Freitag, 27. Februar 2026

Lektürentagebuch 27.2.26

Lektürentagebuch 27.2.26

Der 8. Brief Gilbert Whites über die
Erkundung von Selborne wieder an 
Thomas Pennant Esquire über drei
Seen am Rande des Wolmer Forest 

Zwei gibt es von denen er nichts
Besonderes zu berichten weiß aber
Der dritte verdiente die Beachtung 
Jedes Naturforschers oder Jägers

Die Weiden und der sonst Bewuchs
Gewähren Schutz für Wildenten wie
Schnepfen und Krickenten und mehr
Im Winter suchten Füchse Deckung
Manchmal gäbe es auch Fasane und
Im Sumpf gedeihen seltene Pflanzen
Nach einem Schriftstück von 1635 
War der Forest viel ausgedehnter

Der heutige Privatbesitz war zur Zeit
Von Charles I königliche Domäne so
Wird genau von den damals tätigen
Beamten nach Rängen berichtet

Die drei Seen gibt es mit Fischen die
Aber nicht gut gedeihen weil das dort
Wasser auf Sandsohle nährstoffarm
Sei wogegen aber die Rinder helfen 

Diese flüchten gerne vor den vielen
Fliegen oder zur Abkühlung in das
Kühle Wasser dabei lassen sie Dung
Fallen in dem Insekten nisten diese

Wiederum gäbe den Fischen Nahrung 
Die sich ohne dort nur schlecht hielten 
So sorge die Natur als guter Ökonom
Mit Entspannung der einen Art für die

Versorgung der anderen wozu er
Verse von James Thomson zitiert
Der Teich von Wolmer habe einen
Umfang von fast eineinhalb Meilen
Auf dem ausgedehnten Wasser liegen 
Im Winter völlig sicher vor Jägern 
Scharen von Entenvögeln aus ganz
Verschiedenen Familien bevor sie als 

Ursprünglich Nachtvögel aufbrechen
Um bei Sonnenuntergang auf Bächen 
Oder Wiesen zu fressen bevor sie in
Der Morgendämmerung zurückkehren

Wäre er ringsum bewachsen nicht wie 
Jetzt völlig nackt wäre er eine gute
Entenfalle doch all dies sorgt nicht
Für die große Aufmerksamkeit dort

Diese liegt vielmehr an einer großen
Menge Münzen die vor vierzig Jahren
Auf seinem Grund gefunden wurde
Was aber zu den Altertümern gehört

Darum wird White auf sie erst bei den
Ausführungen zur Geschichte des
Dorfes eingehen und lässt uns Leser
Erstmal über den Schatz im unklaren

Diese feine Beobachtung auch des 
Zusammenspiels der Natur die sich
Selbst auch gegen die Bedingungen
Erhält ist stark und humorvoll wieder


Von den englischen Seen ging es
In den hohen Norden wieder zu den
Dort Wundern von Olaus Magnus der
Teils exakt beschreibt teils erzählt

Überall wo exakte Daten ihm fehlen 
Kommen sagenhafte Geschichten 
Die von Ungeheuern erzählen oder
Im Osten Flüsse zusammenlegen

Teilweise ist diese erste Karte der
Nördlichen Gebiete sehr korrekt
Dann wieder greift er eher auf die
Ihm erzählten Geschichten zurück

Beides zusammen gibt ein gutes 
Bild auch von der Weltsicht seiner Zeit
Die teils noch mittelalterlich war als
Teile der Lappen heidnisch lebten 

Zu ihrer Christianisierung war der
Überzeugte Katholik ja selbst nach
Norden nahe dem Polarkreises noch
Gereist dort ist die Karte relativ genau

Andererseits zeichnet er auch die
Eher sagenhafte Insel Thule ein
Erzählt von den paradiesischen
Zuständen dort für die Bewohner

Diese Mischung aus alten Sagen 
Mit exakten Berichten gibt einen
Guten Überblick auch über das
Denken der Menschen der Zeit

Das meiste wurde noch mündlich
Über Sagen teilweise überliefert
Die sich mit genauen Messungen
Von eigenen Reisen mischen 

Die Karte gibt diese Mischung aus
Alten Sagen mit neuer Erfahrung
Die auf genaue Vermessung setzt
Wieder und so ein buntes Bild

Von den teils mittelalterlichen Sichten
Auf den Norden ging es nun in die 
Auch politisch kritischen Ansichten
Vom Niederrhein von Georg Forster

Im Kapitel Lüttich philosophiert er
Über einer gute Verfassung des 
Staates die darauf gerichtet sein 
Soll das Wohl aller dort zu fördern

Als das Buch 1790 erschien lobten
Es sowohl der große Lichtenberg
Wie Schubart als eines der wichtigen
Bücher in deutscher Sprache sogleich

Der Autor war da schon durch seine
Reise um die Welt mit James Cook
Einem breiteren Publikum bekannt
Hier begleitete ihn der der noch junge 

Alexander von Humboldt auf seiner
Reise so lobt er auch die Verfassung
Oder Gesetzgebung des gerade erst
Verstorbenen Königs von Preußen

Also Friedrichs des Großen wie des 
Nachfolgers in den preußischen 
Staaten warum dort keine Besorgnis 
Über eine Gärung im Volk herrsche 

Dies wären seine Ideen gewesen
Während er über Lüttich nachdenkt
Die er jedoch mangels Kenntnis der
Beschlüsse der geheimen Kabinette

Nicht auf den einzelnen Fall hier 
Anzuwenden wage vielmehr schienen
Die Beschlüsse der Geweihten oft wie
Orakelsprüche für sie als Layen 

Über die Berechtigung der Macht
Wie ihre Infragestellung philosophiert
Forster hier für seine Zeit gewagt und
Stellt das unabänderliche infrage

So könne der Blick auf das was
Geschah und weiter geschieht einen 
Leicht vom relativen Wert aller Dinge
Eher überzeugen als von einer Sicht 

Kein Mensch verstände den anderen
Wenn nicht in der Natur aller etwas 
Gemeinschaftliches zugrunde läge
Nicht eine Art Ähnlichkeit bestünde 

Trotz aller natürlichen Gegensätze
Könne es vollkommen scheinen wenn
Nur ein Wille herrscht in der großen 
Sittlichen Welt wie für den einzelnen 

Diese Andeutungen klingen sehr
Nach Kant und dem da aktuellen
Kategorischen Imperativ womit er
Revolutionäre Gedanken tarnt

Das liest sich bei Forster noch
Etwas bemüht vorsichtig aber
Spiegelt den Geist kurz nach
Der französischen Revolution

Den kürzesten Weg dahin böte der
Absolutismus mit Gottesgnadentum
Hier wäre alles einfach und klar noch
Geordnet was in Deutschland zum

Zeitpunkt der Veröffentlichung aber
Nahezu überall geltendes Recht war
Was die kritische Betrachtung hier 
Erst wahrhaft revolutionär macht 

So wäre diese Macht in Europa
Planlos gewachsen ohne weiter in 
Die Zukunft zu blicken hätten die 
Halbgötter die Gegenwart genossen

Zu spät kam das vollendete System
Die Kraft des Glaubens war gewichen
Er ließ sich in natürlich schwacher
Menschlicher Natur nicht mehr halten

So scheiterte die Theokratie an der
Verfassung von Europa ihre Vasallen
Die Könige spotteten der geistlichen
Zwänge die sie allmächtig machten 

Seitdem setzt Forster nun mutig fort
Die Unfehlbarkeit und mit ihr auch die
Möglichkeit einer Universalmonarchie
Verschwand bleibt nur noch der ganz

Entgegengesetzte Versuch eines
Systems nach republikanischen
Grundsätzen um eine allgemeine
Verbrüderung der Menschen zu

Erreichen für einen allumfassenden
Staatenbund dem dann endlich alle
Menschen huldigen könnten ohne
Jede Widerrede was wohl keiner

In ganzem Umfang und auch nötigen
Zusammenhang bisher bedacht hätte 
Meint Forster der zu bedenken gibt
Es würde dann einseitig beschränkt

Was für alle gelten soll würde nie der
Individuellen Entwicklung der Kraft in 
Uns entsprechen können so machten 
Die Unterschiede den Reichtum aus

Dieser ginge uns in der völligen 
Einstimmigkeit aber verloren dann
Hätten große Geister keinem Platz
Mehr es fehlte uns ganz wichtiges 

Wo Spontaneität fehle gingen auch
Die Verstandeskräfte verloren denn
Nur im Streit entgegengesetzter
Begierden offenbare sich Vernunft

Dadurch bewährte sich erst die
Vollkommenheit des sittlichen Gefühls
Rührendschöne Blüte der Menschheit
Exzentrizität sei eine Bedingung ohne

Die sich der höchste Punkt nicht
Erreichen lasse ein Gleichgewicht
In allem bleibt überall mittelmäßig
Das Problem aller Demokratien heute

Eine Verfassung also die uns von
Allen Leidenschaften wie von der
Nur Willkür des Stärkeren befreite 
Würde Vervollkommnung verfehlen 

So fragt Forster am Ende was es
Hülfe wenn wir die Freiheit hätten 
Alle Geistesgaben zu entwickeln
Wenn uns der Antrieb dazu fehle

Spannende Fragen am Vorabend
Der ersten Versuche zur Demokratie
Die heute noch aktuell wie nie sind
Es lohnt wieder Forster zu lesen

Welch schöner Lesetag mit Bänden
Der Anderen Bibliothek heute wieder
Denke ich dankbar für diesen großen 
Reichtum den Leser allein gewinnen 

jens tuengerthal 27.2.26

Liebesvita

Liebesvita 

Ein Leben voller
Liebe geführt zu haben
Bleibt schönster Reichtum

jens tuengerthal 27.2.26

Frühlingsgefühle

Frühlingsgefühle

Wie schön erwachen
Frühlingsgefühle wieder
Im noch Februar

jens tuengerthal 27.2.26

Teevita

Teevita 

Tee trinke ich schon
Immer gefühlt auch Eltern
Waren Teetrinker

jens tuengerthal 27.2.26

Lebensbücher IV

Lebensbücher IV

Wer Bücher liebt wird irgendwann
Zum Sammler auch die sich dann
Gerne ein Gebiet raussuchen um
Darin besonders zu glänzen noch

Konkurrenz scheint ein Thema für
Echte Sammler zu sein denk ich
Der das immer eher lächerlich fand
Muss nicht mehr als andere haben

Signierte Erstausgaben sind sehr
Beliebt und teils kostbar jene mit
Notizen der Autoren unbezahlbar
Habe es zugegeben nie versucht

Einige handsigniertes Ausgaben
Noch der Klassiker von meinem
Großvater geerbt der sie selbst
Vom eigenen Großvater hatte

Der war Hofbibliothekar zu Gotha
Hatte für den Herzog gesammelt
Kannte die Weimarer noch persönlich
So geht zumindest die Familiensage

Zeitlich haut das nicht so ganz hin
Aber egal Familiensagen haben
Einen eigenen Wert unabhängig
Vom prüfbaren Wahrheitsgehalt

Da gab es die großen Ausgaben mit
Persönlicher Widmung noch von den
Klassikern aus Weimar hieß es in der
Familienlegende die blieben dann alle

Im dunklen Osten in den Grotepater
Wie der Großvater genannt wurde als
Rechnungsprüfer der NATO nicht 
Reisen durfte und wurden Legende

Mehr kann ich über diese legendäre
Verschwundene Bibliothek meines
Urgroßvaters nicht sagen als das
Raunen meines Großvaters noch

Der war übrigens 1904 geboren noch
Voll im Kaiserreich und sein Vater war
Preußischer Schuldirektor noch zu 
Hannover vom vorigen Jahrhundert 

Darum sammel ich die alten Schätze 
Eher nicht und werde noch aus der
Bibliothek meiner Eltern wohl einige
Der schönsten Schätze übernehmen

Alte Bücher sammeln gab es schon
Die Mittel dort zu reüssieren hatte ich
Nie also stürzte ich mich irgendwann
Auf die Andere Bibliothek anstatt

Bin auch da kein fanatischer Jäger
Neulich traf ich eine Buchhändlerin
Aus Pankow die sie bis heute noch
Nahezu vollständig bei sich hat

Ein Händler bot mir mal eine noch
Ungeöffnete Sammlung aus dem
Erbe eines reichen Schweizers an
Auch dort die Summe eher utopisch

Habe begonnen und das ist eine
Schöne Geschichte mit Montaigne 
Dem großen Pachtband der gerade 
Frisch herausgekommen war

Damals noch im Verlag Eichborn
Herausgeber war Enzensberger
Der inzwischen auch nicht mehr ist
Die Bibliothek kam zuAufbau dafür

Noch völlig ohne Ahnung und mich
Lange gegen die Idee des Sammlers
Gewehrt der doch ein irgendwie eher
Skurriler Kautz für mich immer war

Heute lache ich darüber und denke
Was sind die meisten doch normal
Verglichen aber schweige dazu lieber
Wer will den eigenen Wahn schon

Offenbaren und öffentlich diskutieren
Von der ersten Ausgabe Montaignes
Zum Sammler der Anderen Bibliothek
Vergingen noch über dreißig Jahre

Die Mutter meiner Tochter die einen
Ausgewählt guten Geschmack hatte
Ob bei mir ist umstritten schenkte mir
Weitere Bände der Sammlung schon

Eine Geliebte nach 2000 in Berlin
Sammelte schon aber auch das
Hat mich nicht von ihr begeistert
Begann erst lange nach 2010

Bescheidene Mittel die der Preis
Der dichterischen Freiheit waren
Verhinderten ein schnelles Wachstum
Der überschaubaren Sammlung 

Mit einer neuen Liebsten die zwar
Sehr jung aber dafür Bücher liebte
Wie ich begann der Wahn mit dem
Wir Antiquariate und Flohmärkte

Nach neuen Bänden durchsuchten 
Das schöne Antiquariat in der hier
Nahen Immanuelkirchstraße noch
Voller Glück auch entdeckten 

Zwei Jahre währte dieses Glück 
Danach sammelte ich nun voller
Liebeskummer in Erinnerung weil 
Die Bände einfach gut waren

In wenigen Jahren vervielfachte sich 
Die Sammlung hat inzwischen über
200 Bände wie 15 der großen Bände 
Alles noch relativ bescheiden wohl

Doch gerade durfte ich wieder das
Glück in funkelnden Augen sehen
Als die Liebste mir einen Band zum
Valentinstag schenkte der fehlte

Welch Glück ist es doch die Liebe
Zur Anderen Bibliothek wie ganz
Nebenbei auch zueinander zu teilen
Dachte ich selig strahlend dabei

Eine buchaffine Kunsthistorikerin
Die Bücher liebt und dazu noch
Ahnung in der Sache hat macht
Den bescheidenen Sammler glücklich

Nun füllt die Andere Bibliothek zwei
Billys hinter dem Diwan dem Ort der
Dichtung Lust Literatur und Liebe 
Damit sind alle Träume erfüllt

Liebe die Andere Bibliothek wirklich
Habe mit bescheidenen Mitteln nun
Schon viel in sie investiert ohne
Bände in Leder zu besitzen dabei

Bin da eher wie mein Vater der sich
Am kleinen Glück schon vollkommen
Freuen konnte und denke ich habe 
Längst paradiesische Zustände hier

Werde weiterhin sammeln was sich
So findet bei Gelegenheit ohne den
Wahn alle haben zu wollen bin lieber
Zufrieden glücklich mit dem Bestand

So ein richtiger Sammler werde ich
Wohl nicht mehr bin viel mehr eben
Wieder wie der Herr Papa mehr e.in
Genießer der sich am Bestand freut

jens tuengerthal 27.2.26

Donnerstag, 26. Februar 2026

Lektürentagebuch 26.2.25

Lektürentagebuch 26.2.25

Bei John Berger über Goyas Maja
Bekleidet und unbekleidet gelesen
Die im Prado nebeneinander hängen
Und wie sie vermutlich entstanden

Es gibt zu diesen beiden Gemälden 
Aus dem Jahr 1797 viele Theorien
Die mehr oder weniger glaubwürdig
Und viel zur Geschichte erzählen

In Zeiten in denen amerikanische
Christen wieder Nacktheit im Netz
Zensieren und bestrafen lassen in
Den asozialen Netzwerken aktuell

Will hier als Lektürentagebuch nur
Der Theorie Bergers erstmal folgen 
Bevor es um andere Ideen dazu geht
Weil sie spannend schlüssig scheint

Wer diese Maja war ist unbekannt
Der Verdacht sie könnte auch die
Herzogin von Alba gewesen sein
Mit der Goya vielleicht etwas hatte

Führt so wenig weiter wie die Akten
Der Inquisition welche die nackte 
Maja als unzüchtig beschlagnahmte
Sie war erst 1930 im Prado zu sehen 

Wir wissen nicht wer sie wirklich war
Ob sie echt eine Maja war was im
Spanischen ein einfaches Mädchen
Aus den unteren Ständen bezeichnet

Auch die Spekulation ob sie so
Eine Geliebte oder Hure von Goya
Oder seinem Auftraggeber war führt
Nach Berger nicht wirklich weiter

Spannender findet er die analytische
Betrachtung des Bildes und was es
Uns über Goya und seine Ängste bis
Heute noch verraten kann 

Er betrachtet das Bild kritisch und
Stellt die These auf Goya habe zuerst
Die angezogene nach dem Modell
Das distanziert bleibt gemalt

Dann hätte ihn wie es Männern eben
Gerne so geht die Idee der Nackten 
Weiter verfolgt und er hätte sie als
Genaue Kopie der anderen gemalt 

Dies stützt er mit dem Blick auf den
Busen der Nackten der unnatürlich 
Nach oben gerichtet wäre was nur 
Der vorherigen Schnürung entspräche

Auch sieht er die nackte Maja eher
Als bösen sexuellen Geist der ihn 
In dunklen Träumen noch verfolgt
Warum ihre Formen verschwommen 

Etwa zu dicke Oberarme wie der
Seltsam verschobene Oberschenkel
Entsprächen nicht der sonst genauen
Exaktheit mit der Goya arbeitete

Diese Argumentation ist schlüssig
Passt aber nicht zu der Historie 
Nach der es für ein geheimes Kabinett
Gemalt wurde wofür anderes spricht

So etwa die Gelenke mit denen die
Beiden Bilder wie ein Altar verbunden
Noch waren was viel mehr für ein
Kabinettstück im Auftrag spricht

Die Größe beider Bilder aber hätte
Ein sehr großes geheimes Kabinett
Erfordert also ein Schloss mit vielen
Noch unbenutzten Räumen etwas

Dieses Bild sorgte 1815 dafür dass
Goya als anerkannter Hofmaler noch
17 Jahre später vor die Inquisition 
Zitiert wurde und seinen Titel verlor

Um die Zeit als das Bild entstand
Hat Goya die Herzogin die als Witwe
Sehr frei lebte mehrfach besucht
Gemalt also ihren Körper gekannt

Doch wird er sie nicht nackt gemalt
Haben dafür gab es Huren was eine
Heutige feministische Theorie eher
Vertritt die mich nicht ganz überzeugt

Zwar geht sie auf den Blick ein der
Großes Selbstbewusstsein verriete
Was aber auch für die Herzogin eher
Spricht als eine bezahlte Hure dabei

Die Tatsache aus den erstmal in
Einem profanen weiblichen Akt der
Kunstgeschichte dargestellten 
Schamhaaren abzuleiten hat dabei

Weniger für mich als die Beobachtung
Von Berger zur Psyche von Goya
Verschwundene Akten der Inquisition 
Sprechen für eine andere Theorie

Warum wurde ein in einem geheimen
Kabinett hängendes Bild zufällig von
Der Inquisition für einen Prozess 
Gegen einen Hofmaler genutzt 

Wieso verschwinden zufällig genau
Jene Akten die Aufklärung über die
Verhältnisse bringen könnten nun weil 
Vermutlich mächtigere Stellen daran 

Ein ausdrückliches Interesse hatten
Was der Hochadel der Herzöge von
Alba nah dem Königshaus das noch
Um Macht in Spanien rang war

All dies spricht eher für einen sowohl
Politischen wie geheim gehaltenen
Hintergrund dieses Prozesses der
Anderes lieber vertuschen wollte

Kann diese Vermutung aber auch
Nicht weiter belegen als Berger
Seine Theorie die offen lässt wer
Die Schöne auf dem Bild war

Es ist auch völlig egal wer sie war
Aber einen intriganten Prozess der
Inquisition finde ich spannender als
Eine feminin selbstbewusste Hure

Gegen diese Theorie von der
Kunsthistorikerin Sabine Poeschel 
Spricht die seltsame Malweise von
Goya aus der Berger seine ableitet

Vermute aus allem viel eher dass 
Die verschwundenen Akten der
Schlüssel zu einer darum engen 
Personalen Verbindung zum 

Hochadel sein könnten der dieses
Gemälde der freizügigen Ausreißerin
Lieber beschlagnahmt wissen wollte 
Wie Busenbilder einst von Kate 

Spannend über dies doppelte Bild
So lange nachzudenken vielleicht
Sollte ich einen Roman dazu mit der
Vielleicht wirklichen Story schreiben 


Von der spanischen Kunst am Ende
Des 18. Jahrhunderts geht es zur gut
Katholischen Kartenkunst des Olaus 
Magnus im frühen 16. Jahrhundert

In Die Wunder des Nordens wird
Beschrieben wie Olaus Magnus
Den Beginn seiner Arbeit an der
Karte auf 1527 datiert was heißt

Er war da schon viel Jahre weg
Aus Schweden woher nahm der
Theologe seine exakten Informationen 
Die später in seine Karte flossen

Auch die über 700 Kapitel seines
Buches über die Völker des Nordens
Musste seine Informationen irgendwo
Gefunden haben war er überall da

Tatsächlich ist Magnus 1519 im
Auftrag der Kirche zum Ablasshandel 
Im Norden unterwegs gewesen dabei
Wollte er den Norden vor Luther noch

Bewahren behauptete er später was
Eher unwahrscheinlich noch klingt
Zwei Jahre nach Beginn in Wittenberg
Wird Luthers Geist nicht schon am

Polarkreis gewirkt haben und so war
Die Reise eher Mission unter Heiden
Derer er sich vielfältig lobte wohl um
Weiterhin gut bezahlt zu werden

Auch welche Gründe ihn nach Oslo
Führten bleibt so unklar wie noch
Manche Geschichte um seine großen
Eigenen Reisen durch den Norden 

Doch lebte er in Danzig in einer sehr
Internationalen Stadt voller Seefahrer
Dort konnte er vieles erfahren auch
Was die mündliche Tradition betraf 

Viele der Sagen und Geschichten des
Nordens waren nie notiert worden
Immer Teil der mündlichen Tradition 
Von der er als Reisender profitierte

Auch in Venedig gab es sehr viele
Seefahrer und eine alte Tradition
Der Karten auf die er sich als Gast 
Stützen konnte was sicher half

Dennoch bleibt diese erste Karte 
Des ganzen Nordens eine ungeheure
Leistung in ganz vielen Hinsicht die
Das Buch dazu so spannend macht


Das dritte Kapitel über die Agonie
Des Barock beginnt Egon Friedell 
Mit einer Lobhymne auf Watteau
Als den Maler des Rokoko

Begeistert beschreibt er dessen
Farbenfrohe strahlende Bilder um 
Dann auf den armen einfachen Mann
Zu kommen der Watteau wirklich war

Sohn einander Dachdecker aus dem
Ländlichen Frankreich der nach Paris
Kam wo er schon 1721 an der ihn
Auszehrenden Schwindsucht starb

Er der nie zu den oberen gehörte
Von galanten Festen als kleiner
Hässlicher Mann nur träumen konnte 
Malte sie in vollkommener Schönheit

So sieht Friedell in ihm einen
Sterbenden wie sein ganzes Leben
Und Schaffen als die Euphorie eines
Schwindsüchtigen ohne Hoffnung 

Genau das wäre kennzeichnend
Für das Rokoko als Epoche das
Euphorie und Agonie des Barock
Sein wie Friedell treffend meint 

Sie sei der Sonnenuntergang der
Epoche und damit auch jene Zeit
Die Watteau am meisten liebte so
Sei liebend und sterbend wohl die

Formel die daa Rokoko am besten
Beschreibt meint Friedell was ich
Relativ gewagt aber spannend finde
Mit Tod und Leben hier spielend

Überhaupt sei das Rokoko ein
Zersetzender Stil der überwuchert 
Sumpfmotive setzten sich durch alles
Löst sich in später Fäulnis nun auf

Dabei von weicher Abendkühle noch
Durchweht in sterbendes blau wie 
Zartglühendes rosa getaucht malt
Friedell den Rokoko Geist treffend

Es breite sich eine fahle Stimmung
Von Herbst über die Menschheit die
Farben des Verwelkens bevorzugt
Ein Décadencestil par excellence

Alles ist müde gedämpft anämisch
Vor allem aber feminin raffiniert wie
Kindlich naiv zugleich obszön wie 
Die Frau eben sei meint Friedell

Verschleiert und bodoirhaft parfümiert
Geschminkt satiniert Konditorhaft 
Ohne männliche Tiefe Gediegenheit
Darum auch ohne alle Schwere

Schwebend und tänzerisch sei auch
Die wie durch ein Wunder von allen
Gravitationsgesetzen befreite neue
Architektur die es hervorbrachte

Immer vielsagend lächelnd aber
Selten nur eindeutig lachend so
Amüsant pikant kapriziös zugleich
Feinschmeckerisch witzig kokett

Auch anekdotisch pointiert plaudernd
Degagiert skeptisch und populär so
Wie komödiantisch und genrehaft 
Auch in den Karyatiden des Zeitalters 

Als solche bezeichnet er eigenwillig
Bach Friedrich den Großen Voltaire
Die er als Genrefiguren nur sieht was
Sonst Frauengestalten in Fassaden

So sei der späte Barock intim ist im
Edelsten Sinne ein Tapezierstil der
Nur gefallen und schmücken will
Große Worte unbequem skurril findet

Das Charaktergebäude sei nicht das
Palais sondern la petite maison ein
Mit allem privaten Luxus verziertes
Lusthaus das persönlich dabei bleibt

Unter Ludwig XIV war alles öffentlich
Diente der Präsentation nun beginnt
Ermüdet von 50 Jahren dauernder 
Galavorstellung der Rückzug wieder

Schon die Namen der Schlösser 
Deuten diesen Wechsel uns an 
Eremitage monrepos solitude wie
Sanssouci es wird liebenswürdig 

Bequeme Polsterstühle ersetzen nun
Die steifen Prunkmöbel Seidenkissen 
Bedecken die Kanapees zärtliche
Delikate Materialien überwiegen

So kamen Sekretäre mit Geheimfach
Oder Damenschreibtische auf alles
War mit wohlriechenden Essenzen
Imprägniert die Atmosphäre zählte

Eine besondere Note erhielt das
Rokoko Interieur durch dominante
Porzellan und Pastellkunst es zeigte
Den Charakter der Zeit verhaucht 

Johann Böttcher stellte 1709 das
Erste europäische Porzellan her
Im sächsischen Meißen als ihn 
August der Starke als Alchimist

Noch in Haft hielt und tatsächlich
Wurde es zu einer Art von Gold
Mit der Meißener Manufaktur nun
Bald folgten weitere Länder auch

Konkurrenz für die deutschen
Manufakturen wurde die von der
Pompadour ins Leben gerufene
Manufaktur in Sèvres sogar in

England versuchten sie es selbst
Besonders John Wedgwood erfand
Ein nach ihm benanntes Material
Es kam zur Porzellanmanie Europas

Alles wurde irgendwie noch mit
Porzellan verkleidet wie verziert was
Ihr das fragile aparte elegante spröde
Damit den Geist des Rokoko nahm

So beschreibt Friedell das Rokoko
Spürbar begeistert teilnehmend
Was dem Teetrinker verständlich ist
Der den Rückzug liebt denke ich

Er trifft den Geist einer Zeit die
Nicht für die Ewigkeit baute uns 
Teure Sanierungsfälle von zarter 
Schönheit noch hinterlassen hat

jens tuengerthal 26.2.26

Freiheitsentscheidung

Freiheitsentscheidung

Freiheit ist eine Entscheidung
Weil ich entscheiden kann bin ich frei
Auch die Unfreiheit zu wählen
Ist Teil umfassender Freiheit

Ob und wie die Freiheit staatlich
Beschützt werden kann ist dabei
Immer wieder fraglich auch nach
Erfahrung mit autoritären Staaten

Grenze meiner Freiheit ist die der
Anderen spannend wird das konkret 
Was ist noch erlaubt was gehört zum
Schutz aller dabei dringend verboten

Ist die Verbreitung von Lügen zur
Täuschung der Wähler wie unter
Trump in den USA üblich von der
Meinungsfreiheit noch gedeckt

Kann ein Bewusstsein relativer
Wirklichkeit Wahrheit beanspruchen
Oder ist diese stets die Erfindung
Eines Lügners in Wirklichkeit nur

Kann sich wer vom Aberglauben
Gefesselt ist es gäbe eine höhere
Macht oder Götter noch frei nennen 
Ist deren Entscheidung je frei

Darf frei wählen nur wer frei ist
Also keiner Beschränkung unterliegt 
Wen schlösse das langfristig aus von
Der Möglichkeit in Freiheit zu leben

Die Bedingungen dessen definieren
Was Freiheit ausmacht kann helfen 
Ihren ganzen Umfang zu erkennen
Wie gleichzeitig Grenzen setzen

Zwischen dieser Spannung nach
Freiheit suchend durch das Leben
Zu balancieren ist vermutlich normal
Bleibe am Ende halt etwas unklar

jens tuengerthal 26.2.26