Donnerstag, 10. Dezember 2015

Frauenliebe 007

Beziehungslust

So begann ich kurz vor 15 meine erste dauerhafte Beziehung zu einer Frau, die da noch einige Monate 13 war, wenn auch ihr Körper mir schon sehr ausgereift schien und unsere Herzen sich nach erfüllter Liebe sehnten, wurde es schwieriger mit der Erfüllung als gedacht und so aufgeregt drumherum, dass es mir fast peinlich vorkam, es zu wollen und mich darum dafür entschieden zu haben, als ich noch die Wahl hatte.

Wenn wir keine Wahl mehr haben, die Dinge entschieden sind, stellen sie sich oft ganz anders da, auch wenn sie eigentlich die gleichen sind, genau wie der von Sehnsucht getriebene natürliche Wunsch, auch in der Lust zueinander zu finden, in der Erfüllung eine erstaunliche Relativierung erfährt.

Wir hatten uns füreinander entschieden, auch wenn die andere, eigentlich zuerst da war und dann ja noch die englische Liebe dazwischen kam und die andere immer meine große unerfüllte Liebe blieb, warum auch immer, aber dazu später. Wir waren also ein Paar und verbrachten möglichst viel Zeit miteinander, oft im Fachwerkhaus ihrer Mutter, das mir gut gefiel und die Mutter war ziemlich cool, ihr kleiner Bruder ok und wir zogen uns gern in ihr Zimmer zum kuscheln zurück. Der Sex wurde überhaupt noch nicht so offen thematisiert sondern war vielmehr ein verschlüsseltes Thema, das wir lieber nur andeuteten, um nich peinlich berührt zu sein - leider sprachen wir entsprechend verklärt darüber und wussten nicht wirklich, was der andere wollten und was glücklich machte oder befriedigte.

Sie wollte kuscheln, ich wollte Sex, sie machte mit und schaffte es mir dabei ein permanent schlechtes Gewissen zu geben, obwohl sie wusste, dass die Lust meine Entscheidung mit prägte - wir hätten es auch lassen können, dachte ich und fragte mich, warum wir so ungeschickt damit umgingen und ob dies die Strafe der anfänglich falschen Entscheidung für die war, die zu spät kam. Um so mehr wir auf die Lust hoffen, je stärker sie all unsere Entscheidungen prägt, desto weniger werden wir sie miteinander finden, scheint eine der dialektischen Grundregeln der Liebe zu sein - wenn es nicht läuft und weh tut, wird es auch in allem immer schlimmer und wenn alles passt, schaffst du es immer etwas zu finden, was doch nicht passt und den Traum relativiert.

Elf Monate waren wir zusammen. Die Pille bekam sie noch nicht, weil ihre Ärztin meinte, sie sei noch zu jung dafür und so hatten wir selten Gelegenheit uns ungeschützt zu begegnen, war alles von Aufregung und Sorge begleitet auch das erste mal ist eher in krampfhafter Erinnerung mit Kondom, keiner Ahnung davon, wenig Gefühl dabei und mehr Scham über das Ganze bei beiden - das war der tolle Sex und jetzt?

Viel gehört hatte ich schon von dieser Defloration und muss sagen, sie wird völlig überschätzt, um nichts in der Welt wollte ich 72 Jungfrauen haben, lieber noch 72 gelassene, erfahrene Frauen, aber eine genügte ja schon bei der es richtig und gut ist, wird der Wechsel überschätzt, da Sex erst mit Kontinuität wirklich gut wird, wenn zwei sich kennen und sich aufeinander einlassen wollen. Zunächst sind Frauen wesentlich potenter als Männer, warum diese erher 72 Knaben bräuchten, und dann geht dem Sex in Serie etwas verloren, was der singuläre Traum bleiben soll. Bei ihr war ich der erste und es tat ihr weh, ich war nicht so gelassen, wie es von einem Mann vielleicht zu erwarten gewesen wäre, sondern schwankte zwischen lustvollen Trieben und verschämter Zurückhaltung, die vom schlechten Gewissen getrieben zögerte, wo schnelles Handeln besser gewessen wäre und zu schnell war, wo Gelassenheit nötig war zur Entspannung.

Es war das erste mal das erste mal bei einer zu sein und es war weder toll noch wurde mir klar, was alle an diesem Sex so toll fanden - es war nicht meinem ersten mal vergleichbar mit der deutlich älteren und erfahrenen Frau und auch nicht den frühen Experimenten. Es war einverständlicher Sex, es wurde Beischlaf, als mit den Eltern alle dafür notwendigen Bedingungen der Verhütung etc geklärt waren, was mir schrecklich peinlich war, denn zwar wollte ich mit meiner Freundin schlafen, aber doch nicht vorab mit ihrer Mutter darüber reden und mich dafür moralisch rechtfertigen müssen, an meine Verantwortung dabei erinnert werden.

All dies ging aber dem ersten Beischlaf voraus und noch dazu auch mehrfache Mahnungen meiner Mutter an meine Verantwortung und die dringende Bitte doch achtsam und vertraut zu würdigen, was dies junge Mädchen, meine Freundin mir damit an Vertrauen entgegen brachte - dies war alles sehr offen besprochen worden, wie es noch dem Geist der 70er entsprach und ich als Mann und Täter hatte neben meinen Trieben und meiner Lust ein gehörig schlechtes Gewissen für das, was ich oder wir eigentlich wollten auf dem Weg zueinander, dass ich die Stärke meiner Triebe im nachhinein noch bewundere, dass es ihnen gelang diese moralische Keule zu besiegen, die alles belegte, was mit dem Thema verbunden war.

Es begann also schmerzhaft und mit schlechtem Gewissen, ohne allzuviel Spaß dabei aber am Ende doch mit einer leidlichen Befriedigung nach der ich mich noch mehr fragte, ob das bißchen all diesen Aufwand wert war, für eine Sekunde Höhepunkt so viel Reden und sich rechtfertigen als zwar unmoralischer aber doch verantwortlich handelnder Mensch.

Sie war katholisch, was bezeichnend vielleicht ist, denn sie war zwar einerseits offen dafür gewesen vorab, als großes Versprechen der Lust, das mich sie wählen ließ und andereseits eben noch 13 und wenn ich mich recht entsinne hatten wir einmal Spaß beim Sex in 11 Monaten - also beim zusammenschlafen - als sie auch wollte, mich verführte und wir es einfach taten ungehemmt und ohne Angst, weil nichts passieren konnte. Die Angst davor hatte die anderen male ebenso mitbestimmt wie der verkrampfte Schmerz dabei, der durch das darüber reden eher noch wuchs, als sich entspannte.

So war ich, ohne das ich es noch ahnte bereits mit gerade 15 in einer eheähnlichen Beziehung angekommen, die erstaunlich viele Eigenschaften einer typischen Ehe bereits zeigte, warum es immer fraglich bleibt, ob Heiraten dem Liebesleben je gut tut und es nicht nur eine kontraproduktive Gefühlsangelegenheit ist, von der wir lieber die Finger lassen. Es gab langweiligen Sex, der erledigt wurde, über Probleme wurde nicht gesprochen, um nicht an andere, schwerere Probleme zu rühren, es wurde sich über Kleinigkeiten anstatt gestritten und sich dann mit ein wenig Sex mit schlechtem Gewissen wieder versöhnt.

Noch nie verheiratet, spreche ich ja nur theoretisch über die Ehe und vergleiche erlebtes mit erzähltem, gehörtem und erlesenen. Warum Menschen dies tun, erschließt sich mir logisch immer weniger, vor allem mit Blick auf die Wirkungen - aber, im Gedanken an die letzten beiden Hochzeiten meines besten Freundes und meines Cousins, scheint es mir ganz anders und ich kann mir vom romantischen Fühlen her, nichts schöneres vorstellen.

Dieser Geist trieb mich auch zu meiner letzten Verlobung, also immerhin dem Eheversprechen, der Traum von einer Hochzeit im Park an der Ilm im romantischen Weimar einte und beflügelte uns über sonst soviel trennendes hinweg und ich frage mich immer noch, ob das alles war oder wir uns aus Enttäuschung über den Verlust der Liebe nur darauf noch konzentrierten, es nur den Traum gab, dem die gemeinsame Basis in der Realität fehlte, wie sie anmerkte und ich weiß bis heute nicht, ob es sie je aufwühlte, irgendetwas ihre Emotionen trieb oder alles nur ein nettes Spiel für sie war, das sie wieder aufgab, als die finanzielle Frage nicht ihrem Niveau entsprach - ich weiß es nicht, werde es vermutlich nie erfahren und frage mich, ob es wichtig ist, in welcher Schublade ich solche verlorenen Lieben ablegen soll, was von denen bleibt, von denen nichts bleibt. Zumindest war ich auch da wieder dem Traum erlegen doch heiraten zu wollen, obwohl ich es besser weiß und solche Vorhaben jede Beziehung zerstören können. Ob ich inzwischen daraus gelernt habe, scheint mir fraglich, ob das gut so ist und die Romantik erst die Liebe beflügelt ebenso und so weiß ich weder, was wird, noch warum, auch wenn ich mir manchen kritischen Gedanken längst dazu machte.

Die Beziehung mit jener ersten bei der ich der erste war, plätscherte so dahin, es gab einige sehr zärtlich schöne Momente, die immer seltener wurde, anfängliche Aufregung wich der Gewohnheit, wir besuchten einen Tanzkurs - welch schwerer Fehler, denke ich im Nachhinein, aber so irren wir manchmal über Dinge von denen wir noch nichts wissen und doch prägt ihre Wirkung unser ganzess Leben - ich wurde nie ein großer Tänzer, auch wenn ich es liebte und mit Begeisterung tat, eigentlich. Ob dies nur am Mangel des Talents lag, mein Vater tanzte ja sehr gerne und gut, oder an der Konstellation des Anfangs sei dahingestellt - ich habe gelernt damit zu leben und mich den Damen lieber mit geschliffenen Worten als mit ungelenk gestolperten Bewegungen schwitzend beim Tanzen zu nähern - auch wenn ich es mir manchmal anders wünschte und gerne auch auf Hochzeiten so tanzte, wie ich schreibe, voller Leidenschaft und überhaupt, aber diesen Weg habe ich meiner ersten längeren Liebe geopfert, es hatte sich erledigt.

Warum mir real ausgepackt nicht mehr so reizvoll erschien und schön, wie es mir vor der Entscheidung verhüllt noch so erschienen war, blieb weiter fraglich. Sie hatte weder die mütterlich geschlossenen Schamlippen noch erfüllte ihr Busen das Idealbild römischer Statuen. Die Warzen des Busens, waren im Gegensatz zu meinen, relativ groß und rosa ohne eine Erhöhung in der Mitte, die Scham noch relativ spärlich aber doch irgendwie farblos behaart, löste keine Begeisterung und restloses Entzücken in mir aus. Ich hatte mich eingepackt für die eine entschieden und gegen die andere, aber ausgepackt gefiel sie mir lange nicht so gut, wie ich es geträumt hatte, weil ich eigentlich keine Ahnung hatte und das ästhetische Empfinden noch von engen Idealen geprägt war - immer noch meine ich jene andere wäre mein Traum gewesen, statt mich zu fragen, was mich dann an ihrem kleinen Busen oder anderem, was ich nie sah, gestört hätte - wie wir es auch drehen, ich vergötterte meine erste längere Beziehung nicht wirklich, auch wenn ich es in Worten ihr gegenüber tat, sie blieb im Schatten der andern gegen die ich mich entschied, um ihr schneller näher zu kommen.

Weiß nicht, ob diese Paradoxie die Regel ist, es nahezu allen immer so geht, wie es wirklich mit der anderen gewesen wäre, aber innerlich sicher bin ich mir dennoch, es wäre mein Traum gewesen und mein Leben hätte einen gänzlich anderen Verlauf genommen - wenn ich aber tatsächlich mit ihr voller Erfüllung glücklich geworden wäre, was natürlich rein spekulativ ist, hätte ich nun nichts von den weit über hundert anderen danach zu erzählen, das Buch wäre aus, kurz und langweilig, statt aufregend, voller Abenteuer auf der Suche nach dem Glück in der Liebe. Aber dennoch lebt dieses Gefühl in mir, für sie, die ich nicht wollte, als sie wollte und die mich nicht wollte, als ich Jahre später wiederkam, gäbe ich alles, es würde der lang gesuchte Traum mit ihr und wie gut, dass dies romantsiche Ideal von der Realität noch nicht eines besseren belehrt wurde, ich weiter auf das große Glück warte, genieße, was ist und die Blumen am Wegesrand bewundere, jede auf ihre Art.

Die Beziehung, die ich gewählt hatte, war bemüht aber vermutlich schon aus der Konstellation heraus wie der Motivation, die letztlich die Entscheidung fällte, zum Scheitern verurteilt. Coolere Machos als ich, hätten vermutlich gesagt, du hast sie gewählt, weil sie den besseren Sex versprach, das Versprechen hat sie nicht gehalten, sei froh, dass du sie los bist. Aber so bin ich nicht, zumindest wenn nur mit schlechtem Gewissen und ich wollte doch diese erste große Liebe, die nicht mal eine kleine war, sondern der falsche Trieb, heilig halten und versuchte so alles, in einer zu finden und noch viel mehr.

Schöne und schreckliche Momente gaben sich in diesen 11 Monaten die Hand, insgesamt hat sie es geschafft, dass ich für meine sexuellen Triebe und meine Lust ein permanent schlechtes Gewissen hatte, weil ich sie zu früh überforderte, während sie mich dauerhaft frustrierte und warum ich diesen ganzen Sex danach nicht aufgab oder doch zumindest viel weniger ernst nahm, weiß ich nicht, vermutlich schlug da die Natur zu und führte uns auch gegen unseren Willen einander zu und verführte uns dabei. Die für die ich mich entschied und ich, haben es wirklich versucht, beide nach bestem Wissen und Gewissen aber es passte nie und eigentlich wussten wir es, warum auch immer wir es uns nicht gestanden.

Ihre Mutter, die wild gelockte Buchhändlerin, die leider längst verstarb, war mir näher als die Tochter, dachte ich bei einem Wiedersehen in einem der großen Buchläden, die sie dann in Berlin zeitweise leitete und lustigerweise hatte ich viel später noch eine Geliebte, die eine enge Freundin der Mutter gewesen war, für zumindest eine Nacht und so schließen sich manche Kreise doch noch, wenn auch weit entfernt von dem, was wir uns träumten.

Im Sommer zog ich weg - mein Vater arbeitete schon ein Jahr auf seiner neuen Stelle als Cherfarzt in Heidelberg, wir kauften südlicher ein Haus und ich verlor Freunde, Feuerwehr und die Liebe, an die ich mich dann im Sommer noch mit einer Schwester, wie oben erzählt, sinnlos klammerte, statt zu genießen, was ist, litt ich immer mehr an dem, was ich nicht wollte aber hatte mich immerhin endlich von der getrennt, die ich nie so liebte, wie ich vorgab, auch wenn ich alles nötige tat, dass es danach aussah.

Wenn zwei dich lieben, nimm keine oder bleib bei der ersten, lass dich nicht von egal was verwirren, das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, bleibt dein ganzes Leben, so sehr ich auch zu genießen inzwischen gelernt habe und denke ich, wenn es passt, inzwischen auch mehr Genuß zu schenken weiß. Bereue nichts, sie war eben die erste längere Beziehung und doch tut es mir für uns beide leid, weil wir uns nicht wirklich liebten und begehrten, es nur taten, aber nie emotional wirklich passte, ich immer noch nicht angekommen war sondern mit dem Gefühl lebte, genau das verpasst zu haben - ein blödes Gefühl für den, der es hat und ein ewiger Antrieb zugleich, der immer weiter suchen lässt, nach Liebe, Lust und ihrer geträumten Kombination. Ob es am katholishen oder evangelischen Glauben lag, konnte ich bisher nicht verifizieren - zumindest habe ich an katholischen Geliebten später noch bis fast zum Suizid gelitten, wie an den evangelischen auch, nur anders, quasi wortlos, was seltsam war.

Ein älterer Mann sagte mir später, als wir darüber sprachen, traue nie den Versprechungen einer Frau vorab - wer etwas will, verspricht alles, nimm immer lieber die, die nichts verspricht, aber sich richtig anfühlt - keine Ahnung, was davon Geschwätz war, aber es fühlt sich immer noch richtig an, weil ich keine Ahnung hatte, wie es wohl gewesen wäre, mit der anderen zu schlafen und suchte voller Sehnsucht weiter, das verlorene Ideal vor Augen, das vermutlich keine je erfüllen kann, auch wenn einige dem verdammt nahe kamen, Leben mit Frauen so wunderbar schön sein kann, gelegentlich zumindest, wenn wir nicht fürchten, etwas verpasst zu haben oder falsch abgebogen zu sein.
jens tuengerthal 10.12.15

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