Donnerstag, 27. Februar 2025

Lektürentagebuch 27.2.25

Lektürentagebuch 27.2.25

In den Irrtümern der Liebenden erzählt
Die schöne Melusine genannte von der
Großen Bedeutung von Treue und Liebe
Wie den damit verbundenen Dramen

Die sie in ihrer südlichen Heimat die
Noch zum K.u.K Reich einst gehörte
Spielen und wie unbedarft sie doch ist
Unklar nur bleibt ob das Marketing war

Sie sich durch den Gegensatz ganz
Besonders reizvoll und interessant
Machen will wo sie doch selbst so
Wenig Erfahrung noch hätte was

Nach Männer provozierendem Spiel
Mit Keuschheit eher klingt das erst
Nach der Geschichte ein wenig doch
Relativiert wird nicht langweilig zu sein

Sie erzählt von ihrer Schwester die früh
Witwe wurde als ihr Verlobter in Galizien
Anfang des Krieges fiel und sie so in ihrer
Trauer Krankenschwester dann wurde

Sich um Kriegsversehrte kümmerte die 
Ihre Hilfe nun so dringend brauchten
Wie sie dabei einen russischen Offizier
Kennenlernte der ihrem sich anglich

Sie bemerkte da schon verliebt nicht
Wie dieser alles so liebte wie ihr im
Krieg verlorener Schatz und verliebte
Sich nach langem Zögern nochmal

Dann war dieser Schatz irgendwann
Geheilt genug entlassen zu werden
Er kam direkt in ein Lager für alle
Kriegsgefangene sie sah ihn nie wieder

So wurde ihre Schwester zur doppelten
Witwe für ein Leben in Trauer gefangen 
Was ihr Angst mache sich einfach so
Aus Lust und Vergnügen zu verlieben

Später habe sie dann in Schwabing wie
In Montparnasse gelernt dass neue Lust
Über altes Leid schnell hinweghilft doch 
Aber angeboren sei ihr die alte Liebe

Lese es und denke zurück noch an
Die frühen Lieben der Jugend deren
Erster ich mehr als einmal sein durfte
An große Dramen mit ganz viel Gefühl

Die wunderbare Lust die auf die frische
Versöhnung folgte alles wie neu machte
Um das beide vorher noch so litten das
Ein weiter so immer unmöglich schien 

Erinnere mich an die bald täglichen
Dramen der wunderschönen kroatischen
Prinzessin die aus Nichts noch immer
Zumindest ein Drama zaubern konnte 

Lag es denen im Süden im Blut noch
An die große Liebe zu glauben wie
Diese um ihr Leben zu inszenieren
Überlege ich und weiß es nicht genau

Die südlicheren echten Prinzessinen 
Aus dem Jemen Äthiopien oder dem
Früher Osmanischen Reich das heute
Nur die Türkei ganz schlicht blieb

Waren wesentlich gelassener ganz
Ohne Dramen dabei dafür auch die
Aus dem Kosovo spielte wenig vom
Balkannischen Theater mir vor 

Was dafür spricht auch diese Erzählung
Der schönen Melusine als starken wie
Deutlichen Ausdruck ihres Charakters
Zu sehen als echte Dramaprinzessin

Wer so etwas einmal erlebte wie ich
Über zwei Jahre ganz nah voller fast
Täglicher Sorge um ihr Leben ist
Vom Bedürfnis zu retten geheilt 

Sollte meinen wer Hessel lächelnd liest
Doch wenn sie am Ende meint immer
Wo die Liebe am vollkommensten war
Möchtest du sterben schlägt das Herz

Höher als gedacht und geträumt dabei
Geht es nur um das erhoffte Ende als
Konsequenz wirklich schöner Liebe
Doch das Leben geht einfach weiter


Bei Franz Hessel zu bleiben lag nun
Zugegeben nah und beide Bände auch
Im Stapel übereinander was das nahe
Auch schnell griffbereit machte

Als ein Flaneur in Berlin mit Hessel 
Als vermeintlichem Touristen weiter
Unter den Linden unterwegs nach
Humorvollem Ausflug über Kanonen 

Wird die dem Zeughaus auch direkt 
Benachbarte Schinkelsche Neue Wache 
Wie die früher dort marschierenden
Wachsoldaten der Garde beschrieben

Wie vergangen sind die alten Zeiten
Bei denen die Wache noch vor jeder
Kutsche der königlichen Familie ihr
Gewehr zum Trommelwirbel zeigte

Vom Kronprinzenpalais gegenüber
Das die moderne Kunst enthält also
Menzel Liebermann die Impressionisten
Wie auch einige Expressionisten sogar 

Erzählt Hessel nebenbei noch und ich
Denke lächelnd diese bilden heute den
Kern der Alten Nationalgalerie während
Moderne im Hamburger Bahnhof hängt

Weiter bei den Kronprinzessinnen noch
Vorbei also neben der Staatsoper dort
Ging es zur Bauakademie und ihren 
Schätzen wie Denkmälern davor

Von diesen blieb uns nur Schinkel
Der Wiederaufbau seiner Bauakademie
Ist noch immer umstritten weil manche
Architekten meinen sie sein besser

Lasse diese Anmaßung lieber hier
Unkommentiert freundlich wie Hessel 
Zu bleiben außer er spricht über den
Immer peinlichen Berliner Dom

Diesen zu sprengen verdienten die
Islamistischen Terroristen allein dafür 
Ein großes Bundesverdienstkreuz was
Vermutlich wenige Berliner verstehen

Stolz sind sie doch aut ihren großen
Protestantischen Petersdom der diesem
Sogar noch übertrifft und es geht dabei
Nur um Schwanzeslänge wie immer 

Wie wenig dieser peinliche Protzbau
Mit der schlechtesten Akustik zu Berlin
Wie zum Weltkulturerbe Museumsinsel
Passt zeigt uns Schinkels schlichte Wache 

Nebenbei wird noch von den vielen
Denkmälern hinter ihr geplaudert
Auf dem Weg zu Zelters Singakademie 
Die bis heute noch das Gorki besetzt hält 

Zu diesem 1848 als Parlament für das
Kurzzeitig demokratische Preußen noch
Genutzte Gebäude könnte sicher auch
Viel mehr erzählt werden er tut es nicht

Lieber gibt der Flaneur hier Geschichten
Aus den Erinnerungen von Laforgue dem
Französischen Vorleser der Kaiserin Victoria
Wieder zu den Ritualen der Wache

Hier halte ich die rückwärtig gelegene
Singakademie auch in der Berliner
Kulturgeschichte mit den Mendelssohns
Für deutlich bedeutender noch als

Die höfischen Anekdoten um die so
Zackig grüßenden Kadetten dort zu 
Denen auch mein Großvater gehörte
Wie der Kaisersohn Harry Kessler


Ein Plädoyer für den Schlager hält
Friedrich Luft in der Sammlung seiner
Texte unter dem Titel Berliner Luft 
Aus der geliebten Anderen Bibliothek

So säumten die Schlager als frivole
Musikalische Papiergirlanden unseren
Erhörten Lebenslauf auch wenn wir sie 
Hassen sollten tauchen sie immer auf 

Tückisch dringen sie durch die Ritzen
Unseres Bewusstseins ein um sich in
Der Erinnerung auszubreiten mithilfe
Von Radio und Hintergrundmusik

Wie jede Zeit ihre Schlager oder auch
Melodien hat die Menschen dann voller
Gefühl und gerne schunkelnd noch singen 
Erste Liebe im Krieg beim Wiederaufbau 

Niemand wäre gefeit gegen diese stete
Bewusstseinsunterwanderung die uns
Bekannte Melodien mitsummen lässt
Mit diktatorischer Unausweichlichkeit

Meistens völlig niveaulos wie bloß
Auf Eingängigkeit getrimmt nutzen
Schlager die Einbruchstelle in der
Das kritische Bewusstsein aussetzt

Der Schlager öffnet nicht das Gefühl
Er gibt sich der Sentimentalität hin
Weckt nach Jahren noch mit seinem
Klang alte Erinnerungen wieder in uns

Dies sei wohl so unausweichlich wie
Von der Schlagerindustrie beabsichtigt
Können wir nur hoffen dass sich nur
Fröhliche Melodien in uns festsetzen

jens tuengerthal 27.2.25

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