Donnerstag, 28. August 2025

Lektürentagebuch 27.8.25

Lektürentagebuch 27.8.25

In zwei Flaneure in Berlin ist Gerd-Rüdiger
Erdmann weiter auf den Spuren von
Franz Hessel und Walter Benjamin diesmal
Endlich im Romanischen Café unterwegs

Zuvor aber darf unter der Überschrift
Auguste Viktoria Platz Kaiser Wilhelm
Gedächtniskirche Romanisches Café
Noch von Hessel gelästert werden

Über die neoromanische Architektur der
Kirche wie der anderen beiden Bauten des
Architekten dessen Namen er lieber wieder
Vergisst schon aus Stilgefühl schimpft er

Diese bissige Deutlichkeit die sich gegen
Den Wilhelminismus richtet zeigt Hessel 
Sonst nur beim unmöglichen Berliner Dom
Dieser architektonischen Missgeburt

So hätte zu seinen Kinderzeiten noch ein 
Wunderschöner Baum an der Stelle dieses 
Verkehrshindernisses mit dem zu langen
Namen gestanden wie er traurig anmerkt

In ein Flaneur in Berlin berichtet er in dem
Kapitel Rundfahrt Berlin wie der Führer der
Bustour die Kathedrale als eine der wohl
Schönsten Kirchen Deutschland vorstellt

Daraufhin wird er lieber ganz bescheiden
Freut sich an der rettenden Terrasse des
Romanischen Cafés beschreibt noch das
Innere der Kirche und geht dann ins Café 

Dort traf er Freunde wie überhaupt nach
Dem Krieg die kulturelle Bohéme dort
Verkehrte von Malern über Dichter auch
Mascha Kaleko schrieb dort einiges

Nun kommt ein wenig Namedropping
Der berühmten Künstler dort was alle
Leicht in entsprechenden Artikeln über
Diese Institution nachlesen können

Über die Inneneinrichtung dieses so
Berühmten Cafés mit dem schlechten
Essen lästert Günther Birkenfeld als
Zeitgenosse wunderschön bissig 

So ergänze sich in den farblos frostigen
Räumen des Café Größenwahn die
Architektonische Abscheulichkeit mit
Der kulinarischen Geschmacklosigkeit

Beide könnten es mit jedem Wartesaal
Preußischer Bahnhöfe aufnehmen was
Den ästhetischen Gesichtspunkt betrifft
Der heute allerdings längst Geschichte ist

Das Lokal war dabei viergeteilt es gab
Ein Bassin für Schwimmer mit den 
Bereits bekannten arrivierten Personen
Wie ein Bassin für Nichtschwimmer

Dort verkehrten die hoffnungsvollen
Jungen Talente wie die Galerie wo die
Spieltische standen und schließlich noch
Eine Außenterrasse auch für Touristen

Der Fußboden sei mit Arche und Kippen
Übersät während es im Schwannecke
Lauschige Ecken und Teppiche gab
Wurde im Romanischen Café gearbeitet

Neben den berühmten Malern der Zeit
Verkehrten dort die Cassirer Brüder 
Erich Mühsam Joseph Roth und auch
Hessel und Benjamin natürlich

Das Gebäude stand früher noch am 
Kurfürstendamm 26 wurde nach dem
Krieg durch das Europa Center ersetzt
Was die Hässlichkeit noch steigerte

Walter Benjamin schreibt über das
Café das einst der Bohéme gehörte
Es habe seinen bürgerlichen Schrecken
Inzwischen verloren sei nun Geschichte 

Das Café Größenwahn sei dafür das
Café der Westens an der Ecke von 
Kurfürstendamm und Joachimsthaler
Was heute alles Geschichte wurde

Das zeitweise noch so wunderbare
Café im Literaturhaus im Garten
Wie im Erdgeschoss dort in der
Fasanenstraße wurde inzwischen

An die leicht autoritären Damen 
Osteuropäischer Herkunft die dort
Erledigen was früher Bedienung war
Kampflos übergeben ist Geschichte

So klagt Benjamin im Romanischen
Café stünden nun Bänker und Börsianer
Im Vordergrund womit die Bohéme dort
Auch schon wieder Geschichte sei

So sind viele kulturell spannende Orte
Berlins wenn sie erst bekannt werden 
Schon wieder Geschichte weil dann
Das Vergnügen den Geist ersetzt

Dann kommt das Party Publikum mit
Geld was den Geist ersetzt dafür den
Koks Konsum in die Höhe treibt was
Wieder viele schicke Leute anzieht

Walter Benjamin ging auch gerne
Ins Prinzeß Café was an der Ecke
Kurfürstendamm Joachimsthaler war
Wovon er in der Berliner Chronik erzählt


Über Helen Hessel in der Zeit nach dem
Februar 1933 schreibt Milena Ganeva
Sehr einfühlsam und kenntnisreich wie
Sie ihre Sorgen schon in einem Brief

Vom 1. Februar 1933 an Henri Pierre 
Roché ausdrückte zunächst aber auch
Unter dem Schutz von Friedrich Sieburg
Weiter für die Frankfurter Zeitung schrieb 

Sieburg war damals Paris Korrespondent
Der Frankfurter Zeitung die als eines der
Letzten liberalen Blätter noch seinem Kurs
Wenn auch immer vorsichtiger fortsetzte

Sie entwickelte auch anlässlich eines
Vortrages vor jungen Studentinnen der
Mode in München ihre Philosophie in
Dem Essay vom Wesen der Mode weiter 

Französinnen behielten ihre Weiblichkeit 
Aber spielten mit der Mode auch um ihre
Macht über die Männer mit Lust zu
Behalten was ihr persönlich nahe lag

Nach dem zweiten Vortrag in München 
Über die Beziehung der Frau zu ihrer
Erscheinung hetzte ein Blatt der SS über
Sie und machte sie damit unmöglich

Nach 1936 musste sie sich zum zweiten
Mal von Franz Hessel scheiden lassen
Schrieb noch eine zeitlang für die FZ
Was später Sieburgs Frau übernahm 

Nachdem sie am 9. November 1938 in 
Berlin die Pogromnacht miterlebte
Stellte sie alle journalistische Arbeit ein
Wollte mit ihrer Familie nach Südfrankreich

Die Lektüre über Helen Hessel war ein
Guter Grund Friedrich Sieburg wieder
Zu lesen und sich inspirieren zu lassen
Von jenem großen literarischen Autor

Helen Hessel bleibt eine faszinierend
Spannende Frau die ihrer Zeit weit
Voraus schnell die geistige Enge des
Nationalsozialismus erkannte und floh

Erst 1938 konnte sie Franz Hessel
Von der nötigen Flucht überzeugen
Um ihn dann nochmal zu heiraten
Bei ihm blieb bis er 1941 starb

Gemeinsam mit vielen anderen
Flüchtlingen aus dem literarischen
Deutschland leben sie in Sanary-sur-
Mer unter schwierigen Bedingungen

jens tuengerthal 27.8.25

Mittwoch, 27. August 2025

Treueeid

Treueeid

Was sind Treueeide je wert fragt sich
Wer an die Liebe denkt schnell wo 
Viele noch immer Sex und Gefühl
Verwechseln statt sie zu trennen

Gilt für die Eide gegenüber dem Staat
Nicht das gleiche wie für das Gefühl
Hängt nicht alles am Zusammenhalt
Der sich mit der Zeit halt verändert

Voll wären unsere Gefängnisse alle
Büßten dort wegen Meineid jene die
Auf verlorene Liebe einst schworen 
Was zum Glück keinen mehr interessiert 

War und bin gefühlt all meinen Lieben
Wie den sonstigen Versprechen treu
Geblieben ein Leben lang nur eben
Geistig was ja zählt nicht körperlich

Der Übergang vom Geist zum Körper
Ist immer eine gefährliche Balance die
Denen ohne geistige Welten dabei 
Ganz besonders schwer noch fällt

Die Treue etwa der Staatsdiener auf
Welche Beamte ihren Eid schwören
Ist ein besonders inniges Verhältnis
Doch kommt es auf Gefühl dabei nie an

Denke ich an die zahlreichen einst
Treueschwüre junger Liebster wie
Das eigene Verhalten infolge wären 
Alle wegen Meineid wohl strafbar

Warum sollte uns die Pflicht gegenüber 
Dem Staat je näher stehen als das ganz
Große Gefühl denke ich und finde alle
Öffentlichen Eide verglichen lächerlich

Solche leistet auch die Bundeswehr gern 
Die damit ihre demokratische Bindung
Vorführt und ihr Ansehen als Bürgerwehr
In der Bevölkerung festigen möchte

Was ist ein Treueeid wert der mich noch
Dazu verpflichten möchte mein Leben
Unter Befehl zu riskieren überlege ich
Halte Soldateneide für nie bindend

Dies weil keiner verpflichtet werden kann
Sein Leben für andere oder überhaupt je
Zu riskieren auch wenn die Alternative
Noch weniger verlockend dabei ist

Es bleibt mit dem Eid wie mit der Treue
Im Staat wie ganz privat schwierig sie
Scheint auch Gefühlssache zu sein
Die dafür dann hart bestraft werden kann

jens tuengerthal 27.8.25

Pflichtgefühl

Pflichtgefühl

Gerade wird wieder der Wehrdienst
Als Verpflichtung für alle oder doch 
Nur für Männer dann lieber vielleicht
Freiwillig diskutiert in der Gesellschaft

Wer kann wen wozu verpflichten
Darf ein Staat seine Bürger zum
Gehorsam verpflichten oder nie
Weil sie dann nicht mehr frei sind

Ist die Pflicht ein objektiver Tatbestand
Etwas das normiert werden kann oder
Geht es dabei immer um ein Gefühl
Geht jede Normierung damit fehl

Der Wahlspruch meines Großvaters war

Ich träumte das Leben wäre Freude 
Erwachte und sah es war Pflicht 
Dann lebte ich und die Pflicht ward Freude

Damit und mit dem Geist der preußischen
Kadettenanstalt Lichterfelde wie zugleich
Der endlosen Liebe der Großmutter wuchs
Der Knabe zu so etwas wie Mann heran

Wollte der Familie Ehre bringen also
Beruflich erfolgreich werden natürlich
Kinder zeugen und die Familie erhalten
Irgendwann wenn es soweit wäre

Dann passierte das mit dem Kind einfach
Eher ungeplant aber wurde perfekt was
Ein Glückstreffer damit war nur mein Weg
Musste noch viele Umwege gehen

Künstler zu sein und die Welt nur in
Verse zu fassen und Geschichten
Die mal waren zu erzählen war die
Begabung zu der ich verdammt war

Das passte nirgendwo rein und ich
Wollte so unangepasst nichts richtiges
In der ehrwürdigen Familie nie sein
Doch manches kommt wie es will

War es Pflichtgefühl das mich trieb
Welche Norm lag dem zugrunde
Kann ein Gefühl je für alle gelten
Was bleibt von Preußen ohne

Dazu sagte Friedrich August von
Der Marwitz ein General Friedrichs
Der sich weigerte die ihm vom König
Geschenkte Hubertusburg zu plündern

Denkwürdige Sätze die sein Neffe
Sodann auf sein Grab meißeln ließ:

“Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in all seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte.“

War dieses Ehrgefühl das gute Preußen
Das es noch zu erinnern gilt wie die vielen
Kadettenkameraden des Großvaters die
Später im Widerstand sich fanden wie er

Oder die Mehrheit vermutlich davon die
Es lange noch mit dem auch Lichterfelder 
Kadetten Göring lieber hielt was sie dann 
Einen Gehorsam nach Ehre nannten 

Heute ehrt die Bundeswehr selbst den
Widerstand der gegen ihre Prinzipien 
Systematisch verstieß weil Gehorsam
Verbrecher noch an der Macht hielt

Könnte Geschichte auch anders enden
Sind am Ende nur die Sieger die Guten
Was machen wir mit Putin dabei den
Manche Russen für ihren Retter halten

Wie scheidet das Pflichtgefühl jemals
Gut von böse gibt es einen Maßstab
Dafür der immer gültig ist oder zeigt
Die Zeit wie alles nur relativ gilt

Dürfen Soldaten widerstehen die den
Eid auf strengen Gehorsam legen
Wo die Pflicht über dem Leben steht
Was sie befehlsgemäß riskieren müssen

Kann das Pflichtgefühl also eine nur
Emotion objektive Regeln brechen
Die dafür den Unrechtsstaat tragen 
Wo wird Widerstand zur Pflicht

Ob das gilt sobald Recht zu Unrecht wird
Wie nicht der mittelmäßige Dichter Brecht
Einst meinte sondern Papst Leo XIII. der
Dabei ein Gerechtigkeitsempfinden traf

Sollten totalitäre Politiker von Putin bis
Trump die AfD nicht zu vergessen so
Schnell und effektiv erledigt werden
Oder löst Mord niemals Probleme

Wann drängt mich mein eigenes 
Pflichtgefühl in den Widerstand um
Freiheit und Demokratie zu retten 
Kann Gefühl so etwas entscheiden

Würde damit am Ende allein Gefühl
Über Leben oder Tod entscheiden
Darf solcher Relativismus je sein
Was aber gilt wenn das nicht mehr

Viele Fragen bleiben wohl offen
Ist es unsere Pflicht diese zu klären
Bleibt es Gefühlssache über die
Keiner je absolut entscheiden kann

jens tuengerthal 27.8.25

Verliebt

Verliebt

Ist verliebt etwas
Mehr oder weniger von
Echter Liebe schon

jens tuengerthal 27.8.25

Pflichtverteidigung

Pflichtverteidigung

Freiwillige Pflicht
Zur Landesverteidigung
Klingt seltsam ungar

jens tuengerthal 27.8.25

Teebeginn

Teebeginn

Tage beginnen
Teetrunken doppelt besser
Gewärmt wie erfüllt

jens tuengerthal 27.8.25

Lektürentagebuch 26.8.25

Lektürentagebuch 26.8.25

In den Buddenbrooks trifft Tony unerwartet
Herrn Grünlich auf der Straße der gerade
Ihre Mutter besucht hat und fertigt diesen
Mit einer sehr spitzen Bemerkung ab 

Auch bei seinem Besuch zum Kalbsbraten
Nächsten Samstag behandelt sie ihn eher 
Kühl wie als er ihrer Mutter Scott vorlas
Und sie sich in eine andere Ecke setzte 

Acht Tage nach dessen endlich Abreise 
Zu seinen überaus regen Geschäften 
Erwarteten Vater und Mutter sie beim
Frühstück als sie gegen neun Uhr kam

Das war außergewöhnlich da der Konsul
Um diese Zeit sonst längst im Kontor war 
Dunkel schwante der jungen Frau schon
Das nun irgendwas für sie bevorstand 

Tatsächlich hatte Herr Grünlich den sie
Überhaupt nicht ausstehen konnte um
Ihre Hand bei ihrem Vater angehalten
Beide Eltern sprachen gut von ihm

Tony bricht in Tränen aus dass könne
Doch nach allem gar nicht sein sie hätte 
Ihm doch deutlich ihren Unwillen gezeigt
Das sei alles völlig unmöglich für sie

Nach besänftigenden Worten ihres Vaters
Der meint ein so junges Mädchen könne 
Kaum die Tragweite einer solch großen
Sache schon erkennen beruhigt sie sich

Als der Konsul im Kontor ist erinnert die
Konsulin Tony daran dass es auch ihre
Pflicht als Tochter des Hauses wäre eine
Sich bietende Partie ernsthaft zu prüfen

Sie müsse nicht gleich verliebt sein
Manches wachse erst mit der Zeit
Sie wollten noch alles offen lassen
Aber sie sollte an ihre Pflicht denken

Sehr fein beschreibt Thomas Mann hier
Wie Heiraten in großen Familien noch
Eher eine Frage der Pflicht und Ordnung
Waren als der ganz großen Gefühle

Wie Tony durch die Mahnung an ihre
Rolle als Tochter Buddenbrook wie die
Ehre einer guten Partie umgestimmt
Werden soll ganz egal was sie fühlt

Ist das schon eine milde Form der
Zwangsheirat bei der die Eltern der
Noch minderjährigen Frau für diese
Entscheiden oder einfach normal

Sicher wurden vieler Ehen früher
Genau so geschlossen wobei der
Milde moralische Druck es noch
Schwerer für die Beteiligten macht

Geht es doch weniger um Liebe dabei
Als darum eine gute Partie zu machen
Die das gewohnte Leben ermöglicht
Der Rest finde sich dabei schon noch

Vieles davon scheint uns heute eher
Absurd doch denke ich zurück an meine
Erste Verlobung mit einer Dame von Stand 
Waren die Riten nicht unähnlich dabei

Wir wurden gefragt und redeten mit
Aber die Feierlichkeiten richteten die
Beiden Familie aus wobei wir uns noch
Gerade die Hochzeit lieber ersparten

Es wäre eine sehr guter Partie gewesen
Da spielen Gefühle eine Nebenrolle nur 
Die aber sogar auch irgendwie da waren
Schon seltsam die Ehe denke ich heute


In Joseph und seine Brüder unterhält sich
Joseph weiter mit Mut und erzählt ihr von
Seinen Sorgen mit der Landwirtschaft wie
Sie es ihm so auch vorgeschlagen hatte

Dabei erörtert er fachliche Fragen der
Pflanzung bestimmter Sorten und die
Dabei Risiken während sie eigentlich
Nur daran denkt wie sehr sie ihn will

Dies ist mit der typischen distanzierten
Komik von Thomas Mann beschrieben
Die über irgendwelche Details schreibt
Während der innere Kern schon kocht

Kaum konnte Mut dabei ruhig stehen
Wollte Weg von ihm und zugleich ihm
Ganz nah sein der alte Widerstreit der
Verliebten die Nähe suchen und fliehen

Dies sei so alt wie die Lügenrede von
Ehrlichen Dingen mit unehrlichen Augen
Wie sie hofft er möge doch merken dass
Sie ganz anderes fühlte als sie sagte

Zugleich aber auch hofft nicht gleich
Beim Lügen erkannt zu werden sich 
Dafür vor sich schämt und überzeugt
Dabei ist er müsse alles bemerken

Die riesigen Welten in ihr müssten 
Doch jedem mit Verstand auffallen
So weiche Knie wie sie ihr machen
Können sie nicht unbemerkt bleiben 

So wendet sie sich innerlich schon
Völlig aufgewühlt wieder an ihn 
Sie müsse nun da bebend vor Kälte
Aufgrund der Uhrzeit ins Haus begeben

Diese Lüge sollte ihr Beben das doch
Nicht unsichtbar geblieben sein konnte 
Mit einem Frösteln tarnen und war so
Ehrlich wie unehrlich zu gleicher Zeit

Sie floh vor ihm als sie schon ihre Rolle
Als Herrin verloren hatte vor sich in das
Sklaven Du verfallen war mit mürben Knien
Wie Thomas Mann es feinfühlig beschreibt

Im Selbstgespräch von dem ihre beiden
Zofen doch einiges noch hören konnten 
Rechnet sie streng mit sich ab und leitet 
Wie nur Verliebte leiden können an sich

Bereut laut jeden ihrer Fehler die ihr die
Völlig ahnungslos in der Landwirtschaft
Eigentlich war unverzeihlich zugleich
Vorkommen und will doch nur eines

Noch tarnt sie es vor sich als mütterliche
Liebe die wäre sie ehrlich längst ihn als
Mann begehrt den sie tief in sich spüren
Will und doch seine Herrin noch bleibt

So sehen wir fein beschrieben die großen
Inneren Kämpfe die Mut die eigentlich nur
Gutes für Joseph wollte durchleidet wie sie
Kopflos verliebt sich völlig nun verliert 

Lange hatte sie es verhindern wollen
Den ehemaligen Sklaven noch mit
Intrigen vom Hof treiben wollen nun
War sie Joseph völlig verfallen 

Hoch emotional beschreibt Thomas Mann
Die nur kurze lapidare Stelle aus der
Biblischen Legende und macht so die
Unausweichliche Situation verständlich

Hätte es auch anders kommen können
Versuchte Mut nicht alles vorher noch
Die Situation und sich zu retten bis seine 
Gegenwart sie völlig hilflos machte

Ist sie so noch Täterin der Rache
Oder nur ein Opfer der Gefühle die 
Der schöne Knabe leichtfertig reizte
Wiederholt er nur was am Brunnen war


Nach dem hoch emotionalen Autor
Thomas Mann wendete ich mich noch
Einmal dem Menschen Thomas Mann
In Tilmann Lahmes Biografie zu

Im zweiten Teil der den bezeichnenden
Titel die Hunde im Souterrain trägt geht
Es hier um die Zeit von 1894 bis 1896
Beginnend mit einem Bombenerfolg

Vor dem Bombenerfolg seiner ersten
Gedruckten Erzählung die dazu seiner
Eitelkeit schmeichelt liegt noch nach
Dem Mühsamen Abschluss der Schule

Die vier Monate als Auszubildender bei
Der Münchner Feuerversicherung die
Mann schon im August wieder abbricht
Was mach Lübeck noch gemeldet wird

Doch Mutter Julia lässt ihren beiden
Begabten Söhnen die Freiheit um sich
Als Schriftsteller zu entwickeln wofür
Jeder etwa 1500 Euro monatlich hatte

Thomas Mann mietet sich wohl noch
Wechselnde möblierte Zimmer im schon
Da bei Künstlern sehr beliebten Schwabing
Und schrieb die Erzählung Gefallen

Diese einem Entwurf von Heinrich noch
Entnommene Erzählung um die Liebe
Eines Studenten zu einer Schauspielerin
Wird gedruckt und findet ein Echo

Sogar Richard Dehmel schrieb Mann
Lobte die Erzählung und kritisierte nur 
Vorsichtig lud ihn als Autor zu seiner
Neuen Zeitschrift PAN ein

Über diesen Erfolg schreibt er erfreut 
Sowohl dem Bruder wie seiner noch
Jugendliebe aus Lübeck Otto dabei
Die auch Kritik Dehmels ignorierend

Später veröffentlichte er Gefallen nie
Wieder nannte sie noch ein peinliches
Jugendwerk zunächst aber genoss er
Den Ruhm in der Bibliothek als Autor 

Für die Geschichte nutzte er auch ein
Eigenes Erlebnis bei dem er einer 
Schauspielerin schrieb die er bewunderte 
Sie um ein kleines Rendezvous bat 

Diese Erfahrung taucht auch später
Noch in den Buddenbrooks auf und
Kennt jeder schmachtende Jüngling
Mehr wollte ich dazu nie wissen

Tilmann Lahme schreibt gut und
Dabei auch packend doch bleibt
Beim Leser das Gefühl von bloßem
Boulevard der Skandale nur sucht 

Lieber lese ich mehr Mann als 
Seine am Zeitgeist orientierten 
Exegeten die dabei eher nerven 
Wenn sie erregt im Dreck wühlen 

Lahme kann schreiben und hat
Ohne Frage viele Details fein
Recherchiert und neu interpretiert 
Aber will ich so etwas wissen

Schätze werkorientierte Biografien
Wie der wunderbare Borchmeyer
Doch Yello Presse lese ich auch
Sonst nie bleibt halt schmuddelig

jens tuengerthal 27.8.25

Dienstag, 26. August 2025

Geistesrevolution

Geistesrevolution

Touristen sind längst überall
Überschwemmen die ganze Welt in
Scharen die dabei alles zerstören und
Halten dies kranke Treiben für normal

Es braucht eine Geistesrevolution um
Die verblödende Menschheit wieder
Von der Sucht des Reisens zu befreien
Die uns allein in den Untergang führt

Längst können wir mit allen Orten der
Welt leicht kommunizieren müssen
Nirgendwo mehr hin um es zu erleben 
Was vorher schon viele beschrieben

Wer noch meint das zu müssen
Dem mangelt es deutlich an Phantasie
Offenbart also nur eigene Schwächen
Wie vor allem fehlenden Geist dazu

Habe genug Bücher von Weltumseglern da
Die teilweise wie Forster und Chamisso
Großartige Autoren auch noch waren
Keiner braucht meinen Senf noch dazu

Niemand muss mehr irgendwo hin wie
Mit jeder Reise die Welt weiter zerstören
Wer es tut offenbart nur eigene Mängel
Und zeigt sich asozial verantwortungslos

Hört auf die verblödende Menschheit
Weiter mit Bildern zu berieseln die das
Selbständige Denken und die Phantasie
Bei vielen vollständig bereits ersetzen

Gebt ihnen lieber Bücher in die Hand
Von mir aus auch digital was künftig
Bibliotheken viel leichter macht aber
Lesen nicht hören oder sehen

Beides verblödet nur immer weiter
Nimmt den Menschen ihre Verantwortung
Selbständig und kritisch zu denken sie
Plappern Meinungen nach anstatt

Es könnten das Wahlrecht wie andere
Privilegien der Mitwirkung im Staat an 
Die Lektüre bestimmter Bücher auch
Gebunden werden Vernunft zu stärken

Die wichtigsten Werke können leicht für
Alle kostenlos digital angeboten werden
Sind längst dort zu finden warum auch
Niemand mehr irgendwo hin muss

Stattdessen könnte künftig wieder der
Intellekt wie Belesenheit über Teilnahme
Am Diskurs entscheiden statt die bloße
Parteilichkeit oder Würstchenverzehr

So wurde Preußen groß als es einen 
Philosophen als König hatte der selbst
Mit Dichtern und Philosophen sich viel
Lieber unterhielt als mit Ministern

Deutschland hatte endlich wieder einen 
Philosophen als Minister und hätte ihn 
Zum klugen Kanzler haben können statt 
Einem rassistischen Flieger nur jetzt

Es braucht eine geistige Revolution
Die unserer Bibliotheken wieder zu
Tempeln der Vernunft und Aufklärung
Macht zukunftsfähig noch zu werden 

Wagen wir endlich den Aufbruch in
Geistige Welten alleine zu reisen statt
Wie Idioten noch durch die Welt zu rennen
In der Forster und Humboldt schon waren 

Die Zukunft der Welt wie gerade in
Deutschland ist geistig oder hat keine
Wer sich weiter zum Idioten macht soll
Auch als solcher bezeichnet werden

Wer die Welt erforschen will lese darüber
Die mitgestalten wollen sollen lesen was
Andere vor ihnen schon dazu schrieben 
Auch in der Liebe hilft die Literatur

Wir haben längst genug gute Literatur
Die Menschheit weit über hundert Jahre
Friedlich beschäftigen zu können und so
Alt wird ohnehin kaum einer werden

jens tuengerthal 26.8.25

Schrumpfwachstum

Schrumpfwachstum

Die Automobilindustrie plant Entlassungen
Auch die Zulieferer müssen kürzer treten
Das kostet viele Arbeitsplätze und wird 
Das Bruttosozialprodukt schrumpfen lassen 

Der Kanzler der es effektiv nicht kann 
Erntet die Quittung falscher Politik aber
Setzt weiter auf Wachstum wie einen 
Logisch asozialen Sparkurs dabei

Das Wachstum von KI wird viele der
Heutigen Arbeitsplätze künftig ersetzen
Es werden immer Menschen ökonomisch
Betrachtet damit langfristig überflüssig

Darauf braucht es politische Antworten
Die einer weiteren Radikalisierung mit
Stärkung einer gebildeten Mitte dabei
Nachhaltig und effektiv vorbeugen

Betrachten wir den Klimawandel den
Nun alle lieber totschweigen um der
Schwachen Wirtschaft nicht zu schaden
Müssen wir rasant weniger werden

Für eine aussichtsreiche Zukunft
Braucht es Wachstum nur noch
Bei Wäldern und erneuerbarer Energie 
Hier gilt es nachhaltig zu investieren

Die USA schaden sich gerade selbst
Welch ein Wettbewerbsvorteil für Europa 
Russland verbrennt derweil seine Zukunft
Die Zukunft ist nur postnational erfolgreich

Wer vorausschauend und intelligent
Investiert setzt auf diese Zukunft statt
Nach Öl weiter bohren zu wollen lieber
Den Sozialstaat effektiv umzubauen

Wie schaffe ich inneren Zusammenhalt
Aus einer starken Mitte ohne dabei die
Radikalen Kräfte am Rand zu stärken
Also das Gegenteil der CDU Politik 

Beachte ich dass Grenzkontrollen in
Nachbarländer für jeden Flüchtling
Ein Vielfaches kosten wird der Irrsinn
Falscher Politik der Angst deutlich 

Es wird in äußere Kontrollen investiert
Dafür ist im Inneren weniger übrig
Was effektiv die Unsicherheit erhöht
So führt die CSU uns in die Krise 

Das erhoffte Wirtschaftswachstum soll
Durch Milliarden an Schulden als eine
Kurzfristige Luftblase geschaffen werden
Für die unsere Enkel bezahlen sollen

Damit diese noch gut leben können
Müssen wir dringend weniger werden
Weg mit dem Kindergeld als falsche
Förderung zur Unzeit wäre dringend

Kinder werden damit teurer Luxus
Den sich lieber keiner mehr leistet 
Noch dazu anstrengend und vom
Guten Leben unnötig ablenkend

Investitionen in effektive Konzentration
Statt eine aussterbende Industrie wie
Automobil die den elektrischen Anschluss 
Dazu immer noch zu sehr verpasst hat

Energieproduktion durch körperliche
Bewegung und Speicherung endlich
Durch Druckluft löste die Probleme
Die wir uns dazu selber schaffen

Für weniger Menschen was bleibt
Besser und bequemer zu machen 
Wird die Aufgabe der Zukunft über
Die Bildung und Intelligenz entscheiden

Der Mut zum Schrumpfwachstum ist
Der erste Schritt in eine bessere Zukunft
Nichts davon plant diese Bundesregierung
Die an falschen alten Rezepten fest hält

Auch sozialpolitisch ist keine Wende
Bisher in Sicht stattdessen wird weiter
In tote Systeme der Rente ohne jede
Zukunft noch weiter Geld versenkt

Nachhaltig kann nur sein was nun
Wo alles der Erde zuviel war endlich
Weniger wird statt auf mehr noch
Weiter verlogene Hoffnung zu setzen

Konzentration und schnelles effektives
Schrumpfen als Teil globaler Gesundung
Ist die einzig nun noch nötige Politik
Wachsen dürfen nur noch die Wälder

Dies ist keine grüne Träumerei sondern
Die einzig vernünftige Reaktion auf die
Realen natürlichen Bedingungen denen 
Es sich einfach anzupassen gilt 

Nur wer weniger wird und schrumpft
Wie dies vernünftig effektiv tut hat noch
Eine Zukunft in Zeiten des Klimawandel
Wer es zuerst begreift wird gewinnen

Dabei geht es nicht mehr um bloß
Nationale Lösungen sondern sind
Globale Antworten gefragt die eine
Dauerhafte Kooperation bringen 

Hier ist Europa auf dem richtigen Weg
Die USA unter Trump verirren sich in
Längst erledigter Vergangenheit was 
Ihre Zukunft mit Sicherheit verspielt

jens tuengerthal 26.8.25

Liebesrealität

Liebesrealität

Liebe verendet
Gerne in Beziehungen 
Großes Glück genannt

jens tuengerthal 26.8.25

Wirklichkeiten

Wirklichkeiten

Ist die Wirklichkeit
Immer Singular oder 
Gibt es ganz viele

jens tuengerthal 26.8.25

Sonnenscheinbar

Sonnenscheinbar

Sonnenschein zeigt mir
Wie schmutzig meine Scheiben
Scheinbar wieder sind 

Vorhänge schließen
Verdeckt effektiver als
Putzen je wäre

jens tuengerthal 26.8.25

Pastapsychologie

Pastapsychologie

Spaghetti mit Tomatensauce machen mich
So glücklich wie als Kind schon immer
Kenne keine Drogen oder Medikamente
Die besser wirkten als Pasta mit Tomaten

Die Neigung zu Depressionen wie
Selbstzweifeln wächst konvergent 
Zum Mangel an Pasta in mir wie
Umgekehrt genug davon heilen 

Den Bauch voller Pasta mit genug
Rotwein da genügen eineinhalb Gläser
Lichtet sich auch der dichteste Nebel
Für ein glückliches Spaghettisatt Strahlen 

Möchte nicht ergründen warum das so ist
Es genügt damit glücklich zu sein wie
Sich diese einfache Problemlösung
Jederzeit noch leisten zu können

Leben ist endlich und mit zunehmendem
Alter wird das Ende täglich attraktiver
Wie schön aber wird was bleibt mit
Genug Pasta für drei Tage dann

Am Leben zu zweifeln wie auch immer
Wieder daran fast zu verzweifeln 
Gibt es gerade im Moment wieder
Gründe genug dagegen hilft Pasta

Freue mich darüber und lasse es
Ohne analytisch Gründe zu suchen
Einfach so stehen genieße bloß die
Pasta und schlafe selig danach ein

jens tuengerthal 26.8.25

Montag, 25. August 2025

Lektürentagebuch 25.8.25

Lektürentagebuch 25.8.25

Weiter mit Michel de Montaigne der im
Essay über die Ablenkung nun von den 
Ärzten erzählt die einen Katarrh den sie
Nicht austreiben können einfach ableiten

Er hätte zudem festgestellt dass dies auch
Das vorherrschende Verfahren sei bei der
Behandlung psychischer Krankheiten die
Montaigne noch fälschlich seelisch nennt 

Aber auch Lukrez und Epikur sprechen
Noch von der Seele dieser sklavischen
Erfindung des Aberglaubens die es in 
Der Natur nachweisbar nirgendwo gibt

Dieser trotz seiner fatalen Wirkung
Noch immer gängige Begriff sollte
Dringend kritisch hinterfragt werden
Da seine Wirkung immer fatal ist

Aber was sollen hier arme Poeten
Noch gegen Gewohnheiten aller
Anschreiben die lieber weiter noch
Unaufgeklärt an ihrer Seele leiden

Zu sagen es gibt diese nirgendwo
In der Natur die doch alles sei ist
Sehr vernünftig zwar aber was hilft
Vernunft jemals beim Aberglauben 

Das kranke Gemüt müsse zuweilen
Durch einen geistigen Ortswechsel 
Aus den es fesselnden Umständen
Entschieden gerissen werden

Darum lassen die Ärzte die Psyche
Den Kampf mit dem Übel nicht direkt
Aufnehmen sondern wählen lieber
Das Ausweichen oder Wegducken

Alleine Männer von höchstem Rang
Vermögen es sich mit dem Übel ganz
Unmittelbar zu befassen wie Sokrates
Der dem Tod spottend entgegen ging

Dagegen hätten die Schüler des Hegesias
Die sich scharenweise verhungerten ein
Höheres Sein danach im Auge gehabt
Wie es bei solchen Sekten üblich ist

Auch würde man denen die einen 
Abgrund überqueren müssten raten
Die Augen zu schließen oder abzuwenden
Wie Täter vor der Hinrichtung Gott anrufen

Wer im Kampf fällt mache sich auch
In diesem Augenblick keine Gedanken
Über den Tod wofür Montaigne noch
Das Beispiel eines Mannes bringt

Im Augenblick des Todes klammerten
Wir uns an die Hoffnung auf ein besseres
Leben im Jenseits meint Montaigne was
Eine sehr gewagte These mir scheint

Hoffe ich werde auch sterbend noch
Frei von diesem Unsinn bleiben wie 
Nicht auf Rache an den Schuldigen
Hoffen sondern ruhig gelassen gehen 

Xenophon riss sich als er vom Tod seines
Sohnes erfuhr den Kranz vom Kopf aber 
Setzte ihn gleich wieder auf als er erfuhr 
Wie tapfer dieser im Kampfe fiel 

Auch Epikur tröstete sich als das Ende
Nahte mit der Nützlichkeit wie auch
Unvergänglichkeit seiner Schriften so
Sei Mühe für Ruhm leicht zu ertragen

Wie sehr er sich täuschte weil es die
Christlichen Sekten schafften ihn fast
Vollständig vergessen zu laden ist
Ein anderes trauriges Kapitel

Der große Zenon argumentierte dass
Kein Übel ehrwürdig sei der Tod es 
Jedoch sei warum er kein Übel sei 
Was sich logisch ins Knie schießt

Doch freut sich Montaigne dass auch
Große Geister im Angesicht des Todes 
Manche Dummheit von sich geben wie 
Damit seinesgleichen nicht abschüttelten

Rache sei süß und eine uns von der Natur
Eingepflanzte Leidenschaft warum er dem 
Jungen Fürsten den er neulich beriet nicht
Von dieser Arbeit oder gar noch die

Vorstellung von Vergebung nach der
Bergpredigt vorschlug sondern lieber
Ihm die Ehre schmackhaft machte die
Vergebung ihm bringen könnte 

Wo in der Liebe die Leidenschaft zu
Mächtig wird sollten wir sie aufteilen 
Was Montaigne für einen guten Rat hält
Damit nicht eine Lust euch beherrscht

Hierzu zitiert er wieder passend Verse: 

Wenn Samen klopft  im Glied das Blut 
Spritzt irgendeinem Leib ein das kühlte
Wo gerade einmal nötig uns die Glut 

Auch sollte sich keiner einer Lust allein
Unterwerfen Stunden besser ablenken 
Wofür Montaigne wieder feine Verse
Sogleich noch zu zitieren weiß

Die alten Wunden durch neue überwunden! 
Im Streunen hast du Venus bald gefunden

Selbst von einem heftigen Schmerz einmal
Ergriffen der ihn beinahe tötete beschloss
Er sich zur Ablenkung zu verlieben was
Ihn über den Verlust des Freundes tröstete

So tauscht er wie er berichtet zu gerne
Einen quälenden Gedanken gegen Lust
Was leichter ist als die Qual zu bändigen
Es täte jede Verdrängung ihm wohl

Durch ihre Unbeständigkeit täte die
Natur uns so wohl und erleichterte 
Worauf die Zeit zur besten Ärztin wird 
Durch ihre Fähigkeit zur Ablenkung

Montaigne erzählt von Alkibiades der
Die Gerüchte über sich in eine andere
Richtung lenken wollte schnitt er seinem 
Schönen Hund Ohren und Schwanz ab 

So jagte er ihn auf den Marktplatz damit
Die Leute darüber klatschen könnten ihn
Im übrigen aber in Ruhe lieber ließen wie
Manche Frauen echte Geliebte hinter den 

Falschen zu verstecken wussten um so
Die Gerüchte über sich zu zerstreuen 
Was in manchen Kreisen bis heute noch
Nötig ist seine Ruhe zu behalten

Jedoch warnt Montaigne kann die nur
Gespielte Liebe auch gegen den Willen
Zur wahren werden ohne jede Absicht
Was dann auch zu Verwirrungen führt

Daraus hat er gelernt dass es besser ist
Sich von solchen Spielen fern zu halten
Wenig bräuchte es uns abzulenken wie
Es ebenso wenig bräuchte uns zu halten

Selten betrachteten wir in der Liebe die
Dinge in ihrer ganzen Größe wie ganz
Es beeindrucken uns unerhebliche
Umstände wie bloße Oberflächenreize

Doch sind diese bloß abgeworfen
Leere Hüllen der Dinge wie auch die
Blutverschmierte Toga Cäsars ganz 
Rom mehr aufwühlte als sein Tod 

Von seinen Nierensteinen in seiner Rute 
Erzählt er die mit Harnstau von mehreren 
Tagen ihn mehrfach beinah umbrachten
Wie Tiberius Gefangene so folterte

Der Tod den er nahen fühlte brachte ihn
Als Ganzes nie aus der Ruhe aber im
Einzelnen hätte dieser ihn im Griff wie
Bei der konkreten Vorstellung davon

Ein Mensch mag noch so weise sein
Niemals wird er durch den Verstand
Allein das Herzleid in seiner ganzen
Tiefe wahrnehmen können wie real

So sieht er das emotionale Engagement
Der Anwälte wie das Geheul gekaufter
Klageweiber als eher unglaubwürdig an
Dennoch würden sie echt ergriffen 

Quintilian etwa erzählt von Schauspielern
Die ihre Trauerrolle so ergriff dass sie
Noch zu Hause geweint hätten wie ihn 
Der Schmerz anderer persönlich ergriffe

Denke an eine wunderschöne wie auch
Schauspielerisch geniale von Ferne
Geliebte Operndiva die Gedichte 
Mehr als lebendig uns vorträgt

Wie oft sorgte ich mich schon fälschlich
Um ihre wirkliche Stimmung wenn die
Gespielte nur ein Ventil ihr dazu war
Fragt sich wie wirklich ist die Wirklichkeit

Erzählt von Bauersfrauen in den Bergen
Die in ihrer Trauer zugleich auch alles
Schlechte über ihre Männer erzählten um
So wieder ins Gleichgewicht zu kommen

Dies hält er für natürlicher als immer nur
Gutes über die Toten zu reden wie es ein
Lateinischer Spruch uns so gerne rät der
Bis heute noch zitiert wird hier und da

Er verzichte lieber im voraus auf alle
Schmeichelei die ihm angedichtet würde
Es wäre dann ja nicht weil er sie verdiene 
Sondern weil er tot sei dem schließt sich

Der Flaneur und Dichter gerne an auch
Wenn ich meinen Vater in der Rede zur
Beerdigung noch sehr hoch lobte was
Immer noch relativ verdient mir schien 

Es bedarf keines Grundes unsere Psyche
Aufzurühren schon ein Hirngespinst kann
Sie erregen und unterwerfen wie es die 
Luftschlösser der Liebe immer bleiben

Allein der Mensch ist fähig sich für solch
Wesenlose Ideen zu versklaven kein Tier
Tötete für Götter oder die Liebe je schon 
Träume motivieren uns zum Mord 

Am Ende des fabelhaften Essays wird
In gereimten Versen noch auf den 
Prometheus verwiesen und wie wenig
Bliebe mit nur freiem Körper ohne Geist

Dieser humorvolle Lacher am Ende lässt
An Goethes Sturm und Drang Verse die
Kaum dem Geheimrat entsprachen nun
Lächelnd revolutionär noch denken

Montaigne bleibt fabelhaft geistvoll stets
Immer wieder überraschend gelegentlich
Mit einem Augenzwinkern humorvoll im
Verhältnis von Frauen und Männern 

Egal was ich heute noch lese kann dieser
Text mit aller Fülle für sich besser stehen
Auch als Verneigung vor Montaigne der
Darauf relativ wenig wert nur legte 

jens tuengerthal 25.8.25

Erspürsinn

Erspürsinn

Was will ich eigentlich wirklich vom Leben
Wohin soll die Reise gehen im selbigen 
Überlege ich und spüre schon den großen
Widerwillen gegen jegliches Reisen 

Andere sind immer unruhig wollen noch
Ständig unterwegs sein wie irgendwo hin
Empfinden Reisen als große Erholung
Predige mit Kant lieber das Gegenteil

Will ankommen um da zu bleiben statt
Irgendwo noch gewesen zu sein was nie
Den Horizont weitet sondern allein den 
Körper unruhig hin und her bewegt

Ein gemütliches Auenland mit einer
Höhle mit elektrischem Kamin niemand
Durch mein Leben noch zu schaden
Dazu eine Bibliothek voller Geschichten 

In meiner Bibliothek im Sessel sitzen
Um Geschichten zu erzählen wäre
Vollkommen genug für mich dabei
Erlebte alles in meiner Phantasie

Lesen erzählen und Tee trinken wäre
Ein befriedigend erfülltes Leben ob
Mit oder ohne Hobbitfrau noch dabei
Hinge daran wie entspannt sie wäre

Viele meinen sie müssten alle großen
Abenteuer selbst nochmal erleben weil 
Ihnen die Phantasie beim Lesen fehlt
Habe genug davon und eine alte Familie

In mir leben die Geschichten des Landes
Über Jahrhunderte aus den Generationen
Die vor mir schon waren mehr braucht
Keiner die Geschichte zu erzählen

So hat mich das Leben selbst auf die
Spur gebracht was ich von ihm will 
Die Aufgabe der Erzähler ist es nur 
Geschichten in sich zu erspüren

Nirgendwo muss ich und will ich hin
Am Kamin sitzen lesen und nebenbei 
Die Geschichte der Welt als die meiner
Familie vielleicht in Versen zu erzählen

Alle bisherigen Verse sind darum Teil
Der großen Geschichte vom Leben 
Wie sie der Erzähler um sich fand nie
Geht es um neues sondern was war 

jens tuengerthal 25.8.25