Freitag, 8. November 2024

Lektürentagebuch 7.11.24

Lektürentagebuch 7.11.24

Novembertage in grau sind die
Schönsten Lesetage denn selten
Lohnt es weniger rauszugehen
Bin lieber in drei Bänden versunken


Angefangen mit Franz Hessel der
Von seiner unvergleichlichen Telephonistin
Aus Ermunterung zum Genuss erzählt
Mit der er alles teilte außer das Bett

Was sie daran hinderte obwohl
Wie er heute meint beide es doch
Gerne gewollt hätten erzählt Hessel
Dabei wieder feinsinnig wie liebevoll

Die Erinnerung an schlechte Zeiten
Den Konkurs und wie blind er war
Sie zum Abschied nicht zu küssen
Sondern sich zu lieber zu erklären

Als müsse er sich entschuldigen
Warum er besser nun ginge statt
Ihre warmen Worte aufzugreifen
Wie es ganz sein Gefühl war

Eine fein beobachtete Geschichte
Die viel über das Verhältnis von
Frauen und Männern erzählt wie
Gesagtes und gemeintes offenbart

Ein immer liebevoller Erzähler der
Ganz bei seinen Figuren ist ohne
Sie bloßzustellen oder zu beurteilen
Der feine Flaneur bleibt Beobachter


Nach der kleinen auch romantischen
Geschichte tauchte ich wieder in die
Geschichte der Romantiker in Jena mit
Andrea Wulfs Fabelhaften Rebellen 

Endlich kehrt auch Caroline Schlegel
Nach Jena zurück lang erschüttert vom
Tod ihrer geliebten Tochter ist sie völlig
Frustriert wie ihre Wohnung aussah

Was Friedrich und Dorothea Schlegel
Alles ungefragt mitnahmen als sie 
Endlich auszogen und August Wilhelm
Will lieber erst keine Partei ergreifen

Dies weil Parteilichkeit nicht seine Sache
Wäre aber dann doch Caroline vereidigt
Weil sein Bruder und Dorothea sich wohl
Völlig unmöglich benahmen es wird nervig

Welche Bedeutung diese Kleinigkeiten
Die sicher genau so stattfanden für den
Geist der Romantik haben für den Jena
Eine gewisse Zeit stand bleibt unklar

Zwischen den Romantikern in Jena
Beginnt die destruktive Zwietracht
Die sich an Kleinigkeiten aufhängt
Statt großen Ideen noch zu folgen

Fichte und Schelling zerstreiten sich völlig
Friedrich Schlegel wird hineingezogen vor
Ludwig Tieck von Fichte angeschwärzt
Geistige Enge und Intoleranz wirken

Goethe amüsiert sich von Weimar aus 
Darüber zwischen dem Idealismus des Ich
Und dem der Natur quält sich in anstatt
Ein wenig durch Schellings Werk noch

Während Fichte und Schelling sich nun
Öffentlich bekriegen können auch Caroline
Und Schelling ihre Liebe nur halb ausleben
Weil sie offiziell ja noch verheiratet ist

Schelling lebt mit seinem Studienfreund
Hegel zusammen mit dem er auch noch
Eine Zeitschrift herausgibt doch 1807 kommt
Der nächste Konflikt überraschend auf 

Als Hegel die Phänomenologie des Geistes
Veröffentlicht zeigt sich vieles plötzlich als
Völlig unvereinbar und die Hochburg der
Romantik scheint sich zu zerstreiten

Ob dies am unklaren Geist der Romantik
Mit seinem Schwerpunkt im Gefühl lag
Das es jeder Vernunft schwer macht liegt
Für hier Philosophen nur scheinbar fern

Der Blick auf alltägliche Kleinigkeiten
Zeigt die Güte einer Denkweise die am
Normalen dann gerne scheitert weil sie
Etwas ganz Besonderes sein wollte

Nah kam mir keiner von diesen geistig je
Im Gegenteil halte ich vieles davon eher
Für geistige Brandstiftung der folgenden
Flächenbrände von Marx bis Hitler

Es ist ein Geist der Intoleranz in der
Nur scheinbar freien Welt der Romantiker
Die Liebe und Gefühl folgten ohne den
Kategorischen Imperativ zu verinnerlichen

Wo sie wie Hegel anmaßen meinten
Kant zu Ende und weiter gedacht zu
Haben wird es besonders peinlich
Wenn nur romantische Ideen bleiben


Mit Thomas Mann auf dem Zauberberg
Ein wenig in Hans Castorps Gedanken
Über den Wert der Regelmäßigkeit dort
Im Sanatorium weiter nachgedacht

Was ihn zu Hofrat Behrens noch führte
Wie dessen Weg vom Angehörigen der
Witwer wurde und unklar ob dabei selbst
Infiziert zumindest auch verfärbt scheint

Schaute er sich den Kopf des Arztes an
Könnte er an ähnlichen Zuständen wie
Er selbst leiden denkt sich Hans wieder
Noch als Tourist in der Liegekur dort

Wie es Thomas Mann hier gelingt die
Stehende Zeit im Nichts über viele
Seiten auszudehnen mit Gedanken
Zeigt wirklich den großen Erzähler

Dabei wird die thematische Nähe
Zu Prousts la recherche spürbar
Auch wenn beide nichts voneinander
Wie dem jeweiligen Projekt wussten

Während Einstein die Zeit relativierte
Philosophen das Sein infragestellten
Wurde diese Frage zu Literatur die
Das Gefühl für Zeit in uns aufhebt

So ist der Zauberberg weit mehr als
Ein Roman auch ein Lebensgefühl
Was Zeit relativiert wie mir ihr sehr
Gekonnt immer wieder dabei spielt

Dies in den Längen zu erspüren
Wie die Ironie jenseits der Rituale
In den Figuren zu erkennen gibt
Dem Werk Größe wie Tiefgang

Eine Krankenhausgeschichte über
Hustende Patienten die sich in den
Bergen durch die Aufhebung der Zeit
Erholen und damit heilen sollen

Wie dehnt sich die Zeit für Hans der
Seine ersten zwei Wochen vollendet
In die letzte kommt und sich dabei
Ganz in den Rhythmus dort einfügt

Dies aus Eigeninteresse um seine
Seltsame Liebesgeschichte mit der
Wiedergängerin seiner Knabenliebe
Pribislaw Claudia Chauchat zu leben

Die er andererseits vor sich leugnet
Nicht ernster nimmt als einen eben
Urlaubsflirt der bald wieder endet
Verlöre er sich nicht noch in der Zeit

jens tuengerthal 7.11.24

Donnerstag, 7. November 2024

Paartherapie

Paartherapie

Vieles was mit Liebe beginnt
Scheitert schnell im Alltag weil
Jeder sich gerne durchsetzen will
Dabei blind für den anderen wird

Dann schmeißen wir was war weg
Statt daran mit Liebe zu arbeiten
Werden lieber Schuldige gesucht
In der Liebe wie in der Politik

Paaren wird dann erstmal eine
Paartherapie empfohlen um sich
Wieder besser besser verstehen
Zu können was vielen schwer fällt

John Gray der Paartherapeut ist
Schrieb darüber ein wunderbares
Buch aus dem ich lernte mit dem Titel
Männer sind anders Frauen auch

Darin vertritt er die These dass
Frauen von der Venus kommen
Männer dafür vom Mars wir also
Aliens normal füreinander sind

Wer so an eine Sache herangeht
Kann Verständnisprobleme lösen
Statt sich ineinander festzubeißen
Lieber offene Fragen dann klären

Schaue ich mir das Verhalten von
Scholz und Lindner an die sich gleich
Kündigten und Neuwahlen fordern
Bräuchte es wohl eine Paartherapie

Der eine beklagt Vertrauensverlust
Der andere fühlt sich offensichtlich
Nicht ernst genommen warum er die
Porscheschwanzverlängerung braucht

Wer von der Venus hier kommt oder
Marsianisch kriegerisch dabei war
Kann offen bleiben und wechseln
Therapie wäre wohl vernünftiger

Warum die Führung eines Landes
Die verantwortlich handeln soll sich
Cholerisch nachtragend verhalten darf
Statt eine Therapie zu machen bleibt

So unklar wie manches und ich neige
Dazu Habeck zuzustimmen es war eine
Völlig unnötige Scheidung gerade jetzt
Wo es mehr Stabilität bräuchte statt

Streit auf Kindergartenniveau bei dem
Jeder noch den anderen verpetzt wie
Öffentlich schlecht macht was wir nur
Von schlechten Scheidungen kennen

Statt alles wegzuwerfen würde ich gern
Eine Paartherapie vorschlagen damit es
Bei den beiden mal wieder klappt ob mit
Oder ohne Schwanzverlängerung

Dies wäre ein würdiges erwachsenes
Verhalten in Krisenzeiten ansonsten
Sollten beide bitte abtreten sich Zeit
Zur Persönlichkeitsbildung zu nehmen

jens tuengerthal 7.11.24

Bücherliebe

Bücherliebe

Liebe zu Büchern
Befriedigt mich nachhaltig
Lesen macht glücklich

Keine Eifersucht
Dafür liebevoll ohne
Jede Ungeduld

Sex mit Büchern ist
Immer besser als ohne
Lehrt die Erfahrung

jens tuengerthal 7.11.24


Nebelflucht

Nebelflucht 

Vor grauem Nebel
In Geschichten zu fliehen
Gibt Leben Farbe

Bücher erwidern
Zuneigung ohne alle
Berechnung dabei

Lesen lohnt immer
Politik eher selten
Entscheidung einfach

jens tuengerthal 7.11.24

Leselicht

Leselicht

Welch buntes Leuchten
Bringt Literatur über 
Bücher ins Leben

jens tuengerthal 7.11.24

Novembergrau

Novembergrau

Graue Tage im
November völlig normal
Laden nach Innen

jens tuengerthal 7.11.24

Kanzlerrede

Kanzlerrede

Lange hat der Kanzler geschwiegen
Zum Theater seines Finanzministers
Er suchte die Klärung noch intern die
Der entlassene Lindner verweigerte

In seiner Rede auf der Pressekonferenz
Die zu den großen sicher zählt hat
Der Bundeskanzler seinen Schritt der
Gerade überhaupt nicht passt begründet

In Zeiten des Krieges wie der großen
Politischen Umbrüche durch die Wahl
Von Trump bräuchte es Stabilität von
Seiten Deutschlands für Europa

Wie sehr der Finanzminister dieses
Erste Interesse einer Bundesregierung
Zugunsten der persönlichen Profilierung
Störte machte der Kanzler dabei deutlich

Damit brach Lindner sowohl seinen Eid
Jeden Schaden vom Land anzuwenden
Wie er seine Kompetenz überschritt weil
Allein der Kanzler die Leitlinien der Politik

Einer Bundesregierung bestimmt nicht sein
Finanzminister der nur den Etat verwaltet
Nicht die Wirtschaftspolitik zu bestimmen hat
Womit sein Verhalten regelwidrig auch war

Hiergegen argumentiert Lindner der
Kanzler habe den Bruch der Eides von
Ihm mit Umgehung der Schuldenbremse
Gefordert wofür die FDP ihn bejubelt

Der Vorwurf die Rede des Bundeskanzlers
Sei vorbereitet gewesen er habe sie nur
Abgelesen ist dagegen kein ernsthafter
Wie schlecht wäre es unvorbereitet

Scholz war hörbar genervt vom
Finanzminister hatte lange dafür
Um Kompromisse noch gerungen
Wer rechnet da nicht mit allem

Der Ausstieg des Verkehrsministers
Aus der FDP und sein dafür Verbleib
In der Koalition macht deutlich wie
Dünn das Eis für Lindner längst ist

Dessen Eitelkeit versteht natürlich
Ein Kubicki sehr gut während der
Kanzler sich angewidert abwendet
Preußisch an seine Pflicht erinnert 

Entscheidend für Scholz aber war der
Vertrauensbruch von Lindner der eine
Forderung aus den internen Gesprächen
Zeitgleich an die Presse lancierte

Damit gab es keine Basis mehr auf
Der eine kooperative Klärung noch
Möglich gewesen wäre und folglich
Die Entlassung unvermeidlich wurde

Nun rief der Kanzler zum Zusammenhalt
Wie zur fairen Verteilung der Lasten auf
Warf dem entlassenen Lindner damit vor
Das Gegenteil dazu unsozial zu fordern

Diese klare Abgrenzung von seinem vorher
Regierungspartner zeigt jene Führung die
Von einem Bundeskanzler zu erwarten ist
Welche viele vorher noch vermissten

Konflikte zuerst intern klären statt sich mit
Immer neuen Provokationen an die Medien
Zu wenden zeigt einen Führungsstil der mehr
Von Fairness und Kooperation geprägt ist

Damit hat der Bundeskanzler endlich die
Nötige Führung wie seinen Stil verdeutlicht
Ihm geht es eher um sachliche Lösungen
Wer sich dem verweigert kann nicht regieren

Was daraus wird und wohin es uns führt
Wird die Zeit uns zeigen auch ob Bürger
Merken wer am Wohl des Landes sich
In Zeiten der Krise eher noch orientiert

Der Kanzler nannte das Verhalten von
Lindner unzumutbar warum seine damit
Unehrenhafte Entlassung die nur noch
Ein Rauswurf ist gut begründet scheint

Es bleibt zu hoffen dass die Bürger jene
Flucht aus der Verantwortung von Lindner
Bei der nächsten Wahl honorieren werden
Womit diese Rede den Wahlkampf eröffnete

Klare Führung nach dem Scheitern aller
Versuche einen Kompromiss zu finden
Ist die wichtigste Aufgabe des Kanzlers
Dieser wurde Olaf Scholz heute gerecht

Wohin dies das Land führen wird ist offen
Doch gut wenn der Kanzler führt wo nötig
Damit den Kurs der Regierung bestimmt
Die so diese Krise auch bewältigen kann

Eine Regierung ist zerbrochen was in
Deutschland doch eher selten vorkommt
Wofür die FDP Verantwortung wieder trägt
Wie die Quittung auch bekommen dürfte

jens tuengerthal 7.11.24

Mittwoch, 6. November 2024

Entlassung

Entlassung

Es war im traurigen Monat November
Als Heine nach Deutschland reiste
Darüber sein Wintermärchen schrieb
Was große Literatur uns wurde

Während die USA gerade durch
Ihre Wahl die Welt verunsichern
Keiner weiß was uns allen droht
Stürzt Deutschland in die Krise

Bundeskanzler Scholz entlässt
Finanzminister Lindner worum
Dieser lang genug gebettelt hat
Mit ständigen Provokationen

Die alle vorher Vereinbarungen 
Infrage stellten ohne noch eine
Gemeinsame Perspektive zu bieten
Nur Lindner darstellen sollten dabei

Der Finanzminister der kleinsten
Partei dieser Koalition wollte auch
Die Wirtschaftspolitik bestimmen wie
Den Kurs der Bundesregierung ändern

Beides war nie seine Aufgabe sondern
Die von Scholz und Habeck womit die
Provokation nur seiner Eitelkeit diente
Was Deutsche gerne übel nehmen

Politiker sollen ihre Arbeit erledigen
Dafür werden sie gut bezahlt nicht
Persönliche Interessen verfolgen
Dabei was sogar strafbar wäre

Es bleibt zu hoffen dass die Wähler
Die Lindner FDP verschwinden lassen
Welche ihrer Verantwortung nicht
Gerecht wurde in der Regierung

Dessen Verhalten sei keinem
In der Koalition länger zumutbar
Begründete Scholz die Entlassung
Des provokanten Finanzministers

Aufgabe der Bundesregierung ist
Die Bundesverwaltung zu leiten
Fraglich bleibt wie es weitergeht
Braucht es wirklich Neuwahlen 

Im Januar stellt Scholz dann im
Parlament die Vertrauensfrage
Bis dahin wird sich zeigen ob es
Wege für diese Regierung gibt

Lindners asozialer Ego-Trip sollte
Zumindest keinen Erfolg haben
Dieser Mittwoch wird wohl als
Einer des Grauens Geschichte

Noch hat die FDP die Chance
Ihren eitlen Vorsitzenden auch
Aus dem Amt zu jagen um bis
Zur Wahl kooperativ zu bleiben

Ansonsten wird die FDP Geschichte
Egal wer liberale Politik vertritt ein
Lindner ist für keinen ein Partner
Er sollte nun Hausmann werden

Dann könnte Deutschland beim
Großen Streit noch gewinnen
Um dessen wohl es gehen soll
Lindners sind schlicht entbehrlich

Sozialdemokraten und Grüne zeigen
Sich dabei zuverlässig nur einer braucht
In Zeiten der Krise alle Aufmerksamkeit
Darum sollten sie besser allein regieren

Vor Weihnachten passiert hier nichts
Nur Lindner ist entlassen und seine
Parteifreunde folgen ihm oder nicht
Scholz hat endlich Führung gezeigt

jens tuengerthal 6.11.24

Liebeslicht

Liebeslicht

Liebe leuchtet noch
Hoffnung für grauenvolle
Zukunft zu geben

jens tuengerthal 6.11.24

Grautag

Grautag

Graue Tage in
Europa als Folge der
Wahlen im Westen

jens tuengerthal 6.11.24

Vergoldet

Vergoldet

Goldene Zeiten
Kämen für Amerika
Verkündet Donald

Wie sein Schlafzimmer
Neureich vergoldet immer
Etwas peinlicher 

Fremdschämen hilft nicht
So tickt Amerika halt
Es siegen Dollars

jens tuengerthal 6.11.24

Wahlkater

Wahlkater

Trump hat gewonnen
Deuten Prognosen uns an
Populismus siegt

Noch vier weitere
Jahre einen Idioten
Ertragen wird hart

Demokratie zeigt
Grenzen des möglichen mit
Wenig Verstand auf

jens tuengerthal 6.11.24

Liebesfehlfunktion

Liebesfehlfunktion

Liebe ist eine Fehlfunktion
Die unsere Urteilsfähigkeit
Stärker beeinträchtigt noch
Als jede andere Ideologie

Liebende halte die Geliebten
Für die besten und schönsten
Ziehen sie anderen darum vor
Aus einem bloßen Gefühl heraus

Diese Beeinträchtigung der sonst
Kritischen Wahrnehmung macht
Jedes ihrer Urteile objektiv wertlos
Weil Gefühl dabei alles bestimmt

Damit treffen Liebende auch ihre
Entscheidungen füreinander ohne
Die nötige kritische Prüfung weil
Emotionen den Verstand verdrängen

Wie oft scheinen verliebte Urteile wie
Folgenreiche Entscheidungen was
Für das Ja-Wort der Ehe etwa gilt
Hinterher uns völlig unverständlich

Fehlgeleitet und verwirrt scheinen
Wir verliebt gewesen zu sein diese
Person allen anderen vorzuziehen
Die nie unsere Erwartungen erfüllte

Doch ermöglicht uns die Fehlfunktion
Uns bedingungslos zu lieben was
Zum höchsten Glück erst führen kann
All den Unsinn so lohnend macht

Solange es gut geht und wir mit der
Gerade Liebe glücklich sind schadet
Der Fehler nicht weiter nur wenn es
Wieder scheitert wundern wir uns

Vielleicht wäre es klüger zu fragen
Ob die Liebe wirklich Fehler auslöst
Oder Sein ohne sie mangelhaft wäre
Objektivität stets ein Systemfehler ist

jens tuengerthal 6.11.24

Fehlerkorrektur

Fehlerkorrektur

Fehler machen wir alle
Keiner ist je vollkommen
Was auch besser so ist
Solange wir sie korrigieren

Die Kunst Fehler zu korrigieren
Ist die wichtigste Fähigkeit für ein
Gutes Zusammenleben wie die
Chance zur Weiterentwicklung

Fehler zu machen ist nicht schlimm
Im Gegenteil gibt es uns die Chance
Zu lernen und besser zu werden so
Zeigt Größe sich in der Fähigkeit dazu

Wer sich korrigiert ist auf einem
Guten Weg für die Zukunft weil
Fehler konstruktiv genutzt werden
Wer sich für fehlerlos hält hat keine

So gesehen geben Fehler uns mehr
Chancen zur positiven Entwicklung
Als fehlerloses Funktionieren könnte
Sich darüber ärgern schadet nicht

jens tuengerthal 5.11.24

Dienstag, 5. November 2024

Lektürentagebuch 4.11.24

Lektürentagebuch 4.11.24

In vier Büchern von vier Autoren
Mit Begeisterung gelesen um so
Aus Pommern in den Krieg wie
Durch seine Geschichte zu reisen
Schließlich in Davos anzukommen

Begonnen heute mit Franz Hessel
Planken im Sand einer Geschichte
Aus Ermunterung zum Genuss in
Welcher der junge Otto von seinem

Erfolgreichen Bruder dem Zahnarzt
Ans Meer nach Pommern geschickt
Wird dort wie von diesem so geplant
Tatjana, begegnet und eine Liaison

Nach anfänglichem Zögern beginnt
Mit dieser über Wald und Strand läuft
Die Planken im Meer dabei sieht alles
Wie ein zauberhafter Anfang scheint

Der sein sonst ewiges Zeitunglesen
Wie für sich sein unterbricht ihm
Ein schönes aufregendes Gefühl für
Erste Momente noch schenkt doch

Dann wechselt Franz Hessel plötzlich
Die Perspektive und beschreibt ihre
Sicht der Dinge die sein Zögern wundert
Nach den ersten schönen Küssen 

Otto flieht wieder um sich in industrieller
Schlichtheit am Fließband sinnvoll endlich
Zu betätigen Teil der Arbeitswelt zu sein
Keinen Urlaubsflirt mehr zu pflegen

Eine fein und zart erzählte Geschichte
Voller schöner Momente die er der dort
Teil der Pläne seines Bruders war dann
Überraschend wieder beendet

Kein weil oder warum wird geboten
Die Leser bleiben etwas verwirrt wie
Auch Tatjana die gesollte Liaison zur
Überbrückung im Urlaub gedacht

Bis der Bruder eine neue Stelle für ihn
In Berlin findet sollte er sich vergnügen
Wie das mögliche genießen was dem
Zauber eine seltsame Färbung gab


Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Erzählt in seinem Simplicissimus in der gut
Lesbaren Ausgabe der Anderen Bibliothek
Von Olivier wie der Schulzeit und Jugend

Wie er in Lüttich mit seinem Lehrer ein wildes
Leben führte und beinah umkam ihn nur ein
Freund des Vaters noch rettete er darauf
Wieder nach Hause zurückkehrte

Was zu sicher neuen Abenteuern bald führt
Die den Heranwachsenden schließlich zum
Nennbruder des Simplicissimus machten
Den er gerade im Kriege wiedertraf

Die leicht ironische Art mit der uns hier
Grimmelshausen die Abenteuer erzählt
Hat Witz und moralisches Urteil zeigt
Wie fern Krieg ein gutes Leben rückte

Der verwöhnte Liebling der Elter der
Ein gutes Leben führte aber damit
Nicht zufrieden war Abenteuer suchte
Spielt auf die Ritterromane noch an

Statt romantischer Lieben werden
Dort Huren besucht wie fehlendes
Geld durch Überfälle auf Studenten
Wieder ausgeglichen weiterzumachen

Ein Leben wie die Söldner im Krieg
In dem beide nun arbeiteten auf
Wechselnden Seiten auch dabei
Weil ohne echte Überzeugungen


Blieb im Dreißigjährigen Krieg nur
Vom Roman zur Geschichte die
Egon Friedell in seiner Kulturgeschichte
Der Neuzeit klug wie immer erzählt

Es ging um die Auswirkungen des
Schrecklichen Krieges in Deutschland 
Der ökonomisch katastrophal war und
Das finanziell in viele Kleinstaaten lange

Schon zerrissen Reich in eine Art von
Konstitutioneller Anarchie führte wie
Friedell es treffend bezeichnet beim
Bericht über den Verlauf des Krieges

Das föderale Deutsche Reich als eine
Form der konstitutionellen Anarchie
Gefällt dem geschichstbewussten
Anarchen in mir mehr als nur gut

Der westfälische Friede vollendete den
Ruin des Reichs und schnitt Deutschland
Vom Meer ab da der Zugang aller Flüsse
Schwedisch wurde an Weser Elbe und Oder

Im Anschluss entwickelt Friedell die Theorie
Vom Genie und wie sich das individuelle hier
Typisch deutsche skandinavische und englische
Vom romanisch geprägten unterscheidet 

Dazu trennt Friedell mit eher seltsamen
Vokabular die romanische Rasse von der
Germanischen Menschheit was ich hier
Lieber unkommentiert nur berichte

Dies von Egon Friedell der aus dem
Fenster sprang als er fürchtete die
Nazis wollten ihn abholgen und vor
Dem Sprung alle Fußgänger warnte

Eine kulturelle Prägung die sich auch
In der Literatur spiegelt rassisch für
Regionale Unterschiede zu begründen
Scheint für einen Verfolgten absurd

Doch spiegelt es eben auch das für
Normal gehaltene Denken wieder was
Wir erst langsam überwinden warum
Achtsamkeit dabei noch so nötig ist

Ist die heute konsequente Leugnung
Aller menschlichen Rassen eher eine
Moralische Polizei als Kulturgeschichte
Widerspricht sie der Anthropologie

Kann diese Betrachtung die Toleranz
Eher fördern als die heutige Leugnung
Aller Unterschiede für mehr Gleichheit
Die nach vielen Verbrechen geboten war

Kehren wir zurück zur Spaltung oder
Schreiten wir fort zur Einigkeit die nur
Inhalte nie Anschein unterscheidet
Was bleibt davon dann noch sichtbar

Ist was Europa als Ideal verkörpert
Diese Festung der Menschenrechte
Welche die Freiheit für alle verteidigt
Ein widerstandsfähiges Ideal noch

Können wir gegen die Kräfte des
Bösen gemeinsam kämpfen um
Die totalitäre Welle aus Asien vor
Europas Zivilisation aufzuhalten

Kann Vernunft den Aberglauben
Sei er islamisch oder christlich gar
Sonstiger asiatischer Art besiegen
Zum Wohle der Freiheit aller

Spannende Fragen die sich nach
Der Lektüre von Egon Friedell als
Betrachter der Epochen stellen die
In Parteilichkeit sich gern verlieren


Mit Thomas Mann ging es weiter im
Zauberberg über aufsteigende Angst
Bei den immer Mahlzeiten wie die da
Ganz zufällig bewusst inszenierten 

Begegnungen mit Clawdia Chauchat
Wie den inneren Wahnsinn dabei der
Jedem der sich schon vom Gefühl
Der Liebe treiben ließ bekannt ist

Wie er Geschichten erfindet die ihn
Völlig abseitige Wege nehmen lassen
Um die Wahrscheinlichkeit auch nur
Eines Zusammentreffens zu erhöhen

Diese Umwege des Lebens dabei
Ohne jede Absicht dennoch ganz
Aufgeregt verfolgt werden als ginge
Es um eine ganz große Geschichte

Bei diesem kleinen Urlaubsflirt in der
Voraussichtlich letzten Woche seiner
Anwesenheit der doch real eine völlig
Unmögliche Beziehung bedeutete

Die Aufregung dabei verhindert jedes
Kritische Denken zu seinem Tun noch
Was ihm sonst lächerlich schiene wird
Zur allerschönsten Beschäftigung

Verfolgt er sie schon oder ist doch eher
Die verliebte Annäherung gewünscht
Auch von ihr die damit zu gerne spielt
Ihn als aufgeregten Verehrer zu halten

Wie gut kennen wir alle diese
Kunst der Damen von Klasse die
Sich ihre Verehrer gerne halten wie
Wir den Chor um sie bilden

Realistisch betrachtet wäre ihre Gunst
Tatsächlich zu erhalten nahezu immer
Weniger reizvoll als sie einfach nur
Anzuschwärmen als Göttinnen

Anatomisch und ganz real liegen
Die Ausscheidungsorgane so dicht
Beieinander dass vieles näher läge
Als gerade diese verklärt anzubeten

So wird zum höchsten Ziel aller
Träume der Mittelpunkt des Endes
Was auf dem Scheißhaus thront
Womit die Heilige verortet wäre

Deren Aufgabe ist nicht Hingabe
Sondern die Gunst ganz spärlich
Ihren Verehrern zu erweisen damit
Sie über kleinste Schritte jubeln

Genau dieses Spiel beherrscht die
Von Hans verehrte Clawdia vollkommen
Was ihn ganz in den Bann zieht ohne
Nur einen Moment noch mehr zu wollen

Vollzug und Befriedigung das reale
Ziel der gegenseitigen Hingabe liegt
Dort in Sphären jenseits der Vorstellung
Dafür wird das anstatt zum Ziel an sich

Als dieses aufregende Spiel das auch
Ein nachgeholtes um die Kirgisenaugen
Des Pribislav Hippe ist seinen Vollzug in
Einer Nacht findet tun sie es französisch

Sicher müht sich Clawdia nur im deutschen
Ist das französische als Sprache der Liebe
Vielfältig galanter noch doch drückt diese
Flucht für den Sex dessen Fremdheit aus

Es wird eine andere Welt betreten in der
Andere Sprachen gesprochen werden
Wie zwei sich als Fremde ganz nah
Kommen können auch ohne Folgen

Die Welt dieser Russin die einen
Fernen Gatten irgendwo im großen
Russischen Reich hat aber am guten
Russentisch sitzt bleibt fremd

Denke daran wie fremd mir hier die
Welten mancher Geliebter schon
Waren die nur in Vororten lebten
Dort ein ganz anderes Leben führten

Sogar eine hier am Platz einst noch
Die überall auf indische Art tätowiert
In spirituellen Welten lebte war wie
Eine ferne Eingeborene für mich

Unser Umkreis ist relativ klein immer
Selten nur verirrt sich eine aus den
Fremden Kreise in die eigenen noch
Doch wenn bleiben sie uns fremd

Als Fremde faszinieren sie sind so
Reizvoll wie die Prinzessin aus dem
Jemen eine Verwandte des Propheten
Die einmal überraschend nah mir kam

Oder jene aus der südlicher gelegenen
Alten Kaiserstadt die wunderbar küsste
Schien durch tief fremden Klang ihrer
Stimme noch viel reizvoller mir immer

Unerreichbar irreales anbeten um sich
An der Schwärmerei zu freuen die nie
Den erträumten Vollzug leben wollte
Wo doch gerne überraschend ernüchterte

Wenig passt wirklich je zusammen doch
Manches für Momente ganz perfekt
Ineinander dass alles vergessen wird
Was Beziehung an Qualen stets heißt

Auch genügt allein schon die Idee
Von Liebe und Anziehung diese als
Vollkommenes Glück bald zu spüren
Nur noch dafür leben zu wollen

Es ist egal ob das alles Unsinn ist
Die Liebe keine Zukunft hat wenn
Sie uns verzaubert fliegen lässt wird
Ihre Gegenwart uns höchstes Glück

Ob Weihnachtswunder oder ferne
Orientalische Märchen ein Traum
Wird wirklich wo wir ihn leben als
Sei es einfach das aller normalste

Hans Castorp weiß ganz genau
Clawdia Chauchat wäre eine ganz
Unmögliche Partie in seinen auf
Tradition bedachten Kreisen wohl

Ob genau das ihn so fasziniert
Es die magische Ähnlichkeit doch
Mit seiner Jugendliebe Pribislaw ist
Weil auch von slawischem Geblüt

Denke ich an meine guten Partien
Lagen sie so fern wie nah was der
Je sexuellen Anziehung entsprach
Waren sie immer zu anstrengend

Zugemutet habe ich der Familie
Beides ohne Unterscheidung dabei
Weil verliebt blind für jede Realität
Zeitweise an unmögliches geglaubt

Wie schön ist es angesichts von Hans
Irreal unmöglichen Versuchen dabei
Im Wissen um den realen Vollzug wie
Den vermeintlichen Ausgang zu träumen

Von verlorenen Lieben so sehr wie
Vom überraschenden Glück was sich
Manchmal sogar wiederfindet auch
Wo es eigentlich nie wirklich passte

jens tuengerthal 4./5.11.24