Donnerstag, 9. Oktober 2014

Googleangst

Google hat Angst um das Netz
Eric Schmidt fürchtet es könne
Infolge der NSA Spionage nun
Zerbrechen und die freie Welt
Ginge damit verloren im wieder
Territorialen Protektionismus wider
Den realen Imperialismus der USA
Wenn sich Europa rechtlich endlich
Davor schützt dass Daten künftig
Nach Gutdünken der Geheimdienste
Ausgenutzt und Regierungen damit
Erpressbar werden wie die Bürger
Nur noch als nützlicher Markt dienten
Logisch bekommt das Silicon Valley
Da Angst um die schnellen Gewinne
Wie seine weltweite Führungsrolle
Wäre Europa klug würde es den
Hilferuf hören und für sich nutzen
Geben wir den Europäern wieder
Ihre Grundrechte und lassen die
Amerikaner mit ihrem Kontrollwahn
Alleine damit wieder Freiheit lebt
Nicht länger Geheimdienste nur
In schmutziger Kooperation mit den
Gewinnern aus dem Silicon Valley
Dann böte sich Europa eine neue
Perspektive als Internetmarkt für
Freiheit und Datensicherheit
Was zumindest eine Perspektive ist
Die mehr Aussicht hat als weitere
Spionagekooperation mit den USA
Die Googleangst ist berechtigt
Nutzen wir sie und retten das Netz
Aus Europa für die Welt dann werden
Die USA netztechnisch alt aussehen
Das Gleichgewicht der Kräfte könnte
Sich wieder zu Gunsten der Freiheit
Endlich verschieben frage mich nur
Ob wer in Europa den Mut dazu hat
jt 9.10.14

Türkensolo

Die Türken wollen kein Solo
Am Boden gegen ISIS hinlegen
Verständlich denn wer setzt sich
Schon gern in selbst gezüchtete
Nesseln mit nacktem Arsch hinein
Verantwortlich sind wohl die USA
Die all den Krieg begannen damals
Wir andern alle liefern Waffen noch
An jeden am den es nicht verboten
Von Amerika und sonst über Umwege
Verantwortlich sind wir so gesehen
Wohl alle dort und doch wofür
Wer sich am Krieg beteiligt
Fördert und verlängert ihn
Die Türken fordern eine Strategie
So ungern ich Erdogan zustimme
Recht hat er hier denn wer wieder
Leben riskiert sollte einen Plan
Für nach dem Schlachten haben
Dumm wäre wer da in den Krieg
Einfach zöge für eine Stadt die
Nur mit Ziel zu halten ist
Traurig nur wie willig die Türkei
ISIS einst ließ und wie widerwillig
Sie den Kurden nur helfen wenn
jt 9.10.14

Genobelteliteratur

Wieder mal ein Franzose
Einer der Geschichten erzählt
Patrick Modiano kann erzählen
Sohn eines jüdischen Kaufmanns
Wie einer flämischen Schauspielerin
Die sich im besetzten Paris trafen
Trägt er schon viel der Geschichten
Von denen er erzählt in sich
Wie gut wenn wieder Erzähler
Geadelt werden für ihre Kunst
Die auch kurz sein kann
Um sogar zwei am Tag zu lesen
In Geschichten zu verschwinden
Schön wenn das Erzählen wieder
Preiswert ist und uns kostbar
jt 9.10.14

Sex in Berlin XXII

Was passiert im Sexleben der Großstadt, wenn der Herbst kommt, fragt sich der Flaneur beim nächtlichen Gang um den Platz und beim Blick in die Cafés und Bars, nach dem großen Regen mit herbstlichen Winden, scheinen die Orte nächtlicher Unterhaltung nahezu leergefegt. Es ist nichts los und die Menschen scheinen Zuhause geblieben zu sein.

Auch in den Hinterhöfen ist nichts von ihrem Treiben zu hören, auch wenn unklar ist, ob die Stille mehr an den nun geschlossenen Fenstern liegt oder eher daran, dass wirklich mal nichts los ist in der Stadt, die für sich in Anspruch nimmt sexy zu sein. Die wenigen Passanten tragen ihren Kragen hochgeschlagen und den Blick eher gesenkt, auf dem schnellen Weg nach Hause. Die beiden jungen Türken, im Nachtdienst am Kiosk sitzen in dicken Jacken noch vor ihrem Laden beim Bier und debattieren auf deutsch über türkische Politik. Mit Sex hat das alles nichts zu tun.

Es könnte nun die Theorie aufgestellt werden, dass die Wendepunkte des Wetters in der Stadt eher asexuell sind und dem sonst hier Liebesleben abträglich wären. Ob das nichts als Anhaltspunkt dafür genügt, oder es doch mehr wäre, wenn wir wüssten, was hinter den Fenstern passiert, kann nicht geklärt werden. Lassen wir es für heute dahinstehen und gönnen der Stadt auch Tage ohne Sex, wo sie es sich in hoffentlich trockenen Wohnungen gemütlich macht und nur darauf wartet, dass die Sonne wieder aufgeht.

Von der Sinnlichkeit des Nichts könnte viel geschrieben werden, aber tatsächlich passiert eben nichts und darum muss auch nicht viel darüber geschrieben werden und wir überlassen es im übrigen der Phantasie und fragen uns, ob wir die Pause lieber mit Vorfreude oder erwartungslos genießen, um keinesfalls enttäuscht zu werden, denn es kann ja auch im Nichts für sich genug Genuß und Schönheit liegen, wenn wir es nur zu würdigen wissen. Die Einsamkeit als Glück der dialektischen Spannung, die gespannt bleibt, was als nächstes geschieht und wie wir uns in dieses Glück finden, ist vielleicht die angemessene Umgangsweise mit Tagen wie diesen, die uns, was sonst hier passiert, mit anderen Augen sehen lässt und die Sinnlichkeit, so es sie gibt im Verborgenen lässt für eine ruhige Nacht.
jt 9.10.11

Kanzlerinnenbiografie

Nach sicheren Quellen wird nun auch
Die Kanzlerin und Mutti des Landes
Sich biografisch im Bücherwald ein
Denkmal setzen lassen aus wahren
Worten nur in dem sie endlich sagt
Was sie wirklich denkt warum es
Erst nach ihrer Amtszeit publiziert
Werden sollte und nur durch Zufall
Gelang ein erster Blick in das Werk
Das aus internen Protokollen entstand
Noch weiß keiner wie sie Merkel
Wehren wird oder ob sie längst
Unantastbar ist und die Lancierung
Nicht gezielt erfolgte um sich in ihrer
Aufgeklärt absolutistischen Machtfülle
Gedruckt bestätigen zu lassen
Aber was wissen wir schon
jt 8.10.14

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Ursprungsvernaschen

Den Ursprung der Welt malte einst
Gutave Courbet und schockierte
Damals noch manche schwer
Mit seinem Blick auf den schönsten
Aller Orte auf den Leidenschaft
Wohl zielen kann und schuf mit dem
Titel zugleich der Lust einen Kontext
Im philosophischen mit dem weit über
Den Trieb hinaus gegriffen sogar die
Religion angegriffen wurde die gern
Allen Anfang beim erdachten Gott
Sehen wollte Evolution Sünde nannte
Wie manche Spinner heute wieder
Den großen Bezug auch in der doch
Leidenschaft noch zu sehen und über
Diese hinaus sich am schönen als
Leckerei freuen ohne nur vernaschen
Zu wollen sondern eben die Sehnsucht
Danach voller Gefühl schön sehen
Ist noch heute ein Ziel was wert ist
Gewürdigt zu werden als solches
Mit Gefühl und Leidenschaft um
Am Ende doch zu träumen es
Mehr als zu vernaschen
jt 8.10.14

Europawurst

Eine Sängerin tritt auf und singt
Tut das auf besondere Einladung
Der Palamentarier Europas
Sang in Brüssel nachdem sie
Vorher einen Schlagerwettbewerb
Gewonnen hat der so grauenvoll
Meist ist das es besser keiner
Erwähnung wert wäre ginge es
Nicht weniger um Musik als um
Gleichheit denn die Sängerin ist
Conchita Wurst und Transgender
Ein Mann als Frau mit Volbart
Welche die gleichen Rechte
Endlich für alle fordert was gut ist
Auf die Frage hin ob sie sich nicht
Vorstellen könnte in die Politik nun
Zu gehen antwortete sie dass sie
Zwar sicher auch den Sängerwettstreit
Ihrer Rolle wegen gewonnen habe
Was ja gut sei aber sie hoffe doch
Auch ein wenig ihres Gesanges wegen
Denn sie sei einfach Sängerin
So sollte es einfach ein Konzert sein
Wäre besser völlig normal in Europa
Was es leider nicht ist sogar hier
Bekommen die Spießer die so etwas
Stört noch 10% und nennen sich AfD
Woran wir wieder sehen wohin der Weg
Dieser kleingeistigen Reaktionäre führt
Auch wenn es musikalisch eher
Nicht der Rede wert dieser ESC
Bei dem ich nur an die Ausstiegstaste
An meinem Rechner denke
jt 8.10.14

Kobanismus

Kobane ist strategisch ohne jede
Bedeutung für die Allianz im Krieg
Das hier verzweifelt gekämpft wird
Den Vormarsch zu stoppen ist halt
Tragisch aber nicht zu ändern wird
Von den strategisch Zuständigen
Dazu geäußert es wird also keine
Hilfe für die Stadt der Kurden geben
Sie sind wieder auf sich gestellt
Und die Türken lassen die Kurden
Die dort kämpfen wollen nicht
Ihren Stammesbrüdern zu Hilfe eilen
Was die Strategie der Türkei
Die ISIS lange unterstützte mehr
Als nur insgeheim fragwürdig nun
Scheinen lässt und die Welt folgt weiter
Der Strategie die keine ist und in der
Städte geopfert werden wenn sie
Nicht in die Strategie ohne Ziel passen
Einer Strategie nach der ohne Risiko
Gekämpft werden soll denn die Opfer
Am Boden gehen uns ja nichts an
Der Kobanismus ist die neue Doktrin
Der Weltpolitik die sich nicht traut
Also schauen wir zu wenn unsere
Militärs ohne Strategie etwas nicht
Für wichtig halten es geht ja nur um
Menschen da ist Strategie wichtiger
Auch wenn es keine gibt
jt 8.10.14

Sex in Berlin XXI

Wir begegnen uns an öffentlichen Orten meist relativ angezogen und können nur erahnen, was sich unter der wie immer modischen oder nur praktischen Hülle verbirgt, auch wenn sich manche immer mehr bemühen das darunter nicht anzudeuten sondern möglichst weit vorzuführen. Von den Unterhosen, die bei beiden Geschlechtern weit über die auf Hüfte getragenen Hosen hinausreichen, bis zu den Einblicken in die weibliche Unterwäsche, die auf freien Schultern oder darunter schön vorgeführt wird.

Es wäre ja auch zu schade, scheint es, wenn diese Pracht nur verdeckt getragen würde, denkt der Beobachter auf den ersten Blick und sieht doch meist wenig, wird aber durch die Andeutung um so mehr gereizt, dem darunter gelegenen Fettgewebe oder sonstigen verdeckt getragenen Körperteilen nahe zu kommen.

Der genaue Beobachter wird schnell feststellen, was sie trägt und vermutlich merkt auch sie auf, soweit seine Unterwäsche sichtbar wird jenseits des typischen Handwerkereinblickes. Nur wollen wir damit Einblick gewähren oder gerade nicht und nur dadurch, dass wir zeigen, wie, was wir nicht zeigen, verhüllt ist, den Reiz des Verhüllten erhöhen, oder ist die Hülle längst zum Reiz an sich geworden.

Freue mich, wenn ich schöne Wäsche sehe, am Anblick dieser an sich. Ob das nun der String ist, der sich hochgezogen abzeichnet und das dennoch verborgene andeutet oder der BH, der dem dennoch verborgenen Busen Form und Kraft gibt, was immer darunter davon übrig ist. Was Frauen am Anblick der eher beutelartigen Boxershorts reizen kann, weiß ich nicht zu beurteilen, aber vermutlich schauen auch sie mehr emotional und weitblickend in bezug auf den darin frei schwingenden Inhalt.

Aber will ich darum gleich die Schamlippen des Objekts der Begierde sehen, möchte ich der, ihren Po streng von ihrer Wäsche teilenden, in den Hintern schauen, oder ist die verhüllte Variante Reiz genug und wäre der direkte, unverhüllte Anblick vielleicht eher zu natürlich, fast medizinisch?

Frage mich also, ob mich der Anblick der weiblichen Scham oder des nackten Busens mehr verzücken würde, als der nur in der Hülle in Form gebrachten Andeutung davon. Wäsche ist nicht mehr nur dezentes darunter in irgendwie hautfarbener Formlosigkeit, sondern Teil der Kleidung, die aber auch wo sichtbar, noch lange nichts verheißt über den gewünschten Zugriff auf das darunter. Diese Unterwäsche bringt zumindest bei Frauen, bei Männern beobachte ich es zugegeben seltener, sehe allerdings auch wenig Exemplare, die damit ihre primären Geschlechtsmerkmale gerade betonen, den primären Gegenstand der Lust ins Zentrum des Blickes und der Aufmerksamkeit.

Wenn ich dies wahrnehme, werde ich in Gedanken auf das Geschlecht und seine Form gelenkt und würde dennoch immer einen Teufel tun, Frau darauf zu reduzieren, auch wenn gerade dies durch die Art der Kleidung im Vordergrund steht. Im Gegenteil, es ist gerade, wenn Interesse besteht, mögllichst dezent zu übersehen und darf erst bemerkt werden, sobald schon einverständlich miteinander auf die sexuelle Ebene gewechselt wird.

Daher stellt sich die Frage, ob die schöne Wäsche, die offen präsentiert wird, eher als Test genutzt wird, wie weit die Selbstbeherrschung des Gegenübers geht und wann er anfängt mit den Hufen zu scharren. Vermutlich gibt es aber auf diese sowenig eine allgemeine Antwort, wie dies auch sonst im Verhätnis von Frau und Mann möglich ist, sondern ist in jedem Fall anders zu bemessen und die eine trägt einen String, weil sie es angenehm findet und schon immer so macht, sich nie etwas dabei denken würde, während die andere, diese Dinger nie anziehen würde, weil unbequem, nur eben kurz davor oder als Mittel zum Zweck sie gerne nutzt und es wird vermutlich auch nicht wenige geben, die dies tragen, ohne darüber weiter nachzudenken, weil es alle tun oder eben Mode ist oder nicht.

Bei manchen Enthüllungen, die sich unter zauberhaftester Wäsche so offenbaren, fragte sich der nüchterne Beobachter vermutlich, ob die Verhüllung nicht reizvoller war, nur zum Glück ist ja keiner der Teilnehmer dabei normalerweise hormonell nüchtern, warum es nicht darauf ankommt. Gefährlich wird es, wenn der emotionale Rausch die eigentliche Nüchternheit im Anblick überdecken soll, aber nicht tut. Dann bewegt sich Mann jedenfalls schnell auf sehr dünnem Eis und sollte sich hüten, leichtfertig Komplimente zu verteilen, die genau die umgekehrte Wirkung haben können.

Natürlich ist ihr Busen der schönste, den wir je sahen, oder wir sagen nichts dazu, wenn wir klug sind. Eine kritisch reflektierte Aussage dazu, die ästhetische Maßstäbe ins Verhältnis zur Persönlichkeit setzt, ist nach aller Erfahrung nicht wirklich empfehlenswert und endet nie gut. Etwa, dein Busen ist sehr schön, etwas kleiner als der von X, aber größer als der von Y, schon straffer als der von A, aber doch noch schlaffer als der der B, wird vermutlich jede Anschauung desselben wie sonst mögliche Lust recht apprupt beenden, auch wenn Frau immer das Gegenteil vorab behauptet, nie angelogen werden möchte, sondern eine ehrliche Antwort dazu wünscht. So wie der Satz, dein Schwanz ist nett, aber der von meinem Ex war viel größer, selten der Anfang einer erfüllenden Beziehung ist.

Auch darum ist schöne Wäsche so etwas wunderbares und wenn wir nicht zur radikalen Nudistenfraktion gehören, hat es wohl seinen Reiz, sie noch anzulassen, bis es nicht mehr anders geht, oder diese rein technisch als störend empfunden würde, der Reiz, der von ihr ausgehen könnte verpuffte. Was wir nicht sehen, bleibt unvergleichlich schön verpackt und jeder Schwärmerei wert.

Dies ist natürlich nur ein schlechtes Schauspiel, eine bloße Makerade, der Karneval der Lust und hat mit der Natur unserer Triebe vielleicht wenig zu tun, nüchtern betrachtet. Aber betrachten wir den geschlechtlichen Akt und die mal ruckartigen, mal mehr fließenden Bewegungen ineinander nüchtern, könnte es uns auch relativ albern erscheinen, was wir da teilweise miteinander veranstalten und in welch abstruser Lage wir uns zu berühren trachten - aber da wir dabei selten nüchtern sind, sondern eben hormonell und emotional, wie weit sich das neurologisch auch noch wirklich trennen lässt, einmal dahingestellt, kann es dahinstehen - wir tun es so, finden das natürlich und in der Tierwelt können wir ja beobachten, auch diese verrenken und besteigen sich in einer Weise, die dem Beobachter komisch erscheinen könnte, für den Teilnehmer aber sehr ernsthaft schöner ist.

Es läge jetzt ein Ausflug zum Thema Porno nahe und warum wir die Beobachtung anderer bei diesen gymnastischen Übungen durch welche Öffnungen auch immer reizend aufreizend finden können und nicht nur komisch, aber das ist gerade nicht das Thema und liefe schnell Gefahr sich in der sozialen Debatte zu verlieren, inwieweit Porno diskriminert und welches Frauenbild sich dort zeigt, was zur Frage des sichtbaren und unsichtbaren unter schöner Wäsche nichts beiträgt.

Was Frauen am männlichen Geschlechtsorgan schön finden, weiß ich nicht, ich finde dies Ding mit dem darunter hängenden Sack einen eher komischen Anblick, aber mich muss es mit meiner heterosexuellen Veranlagung soweit bekannt auch nicht reizen nach meiner Natur. Umgekehrt finde ich nahezu jede Variante weiblicher Geschlechtsorgane schön und diese sind noch vielfältiger, scheint es mir manchmal als es die Trägerinnen so schon sind.

Am seltensten in natura begegnete mir bisher das momentane Schönheitsideal der geschlossenen äußeren Schamlippen, die alles darunter völlig verbergen. Warum dies von Amerika aus zum Ideal wurde, weiß ich nicht, entspricht aber vermutlich dem pädophilen Kult der mit der Nacktrasur parallel geht. Es gibt dazu mittlerweile vielfach Schönheitsoperationen in denen dieses Ideal künstlich nachgebildet wird, was sich vermutlich im Ergebnis ähnlich seltsam anfühlt wie künstliche Brüste, diese Gummibälle einer sexualisierten Zivilisation, die vergessen hat, dass uns die Natur auch selbst nach dem uns entsprechenden goldenen Schnitt konstruiert hat.

Es ist mir aber einige male doch in natura begegnet, aber ich kann nicht sagen, ob darin ein höherer Wert oder Reiz liegen würde. Auf dem nun Glatteis, was zum oben bemerkten passt, wird sich auch der nur Autor vor jeder Festlegung hüten und auf die naheliegende Frage, was denn am besten wäre oder ihn heißer machte, nur antworten können, es kam noch nie darauf an, da heiß mich nur die emotionale Nähe machte und die Form der Schamlippen mich dabei nicht interessierte, sowenig wie die des Busens mit der Ausnahme, dass die wenigen Erfahrungen mit Silikon und sonstigen Veränderungen bei mir eher das Gegenteil bewirkten, mich nur erheiternd amüsierten.

Frage mich, ob Frauen das mit einem künstlich vergößerten Glied genauso ginge, sah mich aber auch noch nie in der Gefahr über die Möglichkeit dazu nachzudenken. Jedenfalls kann schöne Wäsche sowohl natürliche Schönheit betonen, wie Abweichungen vom Ideal egalisieren, was sie doch zu einem gewissen Ideal ausgleichender Gerechtigkeit macht und auch weniger von der Natur begünstigte im Wettkampf um Fortpflanzung oder zumindest Befriedigung stärkt. So gesehen wäre die Wäsche ein Mittel der Egalität und im entscheidenden Moment mögen uns alle Hormone genug blenden, dass es uns nie auf etwas anderes ankäme, wir in unserem Gegenüber naturnotwendig die Schönste sehen und sollte es nicht so sein oder Zweifel aufkommen, sollten wir lieber an uns zweifeln und unserem Gefühl als am anderen und uns fragen, warum wir soweit gingen, wo wir nicht bereit sind, ohne jeden Zweifel zu bewundern und zu genießen.

Giacomo Casanova, ein großer Geist und noch gößerer Liebender, liebte die Frauen, auch wenn manche seiner Abenteuer als phantastisch scheinen, fällt doch auf, er schrieb immer liebevoll, war mit viel Gefühl bei jedem seiner Abenteuer und liebte, wenn möglich immer so, als solle es für die Ewigkeit sein. Von ihm zu lernen, einen konstruktivistischen Blick auf das Wunder der Sexualität zu werfen, ist der Schritt zu nicht enden wollendem Genuß. Es geht nicht darum wer besser ist oder was mehr Erfolg verspricht, sondern wie es am schönsten betrachtet werden kann und bedenken wir dabei noch, dass diese Erinnerungen ein alternder, womöglich impotenter Casanova in Böhmen schrieb, voller Sehnsucht auch nach dem italienischen Licht und der freien Liebe, während er gebrechlich inzwischen auf Dux mehr an der Quälerei der dortigen Dienstboten litt, wird noch deutlicher wie liebend einer die Welt betrachet haben muss, sein Leben lang, wenn er noch unter misslichen Bedingungen voller Liebe zurückschaut.

Es scheint am Ende, dass es weniger auf den wirklichen Reiz und die tatsächliche Form ankommt, als auf unseren Blick darauf, warum jede Schwärmerei legitim ist und nie eine Lüge, da sie ja die Wirklichkeit schafft, in der eben dieser Schwärmer nun gerne lebte. Es kommt nicht darauf an, was wirklich ist, sondern wie wir es sehen und also ist es gut, wenn wir, was wir nur hormonell berauscht voneinander sehen oder asexuell in Schwimmbad oder Sauna, durch seine egalitäre schöne Hülle verdeckt, uns als Ideal erscheint. Wer sich mit liebenden Augen ansieht, kann sich nur schön finden, wer nur befriedigt nüchtern schaut, kann es sich lieber selbst machen, da er immer Makel entdecken wird, will er nicht unmenschlich verkehren. Auch darum scheint mir die emotionale Nähe eine Bedingung des genüßlichen Sex, da nur sie es ermöglicht, einander in jeder Lage, davor und danach noch schön zu finden und alles übrige als rein sportliche Übung entbehrlich, die vor allem immer wieder einen ernüchternden und daher für den Rausch des Glückes unnötigen Blick bringt und dennoch lassen wir uns, auch von schöner Wäsche verführt, immer wieder dazu treiben und wissen dabei, es ist nur ein halber Genuss, der danach schnell endet, warum es besser ist, in meinen Augen, sich nur für wenige Stunden zu verlieben, als ohne großes Gefühl miteinander zu verkehren, um sich den ernüchternden Blick zu ersparen, der selten beglückt.

Wieder landen wir bei der seltsamen Mischkalkulation des Sex, der sich, um schön zu sein, aus emotionalen und hormonellen Gesichtspunkten unseres Triebwesens insbesondere im davor und danach zusammensetzt. Nüchtern betrachtet, wäre es in Berlin vermutlich effektiver sich die ganzen Emotionen beim Sex zu sparen, um diesen als solchen sportlich zu genießen. Kann dies aber ehrlicherweise nicht empfehlen, da der nur Höhepunkt auch bequemer und schneller allein erreicht werden kann, der wirkliche Genuss dabei sich aber nur einstellt, wenn er danach nicht regelmäßig in leicht genervte Ernüchterung kippt.

Nachdem mir dies klar wurde, habe ich einen gehörigen Teil meiner Wahlfreiheit verloren. Sex geht nur noch mit der zumindest stundenweisen Illusion des Gefühls, was den Kreis der möglichen Adressatinnen enorm einschränkt und sogar mein Körper folgt diesem Entschluss sehr entschlossen, verweigert für rein sportlichen Sex ohne emotionale Beteiligung den Dienst, was mich erst erstaunte und sodann sehr harmonisch zufrieden stellte. Wir lernen uns verkleidet kennen, ahnen, bis wir es wagen uns auch blind zu verlieben, nicht, was uns erwartet, wie behaart oder nackt unser Gegenüber ist, aber wenn wir es wagen, uns so blind einzulassen, ist der zu erwartende Genuss ein in jedem Fall größerer als für alle, die dabei zu genau hinschauen. Somit gewinne ich durch dies Eingeständnis der lieblosen Impotenz einen unabhängigen Status des Glücks, der egal was uns real erwartet und wie wir das nüchtern fänden, sein Glück maximal genießen kann und was mehr sollte ich anstreben im Irrgarten von Lust und Gefühl?
jt 8.10.14

Dienstag, 7. Oktober 2014

Genderklo

Neue Zeiten bescheren alten
Örtlichkeiten anderen Flair
Wo sich früher die Geschlechter
Streng getrennt ihrem Bedürfnis
Hingaben gehen nun auf selbigen
Ort alle gemeinsam um keinen
Auch dazwischen zu diskriminieren
Welche der 60 Geschlechter die
Facebook nun anbietet dabei die
Pissoires stehend nutzen oder ob
Es nur noch Kabinen gibt ist noch
Unklar aber zumindest bieten
Neue Verhältnisse neue Einblicke
Auch wenn sie noch konventionell
Sich unter gleichen Geschlecht
Am öffentlichen Ort lieben gibt
Es doch manchmal unerwartete
Sichten für die aufmerksamen
Beobachter und so findet sich
Die Lust in ganz neuen Ansichten
Was immer sie miteinander sucht
jt 7.10.14

Modetanz

Rätselhaft sind die Wege der Damen
Auf dem Weg zur Verschönerung
Sie bemühen sich noch stets ihre
Erscheinung zu einer solchen
Zu machen während sich die Herren
Meist nur im größtmöglichen Konsens
Anziehen und hoffen so selbst Anziehung
Genug auf die sich so zur Schau
Stellenden Wesen zu haben die sie
Schlicht begehren am liebsten nackt
Die Damen erwarten von den Herren
Auch nicht mehr als da zu sein
Sie zu bewundern und ansonsten
Möglichst cool dem Konsens noch
Zu entsprechen während sie sich
In teilweise entstellenden Varianten
Dem Diktat der Mode im Tanz gern
Unterwerfen um zu glänzen womit
Das Verhalten im Tierreich wo etwa
Der Pfau sein Rad schlägt wie der
Löwe seine Mähne brüllend zeigt
Hirsche ihre Geweihe präsentieren
Um bei ihr zum Zug zu kommen
Sicher gibt es auch Mode für Herren
Aber der Tanz ist harmlos verglichen
So fragt sich wer nun jagt hier
Ob einer Opfer ist oder alle Grenzen
Verschwimmen unter dem Diktat
Der Mode die Selbstzweck wurde
Im Zirkus des Marktes
jt 7.10.14

Kurdenkampf

Die Kurden kämpfen um Kobane
Auch wenn die Allianz die Stadt
Längst aufgab und die Türken
Lieber Tränengas sprühen auf
Die in den Kampf gegen ISIS
Dort ziehen wollen was wieder
Auf die dubiose Rolle dieses
Seltsamen Partners im Kampf
Gegen oder mit dem Terror
Hinweist und offenbart wie
Uneinig die Koalition wohl ist
So ist kein Kampf zu gewinnen
Werden die Kurden geopfert
Oder opfern sich selbst bis
Die ersten Bomben hier sind
Vielleicht jemand bemerkt das
Ohne Konzept es nie Erfolg
Im Kampf gegen Terroristen
Geben kann die durch Bomben
Nur kurzzeitig geschwächt werden
In ihrem religiösen Wahn aber
Nur gestärkt werden wie auch
Die Türkei starke Kurden mehr
Fürchtet als ISIS und so werden
Sich die Kurden selbst helfen
Oder sterben wie schon so oft
Der Krieg aus der Luft wird den
Kampf nur verlängern jeden Tag
Es braucht einen Plan für die
Ganze Region so wird nur das
Eigene Gewissen beruhigt um
Weiter in alle Welt Waffen noch
Zu verkaufen und sich dann zu
Wundern wenn mit ihnen geschossen
Weiter viele Menschen sterben
Die Kurden sind nur ein weiteres Opfer
Einer unverantwortlichen Politik
Auch unserer Regierung die eine
Ganze Region verwüstet ohne
Eine Perspektive zu haben
Schlechte Aussichten leider
Für den Kurdenkampf
jt 7.10.14

Gedenkaufsichtskohl

Die späte Liebe verwaltet den
Von Anfällen geschlagenen Kohl
Den Altkanzler der Einheit die so
Historische Figur von enormen
Gewicht auch für Europa
Das er zu dem formte was wir
Heute haben und nun kommt da
Ein Biograph und schreibt ohne
Oder gegen ihren Willen mit viel
Skandal via Spiegel als ginge es
Um etwas als die Äußerungen
Eines alten Pfälzers der nie
Ein Blatt vor den Mund nahm
Saß mal in der Heimat meiner Eltern
Neben ihm in der Sauna
Vor vielen vielen Jahren
Kanzler war er längst
Ein Monument von einem Mann
Nun gestürzt vom eigenen Körper
Treten manche auf ihn ein die sonst
Nicht Maß hielten wohl und so
Kritisch ich den Kanzler immer sah
Das hat er nicht verdient
Diese Leichenfledderei am Patienten
Der sich nur noch indirekt wehren kann
Ist schlechter Stil und schäme sich
Wer dies nötig hat lieber
Ob es gerade alternativlos ist
Weiß ich ich nicht widerwärtig
Zumindest ist es sehr
jt 7.10.14

Lenzgedenken

Auf der Bühne der Welt sind wir alle Debütanten.

Auf Erinnerung zu bestehen kann mitunter schon Widerstand sein - zumindest dann, wenn Vergeßlichkeit großgeschrieben oder aber dekretiert wird.

Bei den meisten ruft die Erinnerung nichts anderes hervor als Selbstmitleid.

Der Leser ist ein unbekanntes Wesen, unberechenbar, unkalkulierbar. Man kann ihn nicht gewinnen, indem man ihn - bewußt - mit leicht löslichem Wortzucker bewirtet.

Die Bestätigung eines Künstlers liegt nicht im Erfolg - der Erfolg ist manchmal nur ein Mißverständnis -, sondern ihm Argwohn, im Mißtrauen, das ihm entgegenschlägt.

Die Literatur hat nichts von ihrer Funktion eingebüßt, zur Erkenntnis des Menschen in der Zeit beizutragen. Es kommt ihr weniger darauf an, Fragen des Daseins zu lösen, als Fragen an das Dasein zu stellen.

Does indifference suffice to be innocent?

Ein Schriftsteller ist ein Mensch, der niemanden zwingt, das zu sein, was er ist.

Geschichte darf nicht zu einem Herbarium werden.

Heimat entdeckt man erst in der Fremde.

Jeder ist auf der Suche nach etwas, dem er gleichen möchte.

Niemand ist dem Verurteilten näher als sein Richter.

Reicht Teilnahmslosigkeit aus, um schuldlos zu sein?

Suffit-il de n'avoir pas participé pour être sans tort?

Überzeugungen sind Krankheiten, die durch Begeisterung übertragen werden.

Um vorhandene Schuld zu verringern, müssen wir bereit sein, auch fremde Schuld aus uns zu nehmen.

Vergangenheit hört nicht auf; sie überprüft uns in der Gegenwart.

Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.

Wer für sich in Anspruch nimmt, mündig zu sein, ist zur Unruhe verpflichtet.

Wer zu handeln versäumt, ist noch keineswegs frei von Schuld. Niemand erhält seine Reinheit durch Teilnahmslosigkeit.

Wir können den Frieden nicht gewinnen, wenn wir uns nicht des Elends der dritten Welt annehmen.

Ihn für sich sprechen lassen
Genügt um sich zu erinnern
An einen der nun ganz zur
Erinnerung wurde weil er
Nicht mehr ist
Ein guter Mensch
Ein liebevoller Erzähler
Ein Schreiber mit Pfeife
Ist 88 geworden
Zuende erzählt
Hat Siegfried Lenz
Und gegangen ist er
Es bleiben
Die Deutschstunde
Wie Heimatmuseum
Arnes Nachlass und
Fundbüro in der Hand
Alle in blaues Leinen gebunden
Schön sich zu erinnern
Dankbar für einen
Der uns Welten erzählt hat
Es leise tat und zärlich
Wie von Suleiken
Ein dankbares Gedenken
Endet mit einem Lächeln
In dem sich der Rauch
Der Pfeife kräuselt
jt 7.10.14

Sex in Berlin XX

In der großmäuligen Stadt, die was sie hat, gern uffem Tablett vor sich her trägt, als sei es dann mehr wert, geschieht viel öffentlich, damit es jeder sieht, insbesondere die Nachbarn und andere, die ruhig wissen dürfen, wie gut es einem geht. Das geht manchmal schon so weit, dass sie hier Pornos aufgedreht bei offenem Fenster im Schlafzimmer laufen lassen, während die Beteiligten selbst in der Küche sitzen, ein Bier trinken und Wurstsalat essen, damit die Nachbarn denken, sie hätten wer weiß was für ein wildes Sexleben und darum neidisch werden. Möchte mich hier lieber nicht im Detail dazu auslassen, in welchen Stadteilen vermutlich mehr nur Pornos laufen, wenn es im Fenster zum Hof stöhnt und wo tatsächlich etwas vergleichbares abläuft, was diese Geräuschkulisse aus der Fülle des Wohllautes erklingen lässt nach ihrer Natur.

Zu hören ist es überall relativ gleichmäßig, wo mit Zuhörern gerechnet wird. Die Ergebnisse dieses Tuns häufen sich aber mehr in weniger Bezirken, was dafür sprechen könnte, dass dort, wo weniger gezeugt wird, die Geräuschkulisse häufiger nur imitiert wird, um die Nachbarn neidisch zu machen. Aber auch da gibt es mal wieder keine wirklich belastbaren Zahlen zu Geräuschentwicklung und Liebesleben der Großstädter in dieser selbst und den provinzielleren Vororten. In Berlin jedenfalls wird mehr der Eindruck von Lust erweckt als diese gelebt, warum auch immer es manchen wichtig scheint, bei ihren Nachbarn dieses wahlweise Hengst oder Stutenwesen als wilden Eindruck zu erwecken, betreiben sie doch einigen Aufwand dafür.

Ob die meisten Stereo- oder gar Dolby-Surround-Anlagen nur zu diesem Zweck beschafft wurden, kann ich nicht kompetent beurteilen, besitze weder einen Fernseher noch eine Anlage die diesen Namen verdiente und nutze meine zu großen Boxen nur noch als Ständer für meinen Samowar oder besonders schöne Bücher, meist übrigens gerade Montaigne, was den Essays hier vielleicht noch einen weiteren Grund gibt, wenn auch nicht wirklich weiterhilft  in der Frage, ob andere diese Geräte mehr zur Vorspiegelung eines reichen Sexlebens haben - Musik dudelt wenn nur aus einem der Rechner und Musik zum Sex ist eher nicht die Regel bis dato gewesen, vielleicht da weniger vorgetäuscht werden musste, vielleicht, aber vermutlich eher, da ich kein Eingeborener bin, mir als geborenen Hanseaten diese seltsamen Spiele eher fremd sind und über die ich im übrigen, bis ich die Nachbarn wahr nahm, nicht weiter nachdachte.

Die öffentlich hörbare Schau um das Verborgene führt zur Frage, ob der Sex in der Stadt weniger etwas Verborgenes ist als eine öffentliche Angelegenheit.  Ein Stück der Präsentation wie jeder Gang in den Kiez einer auf den Laufsteg ist, auf dem wir uns begutachten, gegenseitig. Da wir beim Sex die Nachbarn für gewöhnlich nicht einladen, dies auch in Berlin womöglich noch eine Ordnungswidrigkeit wäre, die von interessierten Beamten verfolgt werden könnte, wird dort, wo hineingeschaut werden kann, zumindest der Vorhang zugezogen, als letzter Anscheinsrest von Anstand, was immer das sonst sein soll, warum im Gegenzug die Fenster geöffnet werden und manche die Lust gern möglichst teilnahmsvoll hier leben, ist mir zugegeben ein Rätsel.

Bin sicher nicht verschämt, bade lieber nackt als in überflüssigen Kleidern, egal wo und finde verklemmte Zurückhaltung beim Sex eher traurig und nervig oder gar erregend wie manche wohl, lebe die Lust und überhaupt also gern ganz nach der Natur, die ich soweit als möglich zu genießen trachte, kenne ohne Götter keine religiösen oder moralischen Bedenken und es mögen alle es so tun, wie es ihnen gefällt und dennoch finde ich es immer noch schöner, lieber für einander ungestört im Intimen zurückgezogen zu sein in voller Ausgelassenheit und schließe ich jedesmal die Fenster, weil ich finde, dass es keinen der Nachbarn etwas angeht wie meine Freundin oder Geliebte stöhnt und wann sie oder wir oder ich kommen.

Es scheint mir dies Verhalten eher völlig natürlich und dem Gefühl zu entsprechen, dass ich für die mir dann nächste hege - möchte sie für mich haben, ungeteilt genießen und wenn dies sicher auch mal zu einem lauteren Schrei führt, den Nachbarn hören könnten, macht mir das keine Sorgen, nur ist der Akt, den Akt von außen quasi abzuschließen, für mich ein Teil seiner Sinnlichkeit, die eben auch in der Eröffnung im Verborgenen liegt, in dem wir uns schenken, was sonst keiner zu sehen bekommt.

Peinlich wäre es mir nicht, sollten die Nachbarn mit dem Ohr an der Wand mithören, sollen sie sich doch daran freuen, da wäre ich großzügig und wer es geil findet, anderen beim Sex zuzuhören, möge sich gern auch daran aufgeilen, nur finde ich die Dialektik zwischen Intimleben und Öffentlichkeit nicht mehr so spannend wie mit 17 als eine Zugtoillette zum Ziel aller Träume werden konnte und der Sex im elterlichen Garten allein darum toll war. Bei den Berlinern scheint sich das weniger zu verändern oder weiter zu entwickeln. Was daran liegen kann, dass die Sehnsucht sich in allem, also auch dabei zu übertreffen und darüber zu reden, hier ausgeprägter ist als anderswo.

Lustigerweise ist mir das beim Sex völlig fremd und finde ich hier den ruhigen Genuss am vorteilhaftesten - nicht etwa still beim Sex - sie mag so laut sein, wie sie nur kann und auch ich möchte nicht schweigen müssen, nein, sicher nicht, sondern die Konzentration aufeinander und die Reduktion auf das wesentliche, als sei Sex eine Form von Meditation und letztlich geht es ja auch, jenseits der ganzen emotionalen Show um auch körperliche Entspannung und so gibt es Leute, die das gern in der Menge tun, wie manche Menschen auch Gottesdienste besuchen, um gruppenweise öffentlich nach Ritus zu meditieren, während andere sich lieber für sich ihre Gedanken machen und ich kann nicht sagen, welche Gruppe glücklicher ist, weiß nur, was mich wenn eher glücklich macht und so gehe ich nicht zum Dienst für irgendwelche erfundenen Götter, die ich nicht kenne, sondern mache mir lieber für mich meine Gedanken, was ich gut und moralisch finde und schließe zum Sex, wenn ich daran denke und dazu komme zumindest, das Fenster, um dem Privaten auch als solchem eine Wertschätzung zu geben.

Wertschätzung scheint ein wichtiger Punkt dabei zu sein, denn sicher mag es auch gut für Kinder sein, sie nicht dem Sex der Erwachsenen auszusetzen, auch nicht akustisch aber darüber hinaus bekommt das, was wir für uns tun, um uns einander zu schenken, zumindest uns einander hinzugeben, einen anderen Wert, wo wir es intim behandeln, was aber vermutlich erst wirklich wert schätzen kann, wer diese Grenzen auch schon überschritt und so bleibt nur zu hoffen, dass alle, die sich da so pubertär öffentlich lieben, auch noch irgendwann feststellen, dass es sich lohnt dies für sich zu genießen, um sich und die Sache zu würdigen und so wie es Leute gibt, die ihren Sex gern öffentlich in Clubs zelebrieren, oder sich dabei von anderen zusehen lassen wollen, wird es auch die Fensterfraktion immer geben, denen es nur gut geht, wenn der ganze Hof mitbekommt, wann und wie oft sie Sex haben, dabei ist die Sache an sich weniger wichtig, als das Gefühl, das sie trägt und warum wir sie gerade dann zulassen oder nicht.

Klar kann ich den Sex in dieser Stadt auch ständig als Freizeitbeschäftigung haben, aber ehrlich gesagt, scheint mir das auch nicht viel spannender als anderer Sport, wenn auch die verbundenen Details es spannend genug machen könnten, finde ich Sex ohne große Gefühle immer langweiliger und frage mich jedesmal danach, wozu eigentlich und so ist es dann eher komisch, was wir dabei miteinander anstellen. Um es wert zu schätzen und der Lust den gebührenden Platz zu bieten, schließe ich Fenster und Vorhänge gern dazu. Wenn ich öffentlichen Sex wollte, ginge ich da hin, wo das üblich und gewollt ist. Soviel zum grundsätzlichen der Lust und ihrem Kontext im Lichte des kategorischen Imperativs, ohne dabei zu vergessen, dass es erst richtig gut wird, wenn es uns alle Grundsätze umwerfen lässt, wenn gerade nötig, warum diese immer nur relativ gültig sind und also wie alle Gesetze eigentlich entbehrlich sind, hätten nur mehr den Mut, konsequent zu denken.
jt 7.10.14

Montag, 6. Oktober 2014

Kobanefalle

In Kobane geht einer in die Falle
Entweder die Türkei mit ihrem
Irgendwie unklaren Kurs gegenüber
Den Islamisten und der Härte gegen
Kurden denen sie gewiss nicht
Zur Hilfe eilen wollen wie damals
Als sie einen Krieg noch provoziert
Gern hätten in Syrien und nun
Dumm zwischen den Fronten steht
Als eigentlich NATO Partner im
Vorgeblich nötigen Antiterrorkampf
Oder doch wieder die Kurden das
Immer Opfer nahezu aller Kriege
Die in ihrem umstrittenen Land je
Geführt wurden und deren Peschmerga
Nun gestärkt wie ausgebildet durch
Die vorbildliche Bundeswehr einen
Kampf führen der Lohn verlangt
Oder wird ISIS verlieren die Bösen
Gerade die vernichtet werden sollen
Hohe Opfer werden sie bringen
Rächen werden sie sich immer wieder
Wie wir es schon kennen wie durch
Bomben in unseren Städten bald
Womit Demokratie und Freiheit
Wer auch gewinnt wohl zu den
Dort Verlierern gehören wird
Die Kobanefalle ist tödlich
Aber das ist Leben ja meist
Wir können es nur friedlicher
Haben und genießen müssten
Nicht all die Waffen mal benutzt
Wie sodann vernichtet werden
jt 6.10.14

Ebolarifari

Da infiziert sich eine Schwester
Die einen verstorbenen Priester
Im Krankenhaus pflegte was doch
Alltag ist nicht einer Meldung wert
Ginge es nicht um den Ebolahype
Der sicher Schlagzeilen und Gruseln
Allen Machern verspricht bis jetzt
Es werden noch viele Fälle folgen
Das globale Dorf ist klein und eng
London und Paris waren noch
Viel wahrscheinlicher zuerst
Aber Autofahren und Grippe bleibt
Noch tausendmal riskanter als Ebola
Nur taugt es nicht für Schlagzeilen
Sowenig wie Rauchen oder Alkohol
Damit wird auch noch gut verdient
Spannender als das Infektionsrisiko
Einer seltenen Krankheit mit lokaler
Gerade Epidemie scheint mir noch
Wem nutzt es wenn die Angst nun
Noch mehr Kontrolle erfordert um
Auch nicht sicherer zu schützen
Aber zur Sicherheit klammern
Wir uns ja gern an Illusionen
Was immer die taugen nun
jt 6.10.14

Bundesweniger

Die Bundewehr ist überfordert
Schlecht geführt und zu teuer
Hat sie nicht mal die Aufgaben
Bis jetzt bewältigt die sie hatte
Warum sie nun neue braucht
Bevor reformiert wurde bleibt
Weiter unklar und erstaunt
Vielleicht wäre weniger jetzt
Mehr nicht nur im Heer
Auch Luftwaffe die am Boden
Eher bleibt wie die Marine mit
Skandalschiffen sollte sich
Wohl besser besinnen statt
Weitere Einsätze zu wollen
Wie Drohnendienst im nun
Befriedeten Grenzgebiet
Oder Frontdienst gegen IS
Als Ersatzbodentruppe die
In Sachen Organisation berät
In die Ecke mit der Wehr die
Sich nicht mal selbst effektiv
Ohne Anforderung organisiert
Die Weltmeister im raushalten
Sollten dies weiter tun darin
Sind sie geübt und weniger
Soldaten auf der Erde sind
Meist mehr Frieden
Jede Wette
jt 6.10.14

Sex in Berlin XIX

Wir sehen uns und manchmal entwickelt sich schon aus dem ersten Blick mehr, als wir je einen Augenblick davor zu hoffen wagten und doch genügt es manchmal, sich nur anzusehen, um zu wissen, was kommt.

Aber wissen wir dabei das gleiche und schauen wir vergleichbar?

Weiß nicht wie Frau schaut und ob sie kritischer blickt oder eher liebevoll, wenn. Vielleicht schaut Frau auch objektiver und Mann sehr viel emotionaler, mehr das Ziel im Sinn als die neutrale Bewertung des Gesehenen.

Kann bei allem nur berichten, was mir von Frau gesagt wurde und wie sie mir beschrieb, wie sie sich sieht und sagen, wie ich und andere es sehen, kenne bis jetzt keinen objektiven Maßstab.

Sitzen wir im Café und begegnen uns, kommt es auf den ersten Blick oft an, ob sich überhaupt etwas entwickelt. Spüre meist auf den ersten Blick, was es sein könnte und wie Interesse miteinander wächst. Verlasse mich, wie alle wohl,  oft auf diesen Eindruck und freue mich doch, wenn ich feststelle, der erste Eindruck täuschte.

In Sekundenschnelle laufen die Raster ab, die uns entscheiden lassen, ob wir uns bemühen oder nicht, was aus etwas werden könnte. Ob wir uns dabei irrten, erfahren wir nur selten noch, weil Leben schnell weiter segelt. Spannend wäre, zu überlegen, wie sich unser Leben wohl änderte, wenn sich der Filter unseres Blickes nur ein wenig änderte. Vielleicht kann schon die Offenheit uns den Horizont erweitern, mehr zu genießen, was ist, warum sich das Nachdenken zu lohnen scheint.

Grundsätzlich offen freue ich mich an nahezu jedem weiblichen Lächeln und genieße, was ist, oder träume von dem, was sein könnte, um darüber zu schreiben. Meist mit Schreiben beschäftigt, passiert selten viel mehr als dieser erste Blick und das neugierige Lächeln und so bin ich im Zwiespalt zwischen dem Nichts, was meistens nur geschieht und dem mehr, was sein könnte, aber dann unbeschrieben blieb und so ist es eine Entscheidung zwischen dem Erlebnis und seiner Beschreibung.

Zum Glück gibt es hier genug erlebnishungrige, die sich gerne ganz einander und dem aufeinander zugehen hingeben, was schon vom ersten Augenblick an, schön zu beobachten ist. Auch wenn sich eine gewisse Wiederholung einstellt, da das Kennenlernen und sich wenn möglich näher kommen, ganz nach immergleichem Schema abläuft. Frau bemüht sich um Aufmerksamkeit mit viel Engagement und wenn sie es gewonnen hat, übt sie sich anschließend in um so mehr Zurückhaltung, um das Interesse wach zu halten. Mann ist entweder offen, schaut um sich, was selten großes Interesse erregt oder gibt sich beschäftigt, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken, was sofern er den richtigen Zeitpunkt erwischt, an dem er vom Desinteresse zur gelangweilten Aufmerksamkeit wechseln muss, die effektivere Methode scheint, entdeckt zu werden.

Der immer beschäftigte Schreiberling, also ich selbst, nimmt sich da mal aus, da ein Rechner vor der Nase scheinbar abschreckend genug ist, die Nachfrage nicht zu hoch werden zu lassen, um noch ungestört zu schreiben, und sollte es anders sein und somit ein Konflikt zwischen dem Willen zur Kunst und der Lust jenseits des Willen entstehen, hilft es immer als Flaneur genau zu beobachten, was beschrieben werden soll, um jedes Interesse erlahmen zu lassen, denn, wo Frau sich beobachtet sieht, muss sie sich nicht bemühen, sondern im Gegenteil, dem unausgesprochenen Ritus zufolge, sich desinteressiert immer zeigen, was dann ungestört schreiben und beschreiben lässt, was um uns passiert.

So war es auch mit der Schönen mit den braunen langen Haaren, den langen Beinen und der sehr bürgelichen Eleganz für eine vermutlich Studentin, die zunächst Aufmerksamkeit von möglichst vielen Seiten suchte, auf der Jagd nach dem Pianisten, mit dem sie heute zumindest Händchen ein wenig auf dem Sofa hielt und der so lange er schon im Keller hier spielt, der Schwarm aller schönen jungen Frauen ist und der anderen vermutlich auch, nur kann ich da nicht so genaue Beobachtungen aus eigener Sicht bestätigen. Der Franzose mit dem etwas längeren Dreitagebart und den nicht ganz schulterlangen Haaren, die er sich gern mit viel Grandezza beim Spielen aus dem Gesicht wischt, ist ein schöner Mann. Sie eine Frau von großer Schönheit und doch spielte sie solange, bis sie sich vorsichtig erstmals berührten.

Eifrig hatte sie zuvor dafür gesorgt, dass sein Platz neben ihr wieder frei wurde und doch suchte sie wieder Blickkontakt nachdem er anfing, sich um sie zu bemühen - bis zu einem Kuss kam es nicht, vorher verabschiedete sie sich von ihren Freundinnen mit einer Umarmung und von ihm auch eher formell, verschwand als er nochmal mit dem Veranstalter hier sprach - auch so ein schöner, großer Mann, der durch seine völlige Ungerührtheit die Frauen reihenweise in den Bann zieht, ohne je mehr als ein Wort als gerade nötig zu sagen, auch wenn er sehr ausgelassen sein kann, wenn er will und nicht seine Rolle hier spielt im zirkus des Beobachtens und beobachtet werden.

Der singende und Klavier spielende Franzose, der mit tiefer Stimme dennoch sehr gefühlvoll singen kann, löst regelrecht Begeisterung im Publikum aus, die Blicke kleben an ihm. Viel gäbe ich dafür die Gedanken der Damen hier, lesen zu können. Aber vermmutlich ist es gut so, dies nicht zu können uns sich also lieber der Phantasie der hehren Gedanken hinzugeben, denn womöglich wären die Phantasien der Zuhörerinnen viel schlichter als sich Mann das so romantisch verklärt vorstellt. Überhaupt üben die Musiker, die auf der Bühne stehen wohl eine eigene Faszination auf die Damen aus, was an den Blicken schon sichtbar wird, denn hier dürfen ja alle beobachten und schauen, ohne aufzufallen.

Der Traum von dem, den alle beobachten, gemeint zu sein und als diejenige erwählt zu werden, für die er singt, die das Gefühl seiner Lieder teilt, scheint eine eigene Faszination, die sichtbar viele voller Lust teilen. Die Beobachtung der Zuschauerinnen, finde ich zugegeben noch spannender als die der Musiker, die ich ja höre und was sie da tun, um den Klang zu erzeugen, fasziniert mich weniger, außer sie sind Musikerinnen, die aus anderen Gründen faszinieren, denn von Musik verstehe ich nichts, höre sie nur gern, wenn gut.

Aus dem Betrachten der schwärmenden Zuschauer lässt manches auf die Art der gegenseitigen Beobachtung schließen. Auch wenn die Musik noch eine romantische Verklärung eigener Art schafft, wird doch deutlich, dass Frauen anders beobachten und zuerst wählen und erst dann schwärmen, während es Männer oft umgekehrt tun.

Ich sehe eine Frau, freue mich an ihrem Anblick, was immer dazu Anlass gibt, es müssen nicht die klassischen Schemen sein, schwärme in mir für sie, ohne damit gewählt oder entschieden zu haben, was ich nun wollte, ist es eher ein offenes Schauen. Frauen scheinen mir da planvoller vorzugehen und zunächst zu wählen, um dann gezielt hinzusehen oder wegzuschauen, je nachdem an welchem Punkt der Annäherung sie sich nun befinden.

Aber, was weiß ich schon von den Gedanken der Frauen dahinter, die auch sich viel kritischer meist betrachten, als ich sie sehen würde in meinem schwärmerischen Blick, der sich lieber freut. Wo ich in den Spiegel schau, übersehe ich lieber, was mir nicht gefällt, schaue auch darum nur wo nötig, etwa beim Rasieren, in den Spiegel und sonst  eher nur beiläufig, nie um mich kritisch zu betrachten, auf die Idee für mich zu schwärmen, käme ich nicht und dennoch übersehe ich die Makel, was immer das wem auch sein soll, lieber. So, wenn ich beim Friseur, wenn sie mir die frisch geschnittenen Haare von hinten zeigt, lieber nicht zu genau hinsehe, weil ich das Faktum des hinten lichter werdenden Haupthaares nicht noch bestätigen muss, was ich nicht sehe, ist nicht, auch wenn es mir im übrigen egal ist und die Dichte des Haares nichts mit der Potenz oder Intelligenz zu tun haben soll.

Vielleicht unterscheidet diese Haltung zu sich Männer und Frauen grundsätzlich, auch wenn ich mir dabei nicht sicher bin, wie auch, scheinen mir die Zweifel an kleinen Äußerlichkeiten das Leben vieler Frauen mehr zu bestimmen als es das der meisten Männer tut, die eher die Tendenz haben eigene Mängel lieber großzügig zu übersehen. Es gibt auch den Typ Mann, der Frauen taxiert und vermisst, sie in ein Schema einsortiert und wo sie dem nicht entsprechen, abwertend bewertet - aber weder zähle ich zu diesen, noch möchte ich dieser schlechten Angewohnheit zuviel Raum geben. Würden es Frauen auch nicht, sondern erkennen, wie die Mehrheit der Männer auf sie schaut und wie liebevoll die meisten eher blicken, auch wenn sie vom Trieb getrieben durchaus mal mehr wollen, die Welt könnte eine schönere sein, auch wenn viele, die professionell künstliche Schönheit herstellen wollen,  dann vermutlich arbeitslos würden, wäre es das Risiko wert, dem Gefühl zu trauen, denke ich.

Es ist, scheint mir der Unterschied zwischen dem Blick fürs Ganze und der Detailversessenheit, die sich da unterscheidet. Eine Geliebte von mir, leider bis dato nie mehr, da verheiratet noch, litt immer sehr unter irgendeiner Hautveränderung an einer Stelle ihres Körpers, die sie darum auch als wir zusammen schliefen, bemüht war, schamvoll zu verhüllen, was ich nie verstand, da ich sie doch immer als Ganze sah, sie als Frau für mich die Schönste ist, die ich je sah und wenn sie an einer Stelle eiternde Furunkel hätte, dies nichts am Gesamtbild ändern würde, ich sie schön liebe und nur das für mich letztlich zählt - während für sie dieses kleine Detail, was sie noch schamvoll vor mir verhüllte, während längst alles andere in der Leidenschaft einander offen lag, für sie eine ihre gesamte Stimmung betreffende Rolle spielte, war es mir völlig egal und ich litt nur daran, dass sie nicht so entspannt genoß, was ist, wie es meiner Natur entspräche, da ansonsten die Harmonie eine Vollkommene war auf jeder Ebene.

Auch wenn nun diese mehr als nur hochintelligente Frau von sich sagt, ihr Gehirn funktioniere neurologisch männlich, zeigt doch diese, wer weiß ob mehr von Hormonen oder sonstigen Boten gesteurerte Reaktion in meinen Augen etwas typisch weibliches, was die Kommunikation zwischen den Welten unnötig zu erschweren scheint. Sie ist für mich die schönste Frau, die ich kenne oder je sah - was sie  eigentlich auch weiß, wenn auch nicht glaubt, aber das ist eine andere Geschichte. Es ist mir egal, ob sich dieser Blick objektivieren lässt, es alle so sehen können müssen oder es genügt, dass sie mir so scheint, solange mich ihr Anblick so verliebt und glücklich macht, wird es gut so sein und dabei interessiert mich nicht, was sie an sich alles nicht mag, sondern ich freue mich an ihr und weil ich sie liebe, ist mein Urteil eines, was die ganze Person würdigt und nicht ihre Details.

Spannend aber wird es, wenn ich nun bedenke, dass ich sie auch und gerade in ihren Zweifeln an sich so liebenswert finde und finde diese machten sie noch schöner. Hier mischt sich ganz direkt die Haltung in den Blick. Wer uneitel und bescheiden ist, scheint uns schöner, als wer sich auf dem Glanz seiner Schönheit nur ausruht. Dennoch fallen uns die Selbstbewussten schneller auf, scheinen uns die schön, die sich schön finden und die eher bescheidenen Wesen fallen durch das Raster. Bei ihrer Größe, fällt sie zwar durch kein Raster mehr, zieht logisch Blicke auf sich und ich fragte mich also, sagt sie das und gibt sie sich so, weil sie eben uneitel scheinen will, um mir so zu gefallen oder ist sie vielleicht viel eitler und fischt auf diese Art nach Komplimenten, liege ein taktischer weiblicher Schachzug der Verkehrung vor, auf den Männer so gern hereinfallen.

Ich weiß es nicht, aber es macht mich auch nicht glücklicher darüber nachzudenken, wie es denn nun wirklich sein könnte, im Gegenteil dieses Gewirr schickte mich nur in Zweifel, die sich in neuen Zweifeln verwirrten, mich am Ende völlig verwirrt zurückließen. Nun gibt es Gerüchte, genau dies sei die Absicht der Frauen, um leichter zu herrschen. Frage mich dabei wozu und über was, denn mein Herz hat die, die es angeht ohnehin in der Hand, Taktik  und Spiele bräuchte es nicht und warum sollten wir trüben, was dazu da ist, genossen zu werden?

Also nehme ich, um mich wohl zu fühlen und mit meinem schlichten geringen Verstand irgendwie zu begreifen, an, es sei so, wie sie es sagte und sie meinte, was sie sagte, sei also eher zweifelnd und uneitel und erscheint mir darum um so schöner, weil scheinbar der Charakter eine große Rolle bei unserem Blick auf die Person spielt, unser Bild von einem Menschen beeinflusst und so fragt sich, inwieweit es beim Blick noch um Äußerlichkeiten geht und wo wir dies betreffend wozu eine Trennungslinie ziehen sollen.

Die Frau, die ich liebe, ist mir die Schönste, weil ich sie liebe und ich liebe sie, weil sie mir als die Schönste erscheint und es also nicht anders sein kann. Aber es gibt ja nicht nur den Blick auf diese eine, mein unerreichbares Ideal, sondern auch noch den einfach neugierigen Blick. Andere Frauen betrachte ich mit einer ähnlichen Haltung, die sich am Schönen freut aber mehr wert auf den Blick hinter die Kulissen legt. So gibt es eine Bedienung in einem benachbarten Café, die das bezauberndste Lächeln hat, das ich je bei einer Berlinerin sah - sie finde ich schön und liebenswert, ihres Lachens wegen und so sehr ich nun auch überlege, wollen mir doch keine unattraktiven Details an ihr einfallen, habe ich ihr Lachen alles dominierend in Erinnerung, ist sie darum schön für mich, auch wenn sie als Typ sonst keine große Gefahr liefe, in meinem Beuteschema hängen zu bleiben.

Natürlich sehe ich auch mal dicke oder unförmige Menschen, die meinen Sinn für Schönheit nicht so sehr beeindrucken, eher zum wegschauen anregen und sicher gibt es gerade in dieser Umgebung, die ich mir aussuchte, mehr schöne Menschen zu sehen, als es in anderen Teilen Berlins aus meiner Sicht der Fall ist, nimmt der Geschmack vom Zentrum zum Rand hin wohl exponentiell ab, aber dennoch sehe ich, auch wenn ich mal im Westen Berlins weile oder an den östlichen Rändern, eher schöne Menschen oder die Schönheit an ihnen, wenn auch außerhalb der gepflegten Mitte logisch seltener, da was im Zentrum konzentriert auftritt, zu den Rändern hin ein wenig zerfasert. Nur ist dieser Blick objektiver oder eben der getrübte derer, die im Zenrum leben und sich an vermeintlich geballter Schönheit erfreuen?

Das ich immer eher mit viel Gefühl schaue und nie den Anspruch erhebe, objektiv zu sein, habe ich, glaube ich, schon erwähnt, warum sich alles weitere zu diesem Punkt insoweit erledigt hat. Schaue also aus meinem Horizont in die Welt, die mir nur so scheint, wie ich sie sehe und frage mich nun, ob es für das ästhetische Empfinden wichtig wäre, einen objektiven und allgemeinen Maßstab zu finden, oder ob es uns genügt, immer nur beschränkt subjektiv schön zu finden. So gesehen habe ich keine Ahnung, was wirklich schön ist, da ich meinen Horizont bei der Betrachtung der anderen zum allgemeinen mache und auch wenn ich anders wollte, kaum mehr sehe, als ich bin und kann.

Es ist für mich nicht wichtig, ob alle anderen auch die Frau, die ich liebe so schön finden, wie ich sie finde - wenn das sozusagen ihr UPS für mich ist, finde ich das gut so, weil es uns einander erhält und die Konkurrenz minimiert und wenn wir beide dieser Meinung sind, ist jeder weitere Gedanke zu diesem Thema hinfällig, wir haben unser Glück dann miteinander gefunden, weil wir uns schön finden, egal was andere meinen und darum wohl objektiv damit viel glücklicher sind als viele andere, die sich noch mit normativen vermeintlich objektiven Maßstäben quälen in einer Welt, die meint, einen Maßstab für Schönheit im Durchschnitt gefunden zu haben.

So gesehen liebe ich wohl überdurchschnittlich und habe immer gestaunt, wenn sie, die ich liebe und verehre, mit ihren noch nicht mal vierzig Jahren mir erzählte, ich hätte sie mal vor ihren Kindern sehen und kennenlernen sollen, da wäre ihre Figur wirklich objektiv schöner gewesen und jetzt sei es eben so und denke dann, dass sie damals, anfang Zwanzig höchstens vermutlich, nur halb so interessant oder schön gewesen sein kann und mische wieder Anschauung von ihr und Blick auf sie. Ist es erstrebenswert zu einem Durchschnitt zu gehören oder lieben wir gerade das, was ihn überragt und mehr ausmacht als irgendwas?

Weiß nicht, was wirklich schön ist und ob was andere für wirklich schön halten, mir noch so scheinen kann, weil ich alles durchschnittliche langweilig finde, auch wenn ich mich meist wie üblich am großen Durchschnitt mit 90% meiner Sichten nur orientiere. Die Zahlen taugen nun zu keiner Statistik, vielleicht sind es auch 99% oder nur 78%, aber insofern jede Statistik nichts als die Hure derer ist, die sie aufstellen, kann auch dies dahinstehen, es wird ja deutlich, was diese völlig irrelevanten Größen sagen sollen, ich halte mich im meisten nicht für ungewöhnlich und möchte es doch im Gefühl und in meiner Liebe sein. Daher finde ich den getrübten Blick wunderbar und am schönsten, wenn sich zwei solchermaßen Sehbehinderte tatsächlich treffen und einen Weg finden, mit dieser wohl Trübung füreinander gut zu leben.

Dann könnte auch egal werden, ob Frauen anders schauen, ob sie dies mit eher männlich oder weiblich geprägtem Hirn tun, da es am Ende nur darauf ankommt, was uns glücklich macht und wie wir dies Glück halten - mehr als glücklich können wir wohl kaum sein, warum alles, was dazu beiträgt, mir gut erscheint und ich dies nach Kräften erstrebe, egal, was andere für objektiv halten oder nicht, denn, wenn ich die schönste Frau der Welt liebe und sie mich und wir damit glücklich werden sollten je, was bräuchte es dann noch für einen anderen Maßstab, oder ist das zu beschränkt männlich gedacht?
jt 6.10.14

Sonntag, 5. Oktober 2014

Dreiecksblüte

Um das Zentrum das manche
Liebend für den Ursprung der
Welt halten ragen sich viele
Sagen voller Sehnsucht
Der nach Nähe wie denen
Von den Höhepunkten
Zu denen die Blüte führt
Jener Quelle die geliebt
Sich öffnet zu fließen
Beginnt um einander
Ein Versprechen der
Gemeinsamen Blüte
Lustvoll zu werden
So ist die Dreiecksblüte
Mir die ganze Welt
Aber was weiß ich schon
Davon aber schöner
Scheint  mir nichts
jt 5.10.14

Umkipping

Die Vorsitzende der Linken
Zeigt Führung was gut ist
Auch wenn die Diskussion
Müßig ist weil begrifflich nur
Es mehr um Inhalte gehen sollte
Werden diese sonst an Formalien
Scheitern was keinem nutzt
Wenn es um die Macht geht
Also sagen sie die DDR war
Ein Unrechtsstaat weil es soll
Das sie kein Rechtsstaat war
Sind sich ja alle einig fraglich
Nur ob was das nicht war gleich
Ein Unrechtsstat war oder es
Da noch Luft gäbe für etwas
Was nicht nur schwarzweiß
Wie auch die DDR nicht nur
So oder so war sondern mehr
Für viele eine Heimat gehasst
Wie auch geliebt warum muss
Dies rechtlich strittige klargestellt
Werden wem nutzt dies
Fördert es die Einheit oder das
Unverständnis füreinander nur
Die Guten lebten im Rechtsstaat
So verbrecherisch der auch war
Die anderen im Unrechtsstaat
Was folgt daraus für die Zukunft
Sicher ist es die Macht wert
Dazu lieber zu nicken
Kommt die Linke damit an
Aber eigentlich wäre anderes
Viel wichtiger und es fragt sich
Warum Ersatzgefechte gekämpft
Statt Lösungen zu suchen
Aber so ist die Politik nunmal
In der Postdemokratie sie kämpft
Scheingefechte anstatt
jt 5.10.14