Sonntag, 16. Februar 2025

Lektürentagebuch 16.2.25

Lektürentagebuch 16.2.25

Die vierzehnte Geschichte im alten
Indischen Papageienbuch von der
Liebe der Lust und ihren Tricks mit
Viel Freude wieder gelesen

Es ging um die Ehefrau die ihren
Mann ständig verspottet und betrügt
Wie er sich darüber bei ihren Verwandten
Beschwert was sie wiederum zurückweist 

Behauptet einfach dreist wie es die
Erfahrenen Betrüger gerne tun das
Gegenteil und unterstellte ihrem Mann
Sie ständig mit allen zu betrügen

Es wird beschlossen nächste Nacht
Solle entschieden werden wer lügt
Was sie nicht am ausgehen hindert
Als ihr Gatte eingeschlafen ist

Dieser erwacht und bemerkt dabei
Die Abwesenheit seiner Frau worauf
Er aufsteht und die Tür verriegelt 
Damit er sie überführen könne

Als sie frisch gevögelt dann heimkehrt
Kann sie nicht ins Haus und setzt sich
Vor die Tür und beklagt laut ihr Schicksal
Verkündet sich umbringen zu wollen

Dazu wolle sie sich in den Brunnen
Stürzen geht auch zu diesem nimmt
Einem schweren Stein den sie mit
Lautem Schwung hinein wirft

Dies hört der erschrockene Mann
Läuft aus dem Haus zum Brunnen
Was sie nutzt ins Haus zu schlüpfen
Wie die Tür von innen zu verriegeln

Als er nun verzweifelt zurückgekehrt
Findet er die Tür verschlossen als sie
Auf sein Klopfen öffnet fallen beide
Sich glücklich versöhnt in die Arme

Damit war der Streit durch weibliche
List gelöst worden und keiner der beiden
Konnte ein reines Gewissen haben aber
War um das geteilte Glück bemüht

Wieder eine der typischen Geschichten
In denen starke kluge Frauen ihrer
Körperlichen Lust folgen um so alles
Was sie wollen frei zu genießen

Die Männer sind naive Narren die
Mit Macht um ihre Liebe kämpfen
Was selten zielführend ist doch sie
Als hoch emotional dabei offenbart

Wie sehr dieses Bild das die hier
Klassischen Geschlechterrollen 
Frech umkehrt realer ist sei als
Betroffener lieber dahingestellt

Jedenfalls lohnen die Geschichten
Als kleine erotische Häppchen aus
Einer alten Kultur sehr als Genuss 
Für die gemeinsame Lektüre

Wer sich dabei besser erkannt fühlt
Könnte viel über die Chancen es gut
Miteinander auszuhalten offenbaren
Falls das jemanden noch interessiert 


Der Arabische Diwan führte mich heute
In die Welt von Antara ibn Schaddâd ein
Des schwarzen Ritters wie ihn ein
Zeitgenössisches Comic gerade nannte

Als Sohn einer afrikanischen Sklavin wie
Eines arabischen Adeligen vom Stamme
Der Abs kämpfte er sich erfolgreich nach
Oben in der Stammeshierarchie 

Das Lied Antaras um Liebe Kampf
Aufstieg und Erfolg ist eines der wohl
Berühmtesten der arabischen Lyrik
Das sogar der Prophet schon lobte 

Über die reale Figur ist wenig bekannt
So werden die Sagen um ihn wie die
Geschichte aus seinen Versen als
Quelle zu seinem Leben genommen

Ein offensichtlich dunkelhäutiger der
Von Geburt her ein Sklave wäre hat
Durch Intelligenz und Mut sich das
Vertrauen des Vaters erarbeitet

Noch unfrei verliebte er sich in eine
Kusine die unnahbar fern ihm war 
Doch sein Erfolg als Krieger in den
Stammeskriegen wie als Dichter

Brachte die Wende im Leben
Was ihn der Liebe Glück bescherte
Ein wunderbar verwobenes Gedicht
Was auch Goethe lobte und liebte 


Eine kleine feine Skizze von Franz Hesel
Unter den Titel Filmbörse wiederum aus
Persönliches über Sphinxe gelesen wie
Seine feine Beobachtung bewundert

Mit der frisch aus Bulgarien nach
Berlin gekommenen Pekka geht
Der Erzähler zur Filmbörse wo die
Rollen der Zukunft verteilt werden

Erfährt von der guten Frau die alle
Persönlich und mit Rollen kennt
Räumlich getrennt sitzen dort die
Männer und Frauen und warten

Einige spielen auch wartend noch
Ihre Rolle weiter erzählen welch 
Große berühmte Diva sie waren
Wie sie sich nun auch bemühten 

Dann kommt ein Regisseur mit
Assistenten suchte welche und
Zwei sehr spezielle wollte er
Der Rest ging wieder leer aus


Ein wenig in das erste Kapitel
Der Walter Benjamin Biografie
Von Lorenz Jäger hineingelesen
Das von seiner Herkunft erzählt

Vom jüdischen Elternhaus zur
Ersten Erzählung als Fragment
Vom wohl jüdischen Händler
Ordnet Jäger die Herkunft ein

So Benjamins Abneigung gegen
Die nur Geldgeschäfte des Vaters
Nach Verkauf seines Anteils am
Kunst-Auktionshaus als Privatier

Wo ist hier das Vorurteil real das
Benjamin an seiner Herkunft mit
Scham auch zweifeln ließ oder
Soll er zur Widerlegung werden


Kurz noch in Franz Hessels ein
Flaneur in Berlin eingetaucht um
Mit ihm durch das Nikolaiviertel
Zu flanieren wie zu lernen 

Von der angeblich ältesten Kirche
Die Sankt Nikolaus geweiht wurde
Steht von 1380 nur ein wenig des
Granit im Fundament des Turms 

Ob darum Sankt Marien die wenig
Weiter am Alex steht diesen Titel
Für sich beansprucht ist unklar
Spielt für Hessel keine Rolle

Denke an die geliebte Architektin
Welche mir davon einst erzähle aber
Das wäre ein anderes Kapitel wohl
Als Franz Hessel heute erzählte

Das alte noch mittelalterlich geprägte
Nikolaiviertel hatte einige der ältesten
Wie kleinsten Häuser Berlins noch
Heute sind es verkleidete Plattenbauten

Schöne Anekdoten und Sagen erzählt
Der noch immer auf Stadtrundfahrt sich
Befindende Erzähler und Autor hier die
Jede schön die Lektüre für sich lohnte 

Die Fortsetzung der Fahrt nun nach
Neu-Kölln wie es bei Hessel heißt das
Über die Inselbrücke am Damm erreicht
Werden kann verwirrte heutige Berliner 

Es ging dort ins heutige Kreuzberg
Wo nur noch einige der hier schön 
Beschriebenen Bauten noch zu finden
Sind doch dafür lohnt die in Lektüre

Hessels Blick auf seine Berlin das er
Als Tourist neu betrachtet ist fein
Geht vom Grundriss zum Detail das
Zu den alten Sagen uns führt

Was davon ist Kindheitserinnerung
Welche Geschichten hörte er noch
In der Schule im Kaiserreich was
Ergänzt er durch neue Lektüre

Unerkennbar verschlüsselt der Autor
Seine Quellen als Flaneur in Berlin
Legt sogar verwirrende Fährten noch
Aber unterhält dabei ganz wunderbar

Warum wurde ich lieber Dichter statt
Als Historiker unter Quellen mich zu
Begraben denke ich der wie Hessel
Zu gern Sage und Phantasie mischt

Auch durch uralte Quellen belegbare
Sagen sind nichts als Produkte der
Reichen Phantasie immer auch was
Manche wenn belegt vergessen

Historikerinnen protokollieren nur was
Autoren leben und tanzen lassen
Die mir näher liegende Tätigkeit ist
Sich eine eigene Welt zu machen

jens tuengerthal 16.2.25

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