alle die
Widerlinge nicht zu sehen wie
Stattdessen gute Bücher lesen
Aber es zeigt immer deutlicher
Was gerade ist bleibt einfach
Ein schreckliches Elend dem
Früher zu entfliehen jeden Tag
Verlockender noch wird was 
Keine gute Perspektive ist
Alle leben und fliegen weiter
Als gäbe es keine Klimakrise
Doch wer will ständig mahnen
Sollen sie doch ihren Spaß haben
Dann endet das Elend zumindest
Mit relativer Wahrscheinlichkeit eher
Mehr ist nicht mehr zu erhoffen
Sein wir mal ehrlich

jens tuengerthal 22.8.25

Mobilitätsopfer

Mobilitätsopfer

Mobilität halten wir für wertvoll
Nehmen dafür auch gerne die
Über 1300 Toten jährlich hin
Auch 175.000 Verletzte sind
Nicht weiter der Rede wert
Das ist halt der Preis unserer
Wunderbaren Mobilität der wir
Mehr Opfer schon brachten als
Die Inquisition je forderte
Autos sind ja keine Hexerei
Nur dumme Maschinen
Das passiert halt mal 
Denken alle bis es sie 
Selbst erwischt danach
Spricht keiner mehr
Hab es zufällig überlebt
Als ich 1987 totgefahren wurde
Heute lache ich darüber als
Mobilitätsopfer habe ich
Mal was nützliches getan

jens tuengerthal 22.8.25

Liebestreu

Liebestreu

Großen Gefühlen
Immer treu bleiben egal
Wer mit wem Sex hat

jens tuengerthal 22.8.25

Teegeschmack

Teegeschmack

Vertrauter Geschmack
Grüner Vanille morgens
Macht einfach glücklich

jens tuengerthal 22.8.25

Spätsommerlicht

Spätsommerlicht

Spätsommerlicht scheint
Angenehm wärmend ohne
Zu große Hitze

jens tuengerthal 22.8.25

Liebeskümmerer

Liebeskümmerer

Kümmere mich zu gerne um die Liebste
Bin für sie da mit liebevoller Sorge und
Begleite sie so durch den Tag frage 
Wie es ihr geht und tue alles für sie

So bin ich aufgewachsen und finde das
Normal in der Liebe gewann dabei noch
Mehr Energie statt mich zu verausgaben
Dachte ich bis eine es missbrauchte 

Zwei Jahre mit einer Borderlinerin die
Von einer Katastrophe in die nächste
Rutschte um genug Aufmerksamkeit 
Zu bekommen haben mich ausgebrannt

Dazu Eifersucht mit Szenen aus dem
Nichts haben alles Vertrauen zerstört
Dabei habe ich für die Liebe gelebt 
Danach nur noch Frauen konsumiert

Fürchte die Liebe als ständig neue Krise
Bleibe lieber allein und für mich sich nie
Wieder rechtfertigen zu müssen dabei
Kümmere ich mich doch so gerne

Die Liebe des Kümmerers ist damit
Verkümmert und egal geworden
Ruhiger lebt sich ohne sie denn
Gutes ist nicht mehr zu erhoffen

Warte auf das Ende und genieße
Was noch bleibt vor allem Bücher
Weiß nicht ob es das schon war
Genug war es schon lange

Nur um wen ich mich kümmere
Weiß ich immer noch nicht aber
Das wird irgendwann auch egal
Wie die Liebe am Ende aller Tage

jens tuengerthal 22.8.25

Donnerstag, 21. August 2025

Lektürentagebuch 21.8.25

Lektürentagebuch 21.8.25

Auf der Reise ins Paradies mit dem
Bremer Ehepaar Heinrich und Christine Gondela berichtet er aus Serwitz am Morgen des 4.9.1802 von höllischer Nacht

Nachdem sie im Unwetter nach einem
Achsbruch in einer düsteren Kaschemme
Notdürftig Quartier gefunden hatten ergriff
Ihn in der Nacht die große Angst wieder

Mühsam nur schlief er wenige Stunden
Beide wachten ständig beim kleinsten
Geräusch wieder auf und fürchteten sich
Als plötzlich ans Fenster geklopft wurde

Fürchteten beide Gondelas sogleich es
Sei ein Überfall und Heinrich drohte mit
Den Pistolen zu schießen die er nicht hatte
Was den durstigen Gast wieder vertrieb 

Gefühlt jeden Moment wieder erwachend
Verbrachten sie die Stunden im Dunkeln
Bis zur endlich Morgendämmerung die sie
Endlich beruhigt einschlafen ließ 

Um sechs Uhr weckte sie dann der Wirt 
Mit sogar frischem Kaffee zu dem sich 
Heinrich eine gute Pfeife gönnte bald
Kam der Schmied ihren Wagen wieder

Fahrtüchtig zu machen was ihm auch
Tatsächlich noch gelang und so ging
Die Reise nachdem sie viel zu viel
Für das schlechte Quartier bezahlten

Weiter in der Hoffnung es möge nie
Wieder ein Reisender in diesem so
Düsteren Quartier je solche Ängste
Erleiden müssen wie sie in der Nacht

Am Abend des 4. September berichtet
Heinrich aus Podersan das sie in weniger
Als einer Stunde erreichten wo nun der
Wagen wieder instand gesetzt werden soll

Bei wunderbarem Wetter und nach einem
Guten Kaffee mit reichlichem Frühstück 
Machen sich beide mangels Wagen dann
Zu Fuß auf zum Park Schönhofen

Diesen hatten sie loben hören und so
Machen sie sich in der Hitze auf den 
Weg den Berg hinauf wo sie erschöpft
Ankommen erstmal Kaffee und Wein 

Im zum Park gehörigen Wirtshaus 
Genießen vor guter Laune sogar
Im Saal zu tanzen beginnen bis der
Zur Führung bestellte Gärtner kommt

Dieser führt sie durch die ganze wohl
Zauberhaft am Berg gelegene Anlage
Die auch verschiedene Gebäude besitzt
Die sie alle genüsslich besichtigen

Ein wenig lästert Heinrich über die
Neigung alle Parks mit ähnlichen 
Gebäuden gotisch chinesisch wie
Tempel und Meierei zu schmücken

Ist dann aber doch angetan von der
Schönheit dieser würde zu gerne am
Einen oder anderen Ort noch länger
Verweilen doch der Gärtner drängt

Verzaubert von der Blumeninsel am
Ende des Rundgangs verweilen sie
Noch einen Moment und müssen sich
Dann eilen vor Einbruch der Dunkelheit

Wieder in Podersan anzukommen wo
Sie eine sehr reichliche Mahlzeit dann
Mit gutem Wein gut erholt genießen so
Viel hatten sie bekommen dass sie noch

Ihren Diener den guten Hinrich gleich
Mit Essen mitversorgen konnten um
Sich dann mit dem Trost ins Bett zu 
Begeben dass ihr Wagen curiert sei

Herrlich diese gegensätzlichen Erlebnisse
Auf der Reise des Ehepaars Gondela das
Aus der Hölle ins Paradies an einem Tag
Gelangt und es zu genießen dabei weiß


Weiter auf Reisen geht es nun in Wien
Mit Johann Kaspar Riesbecks Briefen
Eines reisenden Franzosen die 1783
Das erste mal noch anonym erschienen

Der 22. Brief beginnt mit einem Bericht
Über die Wiener Polizei die alles was
Schwung und moralische Stärke habe
Unterdrücke und Gedanken zu einer

Philosophie einer guten Polizei die sich
Mit Problemen beschäftige um dafür
Sicherheit zu schaffen und dabei die
Freiheit möglichst wenig beeinträchtigt

Die Polizei solle ihre Richterstühle nicht
Zu Beichtstühlen machen und noch über
Die häusliche Moralität wachen sie soll
Nie eine Inquisition werden gut zu sein

Doch habe die Wiener Polizei eine eigene
Keuschheits Kommission welche bis in die
Häuser die Betten visitierte die noch von
Maria Theresia geschaffen worden war

Der Kaiser ihr Sohn hatte gerade erst
Deren Beschränkung durchgesetzt die
Vorher Nymphen und Spitzel beschäftigten
Die gemeinsam junge Leute ausbeuteten

Dies wurde zwar aufgehoben aber noch
Immer folgen Polizisten den jungen Leuten
Im Prater in die Büsche etwaige Sünder 
Dort in flagranti zu ertappen was Riesbeck

Einfach ekelhaft nennt auch wenn damit
Hurerei und Kindermode begrenzt werden
Sollten die dann zu seltsamen Ehen noch
Gezwungen werden oft Künstler bleiben

Schon Shakespeare habe in einem Stück 
Dessen Name er nicht erinnert einen
Hurenwirt sagen lassen wenn die Polizei
Die Hurerei gänzlich abschaffen wollte

Müsse sie sämtliche Männer kastrieren
Schon damals schien die Wiener Polizei
In diesem Ruf gestanden zu haben doch
Habe der Ehezwang schreckliche Folgen

So blieben die meisten der erzwungenen
Ehen kinderlos weil es ohne Gefühl nie so
Gut klappen wie mit meint Riesbeck auch
Würden die Kinder solcher Ehen die

Gleichgültig füreinander wären oft eher
Selbst auch gefühllos worin er wohl den
Hauptgrund sieht warum die Wiener
So wenig sittliches Gefühl noch hätten 

Mehr als Schimpfen könnten die Wiener
Aus Angst vor der überall Polizei ohnehin
Eher nicht warum es auch selten Duelle
Gäbe aber schimpfen könnten sie gut

Einen Aufstand habe der Hof in Wien
Nicht zu fürchten habe es nie gegeben
In der Geschichte Wiens oder doch 
Zumindest eher sehr wenige wenn

Zum Aufstand sei der Wiener viel zu
Entnervt ist aber auch dafür nicht so
Patriotisch wie die Pariser so sei die 
Subordination die einzige Triebfeder

Weder die Freiheitsliebe der Engländer
Noch das Ehrgefühl der Franzosen
Sei in Wien zu finden womit auch der
Wille zur Verteidigung völlig fehlt

Fast alle kaiserlichen Gärten und Schlösser
Ständen dem Publikum zum Vergnügen 
Offen dazu seien Prater und Augarten
Zu den schönsten Europas geworden 

In Wien herrsche überall Sicherheit wie
Ordnung aber es sei dafür eher langweilig
Lieber hätte er etwas mehr Risiko noch
Wie in London als den hier Gehorsam

Er sieht die geringe Gefahr von Unordnung
Im schwachen Nationalcharakter begründet
Der nichts besonderes mutig beginne im
Nächsten Brief berichte er mehr davon

Diese dem anonymen Franzosen aus
Gründen der Sicherheit vor Zensur
Unterstellten Briefe sind ein schöner
Bericht aus dem vorrevolutionären Land

Sie zeigen Mut zum Widerstand und auch
Klare Kritik an der Obrigkeit die sich durch
Ihr Verhalten noch selber schädige wie
Ein Bewusstsein für fehlende Freiheit

Spannend wäre auch wie heutige Wiener
Die Betrachtung ihres Charakters sehen
Was sie lächeln ließe und was empörte
Enthalte mich hier jeden Urteils lieber


Weiter geht es mit einigen Seiten in 
Georg Forsters Ansichten vom.Niederrhein
Wohin der spätere Mainzer Revolutionär 
Mit Alexander von Humboldt reiste

Über Gerechtigkeit nach dem Recht
Gegen die nach der Natur philosophiert
Georg Forster am Beispiel der Stadt
Lüttich gegen die das Reichsgericht

In Wetzlar wo Goethe einst sein
Referendariat machte ein Urteil fällte
Das die Reichsexekution begründete
Die wiederum das preußische Militär

Durch General von Schlieffen dort
Durchsetzen ließ denn damals noch
Gehörte Lüttich zum Gebiet des bis
1806 bestehenden Deutschen Reichs

Dies war die Vorgeschichte der teils
Schon revolutionären Gedankens die
Forster zu Staat und Identität hier im
Falle von Lüttich noch äußerte

Sie durch zurückblättern wieder in
Erinnerung zu rufen machten den
Zunächst absurden Exkurs klar da es
Um das Recht der Bürger von Lüttich geht

Wie gewagt diese Gedanken wirklich sind
Beurteile ich lieber erst wenn ich dieses
Kapitel zu Ende gelesen habe was
Vielleicht noch etwas dauern könnte

Forster entwickelt gute Gedanken zur
Begründung des Staates in Freiheit
Die deutlich effektiver wären als es
Eine Despotie je sein könnte 

Doch ohne sofortige Erinnerung noch
An den Kontext von Lüttich klangen
Diese zunächst etwas abstrus für mich
Wie teilweise sehr umständlich formuliert

Im Zusammenhang dagegen bleibt sein
Stil zwar immer noch etwas langatmig
Wird aber verständlich und war da
Aktuell und politisch auch brisant 

So bin ich heute über einem der kleinen
Nachteile der wechselnden Lektüre mit
Beschränkter Erinnerung gestolpert aber
Fand den Faden dann doch wieder

Die Ansichten vom Niederrhein die etwa
Lichtenberg sofort hoch lobte und zu der
Sogar Goethe relativ wohlwollend noch
Schrieb waren eine Reise zur Revolution

Der erste Band erschien 1791 bei Cotta
Tarnte hinter dem umständlichen Titel die
Reise in revolutionäres Land wie damit
Die französische Revolution indirekt

jens tuengerthal 21.8.25

Bücherparadies

Bücherparadies

Der Himmel und erfundene Götter
Interessieren mich so wenig wie
Sonst Hokuspokus es je konnten
Genieße lieber was mir noch bleibt

Die schönsten und besten Welten
Waren seit ich lesen konnte immer 
Geistige und damit zuerst jene der
Bücher die mich überallhin brachten 

Früher durchlitt ich auch Qualen um
Bücher zu Ende zu bringen was dem 
Bewohner einer Bibliothek fern liegt
Der greift lieber zum nächsten dann

Geht es mir psychisch schlecht aus
Welch unerfindlichen Gründen auch
Immer ist die Andere Bibliothek stets
Das beste mögliche Medikament

Natürlich nicht jeder meiner bisher
Nur etwas über zweihundert Bände
Aber ich weiß ganz genau was wie 
Wann gut tut wie Montaigne immer

Die großen Reisebände aus dieser
Bibliothek geben mir seltsam genug
Orientierung wenn ich mich mal wieder
In mir selbst völlig verirrt habe

Schaue glücklich auf bunte Rücken
Dankbar immer genug zu lesen hier
Im Paradies der Bücher zu haben dem
Schönsten mir denkbaren Ort dazu

Früher versteckte ich noch verschämt
Die Lesebändchen in jedem Band heute
Lasse ich sie lustvoll freudig hängen um
Sich an aktueller Lektüre zu freuen

Das Paradies auf Erden ist nämlich
Genau der Ort der uns Zufriedenheit
Wie GIück dauerhaft schenken was
Der Bibliothek seit Jahren gelingt

jens tuengerthal 21.8.25

Paradieswahn

Paradieswahn

Die Idee vom Paradies ist ein Wahn
Der eng mit dem Märchen der Schöpfung
Verbunden zu nichts als Unzufriedenheit
Die Menschheit immer führen kann 

Schon die Geschichte von Adam und Eva
Ist ein übel chauvinistisches Märchen das
Nur dem Machterhalt alter Strukturen im
Babylonischen Exil noch diente

Während die unkultivierte Sekte der
Wüstenbewohner immer mehr Mitglieder
An die emanzipierte Stadtreligion verlor
Erfand diese als Ziel das Paradies

Christentum und Islam als Töchter der
Jüdischen Sekte übernehmen diese Idee
Die höchstes menschliches Ziel wurde
Sich im Sprachgebrauch verselbständigte

Wäre ein Paradies wirklich paradiesisch 
Um dort quasi bewusstlos also ohne den
Apfel vom Baum der Erkenntnis schon
Genossen zu haben sorglos zu leben

Wertet die Hoffnung auf ein solches
Jenseitiges Paradies nicht was ist ab 
Verhalten sich die Erben dieses alten
Aberglauben darum so asozial weiter

Gegenüber der Natur die Paradies
Genug uns sein könnte wagten wir
Je im Leben zufrieden noch zu sein
Statt weiter auf ein Jenseits zu hoffen 

Der Planet kann uns gut ernähren
Bietet uns Schutz und ist Heimat 
Genug damit zufrieden zu sein statt
Noch immer mehr zu wollen

Habe nichts außer Büchern die das
Denken der Welt beinhalten also eine
Eigene geistige Welt mir schenken die
Grenzenlos paradiesisch schön ist

Vergesst das himmlische Paradies
Was eine stupid bewusstlose Hölle
Für dumme Narren die nie kritisch
Fragen oder denken immer bleibt

Genießen wir lieber das irdische Paradies
Mit aller Schönheit der Natur voller Lust
Die uns der Aberglaube gern verbietet
Als ginge es im Leben um anderes je

So ist mein vollkommenes Paradies die
Kleine Bibliothek in der ich lustvoll lebe
Gelegentlich den Diwan auch teile was
Mit Lust aneinander Paradies genug ist

Reale Befriedigung miteinander finden
Ist menschlich gut und schön aber alle 
Himmlischen Teile werden irrelevant um
Der Natur im möglichen zu folgen

Überlassen wir das himmlische Paradies
Den Vögeln die hoch hinaus stets wollen
Genießen wir lieber lustvoll unsere Natur
Damit vollkommen zufrieden zu sein

jens tuengerthal 21.8.25