Sonntag, 15. März 2026

Lektürentagebuch 15.3.26

Lektürentagebuch 15.3.26

Bei Buddenbrooks kommt es im
Sechsten Kapitel zur Verlobung 
Von Clara Buddenbrook mit dem
Pastor Sievert Tiburtius aus Riga

Der hatte war auf Empfehlung eines 
Kollegen der die gute Küche erinnerte
Im Hause Buddenbrook auf dem Weg
Zurück nach Riga Station gemacht

Es passte der Pastor mit dem langen
Gelben geteilten Backenbart perfekt
Zur ruhigen etwas größeren Clara
Die gerade 19 Jahre geworden war

Wunderbar beschreibt Thomas Mann
Den Weg dorthin und wie sich der nur
Kurz geplante Aufenthalt immer weiter
Nach hinten Tag für Tag verschiebt

Wie er dann bei einem Spaziergang
Vor der Stadt und einem Ausflug zum
Dort Gartenlokal Clara fragt und diese 
Mit entschiedenem Ja nun antwortet

Ist so zauberhaft zart beobachtet
Wie das Gespräch das Tiburtius 
Danach im Landschaftszimmer mit
Der erschöpften Konsulin sucht

Auch diese stimmt gerne zu weil 
Sie die Verbindung für gesegnet hält
Schreibt nur noch ihrem Sohn Tom 
Der in Amsterdam ähnliches sucht

Davon aber erfahren wir erst im
Nächsten Kapitel dann im Brief 
Von Tom aus Amsterdam an seine
Frau Mama für nächsten Sonntag

So geht bei Buddenbrooks gerade
Alles seinen guten geordneten Gang
Will es scheinen bevor die nächsten
Ereignisse das Leben verändern

Im Zauberberg das Kapitel über
Mynheer Peeperkorn des weiteren
Begonnen und sich dort an der
Eleganz des Diskurses gefreut

Hier tritt der große Humorist und
Bürger Thomas Mann gleich zu
Beginn aus dem Kapitel das er
Erzählt und offenbart sich als

Erzähler der es schon besser weiß 
Etwa wie lange der Holländer diese 
Beeindruckende Persönlichkeit noch
Im Berghof bleibt und ob er abreist

Doch trotz ganz neugieriger Fragen 
Erfahren wir Leser noch nichts über
Den Abgang des gewichtigen Mannes
Der in den Kolonien so reich wurde

Ob er vom tropischen Wechselfieber
Dahingerafft wurde lässt Mann sich
Als inszenierender Autor neugierig
Fragen aber verrät noch nichts vorab 

Wozu du die Ungeduld spottet er mit
Viel Humor das nicht alles auf einmal
Da ist bleibt die Bedingung im Leben
Wie in der Erzählung und gegen die

Natürlichen Bedingungen wird sich
Doch wohl keiner auflehnen wollen
Spottet Mann dazu so will er der Zeit
Soviel Ehre geben wie es das Wesen

Der Geschichte uns noch erlaubt 
Viel sei es ohnehin nicht mehr es
Ginge geradezu holterdiepolter oder
Weniger lärmend gesagt husch husch 

Schon Jahre wären sie jetzt hier oben
Ihn schwindelt ob dieses Lastertraums
Ohne Opium und Haschisch es würde 
Der Sittenwächter ihn einst verurteilen 

Doch absichtlich stellte er der sonst
Schlimmen Vernebelung ganz viel
Verstandeshelligkeit darum entgegen
Mit logischer Schärfe seien darum

Das möge doch Anerkennung finden
Köpfe wie Settembrini und Naphta
Zum Umgang gewählt worden statt 
Sich mit lauter Peeperkorns noch

Weiter zu umgeben in ihrer steten
Undeutlichkeit was jedoch zu einem
Vergleich führt der nach dem Format
Zugunsten des letzteren ausginge

So gestand sich Hans Castorp in
Seiner Loge eingewickelt liegend
Dass seine beiden überartikulierten
Erzieher verzwergten verglichen

So neigte Hans dazu sie zu nennen
Wie die Persönlichkeit ihn trunken
Aus königlicher Laune nannte also
Schwätzerchen und sich glücklich

Pries dass die hermetische Pädagogik
Ihn mit einer echten Persönlichkeit in
Berührung noch gebracht hatte dass 
Diese Persönlichkeit nebenbei noch

Clawdias Reisebegleiter war und die
Eigenen Pläne gewaltig störte war
Ein Punkt für sich der aber die ganze
Bewertung von ihm nicht beeinflusste

Er ließ sich nicht beirren in seiner
Achtungsvollen wenn auch mal
Kecken Teilnahme für einen Mann
Von Format nur weil dieser mit

Frau Chauchat von der er sich nur 
Einmal in einer turbulenten Nacht
Einen Bleistift lieh mit ihm eine
Gemeinsame Reisekasse führte

Das lag nicht in seiner Art wobei
Mann damit rechnet dass mancher 
Oder vor allem manche daran noch
Anstoß nehmen werden ohne alles 

Verständnis für solchen Mangel an
Temperament es also lieber sähen
Wenn er Peeperkorn gehasst oder
Zumindest gemieden haben würde 

Statt ihn noch zu besuchen wenn
Wenn er vom Wechselfieber geplagt
Mal wieder flach lag und mit ihm zu
Plaudern was nur Hans Beitrag meint 

So ließ Hans mit der Neugier eines
Bildungsreisenden das Wesen dieser
Persönlichkeit auf sich wirken auch
Wenn es an Ferdinand Wehsal 

Der demütig noch Hans Castorps
Paletot trug erinnern könnte denn 
Sein Held war kein Wehsal so waren
Elendstiefen nicht seine Sache je

Er war und diese Stelle ist wieder
Genial eben kein Held was hieß er 
Ließ sein Verhältnis zum Männlichen
Nicht durch die Frau bestimmen

Seinem Grundsatz getreu ihn nur so
Darzustellen wie er ist stellt er fest
Dass Hans es ablehnte sich gegen
Sein Geschlecht aufbringen zu lassen

Er wollte sich nicht durch bloße
Romanhafte Einflüsse um die
Gerechtigkeit gegen das eigene
Geschlecht bringen lassen

Auch wollte er die Bildungserlebnisse
In dieser Sphäre nicht verpassen was 
Den Frauen missfallen mag wie es
Auch Clawdia offensichtlich verärgerte

Dies zeigte sie durch ihr Verhalten
Doch machte ihn diese Eigenschaft
Zum tauglichen Streitobjekt auch der
Pädagogik von verschiedenen Seiten

Bin wieder restlos begeistert mit
Wieviel Humor und Bildung Mann 
Hier auf zwei Seiten ein wahres
Feuerwerk der Persönlichkeit zündet 

Im Kreise der großen bürgerlichen
Romane der 20. Jahrhunderts nun
Noch ein wenig auf die Suche nach
Der verlorenen Zeit gemacht also

Weiter mit Prousts la recherche im
Schatten junger Mädchenblüte auf
Der Strandpromenade von Balbec
Weil sein Freund Saint Loup leider

Größere Teile der Zeit abwest
Beobachtet der Protagonist und 
Ich-Erzähler die Strandpromenade 
Mit um diese Zeit vielen Gästen

Da fällt ihm eine Gruppe junger
Mädchen auf die ihn verzaubern
Eine schiebt ihr Rad während eine 
Andere Golfschläger dabei trägt

Wunderbar wird beschrieben wie
Die Kurgesellschaft sie ins Auge
Nimmt teils mit ihrem Lorgnons
Die sich in der tiefen Sonne spiegeln 

So sitzen sie reihenweise vor dem
Pavillon und bald werden die Objekte
Der Beobachtung in noch freier erster
Reihe zu Subjekten des Beobachtens

Liebe und infolgedessen Furcht sei
Eine der stärksten Triebfedern des 
Menschen zu gefallen zu verblüffen 
Oder unsere Verachtung zu zeigen

Es ist erstaunlich immer wieder wie
Proust vom leichten Geplauder über
Standschönheiten in Balbec plötzlich
Zu emotionalen Tiefen wechselt

Er lullt uns Leser gekonnt mit der
Strandstimmung ein die von lokaler
Schönheit plätschernd schwärmt um
Dann solche Hämmer zu bringen

jens tuengerthal 15.3.26

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