Montag, 30. Oktober 2017

Gliedleid

Was ist mit dem männlichen Glied los und wohin weist es?

Der Stolz des Mannes ist zugleich immer wieder der Grund seiner größten Scham - wir verbergen heute meist dezent, was uns zu Männern macht und wollen lieber unseres Geistes als unserer Penis wegen begehrt werden. Zumindest sollte Frau sich tunlichst hüten, den ihres aktuellen Bettpartners nicht für den schönsten und größten zu halten, zumindest jedenfalls, ihm das mitzuteilen, weil es auch die real vielleicht spärlicheren Bestände auf ein Minimum zusammenschrumpfen ließe.

Hatte zwei Liebhaberinnen, die mir von den größeren Schwänzen meiner Vorgänger erzählten, was ich zwar nicht glauben konnte, weiß ich doch um das reale Ausmaß meines James im Verhältnis zum europäischen Durchschnitt, dachte ich zumindest immer, mir aber den Sex mit diesen Damen so sehr vergällte, dass sie im Ergebnis wieder recht gehabt haben können. Überhaupt ist mein Schwanz nicht immer gleich groß und unterscheidet sich seine Standfestigkeit je nach Leidenschaft, die mit dem Gegenüber geteilt wird.

Es gab auch schon die peinlichen Fälle, bei denen er ohne übermäßigen Konsum legaler Drogen nicht stehen wollte - das Alkohol und Nikotin impotent machen, ist ja weithin bekannt. Beschämt bemühte ich mich dann noch, ihn irgendwie von Hand aufzurichten, statt dem Instinkt zu vertrauen. Wenn er nicht will, dann will er nicht und alles rubbeln ist verlorene Liebesmüh im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal klappte es dann am nächsten Morgen, wie ich überhaupt schon immer morgens eine höhere Standfestigkeit hatte als in der späten Nacht, wobei Ausnahmen die Regel nicht aufheben sondern bestätigen.

Die reale Größe des Schwanzes hängt von vielen Faktoren ab. Alkohol, Nikotin und Kälte lassen eher schrumpfen. Die innere Lust im Zusammenspiel mit der inneren Uhr tut ein übriges, ihn stehen oder sinken zu lassen. Es liegt nicht an der Schönheit des Gegenübers, sondern an der inneren Bindung und der Geilheit aufeinander und miteinander.

Viele Männer benutzen Frauen als befeuchtete Onaniermaschinen, in die sie abspritzen, ohne sich weiter um die Befriedigung der Partnerin zu kümmern. Finde diese Form des Sex entbehrlich und mache es mir dann lieber selbst, weil es ohnehin auf das gleiche hinausläuft - nachdem ich die ersten 40 Jahre meines Lebens dachte, es sei der Normalfall, zusammen zu kommen und das Gegenteil die seltene Ausnahme, weiß ich heute, es verhält sich genau umgekehrt.

Dieser Einschub gehört insofern zum Thema, weil mich die Erfahrung gelehrt hat, dass mich Frauen, bei denen ich nicht spüre, wie sie kommen, die also eigentlich nichts dabei empfinden, impotent machen und meinen Schwanz schrumpfen lassen, während er im umgekehrten Fall immer wieder gern über sich hinaus wächst. Das ist nicht die Schuld der Frauen oder meine Schuld, es ist bloß meiner Natur geschuldet, die Sex nur gemeinsam wirklich gut findet und das übrige Gerubbel für entbehrlich hält.

Fraglich bleibt, was den Schwanz wachsen lässt und ob dazu der schlichte Reiz beim Blick auf primäre Geschlechtsmerkmale genügt oder diese notwendig immer in einem geistigen Kontext stehen müssen.

Würde mich nicht der bloße Anblick meiner zugegeben wunderschönen Frau schon scharf machen, hielte ich das für eher ungesund. Andererseits würde sie vermutlich eher säuerlich reagieren, wenn ich sie auf diese reizvollen primären Merkmale reduzierte. Sie möchte als ganze Frau und ganzes Wesen geliebt werden, sagt von sich, sie sei ohnehin eher sapiosexuell -  was für ein Glück für mich, dass sie dabei noch so einen perfekten Körper hat und meine Unzulänglichkeiten im Schatten der geistigen Liebe völlig übersieht.

Doch genügt mir ein Foto nur ihrer Brüste oder ihres Schoßes, mich auch in der Ferne schon heiß zu machen - brauche dazu weder in ihre Augen zu schauen, noch ihre Stimme zu hören. Sie sagt gleiches beim Anblick meines James, was vermutlich auch noch ziemlich normal ist.

So wirken also die primären Merkmale auch ganz singulär betrachtet - fraglich nur, ob sie das dürfen oder da nicht genau das Problem zumindest des männlichen Gliedes liegt.

Montaigne schrieb großartig schon vor über 400 Jahren zu dieser Frage in seinem Essay über das männliche Glied, das sich mit genau dieser Frage beschäftigt. Warum steht es so oft, wenn es nicht soll, fühlt sich also auch mal unziehmlich erregt, versagt aber den Dienst, wenn wir am meisten auf ihn bauen am ehesten und bereitet der mit Stolz geschwellter Brust der Verehrten gegenüber noch gepriesenen Männlichkeit manch peinliche Niederlage oder führt zu ewigen überflüssigen Diskussionen, weil Frau dies bloß zeitweise organische Versagen, auf sich bezieht.

Warum steht es, wenn es nicht soll und quält uns gern, wo es gerade überhaupt nicht passt, macht dann schlapp, wenn wir seiner am dringendsten bedürfen?

Ist das wie mit dem Sex in vielen langen Beziehungen, der eintönig wird, weil die Abwechslung so sehr wie die Phantasie fehlen?

Weiß es nicht so genau und denke das männliche Glied, meines zumindest, reagiert auf so viele unterschiedliche Dinge und wird von diesen beeinflusst, dass es einfacher wäre, das menschliche Genom zu entschlüsseln als alles, was auf diesen enormen Schwellkörper wirkt.

Enorm ist wirklich, wie sich Größe und Form zwischen erschlafften und erigierten Glied verändern. Sicher schwillt auch bei der Frau die Klitoris im erregten Zustand ein wenig - genau wie die Schamlippen und bei manchen stellen sich auch die Brüste noch wunderbar auf, was die Lust ebenfalls stehend sichtbar macht, doch verglichen mit dem männlichen Glied sind die Unterschiede der Erregung minimal und nur dem Kenner sichtbar, warum vermutlich auch so viele Kerle nie  mitbekommen, ob ihre Frau nun kam oder nicht. Hier kann nichts vorgespielt werden und das macht diese enorme Naturleistung so großartig.

Früher hieß es immer, ein erregtes Glied raube dem Hirn Sauerstoff oder Blut und mache die Männer darum leicht blöde und zielgerichtet. Glaube nicht, dass sich diese Behauptung noch wissenschaftlich bestätigen ließe, es ist mir aber auch egal - viel wichtiger finde ich die Frage, ob wir Männer mit geschwollenem Glied tatsächlich noch klar denken können oder nie.

Frau erwartet von uns einerseits, dass wir ganz im Moment der Lust sind und unsere körperliche Höchstleistung für sie erbringen, dabei am besten noch auf ihre Lust achten und andererseits immer ein feinfühliges denkendes Wesen bleiben, dass nur wie ein Tier reagiert, wenn und solange dies gewünscht ist, ansonsten aber jede Stimmungsschwankung registriert und feinfühlig registriert. Eine Gratwanderung, die mir in meinem Leben manches mal schwer fiel, ohne weiter darauf eingehen zu wollen, woran es dabei mehr mangelte

Triebhaft sein und also der Natur folgen, um ihr die Herrschaft über das Glied zu geben, auf dass dieses aufrecht stehe und zugleich feinfühlig und sensibel, um Frau und ihre Bedürfnisse zu erspüren, den richtigen Moment zu erfühlen, ist nicht nur theoretisch eine solche Gratwanderung, dass ich froh bin, mich nicht mehr mit diesem Thema beschäftigen zu müssen, weil meine Frau eigentlich immer Lust hat, andere mich schon darum nicht mehr interessieren, weil ich ohnehin nie etwas vergleichbares oder besseres noch erwarten könnte.. Zum Glück haben wir die Sprache um die Missverständnisse dabei zumindest theoretisch klären zu können. Praktisch funktioniert das mit der Verständigung von Mann und Frau zwar selten so reibungslos aber auch das ist ein zu weites Feld, es hier zu betreten, wo es doch nur um das männliche Glied geht.

Dieses steht also im täglichen Kampf vor dem schwierigen Spagat, einerseits wild und triebhaft zu sein, zuverlässig  zu stehen wie eine eins und andererseits so feinfühlig wie möglich zu bleiben und nicht unser ganzes Denken zu dominieren, weil wir sonst ohnehin gleich von jeder als Sexisten abgestempelt werden, außer sie ist zufällig auch gerade scharf auf uns und es passt, was ja, wie ich heute weiß, doch eher die seltene Ausnahme ist und ich freue mich, wie ich fast vierzig Jahre lang mit einer Illusion von den Frauen leben konnte, bei der ich dachte, es lohne sich, viele zu haben, jede sei anders und jede Frau könne kommen. Kann sie zwar, aber meist eher nur alleine als beim Sex und die sollen es sich ruhig selbst machen, genau wie die Typen, die nur eine Öffnung zum abspritzen suchen. Beides überflüssig.

Wüsste meine Frau, dass es in der Natur des Mannes und seines Gliedes liegt auf jeden weiblichen Busen und jeden Schoss mit Aufrichtung zu reagieren und es nur durch geistige Disziplin, eisernen Willen und viel Gefühl von seiner Natur ferngehalten wird, müsste ich es vermutlich ewig mit ihr diskutieren und würde sogleich von ihr als Triebtäter abgestempelt, der ich ja nicht zu sein, jeden Tag versuche, der ich aber im richtigen Moment für sie dann wieder ganz sein muss und wehe wenn nicht, weil das sogleich Zweifel an der Aufrichtigkeit meiner Liebe begründete, auch wenn die unendliche Komplexität deutlich eine andere Sprache spricht.

So soll sich das männliche Glied gefälligst aufrichten, wenn es den zumindest in meinem Fall bildschönen Körper seiner Herrin sieht, aber doch bitte nicht nur auf die primären Merkmale sie reduzieren, die diese Aufrichtung wiederum alleine auslösen. Glaube, es gibt keine Lösung für diese Frage als die Konfrontation mit der Realität:

Wenn Frau das männliche Glied stehend genießen will und sich an der Erektion beim Anblick ihrer Nacktheit freuen will, seine Steife länger als nur einen Moment genießen will, kurz gesagt, richtig guten Sex möchte, sollte sie sich an der Natur freuen und keine geistigen Erwartungen dieser gegenüber hegen.

Wenn Mann treu ist, sei es aus Überzeugung oder wie in meinem Fall aus Erfahrung und Vergleich, die lehrten, es gibt nichts besseres, als ich habe, dann ist er das nicht seiner Natur nach, sondern aus einem eher ethisch philosophischen Beschluss heraus. Wäre es anders, hätte Frau nicht mehr viel Freude an der männlichen Standkraft, da diese einfach auf schlichte Reize reagieren muss, um zu funktionieren, wie sie funktioniert.

Wie es mit der Natur der Frau ist, werde ich als Mann nie zu beurteilen wagen, wie käme ich dazu diese Komplexität auch nur annähernd verstehen zu meinen?

Manche benutzen Dildos und wissen die Lust von Innen zu schätzen, was aber die wenigsten wohl sind. Mehr benutzen es als Statussymbol oder außerhalb. Aber zum Glück ist diese für meinen schlichten männlichen Geist viel zu komplexe Frage kein Thema bei der Erörterung zum männlichen Glied.

Was weiß ich schon über das Glied und seine Zustände?

Wenig wohl, es hängt eben immer am Träger und wenn es das nicht mehr tut, reagiert es selten noch in gewünschter Weise, weil die Versorgung durch Herz und Hirn fehlt, ohne zu wissen, was dabei mehr  Bedeutung hat und nach den Hormonen gar nicht gefragt.

jens tuengerthal 30.10.2017

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