Montag, 13. Juli 2026

Lektürentagebuch 13.7.26

Lektürentagebuch 13.7.26

Harry Kessler plaudert wunderbar in 
Den Erinnerungen eines Europäers
Weiter über das Leben in Kurorten
Diesmal ist es Bad Kissingen

Der bevorzugte Kurort Bismarcks
Der dort mit Familie weilte aber mit
Kesslers noch nicht bekannt war
Was er alsbald nachholte dazu

Seinen Sohn Herbert vorsprechen
Ließ und zum Tee bei ihnen bat 
Die quasi nebenan wohnten im
Auftrag des berühmten Vaters 

Der als Reichseiner bereits berühmte
Fürst wollte sie unbedingt treffen hatte
Sie schon auf dem Balkon gesehen
Wie vielleicht auch dort singen gehört 

Der eiserne Kanzler suchte so in einer
Zeit in der er bereits zahlreichen auch
Anfeindungen bei Hofe ausgesetzt 
War neue Verbündete zum Kaiser

Er sprach schon beim ersten Tee über
Die Lästereien denen seine Mutter am
Hof ausgesetzt wäre sprach also über
Sich und suchte deutlich Verbündete

Wie sehr der alte Kaiser die junge
Schöne Frau Kessler schätzte
Pfiffen ja schon die Spatzen von
Den Dächern im jungen Kaiserreich

Der tägliche Tee bei Bismarcks wurde 
Nun üblich morgens gab es schöne
Spaziergänge sein Vater mit ihm und 
Herbert Bismarck seine Mutter mit

Der Tochter Maria zum plaudern
Es wurde darüber geredet ob die
Eltern nach Berlin kommen sollten 
Sein Vater vielleicht Minister würde

Das ganze spielte sich im Jahre 1874
In Bad Kissingen ab es ist also die
Zeit des Kulturkampfes gegen die
Katholische Kirche und ihre Macht

Wer hat die Macht am Rhein was
Können die Preußen durchsetzen
Wo wehren sich die Katholiken mit
Zentrum im Parlament im Kampf

Bekommt der Staat die Hoheit über
Die Schulen einige waren aufgebracht 
Unter ihnen auch ein Kullmann der
Ein Attentat auf Bismarck verübte

Noch vor der Haustür nur wenige
Meter von ihrem Haus also und
Seine Mutter schickte ihn mit Blumen
Zu Bismarcks wo die Fürstin öffnete

Genau erinnert er sich daran dass
Diese einen Morgenmantel mit einem
Dicken Flicken unter dem Arm trug
Wie sie ihn zum Kanzler führt

Er übergibt der eindrucksvollen 
Persönlichkeit seine Blumen die mit
Buschigen Augenbrauen liegend noch
Grüße an seine Mutter bestellt

Das Verhältnis bestand noch fort dies 
Zu demonstrieren wie den schlichten 
Geist der junkerlichen Familie wie er
Es wörtlich schreibt druckt er noch

Mehrere Briefe von Maria Bismarck
Ab die eher schlichte Plauderei sind
Erstaunlich ist nur dass Harry meint er 
Müsse um die acht gewesen sein

Passenderweise was hier Zufall ist 
Fand dieses Attentat am 13. Juli 1874
In Bad Kissingen statt also genau
Heute vor 152 Jahren dabei blieb 

Der Reichskanzler zwar nur leicht
Verletzt mit viel Glück dafür bekam 
Attentäter Kullmann lebenslänglich 
Starb 1892 in Haft an Tuberkulose

Bismarck verschärfte infolge noch
Seine Politik des Kulturkampfes der
Sich gegen die Macht Roms richtete
Die er nicht mehr dulden wollte

Leider nur war der Reichskanzler 
Eines Kaisers von Gottes Gnaden
Nicht der Richtige um Deutschland
Früh zum Laizismus zu bringen

Weiterer Ausdruck dieser wohl eher
Atavistisch zurückgebliebenen Sicht 
Ist der furchtbare Berliner Dom den 
Wilhelm II nach Bismarcks Abgang 

Egal ob der Lotse dabei das bereits 
Sinkende Schiff nur verließ oder vom
Sich überschätzenden Kaiser dazu 
Gefeuert wurde neobarock baute

Maßstab für diesen völlig unförmigen
Koloss der eine schöne Kirche von 
Schinkel dort verdrängte war allein die
Kuppel größer als der Petersdom

Wir erleben ähnliche Peinlichkeit mit
Furchtbaren architektonischen Folgen 
Gerade in Washington keiner verriss
Den Wilhelminismus so wie Kessler

Ob Bismarck der leicht hysterische
Choleriker wie verantwortliche völlig 
Verfehlter Sozialpolitik an der wir bis
Heute noch leiden bedeutend ist oder

Zum Wilhelminismus einfach passte
Auch wenn Wilhelm II ihn feuerte sei 
Hier dahingestellt sicher aber wird
Der üble Intrigant auch überschätzt

Wieso aber Harry Kessler meint er
Wäre 1874 acht gewesen und
Maria Bismarck im August zum 9.
Für den kleinen Harry gratuliert 

Bleibt rätselhaft beim 1868 im April
In Paris geborenen Grafen der
Da noch keiner war aber doch zu
Gerne seine Mutter glänzen lässt 

Warum erzählt Kessler das auf eine
Wenig bescheidene Art was will er
Damit von sich zeigen in einem 1935
Erstmals erschienenen Band 

War hier das Lektorat schlampig oder
Verwirrt der rote Graf sein Publikum
Bewusst ein wenig über die gute alte
Zeit nachdem er schon 1918 nach

Links eher abgebogen war aber dafür
Später DDP Mitglied wurde also ein
Liberaler passend zur Herkunft war 
Jedenfalls 1933 nach Frankreich ging

Sicher spannend ist es hier die so
Wichtige Geschichte des Kampfes 
Von Bismarck mit Rom zu erleben 
Aus Sicht beteiligter Zeitgenossen

Stephen Greenblatt schreibt in seinem
Buch Dunkle Renaissance im zweiten
Teil von Kapitel 5 über die strahlenden
Studienjahre Christopher Marlowes

Mangels konkreter Belege aus der
Studienzeit von Marlowe wird nun
Das Treiben zunächst allgemein
Beschrieben und wie sie lernten

Hier stand das Erlernen der Kunst
Der Argumentation in fließendem
Latein im Mittelpunkt dazu traten
Die Studenten gegeneinander an 

Sie sollten auch zentrale Fragen
Des Glaubens argumentativ lösen
Ob Gott alles weiß es eine Hölle
Gibt was Mensch wissen kann 

Damit lernten sie zu Fragen auch
Positionen zu vertreten die noch im
Offiziellen England bestraft wurden 
Was den Verstand schärfen sollte

Daneben spielten sie auch Theater
Die Frauenrollen waren umstritten
Wurden aber teils auch gut belohnt
Etwa von Elisabeth wenn es gefiel

In dieser Zeit begann Marlowe neben
Einem zwölfstündigen Programm an 
Unterricht mit seiner Übersetzung von
Ovids Amores die er bei seinen 

Studien in der Bibliothek entdeckte
Fand dafür ein neues Versmaß das
Dem lateinischen ähnlicher war so
Die Verständlichkeit noch erhöhte

Teils sehr delikate Texte von den
Liebesabenteuern des Autors wurden
So erstmals in englische Verse für
Ausgewählte Leser gebracht

Das Buch erschien erst später auch
Gedruckt mit Marlowe als Übersetzer 
Wurde aber schon 1599 verbrannt
Weil es gegen gute Sitten verstieß 

Nun endlich kommt Greenblatt auf
Das vakante Thema Homosexualität
Zu sprechen über ein Gesetz aus
Der Zeit von 1533 unter Heinrich VIII

Dies bedrohte die Sodomie mit der
Todesstrafe ohne dabei konkreter 
Festzulegen was als solche galt 
Worüber Greenblatt philosophiert

Über die geteilten Betten von 
Studenten und auch Tutoren kommt
Der Autor zur gleichgeschlechtlichen
Lust welche so wohl natürlich war

Da offiziell verboten gibt es dazu 
Keine Quellen was aber dann im
Dunkeln unter den Bettdecken
Wirklich geschah ist etwas anderes

Marlowe vertrat dazu sehr freie 
Positionen wie aus einigen Versen
Ableitbar zugleich war aber die 
Freundschaft von Männern geschätzt

Männer die sich umarmten oder
Zur Begrüssung küssten auch von
Tiefer Liebe sprachen waren normal
Wie es auch Montaigne beschreibt

Marlowe soll laut Kyd vertreten haben
Dass Johannes und Jesus sich auf
Eine außergewöhnliche Art liebten 
Er sei der Alexis von Jesus gewesen

Falls Marlowe tatsächlich so etwas
Geäußert haben sollte mutmaßt hier
Greenblatt sehr vorsichtig könnte er
Eigene Erfahrungen beschreiben

Dies sind noch keine wirklichen
Beweise für die Neigung Marlowes
Aber nähert sich vorsichtig der 
Frage der sexuellen Neigungen

Wer auch immer mit wem in einem 
Bett alles schief als hätte es Mangel
An Betten gegeben im England unter
Elisabeth scherzt Greenblatt dazu

Es ist jedenfalls davon auszugehen
Dass die jungen Männer sich nicht
Nur im Bett gewärmt hätten sondern
Auch sonst Erfahrungen sammelten

Die Übersetzung des Ovid wie die
Präsenz des Themas im Theater
In der reinen Männergesellschaft 
Lässt mehr vermuten als wir wissen 

Ricarda Huch beschreibt weiter im
Lebenslauf des heiligen Wonnebald 
Pück mit viel Humor von seinen zwei
Neuen Freunden die natürlich auch

Zu den ersten der Gesellschaft dort
Gehörten und ihm im Alter nah waren 
Der Justizrat Doktor Gregorius
Schimmelmann ein Kunstkenner wie

Großer geschmackvoller Genießer 
Sowie der Medizinalrat Doktor Joseph
Maria von Boll der eher beschränkt 
Alle Konfessionen bei sich behandelte 

Aber alle die nicht Katholiken waren 
Dafür schneller sterben ließ außer sie 
Konvertierten noch rechtzeitig der von
Pück ständig Spenden auch wollte

Dazu kosteten die regelmäßigen
Abendessen der drei Herren mit dann
Bestem Wein mehr als Pück hatte
Was zur Geldnot schon genüge 

Schimmelmann sammelte als Kenner
Kunst und war mit dieser exquisit
Eingerichtet womit Wonnebald auch
Mithalten wollte und darum nun

Für viel Geld Kunst auch kaufte ohne
Ahnung davon zu haben nahm er was
Teuer war ihm darum gut erschien
Warf dafür viel Geld heraus

Dazu kam noch seine Geliebte die
Vorsteherin des Damenstiftes dort
Hermenegilde und sein Sekretär und
Schützling Lando die beide aus ganz

Unterschiedlichen Gründen große
Summen von ihm wollten für ihr je
Liederliches Leben und für sich
Was besonders die Dame betraf

So locker diese mit ihrem Liebhaber
Lebte so streng war sie mit den 
Damen ihres Stiftes was häufiger
Zu Beschwerden bei Wonnebald

Führte dem das Stift unterstand
Was er aber nur mit ihr besprach
Sie gelegentlich sogar freikaufte
Wenn die Verwandten Ärger machten 

Wonnebald Pück war also trotz des
Größeren Einkommens bald wieder
In Geldnot und dachte er müsse nun
Ein Wunder finden gut weiterzuleben 

Welch feine Kritik der Zustände steckt
In dieser kleinen Beschreibung wieder
Wie sich die Elite der Gesellschaft in
Gegenseitiger Konkurrenz verschuldet

Auch das Wesen nötiger Wunder um
Das teure weltliche Leben weiterhin
Finanzieren zu können offenbart eine
Der dunklen Seiten der Kirche hier

jens tuengerthal 13.7.26


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen