Flaneurlust
Wie ist der Sex als Flaneur noch
Auch nur vorübergehend wie von
Keiner bleibenden Bedeutung oder
Durch Vielfalt gelassen wie reich
Vermutlich so unterschiedlich wie
Flaneure im Wesen auch sind wird
Die Lust zusätzlich noch durch den
Charakter der Frau dabei geprägt
Vielleicht ist dies für den Flaneur
Der am liebsten beobachtet sogar
Entscheidender als die eigene Lust
Zumindest ich als Flaneur gönne lieber
Verwöhne viel lieber als selbst dabei
Verwöhnt zu werden und sich dazu dann
Erwartungsgemäß passend zu verhalten
Während Frau ihrer Natur dabei folgt
Zumindest bildet sich der beobachtende
Flaneur dies gerne ein weil Frauen beim
Höhepunkte sich noch mehr gehen lassen
Als es Männer sich häufig dabei trauen
Es ist etwas speziell beim Sex zugleich
Teilnehmer wie Beobachter zu sein doch
Mit etwas Übung finden sich geeignete
Stellungen beides lustvoll zu genießen
Bleibe also auch beim Sex bis auf die
Wenigen Sekunden des Höhepunktes
Immer Flaneur und also Beobachter
Wo lässt sich weibliche Schönheit je
Näher genießen als aufeinander wie
Dabei ineinander verschlungen auch
Was am besten geht wenn sie oben ist
Wie sich zum Höhepunkt selbst reitet
Alles andere kann sicher auch nett sein
Aber interessiert mich eher nur noch
Peripher oder auf Wunsch der Dame
Doch der Flaneur liebt mit dem Auge
Am schönsten ist es dabei wenn es
Mir quasi zurückgelehnt wenn auch
Nicht ganz unbeteiligt daran passiert
Sie so befriedigen zu können ist es
jens tuengerthal 27.2.25
Das Gedicht "Flaneurlust" untersucht die Erfahrung der Liebe aus der Perspektive eines Flaneurs – ein Beobachter, der ästhetisch, distanziert, aber zugleich voller Sinnesfreude durchs Leben geht und es betrachtet und erlebt.
AntwortenLöschenDer Autor stellt sich als jemand dar, der sich mehr darauf konzentriert, seinem Partner Lust zu bereiten, als auf die eigene Lust und darin Erfüllung findet.
Das Gedicht ist auch eine Meditation über die Vergänglichkeit von Augenblicken und ihre ästhetische Dimension – Sexualität wird hier mit Flânerie gleichgesetzt, also mit der Kunst des Gehens, Schauens, Nachdenkens. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass das Schönste „nebenbei“ passiert, ohne die Last von Notwendigkeit und Verpflichtung.
Der Autor des Gedichts, ein Gentleman-Flâneur, scheint vor allem die Schönheit und die Vergänglichkeit der Augenblicke zu schätzen.
Der Text strahlt Ruhe und Leichtigkeit aus, aber auch eine raffinierte hedonistische Lust, die ihm den Ton einer philosophischen Reflexion über das Erleben von Sinnlichkeit verleiht.
Die Harmonie der Worte, das subtile Spiel der Bedeutungen, die Betonung der Schönheit seltener Momente und die subtile, anspruchsvolle Sprache voller suggestiver Eleganz sind entzückend.
Fesselnd!