Donnerstag, 21. August 2025

Netzliebe

Netzliebe

Große Gefühle
Virtuell lieber lassen
Verhindert Herzbruch

jens tuengerthal 21.8.25

Virtuell

Virtuell

Die virtuellen
Freunde verschwinden einfach
Per Knopfdruck schneller

jens tuengerthal 21.8.25

Erledigung

Erledigung

Manches erledigt
Sich ganz von alleine nur
Etwas abwarten

jens tuengerthal 21.8.25

Altersliebe

Altersliebe

Neulich las ich bei einer
Sie könne noch nicht alt werden
Sie wisse noch nicht mit wem
Halt so ein alter Spruch 
Schon tausendmal gelesen
Dachte nur doch geht einfach 
Die Natur geht ihren Weg 
Egal ob einsam oder gemeinsam
Kümmert sich nicht darum was ich
Will oder wollen sollte weil es
Eben der Gang der Dinge ist
Irgendwann ist es einfach vorbei
Dann ist ohnehin alles egal
Aber kommt es je darauf an
Was wirklich geht oder genügt
Die Sehnsucht es voller Liebe
Miteinander teilen zu wollen
Auch mit Unsinn glücklich
Zu bleiben weil es ist
Was es ist und das
Manchmal genügt
Glücklich zu sein

jens tuengerthal 21.8.25

Mittwoch, 20. August 2025

Lektürentagebuch 20.8.25

Lektürentagebuch 20.8.25

In zwei Flaneure in Berlin über den
Kurfürstendamm 239 der heute in
Der Budapester Straße liegt und dem 
Zoologischen Garten gegenüber gelesen 

Als Hessel 1888 von Stettin nach Berlin
Mit Mutter und Geschwistern zog wohnte
Er zuerst in der Genthiner Straße um dann
In den Kurfürstendamm 239 zu ziehen

Dort berichtet er von den riesigen Sphinxen
Die es auf ihn abgesehen hätten wie jene
Die als Portiersfrau vor einem Bau aus der
Gründerzeit lag oder die etwas kleineren 

Auf der Brücke am Landwehrkanal bis er
Sich im bayerischen Viertel mit einer im
Treppenhaus anfreundete die er noch
Aufforderte etwas mythologischer zu sein

Auch Walter Benjamin widmet sich noch
Dem Motiv der Sphinx in seiner Berliner 
Kindheit erzählt er von jenen im Zoo vor
Denen die Strauße Spalier dort standen

Auch in seinem Essay über Baudelaire
Schreibt er Sphinxen hätten die düstere 
Schönheit von Ladenhütern wie sie noch
In alten Passagen anzutreffen sein

Hessel bemerkt der Zoologische Garten
Habe zu Humboldts Zeiten noch vor der
Stadt gelegen aber sei inzwischen an 
Drei Seiten von Häusern umgeben

Die vierte Seite führt immer noch bis zum
Landwehrkanal dem gegenüber dann der
Tiergarten beginnt und so begrenzt der
Tiergarten den Zoo was tierisch klingt

Wer das Tor mit den Elefanten erst
Durchschritt gelangte in eine andere Welt
So gäbe es den Vierwaldstättersee und
Die Alleen verwandelten sich bald in 

Kurpromenaden auf denen Brunnentrinker
Mit ihrem Glas Karlsbader in der Hand den
Heilsamen Rundgang machten auf der
Lästerallee stände noch ein Musikpavillon 

In diesem machten Militärorchester Musik
Von denen Benjamin schreibt er hätte nie 
Wieder so etwas entmenscht schamloses
Gehört Menschenströme zu temperieren

Der alte Berliner Zoo hat eine ganz eigene
Atmosphäre wobei die Beobachtung der
Besucher die sich gern zum Affen machen
Amüsanter ist als die gefangenen Tiere


In dem Band Ich schreibe aus Paris von
Helen Hessel im Anschluss passend nun
Das Kapitel Zwischen Berlin und Paris in
Dem Essay von Mila Ganeva gelesen

An einem Foto aus dem Sommer 1929
Das Helen wie Franz Hessel und ihrer
Kinder beim Urlaub in der Normandie zeigt
Wird die Geschichte hier aufgehängt

Helen sitzt hinter der Schreibmaschine
Tippt auch im Urlaub ihre Artikel nennt 
Sich eine Sklavin ihrer Arbeit und ist
Zugleich stolz auf ihre Tätigkeit

Seit 1925 arbeitete sie von Paris aus
Als Mode Korrespondentin mit einer
Eigenen Beilage in der Frankfurter Zeitung 
Hatte den Anspruch mehr zu berichten

Als nur die Mode darzustellen sondern
Für die moderne selbständige Frau zu
Schreiben die sie selbst auch war und
Pflegte dazu beste Kontakte in Paris

Sie arbeitete unter anderem regelmäßig
Mit Man Ray zusammen der für sie die
Bilder zu ihren Artikeln lieferte kannte
Auch Designer wie Coco Chanel gut 

Monatsweise war sie auch in die Berlin
Was ihr mondäner protziger und auch
Viel hektischer noch vorkam als Paris 
Wurde auch dort noch hoch geschätzt

Doch gehörte sie nicht zur Berliner Szene
Der zahlreichen Mode Journalistinnen die
Ihr zu aufgedonnert erschienen sie war
Lieber die sportliche selbstbewusste Frau

Entsprechend der Mode trug sie einen
Kurzen Bob der ihre Selbständigkeit wie
Ihren Einsatz für die moderne Frau noch
Passend zur sportlichen Kleidung zeigte

Sie nannte die moderne Frau die begabte
Regisseurin des anonymen Schauspiels
Das wir das tägliche Leben nennen dabei
Nutze diese die Mode als Waffe im Kampf

Der Geschlechter gegen die naturbedingte
Polygamie des Mannes was von dieser 
Frau die stets mehrere Männer hatte ein
Bemerkenswertes Statement doch ist

Nach ihrer Philosophie ist die moderne
Frau sowohl praktisch wie kreativ dazu
Attraktiv wie unauffällig herausfordernd
Feministisch wie bewusst weiblich

Sie ist mit den neuesten Trends vertraut 
Wie auf zeitlose Art dabei klassisch noch
Dabei wies sie gerne auf die immer auch
Demokratische Wirkung der Mode hin

So würde die Mode aus den Salons
Durch die Nacherfindung der Frauen
Aus allen Klassen erst lebendig womit
Das Alltagsspiel der Mode gemeint ist

Eines das alle Klassen überwinden würde
Die Dame aus den reichen Salons auch
Anerkennend die Variationen selbst der
Einfachen Arbeiterin imitieren ließ 

Trotz ihrer Bedeutung wie ihrer guten
Kontakte in die Szene trat Helen nie als
Modepüppchen auf sondern blieb ihrem
Sportlich männlichen Stil dabei treu

jens tuengerthal 20.8.25

Alterskunst

Alterskunst

Wie gehe ich gut mit dem Alter um
Welches Verhalten ist angemessen
Muss ich mich altersgemäß fühlen wie
Andere um Haus und Boot mich sorgen

Schaue ich auf meine Eltern oder jetzt
Die Mutter die nach dem Tod des Vaters
Im Elternhaus übrig blieb denke ich sie
Haben das gut und richtig gemacht

Sie haben einen großen Freundeskreis
Bei denen sich einer um den anderen
Liebevoll auch kümmert in der Not der
Sie vom eigenen Leid auch ablenkt

Fast täglich bekam meine Mutter als
Sie bettlägerig zu Hause war Besuch
Auch jetzt wo beide Schwestern nun
Zufällig gleichzeitig im Urlaub sind

Vereinsamt die Omi nicht hat auch 
Genug gute Bücher noch um sich
Alleine ihr Gedächtnis fit zu halten
Sehe das Vorbild und denke gut so

Vielleicht ist die Kunst des Alterns
Mit seiner Umgebung zufrieden zu sein
Mit vielen anderen hab ich es ja eher
Weniger und bleibe lieber für mich

Natürlich ist Großstadt anders als
Ländliche Umgebung in der Kurpfalz
Aber geistige Anforderungen wie die
Begegnungen scheinen gut zu tun

Dann einfach irgendwann umfallen
Wie mein Vater vom Klo nimmt dem
Sicheren Ende allen Schrecken und
Werde hoffentlich keine Ärzte brauchen

jens tuengerthal 20.8.25

Kinderschutz

Kinderschutz

Ist Kindersitz ein Thema auch der
Aufklärung oder nur für besorgte 
Eltern die nur das beste wollen für
Ihre hochbegabten Nachkommen

Unbedingt denke ich und zwar da
Wo der Aberglaube immer noch
Ungeschützten Zugriff auf Kinder hat
Im Bereich der Religionen also

Noch immer werden Knaben aus
Gründen obskuren Aberglaubens
Bei bestimmten Sekten beschnitten
Wie es Islam und Judentum sind

Die Beschneidung der Frauen ist
Zumindest in. Deutschland verboten
Die weltweite Verfolgung aber lahmt
Wie insbesondere der Kinderschutz

Immer noch ist Religion ein Lehrfach 
An öffentlichen Schulen und setzt so
Noch unmündigen Kinder weiter dem
Aberglauben schutzlos hier aus 

Gleiches gilt für Jugendarbeit wie
Kindergottesdienste schlimmer ist
Nur was ohne vielerorts bleibt auch
Die gebildeten Leute dort erstaunen 

Es ist eher nicht die Unterschicht die
Sich heute noch kirchennah zeigt sondern
Vielfach was früher noch das sogenannte
Bildungsbürgertum war also Geschichte ist

Selbst dieser Tradition entstammend
Fragt sich was ländlich die Alternative
Wo die DDR noch das Bürgertum pflegte 
Außer im Bereich des Aberglauben

Fest davon überzeugt dass im Sinne
Der Aufklärung die Kinder unbedingt
Vor dem Aberglauben zu schützen sind
Suche ich mir den falschen Feind dabei

In Walldorf in Baden etwa wo mein
Elternhaus seit 1986 steht ist der Pastor
Der evangelischen Kirche wirklich ein
Sympathischer und dufter Typ auch

Sprach bei den dort Demos gegen Rechts
Zeigte Flagge für die Demokratie war ein
Verbündeter im Kampf gegen die Feinde
Der Freiheit warum sollte ich den angreifen

Denke ich an all die Theologinnen auch
Denen ich im Leben sehr nah sein durfte
Wollte ich keine mir zum Feind machen
Auch wenn die Prinzipien fest stehen

Wie gut wäre da eine europäische
Laizistische Regelung die alle Kinder
Vor dem Aberglauben schützt ohne
Gegen das oft gute Bodenpersonal 

Der Sekten noch kämpfen zu müssen
Taufe Beschneidung und alles ab 18
In ganz Europa verbindlich um echte 
Religionsfreiheit zu garantieren

Wäre eine tolle Idee denke ich für die ich
Mit dem Grande Orient seit Ende der
Achtziger Jahre schon kämpfe auch in
Meiner Abi Rede einst thematisierte

Aber wollte ich dafür Konflikte suchen
Wäre mir in Mecklenburg nicht die
Kirche im Dorf lieber als die AfD als
Nationale Jugendbewegung 

Habe da keine einfache und sichere 
Antwort als den europäischen Laizismus
Der französisches städtisches Denken ist 
Doch nicht für alles habe ich eine Antwort

jens tuengerthal 20.8.25

Freieliebe

Freieliebe

Freie Liebe gönnt
Bedingungslos alles was
Geliebten gut tut

jens tuengerthal 20.8.25

Glaubensfreiheit

Glaubensfreiheit

Vom Glauben befreit
Bekommt Glaubensfreiheit was
Freiheit bedeutet

jens tuengerthal 20.8.25

Heiligesland

Heiligesland

Ein Heiliges Land
Ganz ohne Aberglauben
Ist friedlich glücklich 

Keine Grenze mehr
Zwischen Meer und Fluss dafür
Nur Laizismus 

jens tuengerthal 20.8.25

Frauengeschmack VI

Frauengeschmack VI

Hätte mich jemand mit Anfang zwanzig
Gefragt was und wie es Frauen beim Sex
Besonders lieben wäre ich aus meiner
Ach so großen Erfahrung sicher gewesen 

Mit zwölf das erste mal und vorher schon
Die Versuche im Geheimen als Kinder
Bei Festen oder Bällen der Eltern hatte ich
Dachte ich früh aufgeklärt große Erfahrung

Frauen mögen es am Anfang alle zart
Hätte ich mit Überzeugung behauptet
Nach vielleicht zehn bis fünfzehn ersten
Sexuellen Kontakten eher ahnungslos

Danach mal mehr mal weniger wild
Was der kluge Mann Frau bestimmen lässt
Sich jede Diskussion zu ersparen
Warum sie am besten oben ist glaubte ich

Heute mit einem viel hundertfachen
An Erfahrung habe ich keine Ahnung mehr
Es gibt nahezu nichts was es nicht gibt
Auch das Gegenteil von allem ist normal

Für statistisch sichere Aussagen ist
Die Erfahrungsmenge bei unter tausend
Deutlich zu gering eine glaubwürdige
Vermutung hier aufzustellen denke ich

Doch deutlich ist mir geworden es ist
Alles möglich und kann normal sein
Wie die selbe Frau genauso auch das
Gegenteil vom vorigen wollen kann

Manch ganz zarte Frau liebte es hart
Einige wollten vergewaltigt werden 
Andere nur Blümchensex anal wie
Eine für ihn real die Hure spielte

Das mir zu erzählen erregte sie
Weil sie sich schmutzig erniedrigt
Damit fühlen konnte obwohl ich es
Glaube ich lieber nicht gewusst hätte

Missbrauch und Vergewaltigungen
Verändern das Sexualverhalten bis
Zum absurden und fordern viel Vorsicht 
Habe hunderte solcher Geschichten gehört 

Auch hier ist das eine wie das Gegenteil
Zugleich möglich und normal und ich
Enthalte mich jeder Bewertung rate
Nur zu ganz besonderer Vorsicht

Eine Vergewaltigung kann für Frauen
Wie eine immer offene Wunde sein
Die bei jeder Berührung schmerzt 
Andere tun so als wäre es nichts

Welche waren noch nach vier Kindern
Gefühlt Jungfrauen ohne alle Erfahrung
Was sie glaubwürdig dabei vertraten
Wie alle Gegensätze in einer Person

Es gibt wenig was Frauen nicht können
Noch mehr was sie aus Liebe tun und
Mehr Frauen die nahezu nie kommen
Als jene die es zusammen genießen

Früher dachte ich noch es sei normal
Zusammen zu kommen weil ich es so 
Bei den ersten immer erlebte heute
Weiß ich es ist ein rares Wunder 

Wenige Frauen kannten bisher die
Neurologischen Hintergründe ihrer
Sexualität nur noch weniger Männer
Was sich hoffentlich endlich ändert

Menschen ficken einfach miteinander
Ohne wissen zu wollen was sie da tun
Erleben es wie einen hormonellen Rausch 
Befriedigung für Frauen wird da Zufall

Traue mir heute keine Aussage zu
Was alle Frauen lieben auch wenn
Viele gerne geleckt wurden und dies 
Genießen konnten gab es auch das

Gegenteil jene die es total eklig fanden
Manche fanden jede direkte Simulation
Plump und suchten lieber Umwege dabei
Andere wollten es wild fest und rauh dort

Eine feine Prinzessin im Blüschen mit
Perlenkette wollte hart gefickt werden
Sagte dies auch ausdrücklich andere
Hohe Führungskräfte wollten gerne

Erniedrigt gefesselt bespuckt oder
Angepisst werden um sich richtig
Schmutzig dabei fühlen zu können 
Ohne sonst psychisch auffällig zu sein

Fand das als Mann der Frauen liebt
Sie gerne wie Heilige anbetet eher
Seltsam befremdlich ihr mehr als nötig
Weh zu tun war nie erregend für mich

Habe keine sichere Meinung mehr was
Frauen beim Sex wirklich mögen weil es
Bei jeder nach Stimmung Zeitpunkt im
Zyklus Laune und Wetter anders sein kann

Kenne nichts was sich nicht auch bei der
Gleichen ins Gegenteil schon verkehrte
Egal was vorher dazu gesagt wurde
Entscheidet allein die Situation dabei

Sich darauf so feinfühlig wie Mann kann
Einzulassen kann helfen noch besser ist
Darüber miteinander reden was manchen
Die keine Worte dafür haben schwer fällt

Einige haben wild perverse Wünsche je
Nach persönlicher Neigung auch mit
Mehreren aber redeten nie darüber
Wie schlicht scheinen mir Männer da

Diese haben meist zu jedem Zeitpunkt
Ähnliche Vorlieben wollen immer das
Gleiche was sie oft genug schon hörten
Es als sicher auch künftig zu glauben 

Männergeschmack wäre also langweilig
Zum Frauengeschmack aber kann hier
Nichts irgend verbindliches gesagt werden
Womit es zumindest spannend endet

jens tuengerthal 20.8.25

Liebesspiel

Liebesspiel 

Ist die Liebe nur ein Spiel
Bei dem wir mal verlieren 
Dann gewinnen je nach
Laune der Natur

Oder folgt dies alles
Ehernen Gesetzen noch 
Auch wenn ich sie nicht
Verstehen kann je

Überlege ich der sich
Schon oft in verheiratete
Frauen verliebte um dann
Darunter zu leiden

Dies obwohl alle das Spiel
Vorher lange kannten
Leidet jeder der nicht mit
Vernunft dem Herzen folgt

Ist wer es tut ein Narr wie es
Schon die Römer wussten
Die Montaigne dazu zitiert
Der aber zugleich auch sagt

Wer ohne Leidenschaft dabei
Muss sich nicht wundern wenn
Beim Liebesakt nichts steht
Es für alle enttäuschend wird

Was der Lauf der Zeit ohnehin
Erledigt wie Montaigne wusste
Aber das ist auch eine klassische
Verwechslung als ob Liebe und Sex

Notwendig verbunden wären 
Zuviel Gefühl nicht eher hindert 
Was aber nicht dabei klärt ob 
Die Liebe nun stets ein Spiel ist

Oder nur mit Damen vom Theater
Was mich real nie überzeugte
So wenig wie professionelle Damen
Auch da wieder Montaigne nah

Warum ich es hier offen lasse
Zumal die Spielregeln unklar sind
Was für die eine unabdingbar ist
Der anderen dagegen völlig egal

Aber vielleicht ist dieses immer
Unklare das spielerische Element 
Was die Liebe spannend hält auch
Wenn Anfang Ende und Vollzug 
Sich erstaunlich ähneln

jens tuengerthal 20.8.25

Dienstag, 19. August 2025

Lektürentagebuch 19.8.25

Lektürentagebuch 19.8.25

Endlich Mercede und der Meisterschmied
Von Marcello Fois beendet wenn auch die
Letzten Seiten angesichts neuer Qualen in
Der Hölle der Familie eher überflogen nur

Die im Nachwort angesprochene Nähe zu
Dantes Göttlicher Komödie wird klarer nur 
Ist das Paradies von Aufstieg und Liebe am
Anfang und danach kommt die Hölle

Ein großer Roman der viel über die Insel
Sardinien mit ihrer Schönheit und Eigenheit
Vermitteln kann und nebenbei eine große
Familiengeschichte mit Dramen erzählt

Der Bezug zu Dante macht die irdische
Hölle verständlich und fühlbar dazu was
Lesend an den Rand des erträglichen führt
Von Mord über Vergewaltigung bis Suizid

Alles müssen die liebenden Eltern die aus
Dem Waisenhaus kamen ertragen bis zum
Ende das kein Ende ist einer Geschichte
Die erfunden und doch wahr zugleich ist

Die Hölle in der Gegenwart des dann
Faschistischen Italien mit seiner Willkür 
Wird so fühlbar wie die zauberhafte Insel
Und ich denke an meine Schwester dort

Möge sie den paradiesischen Teil dort
Genießen können ohne die dantesken
Prüfungen die Fois durchleiden lässt
Denn es muss wunderbar dort sein


Von Michel de Montaigne das wunderbare
Essays Über dreierlei Umgang gelesen
Wie seinen schweifenden Plauderton dabei
Wieder wie Zuhause ankommen genossen 

Es geht dabei um die drei Arten von 
Umgang die er besonders schätzt und
Welche er lieber ganz meidet weil sie ihn
Auf seinem Weg nicht weiterführen

Es ist der mit guten Freunden wie mit
Schönen Frauen und vor allem für ihn
Bücher mit denen er die meiste Zeit
Wohl verbringt auch ohne zu lesen

So genügt ihm die bloße Gegenwart
Seiner Bibliothek bei der er nur von
Fünf Reihen bedeutender Bücher spricht
Um zum Denken angeregt zu werden

Gerne enthält sich Montaigne Zuhause
Aller gesellschaftlichen Formen und
Ignoriert bloß formale Konversation
Lässt dafür seinen Gästen alle Freiheit

Bei den Damen wie bei den Herren
Schätzt er unterschiedliche Dinge
Sein Blick auf die Damen ist dabei
Einerseits von der Zeit geprägt

Gesteht aber für diese wiederum 
Ihnen große Freiheiten zu auch
Wenn manches konventionell klingt
Ist er doch seiner Zeit weit voraus

Zu den männlichen Freundschaften
Die er hatte und sehr schätzt kommt
Weniger als zu den Damen und zum
Sex über den er sehr offen schreibt 

So erklärt er auch warum er edle
Damen von Schönheit bevorzugt
Aber Lust mit Huren als riskant mied
Nachdem er sich mehrfach infizierte

Schön ist auch wie er über sich noch
Spottet der in seiner Jugend viel zu
Viele Bücher der Geltung wegen kaufte
Die er tatsächlich nie gelesen hat

Welcher Büchernarr kennt nicht diese
Reihen schicker ungelesener Bände
Die sich in jeder Bibliothek wohl finden
Da hat sich in 500 Jahren nichts geändert

So nähme er auch auf jede Reise
Stets genug Bücher noch mit doch 
Auch dies nur um von ihnen beim
Nachdenken inspiriert zu werden

Wie liebevoll er die drei Etagen seines
Turmes beschreibt ist einfach schön
Weil es den Mensch und Leser Montaigne
Sichtbar macht der mit Büchern lebte 

So auch die Bemerkung am Ende das
Auch der Umgang mit Büchern seine 
Schlechte Seite habe weil er sich dabei
Zu wenig bewege was der Körper brauche

Dies zu ermöglichen überlegte er sich
Eine Galerie als Wandelgang um seinen 
Turm zu bauen was er nie realisierte weil 
Die drohende Unruhe ihn abschreckte

Die Lektüre von Montaigne in all seiner
Manchmal liebevollen Weitschweifigkeit
Die über das eigener Sein nachdenken
Lässt ist philosophisch vielfältig lohnend

jens tuengerthal 19.8.25

Dichte

Dichte

Seit 2020 ist meine Nase meist dicht
Schmecke nahezu nichts mehr als
Vielleicht Folge von Corona auch
Gewöhnte mich inzwischen daran
Was bliebe mir auch sonst denk ich
Nicht der Dichtigkeit wegen wurde ich
Dichter das war ich davor und danach
Ob sich die Dichte meiner Verse an
Jener der Nase messen lässt scheint
Bis zum Beweis des Gegenteils mir 
Immer noch zweifelhaft aber noch
Gab ich die Hoffnung nicht ganz auf 
Dass es sich nochmal ändert denn 
Dann ist der Dichter nicht mehr
Ganz dicht 

jens tuengerthal 19.8.25

Keiner

Keiner

Keiner kommt hier lebend raus
Wissen wir eigentlich alle dennoch
Leben manche als hätten sie ganz
Viele Leben noch übrig warum es
Gut tut an den Tod auch zu denken 
Um zu genießen was bleibt
Statt sich für nichts weiter 
Im einzigen Leben zu quälen
Lustvoll lieber jeden Tag 
Zu einem Fest zu machen
Als wäre es der letzte was
Jeden Tag wahrscheinlicher wird
Nur hatte wer bis dahin genoss 
Zumindest noch etwas davon

jens tuengerthal 19.8.25